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Neue Welten sind manchmal kompliziert...

von Kathy26
GeschichteFantasy, Übernatürlich / P18 / MaleSlash
Cleo Sertori Emma Gilbert Lewis McCartney Rikki Chadwick
03.06.2014
09.07.2016
33
60.245
4
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32 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
03.06.2014 1.609
 
Hallo Leute, tut mir leid, dass es etwas länger gedauert hat, aber ich brauchte einige Zeit, um dieses Kapitel zu schreiben. Und übrigens noch mal Danke an alle, die mir ihre Meinung da gelassen haben:):)Viel Spaß beim Lesen!:)

Wieder im Wald:

Es dauerte einen Augenblick bis Lewis sich aus seiner Starre der Verwunderung lösen konnte und sein Blick von der weit offen stehenden Tür in Richtung Flur zu Wayne wanderte, der das Gesicht in den Händen verbarg und unbewegt dasaß, als wäre er erstarrt. „Du...hast einen Zwillingsbruder??“, platzte es schließlich aus Lewis heraus bevor er es verhindern konnte und Wayne gab darauf nur ein gedämpftes Geräusch von sich, das wie ein entnervtes Aufseufzen klang. Dann nahm er die Hände vom Gesicht, atmete tief ein und aus und während seine Augen sich sichtlich heller färbten, begann er wieder zu sprechen. „Ja, das war Zack...mein Bruder...“, bestätigte er letztendlich dumpf, der Blonde konnte immer noch den verachtenden Unterton in der Stimme des Anderen hören. Wieder vergingen einige Minuten, in denen Lewis sich ganz genau überlegte, was er als nächstes sagte, er wollte nichts mehr vermeiden, als Wayne in irgendeiner Weise zu nah zu treten. „Aber...was wollte er hier?“ Waynes Blick wanderte zu Lewis und verweilte auf ihm, wobei der sich fragte, ob er überhaupt hatte fragen sollen, doch er erhielt nach einem Moment eine Antwort.

„Ich weiß es nicht...er war schon immer so: Man konnte ihn noch nie richtig einschätzen, immer änderte er spontan seine Meinungen, plante Dinge, ohne dass auch nur irgendjemand irgendetwas mitbekam.“ Er machte eine kurze Pause, in der er hörbar ausatmete. „Aber ich denke, dass er sehr wohl einen Grund gehabt hat, hier nach Jahren aufzutauchen und der war bestimmt nicht, mich einfach mal zu besuchen. Das würde er nie machen...er hasst mich.“ Der letzte Teil klang sogar etwas bitter. Lewis runzelte die Stirn. „Warum hasst er dich? Wie kann man seinen eigenen Bruder dazu noch seinen Zwilling hassen?“ Die Frage brannte sich geradezu in seinen Kopf, er konnte es sich einfach nicht vorstellen, ein Familienmitglied zu hassen, das würde er niemals können. Wayne lachte fast schon tonlos auf, letztendlich schnaubte er. „Kannst du dir das nicht denken? Du hast gehört, was er gesagt hat: Seiner Ansicht nach, wäre ich nicht in der Lage mich anzupassen.“ Jetzt klang er leicht aufgebracht. Der Blonde dachte darüber nach und der Gedanke, der ihm dabei kam, ließ ihn abermals die Stirn runzeln, diesmal verständnislos. „Das ist nicht sein Ernst. Er verurteilt dich und geht sogar soweit dich zu hassen, weil du anders bist? Weil du "nicht dem Norm der Gesellschaft" entsprichst? In was für einer Welt lebt er, dass er so darüber denkt?? Klar, dass man früher vielleicht nicht damit klar kam, aber heute ist es doch wohl bekannt, dass Anderssein nichts Unnormales ist.“ Lewis wusste nicht wieso, aber irgendwie regte es ihn auf, dass man einen Menschen so verurteilte, nur weil man die neuen Weltansichten nicht hinnahm. Wie konnte man so weltverschlossen und starrsinnig sein?

