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Chis D'Amico oder doch Red Mist?

GeschichteAllgemein / P12 / Gen
Christopher "Chris" D'Amico / Red Mist / The Mother Focker
22.05.2014
19.09.2014
10
6.977
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22.05.2014 723
 
Das Eis dass sie sich bestellt hatte war schon fast wieder leer, und sie fragte sich, ob er heute vielleicht doch nicht kommen würde, als eine große, schwarze Limousine vor dem kleinen Comic-Café hielt, in das sie jeden Nachmittag ging. Verstohlen huschte ihr Blick hinüber zu der großen Uhr. Ein kleines Lächeln zierte ihre Mundwinkel. Er war zu spät, aber er kam. Sie blickte wieder zurück zu dem riesenhaften Auto mit den verspiegelten Fenstern, und bemerkte den großen, ziemlich durchtrainierten Mann der bereits ausgestiegen war. Er trug einen Maßgeschneiderten schwarzen Anzug und seine Augen waren unter großen Sonnenbrillengläsern verborgen. Der Mann stellte sich neben die hintere Tür und betätigte die Klinke. Ein schmaler Junge kam zum Vorschein. Seine dunklen Haare und Augen ließen auf einen Ausländer schließen, vermutlich Italiener oder Spanier, dennoch hatte er erstaunlich helle Haut. Er stieg aus dem Wagen und der Mann, der nun neben ihm stand, schloss hinter ihm die Tür.

Der Junge ließ seine eingefallenen, dunklen Augen durch die gläsernen Fensterscheiben des Cafés schwenken und streifte dabei ihren Blick. Schnell senkte sie den Kopf und starrte auf den letzten Rest des geschmolzenen Eises vor ihr. In solchen Momenten wünschte sich das blauäugige Mädchen wirklich, ein Pony zu haben, dass sie sich würde vor die Augen fallen lassen, um ihre Scham zu verbergen. Doch ihre langen braunen Haare waren eindeutig zu widerspenstig für großartige Frisuren. Vorsichtig blickte sie wieder auf und sah gerade noch, wie der Mann die Tür hinter dem Jungen schloss. Dieser schritt nun zielstrebig auf die Comichefte zu, um sie wie fast jeden Tag nach Neuerscheinungen abzusuchen.
Irgendetwas faszinierte Sie an ihm. Sie konnte nur nicht genau sagen, was es war. Fast jeden Tag kam er hierher. Redete mit niemandem, blätterte nur die Hefte durch und ließ sie sich dann kaufen. Er musste ungemein vermögend sein. Ihre Augen fingen an, ihn genauer, prüfender anzusehen. Sie hatte ihn schon oft beobachtet, anfangs aus Neugier, aber mit immer weiter steigendem Interesse. Je mehr sie ihn Beobachtete, desto mehr fragen bahnten sich in ihren Kopf. Irgendwann war es zur Gewohnheit geworden, jeden Tag hier auf ihn zu warten.

Mit einem Seufzen schob sie den nun endgültig leeren Eisbecher von sich weg. Wie gerne würde sie nun einfach aufstehen und zu ihm hinüber gehen. „Hey.“, würde sie mit einem Lächeln sagen. „Ich bin Leyla. Leyla Knight. Du bist ziemlich oft hier, nicht wahr?“ Und er würde ihr alles erzählen was sie wissen wollte. Oder zumindest seinen Namen. Sie schüttelte den Kopf. Es war nicht so, dass sie es sich nicht trauen würde, nur machte ihr der nebenstehende Bodyguard mehr als deutlich klar, dass sie es gar nicht erst versuchen solle.

Ihre Überlegungen wurden von einem Geräusch durchbrochen. Ihr Kopf schnellte nach Oben und sofort hatte sie einen braunhaarigen Jungen im Visier. Er trug eine Brille und hatte sich soeben von einem Tisch erhoben, an dem er zwei ähnliche Nerds saßen und wie kleine Mädchen kicherten. Der braunhaarige Junge, von dem sie inzwischen wusste, dass er Dave hieß, da sie viel zu oft den Gesprächen der drei gelauscht hatte, warf einen etwas verunsicherten Blick zurück zu seinen Freunden und bahnte sich dann mehr oder weniger zielstrebig seinen Weg zum schwarzhaarigen Jungen. Dieser sah hoch zu ihm, und Leyla hätte fast ihr Getränk wieder ausgespuckt, als sie den ungewohnt hoffnungsvollen Gesichtsausdruck sah, der sich nun auf seinem Gesicht abzeichnete. Ihr Blick lag wie gebannt auf dem Jungen, in dem gerade so etwas wie Euphorie aufzusteigen begann. Ein komisches Gefühl machte sich in ihrer Magengrube bemerkbar. Noch nie hatte sie ihn so gesehen, irgendwie verheißungsvoll glücklich und es löste etwas in ihr aus. Doch der Moment weilte nur kurz, denn schon etwa eine Sekunde später, Dave hatte nun unverkennbar auf den Jungen zugesteuert und ihn fast erreicht, schob sich der Mann im schwarzen Anzug zwischen die beiden und warf Dave einen unerschütterten Blick zu. Leyla meinte so etwas wie Enttäuschung in den Augen des schwarzhaarigen Jungen zu sehen, als er sich wieder seinen Comics zuwandte, während Dave erfolglos zu seinen nun etwas lauter kichernden Freunden zurückkehrte. Leyla hatte mehr als genug gesehen. Es gab tatsächlich kein durchkommen zu diesem geheimnisvollen Jungen. Und doch schien er dessen nicht gerade Abgeneigt zu sein. Sie blickte ihm nach, wie er den Laden verließ und fasste innerlich den Entschluss, nun endlich mal aktiv zu werden.
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