Choose your Ikran

GeschichteAbenteuer, Sci-Fi / P12
03.06.2014
03.06.2014
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Der Aufstieg auf die Iknimaya, von den Menschen auch als Hallelujah-Berge bezeichnet, war mit großen Anstrengungen verbunden gewesen und hatte schon an Grace Kräften gezerrt. In ihrem „eigenen“ Körper, da war sie sich sicher, hätte sie diese Hürde nie bewältigen können. Endlich waren sie, eine Gruppe bestehend aus ihr, Aycan und zwei weiteren Na'vi Kriegen, auf den in der Luft schwebenden Inseln angekommen, auf welchen sich die Ikran niederließen. Schon von einigen Metern Entfernung konnte sie die Flugsaurier ähnlichen Tieren ausmachen. Noch saßen sie einigermaßen friedliche beieinander und ahnten nichts von dem, was ihnen nun bevorstand. Am aufgeregtesten dürfte jedoch Grace selbst gewesen sein. Lange hatte sie trainieren müssen um mit dem, von den Menschen „Banshee-Catcher“, ein Hilfsmittel zum Fangen von Ikran, umgehen zu können. Aycan hatte ihr dabei geholfen und ihr immerzu Mut gemacht, da sie befürchtet hatte sie würde scheitern. Unsicher warf sie ihrem großen, blauen Freund einen Blick zu. Besagter nickte ihr aufmunternd zu. „Du kannst es, glaub an dein Können.“ Ein Lächeln huschte über sein Gesicht. Einer ihrer weiteren Begleiter überreichte ihr mit einem ernsten Blick den Banshee-Catcher. „Eywa ngahu“, flüsterte Aycan ihr flüchtig zu. „Irayo.“ Grace beherrschte die Sprache der Na'vi nicht vollständig, nur einige Sätze aber auch hier lernte sie Tag für Tag, den sie bei den Na'vi verbrachte, dazu.
Sie schickten Grace vor und blieben selbst auf einer kleinen Anhöhe stehen um sie beobachten zu können. Langsam, Schritt für Schritt, wagte sich Grace voran. Mit jedem Schritt wurde sie nervöser. Sie musste, und darin bestand die Schwierigkeit, sich dem Ikran, welcher sie angriff stellen mit nichts weiter als dem „Banshee-Catcher“ bewaffnet und ihn allein durch Muskelkraft überwältigen um schließlich Tsaheylu herzustellen. Von da an, so hatte ihr Aycan erklärt, würde zwischen ihr und dem Ikran eine lebenslange Verbindung bestehen und er würde einzig und allein ihr gehorchen. Das Ziel war also den Ikran nicht zu verletzen sondern lediglich zu zähmen und unter ihre Kontrolle zu bringen. Langsam entstand aufruhe in der Gruppe von Ikran und die Tiere begannen sich unter lautem Krächzen und Schreien von ihr zu distanzieren. Nun war sie beinahe umringt von den Ikran, doch bisher machte keiner Anstalten sie zu attackieren. Im Normalfall wäre Grace dies vielleicht ganz Recht, doch unter diesen Umständen war es ja Voraussetzung das Tier fangen zu dürfen. Immer weiter pirschte sie sich durch die lärmenden Ikran. Ihr Herz raste vor Aufregung und sie umklammerte den „Banshee-Catcher“ fest. Nach einigen Schritten erblickte sie ein Tier welches aggressiver schien als alle anderen. Es nährte sich ihr bis auf wenige Meter und schien sie regelrecht herausfordern zu wollen. Der muss es sein, dachte sich Grace, wich aber vor Schreck einige Schritte zurück. Das war falsch, sie dürfte jetzt nicht nachgeben. Aycan glaubte an sie also konnte sie es auch, oder etwa nicht? Grace wagte sich wieder einen Schritt näher an das Tier heran und schwang den „Banshee-Catcher“ ähnlich wie ein Lasso in ihrer Hand. Der Ikran schien dies als Zeichen sie anzugreifen zu nehmen. Er schnappte mit seinen spitzen Zähnen nach ihr und Grace konnte nur hören, wie der Kiefer direkt neben ihr zuschnappte. Sie hatte noch rechtzeitig ausweichen können und wolle die Chance nutzen um den „Banshee-Catcher“ um das Maul des Tieres zu schlingen. Dieses machte ihr jedoch einen Strich durch die Rechnung da es