Die Darcys auf Pemberley Teil I

von Bihi
GeschichteRomanze / P16
Elizabeth Bennet Fitzwilliam Darcy Georgiana Darcy
14.05.2014
16.05.2014
6
26403
29
Alle Kapitel
15 Reviews
Dieses Kapitel
3 Reviews
 
 Datenschutzinfo
 
Endlich, kurz nach Ostern, waren die Räume für die Herrin fertig und Elizabeth war begeistert. Jedes Detail sprach von seiner Liebe zu ihr. Er hatte sich an seinen Vorstellungen von Pastelltönen und an ihrer Vorliebe für blau und gelb orientiert. Da es zu aufwendig gewesen wäre, die Türen der Schränke im Ankleidezimmer zu ersetzen – und Holz ja auch nachdunkelte – hatte er die Türen mit Stoff bespannen lassen. Der Salon war eine Mischung aus Pastelltönen für Wand und Boden und Sommerfarben für die Accessoires. Auch das gefiel ihr offensichtlich sehr, aber Fitzwilliam bemerkte mit leichter Enttäuschung, dass sie sich wie suchend umsah. Was hatte er nur übersehen? Nun, sie würde es wohl irgendwann sagen, wenn es wichtig genug war. Das Schlafzimmer ähnelte dem Ankleidezimmer.
Elizabeth ging von Raum zu Raum, bewunderte Details – und ihren Gatten für die wundervolle Planung. Zum Glück waren Mrs. Reynolds und Georgiana anwesend. Sie dachte verschämt daran, wie viele Küsse sie ihm wohl sonst schon allein für einen Raum gegeben hätte – am helllichten Tag und ohne zu bedenken, ob ihm das recht wäre! So sah sie ihn immer wieder nur mit leuchtenden Augen an. Das war ihm sicher auch lieber, schließlich war er ein würdevoller Gutsherr. Da konnte sie ihm doch nicht einfach um den Hals fallen, obwohl es sie so sehr danach verlangte. Es war wirklich schwer, eine würdige Gutsherrin zu sein! Aber, wie gesagt, zum Glück waren sie ja nicht allein. Schließlich konnte sie nicht anders. Nur Blicke reichten ihr nicht mehr. Sie ging dicht neben ihm und immer, wenn sie vor Freude am liebsten unschicklich gewesen wäre, drückte sie seine Hand oder seinen Arm.

'Warum habe ich nicht daran gedacht, diese erste Besichtigung nur mit meiner kleinen Elfe zu machen? Ich hätte sie durch die Räume führen können. Wie sie mich anstrahlt, als ob sie mir um den Hals fallen oder gar einen Kuss geben möchte. Aber sie weiß natürlich, dass sich das für eine Gutsherrin nicht schickt, jedenfalls nicht in Anwesenheit anderer.
Warum habe ich mich nur selber um diese Freude gebracht? Vielleicht kann ich sie heute Abend dazu animieren. – Nein, das zählt dann nicht mehr. Sie soll mich ja freiwillig küssen, und nicht, weil ich es einfordere. Wenn ich Glück habe, hält ihre Freude ja so lange an, dass sie das dann immer noch tut.
Wenn sie mir jedes Mal, wenn sie meinen Arm oder die Hand drückt, einen Kuss geben will, wären wir aus dem ersten Raum noch nicht heraus und wir könnten morgen und übermorgen die Besichtigung fortsetzen. Wenn ich jemals wieder einen Raum für sie einrichten sollte, werde ich dafür sorgen, dass wir ihn ganz alleine besichtigen.'

