Omnia vincit amor

GeschichteDrama, Romanze / P16
Elena Fisher Nathan Drake
21.05.2014
21.05.2014
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21.05.2014 3.122
 
[Setting between U1-DF and U2-AT]

Es sind einige Wochen vergangen, seit Nathan und Sully wieder in Florida eingetroffen sind, um sich dort von den Strapazen des letzten Abenteuers zu erholen. Dank dem Fund von Sully geht es ihnen zurzeit finanziell recht gut, was nicht immer in der Vergangenheit der Fall gewesen ist. Da beide Männer überaus rastlos sind, beschlossen sie die finanzielle Freiheit zu nutzen und sich Urlaub zu gönnen. Während es Sully nach Kuba verschlägt, da es dort immerhin die besten Zigarren und hübschesten Frauen gibt, steigt Nate in den Flieger nach Colorado, um Elena dort zu treffen.

Im Flieger greift er nach seinem Notizbuch und beginnt gedankenverloren zu zeichnen, um sich abzulenken. Warum macht ihn diese Frau nur so nervös? Was hat sie an sich, dass sie es schafft jemanden wie Nate, der schon Unzähliges erlebt hat, so aus der Bahn zu werfen. Kurz pausiert er seine Zeichnung und schaut aus dem kleinen, ovalen Fenster rechts von sich aus dem Flugzeug in den blauen Himmel über den Wolken und schmunzelt, während er an sie denkt. Gott, er kommt sich vor wie ein verdammter, verliebter Teenager, aber es fühlt sich gut an. Er schüttelt den Kopf und lacht leise auf, während er sich seinen Skizzen wieder widmet, dabei ermahnt er sich in Gedanken: ‚Reiß‘ dich zusammen, Drake, nicht die erste Frau, die du triffst. ‘

Seitdem sie den Amazonas wieder verlassen hatten, telefonierten sie so oft wie möglich miteinander, zwar nicht immer täglich, da Elena öfters länger in ihrem Büro des Senders war, um irgendwie noch eine Story über Eldorado auch ohne Bildmaterial zu erschaffen. Natürlich gestaltete sich dies als durchaus schwierig, aber sie war ehrgeizig und es schien, als hätte sie sich ein wenig im Amazonas bei diesem Abenteuer gelassen, als sei sie noch gar nicht wieder in der Wirklichkeit gelandet. Sie ist selbst hat sich auch schon öfters ermahnt, sich auf die Arbeit zu konzentrieren und nicht ständig an ihre letzte Reise in den Regenwald oder Nathan zu denken. Auch, wenn sie teilweise höllische Todesangst während ihres Trips durchlebt hat, ist sie dankbar, es erlebt zu haben, da sie so aufeinander trafen.

Während ihrer häufigen Telefonate versuchten sie, sich besser kennen zu lernen, erzählten aus ihrer Vergangenheit, ihrem Alltag und begannen, sich auch Geheimnisse gegenseitig anzuvertrauen. Auch wenn sie gerade geografisch weit auseinander lebten, kamen sie sich so noch näher und die Sehnsucht nach einem erneuten Treffen stieg.

Die Sonne berührt fast den Horizont, als Nate die Maschine verlässt und in Denver wieder Boden betritt. Nachdem er sein Gepäck geholt hat, verlässt er den Airport und fährt mit einem Taxi zu der Adresse, welche Elena ihm hinterlassen hat. Dort sei ihr Apartment. Er hat zwar gestern am Telefon zu ihr gesagt, dass er morgen reisen wird und sie sich sicherlich bald wieder sehen werden, aber das er auf dem Weg zu ihr ist, hatte er ihr verheimlicht, um sie zu überraschen. Nach einer dreiviertel Stunde Fahrt durch den übelsten Berufsverkehr, hält das Taxi und der Fahrer gibt Nate, welcher seinen Blick hinter einer dunklen Sonnenbrille versteckt, zu verstehen, dass sie nun da wären. Nate greift in die rechte Tasche seines dunkelblauen Jacketts und reicht dem Taxifahrer ein Bündel Geld, welches augenscheinlich zu viel ist. „Behalten Sie den Rest“, sagt Nate nüchtern, als er mit seiner Tasche das Taxi verlässt und sich überlegt, in welcher Etage sie wohl leben wird.

