Auf freiem Fuß

von Cuna
GeschichteDrama, Freundschaft / P16
Alumann der Schlüsselmeister Edna Konrad Harvey Hoti Moti
06.06.2014
11.10.2014
4
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"Weißt du wie ich hier rauskomme?", fragte sie. Auch wenn sie bezweifelte, dass der Mann auf der anderen Seite des Schutzglases ihr antworten würde. Aber man konnte nie wissen. So schnell würde sie nicht aufgeben.
"Ja.", antwortete er knapp. "Was?" Edna glaubte sich verhört zu haben. "Ja, ich weiß wie du hier rauskommst. Ich hatte viel Zeit mir einen Fluchtplan auszuarbeiten." Mit einem leichten Grinsen auf den Lippen schaute der Schlüsselmeister auf Edna. Etwas unheimlich ist er schon ... "Du scheinst clever zu sein. Also? Tun wir uns zusammen?" Seine Stimme zeigte keinerlei Emotionen oder sonst irgendetwas.
"Ich trau dem Kerl nicht.", flüsterte ihr Harvey von unten zu. Stimmt. Edna traute ihm auch nicht, nur war das wahrscheinlich die einzige Möglichkeit aus dem Irrenhaus zu entkommen. "Was muss ich tun?" Der Schlüsselmeister erläuterte seinen Plan und Edna versuchte seine Stimme möglichst zu ignorieren und sich auf den Plan zu konzentrieren. Sie brauchte eine Kopie des Generalschlüssels, ein Vehikel und außerdem musste sie auf die andere Seite des Gitters kommen. Das konnte ja heiter werden ...
Edna nickte ihm kurz zu um zu zeigen dass sie es verstanden hatte und verließ den Raum. "Harv?", fragte sie vorsichtig. "Was gibt's?" -"Was glaubst du warum er in einer Einzelzelle sitzt? Er meinte wir sind Leidesgenossen." Schmerzlich wurde sie an ihre eigene Einzelzelle erinnert. Außer ihren blauen Stoffhasen Harvey hatte sie niemanden. Nichtmal ihren Vater. Er konnte doch unmöglich tot sein! Wiederum war sie schon ziemlich lange hier und hatte ziemliche Filmrisse. Was war passiert? Ihr Vater war kein Mörder! Sie musste ihn irgendwie entlasten. Aber zuerst sollte sie hier raus.
"Keine Ahnung. Bestimmt ist er gefährlich." Harvey riss sie komplett aus ihren Gedanken. "M-Meinst du ... ich bin gefährlich?" -"Was laberst du denn für einen Müll, Edna!?", kreischte der Stoffhase entsetzt. "Ist ja schon gut ... ", murmelte sie.

Auf die andere Seite der Gitter kommen? War schwerer als gedacht. Und dann das Gespräch mit dieser Psycho-Waschmaschine. Aber sie hatte es geschafft. Und weiter? Ein Generalschlüssel anfertigen. Na toll. Wenn sie schon dachte die Gitter zu überwinden, war die Herstellung eines zweiten Generalschlüssels noch komplizierter. Und die Krönung? Das Vehikel. Was dachte sich dieser Schlüsselmeister eigentlich? Wo zum Teufel sollte sie denn ein Vehikel herbekommen!?
Aber zuerst der Generalschlüssel. Es dauerte eine Weile bis sie etwas Lehm aufgetrieben hatte. Die Beschaffung des Originals war ebenfalls kein Zuckerschlecken. Und Gold? Wenn der Typ wüsste ...
"Schau Harv!", rief Edna fröhlich und zeigte seinem Stoffhasen den Schlüssel, den sie gerade aus dem Ofen gezogen hatte. Natürlich mit den Topflappen. "Jippieh! Jetz lass uns ausbrechen, einen Flammenwerfer stehlen und die Bude hier abfackeln!" Harvey setzte wie schon so oft sein etwas wahnsinnig aussehendes Grinsen auf, Edna kicherte nur. "Ach Harvey ... ", seufzte sie. "Los. Auf zum Schlüsselmeister." Sie war erstaunt, das der Stoffhase stumm blieb. Sie schlug die Richtung zu der Einzelzelle des Schlüsselmeisters ein und fragte, während sie ging, Harvey. "Wie findest du ihn?" -"Ich habe keine Angst vor ihm, falls du das meinst!" Warum rechtfertigte er sich? "Ich habe nichts dergleichen gesagt." -"Hab ich auch nicht ... ", murmelte der Hase. Edna konnte sich leises Lachen nicht verkneifen. Ihr Kumpel konnte so liebenswert sein.

