Cold Case "Bittersweetsymphonie"

GeschichteDrama, Romanze / P16
Lilly Rush Scotty Valens
22.05.2014
12.06.2019
6
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Wahrscheinlich wird es keiner mehr zu Gesicht bekommen, aber zu seinen Ursprüngen zurück zu finden, soll manchmal hilfreich sein. Nach ausführlicher Lektüre von „Lucky Stars“ und der wundervollen Folge, die mich damals an Cold Case band, die keine andere war, als die von unserer aller Lieblingscowboy, hier ein neues Kapitel in meinem Cold Case Universum. Wer sich den passenden Kapitel Soundtrack anhören möchte, dem empfehle ich wärmstens das Lied „That's All I Got To Say“, gesungen von Leighton Meester höchstpersönlich. Und zum Schluss, denn das lief immer nebenbei, „I Hope That I Don't Fall In Love With You“ von Mr. Marc Cohen.

Viel Vergnügen beim Lesen,

Wünscht Euch Eure Sas





5. Der Schrank oder; Das ist alles, was ich noch zu sagen habe




Die Tür flog auf, und Lilly Rush Valens stürmte ins Zimmer ihrer jüngeren Schwester.

„Ich habe einen Schrei gehört!“

stieß Lilly atemlos von ihrem Sprint die Treppe hoch, mühsam aus und hielt sich eine Faust
gegen die pumpende Brust. Izzies Schwager Scotty taumelte gleich in Lillys Schlepptau herein
und wandte sich peinlich berührt vom Bild, welches sich ihm bot, ab:
Elizabeth riss mit hochroten Wangen die Bettdecke hoch, als sie erschrocken bemerkte,
dass der eine Träger ihres BHs gänzlich von ihren schmalen Schultern zu rutschen drohte.

„Seid ihr irre?!“

fuhr die junge Frau die beiden Detectives unwirsch an und ihre dunkelgrünen Augen
funkelten böse.

„Ich hätte einen Herzinfarkt bekommen können! Ich soll mich doch ausruhen!
Und jetzt raus mit euch!“

schalt sie ihre Familie weiter aus, ohne ihnen eine Erwiderung zu erlauben.
Mühsam schlang sie sich selbst die Bettdecke um die schlanke Gestalt und rappelte sich vom Bett auf, stolperte, als ihr ein sengender Schmerz durch Mark und Bein schoss und hielt sich an einer Kommode fest.

„Raus!!!“

kam es halb schluchzend aus ihrem Mund und ihre Finger zitterten beim Griff
um das gebleichte Holz.

Lilly hob abwehrend die Hände, auch ihre Knie zitterten ob des wütenden Blickes,
den ihre Schwester ihr und ihrem Mann zuwarf.

„Aber Iz... Wir wollen dir doch nur helfen...“

versuchte sie es sanft, doch Scotty legte seiner Frau sanft eine Hand um den Oberarm.

„Komm Lil, das hat jetzt keinen Zweck. Wir gehen besser.“

Er warf seiner Schwägerin im Gehen einen abschätzenden Blick über die Schulter zu.

„Elizabeth wird es uns sagen, wenn sie Hilfe braucht.“

Es war an Lilly gerichtet, aber seine Worte schwebten im Raum, durchdrangen ihn, nachdrücklich,
ruhig und doch ganz klar eine Aufforderung an beide Rush Schwestern.

Zum Glück funktionierte seine überzeugende Art bestens und, die Lippen zu einem schmalen Strich zusammen gezogen, folgte Lilly wortlos ihrem Mann. Schloss leise die Tür hinter sich, als habe sie Angst, Izzie noch einmal durch ein lautes Geräusch zu verärgern.

Die Tür fiel klickend ins Schloss und Elizabeth seufzte abgrundtief.

Erleichterung breitete sich sintflutartig in ihr aus.
Erschöpft sank sie wieder auf das Bett zurück, fuhr sich mit allen zehn Fingern durchs Haar, schüttelte benommen den Kopf.

„Na prima. Wirklich toll gemacht Elizabeth.“

hörte Truck sie von seinem Versteck im Wandschrank aus resigniert murmeln.

Durch die Lamellen sah er wie betäubt zu, wie sie abwesend mit den Fingerspitzen das Laken
neben sich zwischen Daumen und Zeigefinger aufnahm und plötzlich inne hielt.

Ruckartig zuckte ihr Kopf zur Seite und er vernahm ein Geräusch, welches ihn an ein Pferd erinnerte, welches die Nüstern in den Wind hob, sie blähte, um schließlich prüfend die Luft
tief einzusaugen. Er sah sie, die Stirn gerunzelt, den Kopf irritiert hin und her drehen,
als suchte sie jemanden- ihn.

Sein Körper schien ihn verraten zu wollen, denn sein Herz klopfte so laut,
dass er fest überzeugt war, sie müsste es hören. Ein gewisperter Fluch huschte ihm über die Lippen und er schloss die Augen. Seine Handflächen waren schweißnass.

In seinem Kopf spielten sich schon die ulkigsten Szenen ab, wie sie ihn hier im Wandschrank entdecken würde und ihn noch viel vehementer vertreiben würde, als eben ihre Schwester
und ihren Schwager- Wenn er nur mit einem blauen Auge davon käme,
konnte er sich vermutlich glücklich schätzen...

