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Three Rooms

von Die Meg
GeschichteLiebesgeschichte / P18 / Gen
Draco Malfoy Hermine Granger
12.05.2014
28.05.2014
24
142.856
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12.05.2014 6.569
 
Kapitel 9

„Draco, wann soll es heute Abend losgehen?“ Pansy klebte ihm praktisch an der Seite. Es war wie eine lästige Reviermarkierung, der er nicht entkommen konnte.

„Ich weiß es nicht“, erwiderte er, während er nicht sicher war, wo er seine Laune unterbringen sollte. Er war nicht gut gelaunt. Nein, nicht unbedingt.

„Du weißt es nicht?“, wiederholte Pansy mit einer Vorsicht, die nichts Gutes bedeuten konnte. „Draco, neben all den Sachen, um die ich mich für deine Party kümmern muss, weil anscheinend niemand sonst sich darum kümmern will, werde ich nicht auch noch heute rumlaufen, und die Leute daran erinnern, heute Abend bei dir auf der Matte zu stehen!“, erklärte sie mit funkelndem, Blick.

Oh Salazar, verflucht. „Pansy“, begann er, aber sie hörte ihm nicht zu.

„Du wirst Ernie Bescheid sagen, du wirst deine Ravenclaws erinnern, wobei ich Ravenclaws nicht ausstehen kann“, ergänzte sie stiller, „und ich finde, du solltest dich endlich mit Blaise vertragen, denn es ist jetzt fünf Tage her!“, stellte sie sachlich fest, während ihr Blick zornig auf einen Makel in ihrem manikürten Fingernagel fiel.

„Ja“, brummte Greg neben ihm unverständlich und erntete Dracos bösen Blick. Sicher, wann immer Gregory Pansy zustimmen konnte, ohne selber in Gefahr zu geraten, etwas tun zu müssen, war er gerne dabei, ihm in den Rücken zu fallen. Und sich mit Zabini auch nur zu unterhalten kam überhaupt nicht in Frage!

„Du kannst froh sein, dass Snape dich nicht schon hochkantig rausgeworfen hat!“, zischte Pansy jetzt, denn anscheinend war heute Mittag der Zeitpunkt gekommen, an dem Pansy ihrem Ärger Luft machen konnte.

„Ja“, bestätigte Greg erneut. Draco sah ihn erhobener Augenbraue an, was ihn wieder verstummen ließ.

„Ich meine, was soll das? Willst du nicht mehr Schulsprecher sein? Ich finde es höchst gedankenlos von dir, nicht aufzupassen! Ich meine, natürlich ist Potter nervtötend mit seiner ganzen Heldengeschichte, aber musst du ihn und Weasley zweimal die Woche schlagen gehen? Du kannst froh sein, dass Magie deine Wunden so schnell heilt, dass man wenigstens nichts sehen kann!“

„Ich habe es mir nicht ausgesucht!“, knurrte er. Wobei… das gelogen war. Aber es war egal, denn es ging Pansy überhaupt nichts an.

„Draco“, sagte sie jetzt ruhiger, „ich mache mir bloß Sorgen, verstehst du?“ Sie sah ihn aufrichtig an. Ihre grünen Augen durchleuchteten ihn, und ihr Blick war ihm mehr als unangenehm. Pansy war kein fairer Gesprächspartner. Sie wartete nur darauf, dass er ihr mehr Informationen geben würde. Aber er schwieg.

„Ich weiß nicht, ob Snape mir heute eine Strafe verpasst“, erklärte er jetzt, während er den Blick wieder seinem Porree zuwandte.

„Was?“, wollte sie lächelnd wissen, aber ihr Lächeln erreichte ihre Augen nicht.

„Wegen… Mittwoch, ich-“

„Ich weiß, weswegen, Draco!“, unterbrach sie ihn eisig. „Dann wirst du es so regeln, dass die Strafe nicht heute Abend sein wird. Ich bin sicher, das ist dir möglich? Wenn du Snape schon daran hindern konntest, dich von der Schule zu werfen, obwohl wegen dir das Quidditchspiel ausgefallen ist-“, begann sie mit Nachdruck, aber jetzt schüttelte er den Kopf.

„Wegen mir? Ich war nicht alleine in-“

„-Draco, ich bitte dich!“, sagte Pansy, als stünde von vornherein fest, dass es immer seine Schuld war! Was erlaubte sie sich eigentlich?!