"Du hast es also geschafft? Ich wusste du bist clever." Anfangs war der Schlüsselmeister etwas verblüfft darüber gewesen, dass sich seine Zellentür öffnete. Nun aber war er so emotionslos wie sonst auch. "Ja! Schau! Ich habe den Generalschlüssel!", prahlte sie stolz. "Schön. Gib ihn mir." Etwas in seiner Stimme war merkwürdig. Unsicher verneinte sie: "N-Nein. Mach dir doch selbst einen!" Der Mann lachte. "Hahah! 'Mach dir doch selbst einen', sehr gut! Jetzt gib ihn mir." Der letzte Satz klang ziemlich bedrohlich. "N-Nein." Edna würde ihm den Schlüssel nicht geben!
Der Schlüsselmeister kam einige Schritte auf sie zu und funkelte sie an. Edna drückte den Schlüssel fest an sich. "Gut. Wir treffen uns am Vehikel." Mit diesen Worten verließ er den Raum. Warum war seine Stimme immer so ... gefühlslos? Und doch fand Edna sie faszinierend.
Wie bestellt und nicht abgeholt stand Edna noch immer im Raum, aus dem der Mann eben verschwunden war, und dachte nach. Etwas war merkwürdig an diesem Mann. Nur was?
"Edna?", fragte Harvey vorsichtig und brachte die junge Frau wieder in die Realität. "Alles in Ordnung?" Seine Stimme war ungewohnt sanft. Sie bejahte, indem sie nur stumm nickte. Sie blieb noch einige Atemzüge stehen, bis auch sie den Raum verließ. Der Typ war unheimlich, ohne Zweifel. Doch was war da noch?
Nach mehreren Versuchen war sie unendeckt zum verabredeten Ort gekommen und so stand sie nun mit Alu, Hoti und Moti vor dem kleinen Transporter. Der Schlüsselmeister hatte sich bereits an den lenker gesetzt und fuhr sich mehrfach durch's Haar. "Na Prinzessin?" Sie stöhnte genervt. 'Prinzessin'? "Also können wir nun los?", fragte Alu. Der Schlüsselmeister schüttelte den Kopf und wurde von den anderen verwirrt angestarrt. "Warum denn nicht? Wir haben doch alles!" -"Hör zu, Mäuschen, wir werden hier nicht wegkommen solange das Tor geschlossen ist." Edna nickte verstehend. Ihre Aufgabe war also das Tor zu öffnen.
Nun war sie es, die angestarrt wurde. Langsam drehte sie sich um und huschte versteckt zu einem kleinen Turm. Der Schlüsselmeister hatte gesagt, es gäbe da einen Knopf um das Tor zu öffnen. So schwer konnte das ja wohl nicht sein!
"Los Edna! Wir schaffen das!", feuerte Harvey sie an. Die Violetthaarige nickte selbstbewusst. Sie betrat das hohe Haus. Es führte eine Treppe nach oben und einige Spinds standen in der Ecke. Sie hatte einen Plan. Sie stieg die Treppe hoch und erblickte einen rothaarigen jungen Mann, der eine Smiley-Shirt trug. Seine Laune schien aber nicht sonderlich fröhlich.
"Hey! Du! Was machst du hier? Verschwinde!" Der Rothaarige kam auf sie zu, doch so schnell sie konnte rannte sie die Treppe herunter und versteckte sich in einem Spind. zu ihrem Glück hatte es der Wärter nicht bemerkt. "Hey! Wo bist du?" Er ging an ihr vorbei und betrat die Außenwelt. "Hihi." Vor sich hin kichernd huschte Edna wieder die Treppe hoch. Sie durfte keine Zeit verlieren.
nach kurzem Umschauen entdeckte sie einen grünen Knopf, der mit einem Kabel verbunden war. Sie betätigte schnell den grünen Knopf, dann holte sie ihre Zickzackschere hervor und durchtrennte das Kabel. So konnte niemand das Tor wieder schließen.
