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Un événement inhabituel

GeschichteAbenteuer, Liebesgeschichte / P16 Slash
Aramis Athos Porthos
18.05.2014
24.07.2014
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18.05.2014 1.851
 
Als man im Osten schon einen grau roten Schimmer erkennen konnte, traten sie auf eine kleine Anhebung und blickten von dort hinunter auf das Land, das friedlich vor ihnen lag. Frisches Gras umgab den großen Landsitz, der mitten in der Landschaft zu stehen schien und zu dem nur eine kleine Straße hinführte. Große Trauerweiden und Kaiser- Linden bewegten leicht ihre Äste zu dem Wind, der von Westen kam und auch Avelines Haar kräuselte. Sie seufzte erleichtert auf und fuhr sich ein wenig über die Stirn. Müdigkeit floss durch ihren Körper wie zähflüssiger Honig in ein Glas und ihren drei Begleitern schien es nicht anders zu gehen.

„Ich müsst mich sprechen lassen, ich bin die Einzige, der er vertrauen wird. Er ist bestimmt bereits schrecklich misstrauisch jedem Fremden gegenüber.“ Aveline sah den Männern noch einmal in die Augen, dann wandte sie sich um zu der großen Flügeltür und betätigte den Türklopfer.

Die Tür wurde nach einigen Minuten mit einer ungeheuren Kraft aufgerissen und Aveline trat erschrocken einige Schritte zurück. Sie spürte, wie die Männer hinter ihr nach ihren Degen griffen und auch sie selbst machte sich breit für einen Angriff.
Ein stattlicher Mann stand vor ihn, seinen Perücke hing ihm schief im Gesicht und rote Flecken waren auf seinem Hals und seinem Gesicht zu sehen. Alles in allem machte er einen sehr ungeordneten Eindruck.

Einen Moment sah er die vier Gestalten, die dort im Licht der aufgehenden Sonne standen verwundert an, dann erkannte er die junge Frau, die in mit verschreckten Blick musterte und er keuchte auf.

„Madame Aveline, ich.. ich meinte...!“ Dieses Gestotter ließ Aveline noch mehr an dem gesunden Geisteszustand dieses Manns zweifeln.

„Monsieur du Plomb?“ fragte sie vorsichtig.

„... Ich meinte sie seinen tot! Euer Vater schrieb mir bereits vor drei Tagen, dass ihr bald meinen Wohnsitz erreichen würden.“

„Wirklich?“ Aveline musste du Plomb mehrere Male ihre Geschichte genau erläutern, bis er sich wieder einigermaßen gefangen hatte.


„Und.. euer Vater, eure Majestät ist wirklich tot?“ Aveline brachte nur ein Nicken zustande und verschloss ihre Hände fest ineinander. Sie hatte auf einem bequemen Sofa in einem der vielen Zimmer des Hauses Platz genommen. Athos, Aramis und Porthos standen hinter ihr und hatten ebenfalls schweigend gelauscht. Auch sie schienen immer noch schwer getroffen vom Tod des Königs.

Plötzlich sprang du Plomb auf und verbeugte sich ein wenig:
„Ich bitte um Verzeihung. Ihr müsst eine  schreckliche Reise hinter euch haben. Ihr seid sicher erschöpft und habt Hunger. Ich werde meine Diener rufen und alles für euch bereit machen.“

„Vielen Dank, Monsieur. Ich wusste, wir können auf ihre Unterstützung hoffen.“ Dann beugte sie sich hinunter und machte einen leichten Knicks.

Als die Amme die Tür sanft hinter ihr schloss, seufzte Aveline leise auf. Sie blickte sich in dem hübschen Zimmer um und ihre Augen wanderten über das große Himmelbett und die Kommode aus Massivholz. Die Vorhänge waren in warmen rot und gold Tönen gehalten und rochen leicht nach Lavendel. Sie zog ihr Kleid vom Körper und griff nach dem großen Eimer voll heißen Wasser, den die Amme neben ihr auf einen kleinen Schrank gestellt hatte. Als das Wasser ihr Gesicht berührte, vermischte es sich schnell mit warmen, salzigen Tränen und als Aveline sich mit einer schwarzen Bürste durch ihr Haar fuhr, brannten ihre Augen bereits. Sie zog ihr Nachtgewand über, schlug die dicke Decke zurück und schlüpfte rasch darunter. Noch immer liefen Tränen in rascher Folge über ihr Gesicht und ließ ihren Kopf brennen und stechen. Obwohl Erschöpfung ihre Glieder und  ihre Gedanken schwer und träge machten, dauerte es noch lange, bis der Schlaf sie endlich übermannt hatte.

