Nur ein Wort

SongficRomanze / P6
Benjamin Asmus Leonie Stern
20.05.2014
20.05.2014
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Ich hab mich heute dazu durchgerungen endlich meine Gedanken zu Blatt (oder Internetseite^^) zu bringen. Es ist meine erste FF über die Küstenwache, ich hoffe, dass ich das trotzdem alles so halbwegs gut hinbekomme, über Reviews würde ich mich natürlich sehr freuen. Mir hat immer ein bisschen der Zugang gefehlt, aber das Lied heute hat mir irgendwie so einen Anstoß gegeben. Es ist also eine Songfic (Elif – Ein Wort) und handelt so ein bisschen über Leonies altes Leben und ihr neues Leben auf der Polizeischule. Geprägt wird diese Zeit durch eine Begegnung. Es passt nicht ganz in die Geschichte der Serie, aber naja, ich hab schon wieder viel zu viel gelabert... lest selbst :)



Ich war froh, dass ich jetzt auf der Polizeischule bin und doch vermisse ich gerade an so Tagen wie heute mein Psychologiestudium. Diese ganze Physik konnte ich so langsam nicht mehr sehen und doch machte es mir auf abstrakte Weiße Spaß. Ich war ich und nicht gebunden an die Leute, die mich in meinem alten Leben gehalten haben. Vor allem von Luis war ich jetzt endlich frei und hier im Park in der Sonne war es wirklich angenehm. Mit Musik in den Ohren spürte ich das Gras unter meinen nackten Beinen, es war Sommer, die Sonne brannte nur so vom Himmel, aber ich genoss es. Seit ich hier war hatte ich das Gefühl endlich richtig zu leben. Ich nahm alles viel bewusster war, sog die Wärme nur so in mich auf, schloss die Augen.
„Leonie! Sag mal, ist dir nicht warm?“ eine vertraute Stimme klang an mein Ohr. Lea. Ich lernte sie kennen, als ich mich hier nach einem Zimmer umsah. Ich wollte nicht allein sein also suchte ich nach einer WG und wie es der Zufall so wollte, stolperten wir uns so über den Weg und kamen ins Gespräch. Schnell war uns klar, dass das mit uns eine tolle Freundschaft sein würde, wir konnte über alles lachen, über ernste Themen sprechen und auch einfach schweigen, wenn es die Situation brauchte. So wie jetzt.
Ich schüttelte ihr zur Antwort nur den Kopf, sie kannte meine Geschichte und setzte sich einfach neben mich ins Gras, schloss die Augen und lehnte ihren Kopf an meine Schulter.

Tagträumer, neues Leben, neue Freunde, neue Welt.
In der einen Hand mein Herz
und in der anderen Hand mein Taschenrechner.


Als wir für heute endlich den Saal verlassen konnten fragte Lea ob ich nicht noch mit in die Stadt kommen will. Sie ist der geselligste Mensch, den ich kenne und kommt mit jedem sofort ins Gespräch. Ich bin da nicht so, klar gehe ich abends mal gerne weg, mit Freunden, aber dieses große Partyleben ist mir noch immer nicht so geheuer. Ich sah ihren bettelnden Blick und bejahte dann doch. Vielleicht war es ja wirklich ganz gut mal wieder raus zukommen, dem ganzen Stress für ein paar Stunden zu entfliehen.
Ich habe ein schwarzes, enges Kleid an, das mir bis zu den Knien reicht. Es ist elegant, aber nicht spießig, meine Locken fallen mir locker über die Schulter, meine Augen habe ich leicht geschminkt. Die Abendluft ist mild, ein leichter Wind umspielt mein Gesicht. Ich hake mich bei Lea unter und wir ziehen los. Ich lernte an diesem Abend schon viele Leute kennen, vor allem Männer stellte mir Lea immer wieder vor. Ihr Bemühen in allen Ehren, aber so langsam fühlte ich mich wie bei einem Speeddating.
Der Club füllte sich immer weiter, je später der Abend wurde und ich fühlte mich zunehmend unwohler. Ich musste für einen kurzen Moment an die frische Luft, mir wurde alles zu viel. Die mittlerweile etwas kühlere Nachtluft streifte meine nackte Haut. Eine sanfte Gänsehaut überzog meinen Körper, ich schlang die Arme um mich und lehne mich an eine Wand. Im Hintergrund war die Stadt zu hören, Autos, wenn auch nur wenige und die verschiedenen Musikrichtungen der Clubs. In gedämpftem Licht mache ich noch ein paar Atemzüge bevor ich wieder zu den Anderen gehen wollte.
„Hey, du frierst“ nahm ich eine wohlklingende Stimme wahr.
„Hey, ja, ich wollte gerade wieder rein gehen“ antwortete ich ihm zaghaft. Ich war noch nie gut in Smalltalk. Doch er machte nur eine Geste mir seine Jacke umzulegen. In diesem Moment fühlte ich mich geschmeichelt, ein warmes Gefühl machte sich um Mein Herz breit. Lange hatte ich nicht mehr so gelebt, solche zärtlichen Gesten zugelassen und mich nur von meinem Herzen leiten lassen. Mein Herz sehnte sich nach Liebe, das wurde mir in solchen Situationen wieder sichtlich bewusst. Doch ich konnte diese Zweifel gegenüber Männern nicht einfach ausschalten. Luis hatte mich zu sehr verletzt, 'unsere Liebe ist etwas ganz besonderes' hatte er immer gesagt 'Ich werde dich immer lieben'. Heute bin ich schlauer, vielleicht war es auch viel zu naiv ihm zu glauben, aber ich habe wirklich gedacht, dass er meine große Liebe ist. Mit Kindern und alt werden und so, gibt es das wirklich?
Immer mehr von seinen Sätzen geistern mir durch den Kopf. 'Liebes, ich lass dich nicht allein'. Mir wurde die Situation wieder zu viel. Ich streife seine Jacke ab, lächle entschuldigend und gehe zurück in die Bar.

