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Un événement inhabituel

GeschichteAbenteuer, Liebesgeschichte / P16 Slash
Aramis Athos Porthos
18.05.2014
24.07.2014
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18.05.2014 1.293
 
Sie musste eingenickt sein, so wie sie es in den letzten Stunden oder Tagen oft getan hatte. Ihr Zeitgefühl war völlig aus den Fugen geraten. Ihre Zelle besaß keine Fenster, so wusste sie nicht einmal wann es Tag und wann es Nacht war. Ihre Glieder fühlten sich schwer wie Blei an, ihre Kehle schien ausgedörrt und ihre Haare waren verklebt und hingen kraftlos herunter.
Oft versuchte sie, sie mit ihren Fingern ein wenig durchzukämmen, doch es half nicht wirklich. Es war mit Schlafen und Nachdenken die einzige, ihr sinnvoll vorkommende Beschäftigung. Nun war sie wach und starrte an die kalte Zellenwand. Es war schon so lange her, seitdem Rousel bei ihr gewesen war und Resignation hatte erneut von ihr Besitz ergriffen. Sie wünschte sich nichts sehnlicher, als mit Athos oder einem der anderen reden zu können. Betrübt strich sie sich durch die Haare.

Plötzlich hörte sie das Klirren von Schlüsseln vor der Tür. Sie sprang auf ihre Füße und presste sich gegen die Wand. Was war wenn Rousel sie vergessen hatte? Oder was wenn er schon hingerichtete worden war? Sie wusste, wie verwoben die Intrigen in den Kreisen der Adeligen waren. Knarrend ging die Tür auf und erleichtert atmete sie auf. Im Türrahmen, hell erleuchtet wieder einmal von den Kerzen, die hinter ihm brannten, stand Rousel.

„Kommt mit!“, sagte er, nahm sie an der Hand und zog sie schnell aus der Zelle in den Gang. Sie blickte sich um, doch keine Wache schien in diesem Augenblick unterwegs zu sein. Rousel überprüfte, ob sie ungestört waren, dann ging er in die Zelle hinein.

„Rousel, was habt ihr vor?!“, zischte Aveline. Auch wenn sie ihm blind vertraute, verstand sie seinen Plan noch nicht wirklich. Er hatte sich auf den Boden gekniet, doch sein Rücken verhinderte, dass Aveline sehen konnte, was er tat. „Rousel?!“, zischte Aveline noch einmal und blickte sich ängstlich um. „Noch einen Moment, Madame.“ Er erhob sich und verließ die Zelle wieder.

„Was habt ihr vor?“, fragte Aveline misstrauisch. „Ich werde eure Zelle in die Luft jagen!“ Er nahm sie am Arm und wollte sie wegziehen, doch sie entriss sich ihm und starrte ihn ungläubig an.
„Seid ihr vollkommen verrückt geworden?“, fragte sie und konnte nicht verhindern, dass ihre Stimme etwas höher wurde. „Was denkt ihr euch dabei.“

„So verschaffen wir uns einen Vorteil. Die Explosion wird gewaltiges Aufsehen erregen. Dann können wir fliehen.“
„Bei dieser Explosion können  andere getötet werden, zum Beispiel die Wachen. Und wo habt ihr überhaupt so viel Dynamit gefunden.“

„Ihr unterschätzt wie immer völlig meinen Einfluss und meine Fähigkeiten. Und die Wachen habe ich fortgeschickte.“ Ein Lächeln umspielte seine Lippen, dann nahm er sie beim Handgelenk. „Kommt, wir müssen hier weg, es ist gleich soweit.“ Sie nickte und hatte sich umgedrehte, als sie ein Klicken hinter sich vernahm.
„Stehen bleiben, im Namen des Kardinals von Frankreich.“ Aveline sah in Rousels Gesicht und seine Augen waren vor Schreck geweitet. Sie drehte sich um. Ein großer Soldat stand nur ein paar Meter von ihnen entfernt, vor der weit geöffneten Zellentür und mit einem Gewehr in den Händen

