Handsome Boy

KurzgeschichteHumor / P16 Slash
04.06.2014
04.06.2014
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Hallo lieber Leser ,
Wenn du „RockNRolla“ von Guy Ritchie nicht kennst, macht das gar nichts :3 Diese kleine FF spielt nach dem Film.
Die Charaktere sind der (schwule) Jungspund „Handsome Bob“ (Tom Hardy) und der (mühsam heterosexuelle) Kleinganove „One-Two“ (Gerard Butler).
Warnung: Kunst wird geschändet.
Viel Spaß am Lesen :>


Handsome Boy

Bobs Wohnung ist eine Anhäufung von zusammengezimmerten Sperrholzplatten und Staub. Dazwischen sind uralte, unbezahlbare (geklaute) Schallplatten zu finden, Aufnahmen, die es nie gab, irgendwo in irgendeinem Schuppen von Musikern, die Legenden wurden.
Bobs Kleidung ist noch in Umzugskartons gestopft, er hatte nicht vor, länger zu bleiben. In dieser Spelunke, die zwei einzigen Fenster zu einer rund um die Uhr befahren Straße hinaus, auf der Lastwagen hinweg donnern und seine Lampen zum Wackeln bringen.
Im Flur, in den Rahmen des schmierigen Spiegels geklemmt, hängt ein Zettel auf dem steht „kümmert euch um eure Wut“ (er hat das auf dem Boden einer Toilette in irgendeinem Club gefunden, im Suff mitgenommen, im Katerzustand darüber philosophiert und das Stück schließlich liebgewonnen). Darunter klebt ein weiterer Zettel auf dem steht nur eins: „One-Two“. Er selbst hat das geschrieben.
Jetzt liegt Bob in seinem Bett (Matratze auf Baupaletten und verdammt bequem mit all den Kissen und Decken) und komert seinen Rausch aus. Keinen echten Rausch, eher den „Ich-muss-doch-nicht-für-5-Jahre-in-den-Knast“-Rausch. Der beste Rausch, den Bob je erlebt hat. Wie kann man denn die Unterlagen über seinen Fall verlieren? Mit einem neuen schicken Sportwagen in der Garage eines Richters und ein paar Nutten im Bett einer noch wichtigeren Person. Aber das alles ist Bob sowas von scheiß egal, denn One-Two, sein One-Two hat ihm einen letzten Wunsch erfüllt. Na klar, zu dem Zeitpunkt dachten sie beide ja auch noch, dass Bob für 5 Jahre hinter Gitter müsste und vielleicht nicht wiederkehren würde.
Und jetzt?
Bob ist frei und Bob hatte diese Nacht mit One-Two.
Echt nett von One-Two. Echt.
Bob wälzt sich auf den Bauch und drückt sein Gesicht in das Kissen, Geräusche machend wie ein überglücklicher Labrador.
Vielleicht mag One-Two ihn ja doch, wenigstens ein bisschen, nur ein klein bisschen mehr als einen normalen Freund. Das würde Bob ja schon reichen! Er könnte sich echt damit zufrieden geben, wenn er dafür nur noch einmal in diesen starken Armen liegen dürfte.
Da ist Klimpergeld in Bobs Hosentasche und verdammt nochmal, er will es unbedingt verspielen!

Cookie ist da und kratzt sich mit einem Zahnstocher Schmutz oder Koks unter den Fingernägeln hervor, Mumbles und ein paar andere spielen Karten.
Als Bob den Raum betritt wird ihm zugejubelt.
Es hat sich bereits rumgesprochen, Mumbles hat die gute Nachricht natürlich nicht für sich behalten.
Nur One-Two ist nicht da.
„Wo ist er?“, fragt Bob ganz unbeteiligt als er sich an den Tisch zu Mumbles setzt und sein Kleingeld raus kramt.
„Junge, was hast du mit unserem One-Two gemacht?“, will Cookie wissen, der gute, liebe, dealende, koksende und fixende Cookie.
„Was denn?“, will Bob wissen.
Mumbles grinst ihn an, „was wohl, hm?“
Jeder hat es schon vor Wochen gerafft, dass Bob eine Schwuchtel ist, nur an One-Two ist das vorbeigegangen. Jedenfalls bis zur letzten Nacht, als Bob sich getraut hat und einfach gesagt hat „Ich will dich.“ einfach so, die Worte, die er jedes Mal denkt, wenn er One-Two sieht. Aber er würde die Güte seines Freundes niemals zu etwas ausnutzen, was dieser gar nicht will und wonach er sich schäbig fühlen müsste. Deshalb hat Bob einfach um einen Tanz gebeten, den letzten Tanz für 5 lange Jahre oder vielleicht für immer. One-Two hat nicht nein gesagt.

