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Zu Besuch bei Familie Herondale

KurzgeschichteAllgemein / P12 / Gen
Cecily Herondale Gabriel Lightwood Tessa Gray Will Herondale
10.06.2014
24.09.2014
3
3.158
 
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10.06.2014 1.980
 
Hey!! Es tut mir unendlich leid, dass das neue Kapitel so lang gedauert hat, aber erst hatte och ein paar Inspirations- und Zeitprobleme, dann ein paar technische. 
Aber naja, besser spät als nie, ich hoffe ihr könnt mir verzeihen. Hoffentlich hat sich das Warten gelohnt...

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Unwillig registrierte Will, dass alle Augen auf ihn gerichtet waren. Er hätte sich am liebsten selbst den Hals umgedreht. Was musste er dieses Thema auch noch selbst ansprechen? Aber nun war es zu spät, der Moment war da! Der Moment, vor dem er geflüchtet war, seit er die klagenden Laute seiner Mutter gehört hatte, die aus dem Zimmer kamen, in dem seine tote und entstellte Schwester lag. Wenn er ehrlich war, hatte er die ganzen letzten 5 Jahre nichts anderes getan, als diesen einen Augenblick solange wie möglich hinauszuzögern. Er dachte an die unzähligen Briefe, die er geschrieben hatte, nur um sie anschließend wieder ins Feuer zu werfen. Es gab einfach Dinge, für die ein Brief nicht ausreichte. Es war ihm ja schon schwer gefallen, es Magnus zu erzählen. Und später dann Jem, Tessa und den anderen. Natürlich hatte er gewusst, dass sie es verstehen würden, aber trotzdem hatte er Angst vor ihren Blicken, ihrem Mitleid gehabt. Denn das wollte er nicht! Aber im Endeffekt war er froh gewesen, dass dieses Spiel, dieses Netz aus Lügen endlich ein Ende hatte. Und nun hatte er auch noch unverhofft die Chance bekommen, mit seinen Eltern reinen Tisch zu machen. Er fragte sich wirklich, wie sie reagieren würden. Würden sie ihn hassen? Nun, es gab nur einen Weg das herauszufinden. Irgendwie wünschte er sich, dass Jem hier wäre. Er wusste immer Rat. Aber dann glitt sein Blick zur Seite und er begegnete Tessas grauen Augen, die ihn voller Liebe und Vertrauen ansahen. Und er wusste, dass sie alles war, was er brauchte. 
Er warf ihr noch einen letzten Blick zu, den sie liebevoll erwiderte, dann holte er tief Luft und begann zu erzählen: 

" Ich weiß nicht, ob ihr euch noch daran erinnert, es ist schließlich schon eine Weile her, aber erinnert ihr euch noch an diesen Tag, an dem ihr zu unseren damaligen Nachbarn gefahren seid und wir alleine zuhause geblieben sind, der Tag bevor Ella ... " 

" Ja.", sagte Wills Mutter leise, "Wie könnte ich diesen Tag je vergessen, unseren letzten Tag als Familie..." , ihre Stimme brach und ihr Mann nahm sie tröstend in den Arm. 

Will sah seine Eltern nur schmerzerfüllt an. 

" Es hat geregnet und mir war langweilig, also hab ich in Dads alten Sachen gewühlt und da gab es dieses Fach im Schreibtisch..."

Sein Vater sog scharf die Luft ein, doch Will bemerkte es nicht, er war mit seinen Gedanken ganz woanders, gefangen in der Vergangenheit.

"Darin lag eine Art Box und natürlich hab ich sie aufgemacht, ich wusste ja nicht, was es war-"

" Du hast WAS ?!",  rief Edmund Herondale entsetzt und bleich wie der Tod.

Will zuckte unter dem plötzlichen Lärm zusammen und auch der Rest von ihnen schreckte auf.
Erstaunt schaute Will zu seinem Vater.

" Aber du musst doch bemerkt haben, dass der Dämon nicht mehr da ist...?"

" Naja, um ehrlich zu sein hatte ich bis jetzt geglaubt, dass Ella den Dämon irgendwie aus Versehen freigelassen hat, oder dass er sich irgendwie selbst befreit hat und sich in Ermangelung meiner Anwesenheit an meiner ältesten Tochter gerächt hat. Ich bin schließlich nicht dumm, William, ich weiß wie ein Toter aussieht, der durch eine Dämonenverletzung gestorben ist; ich habe es in meinem Leben immerhin schon oft genug gesehen - sogar öfter als mir lieb ist!"

Cecily und ihr Bruder starrten ihren Vater mit offenem Mund an. Offensichtlich hatten die beiden das frühere Leben ihres Vaters vollkommen verdrängt, stellte Tessa belustigt fest.
Doch Edmund Herondale war noch nicht fertig damit, seinem Ärger Luft zu machen:
" Wie konntest du nur, Will! Ich dachte ich hätte mich klar genug ausgedrückt, als ich sagte, ihr solltet meine Sachen in Ruhe lassen! Wie oft habe ich euch gewarnt, dass es viel zu gefährlich ist irgendetwas davon anzufassen!"

