Nenn mich Daisy

KurzgeschichteFreundschaft / P6
Reese
22.05.2014
22.05.2014
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Ich wollte schon seit Ewigkeiten mal eine FF in diesem Fandom veröffentlichen und hab dann bei den Projekten etwas gefunden, wobei ich sofort an Reese denken musste. Ich fand er passt da am besten für die Idee.
Dieser OneShot ist mein Beitrag zu "altes Arschloch Liebe": http://forum.fanfiktion.de/t/25618/1  (Ich hoffe es passt zu den Vorgaben) ::)
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Ich hab dazu Butterfly von Crazy Town gehört beim Schreiben, hab dann aber einen Butterfly-Remix gefunden, der ziemlich gut passt:
https://www.youtube.com/watch?v=DBFUUwGX6XA
Wer lieber das Original mag:
https://www.youtube.com/watch?v=abYbdFynhb4
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Nenn mich Daisy

Heute war er alleine auf dem Weg nach Hause, den Rucksack über eine Schulter gehängt, die Augen auf dem Boden vor sich. Seit er vorher aus der Schule gegangen war, fühlte er sich beobachtet, aber das schob er auf das „F“ auf seiner Mathearbeit. Das hieß er würde sich den Nachmittag damit vertreiben sich zuerst eine mütterliche Schimpftirade anhören zu müssen, die er schon auswendig mitsprechen konnte, um sich im Anschluss daran mit einer unsinnigen Strafe herumschlagen zu müssen.

Am liebsten wäre er nochviel weiter von zu Hause weg, aber jeder Schritt brachte ihndoch ein bissachen näher. Er hatte keine Lust heimzukommen, denn vor ihm lag wieder nur ein langweiliger Tag, wie jeder andere eben auch. Und Zeit, um sich etwas Neues zu überlegen, dass das Leben etwas lebenswert machte, hatte er heute eh nicht.
Nicht mit einem „F“ im Gepäck.
Also schlurfte er weiter.  
Und immer noch fühlte er sich beobachtet, ja fast schon verfolgt.

Und plötzlich war sie da, ging beschwingt und wie selbstverständlich neben ihm her.

Sie hatte einen Kranz aus rosa farbenen Blumen in dem rötlichbrauen Haaren, leicht gelockt und trug ein hübsches Kleid mit rosa Blüten und dunkelgrüner Grundierung. Es ging ihr bis kurz übers Knie.
„Hey!“, begrüßte sie ihn gut gelaunt.
Ihre Augen blitzen fröhlich.
So ein Mädchen gab sich nicht mit ihm ab. Sie war viel zu hübsch für ihn.
Und er nur der Depp vom Dienst, der Dumme aus dem Haus mit den ganzen Verrückten darin.

„Ich weiß, dass du sprechen kannst Reese.“, sie grinste.
Sie wusste sogar seinen Namen?
„Bist du ein Stalker?“, fragte er sie unfreundlich.
„So ähnlich…“, meinte sie nur und ging fast schon im Hopserlauf neben ihm her. Mehr wollte sie dazu wohl nicht sagen.  
„So ähnlich?“
Sie kicherte, sagte aber nichts, sie wartete wohl darauf, dass er wieder etwas zu sagen hatte. Es war nur so, dass er immer noch so überrumpelt war, dass ihm nichts einfiel. Normalerweise sahen ihn Mädchen nicht mal an, jetzt ging eines davon sogar neben ihm her, sprach mit ihm und schämte sich kein bisschen. Daran musste irgendetwas faul sein.