One-Two kommt in den Schuppen als Bob gerade kaltes Bier aus dem Nebenzimmer holt. Er hört wie der feuchte Traum seiner schlaflosen Nächte sich aufführt wie ein Vergewaltigungsopfer und ein bisschen verletzt es ihn auch. Aber im Grunde springt sein Herz ihm fast aus der Brust, denn er macht One-Two nervös, jawohl, er ist es, der es schafft, dass sich dieser Gauner plötzlich verhaspelt und stottert und rote Ohren bekommt.
Er schleicht sich an und umarmt ihn von hinten („Überraschung! Ich muss doch nicht in den Knast!“), jeder findet das witzig (ihn mit inbegriffen) jeder außer One-Two, der langsam realisiert, dass er keine 5 Jahre Zeit hat, sich darüber Gedanken zu machen, ob er Bob mag oder nicht, sondern dass er das jetzt schnell entscheiden muss, jetzt sofort.
Er schiebt Bob von sich weg.
Mumbles grinst; der weiß eh alles.  

Lastwagenfahren macht Bob ziemlich viel Spaß, er drückt aufs Gas, einfach runter mit dem Pedal und „WUMS“ rein in diesen unscheinbaren, weißen Lieferwagen, einfach rein da, seitlich, wie ein Panzer.
Die Elviswackelfigur von der Armatur fliegt ihm um die Ohren („Halleluja!“, kreischt er glücklich), das böse Knirschen von Metall und Plastik knistert in seinen Ohren.
Noch cooler wäre es bloß, wenn der Lieferwagen umkippen und explodieren würde (was nicht geschieht, er wackelt lediglich auf den Winterreifen hin und her wie gigantischer Wackelpudding).
Wäre ja auch äußerst ungünstig gewesen für die millionenschweren Gemälde.
One-Two und sein unerschrockener Partner Mumbles, beide mit Strumpfmasken, hebeln die hinteren Türen des Lieferwagens auf, da springt schon das Sicherheitspersonal aus dem Wagen, aufgebracht, Waffen ziehend, aber noch immer etwas paralysiert.
Bob liebt Mumbles, keine Frage, aber er ist auch ein klein wenig eifersüchtig. Er ist doch schließlich One-Twos bester Freund! Er alleine.
Das ist so geschehen:

