A Robinson's Affair

von Mette
GeschichteRomanze, Freundschaft / P18
Johannes Thingnes Bø Kaisa Mäkäräinen Ole Einar Bjørndalen Tiril Eckhoff Tora Berger
13.05.2014
24.05.2020
121
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13.05.2014 1.967
 
Es ist natürlich wie immer fast alles der Phantasie entsprungen, die Charaktere sind der Realität entliehen. Ich verdiene kein Geld damit.


Ich bin gespannt, ob euch das hier zusagt.
Es ist wieder etwas breiter angelegt, als meine letzten Biathlonstories, dementsprechend länger und vielleicht auch etwas tiefergehend. Das müsst ihr entscheiden.
Ich würde mich, wie immer, über Reviews freuen und auch, wenn ihr ein bisschen Werbung für diese Story machen würdet. Sie liegt mir am Herzen, wie schon lange keine mehr.

Bedankt.






„Sie ist heiß.“

Johannes Thingnes Bø verschränkte die Arme vor der Brust und lehnte sich auf dem Stuhl zurück. Sein Blick folgte der gerade den Frühstücksraum betretenden Kaisa Mäkäräinen, die zielstrebig die Kaffeebar ansteuerte.

     „Mh? Wen meinst du?“

Emil Hegle Svendsen, der neben ihm saß, aber mit seinem Smartphone beschäftigt war, hob neugierig den Kopf. Zwar sah er die Finnin ebenfalls, brachte sie jedoch nicht mit Johannes‘ Äußerung in Verbindung, daher suchte er weiter. „Wer ist heiß?“, hakte er nach, als von dem neben ihm sitzenden keine Antwort kam.

Johannes seufzte. „Kaisa natürlich.“

Emil brach in spontanes Gelächter aus, das das Objekt der Begierde des Jüngeren aufmerksam werden ließ. Sie sah zu den beiden Norwegern herüber und runzelte sichtlich die Stirn. Johannes errötete zutiefst, doch Emil hob die Hand zum Gruß.

Kaisa lächelte spartanisch und winkte zurück. Sie trug ihren Kaffee zu einem leeren Tisch und setzte sich.

„Seit wann stehst du auf ältere Semester?“, wollte Emil von Johannes wissen. Der bemühte sich, sich wieder auf sein eigenes Frühstück zu konzentrieren, und nicht dauernd zu der weißblonden Finnin hinüber zu starren. Sein Gesicht wies immer noch die Farbe einer Tomate auf und es war hier drinnen einfach nicht warm genug, um es auf die Temperatur zu schieben.

„Tu ich doch gar nicht“, murmelte er unter sich. „Dass sie heiß ist, hat doch nichts mit dem Alter zu tun.“

„Dann wäre sie auch heiß, wenn sie sechzig wäre?“

„Was? Nein! Das heißt… Weiß ich nicht, aber wenn sie sechzig wäre… Naja, wahrscheinlich wäre sie es dann immer noch.“ Er rutschte unruhig auf seinem Stuhl herum. „Das heißt aber nicht, dass ich wie dieser Typ aus dem Film bin.“

„Welcher Typ aus welchem Film?“ Svendsen legte sein Smartphone beiseite und leerte seine Teetasse. Er wollte sich noch einmal Nachschub holen.

„Der Typ, der auf diese ältere Frau steht. Mrs. Robinson, du weißt schon.“ Johannes summte die Melodie des bekannten Songs der noch bekannteren Simon & Garfunkel an. Jetzt fiel auch bei dem cineastisch weniger bewanderten Hegle Svendsen der Groschen und er lachte erneut.

Johannes schaufelte sein Müsli in sich hinein. Er hatte geahnt, dass es besser gewesen wäre, den Mund zu halten.

Aus dem Augenwinkel heraus nahm er wahr, dass Emil zum Büffet ging, um sich noch heißes Wasser und einen Beutel schwarzen Tee zu organisieren. Als er mit dem Rücken zu ihm stand und es ihm hinterher nicht vorhalten konnte, weil er es nicht sah, schielte er in Richtung Kaisa.
Sie saß mit übereinander geschlagenen Beinen am Tisch, las in einem Buch und hielt mit der freien Hand ihre Kaffeetasse fest. Die feuchten Haare hatte sie zu einem Zopf gebunden, aus dem ein paar kürzere Strähnen heraus- und ihr ins Gesicht hingen.

     Eindeutig. Heiß.



„Brauchst du noch lange, ich müsste auch nochmal ins Bad.“

Kaisa klopfte dezent gegen die Tür. Mari Laukkanen, mit der sie sich ein Hotelzimmer teilte, neigte wie immer dazu, ewig das Badezimmer zu blockieren. Was machte sie nur da drinnen? Kaisa lauschte, konnte jedoch nichts hören.