Am Abend kam sie schüchtern auf Fitzwilliam zu. Statt ihm wie erhofft um den Hals zu fallen, trat sie wie ertappt von einem Fuß auf den anderen und bat verlegen, weiter bei ihm schlafen zu dürfen, solange es nicht stört.
„Natürlich schläfst Du weiterhin bei mir, meine Elfe!“ 'Was soll das? Ich habe doch gesagt, dass sie bei mir schlafen kann, so lange sie will, und wieso 'solange es nicht stört'? Na, darüber sprechen wir später.'
Vorerst war er angenehm überrascht von ihrem Ungestüm, mit dem sie ihre Freude ausdrückte darüber, dass ihre Räume fertig waren (ein Extra-Kuss!), und darüber, dass sie einen davon vorerst nicht zu benutzen brauchte (noch ein Extra-Kuss!). Dann schnurrte sie fast vor Behagen unter seinen Liebkosungen. Sie war immer noch sein verschämtes Elfchen, aber zeigte sie ihm erstmals offen, dass sie bestimmte Zärtlichkeiten genoss. Das war ein großer Fortschritt und er war selig darüber, konnte er ihr doch endlich das geben, was ihr gefiel.
Inzwischen hatte er auch eine Methode gefunden, wie man ihr 'peinliche' Informationen entlocken konnte. Kurz vorm Einschlafen löschte er das Licht, nahm sie in den Arm und bat, ihm zu sagen, was sie belastete. Nachdem keine Antwort kam, sagte er: „Ich habe den Eindruck, dass Dir etwas im Salon fehlt. Ich habe mir den ganzen Tag überlegt, was es sein könnte.“ 'Bitte, sag es mir, Elfchen, bitte!!'
Da überstürzten sich auf einmal ihre Worte: „Er ist vollkommen, wirklich, absolut traumhaft. Und wir müssen ja auch noch keine Wiege hineinstellen. Das hat noch Zeit. Aber die Hebamme hat mir heute gesagt, dass ich spätestens in drei Monaten endlich eine Ausrede haben werde, nicht mehr das Bett mit Dir teilen zu müssen. Dabei will ich doch gar keine Ausrede haben. Und nun weiß ich nicht, ob das von ihr eine Anordnung gewesen war. Ich mochte nicht nachfragen. – Und neben das Sofa oder gleich an die Chaiselongue passt eine Wiege doch wunderbar, oder?“ Sie hielt atemlos inne.
„Du hast Dich von einer Hebamme untersuchen lassen und mir nichts davon erzählt? Wann war das?“
„Als Du wegen der Pächter unterwegs warst. Kurz bevor Du mir die neuen Räume gezeigt hast. Die sind schöner als ich es mir hätte erträumen können. Aber ich konnte vor den anderen doch nicht mit meiner Neuigkeit herausplatzen. Das gehört sich doch nicht, und dann geht das vorerst nur Dich und mich was an, oder?“
„Und warum erzählst Du das erst jetzt?“
„Ich wusste nicht, wie ich es sagen soll“, klang es auf einmal sehr viel kleinlauter.
Er unterdrückte einen Seufzer. Dass seine Elfe aber auch immer im unpassenden Moment schüchtern war. Er machte das Licht wieder an. „Komm, Elfchen, zeig mir Dein Gesicht!“
Sie sah zu ihm auf, sah ihm fast angstvoll in die Augen. „Bist Du mir böse?“
„Böse? Ich könnte das ganze Haus mit meinen Freudenschreien wecken!“