Spielschulden sind ganz und gar nicht witzig, wenn man nicht die Möglichkeit hat unbemerkt abzutauchen.  
Und es ist gerade Bobs verhasster Stiefvater bei dem er in der Kreide und in der Scheiße sitzt. Dieser schleimige, Ohrfeigen an den kleinen Bob verteilende, und fanatisch homophobe Mistkerl droht Bob, der damals gerade mal süße 20 war und noch glatt im Gesicht wie ein junger Pfirsich, ihm die Eier abzuschneiden, wenn er die Kohle nicht anschafft.
Bob ist eine jugendliche Mischung aus Wut und Unsicherheit.
Und er ist verdammt gut im Zocken.
Nur leider sind auch alle anderen gut, mehr noch, sie sind besser als er und die nagende Furcht um seine geliebten Hoden macht ihn nervös und zu einem schlechten Spieler.
Also was macht er?
Eine Tankstelle überfallen.
Blöd nur, dass er nicht der einzige ist.
Als er in den Laden stürmt, stümperhaft, unerfahren, da wird der Tankwart bereits von einem Mann mit dem massigen Kreuz eines Gorillas bedroht.
„Kohle her, Flachwichser!“
Eine Stimme zum Niederknien.
Wie wahrscheinlich kann es sein, dass zwei Menschen zur genau gleichen Zeit eine Tankstelle überfallen wollen?
Für Bob ist es Schicksal.
Er stellt sich neben den Mann, greift sich eine Rolle Kaugummis und schiebt sich einen zwischen die schiefen Zähne.
„Was soll das werden?“, fährt ihn der Räuber an, „raus, bevor ich dir die Knie weg puste!“
„Ich helfe dir.“, erwidert Bob waghalsig und sieht dann den verdutzten Tankwart an, „Kohle her!“
Zitternde Finger überreichen die Einnahmen eines ganzen Tages; sie landen in den Manteltaschen des Mannes, der sich daraufhin einfach umdreht und zu dem Wagen sprintet, der angelassen neben der Tanke steht.
Bob tut es ihm gleich, rennt zu seinem geklauten alten Ford, will den Motor anlassen, dreht das Zündschloss, einmal, zweimal, dreimal, er flucht.
„Scheiß Karre!“
Die Bullen nähern sich in blau-weiß, der Mann rauscht vom Parkplatz, eine Staubwolke hinterlassend.
Bob lässt den Kopf auf das Lenkrad sinken.
Naja, besser Knast als keine Eier.
Die Polizei ist schon verdammt nahe, er steigt einfach aus, die Hände erhoben, da sieht er wie der Wagen, der eigentlich schon außer Reichweite ist, wendet.
Die Federn jaulen bösartig als der Wagen schließlich über den Bürgersteig springt und genau neben Bob hält.
„Einsteigen!“, brüllt ihm ein schwarzer Mann entgegen.
Bob muss sich das nicht zweimal sagen lassen.

Es war Mumbles, der ihn damals nicht der Polizei überlassen wollte.
Bob erzählt als er sich in dem Club wiederfindet, dass er Spielschulden hat und jeder lacht ihn aus.
„Wir haben alle Spielschulden, Kleiner!“, ruft jemand und prostet ihm zu.
One-Two will Bob loswerden („Zu jung, der ist doch noch grün hinter den Ohren!“), aber Mumbles legt Bob einen Arm um die Schultern und drückt ihn ein wenig an sich.
„Du kannst diesen kleinen, süßen Welpen doch nicht aussetzen, One-Two. Schau doch nur!“
„Was soll ich da sehen?“, brummt One-Two und würdigt Bob keines Blickes.
Bob denkt, dass er diesen Mann haben will, jetzt und hier, auf dem Boden oder dem Tisch, ihm egal ob die anderen zusehen oder nicht.
„Mein Stiefvater kastriert mich, wenn ich ihm das Geld nicht bringe.“, sagt Bob und lächelt One-Two zaghaft an, als dieser ihm einen Blick zuwirft, „ich will meinen Anteil von der Beute.“
„Deinen-“, One-Two bricht ab um zu lachen, „Junge, dein Anteil?! Ich hör wohl schlecht! Sei froh, dass wir dich da nicht den Bullen überlassen haben!“
„Nun, das können wir nicht zulassen…“, murmelt Mumbles, „besser du hast die Schulden bei uns als bei deinem Stiefvater, oder?“
Bob ist unerfahren und stimmt daher zu.
„Wie viel brauchst du?“

Letztendlich findet Bobs Stiefvater die Idee der Kastration auch trotz der beglichenen Schulden ziemlich gut.
Bob versucht nicht zu flennen, doch als er nackt auf einem Stuhl fixiert wird hilft alles nichts mehr und er heult wie ein kleines Mädchen und fleht, man solle ihm bitte bitte bitte seine Hoden lassen!
Sein Stiefvater lacht nur dreckig und hält ihm eine Lederschere vor die Augen.
Da bohrt sich aber eine Kugel durch seine Schulter, schlägt hinter Bob in der Wand ein, dann erst kommt der Knall des Schusses. Blut sickert aus der widerlichen Fleischwunde, sein Stiefvater ächzt und schaut sich verdutzt um.
Noch ein Schuss, diesmal wohl in den Oberschenkel, reißt ihn von den Füßen und wirft ihn zu Boden wo er im Staub direkt vor Bobs Füßen liegt und wimmert wie ein abgestochenes Schwein.
Aus dem Schatten tritt One-Two, die Pistole rauchend, eher ein Colt, Schatten spielen mit seinem herben Gesicht. Staub umschmeichelt seine Silhouette, die wie die Umrisse des Messias für Bob aussieht.
„Na, Handsome Bob?“, fragt One-Two und schlendert näher, „willst du abrechnen mit dem Mistkerl?“
Er kniet sich zu Bobs Stiefvater und zieht ihm das Geld aus der Jackentasche.
Bob fühlt sich unwohl unter dem Blick, der jetzt auf ihm haftet, aber er genießt es auch ein bisschen. One-Twos Blick bleibt kurz an dem Piercing in seiner rechten Brustwarze hängen, dann erst schneidet er ihn los, entledigt sich seiner Jacke und wirft sie Bob über die Schulter.
„Raus hier.“