Vor ihm sieht er das typisch amerikanische Mehrfamilienreihenhaus mit großen, rechteckigen Holzfenstern, einer grünen Eingangstür, zu welcher eine kleine Treppe führt und roten Backsteinen. Er tritt die Stufen hinauf und schaut auf die recht überschaubare Klingeltafel. Ihr Name erscheint als vierter von unten, also wird sie wohl im ersten Obergeschoss leben. Versuchshalber drückt Nate gegen die Haustür, welche zu seiner Freude nachgibt und sich öffnet, da sie nicht in Schloss vorher gefallen war.  Nachdem er durch das einfach gehaltene aber helle Treppenhaus das erste Geschoss erreicht hat, sieht er zu jeder seiner Seiten wiederum zwei grüne Holztüren, welche jeweils ein kleines Schild mit dem Mieter besitzen. Zunächst horcht Nate an der Tür, ob jemand im Inneren der Wohnung sein könne. Nichts. Er klopft einmal, woraufhin sich wieder nichts tut. „Kein Problem“, sagt der geübte Dieb leise zu sich selbst und greift in seiner Hosentasche nach einem Dietrich, mit welchem er die Tür im Nu geöffnet hat. Vorsichtig schaut er hinein, bevor er eintritt. Es ist tatsächlich niemand da, sie wird wohl noch im Sender sein.
„Das lässt sich schnell herausfinden“, dabei zuckt er sein Handy und ruft sie auf ihrem an.

Sie scheint heute vor Arbeit kaum Luft zu bekommen. Die PostIts an ihrem Monitor finden kaum noch Platz und das Chaos an Papieren wird nicht übersichtlicher auf ihrem Schreibtisch. Erschöpft legt sie ihren Kopf in den Nacken, schließt die Augen und versucht sich etwas selber mit ihren Händen den Nacken zu massieren. Wieder verfällt sie einen ihrer Tagträume, die sie in letzter Zeit so oft hat. Sie war früher so fokussiert und tough, doch nun scheint ihre kleine Welt irgendwie aus den Fugen gerutscht zu sein. Als ihr Handy klingelt stöhnt sie leise genervt auf. „Wer will denn jetzt was von mir?“, fragt sich die Journalistin und schaut müde auf ihr Handy. Als sie allerdings erkennt, wer der Anrufer ist, hellt sich ihr Gesicht schlagartig auf.

„Hey Elena, wie geht es dir?“
„Oh hey, naja, ich ersticke gerade etwas in Arbeit, aber soweit alles in Ordnung. Warum rufst du an?“
„Ich dachte, ich erinnere dich daran, dass auch die erfolgreichste Journalistin mal Feierabend machen sollte. Hatte ich also gar nicht so unrecht mit meiner Vermutung, dass du wohl noch im Sender bist.“
„Ja, du hast ja recht. Ich kann mich eh nicht mehr konzentrieren. Ich fahre mit der Bahn heim und melde mich dann später nochmal bei dir, okay?“
„Ja, kein Problem. Bis dann.“
„Auch und Nate?“
„Ja?“
„Danke.“
„Keine Ursache.“

