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Gruppe 05: Das Diadem

von MDU-Story
GeschichteAllgemein / P12 / Gen
22.05.2014
22.05.2014
10
7.975
 
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22.05.2014 1.031
 
3. Kapitel - social anxiety (Benutzer existiert nicht mehr)


Ich kann einfach nicht verstehen wie ich es habe soweit kommen lassen. Ich kann es nicht fassen, was das gestern für ein durcheinander war. Ich kann mich noch nicht einmal an alles erinnern.
Es fällt mir ja schon schwer Mona noch unter die Augen zu treten, auch wenn sie doch teilweise Schuld an dem Ganzen ist, aber wie soll ich jetzt zu Bastian gehen? Ich könnte mich schlagen, mich gegen eine Wand werfen, laut aufschreien oder mich einfach so auf den Boden fallen lassen.
Aber nicht jetzt! Ich muss mich dem einfach stellen, immerhin geht es hier um etwas mehr als das Schamgefühl eines betrunkenen Verhaltens meinerseits.
Ich laufe los, schaffe es recht schnell zur U-Bahn und bin wenige Minuten später in dieser. Ein Blick auf das Display meines Mobiltelefons zeigt mir, dass ich noch 40 Minuten habe. Das werde ich schaffen. Irgendwie.
Ich muss zwar stehen, aber nach zwei Stationen bin ich bereits angekommen, laufe beinahe einen alten Mann um, kann mich zwar entschuldigen, aber nicht stehen bleiben. Ich habe einfach keine Zeit.
Wenn sich die Tasche mit dem Diadem nicht bei Bastian befindet dann bin ich ohnehin am Ende, da ich einfach nicht weiß, wo sie sich sonst befinden könnte.
Ich muss es einfach zum Juwelier zurück bringen, wenn ich es nicht schaffe, wird nicht nur Mona in Schwierigkeiten stecken, sondern ich auch und das will ich nicht.
Warum hast du das nur getan Mona? Ein Liebesbeweis wäre eine Tafel Schokolade oder ein selbstgezeichnetes Bild, vielleicht auch eine Blume, aber kein mit Diamanten besetztes Diadem, das so viel kostet, wie ich in einem Jahr nicht verdienen würde.
Ich bleibe kurz vor dem Wohnhaus stehen und beiß mir auf die Unterlippe.
Das wird jetzt peinlich. Ich weiß es einfach, dennoch laufe ich los. Ich hab die Zeit nicht mir jetzt Vorwürfe zu machen.
Vor seiner Tür kommen mir die ersten Zweifel auf. Ich fühle mich verfolgt und bekomme Angst. Was, wenn er die Tasche gefunden hat? Was, wenn er in die Tasche geschaut hat? Wie soll ich ihm das erklären? Scheiße, ich muss es einfach versuchen.
Es dauert nicht lange bis er nach meinem Läuten aufmacht. Um genauer zu sein macht er sofort auf, als hätte er vor der Tür gewartet und bereits gewusst, dass ich vorbei schaue.
Wir waren in der Schule Freunde, Bastian und ich. Wir haben uns dann aber irgendwie aus den Augen verloren, was ich zwar schade fand, aber was soll man machen. Jetzt begegne ich ihm nach so langer Zeit und dann tue ich ihm so etwas an.
Er verschränkt die Arme vor dem Oberkörper und hebt eine Augenbraue.
„Du hast mir einiges zu erklären, Anni.“, meint er und sein Ton gefällt mir nicht. Zwar bin ich mir sicher, dass das Diadem hier ist, nur leider befürchte ich auch, dass er es gefunden hat. Verdammt. Er lässt mich in die Wohnung, bittet mich in seine Küche und da sehe ich es am Tisch liegen. Es wäre jetzt so einfach. Ich müsste mir das Schmuckstück einfach schnappen, zum Juwelier und dann käme der schwere Part: Es unbemerkt wieder zurück bringen. Ich könnte ja auch sagen, dass ich es gefunden habe, auch wenn man mir das vermutlich nicht glauben würde.
Warum mache ich das? Das müsstest eigentlich du machen, Mona. Warum? Ich begebe mich in so eine Gefahr, nur weil ich dich liebe. Ein leises Seufzen kommt über meine Lippen. Nur noch eine halbe Stunde. Wie soll ich das in einer halben Stunde schaffen?
Ich hab das Gefühl, dass ich Natalie ein weiteres Mal werde vertrösten müssen. Ich kann mir schon vorstellen, dass ihr das nicht gefällt, aber das hier ist nun einmal wichtiger. Es entscheidet über die Zukunft.
„Wie… wie geht es deinem Bein und… deinem Arm?“ Aus einem mir noch immer unbegreiflichen Grund habe ich ihn mit einem Messer attackiert. Es ist nicht viel passiert, Schnittwunden, nicht der Rede wert, aber die Eifersucht hat mich getrieben und er war einfach da. Mona ist daran schuld!
Sie hat mir nicht gesagt dass Bastian ihr Bruder ist und deswegen wusste ich nicht was ich tue – was auch am Alkohol liegen kann.
Er deutet mit seinem Kopf auf das Diadem.
„Was soll das?“ Kann ich ihm sagen, dass es Mona war? Kann ich ihm wirklich sagen, dass seine Schwester dieses Diadem gestohlen hat um es mir zu schenken, weil sie mich liebt? Ich schüttle leicht den Kopf.
„Bitte! Ich erkläre dir alles später! Ich werde mich hier hin setzen und dir jedes Detail verraten, das ich weiß, aber ich muss los! Ich muss das Diadem zurück bringen! Bitte! Sobald es jemandem auffällt wird es Probleme hageln. Nicht nur für mich, sondern… bitte! Vertrau mir.“
„Nach gestern soll ich dir vertrauen?“ Ich kann sein Misstrauen verstehen, aber er muss einfach. Ich nehme seine Hände in meine und schaue ihm tief in die Augen.
„Bitte! Nur dieses eine Mal!“, meine ich und gehe einen Schritt zurück, nehme meine Kette mit dem goldenen Engel von meinem Hals und drücke sie ihm in die Hand.
„Die hab ich von meiner Mutter bekommen als ich vier war. Das ist das wertvollste, das ich besitze! Ich lasse sie hier! Ich bringe das zurück und später werde ich dir alles erklären.“ Meine Stimme hört sich so flehend an, dass er nicht nein sagen kann. Er nickt leicht und ich handle schnell. Ich stecke das Diadem in die Tasche und laufe wieder los, aus der Wohnung, nach unten und zur U-Bahn. Ich hab nur noch zwanzig Minuten Zeit.
Währen ich zur U-Bahn laufe wähle ich Natalies Nummer.
„Es tut mir leid.“, rufe ich ins Telefon, vollkommen außer Atem.
„Ich schaffe es noch nicht. Gib mir noch eine halbe Stunde!“ Ohne auf eine Antwort zu warten, lege ich auf und laufe weiter, stoße aber mit jemandem zusammen, sodass ich hart auf den Boden falle und mir das Fluchen wirklich verkneifen muss. Das hat mir gerade noch gefehlt, denn beim Blick nach oben sehe ich, dass es sich um einen Polizisten handelt. Wenn der das Diadem sieht, bin ich dran. Bitte, bitte sei nicht aus der Tasche gefallen. Bitte Schicksal. Sei einmal auf meiner Seite!
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