Worauf wartest du noch?

von kwieen64
GeschichteDrama, Romanze / P16
Dr. Cal Lightman Dr. Gillian Foster Eli Loker Emily Lightman Ria Torres
12.05.2014
13.11.2014
28
48.998
2
Alle Kapitel
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Dieses Kapitel
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12.05.2014 1.946
 
Wie solche Gespräche mit Cal enden, wenn es dabei um Gefühle, speziell seine gegenüber Gillian geht, haben wir mehr als einmal erlebt! Wohin die Unterhaltung mit Emily wohl geführt hätte, wenn es eine 4. Staffel gegeben hätte? Ich versuche an dieses (leider viel zu frühe) Ende mal anzuknüpfen.

Vielleicht könnt ihr euch ja aufraffen, mir einen kurzen Kommentar zu hinterlassen, wie ihr mein erstes Kapitel findet und ob ihr die weiteren überhaupt noch lesen wollt...oder ob es so großer Mist ist, dass ich gleich aufgeben kann. Nur Mut, ich beantworte jedes Review, was ihr auch in meinen anderen Geschichten sehen könnt.

Freue mich und bin schon sehr gespannt, neue interessante “Lie to me”-Fans kennen zu lernen.




„Ich hab' ne Frage.“ Em durchbohrte ihn mit einem ihrer „Es ist jetzt wirklich wichtig, Dad“-Blicken. Er tat das, was er am besten konnte, setzte sein unschuldigstes „Ich verstehe nichts“-Gesicht auf!

Heute war ein schrecklicher Tag gewesen – es war so viel Furchtbares passiert – Gillian, seine Gil -  noch nie hatte er sie so aufgelöst erlebt. Noch nicht einmal damals auf dem Balkon,  als sie ihm von Sophie erzählt hatte. Selbst bei der Trennung von Alec – da war sie zwar auch aus der Spur gewesen, aber dass ausgerechnet Claire in ihren Armen gestorben war! Ihre ganze Selbstbeherrschung war in diesem See von Blut davon geschwommen und ihr erster Gedanke war, gerade IHN anzurufen.

„Dad!“ Er brauchte jetzt Ruhe und keinen bohrenden Fragen seiner zu schlauen Tochter. Also, erst einmal ablenken.  „Oh, oh... Was für ein Blick ist das?“ Emily sah ihn nachdenklich an, holte tief Luft und setzte zum Sprechen an. „Gillian – liebst du sie?“ fuhr sie eindringlich fort. Obwohl er ihren durchdringenden Blick fühlte, war er nicht fähig, ihr zu antworten, ohne sich zu verraten. Also musste er auf eine gute, altbewährte Strategie zurück greifen.

„Wo ist Liam?“ lenkte er plump ab. „Hmmm, Ironie....ausgerechnet heute sprichst du seinen Namen mal richtig aus.“ Ihr trauriger Blick schnitt ihm ins Herz. Emiliy schien den Tränen nahe. Cal nahm ihr sanft das Netbook aus der Hand und setzte sich neben sie aufs Sofa. „Is' alles in Ordnung?“ hakte er nach. Ihr „Hmm, ja, mir geht’s gut.“ klang alles andere als überzeugend. „O.k. Liam ist ein Idiot!“ Das hatte Cal gleich gewusst, dass der nichts für seine Emily war.

Sie sah ihren Vater entrüstet an. „Ich hab' Schluss gemacht!“ Das war SEINE Tochter! Ungläubig fragte Cal. „Wirklich? Was ist denn passiert?“ und die Antwort überraschte ihn. „Nichts...das ist es ja grade.“ Cal zog die Augenbrauen hoch. „O.k. Na los, du kannst es mir erzählen. Komm' schon.“ Liebevoll strich er ihr das Haar zurück und grinste verschlagen. „Das weißt du doch...und irgendwann erzählst du's mir ja doch. Also, nur du und ich. Wir können ganz offen reden, ohne Geheimnisse.“

Sie zögerte kurz und schien nach den richtigen Worten zu suchen. „Liam...Liam hält nichts von Sex vor der Ehe.“ Mühsam verkniff ihr Vater sich ein hämisches Grinsen, aber sie wäre nicht seine Tochter, wenn sie das nicht durchschaute. Em fixierte ihn wieder. „Lachst du etwa?“ Empörung lag in dieser Frage. Er atmete konzentriert aus und bemühte sich krampfhaft um einen ernsten Gesichtsausdruck. „Nein, nein...wieso? Was..nein...ich..nein, niemals.“

„Das ganze Training war immer nur ein Ersatz für was anderes...“ schlussfolgerte sie messerscharf. Wenigstens etwas hatten Zoe und er gut hingekriegt. Em war ein wirklich kluges Mädchen. „Totale Verschwendung von Oberschenkelmuskulatur!“ Diesen Witz konnte er sich nicht verkneifen. „Du kannst manchmal ein richtiger Vollidiot sein, weißt du das?“ schnappte sie empört und sah auf ihre Hände. „Das merkst du echt jetzt erst, ja?“ Vielleicht war es die Erleichterung, dass er erfolgreich von Emilys heikler Frage an ihn abgelenkt hatte, die ihn in eine solch' übermütige Stimmung versetzte. „Du bist NICHT witzig!“ Sie klang gekränkt. „Ich weiß, es ist echt tragisch...“ versuchte er kläglich, die Situation zu retten.

