Haymitch und Effie haben nicht dieselbe Schuhgröße

von Melissi
KurzgeschichteHumor, Sci-Fi / P12
Effie Trinket Haymitch Abernathy
08.06.2014
08.06.2014
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Mein Beitrag für die erste Runde des Fandomturniers 2014/2015 von Pooky.
Ein One-Shot zum Thema »Du müsstest mal für einen Tag in meinen Schuhen stecken!«


»Du solltest unbedingt mal den Kaviar probieren!«, trällert Effie und schiebt sich einen weiteren Löffel mit den schwarzen Kugeln in den Mund.
   »Vielleicht sollte ich das, Süße. Allerdings sind wir nicht zum Vergnügen hier!«, faucht Haymitch und holt einen Flachmann aus der Innentasche seines Jacketts.
   »Kaviar hat nichts mit Vergnügen zu tun. Es ist lediglich eine Mahlzeit für Zwischendurch.«, erklärt Effie, deutet auf das Tablett mit dem Kaviar, welches ebenso golden ist, wie ihr Haar.
   »Wir haben einen Job zu erledigen«, raunt Haymitch, »da bleibt keine Zeit für eine Zwischenmahlzeit!“
   Effie spitzt gereizt ihre grünen Lippen. »Ich mache meinen Job ganz hervorragend!«, faucht sie mit dem seltsamen Kapitolakzent.
   Haymitch lacht spöttisch. »Bei dir geht es auch nicht um Leben und Tod. Du müsstest mal für einen Tag in meinen Schuhen stecken!«, krächzt er und nimmt einen Schluck seines Flachmanns.
   »Abgemacht!«, quiekt Effie voller Euphorie, hofft Haymitch endlich mal zeigen zu können, was alles in ihr steckt. »Ich werde für einen Tag deinen Job als Mentor übernehmen und du wirst dich als Betreuerin auf ein Event heute Abend begeben. Es werden einige Sponsoren da sein, also nicht vergessen: Wenn man nur lange genug Druck auf Kohle ausübt, werden daraus Perlen. Davon sind alle immer ganz begeistert!«
   »Wir werden nicht für einen Tag die Rollen tauschen, Süße.«, brummt Haymitch und fährt sich mit der Hand durch die fettigen Haare.
   »Haymitch!«, faucht Effie. »Dann möchte ich nicht mehr von dir hören, dass ich nicht hart arbeite. Immerhin hast du es mich nicht einmal probieren lassen!“
   »Also gut.«, seufzt Haymitch. »Aber bringe bloß nicht unseren Tribut um!«
   Voller Freude steht Effie auf, ein breites Grinsen auf den Lippen. Als sie bereits in der Tür steht, dreht sie sich noch einmal um, deutet mit ihren zentimeterlangen Fingernägeln, welche die Farbe von Wein haben, auf Haymitch und sagt angewidert: »Ach, vielleicht duscht du vor dem Event noch. Immerhin wollen wir Sponsoren gewinnen und nicht … verlieren.«
   Dann verlässt sie den Raum, wackelt mit den Hüften, lässt die Glöckchen, welche an den hohen Schuhen befestigt sind, klingeln.