"Hey! Was hast du getan!?", brüllte der Wachmann, als dieser Edna entdeckte. "Jetzt Lauf!", rief Harvey hier zu. Kurzerhand nahm sie ihre Beine in die Hand, rannte die Treppe hinunter und wieder zu den Anderen.
Aus dem Augenwinkel sah sie Hulgor ratlos am Tor stehen. "Warum ist das Tor offen!?" -"Mist! Die Göre hat an den Kontrollen rumgespielt!", brüllte der Wachmann, der ebenfalls auf das offene Tor starrte.
"Gut gemacht, Prinzessin." Der Schlüsselmeister startete den kleinen Transporter und stieg schnell aus. "Was machst du!?" Verwirrt, geschockt und ratlos starrten ihn die Anderen an.
"Was wohl? Los kommt mit!", zischte er und verließ die Garage. Wortlos schlichen ihm Edna, Alu, Hoti und Moti hinterher. "Was ist das für ein Geräusch?", hörten sie Hulgor aufgebracht rufen. "Der Motor!", rief nun auch der Wachmann. Der Schlüsselmeister steg in das Auto von Doctor Marcel, welches wirklich neu zu sein schien. Die anderen Vier folgten seinem Beispiel.
Nun verstanden auch sie. Hulgor und der Wachmann stürmten in die Garage, weil da ja das Vehikel gestartet worden war, nur war da keiner. Die Alarmanlage von Doctor Marcels Auto sprang an, doch zu spät bemerkten die beiden Hintergangenen was passiert war, denn schon fuhr der Schlüsselmeister mit seinen Verbündeten los, durchquerte das Tor und verließ die Anstalt.

"Wohin soll's gehen, Prinzessin?", fragte der mann neben Edna am Lenker nach einiger Zeit. "Rio de Janeiro!", rief Harvey. "Zum Haus meines Vaters. Ich muss etwas finden, das ihn entlasten kann." Edna bemerkte, wie der Schlüsselmeister sie aus dem Augenwinkel beobachtete, dann nickte er. "Und wo ist das Haus?" Sie überlegte. Ja. Wo war das Haus? "Harvey?", flüsterte sie. Der Angesprochene horchte auf. "Ja?", flüsterte er zurück. "Wo wohnen wir?"
Was Edna nicht sah, war wie der Fahrer vor sich hingrinste. "Meinst du Harvey weiß das? Wenn du es schon selbst nicht weißt ... " Er beendete den Satz nicht. Edna nckte traurig. "Vielleicht, wenn du etwas hier rumfahren könntest, fällt mir etwas aus meiner Vergangenheit wieder ein."
Der Schlüsselmeister jedoch seufzte. Was war das Problem? Für Edna war dieser Vorschlag äußerst vernünftig. Als hätte er ihre Gedanken gelesen, sagte er: "Weißt du wie viele Polizeiwagen Doctor Marcel schicken wird, um uns zu suchen? Ich glaube kaum, dass ich da einfach mal nach Lust der Laune etwas in der Gegend rumkurven kann."
Edna hätte sich am liebsten die Hand vor den Kopf geschlagen. Natürlich! Nur weil sie aus er Anstalt geflohen waren hieß das noch lange nicht, dass sie die Freiheit genießen konnten.

Eine Zeit lang fuhren sie gemütlich durch die Nacht. Doch plötzlich begann der Fahrer an zu fluchen. Kurzerhand wussten die Beifahrer auch warum: er ist von der Straße abgekommen und war dabei einen Unfall zu verursachen. Und das mitten im Wald.
Und so kam es wie es kommen musste. Doctor Marcels Auto blieb stehen, oder besser: es wurde von einem Baum aufgehalten. Für Edna sah es aus, als ob das Auto den Baum umarmen würde.
"Und nun?", fragte sie leicht panisch. Alu zuckte mit den Schultern, Hoti und Moti versuchten sich von dem Schock zu erholen und der Schlüsselmeister stieg aus. Wo wollte er hin? Fragend starrte sie die Anderen an, doch wieder gaben diese keine brauchbare Antwort. "Der Kerl haut ab!", kreischte Harvey. "Beruhige dich!", besänftigte sie ihn und stieg ebenfalls aus. Eilig lief sie dem Mann hinterher.