Noch gab es keinen Ausweg...

Was hatte Sue sich nur dabei gedacht, ihn in diese Situation zu bringen?!
Wut breitete sich in Truck aus: Das hier war doch absurd!
Es tat ihnen beiden offensichtlich nicht gut, auch nur in irgendeiner Form
etwas miteinander zu tun zu haben und ständig mussten sich alle in ihrer beider Leben einmischen...

Ein leises Seufzen katapultierte ihn ins Hier und Jetzt zurück und erinnerte ihn daran,
dass er jetzt nun einmal in der Bredoullie steckte und wohl oder übel einen Weg
aus diesem Schrank, und diesem Zimmer, würde finden müssen.

Truck streckte eine Hand nach den Lamellen aus. Vielleicht könnte er ja einfach raus schlüpfen, sobald sie doch noch eingeschlafen wäre... Fragte sich nur, wie lange das noch dauern könnte...

Es klopfte. Es klopfte?

Nein. Doch nicht. Das Nästeln von Stoff und dann etwas, womit er nicht gerechnet hatte.

Das, was er als Klopfen an der hölzernen Tür interpretiert hatte, war in Wirklichkeit das Geräusch einer kleiner Handfläche, welche den Holzkörper eine Gitarre rhythmisch mit den Fingerspitzen bearbeitete.

Ein Klangkörper, der ihm merkwürdig bekannt vor kam.

Es war nur so ein Gefühl, aber als die ersten Saiten angeschlagen wurden...
Als das leise, vertraute Summen der Gitarre in die Stille des Zimmers hinein erklang,
war es, als würden die Töne in ihm vibrieren und in ihm etwas zum Klingen bringen.

Seitdem er aus dem Krankenhaus entlassen worden war, hatte er keine Gitarre mehr angerührt. Geschweige denn, gesungen.

Nicht mal unter der Dusche.

Er hatte sich nie gefragt, warum nicht.
Um ehrlich zu sein, war es ihm egal gewesen.

Viele Dinge hatte er erst einmal wieder neu trainieren müssen, und in seinem Zeug
war auch keine Gitarre zu finden gewesen-

Truck hatte einfach angenommen, dass ihm, jetzt, wo er genug Geld verdient hatte,
um sogar seine Familie damit ausstatten zu können, die Musik nicht mehr so wichtig war,
die er selbst fabriziert hatte: Seine Jungs, die Band, die hatten seine Aufmerksamkeit
auf sich gezogen, auf das, was sie im Stande waren zu leisten.

Nachdem er aus der Reha entlassen worden war, hatte Ty ihm relativ wortkarg sein Zeug zu Lucille gebracht.

Truck erinnerte sich daran, wie er durch die fremden Klamotten nach etwas Vertrautem gesucht hatte und letztendlich doch unten im Ort neue Sachen hatte kaufen müssen, weil es ihm vorgekommen war, als hätte er diesen ganzen Kram in den Koffern irgendwem geklaut.

„Du willst sonst nichts haben?“

hatte Ty ihn damals, in einem der Ferienzimmer, welches nun zukünftig sein eigenes sein sollte,
grimmig wirkend, gefragt.

„Was sollte ich sonst noch haben wollen, Mann? Dieses ganze Zeug hier sieht aus,
als wär's aus ner Filmrequisite! Ein Mann kann doch unmöglich so viele Klamotten gehabt haben! Und Nichts, was ich auch nur annähernd zum Arbeiten auf der Ranch anziehen könnte!“

hatte Truck kopfschüttelnd, verärgert, geantwortet.

„Hey, Mann, weißt du, wo mein grauer Pullover abgeblieben ist?
Du weißt schon, den, den Mom gestrickt hatte?!“

Ein Schnauben von Ty.

„Den hat Honey damals entsorgt, als sie dich für tot gehalten hat.
Du hast dich immer beschwert, der würde bei dir Hautausschlag verursachen-
Warum hätte sie den aufheben sollen.“

grunzte sein Bruder und schlug den letzten Koffer wieder zu.

„Willst du die Koffer behalten, oder soll ich sie ihr zurück geben?“

erkundigte sein Bruder sich vorsichtig.

Truck spürte, wie er missbilligend die Stirn runzelte.

Kein Wunder, dass sich hier drin vor allem feine Anzüge, Hemden von Designern und Sachen,
die auch aus Cowboy- Disneyland stammen könnten, befanden.

„Das sind ihre?!?“

raunte er unfreundlich und wurde seinerseits unverständlich angestarrt.

„Was hast du denn gedacht? Izzie...“

Ty hatte sich umständlich geräuspert. Als falle es ihm schwer, weiter zu sprechen.

„Also, Elizabeth... Sie hat alles, was dir gehört hat, mühselig aus eurer Wohnung
zusammen gesucht und in Kisten und Kästen verpackt. Die anderen Sachen, die Möbel und so...
Das steht alles in unserer Garage-“

Verlegen kratzte Ty sich den Nacken.

„Ich hab sie gefragt, ob sie irgendwas behalten wollen würde...“

Ehe er weiter sprechen konnte, fiel Truck ihm unwirsch, wütend, ins Wort:

„Hey, spinnst du? Was, wenn ich durch irgendwas davon an meine Erinnerungen kommen könnte!“

fuhr er seinen älteren Bruder an. Verzweiflung breitete sich in ihm aus.