Nachtleben, Kontakte knüpfen, vor fremden Menschen sich selber spielen,
tausend Städte ausprobieren
und immer noch an dich denken.



Sonnenstrahlen kitzelten mein Gesicht, ich öffnete vorsichtig die Augen, das Licht blendete mich, ich ziehe die Decke über meinen Kopf. Wir waren gestern Abend nicht mehr lange weg. Ich habe Lea von meiner Begegnung mit dem Typen erzählt und jetzt könnte ich mir selbst in den Hinter treten, dass ich nicht einmal nach seiner Nummer gefragt hab und einfach so abgehauen bin. Noch einmal lies ich die Situation durch meinen Kopf gleiten, seine Hände, wie sie meine Schultern berühren, der Duft seiner Jacke. Aber ich war mir auch klar, dass ich ihn jetzt wahrscheinlich nicht mehr wiedersehen würde und wenn ich ehrlich war, dann hatte ich auch nicht das Kribbeln im Bauch, ich war nur glücklich und irgendwie auch erleichtert, dass ich einen Mann kennengelernt habe, der es wohl wirklich ernst gemeint hätte. Ich wollte mein Herz noch ein wenig schützen, ich muss es erst noch gesund pflegen, bevor ich es irgendjemandem in die Hand gebe. Noch sind nicht alle Wunden verheilt, platzen bei den kleinsten falschen Bewegungen wieder auf, vielleicht werden Narben zurück bleiben.

Aufwachen, Anpassen, Klarheit schaffen, Gedanken machen,
in der einen Hand mein Herz
und in der anderen Hand mein Telefon.


„Hallo Mama“ meldetet ich mich, als ich mein Handy zwischen meinen ganzen Kissen endlich gefunden hatte.
„Hallo Schatz, wie geht es dir?“ fragte sie mich mit ihrer besorgten Mama-Stimme.
„Mir geht es wirklich gut, ich war gestern mit Lea unterwegs, wir haben ein bisschen gefeiert, neue Leute kennengelernt.“ Ich lächle. Bin Glücklich.
„Du musst aber aufpassen, auf was für Leute du dich einlässt, Kind, ja?“
„Ja Mama“ besänftigte ich sie. „Du, ich muss auflegen, Lea und ich wollen Frühstücken, vielleicht melde ich mich heute Abend noch mal, sonst irgendwann die nächste Woche, grüß Papa“
„Mach ich, grüß Lea ganz lieb von uns und melde dich doch ein bisschen öfter bei uns“
„Ich versuchs, hab dich lieb Mama“
„Ich dich auch, Schatz“
Meine Mama fehlt mir und ich würde sie gerne öfter anrufen, aber mir fehlte hier irgendwie die Zeit, doch ich sehe das als gutes Zeichen.
Ich frühstückte mit Lea, wir redeten über Gott und die Welt, lachten über so manchen Unsinn und machte und dann fertig.

