[Operation Nautilus] Nemos Vermächtnis

GeschichteAbenteuer, Sci-Fi / P18 Slash
02.06.2014
31.01.2019
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Wirst du ihm helfen?
Dah´kar brachte es nicht über sich die Frage laut auszusprechen, sei es, weil er Angst vor der Ablehnung seines Vaters hatte oder aber, weil sich ihm schier noch der Kopf drehte durch den heftigen Übergriff. Er konnte regelrecht noch die Finger auf seiner Stirn spüren, die sich ihm in den Schädel zu bohren schienen, aber am schlimmsten war es Shah´dar jede Erinnerung, sowie Gedanken und Gefühle, zu offenbaren.
„Du bist nicht in der Position Forderungen zu stellen.“, sprach Shah´dar laut aus und er schloss gequält die Augen, angesichts der Grausamkeit des Mannes, den er schon lange nicht mehr als Vater bezeichnen konnte.
Bitte!, flehte er und alleine es zu denken, ließ ihn bittere Galle schmecken. Ich flehe dich an. Das ist es doch was du willst, oder?
Er ballte die Hände zu Fäusten und konnte doch nicht ganz verhindern, dass sie zitterten. Kaum konnte er sich noch an die Zeit erinnern, in der sein Vater jemand war, zu dem er aufgesehen hatte. An die Zeit bevor sein Vater König über die sieben Systeme geworden war.
Bevor er sich Stück für Stück selbst verloren hatte.
„Ich will nicht grausam wirken vor unseren Gästen.“, sprach Shah´dar und musterte dabei die Nautiluscrew ein weiteres Mal. „Und außerdem bin ich neugierig auf ihn und wenn ich es richtig in deinen Gedanken gesehen habe, dann hat der junge Prinz nicht mehr viel Zeit.“
Shah´dar wandte sich zum gehen und mit ihm setzten sich auch die sechs schwarzen Wachen in Bewegung, die bisher vollkommen unbeteiligt und reglos dagestanden hatten.
„Die bleiben hier! Ich will sie nicht auf meinem Schiff haben.“, keuchte Dah´kar erschrocken auf und konnte es nicht verhindern, dass der Schrecken, den er fühlte, deutlich auf sein Gesicht trat.
Mit einer Mischung aus Belustigung und Herabwürdigung sah der König seinen Sohn an.
„Hast du etwa immer noch Angst vor der Schwarzen Garde? Du solltest dich langsam an ihre Gegenwart gewöhnen.“ Es blitzte kalt in Shah´dars Augen. „Auch du wirst dich ihnen nicht entziehen können.“
Ein Ausdruck von schierer Panik trat in Dah´kars Gesicht und wich dann einer so kraftvollen Wut, dass beinahe seine Kräfte mit ihm durchgegangen wären.
„Sie bleiben hier, oder sie fliegen aus der nächsten Luftschleuse!“, schrie er.
Durchdringend starrte der König ihn an und für einen Moment sah es so aus, als würde er die Forderung ignorieren, doch schließlich nickte er und gab den sechs Männern ein Zeichen zurückzubleiben.
Erleichtert atmete Dah´kar auf, aber das eisige Frösteln, dass die Schwarze Garde in ihm auslöste, verließ ihn auf dem ganzen Weg zur Krankenstation nicht. Er konnte sie einfach nicht als sein Schicksal akzeptieren, schon gar nicht, nachdem was mit seinem Vater passiert war.
Als sein Großvater starb und Shah´dar, als dessen Erbe, den Thron der Kri´tika bestieg, musste er wählen, wie es seit Jahrtausenden von Jahren Brauch war, ob er sich mit der Schwarzen Garde verbannt oder sich gegen sie entschied.
Wobei man das kaum als eine Wahl bezeichnen konnte.
