Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

You're mine - I'm yours

Kurzbeschreibung
GeschichteLiebesgeschichte / P16 / Gen
Asahina Futo
14.05.2014
15.08.2015
18
28.683
4
Alle Kapitel
27 Reviews
Dieses Kapitel
2 Reviews
 
14.05.2014 1.674
 
Ganz alltägliche und typische Mädchenprobleme | 14. Januar '13


Mit einem leisen Klatschen landete mein Kopf seitlich auf meinem Tisch, blickte dabei aus dem Fenster, das auf der anderen Seite des Klassenraums war. Definitiv zu nah an mir dran – ich fror mir den Hintern ab. Ich wollte jetzt nicht unbedingt wissen, wie man den kalten Winter in Russland überleben konnte – oder ich schob es auf meine Wärme-Kälte-Empfindlichkeit.
»Ist alles in Ordnung, Nagami-san?« Die Schülerin, deren Tisch neben meinem stand, sah mich besorgt an.
Nein, nichts war in Ordnung. Diesem Kerl war das Tanzen doch tatsächlich wichtig! Ich hatte Muskelkater, sogar an Stellen, wo ich keinen Muskelkater erwartet hätte. Alles tat weh, meine Bewegungen wirkten beinahe mechanisch und dank meinen lahmgelegten Oberschenkeln und Waden kam ich langsamer voran als eine Schnecke.
Mir fiel auf, dass selbst das Brot fitter war als ich. Das hätte nach drei Tagen in Folge bestimmt noch eine super Figur gemacht und lag nicht wie ein erbärmliches Etwas herum, das im Inneren vor sich hin jammerte. Die Tatsache, dass ein Stein angeblich beweglicher war als ich, hatte Herr Tanzprofi aber schnell aus der Geschichte gestrichen. So blöd stellte ich mich bei Dehnübungen gar nicht an, zumindest sobald ich die Übungen endlich ausführte. Ich streckte nicht so gerne in der Nähe eines – unsagbar verdorbenen – Jungen meinen Hintern in die Luft, nur weil die Übung es so wollte. Klar, Fuuto machte die Übungen zwar auch, aber man konnte ja nie wissen, ob er sich nicht plötzlich strecken musste. Mann, daraus konnte ich bestimmt einen Bestsellermachen. ›Warum werden Männer Bodybuilder?‹ Meine Intelligenz glänzte heute aber wieder vom Feinsten. Hätte mein Kopf nicht schon auf der Tischplatte gelegen, dann wäre er jetzt dort gelandet.
In meinem Kopf dröhnte es. Kopfschmerzen, nicht auch das noch. Lag bestimmt daran, dass mein Gehirn nicht mehr richtig durchblutet werden konnte – bei dem Muskelkater! Ging das überhaupt? Konnte das der Grund dafür sein? Los, verleiht mir einen Nobelpreis, ich habe die Ursache für Kopfschmerzen entdeckt – okay, das hatte bestimmt schon jemand vor mir.
Mein Humor – lächerlicher Humor, wohlgemerkt – tat noch mehr weh als all die Schmerzen zusammen.
Da fiel mir ein ... »Ach, geht schon. Ich sehe schlimmer aus als ich mich fühle.« Wohl eher im Gegenteil. Ich fühlte mich noch dreckiger als ich aussah. Von der süßen Nee-san war nichts mehr zu erkennen. Meine normalerweise ebenmäßige blasse Haut wirkte nun kränklich blass, mein Augen wurden von dunklen Ringen geziert und meine Laune war im Keller, was sich an meinem verzogenen Mund deutlich machte.
Und selbst wenn das Idol das Tempo – und seine Anforderungen – etwas drosselte, so würde er es demnächst trotzdem mit einem mies gelaunten Abbild meiner selbst zu tun haben. Ich war das perfekte Beispiel für die richtig schlecht gestimmten Mädchen, wenn sie ihre Tage hatten. In diesen Tagen sollte man mich lieber nicht zum Feind haben. Ein Hardcore-Tanztraining passte mir dann aber so gar nicht in den Plan. Und weil Fuuto nicht vollkommen verblödet war, konnte er dann bestimmt auch eins und eins zusammen zählen. Ultra schlechte Laune, längere Aufenthalte im Bad, mehrmalige Gänge aufs Klo – sprach doch Bände. Und natürlich, weil ich ein Mädchen war und sich jedes weibliche, menschliche Lebewesen damit herum schlagen musste oder es getan hatte. Hoffentlich kannte Fuuto die goldene Regel ›Sei nett, wenn ein Mädchen ihre Tage hat.‹ Okay, für mich war es die wichtigste Regel überhaupt ... neben dem nicht morden, stehlen oder was auch immer.
Es war nur noch eine Stunde, das würde ich auch noch durchhalten.

