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Un événement inhabituel

GeschichteAbenteuer, Liebesgeschichte / P16 Slash
Aramis Athos Porthos
18.05.2014
24.07.2014
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18.05.2014 2.513
 
6  Die nächsten zwei Tage verbrachten die vier Flüchtenden meist zu Pferd oder in kleinen Wäldern , in denen sie  in der Nacht Schutz suchten. Sie begegneten nie einem anderen Menschen, weil sie die Straßen mieden und große Umwege ritten, was ihre Reise noch einmal verlängerte.
Aveline merkte, wie sich vor allem das Verhältnis zu Aramis weiter besserte. Porthos war ein schweigsamer  Mensch, doch stets freundlich zu ihr.

Aber jedes Mal wenn Aveline Zuneigung für einen der drei Männer empfand, so erinnerte sie ihr Gewissen wieder schmerzlich daran, was mit den Menschen geschehen war, für die sie aus Liebe das Herz geöffnet hatte. Es hatte keinen Sinn, freundschaftliche Bande zu schließen, denn sie wussten nicht, was auf ihrer Reise noch alles passieren würde. Es war noch ungewiss, wer sonst noch sein Leben lassen würde, um sie zu retten.
Es war der Abend, bevor sie Orléans erreichen würden. Die ersten Höfe und Häuser als Ausläufer der Stadt waren aufgetaucht und sie hatten sich wieder weiter von der Straße entfernt und  sich in einen kleinen Tannenwald zurück gezogen. Es war schon dunkel geworden, doch sie trauten sich nicht ein Feuer zu entzünden, aus Angst zu viel Aufmerksamkeit auf ihr Versteck zu lenken. Porthos saß an einen Baum gelehnt und pfiff eine leise Melodie vor sich hin. Athos ließ seinen Degen schnell durch die Luft kreisen und hatte dabei die Augen geschlossen, als schliefe er.
Aramis stand etwas weiter weg und blickte durch die Bäume hindurch in den sternenklaren Himmel.

Als Aveline auf ihn zu trat, sah sie, das er etwas kleines in Händen hielt. „Was habt ihr da?“, fragte sie sanft und stellte sich neben ihn.

„Die Halskette meiner Frau.“, sagte er leise und öffnete seine Hand. In ihr lag eine silberne Kette, auf deren Anhänger verschnörkelte Initialen zu lesen waren.

C. A.

„Es ist das Letzte, was ich noch von ihr habe.“
„Erzählt mir von ihr.“, bat Aveline.

Er sah sie einen Moment an, dann nickte er: „Sie hieß Camille und war das schönste Mädchen, das ich jemals gesehen habe. Wir haben früh geheiratet und hatten bereits eine kleine Tochter. Eines Morgens kam sie, kurz bevor ich aus dem Haus ging, noch einmal zu mir und drückte mir diese Kette in die Hand. Sie erklärte nichts, lächelte mich  nur an und ging dann ins Haus zurück.
Heute ist es mir, als hätte sie geahnt, dass irgendetwas passieren würde und sie nicht wollte, dass ich sie vergesse. Und das habe ich auch nicht.

Ich habe an diesem Tag alles verloren, was mir  in meinem Leben wichtig war. Als ich zurück kam, war das Haus verbrannt, meine Frau und mein Kind mit ihm. Alles was ich noch hatte, war ihre Kette.“ Er endete und spannte den Kiefer an, während er wieder die Sterne betrachtete.
Voll Mitleid sah sie ihn an. Aramis,  der immer so fröhlich und voller Tatendrang schien, hatte nun eine ganz andere Seite von sich offenbart, ein dunklen Schatten seiner selbst.


„Und noch einmal!“, schärfte Athos ihnen allen ein, bevor sie mit den Pferden das große Stadttor von Orléans durchqueren wollten, „wir müssen es vermeiden, Aufmerksamkeit auf uns zu lenken. Wir bleiben nur so lange in der Stadt, wie es nötig ist, um ein weiteres Pferd, Verpflegung und warme Decken anzuschaffen.“
Sie nickten und Aveline zog sich ihren Hut noch ein Stück tiefer ins Gesicht. Dann ließen sie sich von den Menschenmassen hinein ziehen, in das Gedränge von Orléans. Obwohl dunkle Wolken an diesem Tag über den Himmel zogen und es immer wieder im Westen unheimlich grollte, war auf den Straßen der Stadt die Hölle los.

Aveline, vollkommen überfordert, rempelte immer wieder Menschen an oder stolperte über einen auf den Boden liegenden Gegenstand. Sie vermied es tunlichst, jemandem wirklich ins Gesicht zu blicken, sah meistens auf die Erde und flehte, dass der Hut ihre Haare gut verbergen konnte.