"Warte mal!", rief sie und hielt ihm am Arm fest. Er hob eine Augenbraue und starrte sie verständnislos an. Vielleicht kam es Edna auch nur so vor, als ob er verständlislos schaute, da er keine Gefühle oder ähnliches zeigte. "Worauf? Das uns die Polizei findet?"
Ein Schauer lief ihr über den Rücken. Diese Stimme. Verdammt! "Lass uns doch erstmal ausruhen. Es war ein langer Tag. Zumindest für mich und Harvey." Du hast ja schließlich in deiner Zelle gehockt und mich arbeiten lassen, dachte sie sich noch im Gedanken hinzu.
"Ja und? Wenn wir erwischt werden war alles umsonst." In seinen Augen funkelte etwas und Edna war sich nicht sicher, was es war. Es war etwas Schlimmes.
"Da vorne ist eine Kirche. Wir sollten da Unterschlupf suchen." Er zeigte durch die Bäume auf ein Haus mit Turm und Zipfelmütze. "Ich sage den Anderen Bescheid." -"Klar. Ich gehe schonmal vor." Sie trennten sich und gingen in verschiedenen Richtungen davon.
"Hey. Der Schlüsselmeister hat einen sicheren Unterschlupf gefunden.", sagte sie, als sie das Auto erreichte. "Nicht so laut. Alu ist gerade eingeschlafen.", antwortete Hoti. "Ihr beide könnt ja gehen. Wir bleiben lieber hier. Moti und ich sind zu müde." Ihm seine Worte zu unterstreichen gähnte Moti einmal herzhaft.
"J-Ja okay. Wir sehen uns dann morgen?" Die 'seameschischen Zwillinge' nickten synchron und wünschten ihr noch eine gute Nacht. Auch die Violetthaarige verabschiedete sich und verließ Doctor Marcels Auto wieder.
Sie schaute sich einmal um, bis ihr Blick an der Kirche haften blieb und gng in ihre Richtung.
Sie kam an einem Friedhof vorbei und entdeckte Mattis Grab. Ihr Vater ist tatsächlich gestorben. "D-Das ist nicht w-wahr!" Ihre Stimme bebte. "Edna ... ", begann Harvey vorsichtig, brach dann aber ab. "Gehen wir weiter.", sagte sie kühl und wischte sich einige Tränen aus dem Gesicht.
Nochimmer scluchzend betrat sie die Kirche. Keine Spur von dem Schlüsselmeister. Ist ihm etwas passiert? Hoffentlich nicht!
"AAAAAAHH!"
Edna zuckte zusammen. Was war das!? Wer hat da geschrien!? Panisch schaute sie sich um, entdeckte aber niemanden. "Harvey? Was war das?" -"Keine Ahnung!", kreischte er ängstlich.
Sie rannte durch die Reihen und fand neben einer Treppe und Orgel eine Doppeltür. Heftig rüttelte sie daran. Verschlossen. Mist!
Wieder blickte sie sich um. Niemand. Wer hatte so geschrien? Oder war es bloß Einbildung? Nein. Der Schrei war echt. Langsam schlich sie die Treppe hinauf und nahm auch die Leiter weiter hoch.
Ein Schreib blieb ihr im Halse stecken. Die Leiche des Pastors hing an der Glocke und Blut tropfte von seinem Körper. Auf dem Geländer saß der Schlüsselmeister. Was zum ... !?
"Was hast du getan!?", brüllte Edna ihn an. "Was ICH getan habe!?", brüllte er zurück. "Du hast mich aus meiner Zelle gelassen! Ich gehöre nicht in die Freiheit, Edna! Sieh dir den Pastor an! DAS ist DEIN Werk!"
Seine Stimme bebte, selbst in diesem Moment fand Edna sie fesselnd. Doch nun war etwas fesselnder an ihm als seine Stimme. Die Augen des Schlüsselmeisters funkelten sie an. Es war das gleiche Funkeln wie im Wald gewesen. Und jetzt erkannte Edna was es war:
Mordlust.

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Heeeeeey! Der Anfang hört sich eigentlich komplett so an wie im Game, ne? Aber das musste sein ^^ Als Prolog ... sozusagen ...
Wird schon :D
(Würde mich übrigens über Kommies freuen :3)
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