Wie ich es schlussendlich nach Hause geschafft hatte, ohne dass ich irgendwo durch die Schmerzen gestorben war – Übertreibung des Jahrhunderts –, war mir jedoch nicht ganz klar. Weit gekommen war ich nicht, wenn man bedachte, dass ich hier mitten im Eingang der Wohnung wie ein bewegungsunfähiges Eve herum lag.
Ich wusste nicht, wie lange genau ich dort lag, aber irgendwann hatte ich im Schneckentempo mein Matheheft aus meiner Schultasche gekramt und versuchte, einen Sinn hinter diesen Zahlen und Formeln zu erkennen. Was der Sinn war, wusste ich immer noch nicht, aber meine Lösungen klangen plausibel.
Nun vernahm ich das Klicken des Türschlosses. Herr Ich-trimme-dich-in-weniger-als-zwei-Monaten-in-eine-Profi-Tänzerin konnte mich von mir aus auch aufs Sofa schleppen.
Meinen Gedanken nach zu urteilen, schien ich echt bald meine Tage zu bekommen. Sie waren echt ein guter Hinweis, denn diese Gedanken entsprachen nicht meinem sonstigen Ich. Okay, sie waren genauso lächerlich, aber freundlicher.
»Nee-san, was machst du denn da?« Seine Füße kamen in mein Blickfeld.
»Keine Sorge, der Boden hat nicht meinen ach so wertvollen ersten Kuss geraubt, der hat schließlich auch Gefühle.« Ich sollte dringend das Bad aufsuchen – meine Gehässigkeit war ja kaum zum Aushalten. »Bitte ... tu mir den Gefallen und bring mich irgendwie zum Sofa ... Ich kann nicht mehr«, riss ich mich zusammen.
Zum ersten Mal sah ich so etwas wie Sorge in seinen Augen aufblitzen, als er mich mit einer Leichtigkeit hoch hob, die selbst ich nicht erwartet hatte. Kurz darauf spürte ich den weichen Untergrund namens Sofa unter mir. Es war immer noch zur Seite geschoben und ich hielt mich echt zurück, nicht schon wieder los zu meckern.
»Nee-san, was ist los? Du siehst gerade nämlich ziemlich beschissen aus.« Nein, dafür hasste ich ihn nicht; ich wusste ja selber, dass ich momentan keine Augenweide war.
»Erlöse mich von dieser Hölle ... Ich kann einfach nicht mehr ... Ich kann jeden einzelnen Muskel spüren und das ist nicht sehr angenehm ... Schieb das von mir aus auf das Konto ›Unkonzentriert und fehlerhaft‹, aber ich bin fertig mit der Welt.« Am besten rief ich auch noch bei Nana-chan an – arbeiten ging schließlich nicht.
»War doch etwas zu viel, oder Nee-san? Ich bin erstaunt, dass du es überhaupt heute in die Schule geschafft hast. Denn das war Hardcore-Hardcore-Training.«
»Vollidiot.« Mehr wusste ich nicht darauf zu sagen.
»Hier, das Telefon. So kannst du nicht arbeiten und ich kann meine Nee-san heute ganz für mich allein haben.« In seiner Stimme schwang mit, dass er tatsächlich einen Wunsch äußern würde.
Ich tippte die Nummer ein und wartete erstmal eine ganze Zeit. Wahrscheinlich hatte meine Chefin ihr Telefon zwischen den ganzen Ordnern verlegt.
»Hallo, Eve-chan. Was ist der Grund deines Anrufes?«, meldete Nana-chan sich fröhlich.
»Ich ... kann heute nicht kommen ... Muskelkater des Todes«, erklärte ich total sachlich.
»Oh Gott, Eve-chan. Deine Stimme zittert total. Was ist denn mit dir passiert?«, fragte sie bestürzt.
»Hardcore-Hardcore-Tanztraining ist passiert. Tut mir Leid, Nana-chan, aber ich muss auflegen ... Es tut schon weh, den Hörer ... ans Ohr zu halten ...«
»Ja, bleib du zu Hause und ruh dich aus. Bis dann!« Sie legte auf.
»Tut mir Leid, Nee-san.« Nein, das war nicht Fuuto, das war bestimmt nur eine Halluzination. Wobei, ich sah echt beschissen aus und er sah es ja auch. Zudem war er für meine Schmerzen verantwortlich.
»Das sollte es auch«, nuschelte ich und schloss meine Augen. Ich wollte nur noch schlafen.
»Schlaf gut, Nee-san«, vernahm ich noch und spürte, wie er mit seinen Fingern kurz durch meine Haare strich.