Bei einem ruppig aussehenden Pferdehändler kauften sie ein viertes Pferd, eine vollkommen schwarze Stute, die immer wieder unruhig den Kopf zurück warf und die Nüstern blähte.

„Das heranziehende Gewitter macht ihr Angst!“, sagte der Mann, „Sonst ist sie ein sehr ruhiges Pferd. Das macht 120 Franc.“ Er warf einen Blick auf Aveline und versuchte unter die Krempe ihres Hutes zu spähen, da drückte Porthos ihm auch schon das Geld in die Hand und Aramis zog Aveline schnell weg, zu einer Frau, die warme Decken und andere Dinge verkaufte. Er wurde immer dunkler um sie herum und man spürte die Spannung, die von dem bald aufziehenden Gewitter ausging.

Sie trafen sich in einer etwas leereren Gasse wieder, auf der nur einige Menschen unterwegs waren. Die Männer luden das Gepäck auf die Pferde und Aveline hatte sich zu ein paar Kindern umgedreht, die sich lachend über die Straße jagten, als mehrere Dinge auf einmal passierten.

Ein dröhnender Knall hallte durch die Straßen von Orléans, uniformierte Männer kamen in ihre Gasse gebogen und Avelines Stute gab ein schrilles Wiehern von sich und bäumte sich auf.
Mit hoch erhobenen Händen stürmte Aveline auf sie zu, versucht sie zu beruhigen. Sie bekam einen  Stoß vor die Brust und fiel nach hinten auf die, von dem plötzlich heftig einsetzenden Regen nasse Straße. Sie spürte, wie sich Hut und Spange von ihrem Haar lösten.

Schon war Athos bei ihr und zog sie schnell wieder auf die Füße. „Seid ihr...?!“
Doch er konnte seinen Satz nicht zu Ende führen, denn schon waren mehrere laute Schreie und Rufe zu hören.

„Die Tochter des Königs!“

„Los, schnell!“, zischte Athos und hob sie schnell auf ihr Pferd, das sich wieder beruhigt hatte, „Sie haben euch erkannt, ihr müsst fliehen!“ Geschockt  nickte sie und gab dem Pferd die Sporen und es stürmte davon. Menschen sprangen, flüchteten vor ihr, als ihr Pferd durch die enge Gasse galoppierte. Sie blickte nach hinten und sah, dass Porthos, Aramis und Athos ebenfalls wieder auf ihren Pferden waren und ihr  folgten.
Durch das Donnern und die aufgebrachten Rufe der Passanten konnte sie Gewehrschüsse hören und senkte den Kopf, bis dicht an die Mähne ihres Pferdes.
Aramis überholte sie, während sie sich immer noch einen Weg durch das Chaos bahnten. Ihre Haare klebten ihr im Gesicht und der Regen erschwerte das Sehen. Immer noch waren laute Schreie hinter ihnen zu vernehmen, oft unterbrochen durch Donner und Gewehrschüsse.
Endlich kam vor ihnen das Stadttor in Sicht und Erleichterung ließ Aveline aufatmen.

Plötzlich ertönte ein Schmerzensschrei, ein lautes Wiehern und ein Krachen hinter ihr. Sie riss ihr Pferd herum.
Athos Schimmel war zu Boden gegangen, Blut strömte aus seinem hinteren Bein. Der Reiter war aus dem Sattel geschleudert worden und lag ein paar Meter entfernt auf der Erde.

„Athos!“, rief Aveline und wollte  von ihrem Pferd herunter springen und dem stöhnenden am Boden liegenden zur Hilfe eile, doch schon kamen Soldaten auf sie zu gestürmt und hoben ihre Gewehre. Mit einem letzten verzweifelten Blick auf ihren Freund und Gefährten, wendete sie ihr Pferd und jagte Porthos und Aramis hinterher durch das Stadttor.

Sie warf noch einen letzten Blick zurück, doch eine große Menschentraube hatte sich bereits um Athos gebildet und so blieb das, was danach geschah ihrem Blick verborgen.

Der junge Mann wurde auf die Füße gerissen und abgeführt. Man brachte ihn zum Stadthalter von Orléans  und es wurde befohlen, ihn wegen Störung des städtischen Friedens und der Beihilfe zur Flucht eines Mitglieds des Königshauses, ins Gefängnis zu bringen. Dort saß Athos also in einer Zelle zwischen hochgestellten und adeligen Personen aus ganz Orléans und wartete auf seine Urteilsverkündung.