Emily ging nicht weiter darauf ein, sondern kam auf den Ursprung des Gesprächs zurück. Sie atmete tief durch. “Ich hab' ne Frage.“ „Oh, oh!“ warf Cal Schlimmes ahnend ein. Den Blick, den sie ihm bei dieser ernsten, fast feierlichen Einleitung zuwarf, traf ihn ins Herz. „Was für ein Blick ist das?“ Nun hatte er wohl keine Chance mehr, ihr zu entwischen. Sie wich seinem aus und schien noch ein letztes Mal allen Mut zusammen zu nehmen. „Gillian – liebst du sie?“ Ohne weiter nachzudenken, antwortete Cal. „Natürlich Schatz. Natürlich liebe ich sie.“ Aber Em unterbrach ihn bestimmt. „Nein, ich meine..“ sie zögerte kurz und hob den ihren Blick. „Liebst du sie RICHTIG?“

War sie ein Naturtalent oder wieso konnte ausgerechnet SIE in die geheimsten Winkel seiner Seele blicken? Ehe er es kontrollieren konnte, nickte er bereits und sah sie lange an. Dann senkt Cal traurig den Blick. „Ja.“ Ein Wort mit nur zwei kleinen Buchstaben, in dem alle seine nie ausgesprochenen Gefühle für Gillian lagen. Jetzt war es raus, sein großes Geheimnis. Nun war es nicht mehr nur eine Behauptung, die Ria ihm unter vier Augen, einfach so, unvermittelt an den Kopf geschleudert hatte. Diese verdammten Naturtalente! Torres hatte es jedes Mal bemerkt. Sie hatte seine Eifersucht, seine Wut und seinen Schmerz gesehen, wenn Gillian mit anderen Männer flirtete oder gar Schlimmeres tat.

Wie Emily es schon als kleines Mädchen getan hatte, wenn sie ihm besonders nahe sein wollte, kuschelte sie sich in seinen Arm und zog die Beine aufs Sofa. „Worauf wartest du dann noch?“ fragte sie einfach, klar und sehr erwachsen. Ratlos zuckte er mit den Achseln. „Tja Schatz, darauf habe ich keine Antwort.“ Dann schloss er resigniert und erschöpft die Augen.

Seine verflucht hellsichtigte Tochter, die ein Händchen für die falschen Fragen zur falschen Zeit hatte. Wie sollte er einer 17-jährigen, deren Dad er auch noch war, erklären, dass „Erwachsenenliebe“ viel komplizierter und weitreichender war als dieses „Teenagerding“ zwischen ihr und ihren Jungs. Was also hätte er ihr sonst antworten sollen, ohne sie zu belügen?

„Weil eine so wunderbare und sensible Frau wie Gillian etwas Besseres verdiente als einen durchgeknallten, hochgradig gestörten Egozentriker mit schlechten Manieren. Einen anderen als mich, der die Gabe hatte, alle Frauen, die sich auf ihn einließen, entweder unglücklich zu machen oder einfach nur zu benutzen.“ Kein Thema, das er ausgerechnet mit Emily erörtern wollte.

Vielleicht hätte er es mit der wenigstens halbwegs wahren Kurzversion versuchen sollen. So à la „Weil es keinen Sinn hätte, denn zur Liebe gehören immer Zwei. Das muss ich dir ja nicht erklären, oder?“ Als keine Antwort kam, öffnete er die Augen und schaute sich verwirrt im Halbdunkel um. Emily war aus seinem Arm verschwunden. Wann war sie gegangen?



„Warum lässt du es nicht drauf ankommen?“ flüsterte ihm eine wohl bekannte  Stimme ins Ohr. Ein  vertrauter, erregend gehirnvernebelnder Duft umweht ihn und eine zarte Hand legte sich auf seine Schulter. Cal wagte nicht, sich umzudrehen, aus Angst diese Personifizierung seiner Wünsche und geheimsten Gedanken wäre, wie ein schöner Traum, aus dem ihn sein Wecker morgens riss, wieder verschwunden.

Aber das Gegenteil war der Fall. Sein „Wunschtraum“ setzte sich neben ihn und legte ihren Kopf an seine Schulter. Das hatte nichts – aber auch gar nichts – zu bedeuten, redete er sich energisch ein. Schließlich hatte er sie erst heute morgen als Retter in größter Seelennot in den Armen gehalten. Er hatte sie vor dem Sturz ins Bodenlose bewahrt und sie, wie schon so oft, zuverlässig aufgefangen.

