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The reason why I can't tell you that I love you

OneshotLiebesgeschichte / P16
Asahina Tsubaki
03.06.2014
03.06.2014
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Anmerkung:
1. Teil: How it all began [OS]
2. Teil: The reason why I can't tell you that I love you
3. Teil: First time [OS]

The reason why I can't tell you that I love you


Zitternd und vollkommen durchnässt drückte ich auf den Klingelknopf. Hoffentlich war er noch wach – es war schließlich kurz vor Mitternacht.
Die Tür öffnete sich quälend langsam, aber wenigstens wurde sie geöffnet. »Kiriko, was machst du denn mitten in der Nacht hier? Komm erstmal rein, bevor du mir hier noch vor der Wohnung umkippst.«
»Danke, Hikaru.« Ich betrat die kleine Wohnung Hikarus und entledigte mich meiner durchnässten Jacke, Schuhe und Socken.
In warmen Hausschuhen lief ich meinem älteren Stiefbruder nach ins Wohn-Ess-Zimmer, welches oft als Schlafzimmer fungierte. Es herrschte das reinste Chaos, aber ich nahm es ihm nicht übel. Erstens war Hikaru erwachsen, zweitens war es seine Wohnung und drittens war gerade die Deadline für ein neues Kapitel zu Ende gegangen. Dass man sich da nicht auf die Ordnung konzentrierte, war völlig verständlich.
»Willst du vielleicht duschen? Das wärmt auf und beugt eine Erkältung vor. Ich habe irgendwo bestimmt Kleidung, die ich dir leihen kann.« Suchend sah er sich um.
»Das wäre sehr nett, aber du brauchst mir jetzt nicht Frauenkleidung suchen, ein einfaches T-Shirt und eine Jogginghose reichen mir.«
Er nickte dankend, das erleichterte ihm die Suche ungemein. Hikaru trug ja schließlich auch keine Frauenkleidung, wenn er bei sich zu Hause war und mir war momentan sowieso völlig schnuppe, was ich an Kleidung bekam, Hauptsache, sie war trocken.
Während der Orangehaarige aus seinem eigentlichen Schlafzimmer Sachen für mich holte, besah ich mir die Unordnung etwas genauer. Zerknülltes Papier, Teller mit alten Fertiggerichten und einzelne Kleidungsstücke lagen hier am offensichtlichsten herum. Dafür, dass er mich duschen ließ, würde ich das Chaos beseitigen. Bei anderen Leuten machte Aufräumen sowieso mehr Spaß und ich kannte da eine gewisse Person, die freiwillig so lebte.
»Hier, Kiriko, die Sachen sind zwar bestimmt zu groß, aber die Hose hat einen Gummizug«, erklärte er mir, während mir die Sachen in die Hand gedrückt wurden. »Wo die Handtücher liegen, weißt du ja.« Zugegeben, ich hatte schon öfters unangemeldet vor seiner Tür gestanden. Zwar nicht immer aufgrund des Wetters, sondern weil der Autor ein guter Zuhörer war und ich ihm mit meinem Gebrabbel auch noch half.
Im Bad angekommen stellte ich sogleich die Dusche an und zog mir auch den Rest meiner Kleidung aus. Zu meinem Pech hatte sich mein BH auch mit dem Regen angefreundet, sodass nicht mal auswringen eine Möglichkeit war. Dann ging es halt nicht anders, aber ich konnte es ja auch nicht ändern.
Wenigstens wärmte das Wasser mich sogleich auf und mir die nasse Kälte des Regens aus den Knochen trieb. Ich blieb nur kurz unter ihr stehen – die Dusche war nur zum Aufwärmen gedacht, nicht, um mich gerade richtig zu waschen. Zwar hatte ich kurz zuvor noch wie ein begossener Pudel ausgesehen, aber so riechen tat ich jetzt nicht unbedingt. Außerdem hatte ich keine Ahnung, wozu die ganzen Sachen hier überall gut waren, zudem Hikaru ein Mann war und ich ein Mädchen.
Ich verließ diesen warmen Himmel auf Erden wieder und zog mir die geliehenen Sachen über, nachdem ich mich abgetrocknet hatte. Schnell wuschelte ich mir mit einem weiteren Handtuch durch die Haare. Hatte er vielleicht irgendwo einen Föhn? Sonst konnte das noch ein bisschen dauern. Meine Sachen hing ich noch schnell über den kleinen Wäscheständer, ehe ich mich ins Wohnzimmer zurückbegab, die Haare dabei mit dem Handtuch weiter zu trocknen versuchte.