   Effie stakst in ihr Apartment, betrachtet sich in dem mannshohen Spiegel und rückt ihre grelle Perücke zurecht. »So, Effie. Jetzt wirst du ganz groß herauskommen.«, murmelt sie sich zu und fährt mit einem grünen Lippenstift ihre gespitzten Lippen nach. Sie mustert noch einmal ihr Spiegelbild und stöckelt dann in den Fahrstuhl, drückt den entsprechenden Knopf um in die Mentorenkommune zu gelangen.
   Als sich die Fahrstuhltüren wieder öffnen, steht sie in einem tristen Raum. 12 Monitore an der einen Wand, 12 Monitore an der anderen Wand. Ein Stuhl steht vor jeweils zwei Monitoren. Manche sind besetzt andere – vor denen beide Bildschirme bereits schwarz sind – sind leer. Effie trippelt zu den letzten beiden Monitoren an der linken Wand und lässt sich in den Stuhl fallen. Ein Bildschirm ist schon schwarz. Das Mädchen aus Distrikt 12 ist bereits am Füllhorn gestorben, ermordet von einer Karriera. Auf dem noch leuchtendem Monitor ist der 17-jährige Ash zu sehen, welcher das Füllhorn überlebt hat und noch 13 andere Tribute ausschalten muss, um zu gewinnen.
   Er rennt vor einer schlangenähnlichen Mutation weg. Neben ihm läuft das Mädchen aus 6, mit welcher er sich verbündet hat.
   »Kann ich denn nichts gegen diese Mutation tun?«, fragt Effie laut in die Runde. Alle Mentoren drehen sich zu ihr, einige fangen an spöttisch zu lachen. Empört starrt Effie in die Gesichter der Anderen. »Anscheinend hat keiner den Anstand einer hilflosen Dame zu helfen. Unmöglich, und das in unserem Zeitalter.«, murmelt Effie und verfolgt weiter das Geschehen auf dem Bildschirm.
   Die Mutation entreißt dem Mädchen aus 6 das Schwert und schleudert es hinter sich. Die beiden Tribute laufen immer schneller und nur mit Mühe behalten sie die Rucksäcke auf ihren Rücken. Auch das schlangenartige Tier wird schneller, schnappt mit den spitzen Fangzähnen immer wieder nach vorne. Irgendwann bekommt die riesige Mutation Ash´s Hand zwischen die Zähne und reißt ihm diese ab. Ein qualvoller Schrei entfährt ihm, doch dann verstummt er wieder, um kein Aufsehen zu erregen. Sie laufen weiter, immer weiter. Immer schneller hebt und senkt sich die Brust der Verbündeten von Ash. Sie kann nicht mehr weiterlaufen, sie wird langsamer. Die Mutation jedoch wird schneller und zerreißt das Mädchen in viele kleine Stücke. Die Kanone, das Zeichen für einen weiteren toten Tribut, ertönt.
   Einige Stühle von Effie entfernt, steht ein wütender Mann im mittlerem Alter auf, schmeißt seinen Stuhl um, verlässt die Kommune. Soeben ist sein zweiter Monitor schwarz geworden, sein zweiter Tribut ist gestorben. Distrikt 6 ist aus dem Spiel raus.  
   Erschrocken schaut Effie dem Mentor hinterher. »Sie hätte sowieso niemals Sponsoren bekommen.«, wispert Effie zu dem Mentor neben ihr. Chaff aus Distrikt 11. Ein genauso versoffener Sieger, wie Haymitch.
   Die Mutation leckt sich die blutigen Lippen und fällt dann tot um – anscheinend reicht den Spielmachern ein toter Tribut. Ash läuft noch einige Meter weiter, bis er stoppt und sich an einem Baum abstützt, zu Atem kommt. Sein rechter Arm blutet stark, da die Hand fehlt. Er schneidet mit einem Messer ein Stück seines Shirts ab und bindet es um seine verstümmelte Hand, um die Blutung zu stoppen. Sein Gesicht ist schmerzverzerrt und immer wieder stöhnt er leise auf.
   Ein kleines Lämpchen, welches auf dem Tisch mit den vielen Schaltern steht, fängt vor Effie an zu leuchten. Ein kleines Feld öffnet sich auf dem Monitor. Es teilt Effie mit, dass ein großzügiger Sponsor ihr eine große Geldsumme zur Verfügung gestellt hat. Sie kann Ash einen silbernen Fallschirm zukommen lassen … doch wie?
   ›Wir haben heute einen Sponsor bekommen, doch das Menü hat sich nicht öffnen lassen, weshalb ich unseren Tributen keinen Fallschirm zukommen lassen konnte. Es hätte ihnen beinahe das Leben gekostet.‹, hatte Haymitch ihr einmal gesagt. Wie öffnet man dieses Menü? Effie flucht leise und probiert sämtliche Tasten aus, jedoch geschieht nichts. Als sie kurz davor ist aufzugeben, öffnet sich endlich das Menü mit einer Suchleiste, in welcher sie das Objekt der Begierde eingeben kann. Mit flinken Fingern tippt sie ›Morphix & Verband‹ ein. Das Morphix, ein starkes Schmerzmittel, kann sie sich leisten, doch vom Verband kann sie nur eine billige Variante kaufen. Mit ein paar weiteren Klicken, lässt Effie Ash den Fallschirm zukommen.
   Der Fetzen von Ash´s Shirt ist blutrot getränkt, als der silberne Fallschirm vor ihm auf dem Boden landet. Mit zitternder Hand versucht er die kleine Box, an welcher der Fallschirm befestigt ist, zu öffnen. Als er es endlich schafft und die Gaben in der Box sieht, fangen seine Augen an zu funkeln. Er tauscht das Shirt gegen den Verband ein und schluckt dann zwei der Morphix-Tabletten. Erleichtert seufzt er und drückt die Box fest gegen seinen Körper.
   Zufrieden lehnt Effie sich zurück und lässt ihren Blick über ihre strassbesetzte Armbanduhr wandern. »Hoffentlich kommt Haymitch pünktlich zu dem Event.«

