Neue Staffel, neue Liebe?

von Artemis1
GeschichteDrama, Freundschaft / P16 Slash
Amane Ohtori Aoi Nagisa Hanazano Shizuma Hikari Konohana Tamao Suzumi Yaya Nanto
18.05.2014
11.07.2014
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Dunkelheit.
Totenstille.
Nur das leise Aufsetzen von Füßen hallte in dem endlos weiten Gang des im Schatten verborgenen Hauses. Sonst war es so still, wie es sich in einer sternenklaren Nacht gehörte. Die Nacht war dazu da, dass man schlief, sich ausruhte, um am nächsten Tag wieder frisch und munter zu sein.
Doch das galt nicht für diese vermummte Gestalt, die diese leisen Geräusche in dem Gang auslöste.
Diese Gestalt, von der man höchstens die Größe erahnen konnte, schlich wie ein geübter Dieb durch den endlosen Gang des riesigen Hauses. So, als wäre es nicht das erste Mal, dass es sich in der Nacht herum schlich. Sie achtete penibel darauf, dass sie allem auswich, was auf dem Boden lag oder an den Wänden hing oder stand.
Auch musste sie darauf achten, dass sie nicht zu nah an einer der vielen Zimmertüren vorbei ging. Die Leute, die hier wohnten, hatten ein zu gutes Gehör, um sie nicht bemerken, wenn sie sich nur einen Fehler erlaubte. Diese Bewohner hinter den Tüten hatten sich dieses außergewöhnlich gutes Gehör über Jahre angewöhnt, sobald diese bestimmte Gestalt das Laufen gelernt hatte.
Über diesen Gedanken musste die Gestalt grinsen, fast schon auflachen. Sie dachte daran zurück, wie oft sie doch schon als Kleinkind in der Nacht durch die Gänge gewandert ist, wie oft sie doch schon dabei erwischt wurde und wie oft sie es in die Freiheit geschafft hatte. Es war also eigentlich ausgeglichen auf beiden Seiten.
Fast jede Nacht schlich sie sich nun schon für diese eine, besondere Sache aus dem großen Familienhaus. Nein, sie war kein Dieb, der dieses Haus unsicher machte. Sie war einer der Bewohner von diesem Haus. Sie war der Hausgeist, schlich immer durch die Gänge, sobald alle eingeschlafen waren. Und das nur für diese eine Sache, für die es sich lohnte, bestraft zu werden.
Doch diesmal hatte dieser Ausgang eine weitaus höhere Bedeutung für sie. Sie würde morgen ihre Sachen packen müssen und aus diesem Haus ausziehen. Für gute zwei Jahre würde sie ihre ganzen Geschwister nicht mehr wieder sehen, bestimmt wird sie die Gesichter von allen vergessen.
Leicht schüttelte sie den Kopf, dachte daran zurück, wie es nur zu dem Ganzen kommen konnte; es war doch so ein schöner Tag gewesen, sie hatte unter ihrem Kirschbaum gesessen und gelesen, bis Mutter sie zu sich gerufen hatte.
Ihre Mutter hatte schon immer diese bestimmte Kraft auf sie gehabt. Was aber auch an dieser Verachtung liegen könnte, die ihre Mutter ihr entgegen brachte. Für sie war sie nicht einmal ein Teil der Familie, sondern nur ein Gast, der ihr ähnlich sah.
An diesem Tag sagte sie ihr und ihren beiden Schwestern, dass sie auf eine Schule gehen sollten. Eine reine Mädchenschule. Astraea Hill, soll sie heißen. Sie sollte ihnen zeigen, dass sie langsam selbstständig werden sollten, sie sollten Verantwortung übernehmen.
Die Gestalt seufzte fast auf, achtete nur ganz kurz nicht auf ihre Umgebung und schon passierte das, was niemals hätten passieren dürfen. Die Gestalt schaute nicht mehr hochkonzentriert auf den Boden, sondern verträumt auf einen nicht existierenden Punkt in der Dunkelheit
Durch diese Unaufmerksamkeit trat die Person auf eins dieser quietschenden Tiere von ihrer viel jüngeren Schwester. Musste sie eigentlich überall ihre Spielzeuge liegen lassen? Es ist echt erstaunlich, dass sich noch niemand ein Bein bei dem ganzen Spielzeug überall gebrochen hat.