„Nicht so schüchtern! Reese, ich beiße nicht.“, das Mädchen schaute ihn an, ganz offen und völlig selbstsicher, sie strahlte eine Freundlichkeit aus, die er kaum verarbeiten konnte.
„Das ist eine Falle, oder? Wieso solltest du dich denn sonst mit mir abgeben.“, sagte er, sicher dass er recht hatte. Bestimmt stand jemand in der Nähe und filmte alles, wie er in die Falle tappte und später würde ihn wieder jeder auslachen. Wie immer, wenn er hoffte, dass er Glück hatte.
„Nein. Hab etwas mehr vertrauen! Darf ich dir etwas zeigen? - Wenn du Zeit hast.“, sie strahlte ihn an, mit ihren babyblauen Augen, und richtete ihren Haarkranz.
„Sind die Blume echt?“, fragte er etwas unbeholfen.
„Ja. Lenk nicht ab, ich hab dich was gefragt.“, das Mädchen machte einen großen Schritt, so dass sie vor ihm stand und er stehen bleiben musste.
„Du wollest doch eh nicht heim, hab ich recht?“ Und anscheinend wusste sie über seine Noten auch bescheid.
Reese sagte nichts, er nickte nur.
Ob er sich darauf einlassen sollte?

Vielleicht war das ja eine Verrückte, aus einer Irrenanstalt ausgebrochen war.
„Also, wie wäre es, wenn wir uns jetzt einen schönen Tag machen?“
„Wieso?“ Reese fühlte sich leicht unbehaglich in seiner Haut. Am liebsten würde er das Steuer an jemanden abgeben und die Situation nur von Außen betrachten.
„Komm! Ich lad dich auf ein Eis ein!“, enthusiastisch machte sie einen Hüpfer. Langsam wurde er unsicher. Und wenn es doch ernst war? Sie war so hübsch, wenn sie es wirklich ernst meinte und er nein sagte, er wusste mit großer Wahrschienlichkeit, dann würde er es bereuen.
„Hab mehr vertrauen, du lässt zu viel verstreichen, weil du Angst vor Zurückweisung hast. Ich versteh das.“, ermutigend lächelte sie ihm zu und zupfte etwas am Saum ihres Kleides.
Er sagte nichts. Er hätte nicht gewusst was.

Ein weiteres Mal Gedemütigt werden, dass würde er auch noch aushalten, wenn es doch wieder so komme würde. Aber wenn er dann doch Glück hatte.... Zwiegespalten fing er an:
„Ok, aber nur-“
„Spitze!“, sie schnappte sich den Rucksack von seiner Schulter, hängte ihn sich selber über, griff nach seiner Hand und zerrte ihn rennend hinter sich her.

Während sie rannte, klopfte der Rucksack auf ihren Rücken und hüpfte da lose herum: die Gurte waren für sie viel zu weit gestellt.
Überrumpelt stolperte er hinter ihr her, ihre Hand zerrte an seiner, sie hatte fest zugepackt, als wolle sie, dass er ja nicht abhauen würde. Selbst, wenn er loslassen wollte, sie würde das sicherlich nicht und so musste er jetzt mit, ob er wollte oder nicht.
„Wieso rennen wir?“, keuchte er.
„Hab grade Bock drauf. Ab und zu muss man einfach rennen und schön außer Puste kommen, damit man spürt, wie man an seine Grenzen kommt. Man spürt sich leben, wenn die Lunge schmerzt, wenn die Sohlen brennen und man merkt, wie erschöpft man ist! Ist das nicht schön?“
Reese hatte kaum Zeit darüber nachzudenken, er war viel zu sehr damit beschäftigt ihr nachzukommen, denn sie war schneller als er. Auch mit Rucksack und sie machte keine Anstalten anzuhalten, oder für ihn langsamer zu werden.
Das Mädchen rannte in Richtung Park, und er stolperte hinterher.

Nach zwei Minuten hatten sie das Gras des Parks unter den Schuhsohlen, die Schritte waren leiser, gedämpft. Er keuchte, denn schön langsam konnte er nicht mehr. Aber das Mädchen rannte einfach weiter und zog ihn mit.
Ihr Kleid blähte sich beim Laufen. Er musste sich zwingen nicht dauernd darauf zu starren, damit er nicht stolperte.
„Pass auf die Wurzeln am Boden auf, und da vorne kommt eine Bank, da springen wir drüber! Pass auf!“, er legte einen Zahn zu, so schnell er konnte, sie riss an seiner Hand und sie flogen fast über die Bank. Jedenfalls fühlte es sich so an. Wie fliegen. Logisch gedacht müsste er langsamer werden, aber seine Beine verselbständigten sich, wurden schneller, als er wollte und schließlich war er neben ihr, nicht mehr der, der hinterher hastete.

