i'll leaD thE wAy to your Darkest sin

von Yui Yuuji
KurzgeschichteDrama, Angst / P16 Slash
Katan Rosiel
15.05.2014
15.05.2014
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Blut.
Blut überall.
Es schwebte in der Luft und klebte überall am Boden. Auch mich bedeckte es ohne Ausnahme und es war mir so, als würde auch ein Schleier aus Blut über meinen Augen hängen.
Alles war in Rot getaucht. Ausnahmslos.

Rot.

Diese schreckliche Farbe. Ich verabscheute sie so sehr. Ich konnte sie nicht ertragen.

Schon seit Anbeginn meines Lebens habe ich diese Farbe gehasst. Gehasst habe ich sie und mein Hass wurde über die Zeit noch verstärkt.
Genauso wie ich die Dunkelheit hasse. Dunkelheit und Einsamkeit.

Hier war ich einsam. Ich blickte mich panisch um. Doch niemand war zu sehen.
Verzweifelt versuchte ich, nach jemandem zu schreien. Nach dem Geschöpf, welches so viel reiner war als ich selbst.
Unschuld war keine geeignete Bezeichnung für ihn.
Nichts konnte dieses perfekte Wesen auch nur annähernd beschreiben.
Nicht einmal ich. Dabei war es doch ich, welcher ihn erschaffen hatte.

Entsetzt weiteten sich meine Augen, als ich feststellte, dass kein Ton aus meiner trockenen Kehle kam. Nur ein leises Krächzen.

Wie erbärmlich.

Erneut versuchte ich, zu schreien, doch verspürte nur einen Stich an meinem Hals.

Nein...
Stiche. Um meinen Hals und Nacken.
Ängstlich fasste ich an meine Kehle und ein stechender Schmerz breitete sich in meinen Handflächen aus.

Ein Dornenkranz.
Und die Dornen bohrten sich verbittert in die sanfte und empfindliche Haut meines Halses. Wollten nicht mehr ablassen.
Und je mehr Angst ich bekam, desto fester wurde der Kranz.

Mehr Blut bedecke meinen Körper, ich konnte langsam nicht mehr stehen. Zu viel der kostbaren Flüssigkeit hatte ich schon verloren.

Meine Knie gaben nach und ich sank zu Boden. Plötzlich befanden sich auch auf diesem überall Dornen. Kalte und nackte Dornen die nicht zu wunderschönen Rosen gehörten.
Die Dornen verletzten meine Hände erneut. Auch meine Beine und meine Knie. Jedoch spürte ich den Schmerz kaum noch.

Ich war wie in Trance. Langsam verließ das Leben mich. Nur noch darauf wartend, den letzten Atemzug zu tun, legte ich mich auf den Boden, bedeckt mit Dornen.
Mir war, als würden sie wachsen.

Dicker,
Größer,
Länger

werden.

Doch auch dies weckte nicht mein Interesse.

Langsam schlossen sich meine Augen und das Atmen fiel mir schwerer.
Da. Ein neuer Schmerz. Die Dornen waren zu Ranken herangewachsen und durchbohrten nun meinen Körper.
Und wieder. Ein weiterer Schmerz als die Ranken in meinen Mund eindrangen.
In meine Augen.
In meine Ohren.
Doch ich konnte mich nicht wehren. Ich war zu schwach. Abgesehen davon hätte es noch mehr geschmerzt, wenn ich mich bewegt hätte. Damit rechnete ich fest.

Ich verwuchs mit den Dornen. Mein Körper wurde auseinandergerissen. Innerlich.

Katan. Katan. Katan. Katan.

In Gedanken schrie ich diesen Namen immer und immer wieder aus Neue. Doch niemand antwortete.
Doch niemand kam.
Doch niemand bemerkte mein Leid.

Niemand konnte mich noch retten.

Ich riss die Augen auf.
Mit einem Mal riss ich sie auf und schrie. Schrie mir die Seele aus meinem Leib, sofern ich überhaupt eine Seele besaß.
Ein Schmerz explodierte in meinem Herzen.
Ein Schmerz, wie ich ihn noch nie vernommen hatte.

Das Bild vor meinen Augen veränderte sich. Plötzlich war alles Schwarz.
Die Dornen waren ebenfalls verschwunden.
Alles war Schwarz und ich konnte nichts sehen. Jedoch konnte ich mich bewegen und ich ging schweren Schrittes voraus.

Es war mir kaum möglich, zu gehen. Für mich fühlte es sich so an, als hätte man Gewichte an meinem Körper befestigt. Und je weiter ich ging, desto mehr Gewichte wurden angebracht.

Plötzlich sah ich etwas.

Licht.

Ein helles Licht, welches mich blendete.

Warm war es. Es hüllte mich ein, wie zuvor noch das Blut.
Es flüsterte zu mir und sagte, ich müsse keine Angst haben.

Angst?
Aber wovor sollte ich jetzt noch Angst haben.

Meine Augen schlossen sich wieder. Diese Wärme musste man genießen. Niemals wieder wollte ich weg von ihr.
Ah, bitte. Befreie mich und lass mich alles vergessen.

"Das werde ich."

Dies war das Letzte, was ich vernahm bevor meine Stimme als Schrei aus meiner Kehle fand.

Das Licht, welches meinen Körper umschlossen hatte, hatte sich in Feuer aufgelöst und drohte nun, mich in Asche zu verwandeln.

Ich wandt mich vor Schmerzen.
Ich versuchte, das Feuer abzuschütteln.

Doch nichts, was ich versuchte, trug Früchte.
Alles blieg erfolglos.

Also wandt ich mich weiter unter diesem Höllenfeuer und wartete auf meinen sicheren Tod.


"Rosiel! Rosiel-sama! Rosiel-sama... Bitte. Bitte wacht doch endlich auf."

Die verzweifelte und besorgte Stimme schaffte es, mich dazu zu bewegen, meine Augen ein weiteres Mal zu öffnen. Doch ich sah etwas so Wunderschönes, es konnte kein Traum sein.
Nicht einmal ein Traum konnte so etwas ins Leben rufen.

Ich sah ihn einfach nur an und lächelte. Sofort begann Katan auf mich einzureden. Er hatte sich Sorgen gemacht. Schreie aus meinem Schlafgemach gehört und hatte versucht, mich zu wecken.
Schon seit einer Stunde.
Nun hatte es endlich funktioniert.

Ganz hatte ich ihm nicht zugehört, da musste ich ehrlich sein. Vollkommen eingenommen war ich von seiner Gestalt. Und die ganze Zeit blickte ich auf seine Lippen.

Ich war gefangen.

Wie gerne ich ihn einfach zu mir gezogen hätte und in einem Kuss zu meinem Eigen gemacht hätte.
Doch leider blieb mir das verwährt.

Vielleicht würde ich es eines Tages tun. Doch das will ich eigentlich gar nicht.
Würde ich es tun, so würde er befleckt werden.
Das könnte ich ihm doch niemals antun.

Meinem kleinen, unschuldigen, vollkommenen Engel.

Katan.
Bleib nur immer an meiner Seite. Bleibe bei mir und beschütze mich vor meinen eigenen Dämonen die nur darauf warten, mich zu verschlingen.

Jede Nacht aufs Neue.

Katan.


                  Katan
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