Als das Telefonat beendet ist, schaut sie noch eine Weile auf ihr Handy. Er ist für sie da, wenn sie ihn brauch, ohne wirklich selber zu wissen, dass sie ihn gerade brauchte. Aber ohne seinen Anruf, so belanglos und kurz er auch war, würde sie wohl noch die nächsten Stunden hier verbringen.
Schnell schaltet sie ihren PC aus, schnappt sich ihre Tasche, ihre Jacke und verlässt das Sendergebäude, um den naheliegenden Bahnhaltepunkt zu erreichen. Dort muss sie glücklicherweise nicht lange warten, bis die nächste Bahn in ihre Richtung eintrifft. Erschöpft lässt sie sich in einen Sitz am Fenster fallen und schaut verträumt in die Ferne. Sie kann es kaum erwarten, sich ein heißes Bad einzulassen, vielleicht ein Glas Wein mit zu nehmen und ihn zurückzurufen, während sie ihren Abend gemütlich ausklingen lässt.

Nach einer Weile erreicht sie ihre Haltestelle, von der sie noch ungefähr 10 Minuten nach Hause laufen muss. Sie kann zwar Auto fahren, was sie unlängst bewiesen hat, hat es aber aufgegeben, sich mit einem Auto durch den Berufsverkehr und den Parkplatzkrieg zu quälen.
„Ist diese verdammte Tür immer noch nicht repariert?“, meckert sie an der großen grünen Haustür, als sie feststellt, dass sich diese immer noch ohne Schlüssel einfach aufdrücken lässt. Sie steigt die knirschenden Dielen der Treppe auf und durchwühlt genervt ihre Handtasche auf der Suche nach ihrem Schlüssel, dabei flucht sie leise vor sich her.
Dies hört Nate im Inneren und öffnet ihr überraschender Weise die Tür. Ihr Gesicht ist in diesem Moment unbezahlbar. Mit offenstehenden Mund und großen, vor Überraschung geweiteten Augen lässt sie ihre Tasche fallen und fällt dem ihr gegenüberstehenden, schief grinsenden Nathan, um den Hals. Er erwidert ihre Umarmung und vergräbt sein Gesicht in ihrer Halsbeuge, wo er ihren süßen Duft einatmen kann.
Als sie ihre Umarmung lösen, legt Nate eine Hand an ihre Wange, während sie immer noch verwundert ihn ansieht und sich fast in seinen Augen verliert. „Die Überraschung ist die wahrhaftig gelungen. Wie kommst du überhaupt hier rein?“ Dabei schmunzelt er und wirft ihr einen schelmischen Blick zu: „Ein Zauberer verrät nie seine Tricks“, neckt er sie und sein Grinsen wird breiter. Gespielt verärgert boxt sie ihm sacht in die Seite, worauf er nur nüchtern antwortet: „Na deine Schlagkraft hat aber sehr stark nachgelassen, wenn ich mit der Ohrfeige vergleiche, die du mir im Regenwald verpasst hast.“  Weiterhin gespielt schaut sie ihn böse an und hält ihre Faust vor sein Gesicht. „Wenn du willst, kann ich nochmal zuschlagen“, neckt sie ihn. Doch Nate schaut sie nur sanft an, nimmt ihre Hand und öffnet sanft ihre Faust, bevor er erneut ihr Gesicht in beide Hände nimmt und sie vorsichtig zu sich heran zieht, um sie zärtlich zu küssen.

Da sind sie wieder, die eine Million Schmetterlinge in ihren Bäuchen. Nathan ertappt sich selbst, wie er sich wieder vorkommt wie ein Teenager bei seiner ersten Romanze. Auch ihr Herzschlag hat sich verschnellert. Sie liebt das wohlig warme Gefühl, was sich in ihr breit macht, wenn sie mit ihm zusammen ist. In letzter Zeit hat dieses Gefühl etwas nachgelassen, doch das war einfach der Tatsache geschuldet, dass sie so weit voneinander getrennt waren. Nun ist dieses Feuer wieder in ihr entfacht und es scheint noch lodernder als vorher.