„Jaah“, mischte sich Greg wieder ein, und Draco wäre fast von der Bank gesprungen vor Wut. Gregory neben ihm zuckte vor Scheck zusammen und richtete seinen Blick hastig zurück auf seinen Teller.

„Draco, außerdem ist da immer noch das Problem mit… Granger“, sagte sie betont vorsichtig. Pansy hasste Granger, das war jedem klar. Jedem, der länger als fünf Minuten mit Pansy zu tun hatte. Draco horchte auf, widerwillig, aber er konnte nicht anders.

„Was… was ist mit ihr?“ Der gestrige Tag war vergangen. Ohne, dass Potter ihn umgebracht oder Snape ihn enthoben und von der Schule geworfen hatte. Er nahm an, Granger hatte niemandem erzählt, dass er… dass er… - er musste schlucken, als er daran dachte, wie er seine Finger in ihre verflucht enge Pussy geschoben hatte, wie sie fantastische Geräusche gemacht hatte, wie er eine Gänsehaut und die härteste Erektion seit einer langen Zeit bekommen hatte, als sie sich an ihn gekrallt hatte, ihren warmen Körper gegen seinen gepresst, und ihre perfekten Brüste, weich und gleichzeitig-

„-Draco?“, vernahm er Pansys Stimme und hob irritiert den Blick. Er setzte sich auf seinem Stuhl anders hin, denn seine Erektion drückte gegen den Stoff der Hose. Fuck.

„Was?“, wollte er unfreundlich wissen, denn jetzt gerade war eine Erektion mehr als unpassend!

„Wie wir sie heute loswerden sollen?“, wiederholte Pansy anscheinend gereizt. Draco sah sie an.

„Wen?“

„Oh, Draco, könntest du mir für fünf Minuten zuhören?“, schnappte Pansy zornig, und eine leichte Röte trat in ihre Wangen. „Wenn Granger heute Abend auch da ist, wird es ein anstrengendes Pokern! Kein Alkohol, kein Gold! Wahrscheinlich schafft sie es sogar, Snape als Wachhund zu engagieren!“, empörte sich Pansy mit einem Blick über die Schulter.

Und unwillkürlich fragte sich Draco, ob Blaise Granger heute um ein Date bitten würde. Das hatte er zumindest vor gehabt, und Draco machte es rasend.

„Ich weiß es nicht, Pansy“, sagte Draco abwesend.

„Schön, könntest du dir nicht was einfallen lassen? Wir könnten sie weglocken? Aussperren? Kann sie nicht Zeit mit ihren… Freunden verbringen? Schlag es ihr vor!“

„Wir sprechen nicht, Pansy“, erwiderte Draco glatt. Nein, nicht wirklich. Er wusste nicht, was er tun sollte, aber Granger vorzuschlagen, mehr Zeit mit Potter und dem Wiesel zu verbringen könnte ihm mehr schaden als nutzen.

„Was?“, brachte Pansy gepresst hervor, und Draco widmete seine Aufmerksamkeit wieder Pansys zornigem Gesicht.

„Ich kümmere um alle Vorbereitungen und du kannst nicht diese eine Sache für mich tun?“

Und Draco hasste es, Pansys Wut abzubekommen. Er hasste es einfach! Und er sprach, ohne großartig nachzudenken.

„Weißt du, Pansy, vielleicht löst sich dein Problem, denn Blaise will Granger heute um ein Date bitten“, sagte er jetzt kalt. Zuerst schien Pansy nicht verstanden zu haben, aber dann öffnete sich ihr Mund perplex.

„Was?“, entfuhr es ihr kopfschüttelnd, und Gregs Gabel sank in seiner Hand neben ihm. „Das ist nicht dein Ernst?“, flüsterte sie zornig.

„Was denkst du, warum ich nicht mehr mit ihm spreche?“, erklärte er süffisant, denn Pansys Ärger galt nun nicht mehr ihm.

„Oh, dieser Verräter! Das ist doch wohl nicht sein ernst! Was glaubt er, wer er ist?!“

„Und du willst, dass ich mich mit ihm vertrage?“, erkundigte sich Draco lächelnd, und Pansys blickte starr geradeaus.