Während dies alle geschehen war, hatten Aveline und ihre beide Gefährten schon lange wieder ihren schützenden Wald erreicht und hatten überlegt, wie sie ihren Freund befreien sollten.

„Ich bin sicher, er wurde in das Gefängnis von Orléans gebracht.“

„Da macht keinen großen Unterschied!“, sagte Porthos, „Egal wo er ist, wir haben keine Möglichkeit, ihn zu befreien, Aramis. Wir sind nur 3 gegen eine ganze Stadt. Sicher wurden schon alle informiert, dass wir hier sind.“

„Aber wir können ihn auch nicht zurück lassen.“, sagte Aveline und rieb sich immer noch eine Rippe, die sie sich bei dem Tritt vermutlich verstaucht hatte, „Er ist unser Freund, wir müssen es wenigstens versuchen.“

„Wenn wir uns die Uniformen der Wache beschaffen, dann hätten wir schon einmal Zugang zum Gefängnis. Dort müssten wir eben weiter sehen.“

„Ich habe auch noch eine andere Idee.“, überlegte Aveline, „Aber dafür bräuchte ich meinen Hut wieder.“

„Ich habe ihn!“, sagte Porthos, „Ich hob ihn auf, als ihr gestürzt seid.“ Und er zog einen etwas zerdrückt aussehenden Hut unter seinem Mantel hervor.

„Mit ihm könnten wir es schaffen nicht nur ungesehen in das Gefängnis hinein, sondern auch wieder heraus zu kommen.“

„Wie wollt ihr das anstellen?“, fragten die beiden Männer und sahen Aveline ungläubig an.


Die Nacht war kühl, denn ein sanfter Wind blies von Osten und ließ die Blätter der Bäume, die nahe der Stadtmauer standen, leise rascheln. Hoch oben in den Ästen einer alten Buche saßen drei Gestalten zusammen gekauert und warteten.

„Also wenn euer Plan uns nicht umbringt, dann ist er genial.“, knurrte Porthos, dann sprang er nach vorne und hielt sich an der Kante der Mauer fest und lauschte. Kein Laut war zu vernehmen. Sie hatten einen guten Platz gewählt, nur alle paar Minuten überprüften die Stadtwachen diese Stelle. Schnell hievte Porthos sich hinüber und verschwand für einige Minuten in der Dunkelheit. Als er zurückkam, hielt er ein Kleiderbündel in Armen.

„Die Wache war wirklich leicht zu überwältigen!“, lachte er und zog sich rasch um. Aramis sprang ebenfalls hinüber und tat es Porthos gleich. Als er wieder auftauchte hatte er ebenfalls ein Kleiderbündel in Armen, doch ganz unversehrt war er nicht geblieben. Blut lief aus seiner Nase.

„Diese nicht!“, brummte er und zog sich um.

Als letztes war es nun an Aveline, hinüber zu kommen. Sie schloss für einen Moment die Augen und atmete tief durch. Der Moment nachdem ihr rechter Fuß den Ast verlassen, ihre Hände aber noch nicht die Stadtmauer erreicht hatten, war es ihr, als würde ihr Herz aufhören zu schlagen. Doch schon packten zwei starke Hände sie und sie wurde über die Mauer gezogen.

Leicht außer Atem standen sie nun auf der Brustwehr der Stadtmauer von Orléans und blickten sich um. Nur ein paar Meter von ihnen entfernt führte eine Treppe hinab in die Stadt hinein, die nun zu dieser späten Stunde vollkommen verlassen aussah.

„Dann los!“, flüsterte Aveline und zog sich den Hut wieder tief über ihr Gesicht. Dann nahmen die beiden Männer in ihre Mitte und liefen los in Richtung des großen Gefängnis von Orléans. Sie begegneten niemandem auf ihrem Weg, keine Wache schien unterwegs zu sein. Erst am Eingang zum Gefängnis kam ihnen eine uniformierte Gestalt entgegen, doch sie würdigte sie keines Blickes. Dass Gefangene abgeführt wurden, was hier zweifellos der Fall war, war in solch einer großen Stadt keine Seltenheit. Erst heute morgen hatte es wieder einen Zwischenfall gegeben.
So gelangten Aramis, Aveline und Porthos ohne Aufsehen zu erregen hinein in das, wenn man es zynisch sagen wollte, Herzstück der Stadt, denn noch nie waren so viele Menschen auf einmal an diesem Ort gewesen, wie zu dieser Zeit.

