(Little) White Lies

von McDevil
GeschichteKrimi / P16
Dr. Cal Lightman Dr. Gillian Foster Eli Loker Ria Torres
31.05.2014
11.01.2015
15
21.976
2
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33 Reviews
Dieses Kapitel
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31.05.2014 1.512
 
Zeit für eine FF in dem wunderbaren Fandom "Lie to me"! Keiner der Stammcharaktere gehört mir, die Unbekannten dagegen schon :)
McDevil wünscht viel Spaß beim Lesen, Schnuppern und Stöbern! Über Rückmeldung würde ich mich freuen:)





Casino Royale

Eine Nebenstraße, ein Hinterzimmer, Ausblick zum Hof. Vorne ein Lokal. Mittelmäßig, halb besetzt. Hinten trübe Lampen, staubige Atmosphäre, Kisten stapeln sich an den Wänden. Angegraute Tapeten. Ein angelaufener Spiegel, Spinnweben in den Ecken. Eine Rumpelkammer. Lagerraumatmosphäre. Der Schein trügt.

Rund um den mittig platzierten Tisch sitzen sechs Männer unterschiedlichen Alters; Männer in Hemdsärmeln, mit ganz unterschiedlichen Geschichten. Und doch sind sie alle für diesen Abend gleich; das verbindet sie.
Erstklassiges Pokerspiel.

Grüner Filz ziert den Tisch, Brandflecke von Zigaretten darin. Vor dem Fenster rinnt Regen herab, versperrt die Sicht in den tristen Hof. Gelächter liegt in der Luft, der Geruch von gutem Whiskey und Zigaretten. Sechs Männer, die reden, sich Geschichten erzählen und übertreiben, warten bis das Spiel beginnt.
Ein Platz ist unbesetzt.

Ungeduldig zieht einer der Männer die Nase hoch und schielt zum wiederholten Male auf seine Uhr.
„Er sollte sich lieber beeilen, wenn das heute noch was werden soll.“ Seine buschigen Augenbrauen ziehen sich zusammen, er ist eindeutig der Älteste der Gruppe.

„Noch was vor?“ Belustigt zieht ein anderer die Augenbrauen hoch und lümmelt entspannt auf seinem Stuhl.

„Würde ich dir garantiert unter die Nase reiben, Jimmy.“

Der Mann, welcher Jimmy genannt wird, grinst. Die Tür öffnet sich. Ein junger Mann Mitte dreißig erscheint im Rahmen, helle Haare, hellblond, gelockt, leichter Bartschatten. Sieht aus wie die Unschuld vom Lande. Von draußen tönt der schlechte Jazz aus dem Lokalraum herein.

„Wurde auch Zeit du Lümmel. Was fällt dir ein uns warten zu lassen?“ Der Älteste bläst ihm eine Wolke Zigarettenrauch entgegen.

„Ständig bist du zu spät, Mark“, fällt nun einer der anderen Männer ein. Sein russischer Akzent ist unüberhörbar. „Ich schwöre dir, noch einmal und du kannst deine Eier-“

Mark grinst verlegen. „Benehmt euch; ich hab jemanden mitgebracht.“

Erstaunen auf den Gesichtern der sechs anderen Männer. „Du hast jemanden eingeladen?“ Wieder der Alte.

„Ohne uns Bescheid zu sagen.“ Sachliche Feststellung von Jimmy.

„Keine Sorge“, bemüht sich Mark nun hastig hinterherzuschieben. „Ihr werdet sie mögen.“

Sie?“, echot der Russe nun wieder.
„Ist das ein Problem, die Herren?“ Eine junge Frau steht nun neben Mark im Türrahmen. Sie ist hübsch, hochgesteckte, braune Haare, ein wenig zu stark geschminkt vielleicht. Herausfordernd blickt sie in die Runde, jeder der sechs Männer versucht schleunigst seine Überraschung zu verbergen.

„Willst du uns nicht vorstellen, Mark?“ Einer derer, die sich noch nicht geäußert haben, grinst jetzt. Ihn scheint es nicht zu stören, wen sein Bekannter da mitgebracht hat.