Das absolut Beste an dem ganzen Überfall?
Sie klauen geklaute Bilder.
Und zwar von keinem geringeren als Bobs Stiefvater, der nach der gescheiterten Kastration seines „Sohnes“ vor einigen Jahren das Geschäft vom Glückspiel zum Raub gewechselt hat. Nicht, dass er selber jemanden überfallen würde. Vielmehr agiert er als Sponsor, der einen großen Teil der Beute einsackt.
Und so wie der geschmierte Archy das Ganze geschildert hat, steht Bobs Stiefvater nun selber bei reichen Männern (Russen, ohne Geduld für Briten) in Miese und täte gut daran, diesen Kunstraub ohne Probleme über die Bühne zu bringen.
Wahrscheinlich werden diese Russen weit schlimmeres mit dem Mann machen, als ihm die Eier abzuschneiden, aber Bob findet trotzdem, dass es eine gelungene Vergeltung ist. Vielleicht auch für seine Mutter.
Er war acht gewesen als er das erste Mal gesehen hatte, wie dieser Mann seine Mutter schlug.
Jetzt sind fast 20 Jahre vergangen, aber Bob hat nichts vergessen. Keinen einzigen blauen Fleck auf dem schönen, aber langsam verfallenden Körper seiner Mutter, den er geküsst hat als er noch bei ihr im gleichen Bett schlafen durfte.
Das Sicherheitspersonal ist kein Problem für Mumbles und One-Two, die Türen des Lieferwagens dafür umso mehr.
Das Brecheisen will einfach nicht so wie sie wollen.
„Bobby!“, ruft One-Two, „schieb deinen Arsch hier rüber!“
Bob springt aus dem Fahrerhaus und hechtet zu dem Lieferwagen, der stark verbeult und unförmig ist, aber fahrtüchtig seinen Dienst antritt und blubbernd zum Leben erwacht.
One-Two und Mumbles springen ebenfalls rein.

Die Gorillas von Bobs Stiefvater stehen keine 24 Stunden später vor Bobs Tür. Es ist mitten in der Nacht. Nicht irgendeine Nacht. Vielmehr die beste Nacht in Bobs bisherigen Leben.
Und das war so:

Sie stellten den Lieferwagen in einer „toten“ Garage ab, jegliche Spuren verwischend um später zurückzukommen. Nämlich dann wenn ein wenig Gras über die Sache gewachsen war und man die Gemälde als verschwunden abgetan hatte.
Bob ist angesichts der Rache an seinem Stiefvater ein reinstes glückliches Nervenbündel und geht jedem damit auf den Sack.
„Man hätte dich doch in den Knast stecken sollen.“, brummt One-Two, der neben Bob dahin schlendert.
Sie sind auf dem Weg zu Bobs Bude, einfach noch ein Bierchen trinken. Mumbles (One-Two: „Du kannst mich doch jetzt nicht alleine lassen!“) hat sich sehr taktvoll bereits abgeseilt und Bob verschwörerisch zugezwinkert.
„Ach ja?“, Bob stößt seiner heißen Flamme in die Seite.
„Glaub bloß nicht, ich weiß nicht was hier läuft…“
„Was läuft denn hier?“
One-Twos Ohren laufen rot an, eine Tatsache die Bob innerlich jubeln lässt.
„Du willst mir an die Wäsche. Mal wieder.“
Bob lacht fröhlich, „ich will mich doch nur erkenntlich zeigen!“
„Mit Sex.“
„Das hast du jetzt gesagt.“