„Gleich sind wir da, da vor gibt es Eis.“, verkündetet das Mädchen.
„Ich könnte noch weiter laufen!“, platze er heraus, das könnte er wirklich, aber genau in dieser Sekunde fühlte er sich fürchterlich nackt und angreifbar.
„Super! Dann machen wir einen Endspurt bis zu dem großem Baum da drüben.“
Der Baum war mindestens noch zweihundert Meter weit weg, darunter ganz viel Schatten. Kurz davor wurden beide langsamer. Er hatte sich schon lange nicht mehr so frei gefühlt.
Erschöpft ließ Reese sich auf dem Boden fallen und atmete tief durch. Seine Lungen waren voller frischer Luft. Und das tat unheimlich gut.

„Schön, oder?“, hinterfragte das Mädchen seufzend und legte sich so hin, dass sie ihm rechtem Winkel zu ihm lag, dazu legte sie ihren Kopf auf seinen Bauch. Den Blumenkranz nahm sie ab, verstaute ihn neben sich, damit er nicht zerdrückt wurde. Sie fragte weder um Erlaubnis, noch scherte sie sich darum, was er oder andere darüber dachten. Kurz sah er geschockt auf, sie grinste ihn nur an, mit diesen babyblauen Augen und fing an zu lachen.
Unsicher legte Reese seinen Kopf wieder auf die Wurzel des Baumes und blinzelte ins Sonnenlicht, das sich durch die Blätter zwängen wollte. Kleine Sonnenfleckchen tanzten mit den Schattenflecken auf dem Rasen Walzer. Ein lauer Wind strich über sein Gesicht, genauso wie über seine Arme, und die Grashalme kitzelten seine Haut. Es war richtig angenehm. Langsam zog er seine Arme nach oben, wo er sie hinter seinem Kopf verschränkte, dann starrte er an die alte Rinde des Baumes. An manchen Stellen war sie abgesplittert, Initialen waren hier und da eingeritzt, Harz topfte aus einem Astloch.

„Manchmal muss man einfach loslassen und rennen.“, gab das Mädchen plötzlich von sich.
Sie hatte recht. Er wollte ihr das sagen, aber er wusste nicht wie.
Wortgewandtheit war nicht so seins.
„Denk nicht zu viel, du musst nur wissen, wann du etwas zu sehr überdenkst und wann du kopflos handelst.“, meinte sie plötzlich. Woher wusste sie, was er dachte?
„Du hast recht. Es war, als würde ich fliegen!“, es platze einfach aus ihm heraus. Sie lachte nicht, nein, sie bestätigte ihn. Es tat unheimlich gut. Niemand der lachte, der ihn einfach einen Idiot nannte, es tat gut.

„Was magst du dann für ein Eis?“, erkundigte sie sich, in der Ferne bimmelte der Eiswagen. Eine Melodie, die Kindern ein Lächeln aufs Gesicht zauberte und die Geldbeutel der Eltern leichter machte.
„Schokolade, ich nehme immer Schokolade.“
„Echt? Ich hab noch nie Schokoladeneis gegessen.“
„Dann musst du das heute probieren.“, langsam wurde Reese etwas sicherer, über diesen Satz hatte er nicht nachgedacht, er hatte ihn einfach gesagt, kaum war er draußen, wollte er ihn wieder zurück nehmen.
So viele unbegründete Sorgen.
„Gut, mach ich. Wenn du dafür eine andere Sorte nimmst. Sonst ist es ungerecht.“
„Klar.“

Alles was sie sagte, machte sie auf magische Art und Weise sympathisch, obwohl sie einfach nur von sich gab, was sie im Kopf hatte, es war ihr völlig egal, was andere von ihr dachten und wirkte unheimlich sicher in dem was sie tat.
Ein hübsches Mädchen, das ganz selbstverständlich mit ihm sprach und sich nicht schämte, und sich jetzt schwungvoll erhob. Sie zupfte ihr Kleid zurecht, bückte sich und setzte sich den Kranz wieder auf, dann schulterte sie wieder seinen alten Rucksack  und gab ihm zu verstehen, dass er mitkommen sollte.