Jetzt war es an Linette, ihren Mann zu beruhigen.

" Bitte mein Lieber, das ist doch schon so lange her. Lass ihn doch einfach weitererzählen, ja?"

Nachdem der ältere Mann wieder etwas ruhiger war, nickte dieser seinem Sohn zu, um ihm zu signalisieren, dass er mit seiner Geschichte fortfahren solle.

"Nun ja, wie ihr euch jetzt sicher schon denken könnt, waberte Nebel aus der geöffneten Pyxis und formte sich zu der Gestalt eines Dämons. Er war blau und hatte einen furchtbaren Schwanz mit Stacheln am Ende. Ich schrie aus Leibeskräften. Wie ein kleines Kind.", fügte Will hinzu, eindeutig angewidert von sich selbst.

" Aber Will, du WARST ein kleines Kind.", ließ sich zur Überraschung aller Tessas Stimme vernehmen.

Doch ihr Verlobter schaute sie nur heftig mit dem Kopf schüttelnd an.
"Ich war alt genug, ich hätte ihn mit irgendetwas vertreiben sollen. Aber das habe ich nicht. Stattdessen kam Ella hereingerannt, mit einer leuchtenden Klinge in der Hand. Sie erklärte mir später, sie habe die verbotenen Bücher in der Bibliothek gelesen und hätte daher gewusst, was zu tun sei."

"Himmelherrgott, tut eigentlich keines meiner Kinder das, was ich ihm sage?!", rief Edmund Herondale, zwischen Entsetzen und Verzweiflung schwankend und musste erneut von seiner Frau beruhigt werden. 

" Jedenfalls versteckte ich mich hinter ihrem Rücken und sie forderte den Dämon auf zu verschwinden. Doch der lachte nur und schleuderte sie mit seinem Schwanz zu Boden.", fuhr Will unbeirrt fort. 

"Und dann wandte er sich mir zu: ' Ich verfluche dich! Alle, die dich lieben, werden sterben, es sei denn, du lässt sie zurück! Und mit ihr fange ich an!' " 

Will war sich der geschockten Stille im Raum sehr wohl bewusst, doch er wollte diesen Albtraum so schnell wie möglich hinter sich bringen und ließ daher auch niemandem Zeit, auf dieses Geständnis etwas zu erwidern, sondern erzählte schnell weiter. 

" Danach verschwand er und ich war völlig verstört und weinte die ganze Zeit. Ich bin zu Ella gelaufen und SIE war diejenige, die MICH tröstete, dabei hätte sie viel mehr Grund zum Weinen gehabt. Sie sagte mir, dass die Worte des Dämons nichts bedeuteten und ich mir keine Sorgen mehr machen sollte. Und als ich mich einigermaßen beruhigt hatte, schickte sie mich ins Bett. Im Nachhinein fand ich das Ganze gar nicht mehr so schlimm, nein besser noch, ich hielt es für ein großes Abenteuer und plante schon, Cecily davon zu erzählen, natürlich ohne Ella zu erwähnen."

 Will schüttelte den Kopf über seine eigene Dummheit und Naivität. 

" Und am nächsten Morgen wachte ich auf und hörte Mams Weinen aus dem Nachbarzimmer. "

 Auch jetzt schluchzte Wills Mutter auf, als sie an den Morgen des schlimmsten Tages ihres Lebens erinnert wurde. Den Tag, an dem sie zwei ihrer drei Kinder verlor. 

Gequält sah ihr Sohn auf. " Ich weiß noch, dass ihr versucht habt mich fernzuhalten, aber als ich doch einen Blick auf Ellas aufgedunsenen Körper erhaschen konnte, wurde mir klar, dass der Fluch des Dämons keineswegs nur eine Drohung gewesen war und bereits ein erstes Opfer gefordert hatte. Also beschloss ich euch zu verlassen, um euch vor diesem Schicksal zu bewahren, und folgte der Straße nach London. Den Rest kennt ihr. ", schloss er seine Erzählung und zu ihrer aller Entsetzten sahen sie Tränen in seinen Augen schimmern. 

Ausgerechnet Will, der nichts ernst nahm und alles und jedem mit Sarkasmus begegnete, war jetzt den Tränen nahe. Aber, erinnerte sich Tessa streng, das war nicht sein wahres ich. Dieses war nämlich sehr gefühlvoll und verletzlich- auch wenn Will das natürlich nie zugeben würde.
Linette liefen die Tränen inzwischen ungehindert über die Wangen, auch ihr Mann musste heftig blinzeln. 