Hikaru stand unschlüssig in eben diesem Raum und schien zu überlegen, wo er am besten mit dem Aufräumen anfangen konnte.
»Ich würde vorschlagen, erstmal das zerknüllte Papier und die Essensreste zu entsorgen«, riet ich ihm. »Du hast nicht zufällig einen Föhn hier herum fliegen?« Er hatte lange Haare, also warum keinen Föhn besitzen?
»Doch, habe ich. Der liegt im Bad. Komm, ich föhne sie dir, die Unordnung kann warten.«
Also wieder zurück ins Bad. Dort setzte ich mich den Klodeckel und sah dabei zu, wie der Grünäugige einen Haartrockner hervorholte und an den Strom anschloss.
Noch mehr Wärme.
»Ist es zu heiß?«
»Nein, nein, das ist in Ordnung so.«
»Also, was verschafft mir die Ehre deines Besuches?«
»Ich war mit Freundinnen im Kino und der Film erinnerte mich an mein eigenes Problem. Und da ich schon hier in der Nähe war und es in Strömen regnet, dachte ich mir ›Warum nicht zu Hikaru gehen?‹«, erklärte ich.
»Lass mich raten, das Problem fängt mit Tsu- an und hört mit -baki auf.«
Mir wurde warm ums Herz, aber nein, mein weißhaariger Stiefbruder war nicht das eigentliche Problem. »Nein, es fängt mit Ki- an und hört mit -riko wieder auf. Also ich selber bin die Ursache. Ich ... ich kann einfach die Blicke anderer Leute nicht aushalten oder mache mir Sorgen, was andere über mich denken oder sich über mich erzählen.«
»Aber du liebst Tsubaki?«
»Ja, tue ich. Wenn ich bei ihm bin, fühle ich mich am wohlsten«, erwiderte ich mit rot überzogenen Wangen.
»Na, dann würde das schon mal eure heftige Knutscherei erklären.« Der Autor lachte leise.
Mir dagegen entgleisten alle Gesichtszüge. »Was ...? Woher ...?«
»Kiriko. Eine nur halbwegs versteckte Nische mitten auf dem Grundstück ist jetzt nicht der unauffälligste Ort. Ich habe echt gedacht, dass ihr bald ein Zimmer bräuchtet.«
Entgleist und komplett rot traf es jetzt wohl eher. Ich sagte lieber nichts dazu.
»Aber abgesehen davon habe ich es schon früher bemerkt. Die Art, wie du mit ihm sprichst, wirkt viel aufgeschlossener und glücklicher, aber deine Körpersprache sagt eindeutig ›Distanz‹. Jetzt verstehe ich auch, warum du so bist, aber wenn du ihn liebst, sollten dir die anderen völlig schnuppe sein. Warum kannst du deine Gefühle nicht in der Öffentlichkeit zeigen?«
»Zum Beispiel der Altersunterschied oder seine Arbeit. Was denkt man denn, wenn man hört, dass zwei Leute sich lieben, aber acht Jahre zwischen sich haben. Und dann der offensichtlich arbeitende eine Tätigkeit ausübt, die nie zu hundert Prozent sicher ist und indirekt hunderte Rivalinnen oder Neider mit sich zieht. Ich finde das ja nicht schlimm, denn das ist nun mal Tsubaki wie er leibt und lebt, aber einfach zu wissen, dass irgendwelche Gerüchte aufkommen könnten oder man auch nur irgendwie was Falsches von mir denkt, macht mich ganz kirre.«
»Er handelt aber meistens nicht seinem Alter entsprechend, Kiriko. Und warum interessiert dich die Meinung anderer so sehr?«
»Ich weiß es nicht, Hikaru. Ich weiß es einfach nicht. Es war schon immer so. Ich passte mich an, um nicht aufzufallen. Und genau diese Angewohnheit zerfrisst mich nun von innen, weil sie Tsubaki nicht zulassen will. Verstand und Gefühl wollen ihn, doch die Angewohnheit scheint zu übertrumpfen. Wie oft habe ich schon den Mut zusammen genommen, um seine Gefühle zu erwidern; ihm zu sagen, was ich fühle. Jedes Mal hält mich etwas zurück.« Es war so verdammt schrecklich. Immer klopfte mein Herz so schnell, meine Hand wollte nach der des Weißhaarigen greifen, doch es geschah nie. Ich sah es schon kommen: Irgendwann würde ich mich komplett in dieser Sache verrennen, würde etwas Unüberlegtes tun – was in dem Moment bestimmt ein Himmel auf Erden wäre, wenn ich an so bestimmte Sachen dachte –, was vielleicht in so etwas wie einer Affäre enden könnte. Öffentlich lediglich Stiefgeschwister – im Geheimen, in trauter Zweisamkeit die reinsten Turteltäubchen. Und ich wusste, dass das Tsubaki noch mehr verletzen würde als meine jetzige Haltung ihm gegenüber. Er war zwar ein kleiner Spaßvogel, aber das war ihm ernst – sehr ernst. Letztendlich sah ich mich alleine dastehen.