Vor dem Eiswagen angekommen, schlüpfte sie aus ihrem Turnschuh und holte einen Schein heraus.
„Taschen sind immer so unpraktisch, wenn man nicht viel zu transportieren hat…“ Geld im Schuh, er schmunzelte, dann wanderte sein Blick über die Eissorten. Kein Schoko, was sollte er dann nehmen? Inzwischen bestellte das Mädchen für sich selber einmal Schokolade und spielte mit ihren Haaren, sah sich um und lächelte fröhlich, als sie seinem Blick begegnete: „Soll ich?“, sie zeigte auf die Behälter voller Eis.
„Ok.“, wenn er schon indirekt beschlossen hatte, was sie sich aussuchen sollte, dann konnte sie das bei ich auch machen.
„Einmal Waldbeere für ihn.“, wies sie den Eismann an und kurz später hielt Reese eine Waffel Waldbeereneis in der Hand, dass sie bezahlt hatte.
Es war unerwartet lecker. Vielleicht würde er jetzt auch ab und zu diese Sorte kaufen, wenn er ein Eis wollte.

Sie saßen wieder unter dem großen Baum, im Schatten mit dem Lichtfetzchen und dem lauem Sommerwind. Beide aßen schweigend ihr Eis auf, dann beobachtete das Mädchen einen kleinen grünen Käfer, der im Gras vor ihr herumkrabbelte.
Reese schloss seine Augen und genoss die Ruhe.
Zuhause war vergessen, das „F“ war vergessen, alle Sorgen und Ängste.
Obwohl sie ihn nicht einmal mit einem Stofffetzen ihres Kleides berührte fühlte sich ihre Anwesenheit an, wie eine tröstende Umarmung. Sie strahlte ein Verständnis für ihn aus, obwohl sie scheinbar nichts tat.
Das Mädchen war zauberhaft.
Er fühlte sich wohl und hoffte, es würde nicht enden.


Langsam wurde es kühler, es war nach halb neun Abends.
„Wer bist du eigentlich?“, brach er die Stille.
„Deine Frage kommt später, als ich erwartet habe.“, sie zupfte einen Grashalm ab und machte einen Knoten hinein. Dann noch einen und dann riss der Halm ab.
„Wer denkst du denn?“
„Keine Ahnung. Irgendjemand besonderes.“, es war ihm so herausgerutscht, aber mittlerweile vertraute er darauf, dass sie ihn nicht auslachte.
„Ja. Ich bin hier um dir zu helfen.“
Eine schwammige Antwort, aber er nahm sie an, zu viel Neugier wollte er nicht zeigen, nicht dass es schlecht endete.
„Und wie heißt du?“
„Ich habe viele Namen. Vertrauen, Verbundenheit, Kummer und Glück, Abweisung und Ungerechtigkeit, Verzauberung und Begehren. Ungerechtigkeit. Die Sucht nach Nähe einer anderen Person. Ich bin dass, auf das viele Menschen schimpfen und andere vollends ausfüllt. Fürsorge. Immer für jemanden da sein, egwal was passiert. Aber eigentlich ist es Liebe.“

Er schwieg.
Also war doch alles nur ein Scherz.
Eine weitere bloßstellende Aktion und ihn lächerlich dastehen zu lassen.