den Kopf mitsamt dem langen Hals umher drehte um erneut nach ihr zu schnappen. Dieses Mal konnte Grace nur knapp dem Maul des Ikrans entkommen da sie sich geduckt hatte. Wie sollte sie nur alleine dieses riesige Tier überwältigen? Sie versuchte es erneut und schwang das eine Ende des „Banshee-Catchers“ hinauf. Als sie einen Wiederstand spürte und aufblickte, hatte sich Besagtes um das Maul des Tieres geschlungen. Endlich, so war eine Gefahrenquelle schon einmal gebannt. Der Ikran begann nun allerdings seinen Kopf wild hin und her zu reißen um das hinderliche Ding um seine Schnauze loszuwerden. Dadurch riss er Grace sogleich das erste Mal von den Beinen. Jetzt nicht nachgeben, redete sich Grace ein und schluckte. Sie spannte ihre Muskeln an und ihr gelang es tatsächlich wieder auf die Beine zu kommen. Sie wollte das Tier zu Boden bringen und mit all ihrer Kraft bekam sie schließlich einen seiner am Kopf sitzenden antennenartigen Fortsätze zu fassen und zog diesen zu sich. Nun dürfte sie keine Zeit verlieren und so griff Grace schnell nach ihrem Zopf. Das Ende von diesem hielt sie an die sich windenden Nervenstränge des Ikrans bis sich ihre mit den seinen verbunden. Mit einem Mal war der Kampf vorbei und Grace konnte regelrecht spüren wie jegliche Aggression ihr gegenüber dem Gehorsam wichen.
Ihre und die Muskeln des Ikrans entspannten sich. Vorsichtig streckte sie eine Hand nach dem Tier aus und strich über dessen Hals. Die Haut des Ikran besaß eine sehr schöne Musterung. Die meisten der Tiere hatten eine bläulich bis grüne Färbung. Ihrer besaß jedoch zu dem blau noch einige Spuren violett, das war selten. „Hast du es verstanden, ja? Ich bin dein Freund“, redete sie beruhigend auf das Tier ein. Die Augen blickten ihr starr entgegen und wirkten für einen Außenstehenden bestimmt kühl, doch sie konnte spüren, was in dem Ikran wirklich vorging. Er hatte sich ihr untergeordnet, würde von nun an nur ihr gehorchen und einzig und allein mit ihr fliegen. Während ihres Kampfes mit dem Ikran hatten sich die anderen seiner Art weitestgehend zurückgezogen oder hatten das Weite gesucht. Es war ihr zuvor gar nicht aufgefallen. Aycan mitsamt den anderen beiden Na’vi kam auf sie zu. Bildete sie es sich nur ein oder lag in seinem Blick tatsächlich so etwas wie Stolz? „Gut gemacht“, sprach er in seinem eigentümlichen Akzent. „Und nun flieg.“ „Fliegen?“ „Ja, dadurch wird sich euer Band festigen.“ Grace wollte Aycans Worten Folge leisten und so stieg sie mit zitternden Knien auf ihren Ikran. „Flieg!“ Eh Grace die Zeit hatte etwas zu erwidern erhob sich der Ikran auch schon in die Lüfte.
Der Start war einigermaßen holprig gewesen und für ein paar Sekunden hatte Grace ernsthaft geglaubt, sie würden abstürzten. Schnell klammerte sie sich an dem Hals des Tieres fest um nicht zu fallen doch merkte sie mit der Zeit, dass dies gar nicht nötig war. Sie brauchte sich lediglich ein wenig an den Antennen des Ikrans festzuhalten und ihren Körper in die Richtung zu neigen, in die das Tier flog. Die Iknimaya entfernten sich immer weiter von ihr und sie durchbrach einige Wolken. Unter ihr konnte sie die weite Urwaldlandschaft Pandoras erblicken, es war atemberaubend. Ihr neuer Freund schien auch seinen Spaß zu haben, sie konnte es fühlen. Sie flogen einen Stutzflug um kurz vor den Baumwipfeln abzubremsen um wieder an Auftrieb zu gewinnen. Ein herrliches Gefühl. Sie fühlte sich frei, grenzenlos. Für einen Moment schloss Grace die Augen, stellte sich vor dieser Augenblick würde ewig dauern und öffnete sie wieder. Ein Ausruf der Freude erklang worauf ein lautes Krächzen ihres Ikrans folgte. „Flieg, flieg immer weiter.“