Tränen rannen meine Wangen hinunter. Heiß, brennend. Die Hitze, die ich auch bei dem eben erwähnten Kuss damals gespürt hatte. Tsubaki war schon fordernd, aber seine Hitze schmerzte nicht annähernd so sehr wie diese Tränen. Erbarmungslos liefen sie weiter.
Der Ältere hielt mir plötzlich eine große Taschentücherpackung hin, wie man sie oft in Serien bei Frauen sah, die Liebeskummer hatten, und sah mich mitfühlend an. Als Autor kannte er sich mit Gefühlen aus, konnte aber bestimmt nur teilweise erahnen, was genau sich in meinem Inneren abspielte.
Nicht sehr damenhaft schniefte ich in das erste Taschentuch und wischte mir mit einem zweiten mehrmals über die Augen. Die Tränen ließen sich nicht stoppen, rannen stumm hinab.
»Verstehe, aber ich kann dir auch nicht viel helfen. Das kannst nur du: Besiege den inneren Schweinehund und spring über deinen Schatten. Das ist der einzige Weg, um zu dem gewünschten Ergebnis zu kommen.«
Das bedeutete, ich musste mich selber bekämpfen, um glücklich zu werden.

Zurück in der Sunrise Residence war ich erst am nächsten Abend. Hikaru hatte mich selbstverständlich nicht mitten in der Nacht nach Hause gelassen und dann hatten wir tagsüber das Chaos beseitigt, bevor wir seine Vorräte an Lebensmitteln wieder auffüllten, auch wenn sich sein Kochtalent in Grenzen hielt.
Und nun stand ich nervös und komplett angespannt vor seiner Tür, während mein Finger sich quälend langsam auf den Klingelknopf zubewegte. Es war eine Kurzschlussreaktion meinerseits, damit meine Angewohnheit nicht so schnell hinterher kam. Kurz bevor ich klingeln konnte, ertönte eine Stimme hinter mir.
»Der ist gerade nicht ansprechbar.«
Ich drehte mich um. Dort standen Azusa und Tsubaki, welcher vom dunkelhaarigen Zwilling fest gehalten wurde. Mich schien er gar nicht zu registrieren.
»Ich hoffe, es ist nichts wichtiges, Kiriko, aber er kennt seine Grenzen immer noch nicht, wenn es um Alkohol geht. Also hat er sich einen über den Durst getrunken bei der Feier zur Fertigstellung des Animes«, erklärte der Brillenträger und sah kopfschüttelnd zum betrunkenen Zwilling.
Ich schluckte. »Nein, ist schon in Ordnung. War nicht so wichtig.« Und wie wichtig das war! Aber das wollte ich jetzt nicht mitten auf dem Flur herum posaunen. »Gute Nacht, Azusa.«
»Ebenfalls«, vernahm ich noch, ehe ich in mein eigenes Zimmer zurück ging. Geknickt ließ ich mich in mein Bett fallen. Das war ja super verlaufen ...

Als ich meine Augen wieder öffnete, kam es mir so vor, als hätte ich nur wenige Minuten geschlafen. Warum war ich eigentlich aufgewacht? Es war noch dunkel draußen und nur das Mondlicht schien durch meine offengelassenen Vorhänge.
Da bemerkte ich das leise Hämmern an meiner Tür. Was war denn jetzt los? Langsam erhob ich mich und öffnete meine Tür.
Prompt fiel mir Tsubaki mit einem lallenden »Riko-chan« in die Arme. Schön und gut, aber da der Weißhaarige ein ganzes Stück größer war, konnte ich ihn nicht lange so festhalten. Er trug noch dieselbe Kleidung wie vorher, von der ein leichter Geruch von Alkohol ausging.
Sich etwas von mir weg stemmend schloss er die Tür mit einer Hand, sah mir jedoch die ganze Zeit in die Augen. Dieses wunderschöne Violett.
»Was machst du hier, Tsubaki? Es ist mitten in der Nacht, du solltest deinen Rausch ausschlafen.«
»Ich hab dich aber vermisst, Riko-chan. Du warst den ganzen Tag nicht da ...« Definitiv musste er seinen Rausch ausschlafen. »Wo warst du? Bei wem warst du?« Und zwar sowas von. Eben weil Tsubaki es ernst war, war er öfters eifersüchtig. Jetzt war es nicht anders.