Wie er es schließlich schafft vor One-Two zu knien? Er ist sich nicht mehr ganz sicher, aber es ist absolut wunderbar.
Sanft streichelt er diese strammen Oberschenkel, die sich so kinderleicht weiter spreizen lassen.
One-Two, der auf einem wackligen Stuhl sitzt, klammert sich an seiner Bierflasche fest, völlig ergeben, ein bisschen betrunken, aber mehr noch aufgeregt.
Bob lässt es langsam angehen, aber es läuft eh darauf hinaus, dass die Hose geöffnet wird. Dass One-Two hart wie Stahl ist findet er sympathisch und es ist das schönste Kompliment was ihn dieser Mann in dieser Situation geben kann.
Wahrscheinlich ist One-Two nur aufgeregt, aber das ist Bob egal.
So langsam wie es begann, so schnell geht es weiter. Er spuckt sich in die Hand, die selbstsicher den harten Schafft umfasst und stülpt seine Lippen gierig über die rote Spitze.
Er saugt genau in dem Moment in dem One-Two ein abgehacktes Seufzen hören lässt.
Als er hochsieht trifft er One-Twos Blick, etwas was der ganzen Sache Substanz gibt und ihn glücklich macht. Das hier ist kein dreckiger Blowjob, es ist ein Schritt in eine ganz neue, schöne Richtung.
„Mach weiter…“, flüstert One-Two mit hochroten Ohren.
„Hm…“, murmelt Bob und lächelt verschmitzt, „klar.“
Er ist ein bisschen zu vorwitzig als er seinen Zeigefinger von der Hand mit der er One-Twos Hoden knetet in die warme, schweißige Kimme sinken lässt und nach der verborgenen Knospe sucht.  
One-Two zuckt zusammen und ruckt von ihm weg, der Stuhl wackelt gefährlich, hält aber.
„Ein andermal…“, flüstert Bob.
Er hat Zeit; ja alle Zeit der Welt.


Und jetzt stehen diese Gorillas vor seiner Tür.
Seine Jeans, in der er auch geschlafen hat, ist aufgeknöpft und hängt ziemlich tief. Sein T-Shirt…welches T-Shirt?
„Wo sind sie?“
Bob grinst verschlafen.
„Wer?“, fragt er spitzbübisch.
Einer der Männer, ein grober Mexikaner schiebt ihn unsanft beiseite und poltert mit Bärenschritten in die Wohnung.
Oh sie haben gar keine Geduld.
Bob erwartet, dass man One-Two in seinem Bett (der Matratze) findet, wo er ja auch geschlafen hat, aber die Decke ist zurückgeschlagen und das Bett leer.
Bob runzelt die Stirn, spielt aber augenblicklich mit.
Da wird ihm gegen den Hinterkopf geschlagen und er taumelt gegen die Wand, stützt sich ziemlich schlecht ab und schlägt sich die Stirn an. Er ächzt.
„Wo sind die Bilder?“
„Was für Bilder?“
Man schlägt ihm einen Zahn aus, den er sich in die Hand spuckt und vorsorglich in seiner Hosentasche verstaut. Er hustet dem Schläger Blut auf die Lackschuhe und grinst mit rotgefärbten Zähnen zu ihm hinauf.
Sein Stiefvater sitzt sowas von in der Scheiße und er möchte am liebsten tanzen vor Freude.
„Dein Daddy hat langsam genug von dir.“, einer der Gorillas, der bisher das Zimmer durchforstet hat, tritt vor und sieht auf ihn hinab, „du machst ihm nur Ärger. ‚Makoto‘, hat er zu mir gesagt, ‚Makoto, schaff mir endlich diese Ratte aus den Augen‘.“
Makoto beugt sich zu ihm hinab und lässt ein Butterflymesser vor seinen Augen aufschnappen.
„Fallenlassen.“
Bob atmet erleichtert aus und wirft One-Two, der hinter den Gorillas mit seinem Colt steht einen dankbaren Blick zu.
„Sonst was?“
„Sonst knall ich euch alle ab.“
„Ach? So viel Risiko für diese kleine Schwuchtel? Lass uns unsere Arbeit machen und verpiss dich.“
One-Two lädt die Waffe durch.
Makoto macht ein spöttisches Geräusch.
Plötzlich klopft es an der Tür.
„Wollt ihr nicht aufmachen?“, fragt One-Two.
Der Mexikaner muss das übernehmen, kehrt aber nicht wieder. Stattdessen steht da Mumbles im Raum, einen Baseballschläger in den großen Händen.
„Hab gehört jemand will unserem kleinen Handsome Bob etwas antun?“, wirft er in den Raum und streckt sofort den Angreifer nieder, der da auf ihn zuspringt.
Makoto hat Schweißperlen auf der Stirn.
„Bin ich der einzige hier, der seinen Job ordentlich macht?“, damit sticht er das Messer in Bobs Brust und in der gleichen Sekunde wird sein Schädel von einer Kugel durchschlagen.
Vielleicht ja doch nicht der beste Tag in Bobs Leben.