     „Mari?“, hakte sie daher nach, denn so langsam musste sie nicht nur dringend noch einmal auf die Toilette, sondern sie brauchte auch noch ihre Socken, die zum Trocknen über der Duschwand hingen.

     „Gleich“, rief die andere gedämpft. „Drei Minuten noch.“

„In drei Minuten habe ich in die Hose gepinkelt!“ Kaisa übertrieb mit Absicht, denn sie wusste, dass Mari sonst aus den veranschlagten drei locker sechs oder sieben Minuten machen würde. Und tatsächlich dauerte es länger, fast vier, ehe die Tür geöffnet wurde und Mari herausschwebte.

Der französische Zopf saß schief, dafür war der Lidstrich umso breiter.

     „Schon fertig“, verkündete sie strahlend. Kaisa schob sich an ihr vorbei und schlug die Tür hinter sich zu. In Windeseile ging sie zuerst auf die Toilette, raffte ihre Socken zusammen und fasste ihre Haare dann ebenfalls zu einem Zopf zusammen, der sie beim Training nicht stören würde.

„Es ist gar nicht so kalt heute“, meinte Mari, als sie kurz darauf ihre Sachen im Mannschaftsbus verstauten, der sie beide und die beiden anderen Athletinnen, Sanna Markkanen und Annukka Siltakorpi, vom Hotel in Joensuu zur Biathlonstrecke nach Kontiolahti bringen würde.

„Zum Glück nicht!“ Kaisa, die trotz der Tatsache, dass sie Finnin und Biathletin war, Kälte nicht mochte, hob die Nase in die Luft. Es herrschten zwar keine zweistelligen Plusgrade, doch da es an diesem Weltcuport schon manches Mal ebenso hohe Minusgrade geherrscht hatten, war sie über jedes Grad über Null froh. Heute taute es sogar etwas.

Die Strecken würden bei diesem Wetter allerdings nicht die Besten sein, schon gar nicht mehr zu den Frauenrennen, denn nachdem neunzig oder sogar noch mehr Männer über weichen Sulz gedonnert waren, wurde dieser nicht härter. Im Gegenteil.

Kaisa lud ihre Tasche in den Bus und kletterte auf die mittlere Bank. Direkt danach steckte sie die Stöpsel ihrer Kopfhörer ein und schaltete den Musicplayer an. Es wurde Zeit, sich einzustimmen, zudem war die Fahrt zum Biathlonstadion eine der längsten im gesamten Weltcup.

Nachdem sie die Stadtgrenzen hinter sich gelassen hatten, würde über eine halbe Stunde lang nur Wald kommen, ehe die Bäume sich lichten und das Stadion zu sehen sein würde. Ihr Stadion, es war für sie der Heimweltcup. Hier kannte sie sich aus wie sonst niemand, abgesehen von ihren Mitathletinnen. Es waren ihre Strecken, ihr Schießstand. Ihre Bedingungen.

Sie fühlte sich gut und hoffte, es an diesem Wochenende auch genauso abrufen zu können, immerhin ging es noch um wertvolle Punkte für den Gesamtweltcup.

Und den wollte sie unbedingt gewinnen, da es schon mit einer Medaille bei den olympischen Spielen nicht geklappt hatte.

Sie merkte, dass sie Gefahr lief, sich in unschönen Gedanken zu verlieren und suchte nach einem Song, der sie ablenken konnte. Als sie einen gefunden hatte, drehte sie die Lautstärke noch etwas höher, lehnte sich zurück und schloss die Augen. Irgendjemand würde sie schon wecken, wenn sie angekommen waren.



Johannes umrundete die letzte Kurve und hielt sich in Richtung des Athletenbereichs, um sich für den Wettkampf bereit zu machen. In einer guten Viertelstunde wurde der Sprint gestartet und die Strecke, die zum Einlaufen benutzt werden konnte, wurde gleich gesperrt. Er wich einem Letten aus, bremste und stieg aus der Bindung. Da er sich dabei bückte, entging ihm, dass Emil hinter ihm heranglitt. Erst als jener ihm kurz die Hand auf den Rücken legte, registrierte er jemanden und richtete sich wieder auf.
     
     „Na, hast du deine Anne Bancroft schon gesehen?“, unkte Svendsen und deutete mit dem unrasierten Kinn in Richtung der gerade den Athletenbereich betretenden Kaisa. Johannes‘ Wangen liefen rot an, was nur zum Teil daher rührte, dass er der Finnin ansichtig wurde. Der andere Teil kam daher, dass er sich darüber ärgerte, Emil etwas davon erzählt zu haben. Aber es war ihm am Morgen einfach so herausgerutscht, als Kaisa zum Frühstück gekommen und eben einfach… heiß gewesen war. Es hätte ihm klar sein müssen, dass Svendsen das nicht kommentarlos hinnehmen konnte.

     „Das hast du aber flott gegooglet“, sagte er nur, mit zusammengebissenen Zähnen.