Sie verbringen den Abend eng aneinander gekuschelt vor ihrem Kamin, sich liebkosend, die Anwesenheit des anderen genießend und gönnen sich dazu eine Flasche Rotwein. „Das ist noch entspannender und herrlicher als die Badewanne, mit der ich heute Abend sonst ein Date gehabt hätte“, stellt Elena mit schläfriger Stimme fest. „Danke“, bringt sie noch leise an ihn gekuschelt hervor, bevor sie sich noch mehr an ihn anschmiegt und einschläft. Nachdem er sich sicher ist, dass sie wirklich eingeschlafen ist, befreit er sich vorsichtig von ihr, um sie sacht in ihr Bett zu tragen. Als er sie behutsam abgelegt hat, streicht er ihr einmal sacht über ihr goldenes Haar und küsst sie sanft auf die Stirn. „Keine Ursache“, flüstert er ihr zu. In dem Moment, als er gerade das Schlafzimmer verlassen wollte, meldet sich nochmal eine ziemlich müde Elena zu Wort: „Bitte, Nate, schlaf heute nach bei mir.“ Er schmunzelt, geht noch einmal zu ihr, um ihr zu sagen, dass er nur das Feuer im Kamin löscht, die Gläser in die Küche bringt und ihr dann liebend gerne Gesellschaft leistet. Schnell erledigt er die Dinge, bevor er vorsichtig einen Arm um sie im Bett legt und so an sie gekuschelt in einen tiefen Schlaf fällt.

Am nächsten Tag ist zum Glück Wochenende und Elena hat zu allem frei, was als Journalistin nicht üblich ist, da diese auch oft an werkfreien Tagen arbeiten müssen. Geweckt werden die beiden, welche immer noch eng umschlungen im Bett liegen, von der schon am Horizont höher stehenden Sonne, welche durch das Fenster scheint.

Die nächsten Tage, die sie zusammen verbrachten, waren einfach mit einem Wort zusammen zu fassen: wunderschön. Lange schon hatte sich Nathan nicht so glücklich gefühlt, ohne Reue, einfach in den Tag hinein gelebt und ihn genossen. Auch Elena blühte auf, vergaß für ein paar Tage ihren alltäglichen Stress auf Arbeit und konnte bei ihm einfach zur Ruhe kommen. Doch all das änderte sich schnell, als Nates Handy klingelte. Die einzige Nummer, die er niemals ignorieren würde – Sully.

Sie hatten gerade wieder eine ihrer neckigen Streitereien, bei denen sie sich sanft festhalten, ärgern und zum Lachen bringen. Öfters enden diese dann in einer anderen Aktivität, wlelche für gewöhnlich im Bett ihren Höhepunkt findet. Es begann wie immer, ein frecher Kommentar von ihm, gespieltes Beleidigtsein bei ihr, verspieltes gegenseitiges ärgern und am Ende dann innig küssend und begehrend. Elena hatte nur Bruchstücke des Telefonates mitbekommen, aber es soll, so wie sie es verstanden hat, um eine alte Tempelanlage gehen, welche irgendwo in Argentinien sein soll, wahrscheinlich die Maya. ‚Das war klar, irgendwann musste es passieren ‘, ermahnte sie sich denkend. Enttäuscht stand sie von der Couch auf, welche gerade noch als Spielwiese diente und stellte sich an das Fenster in ihrem Wohnzimmer, traurig und leer in die Ferne blickend, dabei fuhr sie sich durch ihre blonden, zerzausten Haare.

„Das klingt fantastisch und interessant, Sully! Ich bin noch in Denver, werde aber morgen die erste Maschine nach Südamerika nehmen. Also warte auf mich, alter, ungeduldiger Mann. […] Was? Nein, mach dir keine Sorg—Ja. Ja ich bin bei ihr, aber das wird sie schon verstehen.“

Nachdem Nathan aufgelegt hat springt dieser fast regelrecht auf Elena zu, bis er bemerkt, welch verfinstere Miene sie hat. Er ist außer sich vor Aufregung, immer auf der Suche nach dem nächsten Nervenkitzel und auf den  guten, alten Sully ist Verlass, dass er einen solchen meist schnell findet. Er ist perplex, warum sie nun so einen getrübten Eindruck macht, während er vor Vorfreude ganz außer sich ist. Er atmet einmal tief ein und aus, um sich etwas zu beruhigen und legt sanft seine Hand auf ihre Schulter. Doch sie weist ihn ab.