„Monsieur Rousel, was tut ihr da?!“, fragte er und trat näher.
„Wenn ich sie wäre, würde ich dort nicht stehen.“, sagte Rousel mit vor Angst dumpfer Stimme. Das letzte was Aveline sah, war das ratlose Gesicht des Mannes und seine Hände, die sich fester um das Gewehr schlossen. Dann sprang Rousel vor sie, schlang die Arme um ihren Körper und drückte sie nach hinten. Eine gewaltige Explosion ertönte und Aveline spürte eine Druckwelle über ihren Körper hinwegfegen. Auch wenn Rousel sie so gut wie es ihm eben möglich war abschirmte, spürte sie Steine und Holzsplitter, die ihre Arme und das Gesicht verkratzen. Sie fand sich auf dem Gefängnisboden wieder, von Staub und Blut bedeckt und ein merkwürdiges Klingen in den Ohren. Rousel kniete neben ihr und blickte auf die Verwüstung, die vor ihnen lag. Das Dynamit hatte ein gewaltiges Loch in die Außenmauer des Gebäudes gerissen, sodass jetzt eiskalte Nachtluft hineinströmte. Von der Decke bröckelten immer noch Steinbrocken und unter all dem begraben sah Aveline ein Gestalt, die immer noch ein Gewehr umklammerte. Sie hustete und richtete sich schwankend auf. Rousel rappelte sich ebenfalls hoch und schnell überprüften sie, ob einer von ihnen ernsthaft verletzt worden war, doch außer oberflächliche Schrammen und Risse waren sie weitgehend unverletzt davon gekommen. „Interessanter Plan, Rousel!“, sagte Aveline. Er nickte, dann rannten sie los, weg von den Rufen und Schreien, die nun von überall her tönten. Die Explosion ließ alle Wachen zu Aveline´s ehemaliger Zelle strömen und die beiden Flüchtigen hatten freie Bahn.

„Wo sind Athos und die anderen?“, rief Aveline außer Atem, während sie durch die Gänge rannten und um jede Ecke schlitterten und rutschten. Der Staub und das Blut verklebten ihre Haare, ihre Kleidung war zerfetzt und ein seltsam metallischer Geschmack lag Aveline auf der Zunge.

„Wir haben keine Zeit. Sie zu retten würde meinen Plan zunichte machen.“ Abrupt blieb Aveline stehen. „Rousel, ich werde sie nicht hier zurücklassen!“, sie hob das Kinn. „Es interessiert mich nicht, was ihr Plan vorsieht, wie werden sie retten. Sonst bleibe ich auch hier.“
Er starrte sie an. „Dann ist das euer Tod.“
„Führt mich zur den Zellen!“, sagte sie mir harter, unerbittlicher Stimme.

Sie mussten viele Treppen hinuntersteigen und sich immer wieder in engen, dunklen Nischen verstecken. Auch wenn Aveline bei der Explosion hätte umkommen müssen, suchte man sie überall verzweifelt und war auch schon über das Verschwinden von Rousel informiert. Endlich blieb er vor einer großen, hölzernen Tür stehen und zog einen Schlüssel hervor. Als sich die Tür öffnete, stürmte Aveline hinein. Der Raum war größer, aber dunkler und Wasser tropfte von der Decke. Als sie sich umblickte, sah sie vier Gestalten an die Wände gelehnt sitzend. Sie erkannte Athos, der der Tür am nächsten saß und nun schwerfällig den Kopf hob. Er hatte Schnitte im Gesicht, die immer noch bluteten, doch kaum hatte er gesehen, wer sie war, breitete sich ungläubige Freude darauf aus und er sprang auf die Füße. „Aveline?!“, hörte sie ihn mit rauer Stimme flüstern und auch die anderen sprangen auf die Füße. Mit wenigen Schritten war Athos bei ihr und drückte seine Lippen auf ihre. Aveline schlang die Arme um seine Hals und lächelte leicht.
Dann blickte sie zu Aramis, Porthos und Monsieur Ghartié, die sie ebenso anlächelten. „Wir können es noch schaffen.“, sagte sie leise und wandte sich an Rousel. „Er kann uns helfen.“
Athos verschränkte die Arme vor der Brust und sah ihn feindselig an, sagte aber nichts. Rousel bedachte ihn mit einem ebenso verachtenden Blick. „Wenn ihr überleben wollt, dann tut was ich euch sage und kommt mit mir!“
Porthos und Aramis traten vor, drückten Aveline schnell an sich, dann verließen sie die Zelle. „Wie geht es ihnen, Monsieur Ghartié?“, fragte Aveline leise.
Er winkte ab. „Es ging mir schon einmal besser.“ Sie warf ihm einen entschuldigenden Blick zu.
„Die Waffenkammer ist hier ganz in der Nähe!“, sagte Rousel und deutete weiter den Gang hinunter. „Wie sollten die Degen holen und dann versuchen, zu den Ställen zu gelangen. Nur mit Pferden schaffen wir es aus der Stadt zu entkommen“ Sie nickten.
„Sie haben sicher die Explosion gehört, oder? Ich habe Aveline´s Zelle mithilfe von Dynamit gesprengt, damit die Wachen abgelenkt sind. Trotzdem suchen sie uns überall, wir müssen uns beeilen. Sie tun ab jetzt alle was ich sage, nur so schaffen wir es in einem Stück hier heraus.“
Er drehte sich und lief zielstrebig in den dunkleren Gang hinein, Aramis und Porthos hinter ihm, dann keuchte Monsieur Ghartié hinterher und zum Schluss Aveline und Athos, der ihre Hand fest in seine nahm und drückte. Sie sah ihm ins Gesicht und fühlte wie sich eine Wärme in ihrem ganzen Körper ausbreitete, als sie sah, dass er sie anlächelte.
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