„He, du!“, knurrte Porthos einen kleinen Mann in Uniform  an, der schon zusammen zuckte, als der stattliche Porthos ihn nur ansah, „Wir bringen einen Gefangenen hierher. Man sagte mir, er müsse in die Zelle des Mannes, der heute vor den Stadttoren für solch eine Aufregung gesorgt hat. Könnt ihr mir sagen wo das ist?“

Zitternd nickte der Mann und stotterte hastig: „Es ist nicht weit von hier, nur da vorne nach rechts und dann eine Treppe hinunter, dann seid ihr auch schon da!“

Porthos stiefelte an ihm vorbei und zog dabei die verkleidete Aveline mit sich. Aramis warf noch einen drohenden Blick auf den immer noch vor Angst zitternden Mann, dann lief er den beiden hinter her.

„Es bereitet euch wohl Freude, anderen Angst einzujagen?“, fragte Aveline den glucksenden Porthos und zog eine Augenbraue hoch, was man unter dem Hut natürlich nicht sah. „Selbstverständlich!“, sagte Porthos. Sie waren in einem von Fackeln erleuchteten Gang angelangt, in dem weit und breit niemand zu sehen war.

„Diese hier müsste es wohl sein!“, sagte Aramis und berührte eine massiv aussehende Holztür. „Tretet einen Schritt zurück!“, sagte Porthos.  Aveline wich zurück und ein Krachen war zu hören. Porthos hatte doch tatsächlich die Tür eingetreten. Aveline blickte ihr einen Moment verwundert an, dann stürmte sie schnell in den kleinen Raum hinein.

Eine Gestalt saß zusammen gesunken an der harten Steinwand. Sie trug nur noch ein weißes Hemd und eine braune Hose. Die Haare klebten ihr wirr im Gesicht und Schrammen waren auf ihren Händen zu sehen. „Athos?“, keuchte Aveline und strich ihm die Haare aus dem Gesicht. Ihm war offenbar übel zugesetzt worden, er hatte die Augen geschlossen und auch auf seinem Gesicht war Blut zu sehen.

„Porthos, Aramis, ihr müsst mir helfen, er ist ohnmächtig!“ Porthos hob ihn hoch und stütze ihn so gut es ging, während sie wieder aus der Zelle heraus traten und erschrocken inne hielten. Dort stand der kleine uniformierte Mann und starrte sie an. Unfähig zu sprechen und mit vor Schreck glasigem Blick öffnete er immer wieder den Mund und schloss ihn wieder und sah dabei aus wie ein zu groß geratener Fisch auf dem Trockenen. Aramis trat schnell auf ihn zu, doch schon gab er ein unmenschlich hohes Quieken von sich und brach auf dem Boden zusammen.

„Armer Teufel!“, sagte Aramis, dann nahm er Aveline am Arm und die vier begannen schnell ihren Rückweg, hinaus aus dem Gefängnis. Doch der laute Knall der Zellentür hatte auch die restliche Wache auf den Plan gerufen und von überall her hallten laute Rufe und Schreie.
Wieder verfolgt rannten die vier durch Orléans. Schließlich schafften sie es zu der Stelle zu gelangen, an der sie in die Stadt eingedrungen waren. Aramis sprang mit einem schnellen Satz über die Mauer und rollte sich auf der anderen Seite auf dem Gras ab.

„Madame Aveline, los, ihr müsst springen!“ Mit einem schrecklichen Gefühl in der Magengegend blickte sie hinunter auf den fast 5 Meter entfernten Boden, dann ließ sie sich fallen. Einen Moment später lag sie schon in Aramis Armen, der sie breit anlächelte: „Das war doch nicht schwer!“
Auch sie musste lachen, dann drehte sie sich zu Porthos und Athos herum. Doch zu ihrer Überraschung stand Porthos der seinen Freund immer noch stützen musste, bereits hinter ihr.

„Wie habt ihr...?“ Er musste bei ihrem vollkommen entgeisterten Gesicht lachen, doch schon waren über ihnen laute Stimmen zu hören und sie machten, dass sie davon kamen.
Erst als die ersten Bäume des Waldes in Sicht kamen, verlangsamten sie ihre Schritte, bis sie endlich ihr kleines Lager erreichten.

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Hallihallo ihr Lieben. Nach einer kurzen Pause melde ich mich zurück mit einem etwas längeren Kapitel. Danach müsst ihr euch aber etwas länger gedulden, wegen Schule und so -.- Aber in einer Woche sind ja dann auch schon Ferien und dann hab ich auch auf jeden Fall wieder mehr Zeit zu schreiben.
Ich wünsch euch viel Spaß beim Lesen und ihr könnt wie immer gerne eine Review dalassen, darüber freut man sich ja immer ;)
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