Ein trauriger Besuch

KurzgeschichteSchmerz/Trost / P12
Maxwell Sheffield
04.06.2014
04.06.2014
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04.06.2014 2.105
 
Ich habe in der Mitte der Geschichte das Lied von Unheilig - Großes Leben eingearbeitet, da es sehr gut passt. Und jetzt viel Spaß beim lesen.

http://www.youtube.com/results?search_query=unheilig+gro%C3%9Fes+leben

Maxwell war es gar nicht recht, dass Maggie mit ins Krankenhaus kam, aber er wollte den Wunsch seiner Frau Sarah und auch den seiner Tochter nicht abschlagen. Sarah war schließlich ihre Mutter und es war ihr Wunsch, dass Maggie sie besuchte.

Sarah war vor zwei Woche erneut ins Krankenhaus gekommen. Und dieses Mal sah es nicht gut aus. Sarah war vor einem Jahr an Krebs erkrankt und musste etliche Therapien über sich ergehen lassen, die sie sehr schwächten. Aber die Ärzte meinten, dass es keine Heilung für sie geben würde, dafür hatte der Krebs sich schon zu sehr ausgebreitet. Diese Nachricht hat das Ehepaar Sheffield sehr schockiert. Maxwell mehr als Sarah, denn diese ahnte, dass es schlecht um sie stand.

Maxwell war gestern bei seiner Frau gewesen. Wie jeden Tag, besuchte er sie nach der Arbeit oder wenn es sich einrichten ließ, übernahm seine Geschäftspartnerin CC Termine, damit er zu seiner Frau konnte. Und gestern  hatte sie ihn gebeten, dass er am nächsten Tag Maggie mitbringen solle. Maxwell wusste warum, doch weder Sarah noch Maxwell sprachen es aus.

Heute war also der Tag. Maggie freute sich, dass sie ihre Mutter besuchen durfte. Brigthon und Gracie waren bei Niles geblieben. Die Beiden waren noch viel zu klein, um das zu verstehen. „Dad, ich freue mich so, dass ich Mummy besuchen darf. Ich habe sie so sehr vermisst.“ Maggie hängte sich an die Hand ihres Vaters.

Sie gingen den langen weiß gestrichenen Krankenhausflur entlang. „Sind wir gleich da?“ Maggie war ganz hippelig. „Ja, gleich sind wir da. Nur noch um diese Ecke rum und dann sind wir da.“ Maxwell war gar nicht wohl. Er hatte ein ungutes Gefühl im Bauch. „Da ist Mummy Zimmer.“ Maggie wollte schon die Tür aufreißen, doch Maxwell hielt sie zurück. „Warte, ich will eben kurz mit der Schwester da reden. Warte hier.“

Maxwell löste seinen Arm von Maggies Umklammerung und ging zu der Schwester. Die Beiden sprachen kurz miteinander und dann kam Maxwell zu Maggie zurück. „Ok, jetzt können wir zu Mummy.“ Er klopfte an und öffnete leise die Tür. Sollte Sarah schlafen, wollte er sie nicht wecken. Aber Sarah schief nicht. Sie saß im Bett und sah erschöpft zu ihrem Mann und ihrer ältesten Tochter. „Maggie, Liebling, da bist Du endlich. Ich freue mich so, Dich zu sehen.“ Maggie stürzte zu ihrer Mutter. „Mummy.“ Sie schlang die Arme um sie und Sarah drücke Maggie eng an sich.

Maxwell stellte 2 Stühle neben das Bett seiner Frau und setzte sich auf einen. Sollten die Beiden sich erst mal drücken und knuddeln. 2 Wochen haben die Beiden sich nicht gesehen. Nachdem Sarah sich etwas von ihrer Tochter gelöst hatte, sah sie Maxwell an. „Hallo Liebling. Ich bin so froh, dass Du Maggie mitgebracht hast.“ Maxwell stand auf und küsste seine Frau liebevoll. „Du weißt, dass ich Dir keinen Wunsch abschlagen kann. Wie geht es Dir heute Darling?“ „Ich fühle mich so schwach. Aber jetzt, wo ihr da seid, geht es mir gut. Schade, dass wir nicht rausgehen können. Schwester Janet sagte, dass es richtig schön draußen ist und die Sonne scheint.“ Maxwell setzte sich wieder und nahm Sarahs Hand. „Ja, es ist schön warm draußen. Niles ist mit den Kindern ins Freibad gefahren, obwohl er sich sehr dagegen gesträubt hat.“ Sarah musste lachen und auch Maxwell konnte sich ein Grinsen nicht verkneifen. Er war froh, seine Frau auch jetzt noch lachen zu sehen.