Ty verstand wirklich überhaupt nichts!

Tatsächlich starrte sein Gegenüber ihn an, als sei er nicht mehr ganz Beitrost.
Urplötzlich stand Ty neben ihm und packte Truck am Oberarm.

„Jetzt halt aber mal die Luft an! Mal ganz davon abgesehen, dass das arme Mädchen alles,
aber auch wirklich alles raus gerückt hat, hat sie es nicht verdient, dass du von ihr sprichst,
als sei sie ein verdammtes Groupie, das irgendwelche Trophäen von dir behalten wollen würde! Gott, Truck, sie...“

Die Hand an Trucks Arm wurde gelockert.

„Verstehst du es denn wirklich nicht? Sie hat dich geliebt, Mann.
Du und sie, das war wie... Magie.“

Ein heiseres Lachen stahl sich an Trucks Kehle hoch und es kam einer Eruption gleich,
als er es ausstieß.

„Das gibt’s nicht. Man könnte meinen, diese Person sei dir wichtiger, als dein eigener Bruder!“

warf er dem Älteren vor.

„Keiner will das hören, keiner versteht mich, aber ich sage dir, die bringt nur Unglück!“

Ein scharfes Einatmen von Tys Seite.

„Was hat sie mit dir gemacht? Dich bezirzt, Ty? Hätte nicht gedacht, dass du neuerdings auf so einen Typ Prinzessin in Nöten stehst!“

ätzte Truck weiter und ehe er wusste, wie ihm geschah, kollidierte die rechte Faust seines Bruders mit seinem Kinn und Truck taumelte überrascht zu Boden. Böse tauerte dieser über ihm.

„Das nimmst du sofort zurück, Truck! Das ist eine Schande, was du hier abziehst und du beleidigst nicht nur dich selbst, oder mich, sondern auch jemanden, der immer zu dir aufgesehen hat! Jemanden, der dich geliebt hat, ganz egal, wer du warst- Ein kleiner Cowboy, ein Outlaw, oder der große Musik Millionär Manager- das war ihr vollkommen egal. Ich hab mich für dich gefreut, Mann, dass du endlich so jemanden in deinem Leben hattest- und du?! Was ist bloß los mit dir, ich erkenne dich nicht wieder!“

Truck rieb sich das Kinn und rappelte sich auf.

„Dann verrat mir mal, warum mich dann keine noch so mächtige Magie
wieder dazu bringen konnte, mich an diese Frau auch nur ein Stück weit zu erinnern!
Ich verrate dir was: Ich kenne sie nicht, und dabei wird’s auch bleiben.
Ich bin da, wo ich hin gehöre, da, wohin ich damals nach dem Desaster mit Edie Lowe
schon längst wieder hätte sein sollen, also halt mir hier keine Moralpredigt, okay, Ty?!
Nicht schon wieder.“

Ty hatte ihn zornig gemustert, die Lippen geschürzt.

„Ich sag's dir jetzt zum letzten Mal:
Du machst einen schweren Fehler, wenn du das wirklich einfach so weg schmeißt, Truck Sugar.“

erklärte Ty im Brustton der Überzeugung.

„Mal ganz davon abgesehen, dass Mom dich eigentlich nicht zum Arschloch erzogen hat-
Ich habe ihr gesagt, sie soll behalten, was immer sie möchte:
Damit wenigstens sie sich daran erinnern kann, was ihr mal hattet!“

Mit Daumen und Zeigefinger wies Ty auf Truck, wie mit einer Pistole.

„Und jetzt sage ich dir noch was: Wenn dir das nicht passt, dann rede gefälligst selbst mit ihr!“


Jetzt, fast ein halbes Jahr später, wusste Truck plötzlich, dass diese Gitarre,
die Elizabeth dort in ihrem Schoß hielt, ihm mal gehört haben musste.

Er konnte es nicht beschwören, er wusste, dass es nur eine Vermutung war,
aber es wurmte ihn dennoch. Brachte sein Blut fast zum Kochen.

Musik zu machen hatte ihm einmal so viel bedeutet.

Wer weiß, wenn ich das Ding in den Händen halte... Vielleicht kommt dann ja alles wieder?
Vielleicht bin ich dann nicht länger darauf angewiesen, dass mir alle anderen immer erzählen wollen, wie glücklich ich angeblich gewesen bin, sondern dann... Dann wüsste ich es selbst wieder.
Aber dann wüsste ich auch, ob das wirklich so war, oder ob das nur alle geglaubt haben...

Irrationale Gedanken jagten durch seinen Kopf und am Liebsten hätte er die Schranktüren
aus den Angeln gerissen. Gott, er fühlte sich so dermaßen angepisst von dieser Situation...

Ein leises Summen drang plötzlich an sein Ohr.
So leise, dass er sich selbst zur Ordnung rufen musste, um es überhaupt zu verstehen.
Worte schwebten zu ihm hinüber, zuerst kaum hörbar, aber nichts desto trotz schlichen sie sich
nicht nur in seine Ohren, als er mit anhörte, wie die Stimme zu singen begann:

I've had time to write a book
About the way you act and look
But I haven't got a paragraph

Ihm wurde mit einer erschreckenden Klarheit bewusst, dass es stimmte.