„Geh schon. Los, geh einfach. Auf in die nächste Reise, welche, so wie ich dich kenne, wieder in irgendeinem Kugelhagel enden wird.“ Er versteht nicht, was gerade los ist. Gerade eben waren sie noch eng aneinander vereint und jetzt ist sie so kalt. „Jetzt geh doch schon endlich!“, schreit sie ihn schon fast an, die Augen mit Tränen gefüllt. Verdutzt schaut er sie an. Es war doch klar, dass er früher oder später wieder aufbricht, ob nun zurück nach Florida oder eben dem nächsten Abenteuer hinterher, spielt doch dabei keine Rolle, oder hat er etwas übersehen?

„Hey, ist ja nicht so, dass ich nie wieder kommen würde“, versucht er sich zu rechtfertigen, doch sie schüttelt nur den Kopf. „Aber versprechen kannst du es mir auch nicht“, hält sie dagegen. Ja, natürlich war ein gewisses Risiko bei all ihren Schatzsuchen dabei, aber bisher ist er immer mit einem blauen Auge davon gekommen. „Nein, aber…“, gibt er zu. Doch Elena lässt ihn gar nicht zu Wort kommen, sondern stürmt ins Schlafzimmer, um seine Sachen, die wild verteilt im Zimmer rumliegen, lieblos in seine Tasche zu stopfen und ihn wütend in die Arme zu drücken. Sie bleibt dabei gar nicht stehen, sondern geht mit energischem Schritt weiter zu ihrer Wohnungstür, um ihm diese symbolträchtig aufzuhalten.