Wayne schüttelte schließlich leicht den Kopf. „Es stimmt, dass er es nicht akzeptiert, wir wurden zu einer Zeit geboren, wo es noch etwas "unnormales" war, aber das ist es nicht. Es ist eher ein weiterer Grund, der seinen Zorn nur noch verschlimmert. Die Hauptursache bin ich nicht mit meiner Einstellung oder Lebensweise sondern ich störe ihn als Person.“ Irritiert legte Lewis den Kopf schief. „Was?“ Jetzt war er richtig verwirrt; wie meinte Wanye das? Und als hätte der seine Gedanken gelesen, stand er schließlich auf und ging ein paar Schritte durch den Raum, eine Hand dabei in der Hosentasche vergraben, mit der anderen fuhr er sich durchs Haar, sein Blick war dabei auf einen undefinierten Punkt gerichtet. „Ich weiß nicht, ob es dich interessiert oder ob ich dir das überhaupt erzählen kann, weil ich seitdem mit niemandem wirklich darüber gesprochen habe, aber...aber ich denke, du solltest es wissen, weil Zack hier drinnen war und weil er dich gesehen hat...Er weiß, dass du verletzt bist und ich traue ihm alles zu. Er wird vermutlich irgendwann wiederkommen und sei es in die Stadt, es muss nicht mal hier sein, vielleicht hast du mich bis dahin längst vergessen, aber ich bin mir zu 50% sicher, dass er wieder kommt. Ich hab ihm gedroht, ihn angegriffen, ich glaube nicht, dass er das einfach so hinnimmt. Er ist...ein sehr rachsüchtiger Mensch, war er schon immer.“ Erneut seufzte er auf, dieses Mal hatte Wayne die Stirn gerunzelt, sein Blick wirkte weit weg, als würde er sich an etwas erinnern, als er das nächste Mal sprach. „Aber der hauptsächliche Grund, warum Zack mich nicht leiden kann, ist, dass er sich ausgeschlossen fühlt. Es hat viel mit unserer gemeinsamen Vergangenheit zu tun...als unsere Eltern noch lebten...“ Lewis konnte es beinahe spüren, wie schwer es Wayne zu fallen schien, sich daran zu erinnern oder eher gesagt, die Erinnerung auszusprechen, doch er fuhr fort, auch wenn seine Stimme etwas Schweres, Trauriges angenommen hatte.

„Ich glaube, dass es schon damit anfing, bevor wir überhaupt in die Schule kamen. Als es dann soweit war, verstärkte sich das Ganze noch, das glaube ich zu mindestens, weil Zack und ich zwar Zwillinge sind und vielleicht absolut identisch aussehen, aber im Charakter unterscheiden wir uns so stark wie Feuer und Wasser. Ich...ich kann mich daran erinnern, dass...er schon immer den Drang nach Aufmerksamkeit hatte...nicht unbedingt im positivem Sinne. Je älter wir wurden, desto schlimmer wurde sein Verhalten. Unsere Mutter...sie...ich glaube sie litt sehr stark unter seiner aggressiven und gleichgültigen Art, obwohl sie sich äußerlich oft enttäuscht oder wütend ihm gegenüber zeigte, wenn er mal wieder jemandem ohne Grund die Nase gebrochen oder die halbe Schule geflutet hatte...“ Ein kurzes und trauriges Lächeln huschte über Waynes Gesicht. „Ich weiß heute noch, obwohl es über 10 Jahre her ist, dass seine Aktionen immer schlimmer wurden, nur damit er ein wenig Beachtung bekam. Naja und die bekam er dann meistens auch, wenn auch in Form von Strafarbeiten oder Zuhause in Form von Hausarrest.“ Mittlerweile stand der Dunkelhaarige wieder vor dem Bett, verharrte an jener Stelle. „Ich hingegen war auf Anhieb anders als er: Ich interessierte mich nicht dafür, wenn es darum ging, wie ich die Lehrer, Mitschüler oder sogar Nachbarn zur Weißglut treiben konnte, das war immer eine von Zacks Lieblingsbeschäftigungen, ich merkte viel mehr, wie sehr wir uns doch unterschieden, wenn er stur wie er ist, Konflikte oder Probleme auf brutale Art und Weise lösen wollte. Wegen dieser ruhigen Art, die ich entwickelt hatte, war ich es auch meistens, der spät abends noch zusammen mit unseren Eltern, meist nur noch mit Mutter in der Küche saß und sie tröstete, wenn sie kurz davor war, die Nerven zu verlieren...kurz davor war aufzugeben, weil sie einfach nicht mehr wusste, was sie noch tun sollte...weil Zack unbelehrbar ist...Sie sagte mir immer wieder, wie sehr sie sich wünsche, dass Zack doch nur ein bisschen mehr meiner...inneren Ruhe hätte, so nannte sie es jedenfalls immer. Und ich weiß nicht wie oft sie mir sagte, wie sehr sie uns liebe, wenn ich ihr jedes Mal wieder sagte, Zack würde sich irgendwann schon noch ändern. Aufhören so unausstehlich zu sein, wie er nun mal sein kann.“