Diese Frau wusste Dinge über ihn, von denen er nicht einmal eine wage Ahnung hatte.

Es machte ihn wütend, denn mit welchem Recht besaß sie diese Kenntnisse,
und für ihn blieben sie im Nebel?

Immer, wenn die Erinnerungen frech um ihn herum tanzten,
sich kurz vor ihrer Entdeckung lachend wieder seinem Einfluss entzogen...
Erinnerte ihn das an ihren Gesichtsausdruck im Krankenhaus damals,
als er ihr gesagt hatte, dass er sie nicht wiedererkannte.

Es war, als hätte sich mit ihrer Miene gleichzeitig ein Buch geschlossen
und sie verwehrte ihm den Blick hinein.

Mühsam schluckte Truck die aufsteigende Bitterkeit hinunter.

Words are always getting in my way
Anyway, I love you

That's all I have to tell you
That's all I've got to say

Er kannte diesen Song nicht, da war Truck sich absolut sicher.
Aber die Melodie war so eingängig, dass es ihm nicht schwer fiel, ihn innerlich mitzusingen.

Die zarten Anschläge der Gitarre beruhigten seine angegriffenen Nerven.
Aber es stach beinah, als er die tiefe Traurigkeit im Songtext und vor allem in ihrer Intonation
des Refrains erkannte. Das gehauchte: Anyway, I love you, traf ihn härter,
als er es sich hatte vorstellen können.

Wenn er an diese junge Frau dachte, waren da so viele widerstreitende Gefühle im Spiel:
Unverständnis. Kuriosität. Mitleid. Dann Wut, ja sogar Ablehnung.

Aber, wenn er, wie jetzt, wirklich einmal ehrlich mit sich war, als ihre Stimme
sich an den Lamellen vorbei zu ihm durch kämpfte, und direkt auf seine Emotionen traf,
dann rührte sie etwas in ihm an, das er im Zusammenhang mit ihr nicht für möglich gehalten hatte:

Er erkannte ihren Schmerz.
Er rührte ihn an, fern ab vom Mitleid, das man mit jemand Fremden hatte: Das hier ging tiefer.
Es fühlte sich an, als empfinde er ihre Verlorenheit selbst, als vermischte sich ihrer beider Leid,
als verbinde sie mehr, als nur gemeinsame Erlebnisse, die sich auf Fotos ansehen ließen.

Es waren die Emotionen, die ihn durch den Gesang erreichten.
Sogar ohne, dass er ihr Gesicht dabei sah, denn jede Silbe troff davon, jeder Ton sprach zu Truck: Davon, wie einsam diese Sängerin war. Wie verletzt, wie unsicher, wie verloren.
Wie entrückt, wie traurig da jemand war.

Und im Gegensatz zu aller Antipathie, die er hegte:
Gleichzeitig hoffnungsvoll, sanft... liebevoll.

Die Beteuerung, die mit der Textzeile Anyway, I love you, einher ging, war ehrlich.

Und sein Herz wusste in diesem Moment, dass diese Zeilen ihm galten.

Ihm, und dann doch wieder nicht:

Das war nicht nur sein Dilemma, erkannte Truck.

Sondern auch ihres:

Er war diese Person, der sie Liebe schwor, nicht mehr.

Selbst, wenn er es tatsächlich je gewesen war, dem dieses Zugeständnis gegolten hatte:

Wie konnte er es heute noch sein?!

Aber, fragte ihn eine leise, mahnende Stimme zum ersten Mal:
Was bliebe ihr denn anderes, ihm zu sagen...
Als das?


And now, I'd like to make a speech
About the love that touches each
But stumbling, I would make you laugh
Feel as though my tongue were made of clay

Anyway, I love you

That's all I have to tell you

I'm not a girl of poetry
Music isn't one with me
It runs from me
It runs from me

Er konnte nicht anders, bei diesen Zeilen musste er den Kopf schütteln.
Wenn jemand zum Singen geboren schien, dann diese Stimme.
Aus wirklich jeder Zeile, jedem Wort, drang so viel Gefühl.
Es füllte jeden Zentimeter des Zimmers aus, jeden Winkel, erfasste seinen Körper, seine Seele.

I tried to write a symphony
But I lost the melody

Er presste die Augen zusammen.

Es beschrieb so genau die Art und Weise, wie er sich derzeit fühlte...

Als hätte er alles verloren.

Das stimmte ja auch irgendwie.

Sein Körper, der sich genauso fremd anfühlte, wie alles andere:
Älter. Schmerzhaft. Graue Haare in der nachgewachsenen Strubbelfrisur.

Er war so froh gewesen, dass Lucille seiner Bitte, als Arbeiter wieder auf die Farm zurückkehren
zu dürfen, zugestimmt hatte-
Auch, wenn es ihm jeden Tag vor Augen führte, wie sein Leben hätte aussehen können...
Wenn er sich um sie bemüht hätte, so, wie sie es verdient gehabt hätte: So, wie Angelo es richtig tat. Dieser Cowboy kümmerte sich aufopfernd um seine kleine Familie und Truck konnte das gemeinsame Glück beiden von Herzen gönnen; Es war Alles, was er selbst sich für Honey gewünscht hätte.