Entschied sich ein Erbe gegen die Schwarze Garde – die ursprünglich dazu gedacht war, die Macht des Königs in Zaum zu halten und damit vor Machtmissbrauch zu schützen – so musste er sie in einem rituellen Kampf besiegen.
Wie es der Brauch war ohne Anwendung von Kräften und gegen alle sechs gleichzeitig. Das zu Überleben war nahezu unmöglich.
Nachdem sein Vater schließlich mit ihnen verbunden war, veränderte sich seine Persönlichkeit zusehends und schon nach wenigen Jahren erkannte Dah´kar, der damals noch ein kleiner Junge war, seinen ehemals warmherzigen Vater kaum wieder.
Sie betraten die Krankenstation und Dah´kars Herz krampfte sich zusammen, als sie sich der Schlafkammer näherten. Heute war der Tag an dem sie Mikes Leben retten würden, aber er fragte sich auch, wie es für ihn aussehen würde.
Was würde mit Mike geschehen, wenn die restliche Welt von seiner Existenz erführe und welche Pläne würde sein Vater mit ihm haben?
Wenn sein Vater seine Gedanken las, so ignorierte er ihn und wenn Dah´kar ehrlich war, hatte er Angst vor der Antwort.
Shah´dar trat dicht an die Schlafkammer heran und verscheuchte mit einem missbilligenden Blick Astaroth, der es sich darauf gemütlich gemacht hatte und Mike zu bewachen schien.
„Das ist er also. Der Grund für deine kleine Meuterei.“, sagte er schließlich, nachdem er den schlafenden Mike unverhohlen gemustert hatte. „Er sieht dir sogar ähnlich. Hoffen wir, dass er nicht so stur ist wie du.“
Schließlich wandte er sich schroff an den Arzt, dass dieser mit seiner Behandlung beginnen sollte.
„Öffnen Sie die Schlafkammer, ich brauche direkten Kontakt!“, befahl Shah´dar ohne den Blick von Mike abzuwenden.
Zögernd sah der Arzt zu Dah´kar, der seine Unsicherheit verstehen konnte. Die Kammer zu öffnen, hieße, dass Mikes Zustand sich unkontrolliert verschlechtern könnte.
„Tun sie es.“, bestätigte Dah´kar schließlich.
Er hatte keine Wahl, als die, seinem Vater zu vertrauen.
Als der Arzt die Kammer geöffnet hatte, umfasste Shah´dar mit beiden Händen Mikes Kopf und schloss die Augen.
„Beginnen Sie.“, sagte er kühl.

Er trieb in kompletter Schwärze und er konnte sich nicht erinnern, ob er je etwas anderes getan hatte, als hier endlos dahinzutreiben.
Es rief etwas in ihm hervor. Ein Gefühl … Doch es triftete immer wieder von ihm weg und beinahe verstand er die Bedeutung von Gefühlen nicht mehr.
Wozu waren sie da, wenn er doch all die Zeit nur hier trieb?
Alleine in dieser Schwärze, die sich wohltuen über ihn senkte.
Trauer.
Es war ein Wort, das ihm in den Kopf schoss.
Trauer.
Das war kein schönes Gefühl, wusste er noch. Er fühlte Trauer nicht gerne. Doch warum trauerte er jetzt?
Da war einmal etwas gewesen, er hatte es verloren und es zerriss ihm das Herz.
Etwas…
Oder war es jemand? Er konnte sich einfach nicht erinnern.
Was war nur passiert? Angestrengt versuchte er darüber nachzudenken und sah vereinzelt Bilder in sich aufblitzen.
Er hatte die Entwicklung einer ganzen mächtigen Zivilisation miterlebt und schließlich ihren Untergang.
War es vielleicht die Erklärung warum er trauerte? War er einer der Menschen, die mit dem Untergang der gewaltigen Stadt starben?
Nein, es fühlte sich nicht richtig an. Müde schloss er die Augen und eine weitere Erinnerung schoss in seinen Kopf.