»Tsubaki, du bist komplett betrunken. Lass uns das später klären, sonst verstehst du noch was falsch.«
»Und warum sollte ich was falsch verstehen? Warst du bei jemand anderem? Du gehörst zu mir, Riko-chan, das lasse ich nicht zu.« Und wie er es in den falschen Hals bekommen hatte.
Ohne, dass ich es richtig realisierte, wurde ich gegen meine Tür gedrückt und der Weißhaarige drückte fordernd seine Lippen auf meine.
Für einen kurzen Moment war mein Verstand nur von ihm erfüllt und erwiderte den Kuss großzügig. Küssen konnte er verdammt gut, das musste ich ihm jedes Mal anerkennen, aber der alkoholische Geschmack, der sich nun auf meiner Zunge breit machte, beförderte mich wieder in die Realität. Energisch drückte ich ihn etwas von mir weg.
»Warum weist du mich ab? Was mache ich falsch? Ist es so besser?« Er bedeckte meine Schulter und mein Schulterblatt auf der linken Seite mit vielen sanften, aber verzweifelt wirkenden Küssen. Derweil legte sich eine Hand auf die andere Schulter, während sich seine weitere an meiner Hüfte platzierte.
»Tsubaki, hör auf, du bist nicht ganz bei Sinnen.«
Doch der Angesprochene schien tatsächlich nicht ansprechbar zu sein, wie sein Bruder gesagt hatte. Mit seinen Lippen wanderte er über meinen Hals bis zu meinem Mund hinauf, um mich erneut dort zu küssen. Fast hätten diese Lippen mich wieder in ihren Bann gezogen, doch da spürte ich, dass seine Hand sich unter mein Oberteil begeben hatte.
Eilig löste ich den Kuss. »Lass das!« Er hörte immer noch nicht auf mich. Forschend bahnte sich seine Hand nach oben – kam meiner Brust immer näher.
Ich musste ihn aufhalten. Sofort! Da bemerkte ich etwas bei meinem BH-Verschluss. Jetzt ging er endgültig zu weit.
»Tsubaki! Hör endlich auf!«, schrie ich ihn an und dann war noch ein lautes Klatschen zu vernehmen. Lautstark hatte meine Hand seine Wange getroffen.
Wieder fiel er gegen mich, aber durch die Ohrfeige schien er ... ja was eigentlich? Es wirkte so, als wäre er davon eingeschlafen.
Und wieder hämmerte es gegen die Tür. »Kiriko, was ist los?«, erklang Azusas Stimme.
Seinen Bruder langsam vor mir herschiebend bewegte ich mich von der Tür weg. »Ist offen.«
»Was ist passiert?«
»In Kurz: Seine Eifersucht und Alkohol vertragen sich nicht.«
»Er hat dir aber nichts getan, oder?«
»Nur fast, deswegen ziert jetzt mein Handabdruck sein Gesicht. Zu meiner Verteidigung: Wenn er mir nicht zuhören will, dann geht es nicht anders.«
»Das tut mir Leid, ich hätte bei ihm bleiben sollen.«
Ich winkte ab und kurz darauf war ich alleine. Wie bescheuert es klang, ich machte Tsubaki keine Vorwürfe deswegen. Menschen machten Fehler – besonders, wenn sie zu viel intus hatten. Nie hätte er im nüchternen Zustand etwas gemacht, was ich nicht wollte. Dann kam auch noch meine Distanzierung dazu, die ich sonst zu ihm warte. Es erschien dumm von mir, dass ich mir die ganze Schuld gab, aber wenn das jetzt auch auf sein Konto gehen würde, dann konnte ich es auch gleich vergessen.

»Es tut mir echt Leid, was ich da letztens gemacht habe, Riko-chan.« Der Synchronsprecher hielt mir einen Vanille-Milchshake vor die Nase.
Dankend nahm ich das Getränk an und setzte mich auf eine Bank inmitten der ganzen Leute, die ihre Einkäufe oder sonstiges erledigten. Die Innenstadt war immer gefüllt. »Ich dachte, du könntest dich nicht mehr daran erinnern.«
»Nur ganz vage. Ich weiß noch, dass ich von dir geträumt hatte und dann den Drang hatte, zu dir zu gehen. Nachdem ich dir in die Arme gefallen bin, ist alles schwarz in meinem Kopf. Aber so, wie ich mich kenne, bin ich dir bestimmt ganz schön auf die Pelle gerückt.« Beschämt ließ er den Kopf hängen.