Wenn Truck heute auf der Farm mit den Pferden arbeitete, lenkte ihn das vor allem von seiner eigenen Leere ab. Es schien ihm ein merkwürdiger Schwank des Schicksals, dass nun er derjenige war, der sich ein Leben ohne diese Tiere und diese Farm nicht mehr vorstellen konnte, wo er doch damals Lucille genau dafür hatte verlassen wollen...

Heute verdiente Truck sich Kost und Logis, seinen Lebensunterhalt, wieder mit ehrlicher, körperlicher Arbeit. Das tat gut. Zu spüren, dass er noch immer in der Lage war, Heuballen zu stapeln oder drei Stunden am Stück auf einem Pferd zu sitzen, verlieh ihm die Sicherheit, sich lebendig zu fühlen. Es hatte nichts mit diesem fremden Menschen zu tun, den alle immer heraufbeschwören wollten.

Nach getaner Arbeit vollkommen erschöpft in die Federn zu sinken, hielt die verworrenen Träume fern, die ihn anfangs im Rehazentrum heimgesucht hatten, wie Geister den alten Scrooge.

Außerdem musste er sich keine Gedanken darüber machen, irgend etwas außerhalb der Filterblase, welche die Ranch für ihn geworden war, zu unternehmen. Er musste keine neuen Leute kennenlernen, niemandem mehr erklären, wer er war, was ihm zugestoßen war.

War er tatsächlich einmal nicht so ausgelastet, dass er nicht augenblicklich in den Schlaf sank, reichte es bisher immer aus, einen alten, vergilbten Roman aus Sues Regal zu ziehen, den er lesen konnte, abtauchen, bis ihm die Augen doch noch zu fielen.

Sogar die Melodie, die sein Leben bisher bestimmt hatte, die Musik, hatte er sich mittlerweile „abgewöhnt“, weil es etwas zu sein schien, was alle von ihm erwarteten.

Truck hasste es, den Erwartungen der anderen nicht zu entsprechen, denn er hatte das Gefühl,
das sei ein Kampf, den er eh nicht würde gewinnen können.

Eigene Erwartungen?

Brauchte er nicht- Wozu auch?!

Er war in der Reha so sehr damit beschäftigt gewesen, ganz rational und krampfhaft alle Puzzlestücke zusammen suchen zu wollen, dass er sein Herz, seine Gefühle einfach vollkommen außen vor gelassen hatte.

Inzwischen hatte er wohl oder übel zu akzeptieren gelernt, dass es ihm nichts half,
zornig auf das Schicksal zu sein, das ihm das Wissen um einen Teil seines Lebens verwehrte.

Hatte beschlossen, dieses Stück Weggeschichte ab zu schneiden-

Nein, wenn man es genau betrachtete, hatte er sich selbst davon getrennt.

So, wie er, so gut es eben ging, die Vorstellung, jemand anderer geworden zu sein,
von sich gewiesen hatte.

Aber immerhin war es eine selbstbestimmte Entscheidung.

Dies konnte ihm niemand absprechen.

Kein Gehirn konnte ihm in dieser Hinsicht einen Streich spielen.

Die Musik, und seine Impulsivität, was Frauen betraf, hatte ihn schon einmal in lebensbedrohliche Schwierigkeiten gebracht: Bisher hatter er gar nicht anders gekonnt, als diesen Teil seines Selbst
mit aller Macht zu verleugnen:

Bis jetzt.

Was war das nur bloß mit dieser Frau?!

Die geschlossenen Augen verstärkten die Empfindungen und die Musik nur noch mehr.

Er spürte das Vibrieren bis in die Füße, die sich auf einmal dennoch seltsam geerdeter als vorher anfühlten. Als flamme ein alter Kanal auf, sendete, wo vorher so sorgsame Stille geherrscht hatte. Ihm war, wie, als könnte er im nächsten Moment abheben.

Vor dem inneren Auge sah er sich an einem Abgrund stehen und die Arme im Wind ausstrecken.

Das fühlte sich großartig an. Frei. Losgelöst...

Hier war vollkommen plötzlich eine andere Macht am Werk.

Eine andere... Magie.


Alas I only finished half
Finish I suppose I never may

Anyway, I love you

That's all I have to tell you
That's all I've got to say
That's all I've got to say
That's all I've got to say


Die Worte wurden wiederholt, der Refrain, und, genauso wenig, wie vorhin, als er neben ihr im Bett gelandet war, ehe er wusste, wie ihm geschah...

Ehe er es hätte verhindern können, was sein Körper da tat,
fiel Truck beim letzten Teil, wie in ein Duett, selbstvergessen, mit ein.

Der Zauber hielt ihn gefangen, bis er bei der letzten Wiederholung angelangt war.

Truck blinzelte.

Genauso plötzlich, wie der Song begonnen hatte, endete er.

Die Gitarre schwieg, die andere Stimme auch.

In seinem Kopf klang nur noch sein eigener Atem nach, langgezogen und merkwürdig ruhig.
Selbst die Tatsache, dass er nur zu deutlich Fingernägel über Holz und Metall kratzen hörte,
konnte ihn nicht aus seiner Trance reißen.