In seinem Hals bildete sich ein Kloß und er schluckte krampfhaft: plötzlich fühlte sich sein Mund ganz trocken an. Wenn er es raus ließ würde es nur noch peinlicher sein, noch vernichtender. Nach außen hin kehrte er die Wut die er auf sich selber hatte, weil er darauf reingefallen war.
„Ich weiß, dass du mir nicht glaubst. Du fühlst dich betrogen, du meinst, ich verarsche dich. Ich gebe dir ein Versprechen, ja?“
„Lass mich doch in Ruhe. Ich geh jetzt heim.“, er griff nach dem Rucksack, schulterte ihn und verließ mit strammen Schritten den Schatten des Baumes. Zuhause würde er Ärger bekommen, weil er solange nicht heim gekommen war.
Das Abendessen hatte er auch verpasst. Nicht, dass er jetzt noch etwas heruntergebracht hätte.

„Reese! Warte!“, das Mädchen rannte hinterher, er legte einen Zahn zu, dabei fühlte er sich beobachtet und unheimlich blöd. Wer rannte schon mitten durch den Park? Niemand, es war hirnlos.
„Reese!“, plärrte sie, langte nach einem der Striemen des alten Rucksacks und zog daran.
„Lass das!“
„Du kannst nicht vor der Liebe weglaufen!“
Ok, jetzt drehten sich ein paar Köpfe zu ihnen herüber.
„Sie ist immer schneller als du und holt dich ein!“, sie grinste laufend und zerrte weiter am Rucksack.
„Also ob du die Liebe wärst!“
„Warum hast du immer noch Angst? Klar, das verfliegt nicht so schnell, aber mittlerweile solltest du doch gemerkt haben, dass ich dir nichts Böses will! Ich bin hier um dir zu helfen.“
„Mir muss niemand helfen.“
„Du klingst wie ein alter verbitterter Mann und wenn du so weiter machst, bist du das auch, wenn es überhaupt so weit kommt!“
Er stoppte abrupt.
Das Mädchen rannte in ihn hinein und sie fielen hin, sie landete schmerzhaft in seinem Rücken.
Wenn es überhaupt so weit kommt.
„Was soll das heißen?“, keuchte er mit schmerzverzerrtem Gesicht.
„Du hast es schon richtig verstanden!“

Mit einem Schlag war seine Energie weg.
Er gab auf.
Wenn dieses Mädchen sagte, dass sie die Liebe wäre, dann musste es wohl einfach so sein. Wenn dass, was sie da gesagt hatte, stimmte, dann wollte er es lieber einfach glauben. Seine Schulbücher drückten in seinen Rücken, zwischen ihm und ihr quetschte der gefüllte Stoffbeutel herum.
„Nenn mich Daisy.“, sagte sie, dann erhob sie sich und reichte Reese eine Hand, damit er sich daran hochziehen konnte.

Daisy zupfte ihr Haar zurecht, rückte den Kranz wieder in die Richtige Position und schüttelte das Gras aus dem geblümten Kleid.
„Gib mir den Rucksack, ich geh noch mit.“
Wortlos übergab er ihr seine Schulsachen, fröhlich nahm sie den Rucksack auf den Rücken und lief beschwingt los. Sie gingen fast schweigend, denn Daisy summte und er lauschte. Die Melodie ging ins Ohr und erzeugte eine vertraute Atmosphäre. Dann stoppte das Lied, es war aus. In der Nähe hörte man nur noch ein leises Zirpen. Die warme Dämmerungsluft schmeckte süßlich nach Sommer.. Noch war es hell, doch die Häuser und Bäume zogen lange Schatten.

„Wenn du wirklich die Liebe bist, dann weißt du nicht nur, wie es in mir drinnen aussieht, oder?“
„Das weiß ich, ich habe es dir indirekt schon einige Mal gesagt.“
„Weißt du auch andere Sachen? Wie es mit mir weitergeht?“
„Ich bin keine Hellseherin.“
„Aber vorher hast du gesagt, dass ich alt und verbittert werde, wenn es überhaupt so weit kommt!“
„Grobes weiß ich schon.“
„Kannst du mir etwas verraten?“
„Je nachdem was.“
Es war ihm etwas unangenehm, aber das musste er einfach wissen. Also ob das in seinem Alter nicht schon peinlich genug wäre. Sein Herz pumpte. Er ging nicht oft aus sich heraus, seine Gefühle behielt er für sich, niemand kannte sie. Er versteckte alles, denn dann gab es weniger Angriffsfläche.
„Ich habe noch nie ein Mädchen geküsst. Wann..?“ Sie lächelte ihm aufmunternd zu, dann sagte sie schlicht: „Wenn ich es verrate, dann wirst du es vor lauter Nervosität kaputt machen.“
„Ungefähr?“
„Nicht mehr lange.“

