[Operation Nautilus] Nemos Vermächtnis

GeschichteAbenteuer, Sci-Fi / P18 Slash
02.06.2014
18.01.2019
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Singhs Nervosität steigerte sich mit jeder Minute die verging. Die letzten zwei Wochen waren die Hölle für ihn gewesen. Am Tag schaffte er es immer wieder sich abzulenken und er besuchte Mike jeden Tag, um sicher zu gehen, dass es ihm gut ging und auch, dass er noch existierte. Außerdem ermutigte sein Vater ihn immer wieder zum gemeinsamen Training und er war ihm dankbar dafür, denn in diesen Stunden schaffte er es, seinen Kopf komplett auszuschalten und endlich die gesuchte Ruhe zu finden. Doch jeden Abend, wenn er sich in sein Kissen sinken ließ, überfiel ihn die Einsamkeit und die Sehnsucht nach Mike.
Dah´kar versicherte ihm immer wieder, dass alles gut werden würde, doch er war es gewohnt ihn immer um sich zu haben.
So verging die Zeit unerträglich langsam für ihn. Aber in wenigen Stunden sollte das alles überstanden sein, machte er sich Mut.
„Die sehen alle so angespannt aus.“, riss Ben ihn aus seinen Gedanken. „Ich frage mich ja echt, wer dieser mysteriöse Retter sein soll. Hat dein Vater etwas dazu gesagt, Singh?“
Auch die fragenden Blicke der Anderen, die angesichts der Warterei in diesem Gang ebenso angespannt wirkten, richteten sich auf ihn.
„Nein.“, schüttelte Singh den Kopf. „Ich hatte ihn darauf angesprochen, aber er ist mir immer wieder ausgewichen.“
Und er wirkte äußerst beunruhigt, dachte Singh, doch sprach er diesen Gedanken lieber nicht aus. Trautman nickte.
„Etwas stimmt hier nicht. Ich hatte versucht mit Nemo darüber zu sprechen, aber er war ebenfalls äußerst unzugänglich, was das Thema anging.“
„Sie meinen, dass wir Nemo nicht trauen können?“, warf Ben ein und erntete einen erschrockenen Blick von Serena, Chris und Juan. Trautman machte eine beschwichtigende Handbewegung.
„So war das nicht gemeint, aber er scheint vor etwas Angst zu haben.“
Serena ließ den Blick durch den Raum schweifen und ihre Stirn legte sich in Falten, Juan war ihrem Blick gefolgt und schien wohl dasselbe zu denken wie sie:
„Wo sind die beiden eigentlich?“
Trautman wollte gerade eine entsprechende Bemerkung machen, als Chris überrascht die Luft einsog und zum Ende des Korridors sah, von dem Dah´kar und Amrit Singh auf sie zukamen. Doch sie mussten zweimal hinsehen, um den sonst so herzlichen Kapitän wiederzuerkennen.
Er gab eine imposante Erscheinung ab und sein gesamtes Auftreten wirkte verändert. Seine Körperhaltung strahlte eine Autorität aus, wie sie sie in all der Zeit nicht erlebt hatten und seine Gesichtszüge wirkten ungewohnt hart. Aber das Beunruhigteste war, wie seine Crew auf ihn reagierte.
Bisher hatten sie erlebt, das an Bord des Sternenschiffes trotz seiner Kommandostruktur, eher ein freundschaftlicher Umgang gepflegt wurde. Davon war nun nichts mehr zu spüren.
Sobald sie ihn sahen, stellten sie sich in zwei Reihen auf und verharrten dann regelrecht zu Salzsäulen.
Vollkommen perplex von diesem Verhalten, warfen sie Dah´kar fragende Blicke zu, die dieser vollkommen unüblich ignorierte. Stattdessen schritt dieser mit steinerner Miene an ihnen vorbei und maß seine Offiziere mit prüfendem Blick.
Amrit Singh gesellte sich gehetzt zu ihnen und wies sie mit knappen Worten an, sich neben ihm aufzureihen und das zu tun, was er auch tat und sonst still zu sein. Vollkommen verwirrt nickten sie mechanisch und machten sich nun mehr sorgen, wer dieser Mann war, der die Heilung für Mike versprechen sollte.
Als Dah´kar schließlich zufrieden mit seinen Untergeben wirkte, stellte er sich am Ende der beiden Reihen auf, den Blick zur Schleußentür am Ende des Gangs und hielt die Hände hinter dem Rücken verschränkt. Er wirkte wie jemand, der sich gleich in den Kampf stürzen wollte und weniger als würde er einen Gast empfangen.
Das laute Zischen der Tür riss Singh aus seinen Gedanken.
Eine Weile geschah nichts und es erfüllte eine Stille den Raum, sodass er den eigenen Herzschlag als schrecklich laut empfand, dann traten die ersten Gestallten durch die Tür und er wagte es kaum noch zu atmen.
Aus dem Augenwinkel sah er, wie auch seine Freunde blass wurden und zu seiner Beunruhigung wirkte auch die Crew der Keya äußerst angespannt.
Es waren sechs Männer und ihr Anblick war so bizarr, dass sich seine Gedanken derartig in seinem Kopf drehten, das ihm schwindelte.
Ohne jeden Zweifel waren sie, wie die anderen Kri´tika, aber sie wirkten auf eigenartige Weiße falsch. Sie waren alle groß, mit athletischem Körperbau und hatten schwarzes Haar, das kunstvoll zurückgeflochten war, sowie bizarr gelbe Augen und blasse Haut. Ihnen fehlte komplett die leichte Bräune, die sie bisher bei jedem Angehörigen des Volkes auf dem Sternenschiff gesehen hatten.
