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Gruppe 05: Das Diadem

von MDU-Story
GeschichteAllgemein / P12
22.05.2014
22.05.2014
10
7.975
 
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22.05.2014 813
 
Es ist geschafft! Nach langer Zeit ist meine erste Gruppe mit ihrer MDU-Story fertig geworden und ich bin stolz, heute die fertige Geschichte zu präsentieren. Ein Dank an LilliAngel für das tolle Projekt und natürlich alle, die daran mitgeschrieben haben. In dieser Gruppe waren das:

1. baronesse
2. Stillleben
3. social anxiety
4. Wegweiser
5. Catastrophic in Love
6. Calaijah
7. FoolishWriter
8. Tenshiko
9. Jaina Solo
10. AuctrixMundi


Kapitel 1 - baronesse


Ich stehe vor dem großen Schaufenster und starre in mein eigenes Spiegelbild. Die Sonne steht tief und wird so reflektiert, dass ich nichts aus der Auslage sehen kann, dennoch weiß ich: da muss ich hinein. Irgendwie. Mein Gesicht blickt mich ratlos an, große, aufgerissene blaue Augen, ein zu klein geratener Mund, der ein perfektes O formt und Pausbäckchen, von denen meine Mutter mir immer versichert hat, ich würde sie verlieren, wenn ich älter bin. Jetzt bin ich 20, und die hohen, bezaubernden Wangenknochen fehlen immer noch.

Mein Handy klingelt. Es ist Natalie.

„Hey, alles klar?“

„Alles klar“, echoe ich. Nichts ist klar! Wie soll ich denn da bitte hinein kommen? Ein Juwelier ist doch so ungefähr das am besten gesicherte Geschäft der Stadt.

„Dein Plan steht?“, will sie wissen.

Ich stehe vor dem Juwelier, der schon geschlossen hat, und schüttele wild den Kopf.

„Klar“, lüge ich ins Telefon. Ohne mit der Wimper zu zucken, kann ich im Spiegel genau sehen! So langsam sollte ich mich aber mal weiter bewegen, sonst fällt noch jemandem auf, dass ich immer und immer wieder um den Laden herum schleiche.

„Puh, da bin ich aber erleichtert. Weißt du, eigentlich wollte ich dir das ganze noch ausreden, du weißt schon, es ist ziemlich schwachsinnig. Soll Mona doch selbst damit fertig werden, immerhin ist sie ja auch Schuld! Aber wenn du einen Plan hast…“

Am liebsten würde ich sie anschreien, dass ich keine Ahnung habe, was ich hier tue, dass sie mich morgen im Gefängnis abholen kann, oder schlimmeres, und dass Mona eine verfluchte –

„Sag das doch nicht! Mona kann gar nichts dafür!“ Instinktiv fange ich wieder an meine Freundin zu verteidigen. Ich bin nicht die einzige, Natalie behauptet, es sei Kleptomanie, und das sei eine anerkannte Krankheit, die man behandeln lassen müsste. Aber ich weiß, Mona ist keine Kleptomanin. Sie hat das Diadem nur mitgenommen, weil es so wunderbar war – und es stand ihr wirklich ausgezeichnet! Außerdem hat sie es für mich gemacht. Ich träume seit zehn Jahren vom Film Titanic und einmal so eine Zeichnung anzufertigen wie Jack im Film von Rose mit der Kette und nur der Kette.

Wir alle haben nur ein wenig billigen Modeschmuck, und egal wie das auf dem Bild dann wirkt, das ist einfach ein Stilbruch. Also hat Mona das Diadem geklaut – für mich. Und das Bild ist wirklich wunderbar geworden.

„Jaja, und jetzt sagst du, du liebst sie, und du würdest alles für sie tun, aber denk doch mal nach, Anni, was alles passieren könnte. Ich hoffe nur, du lügst mich grad nicht an und dein Plan ist wasserfest. Soll ich nicht doch vorbeikommen?“

Ich will gerade ablehnen und versichern, dass alles gut ist, und es schon laufen wird, auch wenn ich nicht die geringste Ahnung habe, wie ich in einen Juwelierladen einbrechen soll um einen geklauten Gegenstand zurückzulegen! Da kommt mir eine Idee.

„Sag mal, hat dein Vater das alte Auto eigentlich verkauft, oder steht es immer noch bei euch auf dem Hof?“

„Hm, ich müsste mal nachgucken. Warte, ich leg dich grad hin, ich muss die Balkontür öffnen…“

Ich höre Klappern, und schabe ungeduldig mit meinem Schuh über das Pflaster. Der Abend ist mild, also sind noch ein paar Leute unterwegs und sie starren mich nicht an, weil ich hier allein herumstehe. Telefonieren ist immer eine gute Ausrede.

„Anni? Ah, also, es ist noch da. Wieso?“

Es ist nur der Ansatz eines Plans, wirklich, dennoch fange ich an Natalie zu erläutern, was ich mit dem alten Auto vorhabe, und hoffe, dass sie zustimmt. Seit das mit Mona und mir läuft, ist Natalie ihrer alten Freundin gegenüber viel kritischer, aber vielleicht tut sie es ja dennoch. Denn der Plan ist wirklich perfekt, so nah wie Natalie wohnt und sie ist die einzige von uns, die bereits einen Führerschein hat.

Ich muss ein wenig bitten und betteln und Natalie versprechen, nie wieder solch schwachsinnige Ideen zu unterstützen, dann verabreden wir uns für in einer halben Stunde bei ihr auf dem Hof.

„Vergiss das Diadem ja nicht!“, schärft Natalie mir zur Verabschiedung noch ein.

„Nein nein, es ist direkt in meiner Tasche“, versichere ich. Ich schleppe immer eine Tasche mit mir herum. Sie ist riesig und nicht gerade unauffällig, und schwer, aber ich lege sie niemals ab. Niemals! Ich drehe mich zur spiegelnden Scheibe um, und mir schaut eine junge Frau entgegen, die keine Tasche dabei hat. Panisch greife ich an meine Seite. Was habe ich nur damit gemacht?
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