Lauschend schloss die Person die Augen. Versuchte sich auf jedes allzu kleine Geräusch in ihrer Umgebung zu konzentrieren. Sie hörte, wie leise die Grillen vor dem Haus ziepten und wie die Vögel im frühen Sonnenaufgang ihr erstes Lied anfangen wollten zu singen.
Doch hörte sie nicht aus den angrenzenden Zimmern. In Gedanken seufzte sie, das war knapp gewesen, sie sollte wirklich mehr aufpassen. Ihr durfte das nicht mehr passieren, wenn sie noch mal zu ihrem aller Heiligsten wollte.
Langsam ging sie weiter über den überhäuften Boden. Sie musste ihre Augen extrem in der Dunkelheit anstrengen, um überhaupt etwas zu sehen. Eine Taschenlampe wäre einfach zu auffällig gewesen, das Licht hätte unter den Türen durchscheinen können. Man hätte sie auf jeden Fall bemerkt und dann zurück in ihr Zimmer geschliffen.
Mit eleganten Schritten ging sie durch die kleinen Gänge zwischen den verschiedensten Spielzeughäufchen. Streifte dabei sogar eine der vielen Shoji im Haus. Sofort blieb sie erneut stehen. Das lag allerdings nicht nur an diesem Geräusch hinter der Tür, sondern auch daran, dass die Haufen nun noch dichter nebeneinander lagen.
Das kleine Mädchen hatte wirklich gute Arbeit geleistet beim Verstreuen ihrer vielen Spielsachen, aber wer konnte es dieser kleinen Einjährigen übel nehmen? Sie sah zu putzig  aus, wenn sie mit ihren Sachen spielte und gleichzeitig ihre Schwester aus ihren großen Augen ansah. Sie war vielleicht der größte Schatz für Mutter.
Traurig musste die Gestalt daran denken, dass dieses kleine Mädchen, ihre Schwester, schon drei sein wird, wenn sie wieder da ist. Sie würde sich gar nicht mehr an ihre große Schwester erinnern können. Sie würde sie als Fremden sehen. Eine schreckliche Vorstellung. Wie sollte das ihre Seele nur verkraften?
Sie hatte gar nicht bemerkt, dass sie weiter gegangen war. Ihr fiel es erst auf, als sie vor der Tür nach draußen stand und sie öffnete. Sofort kam ihr der frische Geruch nach Wald und Nachtluft entgegen. Dieser Geruch würde ihr ebenfalls fehlen, hoffentlich gab es in der Nähe dieser Schule ein Wald. Dann konnte sie weiterhin spazieren gehen, lesen und vor allem an ihren Techniken üben.
Die ersten Schritte in Richtung Freiheit überwand sie nur zögernd, sie musste sich sogar etwas bremsen, um nicht in die Freiheit zu rennen. Diese ganze Schleichaktion war diesmal zu einfach gewesen, sie hatte viele Fehler gemacht und trotzdem ist niemand wach geworden. Wie konnte das sein?
Eigentlich sollte man denken, dass sich ihre Schwestern einen Plan für ihre letzte Ausgangsaktion zurechtgelegt hätten. Oder wollten ihre Schwestern, dass sie sich auch bei dem wichtigsten Gegenstand ihres Lebens verabschieden konnte. Der einzelne Kirschbaum in dem großen Garden.
Das Drillingspärchen, wozu auch diese vermummte Gestalt gehörte, hatten mit ihren sechsten Geburtstag ein kleines Bäumchen in dem großen Garten gepflanzt. Für sie hatte dieser Baum immer eine besondere Bedeutung gehabt. Er verband die Geschwister untereinander, auch wenn sie so verschieden waren. Er war das Seil, welches die Drei zusammenhielt.
