Das Mädchen, das übers Wasser ging

von KatyB
GeschichteAllgemein / P12
Beast / Henry "Hank" Philip McCoy Professor X / (Professor) Charles Francis Xavier
07.06.2014
07.07.2015
40
47234
6
Alle Kapitel
84 Reviews
Dieses Kapitel
6 Reviews
 
 
 
Die kalte Wand drückte gegen meinen Rücken und ich versuchte so geräuschlos zu atmen wie möglich. Sie dürften mich nicht entdecken. Denn das würde nicht gut für mich ausgehen. Ihre Stimmen drangen leise durch die Tür zu mir hindurch. Ein alter Mantel hing neben mir und baumelte vor sich hin.
„Irgendetwas stimmt nicht mit ihr, Emma. Dieses Kind ist eine Gefahr für uns alle. Ich will sie nicht in unserem Haus haben.“
Die Worte meines Vaters hingen in der Luft. Ich hatte sie schon oft streiten hören. Und oft genug ging es dabei um mich. Aber nie zuvor hatte er gesagt, dass er mich nicht hier haben möchte.
„Andrew, sie ist ein kleines, elfjähriges Mädchen. Sie tut keiner Fliege was zu leide. Wie kannst du da sagen, sie sei eine Gefahr?“
„Sie spricht kaum, hat keine Freunde und wenn sie wütend ist, passieren seltsame Dinge. Wonach klingt das für dich?“
Meine Mutter seufzte schwer. „Nach einem kleinen Mädchen. Sie ist eben nicht der gesellige Typ.“
Es war schön zu hören, dass meine Mutter mich verteidigte. Meistens reichten ihre Argumente aus, um meinen Vater für die nächsten paar Wochen zu besänftigen. Aber dieses Gespräch war anders. Bei jedem Wort, wurde mein Vater noch wütender und beharrte noch mehr darauf, dass ich verschwinden sollte, bevor etwas passiert.
„Weißt du was? Ich halte es mit diesem merkwürdigen Kind keine Sekunde länger aus. Ich verschwinde! Sie zu, wie du mit ihr klar kommst. Was auch immer sie ist.“
Das Gespräch riss ab, Wortfetzen blieben zurück und das nächste Geräusch, das ich hörte, war die zuschlagende Tür.
Ich hielt den Atem an. Er war nicht wirklich gegangen. Das konnte er doch nicht einfach tun, oder?
Ein Satz tanzte in meinem Kopf herum. Was auch immer sie ist. Was meinte er damit? Was sollte ich denn sein?
„Noreena?“, sagte meine Mutter leise, nachdem es ein paar Minuten still war.
Ich riss die Augen auf. Sie konnte unmöglich wissen, dass ich hier war. Ich hockte schon seit ungefähr drei Stunden in diesem Kleiderschrank, um mich vor meinem Vater zu verstecken und vor einer guten halben Stunde waren sie in dieses Zimmer gekommen um etwas zu besprechen. Dass ich ihr Gespräch gehört hatte, war reiner Zufall.
„Noreena.“, sagte sie erneut und dieses Mal hörte ich ihre Schritte. Die Bodendielen waren alt und knarrten, wenn man sie nur berührte.
Die Schranktür öffnete sich und ich blickte in die grünen Augen meiner Mutter. Ich begriff nicht, wie sie mich finden konnte. Oft hatte ich das Gefühl, sie wusste immer, wo ich war. War das bei allen Müttern so, oder nur bei meiner?
Mit meinen braunen, beinahe schwarzen, Augen musterte ich ihr Gesicht. Keine Spur von Tränen. Entweder glaubte sie nicht daran, dass mein Vater abgehauen war oder es war ihr egal. Ich wusste nicht was ich denken sollte.
Sie streckte mir die Hand entgegen und zog mich hoch. „Was hast du denn da drin gemacht?“
„Mich versteckt.“ Schuldbewusst sah ich zu Boden.      
„Wovor hast du dich versteckt, Liebes?“
Ich zuckte mit den Schultern und vermied es sie anzusehen. „Wegen Dad.“
„Keine Sorge, er ist jetzt weg. Und er kommt nicht zurück. Du muss keine Angst mehr haben, okay?“
Ich nickte. Trotzdem ließ es mir keine Ruhe. „Mummy, was bin ich?“
Für einen kurzen Moment, glaubte ich Panik in den Augen meiner Mutter zu sehen. Doch dieser Eindruck verschwand zu schnell wieder, um sicher zu sein.
„Du bist meine kleine Noreena, die je einen Teller Pfannkuchen von mir bekommt.“
Ihr Lächeln war das Schönste überhaupt. Ein Strahlen ging durch das Zimmer und meine Sorgen waren wie weg gewischt.
„Das klingt gut.“, antwortete ich ihr. Sie nahm meine Hand und wir gingen zusammen nach unten in die Küche. Die Klamotten und das Auto meines Vaters waren weg.
Wir sahen ihn nie wieder.
Review schreiben