„Brauchte ich gar nicht googlen, ich habe einfach Ann-Kristin gefragt. Die kennt doch jeden Film, der je gedreht worden ist. Ihren Auskünften nach zufolge bist du gerade Dustin Hoffman.“ Was Emil unheimlich lustig fand, Johannes eher weniger. Er rollte mit den Augen.

„Ich hoffe für dich, dass du dich vage gehalten hast, wieso du das alles wissen willst.“ Gemeinsam gingen sie zu der Ecke, in der sich die Norweger eingerichtet hatten, um vor dem Rennen die Kleider zu wechseln und die Ski zu deponieren. Hier standen ihre Taschen und die Säcke für die Kleider, die sie vor dem Start ablegen würden.

„Warum? Ist es dir peinlich? Kaisa ist doch nett. Ich kenne mindestens einen, der in der Vergangenheit schon einmal schlechteren Geschmack bewiesen hat.“

     „Eigentlich war es mir nicht peinlich, aber seitdem du diese Farce daraus gemacht hast, ist es das!“, zischte der jüngere der Bø-Brüder. „Es ist ja nicht so, dass sie dreißig Jahre älter ist als ich!“

„Es sind zehn, das musste ich dann doch nachschlagen“, konterte Svendsen prompt. „Zehn und ein paar Monate, sie ist im Januar geboren und du im Mai.“

     „Ich weiß, wann ich Geburtstag habe. Kannst du mich jetzt wieder in Ruhe lassen? Ich muss gleich zum Start.“

„Ich auch, und wer hat denn heute Morgen so ein Ei gelegt, dass er auf Kaisa steht?“

     Johannes schnaubte. „Ich habe lediglich gesagt, dass sie heiß ist. Da besteht ja wohl ein Unterschied.“ Die Gesprächslautstärke hatte sich mittlerweile auf ein Minimum reduziert, da sich die beiden Norweger nun inmitten ihres Teams befanden. Er hoffte, dass Emil nichts mehr dazu sagen würde, doch da kannte er ihn anscheinend schlecht.

„Ein winzig kleiner“, gestand Emil ihm zu. Er schälte sich aus seiner Überzugshose und packte sie in den bereitliegenden Plastiksack. Jeder Athlet hatte seinen eigenen, damit die Säcke und die darin befindlichen Kleider von Helfern zum Zielbereich transportiert werden konnten. Außerdem wurde so nichts nass oder klamm. „Was hältst du von einer kleinen Wette, JT?“

     „Nichts.“

„Schade. Wenn ich gewinnen würde…“

     „Hier geht’s doch nicht ums Wetten gewinnen, Mann!“ Johannes richtete sich auf und tippte sich an die Stirn. „Und das muss auch noch ich dir sagen.“ Er schüttelte den Kopf und ließ Emil einfach stehen. Der ließ sich jedoch nicht so schnell abschütteln, machte sich fertig und ging dem anderen hinterher.

„Zum Ende der Saison hin kann es auch mal darum gehen, eine Wette gewinnen zu wollen“, meinte er mit nun gedämpfter Stimme. „Und nicht nur Punkte für den Weltcup. Außerdem steht nirgends geschrieben, dass das eine das andere ausschließt. Wir können also gleichzeitig um Kaisas Telefonnummer wetten und Punkte einfahren. Damit meine ich, wenn ich die Wette gewinne, besorge ich dir ihre Nummer. Und wenn du gewinnst…“

     Johannes ließ ihn erneut nicht ausreden. Er putzte seine Brille und setzte sie auf. „Was will ich denn mit ihrer Telefonnummer? Wenn ich sie etwas fragen will, gehe ich einfach zu ihr hin. Es ist ja nicht so, dass wir uns wochenlang nicht sehen können.“ Im Gegenteil, dachte er bei sich. Manchmal war der Kontakt zu ihnen allen ihm schon fast zu eng und er freute sich, wenn es nach der Saison wieder etwas weniger wurde. Er war froh, einige Gesichter bald nicht mehr so oft sehen zu müssen.

Emil stützte sich auf seinen Stöcken ab. „Na dann machen wir doch daraus eine Wette. Wenn du heute besser abschneidest als ich, gehst du zu ihr und… naja fällst vielleicht nicht gleich mit der Tür ins Haus, aber…“ Er schnalzte mit der Zunge. „Stellst die Weichen.“

     „Ich weiß selbst, wie man sich ein Mädel klarmacht“, knurrte der kleine Bø. Und er hatte mitnichten vor, dies bei Kaisa unter Beweis zu stellen, ob sie jetzt heiß war oder nicht. Dass er bei ihr keine Chance hatte, wusste er auch ohne Fehlversuch.

„Ein Mädel vielleicht“, sagte Hegle Svendsen abschließend. „Aber Kaisa ist eine Frau.“ Er klopfte dem Jüngeren auf die Schulter. „Die Wette gilt, JT.“
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