Gruppe 06: Auf nach Seattle

von MDU-Story
GeschichteAllgemein / P12
29.05.2014
29.05.2014
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29.05.2014 1.109
 
Guten Tag liebe LeserInnen!
Nach gut einem Jahr ist es geschafft. Gruppe 06 ist fertig! Es hat wirklich Spaß gemacht, die Geschichte anzufangen und zu beobachten, wie sie sich von Kapitel zu Kapitel entwickelt hat. Am Anfang blieb das Ganze relativ auf einer Ebene, bis sich die Geschichte ab Kapitel sechs ein klein wenig verändert, aber ich will mal nicht zu viel verraten (;
Der Verlauf war für mich auf jeden Fall extrem amüsant!
Und natürlich ein sehr großes Dankeschön an alle, die an der Gruppe mitgeschrieben haben! Ich bin stolz auf euch alle, dass das hier geschafft ist, und ehe ich noch zu rührselig werde, lasse ich euch mal auf die fertige, kleine Geschichte los (:


Gruppe 06:
Gruppenleitung:
social anxiety
01: social anxiety
02: baronesse
03: Wegweiser
04: Stilleben
05: Flufy07
06: Anica27799
07: Jaina Solo
08: allosaurus
09: Calaijah
10: HeartOfAngel

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Kapitel 1 – social anxiety (Benutzer existiert nicht mehr)


Ich ziehe die dünne Jacke etwas fester um meinen dürren Leib und versuche mich so klein zu machen, wie ich nur kann. Es ist kalt. So fürchterlich kalt. Ich versuche mich irgendwie warm zu halten. Vermutlich sollte ich herum laufen, irgendetwas machen, was mich wärmer halten würde. Hier zu sitzen, auf dem alten Pappkarton, den ich gestern gefunden habe, wird mir auch keine Wärme schenken. Aber ich bin unglaublich müde, wie soll ich da herum laufen?
Gestern erst musste ich vor so vielen Menschen fliehen, dass ich nicht mehr mitzählen konnte. Zuerst der böse Bäcker. Ich hatte Hunger, unglaublich viel Hunger, also wollte ich ein altes Brot stehlen. Nur ein altes Brot, das ohnehin niemand mehr essen würde. Dennoch wollte er es mir nicht geben.
„Verschwinde du ausgemergelte Ratte!“, hat er mir nachgeschrien. Da waren noch mehr Beleidigungen, aber an diese kann ich mich nicht mehr wirklich erinnern. Ein Geschäftsmann hat mich auch verjagt, weil ich im Müll nach essen gesucht habe und eine Frau, die dachte ich würde ihr kleines Kind angreifen, dabei habe ich ihm nur geholfen, weil er über einen Stein flog.
Ich hebe meine Hände und betrachte diese. Sie stecken in Handschuhen, an denen irgendjemand die Finger abgeschnitten hat. Sie wärmen nicht viel, aber besser als nichts. Meine Hände zittern, wie mein gesamter Körper. Ich habe Angst, dass ich hier erfriere. Ich sollte weg. Ich sollte mir eine überdachte Unterkunft suchen.
Der Winter ist nicht leicht. Es ist bereits der dritte den ich auf der Straße erlebe. In den sechzehn Jahren, die ich bereits auf dieser Welt friste, habe ich noch nie einen so schlimmen Winter erlebt. Es ist beinahe Ende Dezember, Weihnachten steht vor der Tür, was mich traurig macht. Ich werde dieses Fest nicht feiern können. Mutter und Vater sind tot, Geschwister habe ich keine. Meine Freunde haben mich verlassen, als ich ins Heim gekommen bin.
Das Heim. Ich will nicht daran denken. Im Heim war es schrecklich. Diese Zeit werde ich wohl nie vergessen. Sie haben mich geschlagen und wollten mich auch misshandeln. Vor drei Jahren lief ich weg und jetzt lebe ich auf der Straße.
Ich kann keine Schule besuchen, kann nicht arbeiten. Ich kann nur versuchen nicht zu sterben. Das einzige Ziel, das ich noch habe: Am Leben bleiben.
Zwar sehne ich mich nach Liebe, nach Wärme und Geborgenheit, aber ich weiß, dass ich das alles nie bekommen werde. Da ich Tränen spüre, die aufkommen, rapple ich mich auf, nehme den Karton und schlendere die Straßen entlang. Vielleicht finde ich ein schönes Plätzchen für die Nacht. Es wird schwer, aber einen Versuch ist es wert. Es ist bereits Dunkel und ein kalter Wind ist aufgezogen, der mich noch mehr zittern lässt.
Ich will nicht sterben. Ich habe noch einen kleinen Funken Hoffnung in mir. Mein bester Freund.
Damals, als ich mit meinen Eltern noch in Seattle gelebt habe, hatte ich ihn. Er war mein bester Freund, er war alles, was ich hatte und der Mensch, der mir mehr bedeutete als meine Eltern. Ich kenne ihn seit meinem zweiten Lebensjahr, zumindest haben das unsere Eltern immer gesagt. Mike, sein Name. Ich muss immer an ihn denken. Hier in Detroit wurde alles anders. Ich war elf als wir umgezogen sind. Ein Jahr später starben meine Eltern, ich kam in ein Heim und lief nach einem Jahr weg. Ich habe seit dem nichts mehr von ihm gehört. Wie auch? Ich lebe auf der Straße und habe nichts, keinen Besitz außer den Lumpen, die ich am Körper trage. Wenn ich doch nur einen Weg finden könnte nach Seattle zu kommen, um bei ihm zu sein. Er würde mir helfen. Er würde mich aufnehmen. Er wäre für mich da. Ich weiß es einfach.
Erst vor einer Tür stehend merke ich, dass ich vor dem Obdachlosenauffanglanger angekommen bin. Meine Füße müssen mich unbewusst hier hin getragen haben. Sie haben mich hier schon das eine oder andere Mal aufgenommen, zwar nur wenn es nicht überfüllt war, aber dann waren sie immer freundlich zu mir.
Es kommt leider auch darauf an, wer gerade Dienst hat. Ist es die alte Miranda, dann werde ich rein dürfen. Wenn der alte Robert arbeitet, kann ich weiter ziehen und hoffen etwas anderes zu finden.
Ich brauche doch kein Bett. Ich will nur ins Warme, dann kann ich auf meinem Stück Pappe sitzen und werde nicht erfrieren. Ich beiße mir auf die Lippen und streiche mir die strähnigen, dreckigen, blonden Haare aus dem Gesicht. Sie sind stellenweise verfilz und würden ein wenig Wasser vertragen. Ein Bad wäre auch etwas Schönes. Der Dreck klebt an meiner Haut und ich glaube man riecht mich bereits aus einigen Meilen Entfernung. Ich muss an Mike denken. Was würde er zu mir sagen, wenn er mich so sieht?
Ich klopfe an die Tür und hoffe auf das Beste und ich scheine heute ein wenig Glück haben. Miranda öffnet mir die Tür. Sie lächelt leicht und weiß bereits, was ich will.
„Hayden! Schön dich zu sehen, mein Kleiner! Wir haben zwar kein Bett, aber das brauchst du nicht oder?“ Ich schüttle den Kopf. Eine kleine Ecke reicht mir. Ich will Wärme. Einfach nur Wärme.
Ich folge ihr in das Haus direkt in den großen Schlafsaal. Zu meiner Überraschung reicht sie mir eine dicke Decke und deutet auf einen Platz. Ich bedanke mich und setze mich dann an eine Wand, wickle mich in die Decke ein und schließe meine Augen. In Gedanken bin ich bei Mike. Ob ich ihn finden könnte? Seattle ist weit weg von Detroit, aber ich könnte es schaffen. Trampen wäre eine Möglichkeit oder mich in einen Zug schmuggeln. Ich sollte es versuchen. Ich nicke leicht, lehne mich zur Seite und lächle etwas. Ich sollte Mike suchen, aber zuerst muss ich einmal diese Nacht überleben.
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