Die Kleidung der Männer war komplett schwarz und sie trugen einen Umhang, der dem Dah´kars glich.
Außerdem trug jeder von ihnen eine Waffe, die einem kurzen Samuraischwert ähnelte und aufgrund der hohen technologischen Entwicklung des Volkes, nur symbolischen Charakter haben konnte. Doch das wirklich Beängstigende war die Art, wie sie sich bewegten. Es sah beinahe so aus, als wären die sechs Männer eine Person, denn ihre Bewegungen wirkten unnatürlich synchron und sie wirkten beinahe wie Puppen.
Die Männer stellten sich, nachdem sie aus der Tür getreten waren, ebenfalls in zwei Reihen auf, wobei sie in der Mitte einen großen Durchgang ließen, und starrten Dah´kar ausdruckslos entgegen. Der Kapitän ließ sich weiterhin keine Gefühlsregung anmerken, doch Singh sah deutlich die Ader, die an seiner Stirn vor Anspannung anschwoll.
Gerade als er glaubte, dass dieses Duell des Starrens nie enden würde, erhob einer der Männer die Stimme:
„Seine Majestät, der Herrscher der sieben Sternensysteme, Schutzherr der Welten, König Shah´dar Mahakala.“
Die Offiziere des Sternenschiffes, sowie Amrit Singh, verbeugten sich tief vor dem Mann der langsam und bedächtig durch die Menge schritt. Singh und die Anderen waren einfach zu erstaunt, sodass sie beinahe vergaßen was Singhs Vater ihnen gesagt hatte, nämlich, genau das zu tun, was er auch tat und so stimmten sie hastig in diese Verbeugung mit ein.
Schließlich blieb er dicht vor Dah´kar stehen und alle erhoben sich wieder, sodass Singh nun dazu kam, ihn genauer zu betrachten. Der Mann war alt, wirkte dabei aber nicht zerbrechlich, im Gegenteil, er strahlte eine Stärke und Macht aus, dass es einem schwer fiel, ihn länger anzusehen ohne den Blick zu senken.
Umso mehr erstaunte Singh was Dah´kar tat.
Der Kapitän der Keya stand ihm hochaufgerichtet gegenüber und sein Blick bohrte sich regelrecht in den alten Mann. Seine Haltung zeigte nicht das geringste Anzeichen von Respekt.
Es blitze kalt in den Augen des Königs.
„So…“, sagte er gedehnt und seine Stimme jagte einem regelrecht eiskalte Schauer über den Rücken. „Du verweigerst mir also immer noch den Respekt…“
Dah´kar reagierte nicht und starrte weiter starr nach vorne, sodass Shah´dar schließlich nickte, sich dann umdrehte und die versammelten Männer betrachtete. Dabei blieb sein Blick länger auf Singh und der restlichen Crew der Nautilus hängen.
Und gerade als Singh glaubte diesen durchdringenden Blick, der bis auf den Grund seiner Seele zu gehen schien, nicht mehr auszuhalten, drehte Shah´dar sich um.
Es war, als wäre er ein Ertrinkender, der im letzten Moment die Wasseroberfläche durchstieß und gierig die Luft einzog.
Singh fühlte sich zutiefst geängstigt und dieses Gefühl irritierte ihn. Er war kein Mann, der sich leicht ängstigen ließ. In den Gesichtern der Anderen sah er das gleiche Entsetzten, aber am schlimmsten war für ihn, dass selbst sein Vater beunruhigt aussah, obwohl er seit fast zwei Jahrzenten in dieser Welt lebte.
„Was ich jedoch gerne gewusst hätte ist, warum ich mich damit beschäftigen muss, dass mein eigener Sohn ein Raumschiff stielt und dann auch noch einen Planeten betritt, der strengstens verboten ist?!“, erhob sich die schneidende Stimmer Shah´dars erneut und man konnte beinahe spüren, wie jeder im Raum zusammenfuhr.
„Sohn?!“, entfuhr es Ben und der Engländer schlug sich sofort erschrocken die Hände vor den Mund, doch Shah´dars Blick war bereits zu ihm herumgeruckt.
„Erklär mir das, Dah´kar!“, schrie er aufgebracht und stellte sich drohend vor ihm auf. „Ich würde mir die Informationen ja selber holen, aber du verbirgst deine Gedanken vor mir.“
„Die Keya ist mein Schiff und du hast mir nicht zu sagen, wo ich damit hinfliege.“, kam es gepresst aus Dah´kar, der vor Wut zu brodeln schien. Doch dann schien sich etwas in ihm zu verändern und ein Teil der Härte, die er ausstrahlte, wich von ihm.
Shah´dar nickte.
„Du kommst also zur Vernunft.“
Ohne Vorwarnung streckte er die linke Hand aus und presste sie Dah´kar unsanft auf die Stirn, wodurch dieser schmerzerfüllt die Augen zusammenkniff.
Aus einem Reflex heraus, wollte Singh auffahren und ihm zur Hilfe kommen, wurde zu seinem Glück jedoch von Amrit aufgehalten, der ihn am Arm festhielt und unmerklich den Kopf schüttelte.
Nach wenigen Sekunden, die für Dah´kar äußerst schmerzhaft gewesen sein müssen, zog er die Hand zurück und Ausdruck von Unglauben stand in seinen Augen.
„Das hast du also all die Zeit vor mir verborgen. Ein Kind… Auch noch ein Halbblut… Du musst vollkommen den Verstand verloren haben, Dah´kar.“
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