„Dann habe ich es mir also doch nicht bloß eingebildet.“

flüsterte eine unverkennbare Stimme vor den Lamellen.

Als er jetzt die Augen wieder aufschlug, erkannte er einen haselnußbraunen Schimmer durch die Ritzen-

Elizabeths Haar hing wie ein Vorhang vor den Augen und verbarg ihr Gesicht.

Seine Pupillen folgten dem Schemen nach unten, wo kleine Zehenspitzen
von links nach rechts unter dem Rand der Schranktür hin und her bewegt wurden.

Warum riss sie die Tür nicht aus den Angeln und warf ihn hinaus?

Stattdessen ruhten schmale Finger auf dem Türknauf.

Doch statt ihn zu entlarven und anschließend mit Vorwürfen zu überhäufen,
wie er es erwartet hätte, entfernte sich Elizabeth unverrichteter Dinge vom Schrank
und kletterte wieder unter ihre Bettdecke.

Verwirrt die Stirn runzelnd, holte Truck tief Luft.

Ehe er sein Versteck schließlich eigenmächtig aufgab
und mit einem großen Schritt vorwärts ins Rauminnere trat.

Verunsichert und peinlich berührt nahm er den Hut ab, kratzte über den Nacken
und spielte nervös mit dem Rand seines geliebten schwarzen Stetson zwischen den Fingern.

„Ich kann das erklären...“

stolperten die Worte aus seinem Mund.

Peinlich berührt spürte er, wie seine Ohren rot und heiß wurden, wie damals als kleiner Junge,
der mit der Hand im Süßigkeitenglas erwischt worden war.

Aber die Bettdecke wurde nur noch weiter Richtung Nasenspitze gezogen. Sie sah nicht einmal auf.

„Bemüh dich nicht, Truck Sugar.“

erwiderte sie tonlos.

„Was? Hast du wirklich gedacht, sich im Wandschrank zu verstecken, wäre eine fabelhafte Idee?
Selbst, wenn ich deine Stimme nicht erkannt hätte, und die würde ich blind aus jeder Menschenmenge raus hören, hatte Sam dich eh schon lange entdeckt,
bevor Lilly hier überhaupt rein kam.“

beschied sie ihm leise.

Erst jetzt entdeckte Truck den Border Collie, der hinter dem herunter gerutschten Quilt an ihrem Bettende geduldig, freundlich mit der Rute wedelnd, neben ihr Wache hielt.
Truck konnte nicht verhindern, dass ihm die Kinnlade nach unten sackte.

Die Kissen knisterten und diesmal drehte sie ihm doch über die Schulter hinweg den Kopf zu.
Dunkelgrüne Pupillen musterten ihn abschätzig.

„Ist noch was?“

erkundigte sie sich beinah gleichgültig klingend.

Truck schloss hörbar den Unterkiefer.

„Nein, was soll schon sein!“

konterte er, registrierte aber, dass seine Stimmlage gefährlich von stoisch zu genervt kippte.
Er presste angestrengt die Kiefer aufeinander.

„Ich hab's eh satt, den Babysitter für verwöhnte neureiche Stadtmädchen zu spielen,
die nicht nur ihre eigene Gesundheit ruinieren, sondern auch die ihres Pferdes!“

Wütend wies er mit dem Hut in der Hand anklagend auf die vor ihm liegende Person,
ohne wirklich zu wissen, warum er nicht einfach die Gelegenheit beim Schopf ergriff
und den kontrollierten Rückzug antrat, jetzt, wo sich ihm der herbeigesehnte Ausweg endlich bot.

Doch statt sich vom Fleck zu rühren, verschränkte Truck kampfeslustig die Arme.

Die, ob einer solchen Aussage zu erwartende, Wirkung trat nur nicht ein:
Es kam keine aufgeregte Retourkutsche.

Was erhoffte er sich nur von dieser Konfrontation, der er eben noch so erfolgreich aus dem Weg gegangen war?

Eine leise, entfernte Stimme flüsterte ihm Worte ins Ohr:
Vielleicht willst du ja gar nicht hier weg, Truck? Schon mal daran gedacht?

Wie, als wollte sein Körper es ihm bestätigen, machte er noch einen Schritt auf ihr Bett zu. Verwundert hob jetzt der Hund den Kopf, legten diesen schief und musterte den Cowboy
mit plötzlich wachsamen Augen.

„Das hat vielleicht früher funktioniert, um mich auf die Palme zu bringen, Truck-
Aber die Zeiten sind lange vorbei. Wenn du auch nur einen Funken Anstand im Leib hättest, würdest du dich jetzt wie der Gentleman benehmen, als den Annabelle dich und Ty mal erzogen hat, dich für dein unmögliches Benehmen entschuldigen und gehen.“

hörte er es anklagend, aber irgendwie auch resigniert unter der Decke hervor kommen.

Ein Kribbeln ergriff seinen Körper.

„Du kennst den Namen meiner Mutter?“

entfuhr es ihm, ehe er sich hätte zügeln können.

Das Zurückschlagen der Decke erwischte ihn ebenso kalt und grüne Augen, dunkel und hart,
wie edle Smaragde, welche ihn abschätzig von oben bis unten maßen.

