Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

You're mine - I'm yours

Kurzbeschreibung
GeschichteLiebesgeschichte / P16 / Gen
Asahina Futo
14.05.2014
15.08.2015
18
28.683
4
Alle Kapitel
27 Reviews
Dieses Kapitel
2 Reviews
 
14.05.2014 1.998
 
Du willst ihn – Ich will ihn nicht! | 15. Januar '13


Nahezu begierig hielt er mich fest, während unsere Körper sich beinahe rhythmisch bewegten. Fast wollte ich ihn von mir wegstoßen, bis mir wieder einfiel, dass ich zusammen mit Fuuto durch unser Wohnzimmer tanzte.
Ich spürte, wie sein Blick auf mir lag, doch ich starrte nur unsere Füße an, um bloß nichts falsch zu machen.
Das Training war wirklich einfacher geworden und heute Morgen ging es mir so gut, als wären meine Schmerzen schon Jahre her – aber nein, erst gestern war es gewesen. Und gestern war es gewesen, wo er meine Kraftlosigkeit komplett dafür ausgenutzt hatte, mir die Taten seiner Traum-Eve zu zeigen. Zum Glück war nichts an meinem Hals zu sehen.
Innerlich den Kopf schüttelnd, dass ich jetzt lieber nicht darüber nachdenken sollte, blickte ich zu dem Hellbraunhaarigen hinauf. Meine Absatzschuhe trug ich lieber nicht, wollte weitere Schmerzen an den Füßen vermeiden.
Es war unangenehm, wie er mir auf die Lippen starrte, sodass ich unweigerlich anfing, auf der unteren herum zu kauen. Meine Augen wanderten auch wieder zum Boden, wo ich gerade noch mitbekam, wie er seinen Fuß falsch setzte – und zwar direkt auf meinen.
»Aua!«
»Nee-san, du musst aufpassen«, tadelte er mich leicht grinsend.
»Du hast den Fehler gemacht, Fuuto«, erwiderte ich.
»Aber es ist deine Schuld, Nee-san. Was musst du auch für verführerische Lippen haben? Und dann noch darauf herum zu kauen? Da kann ich doch gar nicht anders, als diesem Anblick zu verfallen.«
»Dann musst du dich halt beherrschen.«
»Oder du machst keine Verlockungen, während wir tanzen, Nee-san.«
»Und irgendwann findest du sogar meine Atmung so verführerisch, dass ich nicht mal mehr atmen darf.« Ich fragte mich, ob er das noch toppen konnte.
»Ich finde Nee-san immer verführerisch. Die Art, wie du auf deiner Lippe herum kaust, deine Augen schließt und wieder öffnest, wie gebannt du auf den Fernseher siehst, wenn du irgendetwas spielst, deine koordinierten Bewegungen beim Kochen, deine verschiedenen Reaktionen und Seiten von dir. Und natürlich, wenn du mit mir tanzt, wie unsere Körper sich im Takt bewegen, wir uns gegenseitig berühren. Doch die größte Verführung, Nee-san, ist, wenn du beinahe wehrlos unter mir liegst, mich einfach machen lässt und es genießt. So wie gestern oder an Weihnachten.«
Erschlagen von den letzten Sätzen, konnte ich momentan nicht verstehen, wann er mich bewegt und gegen die geschlossene Wohnzimmertür gedrückt hatte.
»Was soll das werden, wenn’s fertig ist?« Zweifelnd sah ich zu meinen Händen, die das Idol rechts und links von meinem Kopf festhielt. Dass er sich an mich drückte wie bei einem Engtanz brauchte ich eigentlich nicht zu erwähnen. Genauso wie er es mochte, war ich wehrlos.
»Weiß ich noch nicht, Nee-san.« Ich würde wohl nie gegen seinen warmen Atem immun werden, der über meine leicht verschwitzte Haut ging. Wie sehr wünschte ich mich gerade in die Dusche? Natürlich ohne den männlichen Part vor mir.
Mit seinem Gesicht nah an meinen Haaren flüsterte er: »Mir gefällt dieser Pfirsichduft. Ob deine Lippen wohl auch so schmecken?«
Tatsächlich kam er mir immer näher. Ich konnte nicht ausweichen – vielleicht meinen Kopf zu Seite drehen, doch das würde auch nicht viel bringen – und die Tür würde sich auch nicht plötzlich auflösen. Nur noch ein paar Zentimeter. Quälend langsam wurde der Abstand geringer. Ich wagte es kaum, zu atmen. Wenn er mich schon küssen wollte, dann nicht so, sondern schnell. Wenige Millimeter und ...
Sein Handy klingelte. Murrend ließ er von mir ab. Beinahe erleichtert ließ ich mich leicht an der Tür hinunter rutschen.
Schnell war sein Telefonat beendet, sonderlich viel hatte ich nicht davon mitbekommen. Mit einem fast entschuldigenden, aber trotzdem schelmischen Lächeln sah er mich an.  »Tut mir Leid, Nee-san, aber mir wurde ein Interview in den Terminplan geschoben. Wie machen später da weiter, wo wir jetzt aufgehört haben, nicht, Nee-san?«
Warme und kalte Schauer überliefen meinen Rücken. Leicht abwesend entfernte ich mich von der Tür und ließ ihn vorbei.

