Family is Power

von -Ninaaa-
GeschichteMystery, Familie / P16
Elijah Mikaelson Hayley Marshall Marcel Gerard Niklaus Mikaelson
15.05.2014
28.07.2015
36
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Draußen war es still. Anders als in den vergangenen Nächten regnete es an diesem Abend. Die Tropfen trafen auf dem großen Fenster auf und hinterließen dabei Geräusche. Meist zwar nicht mehr als ein leises Pochen, und dennoch war es genug. Schließlich sorgte der Regen dafür, dass jeder noch so kleine Ton, der im Inneren des Hauses entstand, von der Melodie der fallenden Tropfen verdeckt wurde. Nur wenige Sekunden später gesellte sich auch das Läuten der großen Standuhr dazu. Alles in allem war es in dieser Nacht laut genug, um unbemerkt zu verschwinden. Eine junge Frau mit langen, braunen Haaren saß im Schein einer einzigen Kerze an dem Tisch, der sich genau vor ihrem Fenster befand. Aus der Schublade, die sich unter der schiefen Schreibfläche befand und nur mit einem Schlüssel zu öffnen war der an einem dünnen silbernen Armband um ihr Handgelenk herum baumelte, zog sie einen unordentlich gefalteten Brief hervor. Schon vor einigen Wochen hatte sie die Worte geschrieben, sich noch unsicher, wann sie das Blatt tatsächlich verwenden würde. Nun aber war es soweit.

Es tut mir Leid. Aber ich kann nicht länger hier sitzen und mir deine Geschichten
anhören. Ich will endlich selbst erleben, wie das wahre Leben ist. Es gibt so viel, was ich herausfinden
muss – zu viel. Und hier kann ich es nicht. Ich komme wieder. Sei dir da ganz sicher. Aber zuerst muss
ich das allein schaffen. Gib mir eine Chance, komm mir nicht nach. Ich melde mich.

Noch einmal las sie sich die geschriebenen Worte durch, mit einem prüfenden Blick. Dann setzte sie mit einer kurzen Handbewegung ihren Namen darunter. Hope. Dann griff sie nach der Tasche, die sie bereits vor Wochen gepackt und unter ihrem Bett versteckt hatte – vor den Augen ihrer Tante. Denn wenn die es mitbekommen hätte, hätte sie alles getan um Hope davon abzuhalten, ihr Vorhaben in die Tat umzusetzen. Momentan befand sich neben dem notwendigsten Gepäck auch ein Stapel alter Briefe darin. Ihr Pass lag obenauf, am Flughafen würde sie ihn brauchen. Mit einem leichten Lufthauch blies sie die Kerze auf dem Tisch aus und verließ das Zimmer. Auf dem Weg nach draußen griff sie nach ihrem Schlüsselbund, an dem sich eine Königslilie befand. Das einzige, was sie von ihren Eltern hatte. Seitdem hatte sie es nie aus der Hand gegeben. Leise schloss sie die Tür hinter sich, ein lautes Geräusch und ihre Tante wäre wach – und im Bruchteil einer Sekunde da, um sie aufzuhalten. Weil es ihrer Meinung nach zu gefährlich für sie war, wenn sie sich auf die Suche nach ihrer Familie machte. Ohne dem weiß gestrichenen Haus noch einen letzten Blick zuzuwerfen, machte sie sich auf den Weg.

Die Menschen, die sich um diese Uhrzeit noch im Flughafen befanden, warfen Hope abschätzige Blicke zu. Es lag vermutlich an der Tatsache, dass es draußen dunkel war. Oder daran, dass Hope sich an die Worte ihrer Tante erinnerte, die ihr von Jahr zu Jahr, von Tag zu Tag eingeredet hatten, dass es für die junge Frau mit den braunen Haaren draußen zu gefährlich war. Deshalb hatte sie die meiste Zeit ihres Lebens in demselben Haus verbracht, in derselben Stadt gelebt und außer Schule und einigen Treffen mit ihren wenigen Freunden nichts erlebt. Mit großen Schritten trat sie an einend er Schalter und legte einen ausgedruckten Bestellschein auf die Theke. „London – New Orleans.“ Auf ein Nicken des Angestellten hin reichte sie auch die Kreditkarte über den Schalter. „Danke.“, meinte sie mit einem Lächeln, als sie das endgültige Flugticket zwischen ihren Fingern spürte. In nicht weniger als einer Stunde würde es losgehen – und sie konnte endlich einmal das tun, was sie wollte. Ohne andauernd die Stimme ihrer Tante neben ihrem Ohr zu hören, die ihr all das verbieten wollte. Ein wenig müde ließ sie sich auf einen der Sessel in der Wartehalle sinken und schloss für einen Moment ihre Augen. Hätte sie nicht das Telefonat mitangehört, das Rebekah letztens geführt hatte, hätte sie nicht den Hauch einer Ahnung gehabt, was sie nun tun sollte. Doch dann war der Name einer Stadt gefallen – und diese musste offenbar von Bedeutung sein, denn Hope war nicht ohne Grund von ihrer Tante vor die Tür geschickt worden. Es musste etwas zu bedeuten haben, das hatte sie daraus geschlossen. New Orleans. Ihr letzter Gedanke galt der Stadt, dann schlief sie ein und wachte erst wieder auf, als ihr Flug durchgesagt wurde.

Nach zehn weiteren Stunden, die der Flug von London nach New Orleans dauerte, trat Hope wieder aus dem Flughafengebäude heraus und sah sich um. In Amerika sah es nicht anders aus als in England, und doch herrschte hier eine ganz andere Atmosphäre. Die gesamte Umgebung wirkte älter und zugleich besonders. Und es fühlte sich so an, als würde sie hierhingehören. Obwohl sie noch nie zuvor hier gewesen war, breitete sich ein Lächeln auf ihrem Gesicht aus. Konnte es sein, dass sie so schnell an ihr Ziel gelangt war? An den Ort, der sich ihr Zuhause nannte? Eigentlich glaubte sie kaum daran. Denn sollte es tatsächlich so sein, dann würde noch einiges auf sie zukommen. So leicht wie es schien konnte das Leben doch nicht sein. Es wäre vermutlich zu einfach. Ein wenig unsicher strich sie sich durch die braunen Haare und sah sich um. Mit der Bahn fuhr sie bis ins Zentrum der Stadt. Wenn sie schon einmal hier war, konnte sie sich auch all das ansehen, wovon sie schon gehört hatte. Ganz oben auf der Liste stand dabei die wohl allen bekannte Bourbon Street. Auch wenn Hope nicht zu den typischen Touristen gehörte, wollte sie doch so viel von der Welt sehen, wie es ihr nur möglich war. Und vielleicht konnte ihr jemand sagen, wo sie anfangen musste nach ihren Eltern zu suchen. Nach den Eltern, die sie so sehr liebten, wie es in jedem einzelnen der Briefe geschildert wurde, die Rebekah ihr nach und nach überreicht hatte.

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so, erstes Kapitel. Ist zwar noch ein wenig kurz, aber die anderen werden länger :)
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