" Ach Will, wie konntest du denn nur so dumm sein einfach wegzulaufen? Du hättest uns doch davon erzählen können und dann hätten wir gemeinsam nach einer Lösung gesucht. Außerdem ist Ella gar nicht an dem Fluch gestorben. Wenn du geblieben wärst, hättest du mitbekommen, dass sie durch eine Verletzung an der Schulter gestorben ist, die mit Dämonengift infiziert war. Aufgrund  deiner Erzählungen nehme ich an, es stammte aus den Stacheln am Schwanz des Dämons..."

" Also wirklich Will, wie konntest du nur glauben, wegzulaufen wäre eine Lösung? Mal abgesehen davon, dass Ella nicht diesem Fluch zum Opfer gefallen, sondern ihrer Verletzung erlegen ist, konnte der Dämon so kurz nach seiner Befreiung noch gar nicht die Kraft gehabt haben, die zu solch einem Fluch nötig ist!" Edmund Herondale wusste nicht ob er lachen oder weinen sollte. 

Lachen, weil er endlich seine Kinder wiedersah- Weinen, weil alles so anders hätte laufen können, wäre das Schicksal ihnen ein wenig gewogener gewesen. Er sah zu seiner weinenden Frau, nicht ahnend, dass sie in eben diesem Moment ganz ähnliche Gedanken hegte und ließ seinen Blick dann wieder zu seinem Sohn schweifen, bis er schließlich an dem Mädchen neben diesem hängen blieb. 

" Aber das weißt du alles schon längst, nicht wahr?", fragte er, doch es klang eher wie eine Feststellung. " Schließlich wärst du sonst nicht hier, oder? Auf jeden Fall wärst du nicht verlobt!" 

Linette sah ihren Mann mit einem kleinen Schrecken an, der sich aber prompt in pure Freude und Bewunderung für den Scharfsinn ihres Liebsten verwandelte, als seine Worte zu ihr durchsickerten. 

" Soll das etwa heißen, Will war nie verflucht?! ", rief sie freudig aus, was jedoch nicht lange anhielt. Sobald sie in das betrübte Gesicht ihres Sohnes blickte war ihre Freude wie weggeblasen. 

" Doch", erklärte Will, " ich war sehr wohl verflucht. Vielleicht  nicht so, wie der Dämon es sagte, aber dennoch. Die Tatsache, dass ich daran geglaubt habe, hat schon ausgereicht."

Flehend sah Will seine Eltern an. " Ich weiß es war dumm einfach so davonzulaufen, aber ich war erst 12 und wusste nicht was ich tun sollte... Ich wollte doch nur das Richtige tun und euch beschützen! Ihr könnt euch nicht vorstellen, wie leid es mir tut, dass ich euch solchen Kummer bereitet habe! Könnt ihr mir verzeihen?"

Gespannt hielten Tessa, Cecily und Gabriel die Luft an. Aber dies wäre gar nicht nötig gewesen, denn Wills Mutter sprang sofort auf und umarmte Will. Während sie ihn fast zerquetschte murmelte sie in sein Haar: 
" Aber natürlich verzeihen wir dir! Ich bin so froh, dass du hier bist! Tu uns so etwas nur nicht nochmal an, du weißt doch, dass du mit uns über  alles reden kannst!", und drückte ihn noch fester an sich, als ob sie ihn nie wieder gehen lassen wollte. 
Auch sein- jetzt wieder relativ gefasster- Vater eilte zu den beiden hinüber und schloss sich der Umarmung an.

" Will, selbstverständlich verzeihen wir dir, du bist schließlich immer noch unser Sohn! Außerdem weiß ich nicht, wie ich an deiner Stelle gehandelt hätte. Es gibt also eigentlich gar nichts zu verzeihen! " 

Als Cecily ihre Familie wieder so vereint sah, musste auch sie plötzlich mit den Tränen kämpfen. So lange hatte sie diesen Moment herbeigesehnt, doch jetzt, als er endlich da war, konnte sie es gar nicht richtig fassen. Dann jedoch stürmte sie ebenfalls zu dem Knäuel auf dem Sofa und warf sich mit in die Gruppenumarmung, was ihrer Mutter ein ersticktes Lachen entlockte. 
Tessa war diskret zur Seite gerutscht, um der glücklichen Familie Raum zu geben, diesen Moment zu genießen. Nun schaute sie strahlend zu ihrem Verlobten und seinen Angehörigen hinüber und selbst Gabriel konnte sich ein kleines Lächeln nicht verkneifen, als er sah wie glücklich seine Liebste war. 


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So, das war's dann auch schon wieder. ;) Ich hoffe es hat euch gefallen! über Reviews jeglicher Art freue ich mich natürlich immer! Das nächste Kapitel wird auch das letzte sein, aber ich werde mich bemühen es schneller fertigzustellen als dieses hier... XD
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