Langsam streifte die Gestalt sich die Decke von den Schultern, ließ sie achtlos auf das nasse Gras fallen. Dann rannte sie mit nackten Füßen über die Wiese, durch den ganzen Garten. Sie sprang über jedes Bett, egal ob über das Erdbeerfeld oder über das Feld, wo Mutter ihre teuersten Rosen großzog. Sie würde sowieso morgen von allen abschied nehmen, Mutter konnte sie nicht mehr zur Rechenschaft ziehen. Egal, was sie doch heute noch anstellen würde.
Irgendwann hielt sie aber dann doch leise keuchend an, so schnell ist sie schon seit langer Zeit nicht mehr gerannt. Kichernd sah sie zu dem noch ziemlich kleinen Baum hoch, er war noch nicht zu seiner ganzen Größe hoch gewachsen. Doch dürfte es nicht mehr lange dauern, dann wäre er der größte Baum im ganzen Garten.
Ihre langen, grazilen Finger strichen über die raue, dunkle Rinde des Baumes. Neben ihren größeren und kleineren Geschwistern wird ihr dieser Baum wohl am meisten fehlen. Er war für sie eine Art Symbol für die Beziehung zwischen Geschwistern. Er war eigentlich das Einzige, was sie noch hier hielt. Sonst wäre sie wohl schon lange mit ihrer sieben Sachen verschwunden.
Langsam ließ sie sich an der Rinde nach unten gleiten. Lehnte an diesem starken Baum, der selbst die schlimmsten Naturkatastrophen standhielt. »Ich werde dich vermissen«, flüsterte sie vor sich her, vergrub gleichzeitig ihr Gesicht in das T-Shirt, welches sie zum schlafen angezogen hatte.
Mit geschlossenen Augen atmete sie den Geruch des T-Shirts ein, irgendwie roch es nach ihrer ältesten Schwester. Bestimmt hatte sie es wieder angezogen und dann bemerkt, dass es ihr etwas zu klein war. Das passierte ziemlich oft, aber was sollte man schon bei einer 10-köpfigen Familie machen? Da konnte schon mal was durcheinander kommen.
Sie öffnete wieder die Augen, schaute zu dem großen, vier Etagen hohen Haus. All ihre Geschwister waren in diesem Haus untergebracht, auch ihre Mutter und sie hatten ihr eigenes Zimmer. Doch hielt sie sich nie lange in diesem auf, sie war lieber bei ihren Geschwistern oder hier draußen bei ihrem Baum.
Vielleicht würde es auf dieser Schule anders werden, vielleicht wird sie mehr Zeit in ihrem Zimmer verbringen, hoffentlich hatte sie ein Einzelzimmer, wenn es das überhaupt dort gab. Und wenn nicht, müsste sie wohl in der Badewanne schlafen, dann hatte sie ihr eigenes Zimmer.
»Ich werde euch alle irgendwie vermissen, selbst Mutter«, schüttelte sie fast schon lachend den Kopf. Das aus ihrem eigenen Mund zu hören, war wie, als würde es überall auf der Erde zum gleichen Zeitpunkt frieden herrschen; einfach unmöglich.
Zwar wusste sie, dass der Baum nicht antworten würde, doch er war ein guter Zuhörer. Wenn man es so bezeichnen konnte. Sie konnte diesem Baum einfach ihr ganzes Herz ausschütten, so, wie sie es vor keinem ihrer Geschwister machen konnte. Er würde niemals versuchen, ihr etwas auszureden oder es gegen sie zu verwenden. Er war einfach ihr bester Freund.
Ein Baum mit Herz, denn sie morgen in aller frühe verlassen musste. Hoffentlich würden sich ihre Schwestern gut um ihn kümmern, sonst würde sie sehr wütend werden und mal ein ganz anderes Gesicht zeigen, als das, welches sie sonst immer mit sich herumtrug.
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Bitte, seid nicht zu streng zu mir. Ich wollte mich nur mal an einer SP-FF versuchen und es ist auch gewollt, dass ihr in diesem Kapitel nicht sehr viel von der Hauptperson mitbekommt. Dafür werdet ihr später umso mehr von ihr mitbekommen. Ich freu mich auf eure Reviews.
LG Artemis1
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