Ohne Fuuto war es ... angenehm und störend zugleich. Es fehlte etwas, wenn er nicht da war.
Was dachte ich da eigentlich? Das war nur Fuuto. Nur Fuuto, mit dem ich eine üble Wette am Laufen hatte. Wieso fehlte etwas, wenn er nicht da war? All die Jahre war ich doch auch immer alleine gewesen. Hatte ich mich etwa an seine Anwesenheit gewöhnt? Und das vielleicht ein bisschen zu sehr?
Ich kannte ihn doch noch nicht mal einen Monat und außerdem: Meinen Namen hatte er auch nie gesagt. Immer war ich nur Nee-san. Nee-san hier, Nee-san da. Die Nee-san, die irgendwie alles für ihn tat. Verdammt, ich war Eve, nicht Nee-san.
Auch wenn es mir gefiel, wenn er ›Nee-san‹ so verführerisch aussprach. ...
Nagami Eve!, schalt ich mich selbst, du wirst das doch wohl kaum für verführerisch halten. Das ist ein kleiner Sadist und du verdammt nochmal keine Masochistin! Der Typ will doch nur deinen Spaß mit dir – das macht er schließlich ständig deutlich genug. Er lässt doch nie die Finger von dir, flüstert die zweideutige Sachen ins Ohr, spielt mit dir. Das kann dir doch nicht gefallen!
Und doch ... ein kleiner Teil, wohl der irgendwie masochistisch ausgelegte Teil, von mir wollte genau das und schrie nun verlangend danach.
Ich musste mich ablenken, dieser kleine Teil durfte nicht die Oberhand gewinnen und mich zu einem nach Fuuto sabbernden Etwas machen. Da fiel mein Blick auf mein Weihnachtsgeschenk. Nicht einmal hatte ich es bisher genutzt; dann war wohl die Zeit dafür gekommen.
Es war zwar Winter, aber ich wollte etwas Sommerliches backen, etwas was mich von ›jetzt‹ ablenkte. Wahllos blätterte ich durch ein Backbuch, entdeckte etwas, das mich hungrig machte und fing an, mein Back-Set einzuweihen.

Mit zurück gebunden Haaren hockte ich vor dem Backofen, der eine angenehme Wärme verbreitete, und beobachte, wie meine kleinen Kunstwerke zu dem wurden, was ich mir erhofft hatte. Okay, es waren nur einfach Zitronenmuffins mit einer Pfirsichfüllung, aber mehr gab der Vorrat nun mal nicht her – und auf einkaufen hatte ich auch keine Lust.
Ich hatte mich einfach schnell in diese Arbeit stürzen wollen, um diesen Idioten zu vergessen.
Und warum backst du dann etwas mit Pfirsichen, hm? Schon wieder dieser fuutosüchtige Teil in mir. Was sollte denn an Pfirsichen so schlimm sein?
»Du duftest immer so schön nach Pfirsich ...« »Mir gefällt dieser Pfirsichduft. Ob deine Lippen wohl auch so schmecken?«
Nein, das konnte doch nicht wahr sein! Warum hast du dich so in meine Gedanken festgesetzt, Fuuto? Lass mich in Frieden! Du spielst doch nur mit mir, aber ich will kein Spielzeug sein. Aber warum will dieser kleine Teil in mir dich haben? Eigentlich wollte ich mich doch in jemanden verlieben, der süß, sanft und charmant ist – aber nicht so jemanden Versautes wie dieses Idol.
Leider konnte ich mir, wie auch jeder andere Mensch, nicht aussuchen, in wen ich mich eines Tages verlieben würde. Dennoch, ich liebte diesen Idioten nicht. Nicht mal mögen tat ich ihn – wenn man der masochistisch veranlagten Eve in mir mal absah.
Die meldete sich auch wieder zu Wort: Hast du nicht selber mal gedacht, dass seine Lippen dich fast willenlos machen können? Er dich schon einmal so weit hatte, dass du nichts außer seinen Lippen und seinen Händen auf deiner Haut, auf deinem Körper, mehr wahrnehmen konntest? Du kannst nicht mir alles zuschreiben. Also, warum versuchst du es nicht einfach?
Nein. Nein! Nein!!! Weder dir noch ihm tue ich diesem Gefallen! Ich werde diese Wette gewinnen und mich nicht von euch beiden einlullen lassen. Und warum? Weil ich ein verdammter Sturkopf bin, wenn ich es darauf anlege!
Mürrisch stellte ich den Backofen aus, der Pfirsichduft, der sich nun im Raum verbreitete, ging mir auf die Nerven. Kurzerhand erhob ich mich vom Fußboden, auf den ich mich hatte sinken lassen und stürmte geradezu in mein Zimmer, um mir was Ordentliches anzuziehen.

