You're mine - I'm yours

GeschichteRomanze / P16
Asahina Futo
14.05.2014
15.08.2015
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14.05.2014 1.113
 
You're mine - I'm yours


Kennenlernen | 21. Dezember '12


Ich war zu spät – immer musste ich die Zeit vergessen. Eilig lief ich die Straßen der Fußgängerzone entlang, um zu der nahegelegenen Zugstation zu gelangen. Und kalt war es zu meinem Pech auch noch, zudem handelte ich mir einige laszive Gesichtsausdrücke und Gesten ein, als die Blicke einiger an dem schwarzen Saum mit weißer Rüschenborde unter meinem Mantel hingen blieben. Normalerweise zog ich mich immer um, doch da ich nun mal die Zeit vergessen hatte, waren meine normalen Kleidungsstücke einfach in einer Tasche gelandet, die ich nun in den Händen hielt.
Die bunten Leuchtreklamen, die man hier überall sehen konnte, zeigten immer wieder ungnädig die später werdende Zeit an. Ich hätte um sechs Uhr abends zu Hause sein müssen – nun war es schon halb sieben. Der Grund war nicht, dass ich übervorsorgliche Eltern hatte, sondern, dass meine Mutter mir ihren neuen Freund samt Sohn vorstellen wollte. Mir war zwar immer noch nicht klar geworden, wie lange die schon eigentlich zusammen waren, aber der schmale Ring, der neuerdings die Hand meiner Mutter zierte, sprach für sich.
Und wie sah es denn jetzt aus, wenn ich dann letztendlich eine Stunde zu spät daheim sein würde? Der erste Eindruck war negativ, mein Essen war auch kalt und meine Nase fühlte sich momentan so an, als dürfte ich Weihnachten mit einer Menge Taschentücher verbringen.
Wenigstens hatte ich Glück mit meinem Zug, kaum kam ich an, schon fuhr er ein. Wie um jede andere Tageszeit auch strömten viele Menschen aus dem Zug und die Masse, die in den Zug wollte, drückte mich mit hinein. Durch die Scheiben konnte ich nun erahnen, dass ich sogar dem feinen Nieselregen, der gerade einsetzte, entkam. Wie gut, dass mein Mantel eine große, flauschige Kapuze hatte, sodass ich nicht auch noch wie ein begossener Pudel daheim ankam.
Meine Mutter versuchte wahrscheinlich im Moment, mich auf meinem Handy zu erreichen, aber stellte dann fest, dass es in meinem Zimmer fröhlich, mit meinem momentanen Lieblingslied, vor sich hin klingelte – falls es nicht auf stumm geschaltet war. Hätte ich das Teil nicht vergessen, dann wäre ich jetzt nicht zu spät. Aber warum stelle ich mir überhaupt einen Alarm an, wenn ich es zu Hause vergesse? Manchmal wurde meine eigene Dummheit echt zu viel.