Cal stutzte. Seit wann war sie eigentlich da? Wie viel von seinem Gespräch mit Em hatte sie mit angehört? Panik kroch aus seinem Bauch in sein Herz und weiter in seine Kehle. Inzwischen hatte sie seine Hand genommen und drückte sie so fest, als ob sie sie nie mehr loslassen wollte. Er musste die Situation wieder unter Kontrolle kriegen! „Wo ist Emily?“ versuchte er die Lage durch eine nüchterne Frage zu entzaubern. Aber seine Stimme wollte ihm nicht so recht gehorchen, wollte nicht zu dem gewohnt distanziert freundschaftlichen Ton zurück kehren. Sie schwankte, klang verunsichert....rau und gebrochen. Verlegen räusperte er sich.

Gillian hob den Kopf und erzwang dadurch direkten Blickkontakt. Sie sog seine Augen förmlich an und hielt sie erbarmungslos fest. „Wie lange bist du schon hier?“ Eine einzige Frage, die ihm alles bedeutete. Er hätte sie auch direkt fragen können, was sie alles gehört hatte – oder noch direkter. „Liebst du mich auch?“ Aber der abgebrühte Casanova Lightman hatte Angst vor der überraschten Reaktion einer möglicherweise Ahnungslosen!

Warum konnte er nicht, wie bei seinen unzähligen anderen Eroberungen, einfach darauf ankommen lassen? Weil... er bei ihr genau das fühlte, was er nie mehr fühlen wollte. Verdammt! Sie hatten es sich doch versprochen... Heftig entzog er ihr seine Hand. „Hör' auf damit!“ fuhr er sie verzweifelt, beinahe zornig, an. „Hör' auf, mich zu lesen! Wir haben es uns versprochen!“

Ohne auf seinen Ausbruch einzugehen, legte sie ihre Hand wieder auf seine. „Ich bin mit Emily gekommen. Sie hat mich angerufen und wollte sich hier vor der Tür mit mir treffen," beantwortete sie seine nicht gestellte Frage. „Dann bat sie mich, in der Küche zu warten, weil sie eine Überraschung für mich hätte.“ Gillian lächelte und zog die Augenbrauen hoch. Eine Überraschung – so konnte man das, was sie dann zu hören bekam, auch nennen! Das war allerdings die Untertreibung des Jahres.

„Du hast uns also belauscht!“ Cal hatte sie grob weg gestoßen, war aufgesprungen und ging wie ein gereizter Tiger mit ausladenden Schritten durch den Raum. Bedrohlich nahe blieb er direkt vor Gillian stehen und durchbohrte sie mit seinem stechenden Blick. „Ihr habt mich reingelegt!“ knirschte er zornig. „Was für ein Spiel spielst du, Gillian? Und benutzt sogar noch meine Tochter dafür! Das ist....“ spuckte er abfällig.
 
Verständnislos, die aufsteigenden Tränen mühsam zurückdrängend, schüttelte sie den Kopf. „Du bist ja vollkommen übergeschnappt...lass' mich ab sofort in Ruhe. Ich will nichts mehr mit dir zu tun haben – nie mehr!“ Jetzt war es um ihre Fassung geschehen. Sie war totenblass, zitterte am ganzen Körper und ihr Gesicht war nass von stummen Tränen. „Meine Anteile an der Lightman Group kannst du zurück haben. Überweis' mir einfach den Betrag, den sie deiner Ansicht nach wert sind...und komm' mir nie mehr unter die Augen!“ presste sie mit letzter Kraft hervor. Ohne ihn eines weiteren Blickes zu würdigen, verließ sie den Raum und schloss leise, aber nachdrücklich die Tür.



Das Klappen der Haustür erschien ihm wie ein Weckruf aus einem Albtraum. Cal sah sich schwer atmend um und stürzte nach draußen auf den Hof. Aber außer ein Paar Rücklichtern, die um die nächste Ecke verschwanden, war nichts mehr zu sehen. Unfähig, sich zu bewegen, verharrte er gefühls- und gedankenleer, ohne zu wissen, worauf er wartete. „Dad!“ Emily stand hinter ihm und ihr wütend-trauriger Blick lastete tonnenschwer auf seine Schulterblättern. „Was ist in dich gefahren? Wie konntest du nur...“ Diesmal hätte er ihr, selbst wenn er wollte, keine Antwort geben können. In Momenten wie diesem verstand er sich selbst nicht. „Nur damit DAS klar ist! Gillian hat nichts von meinem Plan gewusst...ich habe sie genau so „reingelegt“, wie dich auch!“ Mit diesen Worten ließ sie ihren Vater stehen.



Na, hat unser “Gefühlslegastheniker" das nicht wieder gut hinbekommen? Bei Cal könnten wir den Kurs “Wie vergraule ich die Menschen, die ich wirklich liebe am schnellsten?” buchen... darin ist er ausgewiesener Fachmann. Oder was meint ihr?

Ob er das noch einmal hinbiegen kann? Dranbleiben, dann werdet ihr es lesen. Fest versprochen.

P.S.: Ich verspreche aber nicht zwangsläufig ein Happy-End. Fragt mal meine Cold-Case- bzw. Mentalist-Leser/innen – die kennen sich damit aus! Bei mir gehen Geschichten auch mal traurig oder böse aus. Nur so bleibt die Spannung auch erhalten!
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