Sarah machte wieder ein ernstes Gesicht und legte ihre freie Hand um Maggie. „Maggie, Mummy muss Dir was sagen. Es wird sehr schwer für Dich sein.“ Maxwell sah seine Frau schockiert an. Sie hatte doch wirklich vor, Maggie zu erzählen, dass sie nicht mehr lange zu leben hat. Mit den Lippen formte er ein „Nein“. Sarah nickte ihm zu. Die Beiden hatten gestern schon darüber gesprochen und Sarah war der Meinung, dass Maggie wissen sollte, was los war. Sie war mit ihren 8 Jahren nicht mehr dumm.

„Was denn?“ Maggie kuschelte sich an ihre Mummy und sah sie fragend an. „Maggie, es ist so“, fing Sarah an. Es fiel ihr nicht leicht, aber sie wollte auch nicht, dass Maxwell es ihr sagen musste, wenn es soweit war. Es reichte schon, dass er es den beiden Kleinen irgendwann sagen musste. „Du hast doch mitbekommen, dass ich sehr krank bin. Und…“ Maggie sah ihre Mutter an und Sarah sah, dass in Maggies Augen Tränen waren. Auch sie konnte die Tränen kaum noch zurückhalten. Hilfesuchend sah Sarah ihren Mann an. Doch der war ihr in dieser Situation keine große Hilfe. Maxwell wusste nicht, was er sagen sollte. Es war, als wenn ihm die Worte im Hals stecken geblieben wären.

„Mummy, heißt das, dass Du in den Himmel kommst und von einer Wolke auf uns runter siehst?“ Sarah schluckte. „Ja mein Schatz, dass heißt es.“ Man konnte Maggie nichts mehr vormachen. „Du verlässt uns und lässt uns allein.“ Maggie wurde von einem Weinkrampf geschüttelt. Sie wusste nicht, ob sie wütend auf ihre Mutter sein sollte oder nicht. Aber sie entschied sich, sich noch enger an ihre Mutter zu drücken. „Nein Maggie. Ich werde immer bei Dir, Deinen Geschwistern und eurem Daddy sein.“ Als sie das sagte, sah sie ihren Mann an, der Tränen in den Augen hatte und drückte fest seine Hand. „Tief in euren Herzen lebe ich weiter.“ Während Sarah das sagte, strich sie immer wieder tröstend über Maggies Rücken.  Ihr liefen jetzt ebenfalls die Tränen die Wangen hinunter.

Eine Zeitlang sprach keiner, bis Maggie anfing: „Ich weiß es schon lange. Auch wenn Du und Daddy immer versucht habt, so zu tun, als wäre alles in Ordnung. Aber ich habe euch reden hören und jeden Abend, wenn Daddy vom Krankenhaus nach Hause kam, hatte er rotgeweinte Augen.“ Sarah und Maxwell sahen sich überrascht an. „Maggie, Du bist so ein starkes Mädchen. Warum hast Du nicht mit uns gesprochen?“, fragte Maxwell. „Ich wollte die Wahrheit nicht hören, auch wenn ich es gewusst habe, hatte ich Angst davor.“ Sarah drücke Maggie wieder an sich.“Ach meine kleine Maggie. Ich habe Dich so lieb.“ „Ich Dich auch Mummy.“

Sarah sah ihren Mann an. „Max, würdest mir was zu trinken holen?“ „Sicher mein Schatz.“ Maxwell stand auf und gab seiner Frau einen Kuss. „Ich lasse mir sehr viel Zeit“, flüsterte er ihr ins Ohr. Maxwell wusste, dass Sarah allein mit Maggie sein wollte. Er verließ das Zimmer.

Als Maxwell die Tür hinter sich geschlossen hatte, fing Sarah an zu reden. „Maggie, sei bitte nicht so traurig. Ich werde immer ein Teil von Dir und Deinen Geschwistern sein und tief in euren Herzen lebe ich weiter.“ Maggie sah ihre Mutter an. „Schon, aber ich werde Dich sehr vermissen Mummy.“ Sarah streichelte ihrer Tochter über das Haar. „Ich weiß, mein kleiner Liebling. Ich würde auch gern weiter mit euch zusammen leben. Und ich wünsche mir, dass Du Deine Träume lebst, von denen Du mir erzählt hast.“

„Ich wünsche mir, dass Du glücklich bist. Du sollst nicht nur um mich weinen. Denk an die schöne Zeit, die wir alle miteinander hatten. An unseren letzten Urlaub, wo Dein Daddy in den Pool im Hotel gefallen ist.“ Maggie musste lachen. „Ja das war wirklich sehr lustig. Vor allem sein Gesicht Du hast ihm noch gesagt, dass er hingucken soll, wo er hingeht und platsch war er im Wasser.“ Maggie und Sarah wischten sich die Lachtränen aus den Augen.