Nun lächelte sie zaghaft, gestand aber, fürchterliche Angst vor der Zukunft zu haben. Aber er wusste nicht nur, wie er ihr peinliche Informationen entlocken, sondern auch, wie er sie beruhigen konnte. In seiner zärtlichen Umarmung mit seinen gemurmelten Trostworten vergaß sie die Angst vorerst. Entspannt lauschte sie weiter seiner beruhigenden Stimme („Elfchen, wir schaffen das! Keine Angst, Du bekommst alle Unterstützung, die mir möglich ist! Du bist nicht alleine! Keine Angst, wir schaffen das!”) und ließ ihre Gedanken wieder zum Gespräch mit der Hebamme zurückwandern.
Dann fragte sie glucksend: „Fitzwilliam, was hast Du mit meinem Nachtgewand der Hochzeitsnacht gemacht? Ich habe es nicht mehr gesehen, seit wir hier angekommen sind, und ich habe den Verdacht, das ist Deine Schuld. Das wird mir in den kommenden Monaten gut passen, wenn die Hebamme Recht behält.“
„Du hast es gesehen, mehrfach sogar. Ich habe es der Schneiderin gegeben und sie beauftragt, so viele Nachtgewänder wie möglich daraus zu fertigen. Ich weiß nicht, ob sie zwei oder drei lieferte. Aber sie errötete noch tiefer als Du, als ich ihr das gute Stück auf den Tisch legte und den Auftrag gab. Als Herr habe ich solche Kleidungsstücke zwar jede Nacht vor Augen, darf sie am Tage aber nicht wiedererkennen.“
„Du hast es doch nur eine Nacht gesehen! Die anderen beiden Nächte war das Licht gelöscht, und danach war es verschwunden!”
Jetzt lachten beide. Er schwor sich, mit ihr sein Bett zu teilen, so lange sie bleiben mochte, auch wenn sie nur miteinander reden durften. Die Nächte mit ihr fehlten ihm schon jetzt, aber dagegen stand die Aussicht auf einen Erben für Pemberley.
„Hat die Hebamme auch schon gesagt, wann wir die Wiege brauchen werden?“
„Ich konnte ihr keine hilfreichen Angaben machen, aber sie meinte, ab Oktober oder November, wohl eher Oktober.“
„Was soll das heißen, Du konntest keine hilfreichen Angaben machen?“
Jetzt konnte Elizabeth ein Kichern nicht mehr unterdrücken: „Sie wollte doch tatsächlich wissen, ob ich mich erinnern könnte, wann Du Dich mir genähert hast. – Woher soll ich wissen, welche der Näherungen sie meinte? Meine Unpässlichkeit ist fünf Wochen nicht aufgetreten, aber sie glaubt, das Kind ist schon größer.“
Sie unterhielten sich noch lange. Gegen die Gewohnheit blieben sie beim vertraulichen 'Du', das sonst nur bei gelöschtem Licht verwendet wurde. Fitzwilliam war hin und her gerissen. Er wollte mit ihr reden, reden, reden, aber er wollte sie auch nicht überanstrengen und sie brauchte ihren Schlaf. Sie musste sich doch schonen. Elizabeth dagegen war so glücklich, dass sie wohl nicht auf ihn gehört hätte, selbst wenn er ihr befohlen hätte, zu schlafen. Schließlich wurde es doch ruhig im Zimmer.

'Sie bekommt ein Kind. Sie schenkt mir ein Kind. Es ist nicht zu fassen. Ich werde die Wiege der Darcys selber hervorholen und eigenhändig säubern. Dann stell ich sie in den Salon, weil mein Elfchen sie da haben möchte, obwohl sie doch wohl ins Schlafzimmer gehört. Die Wiege ist schwer. Die kann nicht so einfach von einem Raum zum anderen gebracht werden. Ich sollte eine zweite kaufen. Unser Kind! Wo stand die Wiege bei Georgianas Geburt? Ich glaube, im Zimmer der Nanny. Das scheint mein Elfchen nicht zu wollen. Ist die passende Bettwäsche noch vorhanden? Sonst wird meine Elizabeth eben neue fertigen. Sie bekommt mein Kind! Gibt es einen schöneren Satz? Oh, meine Elizabeth, mein geliebtes Elfchen!'

In der Freude dieser Nacht vergaß Elizabeth, dass sie ja eigentlich bedrückt war, weil sie das Bett ihres geliebten Fitzwilliam verlassen musste, wenn die Hebamme Recht behielt. Ihr war die große Veränderung seit der Hochzeitsnacht nicht bewusst. Fitzwilliam wäre froh gewesen, hätte er den Sinneswandel erfasst. Sie hatte ihre Bedrückung so zwischen Freude über die Räume und Nachricht von der Schwangerschaft 'verpackt', dass sie ihm entgangen war. Seine Elizabeth trug nicht nur sein Kind unter ihrem Herzen, sondern sie liebte es auch, bei ihm zu schlafen, mehr als anderswo. Eine größere Seligkeit hätte es für ihn in dieser Nacht nicht geben können.
Review schreiben