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Aftermath

von Sreer
GeschichteDrama / P16
Jesse Pinkman Saul Goodman
09.06.2014
15.06.2014
2
1.748
 
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3 Reviews
Dieses Kapitel
2 Reviews
 
 
09.06.2014 1.150
 
Hallo zusammen!
Nachdem ich jetzt mehrere Stories zu Walking Dead hochgeladen habe, habe ich befunden, dass es Zeit wurde für eine neue TV-Serie. Und da Breaking Bad wirklich meine absolute Lieblingsserie ist zur Zeit, dachte ich mir, dass es gut wäre, einen Abschluss zu finden für due Geschichten der einzelnen Charaktere. Und genau das habe ich mit dieser Geschichte vor.
Also, viel Spaß beim lesen! Kritik und Anregungen in jeder Form immer gern willkommen.

Jesse
Albuquerque, New Mexico


Jesse war frei. Tatsächlich frei! Verdammt noch mal, er hatte es geschafft! Er brauste wahrhaftig gerade mit einem Auto von seinem Gefängnis fort in die Freiheit.
Und trotzdem, ihm war nicht unbedingt zum Jubeln zumute, auch wenn die Euphorie jetzt begann, ihn zu durchströmen, als er endlich begriff, was gerade geschehen war.
Er war Jack Welker und seiner kranken Gang entkommen, besser noch, sie waren alle tot, jeder einzelne dieser Scheißkerle hatte bekommen, was er verdient hatte! Alle zerlegt von Mr. Whites Maschinengewehr, und an Todd, diesem Wichser, hatte er sich persönlich rächen können. Ein bisschen hatte Jesse Angst vor sich selbst, weil es sich so gut angefühlt hatte, wie der Mistkerl sich in Qualen gewunden hatte. Aber er hatte Andrea...und Brock war jetzt allein. Seine Mutter, einfach so getötet, nur weil Jesse einen dummen Fehler gemacht hatte. Einen einzigen Fehler, den er sich nie verzeihen würde können. Jetzt, wo er darüber nachdachte, hatten sie wohl mehr als einen Fehler gemacht, er und Mr. White. Eigentlich sogar nichts als Fehler. Als er zum allerersten Mal gekocht hatte, war das schon ein Fehler gewesen.
Jesse schrie und weinte und lachte, ohne recht zu wissen, was denn nun die richtige Reaktion wäre: Er lachte über Todd und über Jack und all die Hurensöhne im Camp, über ihre dämlichen Gesichter, als das MG sie zerriss. Er weinte um Andrea und über Brocks Schicksal. Brock würde sicher ins Kinderheim kommen oder war schon da, und Kinderheime waren das letzte. Jesse hoffte nur, dass der kleine Junge seine Mutter nicht so gefunden hatte, sondern ein Nachbar oder der Postbote die schreckliche Entdeckung gemacht hatte und die Polizei gerufen hatte.
Und Jesse schrie, einfach um zu schreien, um alles loszuwerden, um den Gefühlen Ausdruck zu verleihen, die er verspürte. Er war froh, entkommen zu sein, trauerte um seine Freundin...und war nicht sicher, was er fühlen sollte, wenn er an Walt dachte. Walt war ein Monster geworden, das stand für Jesse fest. Er hatte seinen verdammten Verstand schon lange, lange verloren, hatte Jesse nur noch manipuliert und beleidigt und bedroht. Aber Jesse dachte auch an die Anfänge ihrer geschäftlichen Beziehung. Damals war die Welt noch einigermaßen in Ordnung gewesen. Es hatte Jesse tatsächlich noch interessiert, was seine Eltern über ihn dachten. Das war jetzt vorbei. Alles war vorbei. Wer immer Walter White einst gewesen war, er war nicht mehr da, hatte einem Fremden, verdorbenen Mann Platz gemacht: Heisenberg. Der Mann, den Jesse als Chemielehrer und später als Kochpartner kennen und schätzen gelernt  hatte, war nicht mehr, dieser freundliche Mann war tot. Heisenberg hatte gewonnen und die Macht übernommen, ein Wesen, dass vor nichts zurückschreckte, um seinen Profit zu mehren, nicht einmal vor Kindermord. Auch wenn Jesse ihm für die Rettung dankbar war, verzeihen würde er Heisenberg niemals. Zu böse und abscheulich war der Mann, der Walter White getötet hatte. Und als er das endlich verstand, fasste Jesse einen Beschluss.