                                      Ich wünsche dir, dass du immer glücklich bist
                                      Und das Leuchten deiner Augen niemals erlischt
                                      Ich wünsche dir, dass du deine Träume lebst
                                      Deine Hoffnung ewig bleibt und dein Lächeln nie verliert

Dann wurde Sarah wieder ernst. „So möchte ich Dich sehen meine Kleine. Ich werde alles von oben sehen und stolz auf Dich sein, mein kleiner Stern.“ Sarah drückte Maggie wieder an sich und drückte ihr einen Kuss auf die Stirn.

                           Ich wünsche mir, wenn du zu den Sternen siehst
                Dass du dich einmal an mich erinnerst, weil du für immer mein Stern bist

„Jeder Deiner Wünsche und sei er noch so groß, soll in Erfüllung gehen. Und vergiss nie, gib Deine Träume niemals auf, denn nur so können sie Wirklichkeit werden.“ Sarah schluckte. Sie verbot es sich wieder vor ihrer Tochter zu weinen. Das würde es Maggie noch schwerer machen.

                        Ich wünsche dir ein großes Leben voll Zuversicht und Glück
                        Dass sich jeder Wunsch erfüllt, ganz egal wie groß er ist
                        Wirf ein Licht auf dein Leben, gib das Träumen niemals auf
                        Folge deinem eigenen Stern, ich bin da, wenn du mich brauchst

„Ich habe Dich lieb Mummy“, sagte Maggie mit weinerlicher Stimme. „Ich Dich auch mein Schatz.“ Sarah wischte Maggie die neuen Tränen von den Wangen. „Daddy wird immer für Dich da sein. Und ich bin mir sicher, dass Du jetzt nicht alles verstehst was ich Dir gesagt, aber wenn Du größer bist, wirst Du es verstehen.

                           Ich wünsche dir, dass dein Leben sorglos ist
                           Und du irgendwann zurücksiehst und stolz auf dich bist
                           Ich wünsche dir, dass der Weg, den du gehst
                           Auch wenn dir niemand folgt, er für dich der Richtige ist

„Erinnerst Du Dich wirklich noch so genau an den Gesichtsausdruck Deines Vaters, als er ins Wasser fiel?“, wechselte Sarah das Thema. „Ja, dass tue ich.“ Maggie musste wieder anfangen zu lachen. „Dein Daddy hatte nur auf seine Zeitung geguckt, weil da irgendwas von seinem Stück stand, dass er gerade neu produziert hatte.“

Es klopfte an der Tür und Maxwell kam mit einer Flasche Wasser ins Zimmer. „Was ist denn hier los? Man hört euch bis auf den Flur raus.“ Er stellte die Flasche auf den Nachttisch. „Mummy und ich reden gerade über unseren letzten Urlaub, wo Du in den Pool gefallen bist.“ Maggie und Sarah fingen schon wieder an zu lachen. Auch Maxwell fing an zu lachen. „Ja, da war ich wohl die Lachnummer des gesamten Hotels. Aber es war ein wirklich schöner Urlaub gewesen.“

Sarah schloss erschöpft die Augen. „Maggie, ich glaube, wir sollten langsam gehen. Wir sind jetzt über 3 Stunden hier und Deine Mummy muss sich jetzt ausruhen.“ Maxwell zog Maggie vorsichtig von ihrer Mutter weg. „Ich möchte aber nicht“, protestierte Maggie. „Ich weiß Liebes“, sagte Maxwell. „Darf ich Dich morgen wieder besuchen kommen?“ „Morgen eher nicht. Aber übermorgen bestimmt“, sagte Maxwell. Er wollte seiner Tochter nicht sagen, dass diese Besuche sehr anstrengend für Sarah sind. Das würde Maggie nur traurig machen und sie würde ein schlechtes Gewissen haben.

Maxwell beugte sich über seine Frau und küsste sie voller Leidenschaft und Liebe. „Schlaf jetzt etwas Liebling. Ich komme morgen wieder vorbei. Brauchst Du was von zuhause?“ Sarah erwiderte den Kuss mit eben soviel Leidenschaft und Liebe. „Nein, ich brauche nichts. Ich habe hier alles.“ „Maggie, sag Mummy noch Tschüss.“ Maggie krabbelte auf das Bett und gab ihrer Mutter einen Kuss. „Tschüss Mummy. Ich freue mich schon, wenn Daddy mich wieder mitnimmt.“ „Ich freue mich auch. Kommt gut nach Hause und gib Brigthon und Gracie einen dicken Kuss von mir und grüß Niles.“ „Das werde ich. Bis morgen.“ „Tschüss“, sagte Maggie und lächelte ihre Mutter an. Sie ahnte nicht, dass sie ihre Mutter heute das letzte Mal gesehen hatte.

Die Beiden verließen das Zimmer und Sarah schloss erschöpft die Augen und schlief ein.

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Es wird noch eine Fortsetzung geben.


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