Als sie das nächste Mal erwachte, wusste sie nicht ob es Tag oder Nacht war. Die Vorhänge ließen kein Licht hindurch scheinen. Schwerfällig erhob sie sich und wankte zum Fenster. Als sie die Vorhänge zur Seite schob, stach ihr Sonnenlicht in die Augen und sie hob schützend die Hände.

„Wie lange habe ich in Gottes Namen denn bloß geschlafen?“, murmelte sie und blickte sich in ihrem nun hellen Zimmer um. Jemand war da gewesen und hatte neue Kleider auf die Kommode gelegt. Sie trat näher. Es war ein hell blaues Kleid mit feinen silbrigen Stickereien verziert, das sicher wunderbar zu ihren dunkelroten Haaren passen würde. Sie wusch sich das Gesicht mit dem kaltem Wasser vom Abend zuvor, dann zog sie das Kleid an und bürstete sich die Haare.

Einen Moment überlegte sie, eine Amme zu rufen, doch sie unterließ es. Ihr Leben, in dem sie immer von Menschen umsorgt und verhätschelt worden war, war nun vorbei.  Sie hatte einen Traum gelebt und nun war es Zeit auf zu wachen.

Ihren Degen in der Hand trat sie auf den Flur und stieg die vielen Treppen nach unten. Im sonnenbeschienenen Innenhof des stattlichen Hauses fand sie Aramis und Porthos, die in einen spielerischen Degenkampf vertieft waren. „Guten Morgen!“, rief Aveline lachend.

Athos saß ein einer schattigen Ende und ließ seinen Degen zischend durch die Luft wirbeln. Er hatte nur einen sehr flüchtigen Blick für sie übrig.
Aramis stoppte den Kampf und kam auf sie zu. Er verbeugte sich kurz, dann lächelte er.

„Ich hatte mir überlegt, dass wir unseren Kampf wiederholen sollten, den ihr, nicht ganz fair gewonnen habt. Ihr hattet Recht, wir waren eine Schande für den französischen König und deshalb möchte ich euch von unserem eigentlichen Können überzeugen.“

„Wenn ihr das wünscht!“, sagte Aveline ernst und hob den Degen. „Zeigt mir, was die Garde des Königs wirklich kann.“

Doch Aveline hatte sich einen kleinen Vorteil verschafft. In der Nacht als sie die drei traf, hatte sie sehr genau beobachtet, wie sie  kämpften und hatte unterschiedliche Kampfstile bei jedem ausmachen können.

Aramis war ein guter Kämpfer, doch leider sehr vorschnell und seine Schläge waren am Anfang zwar  kräftig, doch wenn der Kampf länger dauerte, so verlor er seine Härte und für den Gegner war es um einiges einfacher, ihn von seinem Degen zu trennen.
Ein letztes Mal zischte Avelines Degen durch die Luft und Aramis stand ohne seine Waffe vor ihr. Er konnte sich ein Lachen nicht verkneifen und beugte sich hinunter, um seinen Degen von der Erde aufzuheben.

„Ihr habt mich leider nicht wirklich überzeugt, Monsieur!“, sagte Aveline und lächelte wieder. „Wollen wir doch einmal sehen, ob euer Freund es schafft.

Auch bei Porthos hatte Aveline bereits ein spezifisches Kampfverhalten ausmachen können. Er war kräftig und um einiges größer als seine beiden Freunde, das machte ihn auch stärker und ausdauernder. Seine Schläge waren gezielt  und trafen immer ihr Ziel. Doch seine beinahe schon hünenhafte Gestalt ermöglichte ihm keine Wendigkeit und oft war er nicht schnell genug, um Avelines Degenstößen auszuweichen.  Außerdem war er, genau wie sein Freund Aramis oft viel zu vorschnell und zeigte seinem Gegner meist dadurch seine nächsten Schritte.

Das laute Klirren von Porthos Bogen ließ Athos den Kopf heben und für einen kleinen Moment trafen sich sein und Aveline´s Blick.
Schwer atmend hob Porthos seinen Degen auf und lächelte die zierliche Gestalt vor ihm gutmütig an.

„Ihr seid wirklich gut. Wo habt ihr gelernt so exzellent mit dem Degen umzugehen?“

„Ich sah, als ich elf Jahre alt war, die Garde des Königs in Palasthof mit ihren Degen üben und von diesem Moment wollte ich so etwas auch tun.“

„Aber euer Vater hat es euch bestimmt nicht erlaubt, solch ein Ding in die Hand zu nehmen, habe ich nicht Recht?“ Aramis sah sie interessiert an.