„Elena, kommt doch mit, immerhin…“, wieder lässt sie ihn nicht ausreden.
„Weißt du, Nate, ich dachte, dass hier“, dabei deutet sie zwischen sich beiden hin und her, „könnte funktionieren. Aber ich kann nicht so leben. Ich habe einen Job den ich liebe. Ja, auch dieser ist spannend, aber ich bin nicht immer auf der Jagd nach dem nächsten Adrenalin-Kick oder der nächsten Nahtod-Erfahrung. Ja, Eldorado war aufregend und wunderbar und faszinierend, aber das war es. Verdammt, ich wäre mehr als einmal fast umgekommen: sei es von einer morschen Brücke gestürzt, von einer Kugel einer auf mich gerichteten Waffe getroffen oder mit einem Helikopter abgestürzt. Verdammt, ich mache mir einfach Sorgen um dich!“, weinend sieht sie ihn an, sacht den Kopf schüttelnd. Er weiß nicht, was er darauf sagen hätte sollen. Doch das, was danach kommt, hat ihn nur noch mehr die Sprache verschlagen. „Verdammt, Nate, ich glaube, ich hab mich ernsthaft in dich verliebt, du Idiot!“
„Elena… , ich…, du…“, stammelt er vor sich hin, unsicher, welche Worte nun passend wären. „Ich verstehe. Wirklich. Geh einfach…“, sagt sie leise, den Blick und den Kopf nach unten gewandt. Und er ging.
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Unzählige Male hat er auf sein Handy geschaut in den letzten Tagen. Doch keine Nachricht, nichts von ihr. Soll es das schon gewesen sein? Sie ist so anders als die Frauen, die er vorher getroffen hatte, sie war etwas Ernstes, nicht nur zum Vergnügen wie die rothaarige Halbrussin Natasha oder die brünette Chloe. Es lief doch alles so gut. Aber er versteht einfach nicht, warum sie so reagiert hat, warum sie das so verletzt hat. Es war doch von vornherein klar, dass er früher oder später abreisen und wieder auf die Suche gehen wird. Gedankenverloren hängt er den letzten Tagen nach, als er von Sully mit einem Schlag auf den Hinterkopf wieder in die Realität geholt wird. „Wach auf, Jungchen! Hier spielt die Musik!“, ermahnt der mal wieder Zigarre rauchende Sully ihn.  „Ja, ich komme gleich nach, lass mich nur noch ein Telefonat führen, solange es hier Empfang gibt“, antwortet Nate.
Lange saß sie auf dem Bett, ihre Beine angewinkelt und mit den Armen umfasst. Traurig, dass es alles so enden musste. Sie könnte sich selber für ihr Verhalten ohrfeigen, dass sie ihn so rausgeschmissen hat, dennoch war sie enttäuscht. Enttäuscht darüber, dass alles, was sie hatten, auch wenn es vielleicht noch nicht viel war, fallen ließ wie eine heiße Kartoffel, nur um den nächsten Schatz hinterher zu jagen. Sie kommt sich so benutzt, wertlos und verlassen vor. Ja, irgendwann wäre er wieder abgereist, aber nicht so. Nicht so plötzlich und für einen solchen Grund. Verdammt, der Tempel steht schon etliche tausend Jahre und wird auch noch nächsten Monat dort stehen. Traurig schaut sie wieder und wieder auf ihr Handy, in der Hoffnung, dass er sich vielleicht doch meldet. Sie würde sich sogar für ihren affektiven Gefühlsausbruch entschuldigen, solange er den ersten Schritt machen würde. Verdammt, was hat dieser Mistkerl an sich, dass sie ihm so hoffnungslos verfallen ist? Gerade, als sie vor Wut ihr Telefon gegen die Wand schmeißen wollte, vibriert es in ihrer Hand. Erstaunt und erschrocken sieht sie, dass Nate sie versucht zu erreichen. Nervös nimmt sie das Telefonat an.

„Hör zu, Nate, ich war ziemlich ekelhaft zu dir, aber verstehst du nicht, dass es nicht geht? Ja, ich interessiere mich für Archäologie und Geschichte, schon einfach meinem Job geschuldet, aber nicht um jeden Preis.“ Sie hat ihn gar nicht zu Wort kommen lassen und ihn so einmal mehr überrumpelt.
„Schon gut, ist angekommen. Ich wollte dir nur sagen, dass die letzten Tage wirklich unvergesslich waren. Aber… aber ich denke, es ist besser, wenn wir es dabei belassen, okay?“ Seine Worte treffen sie hart, doch sie versucht sich nichts anmerken zu lassen.
„Ja, ist vielleicht besser so… Und hey, viel Glück!“, sagt sie gequält freundlich und verständnisvoll, bevor sie das Telefonat beendet.

Das war es also, denkt er sich stumm, während er auf sein Mobiltelefon schaut. Das Beste, was er in den letzten Jahren zustande gebracht hat, einfach wieder beendet. Aber er hat recht, nur so kann er konzentriert bleiben. Und wenn es so sein soll, werden sie sich wieder treffen. Mit diesem Gedanken versucht er abzuschließen und folgt den schon zugelaufenen Sully, der anscheinend mal wieder nicht genügend Geduld hatte.

Auch Elena schaut stumm auf ihr Telefon in ihrer Hand. „Ich war so dumm und naiv“, sagt sie sich selber, während ein kleines Lächeln ihre Lippen umspielt. Ja, die letzten Tage waren schön. Ja, sie empfindet sehr viel für ihn, aber es wird wohl wirklich vernünftiger sein, es dabei zu belassen und zu den Akten zu legen. Eine spätsommerliche Urlaubsromanze, mehr nicht. Und jeder weiß, dass man mit seinem Urlaubsflirt nicht zusammen bleibt.
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