»Ja, bist du und zwar gewaltig. Aber letztendlich stand dir mein Handabdruck.« Ich lachte leise und er raufte sich die Haare. Nun hatte ich den Drang, durch dieses weiche, weiße Haar zu wuscheln, unterließ es aber unfreiwillig.
»Ach verdammt. Das wollte ich nicht. Ich will gar nicht wissen, was ich gemacht habe ...«
»Ich hatte auch nicht vor, dir das zu sagen. Sonst wärst du jetzt noch deprimierter.«
»Das wäre ich bestimmt, wenn ich versucht hätte, dich auszuziehen.«
Mist. »Äh ... Nein?«
Jetzt wagte er es nicht mehr, mir in die Augen zu sehen, nachdem er nun wusste, dass er das wirklich versucht hatte. Er sah so enttäuscht und traurig aus, dass ich ihn am liebsten umarmen wollte. Natürlich drängte meine Angewohnheit sich dazwischen.
»Sei bitte nicht sauer auf dich selbst. Ich war dir nie sauer deswegen und mir ist ja nichts passiert. Du warst einfach betrunken wie sonst was«, versuchte ich ihn zu beruhigen.
Verzweifelt sah er mich an. »Und was ist, wenn es nochmal passiert? Riko-chan, du bist ständig in meinem Kopf. Morgens, mittags, abends. Auf der Arbeit und in meinen Träumen. Wenn ich betrunken bin, ist mein Verstand völlig vernebelt. Von deinem Geruch, von deinem süßen Lachen – einfach alles, was mit dir zu tun hat. Was ist, wenn du es das nächste Mal nicht schaffst, mich zu stoppen? Dann werde ich dir nur weh tun und du willst nie wieder etwas mit mir zu tun haben.« Er griff nach meiner Hand. Reflexartig befahl meine Angewohnheit, sie weg zu ziehen. Was ich natürlich tat. »Du bist doch sauer auf mich, dass du nicht mal mehr willst, dass ich dich berühre. Wenn das so ist, sollte ich wohl lieber gehen ...« Noch enttäuschter stand er auf, ging tatsächlich davon – ließ mich hier einfach sitzen.
Ruckartig erhob ich mich. Nahm die Leute um mich herum nicht mehr wahr, sah nur noch ihn, wie er mich zurückließ. »Ich ...«, murmelte ich stockend, hielt krampfartig mein Kleid fest. »Ich liebe dich! Bleib bei mir! Es tut mir so leid, dass ich dich immer abgewiesen habe! Aber ich hatte immer Angst, was die Leute über mich denken! Für mich bist du perfekt, so wie du bist, aber was hätten Außenstehende gedacht? Immer schwirrte mir dieser Gedanke im Kopf herum! Wie oft wollte ich dir durch die Haare wuscheln, nach deiner Hand greifen? Ich weiß es nicht, aber immer hielt mich diese vermaledeite Angewohnheit zurück! Überwog Verstand und Gefühle – jedes verdammte Mal! Ich ... ich will nicht, dass du mich verlässt, Tsubaki!«
Die Leute sahen mich geschockt an, dachten wohl, was dieses Kind von sich gab. Doch zum ersten Mal interessierte es mich nicht. Ich wollte nur, dass er zurück kam und mich in den Arm nahm. Mir sagte, dass er mich liebt, durch mein Haar wuschelte, meine Hand in seine nahm, mich küsste.
Da wurde ich in Tsubakis Arme gezogen, klammerte mich Halt suchend in seine schwarze Jacke. Der Gefühlsausbruch hatte mich Kraft gekostet. Doch ich fühlte mich erleichtert – nie hatte ich mich so unglaublich erleichtert gefühlt.
»Das war es also?«, murmelte er in mein Haar. »Darum hast du dich immer von mir distanziert, wenn wir nicht alleine waren? Warum hast es mir nicht gesagt? Dann hätte ich dich vor versammelter Mannschaft geküsst – als Schocktherapie. Aber diese öffentliche Liebeserklärung von dir macht mich glücklicher als alles andere. Nie hätte ich dich verlassen, dafür liebe ich dich viel zu sehr, Riko-chan.« Er hauchte mir einen Kuss aufs Haar, ehe er mein Gesicht in seine Hände nahm und mich sanft küsste. So sanft und doch zeigte er jedem, dass ich nur ihm gehörte.
In aller Öffentlichkeit wuschelte ich lächelnd durch sein Haar, bevor er sich von mir löste und nach meiner Hand griff.
Hand in Hand gingen wir nach Hause, ließen die gaffenden Leute hinter uns zurück. Glücklich lehnte ich mich während des Gehens an ihn und wollte ihn am liebsten nie wieder loslassen.
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to be continued with first time
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