Ein dunkles Gesicht, umrahmt mit schwarzem Haar, erschien vor seinem geistigen Auge. Es ließ ihn lächeln und er vermutete, dass er den Mann gekannt hatte. Jedenfalls rief er in ihm ein Gefühl hervor, dass in lächeln ließ, aber leider konnte er es nicht mehr benennen.
Wie gerne würde er den Namen des Mannes kennen, dachte er und versuchte das Bild vor sich klarer werden zu lassen.
Nein, er fiel ihm leider nicht mehr ein. Er war traurig.
„Mike.“
War das der Name des Mannes?
„Mike.“, hörte er erneut die Stimme und da wurde ihm klar, dass war nicht der Name des Mannes. Es war sein Name.
Und mit dieser Erkenntnis schien auch ein Teil seiner restlichen Erinnerung zurück zu kehren. Ja, er kannte sogar die Stimme.
„Singh!“, rief er zurück.
Singh, es war der Name des Mannes und die Stimme gehörte ihm.
Mit einem Mal erwachte er aus seiner Lethargie und blickte sich wild nach allen Seiten um.
Wo war er?
Er musste ihn unbedingt finden!
Es war seine einzige Chance hier weg zu kommen, wusste er plötzlich. Schaffte er es nicht, würde er aufhören zu existieren.
„Wo bist du?“, schrie er in die Schwärze.
Schallend hörte er sein eigenes Echo und dachte schon das er nun für immer verloren war, doch dann hörte er die Stimme erneut.
„Ich bin hier!“
Mike verzweifelte, er sah angestrengt in jede Richtung, doch keine Spur von ihm.
„Wo? Ich… Ich habe Angst. Ich bin hier ganz allein und ich weiß nicht …“
„Verbanne das Gefühl, es nützt dir nichts.“, hörte er die Stimme erneut.
Die Angst verbannen, dachte Mike. Wie sollte er…?
„Konzentriere dich, atme tief durch und trenne dich von diesem nutzlosen Ballast.“
Mike nickte, schloss die Augen und er spürte wie es in ihm so klar wurde, wie in einem Bergsee.
„Gut. Und nun nimm meine Hände.“
Mike musste nicht die Augen öffnen, um zu wissen das sie da waren und griff einfach zu.
Und spürte einen kräftigen Ruck durch ihn gehen, als ihn etwas hochzog …

Langsam öffnete Mike die Augen und musste aufgrund der plötzlichen Helligkeit blinzeln. Nach der Dunkelheit aus der er kam, brannte das Licht regelrecht in seinen Augen.
Als der Schmerz nach und nach erlosch und er es schaffte den Blick klar zu fokussieren, sah er sich verwundert um.
Er befand sich nicht an Bord der Nautilus und auch nicht mehr an Bord des Sternenschiffes. Das war klar.
Aber er konnte beim besten Willen nicht verstehen, wo er war.
Alles was ihm einfiel war, dass Singh ihm das Leben gerettet hatte.
„Singh…“, murmelte er benommen, drehte den Kopf nach allen Seiten und konnte den Inder jedoch nirgends entdecken.
Jedoch war er nicht alleine.
Direkt über ihm standen zwei Männer. Der eine schien recht alt zu sein, hatte dunkle Haut, sowie graue Haare und einen gepflegten Vollbart, der andere war weit jünger und erinnerte Mike irgendwie an ihn selbst.
Verwirrt musterte er den Mann, mit der gebräunten Haut und dem welligen schwarzen Haar. Es war eigenartig.
Mike wusste, dass er ihn noch nie gesehen hatte und doch kam er ihm unglaublich bekannt vor.
Der Mann sah aus, als hätte man ihm soeben eine riesige Last genommen und er strahlte ihn mit einem Lächeln an, dass Mike nicht anders konnte als es zu erwidern.
Und dann wusste Mike wer er war.
Es war so deutlich in seinem Kopf und ließ keinen Raum für Zweifel.