Mark rollt die Augen. „Tut mir echt leid“, flüstert er an sie gewandt. Er räuspert sich und beginnt die Männer der Reihe nach vorzustellen. „Alexej, Richard, Lewis, Michael, Jimmy und Carl. Jungs, das ist Rachel. Ich hab sie hergebracht, weil sie einfach einmalig ist. Hat letztens am Tisch Adam, dem Schlächter ohne mit der Wimper zu zucken seinen kompletten Einsatz abgenommen.“
Er schickt sich an ihr einen Stuhl zurechtzurücken.

„Sind Sie wirklich so gut, wie unser Klugscheißer hier behauptet?“ Richard, der Älteste der Runde, will auf Nummer sicher gehen. Es ist sein Lokal, er trägt dafür Sorge, dass alles mit rechten Dingen zugeht; soweit das bei illegalem Poker möglich ist.

Rachel lächelt ihn an und legt ihre kleine dunkle Handtasche neben sich ab. „Ich bin kein Cop, falls Sie das meinen, Richard.“ Zögernd nimmt nun auch Mark Platz. Plötzlich kommt ihm sein Einfall, sie mitzubringen, gar nicht mehr so schlau vor.
„Ich suche genauso ein wenig Spaß und Zeitvertreib, wie Sie alle und zufälligerweise bin ich ziemlich gut. Sonst wäre ich vermutlich nicht hier.“

Richard nickt. Eine Chance. Ein Cop hätte ihn bereits jetzt hochgenommen.

„Mark, bring der Dame doch einen Drink, wo bleiben deine Manieren?“
Wie von der Tarantel gestochen springt Mark wieder auf und verschwindet im Barraum. Carl rückt ein Stück näher zu ihr hin, während Michael schon nach den Karten greift. Das Spiel kann beginnen.

„Erzählen Sie, Rachel. Woher kommen Sie?“ Carl zwinkert ihr zu.

„Ach, wir werden hier persönlich? Und ich dachte, hier wird nur gepokert.“

„Quatsch, wir sind wie eine große Familie.“

„Jetzt weißt du, warum er Jimmy, das Großmaul heißt, Rachel.“ Mark stellt ihr ein Glas hin und nimmt dann selbst Platz. Michael gibt die Karten aus.

„Na wenn das so ist. Ich komme ursprünglich aus Iowa. Der kleine Traum vom großen Leben.“ Sie kichert verhalten. „Ich bin siebenunddreißig, und ja bitte keine Komplimente. Keine Kinder, geschieden und trotzdem kein Interesse an Ihnen, Carl, tut mir leid.“

Alexej prustet in sein Glas und Carl hat Mühe seine Enttäuschung zu verbergen. Die Karten liegen auf dem Tisch
„Mit was für Blinds spielen wir?“

„50 Mäuse Small Blind, 100 Big Blind. Oder ist Ihnen das zu hoch?“ Lewis, ein distinguiert aussehender Herr in seinen späten Vierzigern hebt die Augenbrauen. Er ist der Einzige, der bisher noch keinen Ton gesagt hatte.

„Passt mir perfekt.“, erwidert Rachel. Sie fühlt sich provoziert, ahnt aber, dass es eine Strategie der Männer sein wird; sie aus der Fassung zu bringen. Die Neue, die in deren Review eindringt.
Betont langsam und gefasst zieht sie ein Bündel Bargeld aus der kleinen Handtasche und platziert es ebenfalls neben sich.

~*~


Geld liegt auf dem Tisch, Michael und Carl rauchen, Alexej leert ein weiteres Glas, Rachel weiß nicht das wievielte. Der Regen draußen hat aufgehört, die Stimmen im Lokalraum sind seit einer ganzen Weile schon stiller geworden. Es gab Runden, da wurde mehr gequatscht, als gespielt. Rachel hat langsam Gefallen an der Truppe gefunden; gute Spieler. Interessante Männer.
Mark ist längst ausgestiegen. Er hat mehr zu verlieren, als zu gewinnen, das weiß er. Und das weiß jeder an diesem Tisch. Bluffen bringt ihm hier nichts. Mit einem guten Blatt gewinnt er, doch Lewis sieht, wenn er nervös mit dem Daumennagel schnippt. Und Jimmy weiß immer, wann er blufft.