Wieder in diesem großen, dunklen Gebäude kam mir die Hitze noch stickiger vor. Normal lief ich immer die Treppen, doch heute war es mir wirklich zu warm und ich freute mich auf den Fahrstuhl mit Klimaanlage. Ich musste ganz nach oben, einen meiner Berichte von meinem Mentor prüfen lassen, ich war allein. 1-2-pling. Ein junger Mann stieg ein, er lächelte mir kurz zu, ich erhaschte einen Blick in seine blauen Augen, dann schaute er zu Boden. Er stellte sich neben mich, ganz dicht, unsere Schultern berührten sich, ich wollte noch einmal in seine Augen sehen. Ich starrte zu Boden, sein Blick wanderte immer wieder zu mir, ich fühlte ihn. Langsam hob ich meinen Kopf, drehte ihn zu ihm und lächelte leicht, er sah mir direkt in die Augen und fand mich sofort darin wieder. Ein Ozean voller Blautöne, der mich in diesem Moment zu tragen schien. Dann nahm er einfach meine Hand, hielt mich fest, schaute mir in die Augen. Ich wollte nicht, dass dieser Moment je aufhört. Pling.

Im Fahrstuhl standen wir zusammen,
du sahst mich an nimmst meine Hand
und sahst mein Herz wie es pocht, wie es pocht...


„Ich muss hier raus“ sagte er leise, lies meine Hand fallen, lies mich fallen. Zurück blieb ich in diesem kleinen Fahrstuhl, irgendwo gefangen zwischen Traum und Realität. Noch nie hatte ich so gefühlt wie jetzt, so intensiv, so direkt, so spontan. Ich sehnte mich nach ihm, obwohl ich ihn nicht kannte, ich wollte zu ihm und mich in seinen fremden Armen geborgen fühlen, ich wollte wieder in seinen Augen versinken, seine Hand halten.

doch du stiegst einfach aus
ohne ein Wort das mir verrät wer du bist,
nur ein Ort an dem ich mich zuhause fühl
in dieser gottverlassenen Welt.




Pling. Ich musste aussteigen, weiterleben.
Ich brachte meinen Text zu meinem Mentor, ließ mir nichts anmerken, aber ich war verwirrt. Ich verstand nichts mehr. Hatte ich das alles nur geträumt? Wer war er? Warum ist er einfach gegangen? Hatte ich mich wirklich verliebt?
Mit der Zeit dachte ich immer weniger darüber nach, ich lebte weiter, machte meinen Abschluss und bewarb mich für einen Job, Lea ist schon länger weggegangen, sie hat einen Freund und wohnt jetzt mit ihm zusammen. Ich bin allein in der Wohnung, aber es ist okey, ich telefoniere fast jeden Tag mit ihr und wir sehen uns so oft es geht, aber manchmal fehlt sie mir. Heute hatte ich die Zusage für den neuen Job bekommen, ich konnte tatsächlich als Bootsfrau bei der Küstenwache arbeiten. Schon morgen soll ich mich bei meinem neuen Chef vorstellen. Ich wusste nicht, was ich anziehen sollte, Lea half mir sonst immer, wenn es um die Klamotten ging. Ich öffnete meinen Schrank, und sah das schwarze Kleid, kurz überlegt ich mir, ob ich es anziehen sollte, ich entschied mich dann aber doch für meine Lieblingsbluse und eine dunkle Jeans. Ich zog die Bluse heraus. Ich hatte sie lange nicht mehr an. Seit meiner Begegnung im Fahrstuhl hatte ich sie nicht mehr an, aber ich war der Meinung, dass sie sich gut eignet für das Gespräch mit meinem Chef.

Loslassen, weiterziehen, ein neues Ziel egal wohin
jetzt bist du irgendwo und ich muss immer noch an dich denken.


Jetzt stehe ich also hier vor der Türe dieses riesigen Gebäudes in Neustadt. Ich öffnete sie mit einem mulmigen Gefühl, ich war nervös. Gestern Abend hatte ich noch mit Lea telefoniert, ich soll ruhig atmen und immer lächeln. Ich lächelte. Ich nahm den Aufzug in die Etage von Polizeirat Gruber, klopfte an sein Büro und trat ein. Das Gespräch verlief gut, er war ganz nett und sichtlich beeindruckt, dass ich mal ein Psychologiestudium angefangen habe. Wir verabschiedeten uns per Handschlag, ich konnte nächste Woche anfangen. Wieder ging ich in den Aufzug, ein junger Mann stieg ein, schaute mich an mit seinen blauen Augen. Waren es die selben Augen wie damals? Er ergriff meine Hand, hielt sie fest, einfach nur fest, sahst mich nicht mehr an, ich fühlte mich trotz allem geborgen.

Im Fahrstuhl standen wir zusammen,
du sahst mich an nimmst meine Hand
und sahst mein Herz wie es pocht, wie es pocht...


Pling. Er stieg aus, drehte sich zu mir um.
„Ich bin Ben, Ben Asmus“ er drehte sich weg, die Türen schlossen sich, ich ging nach Hause. Ben.
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