Die Antwort war für den Müll, jeder sah die Zeit anders: für mache konnte das einige Wochen heißen, für andere Tage, für wieder andere fast ein Jahr.  Er selber hoffte ja wenigstens auf die Wochen.

„Reese?“
„Ja?“
„Wenn du jetzt heim kommst, wirst du Ärger bekommen?“
„Ich weiß, Mom hat sich bestimmt schon etwas ausgedacht. Und wenn sie von der Note erfährt, dann bin ich eh geliefert.“ Vor Freunden hätte er das nie gesagt, er wäre auf ein „Ist doch egal“, oder ähnliches umgestiegen.
Sie lächelte.
„Deine Mom hatte heute eine kleine Autopanne, sie wird in einer halben Stunde heim kommen.“
Er blieb stehen.
„Keine Sorge, es ist nur ein Reifen geplatzt. Geht ihr lieber aus dem Weg, sie wird ziemlich genervt sein.“
„Du…“
Sie grinste sanft: "Alles wird gut werden Reese."
„Genial!“, ein Lächeln schlich über seine Lippen, dann setzte er sich wieder in Bewegung: Daisy war schon einige Schritte vor ihm.

Sie standen vor dem Haus, innen brannte Licht. Das Auto fehlte noch.
„Warum warst du hier?“
„Ich gebe dir einen kleinen Schubser.“
„Werde ich dich mal wieder treffen?“
„Klar, ich bin die Liebe.“, wieder rückte sie ihren Haarkranz zurecht.
Reese wurde ganz warm und fröhlich zumute, anscheinend würde er irgendwann wirklich einmal ein Mädchen finden, dass ihn mochte, die sich abwandte, wenn er versuchte einen freundlichen Blick auszutauschen oder die ihn wie Luft behandelte, weil er sie ansprach.  Eins, das sich in der Öffentlichkeit mit ihm zeigte.
„Und werde ich dich wieder treffen?“
Sie lächelte geheimnisvoll: „Wer weiß?“
Daisy zog ihn in eine feste Umarmung, drückte so fest sie konnte und gab ihm so viel Liebe mit, wie sie konnte. Nähe. Nähe zu einer Person des anderen Geschlechts, mit der er nicht verwandt war! Er hatte noch nie ein Mädchen umarmt, so war das also. Und es tat unheimlich gut jemanden zu haben.
„Ich wünsch dir nur das Beste. Gute Nacht Reese und traumhafte Tage.“, sie ließ ihn los, ging einen Schritt zurück, dann noch einen, dann drehte sie sich um und ging einfach davon.

Er hätte traurig sein müssen, dass sie weg war, aber das war er nicht, er fühlte sich richtig gut. Zufrieden, gemocht.

Als Lois schimpfend durch die Haustür brach und ihre Schlüssel auf den Küchentisch pfefferte, lag er bereits im Bett, den Kopf zu Fester gedreht und schaute die Sterne an. Ab und zu machte er das und wünschte sich an einen anderen Ort, weit weg von hier. Das würde er niemandem verraten, alle würden ihn auslachen, wenn sie wüssten dass er sich die Sterne ansah. Aber jetzt sollten ihn Malcolm oder Dewey ruhig erwischen.
Es war ihm fast egal.

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Ich bin sehr gespannt, wie ihr es findet, besonders weil das mein erstes Projekt ist (das ich mir nicht selber ausgedacht habe) und meine erste (veröffentlichte) MitM FF.  ::)
Ich hoffe Reese war "echt".  ::)
Ich freu mich auf Kritik und Lob, LG Melly
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