Michael legt eine vierte Karte neben die bereits bestehenden drei offenen. Lewis checkt. Er sieht nicht so aus, als ob er erwägt weiter mitzugehen. Richard überlegt. Er rechnet. Und checkt ebenfalls.
Alexej hält sich nicht lange auf.
Der erste, der das Spiel voran treibt.

Rachel überlegt. Dieser Jimmy beobachtet sie, seit sie ihre Karten zum ersten Mal gesehen hat. Das nervt. Sie weiß, was er versucht.
Den leisesten Anflug von Täuschung erkennen.
Dasselbe tut sie doch auch.

„Call.“

Sie spielt weiter mit. Und schaut Jimmy direkt in die stechenden Augen.

„Fold.“ Carl lehnt sich resigniert zurück. Er gibt auf. Kann nicht mehr. Nicht mehr verlieren.

Mark schenkt sich Whiskey nach und beobachtet das Spiel. Interessiert.
Er weiß was kommt. Jimmy gewinnt immer. Oder gibt im richtigen Moment auf. Heute hat er schon über zweitausend Mäuse kassiert, als Lewis bluffte. Er gab auf, als Alexej Four of a kind auf der Hand hatte.

Jimmy überlegt. „Call.“ Situationen auszureizen war ganz nach seinem Geschmack. Lewis konnte er vergessen, der hatte nichts auf der Hand. Michael konnte da nicht mithalten.

Wie erwartet wirft auch er seine Karten von sich. Und legt eine fünfte Karte neben die vier offenen.

„Raise.“ Rachel scheint sich sicher. Es sind noch sie und Jimmy im Spiel. Er beobachtet immer noch ihr Gesicht. Und wird nicht schlau.

„Macht Sie das fertig, Jimmy?“

„Kommt drauf an.“ Er trinkt noch einen Schluck. „Bluffen Sie?“

Rachel kichert wieder. „Netter Versuch. Spielen Sie nun?“

Sie sieht entspannt aus. Siegessicher. Die Männer sind ruhig, sie schauen zu. Jimmy ist unsicher, das kommt auch nicht alle Tage vor.
Er überlegt und klopft dabei unablässig gegen seine Karten. Zwei Damen liegen in seiner Hand, eine weitere auf dem Tisch. Und zwei Achter. Full House. Unwahrscheinlich, dass Rachel ein höheres Blatt auf der Hand hat.

„Los Jimmy, ich will langsam nach Hause. Du hast nicht die ganze Nacht Zeit“, motzt Carl und zündet sich eine weitere Zigarette an.

Intensiv starrte er in ihr Gesicht. Sie hat ein höheres Blatt. Beim Poker durchschaute er noch jedes Pokerface.
Und wirft seine Karten weg. „Bin raus.“

„Vielen Dank, Jimmy. Was wäre es denn gewesen? Oh. Full House, wie nett.“ Rachel sammelt ihren Gewinn ein, verstaut die Scheine ordentlich in ihrer Tasche, Lewis und Richard ziehen ihre Jacken an.

„Ich will sehen, Rachel. Welches Blatt hat mich zu Fall gebracht?“ Jimmy lümmelt wieder in seinem Stuhl und studiert immer noch ihr Gesicht. Auf dem sich nun leichte Überraschung breit macht.

„Was, die Karten?“ Mit einem lässigen Fingerschnipsen dreht sie ihre beiden Karten um.
Pik 9.
Pik 6.
Ergab mit den fünf Karten auf dem Tisch gerade mal ein Paar.
„Das war gar nichts.“

Ungläubig starrt Jimmy auf die Karten. Und dann wieder auf Rachel. Sie hatte ihn ausgetrickst. Geblufft. Und er fiel drauf rein.

„Hat Spaß gemacht, danke.“ Ein jovialer Händedruck.
Sie verabschiedet sich von den anderen. Verlässt mit Mark den Raum.

„Dass Jimmy, das Großmaul noch mal verliert, dass ich das noch mal erleben kann.“ Alexej lacht rasselnd. Klopft ihm auf die Schultern.
Der Abend ist beendet, die Gruppe Männer löst sich auf. Und Jimmy weiß, dass er jemandem einen großen Gefallen tun kann.
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tbc.
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