   Seit etwa zwei Stunden sitzt Haymitch in dem unbequemen Stuhl und lässt sich von Effie´s Stylisten frisieren. Die Hälfte der Zeit haben sie damit verbracht, ihm irgendwelche Pflegemittel ins Haar einzumassieren. Jetzt hantieren sie mit Spraydosen herum, welche goldene Haarfarbe enthalten. Haymitch versucht die Stylisten davon abzuhalten ihm die Farbe auf die Haare zu sprühen, doch es gelingt ihm nicht. Sie stecken ihn in einen aquamarinfarbenen Anzug und binden ihm eine goldene Fliege – passend zu seinem Haar – um den Hals. Haymitch lockert sie andauernd, was dazu führt, dass die Stylisten die Fliege nur noch enger zubinden.
   Als die Prozedur fertig ist, wird er nach draußen und in ein Auto geführt. Die Fenster sind verdunkelt, weshalb Haymitch nicht weiß, wohin er fährt. Als sich die Autotür öffnet, scheint ihm ein grelles Licht ins Gesicht. Es sind pinke Lampen, welche vor der orangen Abendsonne viel zu grell scheinen. Die pinken Lämpchen hängen überall und führen in einen großen Garten. Überall stehen Sponsoren, Betreuer und andere Leute aus dem Kapitol und trinken Champagner. Haymitch hält sich mit dem Alkohol zurück, obwohl er am liebsten den ganzen Vorrat austrinken würde. Stattdessen isst er ganz viel, vor allem die Schnapspralinen wandern häufig in seinen Mund. »In den Schnapspralinen ist auch Alkohol, also ist es sicher nicht schlimm, wenn ich auch ein wenig Alkohol trinke.«, brummt er leise und kippt sich zwei Gläser Champagner in den Rachen. Die meisten Betreuer versuchen mit den Sponsoren ins Gespräch zu kommen, doch als ein Sponsor Haymitch anspricht, greift Haymitch zu einem Glas mit rosafarbener Flüssigkeit und zeigt es dem Sponsoren. Dieser nickt verständnisvoll und verschwindet. Schnell stellt Haymitch das Getränk wieder weg. Es ist ein Getränk, welches man lieber auf der Toilette trinken sollte. Davon übergibt man sich, um weitere Speisen kosten zu können, denn sonst könnte man gar nicht Alles probieren. Nach ein paar weiteren Gläsern Champagner nimmt Haymitch all seinen Grips zusammen und spricht einen Sponsoren an. »Wussten sie, dass Perlen aus Distrikt 12 kommen?«, fragt er und weckt somit die Interesse des Sponsoren. »Ach, wirklich?«, fragt der Sponsor verblüfft. »Ja, ja. Wenn man nur lange genug Druck auf Kohle ausübt werden daraus Perlen!«, lallt Haymitch, denn er ist betrunken. »Stimmt das?«, harkt der Sponsor nach. Haymitch kichert. »Nein, das stimmt nicht. Ich wollte mir nur einen kleinen Spaß mit ihnen erlauben!«, krächzt Haymitch und prustet los. »Welch eine Frechheit!«, raunt der Sponsor und wendet sich von Haymitch ab. Haymitch trinkt ein weiteres Glas Champagner, von welchem er sich übergibt. Und dann bricht er in seinem Erbrochenem zusammen.

   Kurz bevor das Event endet, schaut Effie dort vorbei, um zu sehen, wie es Haymitch geht. Sie findet ihn in der ekelhaft dicken Flüssigkeit und murmelt schadenfroh: »Scheint, als seist du doch nicht so tough, wie du immer tust.«
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