Sie nickte und dachte immer noch mit leiser Angst an den sonnigen Maitag zurück, an dem sie ihren Wunsch geäußert hatte, einen Degen in die Hand zu nehmen. „Nein, er verbot es mir, also habe ich mir einen Degen genommen, auch wenn es mir nicht zustand. Seit diesem Tag über ich jede Nacht heimlich, damit ich  besser werde.“
Aramis und Porthos nickten: „Und habt ihr es eurem Vater jemals gestanden?“

Sie schüttelte den Kopf und wandte sich ab. Der Gedanke an ihre Familie schmerzte, doch sie wollte es nicht den Männern offenbaren.

„Athos, willst du es denn nicht einmal versuchen, Madame Aveline von dem Können der Musketiere zu überzeugen?“ Aramis hatte sich, taktvoll wie er war, zu seinem Freund und Gefährten herumgedreht. Doch bevor Athos antworten konnte, kam Monsieur Du Plomb aus der Tür ins Freie getreten und kam lächelnd auf sie zu: „Meiner Meinung ist genau jetzt der richtige Zeitpunkt für ein kleines dîner auf der gemütlichen Terrasse meines Anwesens. Wollen sie mir Gesellschaft leisten?“



„Vor etwa einer Stunde erreichte mich ein Bote aus Paris!“ Aveline und die drei Musketiere hoben den Kopf und blickten Monsieur du Plomb überrascht an. Vor  einer Minute hatte er ihnen noch genauestens die Architektur seines Landsitzes erläutert. Nun lag seine Stirn in tiefen Sorgenfalten und er hatte die Hände gefaltet, als würde er beten.

„Chaos herrscht in ganz Frankreich. Die Revolution hat sich in nicht einmal zwei Tagen bis nach Marseille ausgebreitet. Die Menschen sind auf der Straße und metzteln alles nieder, was sich ihnen in den Weg stellt. Adelige und hochgestellte Persönlichkeit werden grausam getötet und offenbar geht das alles von einem einzigen Mann aus. Er hat das Volk dazu gebracht, sich solch einem Hass und einer Zerstörungswut hinzugeben.“

„Und wer ist dieser Mann?“, fragte Athos und beugte sich leicht vor.

„Kardinal Lasalle.“

Aveline blickte in die angespannten Gesichter der vier Männer, die bei dem Namen wie zu Eis erstarrt waren.

„Darf ich erfahren, wer das ist?“

„Er war einer der Vertrauten eures Vaters und genoss ein hohes Ansehen in ganz Frankreich.“

„Mein Vater vertraute ihm?!“, fragte Aveline  und sprang auf, entsetzt von dieser Aussage. Wie hatte ihrem Vater nur so ein schrecklicher Fehler unterlaufen können. Wir hatte er so viel Vertrauen in eine solch abscheuliche Person haben können.

„Er hat eine falsche Entscheidung getroffen und musste dafür mit seinem Leben bezahlen.“, sagte Aramis tonlos und blickte über den Tisch hinweg auf das Gras und die Bäume, die sich bis an den Horizont erstreckten. „Und jetzt gibt es für uns keine Möglichkeit mehr zu fliehen. Das Volk wird so lange nach euch suchen, bis es euch gefunden hat und ihr genau das gleiche durchmachen musstet, wie eure Familie.“

Aveline atmete tief ein und strich sich über ihr langes Kleid. Eine schreckliche Angst hatte sie gepackt. So viele Menschen trachteten ihr nach dem Leben, wollten Schmerz und Leid in ihrem Gesicht sehen, wollten sehen wie der Kummer sie vollkommen vernichtete.
Eine Hand vor dem Mund und mit Tränen in den Augen stand sie abgewandt von den anderen und blickte auf das friedliche Bild, das sich ihr bot. Grünes Gras und hohe Bäume, die sich sanft im Wind bewegten. Zarte Wolken, die über den Himmel hinweg zu fließen schienen.

„Wir werden nicht ewig hier bleiben können!“, sagte Aramis sanft aber bestimmt. „Auch hier werden die Menschen bald nach euch suchen. Ihr müsst auf dem schnellsten Weg nach England gelangen.“

Sie nickte und sah jedem von den Anwesenden fest in die Augen. „Morgen früh brechen wir auf.“

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So ein neues Kapitel. Ihr könnt mir gerne Reviews dalassen wie ihr es bis jetzt so findet. Auch würde ich gern von euch wissen ob mein etwas altertümlicher Schreibstil eurer Meinung nach zu der Geschichte passt oder ob er sich schon  zu albern anhört :D :3
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