Er war der Mann, der ihm all die Zeit über geholfen hatte.
„Vater.“, hörte er sich selbst murmeln.
Ein Teil in ihm war überrascht über die Erkenntnis. Aber es war jetzt so klar für ihn, warum er immer wieder diese Vertrautheit gespürt hatte.
Vorsichtig versuchte er sich aufzusetzen und schaffte es jedoch erst, als sein Vater ihm half.
„Langsam.“, wies er ihn ruhig an. „Du hast mehr als zwei Wochen geschlafen. Es wird eine Weile dauern, bis du wieder vollständig bei Kräften bist.“
Verwirrt blickte er ihn an.
„Zwei Wochen?“, entfuhr es ihm. „Wo bin ich eigentlich? Wo… wo ist Singh? Ich habe ihn gehört, aber dann …“
„Langsam, langsam. Deine Freunde sind hier und den Rest wirst du nach und nach verstehen.“, versuchte Dah´kar seinen Sohn zu beruhigen.
„Wen du da gehört hast war nicht dein Freund. Ich war es. Ich bediente mich nur deiner Erinnerung an ihn, um dich fassen zu können.“
Mike drehte langsam den Kopf und sah in das Gesicht des alten Mannes. Etwas an ihm ließ Mike schaudern.
Er strahlte eine starke Autorität aus und seine Augen wiesen eine Kälte auf, wie Mike sie selten bei jemanden gesehen hatte, aber etwas schien so ganz und gar nicht mit ihm zu stimmen.
Nur, er kam einfach nicht darauf was.
„Danke.“, sagte Mike leise.
Der Alte verzog keine Miene und nickte schließlich.
„Nun, Dah’kar, du hast bekommen was du wolltest. Nun ist es für dich Zeit, dich dem Unvermeidlichen zu stellen.“
Mike blickte angesichts der eisigen Stimmung die plötzlich herrschte von einem zum anderen.
Im Gesicht seines Vaters war ein angespannter Ausdruck erschienen, während er dem alten Mann in die Augen starrte.
„Was hat das zu bedeuten?“, fragte Mike seinen Vater mit klopfendem Herzen und sein Gefühl verschlimmerte sich noch, als er ihn mit einem bedauernden Blick ansah.
„Das er mir leider keine Zeit mehr gibt, dir persönlich alles zu erklären.“
„Keine Zeit mehr?!“, fuhr Mike auf. „Was soll das bedeuten?“
„Es tut mir leid, Mike. Ich wünschte es wäre anders, aber du bist nicht allein. Deine Freunde sind ebenfalls hier, sowie Singhs Vater.“
„Singhs Vater?“, unterbrach Mike ihn. „Aber der ist tot…“
Nun erschien ein breites Lächeln auf Dah´kars Gesicht.
„So wie ich?“
Mike blieb der Mund offenstehen. Er wusste einfach nicht was er darauf erwidern sollte.
„Halte dich an Amrit Singh, Mike. Er wird dir das meiste erklären können.“
„Aber was ist mit dir?“, fragte Mike verwirrt und sah schließlich angsterfüllt zu dem alten Mann.
Es blitze verschlagen in seinen Augen und Mike fühlte, dass nun absolut nichts Gutes folgen würde.
„Prinz Dah´kar, Ihr habt Euch des Vergehens des Hochverrates schuldig gemacht, hiermit ordne ich Eure sofortige Verhaftung an.“
Vollkommen gefühllos winkte er zwei Männer heran, die absolut geschockt waren – angesichts dessen, dass sie ihren Kapitän in Gewahrsam nehmen sollten.
„Das ist nicht nötig.“, winkte Dah´kar ab. „Ich werde keinen Widerstand leisten.“
„Vater!“, rief Mike verzweifelt.
Dah´kar lächelte ihn an und drückte ihm die Schulter.
„Hör auf Amrit, mein Sohn.“
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