Trotzig schob sich das Kinn vor, und er kam nicht umhin, sich wie ein gemaßregeltes Kind zu fühlen.

Unvermittelt stand die junge Frau vor ihm auf, nur mit Unterwäsche bekleidet.

Trucks Ohren entflammten von Neuem, als er registrierte, dass ihr dieser Umstand überhaupt nichts auszumachen schien. Elizabeth baute sich vor ihm auf, überwand die letzte Distanz und tippte ihm mit dem Zeigefinger an die Hutkrempe.

„Erde an Truck Sugar, Gehirn einschalten!
Glaubst du ernsthaft, ich würde mich nicht an den Namen meiner zukünftigen Schwiegermutter erinnern, geschweige denn, ich wäre ihr noch nie zuvor begegnet in der ganzen Zeit,
die wir zusammen waren? Du wolltest mich heiraten, verdammt, natürlich kenne ich deine Mutter!“

beschied sie ihm trocken und zog sich wieder ein Stück weit zurück.

Schnippisch pustete sie eine vorwitzige Strähne aus dem Gesicht.
Verschränkte die Arme vor der Brust.

Ein Schatten huschte über ihre Züge, als bereute sie plötzlich, etwas gesagt zu haben.

„Ich bin ja nicht du...“

setzte sie jedoch noch ein Statement hinterher.
Als könne sie nun, da sie einmal davon angefangen hatte, nicht länger an sich halten.

Wieder konnte Truck den rauen, ehrlichen Schmerz ihre Stimme färben hören.
Er sah sie die Augen senken und sich auf die Unterlippe beißen und auf den Fersen wippen:
Auf einmal wirkte sie unsicher.

Truck konnte nicht anders: Er starrte sie an, als sähe er sie zum ersten Mal.

Die Luft zwischen ihnen schien zu knistern, Spannung lag im Raum.

„Könntest du bitte damit aufhören?“

drang es unvermittelt leise an seine Ohren.

Sie wich seinem bohrenden Blick nicht länger aus, sondern sah ihm flehentlich ins Gesicht.

Klare Tränenflüssigkeit sammelte sich in ihren Augenwinkeln.
Doch sie blinzelte nicht, sondern legte beide zierlichen Hände um seine Unterarme,
wie Schraubstöcke.

Von außen betrachtet, dachte er verwundert, mussten sie beide,
wie sie da so voreinander standen, wirklich ein ulkiges Bild abgeben:

Sie, nur mit Unterwäsche bekleidet, wie sie ihn von sich gestreckt hielt-
Und er, der er, in zerknitterter Cowboy Kluft, so nah stand, dass er jede Sommersprosse
auf ihrer Nasenspitze hätte zählen können.

„Hör auf, mich so anzusehen, als hätte ich dir irgendwas gestohlen, Truck!“

flehte sie ihn geradezu an und er runzelte die Stirn.

Doch ehe er etwas hätte erwidern können, sprach Izzie weiter, ohne seinen Blick loszulassen-

Mut hatte die Kleine ja, das musste man ihr wirklich lassen...

„Und auch nicht so, wie jetzt: Ja, ich weiß Dinge über dich, die du anscheinend nicht weißt...
Oder nicht mehr wissen willst...“

Diesmal war er es, der sie unwirsch unterbrach.

„Pah, jetzt sind wir aber selbstgerecht! Was soll das denn heißen!
Willst du mir etwa weismachen, ich wollte mich nicht mehr an alles erinnern?!“

blaffte er ihr beleidigt ins Gesicht und spannte die Arme unter ihrem Griff an.
Ballte die Hände zu Fäusten, als wollte er sie abschütteln- Aber er rührte sich nicht von der Stelle, als sei er gefangen, unter einem Bann.

Ein Zittern durchlief Truck.

Vor Ärger? Nein.
Er runzelte die Stirn, senkte den Blick.
Es waren nicht seine Hände, die bebten. Sondern ihre.

„Du tust zumindest alles dafür, dass ich das glauben muss!“

warf sie ihm mit in hohe, laute Töne schwankender Stimme unverhohlen vor.

„Glaubst ja nicht, dass du der Einzige gewesen wärst, der sein bisheriges Leben verloren hat!“

brachte sie, von Emotionen überwältigt, am ganzen Körper bebend hervor.
Holte tief Luft, wie, als rufe sie sich zur Ordnung, nur,
um dann schneidend fortzufahren:

„Vermutlich ist es besser, wenn wir jetzt darüber sprechen, oder?
Besser als gar nicht, so, wie in den letzten Monaten, in denen du dich hier bei deiner Ex Frau
vor mir versteckt gehalten hast.“

folgte die Anklage auf dem Fuß.

Wand sich in seine Eingeweide, wie glühende Lava.

Sein Magen fühlte sich plötzlich an, wie mit eben erwähnter, erkalteter Lava gefüllt.

Was war das für ein Tonnenschweres Gefühl?

Truck schluckte schwer, als er es schlussendlich als das identifizierte, was es wohl war:

Schuld...

Hatte sie ihn wirklich so leicht durchschaut?

Noch immer hielt diese resolute, zierliche Person ihn an seinen Armen fest:
Als wäre er gleichzeitig eine Rettungsboje und, als wollte sie ihn nicht entkommen lassen.