Vorsichtig und leise versuchte ich meinen Schlüssel im Schloss herum zu drehen, aber das Klicken klang in dem vollkommen stillen Hausflur wie eine Explosion in meinen Ohren.
»Verdammt«, murmelte ich leise, ehe ich die Tür wieder hinter mir schloss. »Ich bin wieder zu Hause! Entschuldigt die Verspätung!« Schnell schlüpfte ich aus meinen Stiefeln, steckte einen Fuß nach dem anderen in meine schwarzen Hausschuhe, bevor ich mich in Richtung Wohnzimmer begab.
Meine Mutter kam mir entgegen. »Eve, alles in Ordnung?« Sorgenvoll sah sie mich aus ihren braunen Augen an und nahm mir meinen Mantel ab.
»Danke. Ja, ich habe leider die Zeit vergessen. Tut mir wirklich Leid.« Ich beugte mich leicht hinunter.
»Das muss es nicht, aber warum trägst du denn noch das Kleid?« Fragend richtete sie ihren Blick auf das schwarzweiße Kleid, das ich gerade trug.
»Um nicht noch mehr Zeit zu vertrödeln«, erklärte ich und sie nickte verständlich, wobei ihre schwarzen, zum Zopf zusammen genommenen Haare hin und her wippten.
Doch meine Sprachfähigkeit verschwand, als ich dort am Wohnzimmertisch den Jungen mit den hellbraunen Haaren erblickte. Asakura Fuuto. Da saß Asakura Fuuto an unserem Essenstisch! Ich war nun nicht unbedingt ein Fan von ihm, aber ein Idol, das ganze Konzerthallen füllte, persönlich zu treffen, das passierte einem nun wirklich nicht alle Tage.
»Darf ich vorstellen? Meine Tochter Nagami Eve. – Eve!« Meine Mutter stieß mir leicht in die Seite.
Häh? Wo? Was? Ich schüttelte meinen Kopf.
»Willst du deine Verspätung etwa mit Bedienung in Maid-Kleidung wieder wett machen?« Okay, entweder war das hier nur ein perfektes Double oder Asakura Fuuto war verdammt gut im Schauspielern. Das klang nicht mal annähernd so wie die Ansagen, die er immer auf seinen Konzerten machte.
»Bitte was?«, fragte ich empört. Auch, wenn man mir den Vorwurf machen konnte, dass ich mich stark verspätet hatte, so tolerierte ich es allerdings nicht, wenn man so zu einer komplett fremden Person sprach – Idol hin oder her.
Der Mann, welcher offensichtlich der Freund meiner Mutter und somit dessen Vater war, stand auf und sah mich entschuldigend an. »Entschuldige sein Verhalten – Fuuto war definitiv zu viel alleine, aber änder etwas daran. Aber es freut mich, endlich Miwas reizende Tochter kennenzulernen. Asahina Rintarou mein Name und sein Name ist Asahina Fuuto. Freut mich, Eve-san.«
»Ebenfalls, Rintarou-san. Es tut mir wirklich Leid, dass ich euch habe warten lassen, aber ich vergesse gerne mal die Zeit, daher konnte ich mich nicht mehr umziehen.« Langsam setzte ich mich auf meinen Stuhl neben Fuutos Platz – irgendwie war mir das ziemlich unangenehm. Schließlich war seine Freundlichkeit zum größten Teil nur eine Fassade, damit die Mädchen nicht kreischend wegrannten.
Nachdem sich auch die Erwachsenen wieder hingesetzt hatten und meine Mutter uns tatsächlich warmes Essen präsentieren konnte – ich war der festen Überzeugung, dass es längst kalt hätte sein müssen –, hörte man erst nur die üblichen Geräusche, die beim Essen entstanden.
»Auf welche Schule gehst du eigentlich, Eve-san?«, fragte Fuutos Vater mich.
Ich sah auf. »Hinode-Highschool, 1. Jahrgang.«
»Ah, damit ist schon mal entschieden, auf welche Highschool du gehen wirst, Fuuto. Schließlich hast du es ja selber vorgeschlagen, die Highschool zu besuchen. – Und, wie voll ist dein Terminplan, Fuuto?«
Der Angesprochene wirkte leicht genervt, aber überspielte es gleich wieder mit einem besserwisserischen Gesichtsausdruck. »Morgen habe ich ein Interview für eine Sendung über junge, populäre und beliebteste Idole und die nächsten Tage bin ich im Tonstudio. Mein Weihnachtskonzert hingegen musste ja abgesagt werden, weil die mir ja keine neue Konzerthalle mieten wollten.«
Ich überlegte kurz und es fiel mir wieder ein. An Heiligabend wollte er ein Konzert in Osaka geben, allerdings war die größte Halle abgebrannt; niemand wusste, warum und wie.
»Dann muss meine Eve dieses Jahr Weihnachten nicht alleine verbringen, stimmt’s Eve?«
Von Anfang an war mir klar gewesen, dass meine Mutter auch dieses Jahr nicht zu Hause sein würde – es war generell eine Seltenheit. Aber sie war nun mal Journalistin mit Leib und Seele und scheute sich auch nicht davor, dafür um die Welt zu reisen. So hatte sie wahrscheinlich auch Rintarou kennen gelernt, da dieser nach meinen Informationen ein bekannter Abenteurer war – da hatten sich wirklich zwei gefunden.
Dennoch würde ich die meiste Zeit alleine bleiben, selbst mit baldigem Stiefbruder. Idole hatten schließlich einen vollen Terminplan.
Trotzdem nickte ich leicht, auch wenn ich jetzt nicht unbedingt darauf scharf war, mit einem unfreundlichen Idol das Weihnachtsfest zu verbringen.
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