Wenig später befand ich mich in der Innenstadt; die kalte Winterluft ließ mich wieder abkühlen und zwang meine Gedanken dazu, zu überlegen, wo ein warmer Ort war. Aber ich wollte gar nicht an einen warmen Ort, die Kälte sollte mich ablenken.
Ich liebte Schaufensterbummel, da konnte ich alles um mich herum immer vergessen und entdeckte vielleicht auch noch was Interessantes. Zum Beispiel die Kleidung dort hinten oder das Schuhgeschäft die Straße runter.
Ich konnte mich ja schon mal für ein Outfit für Moms Hochzeit umsehen, also ging ich den Schuhladen hinein. Jetzt war natürlich die Frage, auf welcher Farbe der Schwerpunkt liegen sollte. Schwarz fiel weg. Ich mochte die Farbe zwar sehr gerne, aber das war eine Hochzeit und keine Beerdigung – zumindest wollte ich das deutlich machen.
Vielleicht konnte ich Fuuto ja etwas ärgern, als mein Blick auf ein paar pfirsichfarbende Schuhe fiel. Einfach so tun, als würde ich ›voll auf ihn abfahren‹ und extra die Farbe tragen, dessen duftender Namensträger laut ihm absolut zu mir passte. Ja, das war eine gute Idee! Hoffnungsvoll ging ich die Kartons der hochhackigen, mit drei Riemchen über dem Fuß versehenen Schuhe durch, um meine Größe zu erhaschen. Glücklicherweise wurde es mir zuteil, dass meine Füße etwas kleiner als der Durchschnitt waren und griff nach dem Schuhkarton. Sie passten wie angegossen, also ab zur Kasse damit.

Eine Stunde später hatte ich auch das perfekte Kleid gefunden. Wie viele ich wohl anprobiert hatte? Ich besah mir lieber nicht den Berg an Kleidern, die ich zurückgehängt hatte. Dafür war ich ziemlich oft durch den ganzen Laden gerannt, so viele pfirsichfarbende Kleider hatten die hier zu bieten. Nun gut, diese Farbe war wohl die Frühlingsfarbe schlechthin dieses Jahr – einerseits gut für mich, andererseits auch nicht.
Zumindest besah ich mir mein Kleid noch einmal, ehe ich meine Schranktüren schloss. Es wirkte beinahe etwas langweilig und gar nicht wie ein Kleid, da es eher wie eine langärmlige, weiße Bluse mit schönen Details und einem schmalen schwarzen Band am Kragen, das ich persönlich zur Schleife gebunden am liebsten mochte, und dem angenähten, hüfthohen Rock, der sich bei Drehungen wunderbar aufplusterte und die Farbe von Fuutos wahrscheinlicher Lieblingsfrucht trug.
Apropos Fuuto. Der war noch gar nicht wieder da. Schien wohl ein langes Interview zu. Gut für mich, so musste ich ihn und seine Griffel weniger ertragen. Hör doch auf zu lügen, du hast es doch schon öfters genossen, wenn er dich angefasst hat. Gib doch zu, dass dir das gefällt und du seine ›Griffel‹ vermisst. Tue ich nicht!
»Nee-san? Bin wieder da!« Verdammt.
Mir fiel auf, dass der fuutosüchtige Teil noch ein größerer Sturkopf zu sein schien, als ich dachte. Wie von selbst bewegten sich meine Füße auf meine Zimmertür zu. Wenn ich da jetzt rausging, war mein Urteil besiegelt und ich würde an die nächste Tür, wahrscheinlich meine eigene, gedrückt werden.
Aber wer nicht wagt, der nicht gewinnt, funkte meine innere Stimme wieder dazwischen und verdammt sie hatte mich. Ich hasst es zu verlieren, also konnte ich mir die Chance ja wohl nicht entgehen lassen.
Und natürlich, kaum war ich aus meinem Zimmer getreten, machte mein Rücken auch mal Bekanntschaft mit der anderen Seite meiner Zimmertür. Der Kerl hatte wohl hier gewartet.
»Ah, Nee-san. Da bist du ja. Hast du mein Versprechen von eben also nicht vergessen?«
Emotionslos sah ich ihn an. Konnte ich sein ›Versprechen‹ ablehnen? Wohl nicht. Er sollte jetzt einfach in die Puschen kommen und das zu Ende bringen, was er vor über eine Stunde angefangen hatte.
Doch bevor sich sein Gesicht dem meinen näherte, spürte ich seine Hände wie so oft an meinem Körper. An meiner Hüfte, an meinem Bauch, an meinen Schultern, wie seine Finger auch mal durch meine Haare fuhren. Unfreiwillig entspannte ich mich und fühlte mich irgendwie ... wohl ... Okay, mir war nicht mehr zu helfen.
Ganz eindeutig wurde diese Einschätzung, als ich ihn nicht von mir wegstieß, weil er meine Lippen mit seinen vereinnahmt hatte. Wider Erwarten war Fuuto sehr sanft, zwang mich zu nichts und war auch nicht zu schnell, lediglich seine Lippen bewegten sich gegen die meinen.
Wehrte ich ihn nicht ab, weil ... ich ihn doch ... mochte ...?
Review schreiben
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast