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Un événement inhabituel

GeschichteAbenteuer, Liebesgeschichte / P16 Slash
Aramis Athos Porthos
18.05.2014
24.07.2014
18
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18.05.2014 1.141
 
Das junge Mädchen stand hinter einer breiten Säule und sah vollkommen gebannt auf den sonnenbeschienenen Innenhof. Ihre mandelförmigen, grünen Augen verfolgten  fasziniert das Schauspiel, das sich ihr dort bot. Die Leibgarde war  versammelt, ein Meer aus rot und golden gekleideten Männern, die ihre in der Sonne funkelnden Degen in einer perfekten Synchronizität schwangen.  Die Faszination der Kindes richtete sich vor allem auf die makellose Einheit, die all diese Männer bildeten und die Geschwindigkeit der Waffen, die durch die Luft zischten.
Plötzlich verdunkelte sich der Innenhof, eine große Wolke hatte sich vor die warme Maisonne geschoben. Ein heftiger Wind fuhr durch das lockige, rote Haar der versteckten Beobachterin. Dem Mädchen wurde es unnatürlich kalt und ein Gänsehaut überzog ihre Unterarme, die nicht von ihrem Satin-blauen Kleid bedeckt waren. Die Männer auf dem Hof ließen sich nicht davon stören, doch sie hatte plötzlich eine seltsame Unruhe ergriffen und  drehte sich vorsichtig um.

„Hallo papà!“, sagte das Mädchen zaghaft und machte einen tiefen Knicks vor dem großen Mann, der vor ihr stand. Er trug einen Rock, der mit einem niedrigen Stehkragen versehen war und eine hellblaue Weste. Seine Augen waren von einem undurchdringlichen schwarz, die gleiche Farbe hatte seine Perücke. Seine Tochter ähnelte ihm in keinster Weise. Sie warf ihm einen verschämten Blick zu, schwieg und wartete.

„Was tust du da, Aveline?“ Obwohl er die Stimme nicht erhoben hatte, zuckte sie zusammen.

„Nichts papà! Ich habe nur gespielt.“

„Du hast die Leibwache beobachtet.“  Er blickte an ihr vorbei. „Warum?“

„Ich fand die Degen so hübsch! Oh, papà darf ich auch einmal so etwas haben?“ Sie wusste, dass sie mit dieser Frage zu weit gegangen war und bekam auch gleich die Strafe dafür. Ein lauter Knall hallte durch den Hof, doch selbst das brachte die Männer nicht zum Aufhören. Noch immer waren sie auf das Schwingen ihrer Waffen und die Schrittfolge fixiert.
Aveline hielt sich die Wange und brachte keinen Ton hervor. Es war schon oft vor gekommen, dass man sie geschlagen hatte und trotzdem schaffte sie es nie, Tränen ganz zu unterdrücken. Sie stand einfach nur da, während etwas heißes über ihre Wange lief und sie krampfhaft versuchte, nicht zu schluchzen.

„Für ein Mädchen schickt es sich nicht, so etwas zu fragen. Ein Mädchen schweigt und tut das was man ihr sagt. Du wirst niemals einen Degen in Händen halten, sondern dich um deinen Pflichten kümmern!“

„Ja papà!“, flüsterte sie.

„Geh jetzt und widme dich dem Klavier. Monsieur Ledoux erscheint in etwa einer Stunde.“

„Ja, papà!“, sagte sie noch einmal, dann ging sie rasch an ihm vorbei.

„Aveline!“ Sie drehte sich noch einmal zu ihrem Vater um, der die Hände hinter den Rücken gelegt hatte. „Ich möchte dich nie wieder in der Nähe der Leibgarde sehen, wenn du andere Pflichten zu erfüllen hast. Hast du das verstanden?!“

Sie nickte und schlug dann die Augen nieder. Nachdem sie fort gegangen war, stand der König noch eine Weile neben der Säule und betrachtete das Schauspiel. Er hatte seine Tochter belügen müssen. Monsieur Ledoux würde nie wieder hier erscheinen. Er war heute morgen in die Bastille nach Paris gebracht worden, wegen Hochverrat am König. Er persönlich hatte die Anklage erhoben.
„Die Welt ist im Wandel...“, murmelte der Mann und legte eine Hand an den kühlen Stein. „Werden wir mit ihr ziehen, oder verweilen müssen?!“

Vier Jahre später

Die Füße der jungen Frau machten kein Geräusch, als sie schnell über den edlen Teppich hinweg schritt, immer auf die Kammer zu, wo die Degen untergebracht waren. Die Tür öffnete sich mit einem sanften Klick und ihr Rock raschelte leise, als sie sich durch den Spalt zwängte.

Nun war sie dort und betrachtete voll Staunen und mit laut klopfendem Herzen die vor ihr liegende Vielfalt an Waffen. Vorsichtig trat sie auf einen breiten Schrank zu und umfasste mit ihrer rechten Hand das kalte Metall. Ein feines Lächeln lag auf ihren Lippen, als sie ihn vorsichtig herausholte und betrachtete. Wie oft hatte sie sich gewünscht, solch ein Ding in Händen zu halten, dass Metall an ihren Fingern zu fühlen, die Macht zu spüren, die von ihm ausging.

Und heute, an ihrem 15 Geburtstag war es endlich soweit. Rasch schlug sie ihn in eine blass-rosa Decke ein und presste ihn eng gegen ihre Brust. Dann trat sie wieder vor die Tür und blickte auf den Gang. Er schien verlassen und sie trat  ihren Rückweg zu ihrem Zimmer an. Doch kaum hatte sie ein paar Schritte gemacht, da packte sie auch schon jemand grob am Arm. Vor Schreck ließ sie das Bündel an ihrer Brust fallen und der Degen fiel laut klirrend zu Boden.

„Madame Aveline?!“, flüsterte eine Stimme neben ihr. Es war Monsieur Rousel, der zweite Berater des Königs. Er war noch jung, hatte ein gutmütiges Gesicht und am Hof machte das Gerücht die Runde, er sei durch Betrug und Bestechung an seinen hohen Posten gekommen. Nun blickten seine hellblauen Augen zunächst überrascht auf die junge Frau, die vor ihm stand, dann richtete er seine Aufmerksamkeit auf das Bündel, das neben ihnen lag.

„Was habt ihr da, Madame?“

„Das ist nichts!“, sagte sie hastig und hob es wieder auf, „Ich fand es auf dem Weg.“

Doch Rousel hatte längst verstanden. Er hatte sie aus der Waffenkammer gehen sehen und nun breitete sich Furcht auf seinem Gesicht aus. „Wenn euer Vater davon erfährt...!“

Schnell legte sie ihm einen Finger auf die Lippen: „Aber er muss es nicht erfahren, Monsieur. Bitte, als unser kleines Geheimnis und als  Geburtstagsgeschenk! Kann ich ihnen vertrauen?“

Einen Moment schien er gefangen von ihren Augen, dann flüsterte er: „Natürlich, Madame.

„Oh danke, Monsieur!“, rief sie, dann raffte sie ihren Rock hoch und rannte schnell davon, den Gang entlang und die Treppe hinauf. Sie spürte, dass er ihr noch hinterher sah.

Das war der Tag, an dem sich Monsiuer Rousel in Aveline, die Tochter des Königs verliebte.

Von dieser Nacht an übte Avelin täglich mit ihrem neu erstandenen Degen. Sie hatte es in den letzten Jahren immer wieder geschafft, sich von ihren Pflichten zu lösen und heimlich den Innenhof aufzusuchen, wo die Leibgarde  ihren Übungen nachging. Dort hatte sie meistens gut versteckt gestanden und versucht, sich die schwierigen Schrittfolgen und Handgelenkbewegungen zu merken. Jetzt versuchte sie, sie selbst auszuführen, selbstverständlich immer heimlich und nachts, wenn nur noch das leise Schnarchen ihrer Amme aus dem Nebenzimmer zu vernehmen war.

Sie spürte in den nächsten zwei Jahren häufig Rousel´s Blick auf ihr ruhen und sah das leise Verlangen in seinen Augen aufblitzen, wenn sie einen Raum betrat, doch kümmerte sich nicht  darum. Der Gedanke an einen Mann lag noch in weiter Ferne und selbstverständlich würde es, wenn es einmal so weit war, nicht Rousel sein.
Sie wollte sich lieber zu verteidigen wissen, als für einen großspurigen  Mann, ohne jegliche Manieren den Haushalt erledigen.


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