Bob wird geschüttelt vom Fieber. Die Wunde hat sich entzündet und eitert schrecklich. Der Geruch nach absterbendem Gewebe ist widerlich, aber niemand sagt etwas dazu.
„Ich will es beenden.“, hat er nur gesagt und gehustet.
Sein Freund Mumbles und sein Liebhaber One-Two haben sofort verstanden.
Deshalb liegt er jetzt auf der Bank im hinteren Teil des Lieferwagens, den Kopf gebettet auf One-Twos warmem Oberschenkel. Der Jeansstoff schmiegt sich angenehm rau an seine Wange. Eine Hand liebkost seinen schmerzenden Schädel, der auseinander zu brechen droht.
Um sie herum sind in Papier eingeschlagene Gemälde gestapelt.
Millionenschwer. Die letzte Chance, die die Russen seinem Stiefvater gegeben haben.
Mumbles fährt sie auf den Vorgarten von Bobs Stiefvater und hupt.
„Aussteigen.“, sagt One-Two und hilft ihm auf, „na komm schon.“
Bob verdreht erschöpft die Augen, lässt sich aber mitschleifen. Das hier ist seine Rache und er will sie genießen, auch wenn es das Letzte ist was er tut.
Vom Hupen aufgeschreckt steht Bobs Stiefvater schließlich im Bademantel auf der Türschwelle, hinter ihm eine junge Frau (wahrscheinlich eine Nutte, wer sonst hält es freiwillig mit diesem Mann aus?).
Bob steht gegen One-Two gestützt da und starrt ihn an, diesen Mann, der ihn immer gequält hat.
„Ach nein.“, schnaubt sein Stiefvater, „was verschafft mir die Ehre?“
Mumbles holt einen Kanister aus dem Fußraum und beginnt den Lieferwagen innen und außen mit Benzin zu übergießen. Der Geruch ist beißend und stechend und genau in dem Moment kapiert Bobs Stiefvater woher er den Lieferwagen kennt.
„Na, Daddy?“, spuckt Bob ihm hustend entgegen, „schau mal, ich bringe dir deine Bilder. Weil ich doch ein braver Junge bin. Das hast du doch immer zu mir gesagt, ne? In deinem Büro oder im Badezimmer oder in meinem Kinderbett. Hast du das nicht immer gesagt? ‚Du bist ein braver Junge, Bobby‘?“
Bobs Stiefvater gerät in Panik; Schweiß steht ihm auf der Stirn, er ist blass.
„Du kleine Ratte!“, faucht er, „weißt du wie viel diese Bilder wert sind?!“
Bob nickt, „klar weiß ich das.“
Mumbles ist fertig.
Bob hebt sein Feuerzeug und schippst spielerisch eine Flamme auf. Seine Hände zittern, ihm tut alles weh, Ohnmacht greift immer wieder nach ihn. Aber One-Two stützt ihn, hält ihn ganz fest. Sein geliebter One-Two…
Das hier ist seine Rache.
„Ich habe Kunst eh nie gemocht.“, flüstert er, dann wirft er das brennende Feuerzeug auf den Lieferwagen.
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