Durch ein verschlafenes »Nee-san« wurde ich wach.
Meine Kopfschmerzen waren verschwunden und meine Arme ließen sich auch wieder problemlos bewegen.
Moment ... Verschlafen plus Nee-san ... Schon realisierte ich den Druck an meinem Bauch, weil Fuuto mich an sich gedrückt hatte. Wir lagen hier Arm in Arm – irgendwie – und hatten friedlich geschlafen. Warum lag er bitteschön mit auf dem Sofa? Hatte ich was verpasst?
»Nee-san ...!« Er wirkte unruhig, drückte mich noch stärker an sich, als wäre ich ein Teddybär. Oder eine lebensgroße Eve-Plüschfigur speziell für Fuuto. Was träumte er da eigentlich, wenn ich drin vorkam?
Sanft rüttelte ich an seinem Arm. »Fuuto, wach auf. Ich bin doch hier.«
Der Klammergriff lockerte sich etwas. »Nee-san ...?« Musste ich erwähnen, dass er auf mich gerade unglaublich süß wirkte?
Während ich darüber schmunzeln musste, dass er wohl doch nicht ganz verdorben war, machte er das Bild von selbst wieder kaputt, als er plötzlich über mir lag, die Hände neben meinem Kopf abgestützt.
»Ich habe dich nicht gesucht, Nee-san. Du warst bei mir und-«
»Ich verzichte auf Details.«
»Und warst dabei, genau das bei mir zu tun.« Fuuto vergrub sein Gesicht in meiner Halsbeuge. Was hatte seine Traum-Eve verdammt nochmal vorgehabt?
»H-hör auf. Das ... das war nur ein Traum. Sowas würde ich nie machen – n-nicht mal annähernd ...« Dieser heiße Atem trieb mich in den Wahnsinn. Wärme ... Sie machte sich in meinem Körper breit. Diese Wärme kannte ich nur zu gut. Sie durchströmte mich immer, wenn ich romantische Szenen sah oder las. Aber das hier hatte doch überhaupt nichts mit Romantik zu tun.
Das war nur Fuuto – ein durch und durch verdorbener, fünfzehnjähriger Junge, der als Idol den Mädchen die Herzen raubte. Dass er süß war, nahm ich übrigens wieder zurück; nichts weiter als Schlaftrunkenheit.
»F-fuuto, l-lass das ... Du kannst doch nicht einfach ...« Meine Stimme zitterte.
»Was kann ich nicht, Nee-san? Das?« Seine Zunge fuhr über meinen Hals – ich erschauerte.
»F-fuuto ... Warum ...?«
»Erfüll mir einfach diesen Wunsch, Nee-san.« Sein Wunsch – jetzt? Mir ging es immer noch dreckig, auch wenn seine Handlungen das gerade in den Hintergrund schoben.
»Weißt du ... Mir geht’s immer noch nicht so dufte.« Ich hatte nicht mal genug Energie, mich zu wehren.
»Ohne wenn und aber, liebe Nee-san.« Er sollte aufhören, mir so warm gegen den Hals zu atmen. Das war nicht fair. »Und jetzt noch ein Veto einzusetzen wäre ziemlich blöd. Genieß es einfach und lass dich von deinen Schmerzen ablenken. Und keine Sorge, Nee-san, diese Wünsche sind nur klein und werden nicht das Ausmaß unserer Wette haben.« Seine Lippen verteilten viele kleine Küsse an meinem Hals. Was genau war eigentlich sein Wunsch? Seinen Traum ausleben, weil es gerade passte?
»Aber-«
Das Idol legte mir einen Finger auf den Mund. »Kein aber, Nee-san.«
Meine Chancen, die Wette zu gewinnen, schwanden leicht – von Mal zu Mal mehr. Und 185 weitere Tage war eine lange Zeit.
Review schreiben
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast