Dornröschen – modern – verwöhnt - unausstehlich

KurzgeschichteHumor, Parodie / P6
25.05.2014
25.05.2014
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Dornröschen – modern – verwöhnt - unausstehlich


In einem prächtigen Haus am Rande einer prächtigen Stadt, lebten einmal ein Milliardär und seine Gattin.
Chantal, so ist ihr Name, war sehr verwöhnt und als sie eines schönen Tages eine Frau mit einem Kinderwagen aus dem getönten Wagenfenster ihrer aufgemotzten Limousine beobachtete, wünschte sie sich nichts sehnlicher als ein Baby.
„Ich will, ich will, ich will!“
quengelte sie, bis ihr Ehemann schließlich einstimmte.
Nun kam es, dass Chantal einfach nicht schwanger wurde und mit jedem weiteren Tag sank auch ihre Laune.
Mittlerweile war auch Kevin, ihr Gatte, das Jammern leid und er beschloss die Sache selbst in die Hand zu nehmen. Kurzerhand und voller Tatendrang schnappte er sich sein iPhone 5s und lud sich heldenhaft die App „WAHRSAGEN“ herunter.
Mit flinken Fingern fragte er den, aus Pixeln bestehenden, blauen Frosch auf dem Display:


WERDE ICH EINEN SOHN BEKOMMEN?

-NEIN; ABER EINE TOCHTER, DIE...

Der Frosch hatte noch nicht zu ende gequakt als das iPhone 5s auch schon an die Wand flog und der Bildschirm in tausend Scherben zersprang.

„ICH WILL EINEN SOHN! ICH WILL; ICH WILL; ICH WILL!!!“

schrie Kevin außer sich vor Wut.
Chantal, die ihn gehört hatte kam herein und fragte:

„Oh Häschen, stimmt etwas nicht?“

Der Milliardär verneinte und behielt die Worte des Frosches für sich, in der Hoffnung, er habe sich geirrt (A/N: Also der Frosch, nicht Kevin).

Ein Jahr später kam ein Mädchen zur Welt, sie war nichts besonderes, aber man kam nicht umhin zu sagen, dass sie ein gewisses Etwas hatte.
Ihre Haare waren von glänzendem Schwarz, die Augen von mattem Grün. Sie hatte ein rundes Gesicht und ihre Haut war verschrumpelt und vom vielen Schreien gerötet.

Zu ihrer Taufe auf den Namen Jolina Phoebe Lydia Vanessa wurden zahlreiche Gäste eingeladen unter anderem wichtige Politiker und 12 von Kevins 13 Schwestern, gegen die Jüngste wehrte sich Chantal so sehr, dass Kevin zögernd nachgab.

Am Mittag hielten die Politiker scheinheilige Reden und wünschten dem Kind, mit einem falschen Lächeln auf den Lippen, Gesundheit, Glück, etc.

Noch während dem Kind seine Geschenke in die Wiege gelegt wurden, stürmte eine wütende Frau herein.

„Du wagst es!“

sie baute sich vor Chantal auf um ihr ins Gesicht zu spucken.

„Deine Teufelsbrut möge verflucht sein!“

rief sie und eilte hinaus.
Niemand sagte etwas, doch dann unterbrach ein (leicht angetrunkener) Politiker das Schweigen;

„Na, hoffen wir ma` das passiert nich!“

Anschließend stürzte er noch ein Glas edelsten Champagner hinunter um dann eine der 12 Schwestern zum Tanz aufzufordern.


16 Jahre später:



Jolina Phoebe Lydia Vanessa wurde ein verzogenes Gör ohne Manieren.

Ihre Haare hatten durch das Färben jeglichen Glanz verloren und ihre Augen wurden von pinken Kontaktlinsen verdeckt.

Eines Tages saß sie mal wieder an ihrem Laptop und chattete, als plötzlich der Bildschirm schwarz wurde.
Ein Virus hatte sich ins System eingeschlichen und legte das ganze hoch moderne Haus lahm.
Auch die Menschen, denen im Jahr 2045 aufgrund eines neuen Gesetzes zur Datenübermittlung ein Chip eingepflanzt wurde, verstummten und ihr Blick wurde leer.

100 Jahre schlief das ganze Haus, niemand hat sich je um die verzogene Familie gekümmert und selbst wenn, jeder der versuchte das Haus zu betreten bekam einen Elektroschock vom Feinsten.

Eines Tages im Jahr 2151 hörte ein junger Technik- Azubi seine Kollegen über das Haus reden und machte sich sogleich auf den Weg.
Als er nach 7h Flug nach 7 Tagen Fußweg endlich das besagte Haus erreichte, war er pleite.

Dennoch machte er sich ans Werk, er arbeitete Tag und Nacht und schließlich hatte er es geschafft, der Zugang war frei.
Er öffnete die Tür zu Jolina Phoebe Lydia Vanessas Zimmer und sah das Mädchen auf dem Boden liegen.
Sie schlug die Augen auf und funkelte ihn wütend an:

„Was machst du hier? Verschwinde!“

er erschrak und sah wie sie zu einem lauten Schrei ansetzte:

„Mama!“

Keine 2 Sekunden später stürmte eine aufgelöste Frau um die 40 herein,

„Joli-Schatz was ist los?“

anklagend zeigte Jolina Phoebe Lydia Vanessa auf den Jungen der nervös grinsend in ihrem Zimmer stand.

„Was machen Sie in Jolis Zimmer? Sie kommen 2h zu spät! Na los! Der Whirlpool ist unten!“

Mit diesen Worten scheuchte Chantal den jungen Mann aus dem Zimmer ihrer Tochter und die Treppe hinunter.

„Ich werde mich bei der Firma beschweren, einen so unfähigen Klempner zu schicken... Was bilden die sich eigentlich ein?!“

schimpfte sie vor sich hin.
Dann kreischte sie auf, denn sie hatte das Datum auf ihrem digitalen Kalender entdeckt.