Langsam begriff Lewis den Zusammenhang der Dinge. „Er war eifersüchtig...“, meinte er schließlich leise, als ihn die Erkenntnis traf, Wayne nickte währenddessen langsam und ließ sich wieder auf die Bettkante sinken. „Ich glaube, ich werde wohl nie wieder seinen Blick vergessen, den er mir mit 16 zuwarf, als er wohl mitbekommen hatte, dass ich mit Mutter über ihn gesprochen hatte. Als er ihre Worte gehört hatte. Ab diesem Zeitpunkt war es nicht nur Neid oder Eifersucht, es waren wirkliche Wut und Hass, dass ich der gute, vernünftigere Sohn war. Ich vermute bis heute noch, dass sich lediglich die Tatsache in seinem Kopf festgesetzt hat, dass ich mehr gemocht wurde, einfach weil ich nicht immer irgendwelche dummen Sachen machte, um anerkannt zu werden und dass er einfach verdrängte, was er getan hatte um diese Anmerkung zu bekommen.“

Der Siebzehnjährige konnte sehen, wie traurig und schmerzerfüllt Waynes Blick war, als er weitersprach. „Letztendlich...wurde unsere Mutter krank, sehr krank. Es ging ihr von Tag zu Tag schlechter, die Krankheit zerfraß sie förmlich von innen. Und der Kummer und die Sorge wegen Zack machten es nicht wirklich besser...weil er eines Tages einfach verschwand. Er hatte seine Sachen gepackt und war gegangen...und...ich...erinnere mich so lebhaft an den Tag, an dem sie starb, als wäre es gestern gewesen...“ Wayne stockte, seine Stimme war kaum vernehmbar brüchig geworden, man sah ihm an, wie sehr es ihn belastete, darüber zu sprechen. Trotzdem erzählte er weiter.

„Nach ihrem Tod war alles anders...ich konnte tagelang nicht schlafen, wachte schweißgebadet aus Albträumen auf, die mich bis heute noch manchmal verfolgen...Unser Vater folgte ihr lediglich einen Monat später, gerade als ich neunzehn wurde...er war so zermürbt gewesen, vor Trauer und Sehnsucht, dass er wohl kaum noch leben wollte und einfach innerhalb einer Nacht...verstarb...Zwei Jahre lang reiste ich herum, tat alles um zu vergessen, nahm hier und da Gelegenheitsjobs an und arbeitete die meiste Zeit über in irgendwelchen Cafés, nur um irgendwie mein Reisen finanzieren zu können, nur um irgendwie weiter zu kommen. Bis ich dann in dieser Stadt ankam, diesen Wald fand, die Hütte entdeckte...und blieb. Ich entschied mich einfach hier zubleiben, einfach, weil es mir gefiel.“

So jetzt haben wir einen Einblick in Waynes Lebensgeschichte erhalten:) ich finde ja, dass es schon irgendwas tragisches an sich hat. Mal sehen wann ich das nächste Kapitel reinstellen kann
Bis dahin:):)
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