Er fuhr links ran und stoppte den von Jack und seinen Kumpanen geklauten Pick-Up. Dann griff er nach seinem Handy und klappte es auf. Seine Hände zitterten, aber er würde jetzt nicht kneifen. Nicht diesmal. Er tat das richtige, auch wenn es sich falsch anfühlte. In ein, zwei Wochen würde er es nicht bereuen.
'911' tippte er in sein Tastenfeld und wartete ungeduldig darauf, dass jemand abnahm.
"Polizei Albuquerque, Sie möchten eine Straftat melden?", meldete sich nach einer gefühlten Ewigkeit eine Frauenstimme.
"Ähh...ja, ja, genau. Es gab eine Schießerei, kommen Sie schnell!" Jesse nannte ihr die genaue Adresse, die er sich mühsam herausgesucht hatte.
"Wie viele Bewaffnete waren vor Ort?", fragte die Frau weiter.
"Es waren mindestens zehn Bewaffnete vor Ort, als ich geflohen bin, darunter einer, der aussah wie dieser 'Heisenberg'. Als ich weggefahren bin, habe ich Maschinengewehrfeuer gehört. Beeilen Sie sich!"
"Wir werden Einheiten zum genannten Ort schicken. Danke, dass Sie der Polizei helfen, ihre Arbeit zu machen. Ich brauche nur noch Ihren Namen, damit die Beamten wissen, wer Sie einweisen kann. Sir? Hallo? Ihren Namen bitte!"
Jesse hielt das Handy kurz vor sich, dann klappte er es zu.
Er stieg aus und legte es unter den Reifen des Pick-Ups, dann fuhr er einfach los. Es knackte hörbar und das Auto machte einen kleinen Hüpfer. Jesse legte den Rückwärtsgang ein und fuhr weitere drei Mal über das Handy, ehe er erneut ausstieg und das vollkommen zerstörte Handy in die Prärie pfefferte, damit kein Polizist es fand und DNA-Proben nehmen konnte.
Das konnte Jesse nicht gebrauchen, er hatte noch viel zu tun, ehe er sich geschlagen geben konnte. Er beschloss, zu warten, bis die Cops an ihm vorbei gefahren waren, ehe er weiterfuhr, denn es gab nur eine Straße, und die mussten die Polizisten nehmen. Und Jesse wollte keine unangenehmen Fragen beantworten müssen, weshalb er die Straße verließ und eine halbe Meile in die Wildnis fuhr, dann schaltete er die Scheinwerfer aus.
Er hatte zwar leichte Gewissensbisse, aber er redete sich immer wieder ein, dass er das einzig richtige getan hatte. Heisenberg musste aus dem Verkehr gezogen werden.
Jesse wunderte sich, warum der Drogenlord nicht den Wagen mit dem MG fuhr, aber er schob es darauf, dass das vermutlich zu auffällig wäre. Und er hoffte, dass die Polizei Heisenberg schnappen würde, denn er verdiente es. Jesse merkte, dass er Heisenberg hasste. Abgrundtief verabscheute, sogar. Und er war immer zufriedener mit seiner Entscheidung, diesen Mistkerl auszuliefern.

Als die Polizei schließlich mit heulenden Sirenen auf der Straße an ihm vorbeifuhr, spürte er nichts als ein leichtes Bedauern. Darüber, dass es so weit hatte kommen müssen, und weil vielleicht, nur vielleicht, noch Hoffnung bestanden hatte für Heisenberg. Auf eine Wandlung zum Besseren, auf eine Wandlung zurück in Richtung Walter White. Aber Jesse hatte sich entschieden: Er und Heisenberg waren durch, er hatte mit diesem Kapitel seines Lebens abgeschlossen und war unter keinen Umständen gewillt, es erneut aufzuschlagen und Walter eine Chance zum Durchbruch zu geben.
Jesse wusste, dass es zu spät für Walt war. Alles Schönreden änderte nichts an dem simplen Fakt, dass der Mann den Verstand verloren hatte.
Und als er auf die Straße zurückkehrte, fühlte er sich erst wirklich richtig frei.
Doch noch wartete jede Menge Arbeit auf Jesse, ehe er sich zur Ruhe setzen und mit dem Kochen aufhören konnte.
Und während er auf der Straße zurückfuhr, dachte er nicht ein einziges Mal mehr an Walter White.
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