„Streite es nicht ab!“

fügte Izzie jetzt dementsprechend leiser hinzu und klang mit einem Mal tieftraurig.

Truck starrte auf seine Stiefelspitzen- und auf ihre nackten Zehen daneben.

„Ich hab keine Angst vor dir. Und ich wollte dich nicht vergessen.
Das kannst du doch nicht wirklich denken... das wäre doch verrückt...“

konterte Truck ebenso leise, bemerkte das eigene Zittern seiner Stimme.

Schmeckte Galle auf der Zunge.

Er schluckte dagegen an.

Plötzlich legte sich eine warme, ungeahnt sanfte Handfläche um seine Wange.
Fingerspitzen strichen zärtlich über die Bartstoppeln unter ihnen hoch Richtung Ohr,
während der Daumen unter seinem Kiefer ruhte, als wollte er ihn stützten.

Es war ein angenehmes Gefühl...

Auf einer unterbewussten Ebene vertraut.

Das bisherige, angespannte Kribbeln löste sich wie von Zauberhand auf.
Wich einer Empfindung von aufsteigenden Blubberblasen, die aus reiner Freude zu bestehen schienen und seinen Magen Purzelbäume schlagen ließen, was gleichzeitig ein Hochgefühl auslöste, aber auch von Unsicherheit begleitetes Absinken.

In dem Moment, in dem er die Augen schloss, drehte sich die Hand, so, dass seine Wimpern die Außenrücken der Finger berührten. Diese nahmen den selben Verlauf zurück, bis nur noch der Daumen zaghaft seinen rechten Mundwinkel berührte.

Truck hielt die Luft an.

Er wagte es nicht, die Augen weiter zu öffnen, im Gegenteil sie flatterten zu-

Was seine Sinne in den Overdrive schickte.

Sofort nahm er alles um ihn herum gestochen scharf wahr:

Einen Hauch von Pfirsichduft, vermischt mit dem der Rhododendronbüsche,
welche unten vor dem Fenster wuchsen.

Der Geschmack auf der Zunge von klarer Bergluft, die durch das Fenster herein strömte.

Das Rascheln von vorsichtiger Bewegung, als sich die zierliche Figur bis auf wenige Millimeter näher an ihn heran schob und an der Brust mit seinem Hemd kollidierte.

Wieder schluckte er.

Was...?

Sein Kopf wurde behutsam nach links dirigiert.

Ein sachter Atemhauch traf sein Gesicht.

Er konnte den sachten Druck einer Nasenspitze an seiner Wange spüren.
Gleichzeitig raue, und weiche, Lippen, die seine streiften, nur die Ahnung eines Kusses.
Der entschlossen, und doch zaghaft, seinen äußeren Mundwinkel genau dort fand,
wo eben noch der Daumen gelegen hatte.

Vollkommene Unschuld.

Sich merkwürdig neu und alt anfühlende Gefühle auslösend:
Die sein Innerstes- trotz der Zärtlichkeit der Geste- urplötzlich mit einem überwältigendem Verlangen ungekannter Größe überschwemmten.

Das ihn überrollte und, wie eine Welle, die ihn traf und mitnehmen wollte, umzuwerfen drohte.

„Nett, dass du das sagst, auch wenn ich dir nicht glauben kann.
Mach dir nur ruhig selbst weiter etwas vor.
Aber danke... Danke für den Versuch.“

wisperte ihre Stimme an seinem Ohr.

Augenblicklich wich die Gestalt von ihm, wie ein Geist.

Noch ehe er die Hand hätte ausstrecken können, drehte Elizabeth ihm den Rücken zu
und verschwand wieder unter ihrer weißen Bettdecke, wie hinter einer Mauer.

Trucks Herz klopfte so laut in seinen Ohren, dass er ihr tonlos gemurmeltes:

„Es wäre jetzt wirklich besser, wenn du jetzt gehen würdest.“

fast gar nicht gehört hätte.

Diesmal setzten sich seine Beine wie von selbst tatsächlich in Bewegung.

Trugen ihn wie auf Wolken zur Tür ihres Zimmers und er schlüpfte,
ohne recht zu wissen, wie ihm eben geschehen war, an unsichtbaren Marionettenfäden gezogen, hinaus.

Im dunklen, kühlen Flur angekommen, schien ihn plötzlich eine schwere Last zu erdrücken.

Wie erschlagen sank Truck mit dem Rücken gegen die Wand hinter ihm.

Er musste an einem dicken Kloß im Hals vorbei tief Luft holen
und starrte auf seine ins Zittern geratenen Hände hinab.

Ehe er den Hut vom Kopf nahm, ihn fallen ließ.

Sich, die Augen zusammen gepresst, mit allen Fingern durchs Haar fuhr, wie, um wieder klare Gedanken fassen zu können. Nur, um festzustellen, dass er dazu nicht mehr in der Lage war-

Ein unsagbar tiefer Kummer hatte ihn mit eisernen Klauen gepackt.

Presste seinen Brustkorb zusammen, dass die angebrochenen Rippen ächzten.

Alles in ihm zog sich zusammen.

Nicht einmal in all den Monaten, seitdem er im Krankenhaus in New York aufgewacht war,
hatte er sich so verloren und einsam gefühlt, wie in diesem Moment.
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