„Was? Nein, natürlich nicht! Ich fasse es nicht! Was ist in Blaise gefahren? Sie ist ein Schlammblut! Ein widerliches Schlammblut!“, wiederholte sie fast hysterisch. „Draco, wir müssen ihn retten!“, entfuhr es ihr, und Draco sah sie entnervt an.

„Vor was?“, wollte er glatt wissen.

„Er muss wahnsinnig geworden sein!“

„Wenn er sie fragen will, soll er doch. Sie würde sowieso nicht ja sagen.“

„Und warum nicht?“ Pansys Stimmung war in einer Nanosekunde umgeschlagen und sie beäugte ihn wieder misstrauisch. Oh, Merlin noch mal! Er hatte wieder einmal nicht nachgedacht, wenn er mit Pansy sprach!

„Weil sie an Potters Arsch festgebunden ist, Pansy.“

„Granger könnte froh sein, jemanden wie Blaise überhaupt aus der Nähe ansehen zu können!“, informierte ihn Pansy scharf. Draco atmete aus. „Was, wenn sie ja sagt?“, entfuhr es Pansy panisch.

„Was?“ Draco hatte über diese Konsequenz nicht eine Sekunde nachgedacht und hielt sie für überaus abwegig. „Wird sie nicht.“

„Woher willst du das wissen?“, schnappte Pansy besorgt.

Weil ich sie vorgestern am Türrahmen befriedigt habe.

„Potter würde ausrasten“, sagte er nur.

„Wir müssen etwas tun!“, sagte Pansy, und Draco bereute, überhaupt etwas gesagt zu haben. „Wann ist dein Termin bei Snape?“

„Um fünf, Pansy“, rang er sich ungeduldig ab.

„Gut. Bis dahin wird mir etwas eingefallen sein. Merlin, wie furchtbar! Du hättest es mir sagen sollen, Draco!“, fuhr sie ihn zornig an. Draco zuckte gleichmütig mit den Achseln. „Heute gehen die meisten nach Hogsmeade. Ich bin sicher, Granger und ihre langweiligen Freunde tun das auch. Am besten verlaufen sie sich dort für den Rest des Abends.“

Draco bereute schon, überhaupt heute Abend pokern gewollt zu haben.

„Wann geht es heute Abend los?“, wollte Greg neben ihm wissen. Draco schenkte ihm einen eindeutigen Blick.

„Dünnes Eis, Gregory. Verflucht dünnes Eis“, knurrte Draco, und Greg senkte schuldbewusst wieder den Blick auf den Teller.

~*~

Der Weg zu Snapes Büro war immer… unangenehm. Meistens hatte Snape etwas auszusetzen, und Draco wusste, heute würde er erst recht keine Ausnahme machen.
Er hatte sie gestern in Alte Runen das letzte Mal gesehen und hatte sie erfolgreich ignoriert. Es war nicht schlimm gewesen. Überhaupt nicht. Denn er war sauer auf sie.
Und sie war ein Miststück.

Und es wunderte ihn überhaupt nicht, dass sie nicht alleine vor Snapes Büro ankam. Draco hatte noch nicht das Passwort zum Wasserspeier gesagt, als Potter und Granger um die Ecke kamen. Und wieder einmal schien Granger damit beschäftigt zu sein, zu schlichten. Ihre Augen weiteten sie sich kurz, als sie ihn erkannte, aber sie senkte sehr schnell den Blick.

Potters Blick durchbohrte ihn allerdings. So wie immer. Oh, wenn Potter wüsste. Und jedes Mal, wenn er Potter sah, juckte es ihn in den Fingern. Es juckte ihn einfach! Potter hatte etwas an sich, was ihn nur zu gerne zuschlagen lassen würde! Wirklich! Und dass sie sich hinter ihm versteckte war einfach lächerlich!

Und, Granger? Hat Blaise dich schon gefragt? Sieht nicht so aus, sonst wäre Potter nicht mehr so widerlich ruhig!

„Wir sollten hochgehen“, sagte Granger nach einer kleinen Weile, in der Draco seinen gesamten Hass in seinen Blick hatte fließen lassen. Potters Mund verzog sich.

„Ja“, sagte Potter bloß. Und Draco beschloss, tatsächlich nichts zu sagen. Ihm fiel sein Plan wieder ein. Er wollte ein Ravenclaw Mädchen verführen. Wollte er das noch? So wütend wie Granger ihn machte, ja. Ja, wollte er!
Immerhin hatte Granger den Anstand, rot zu werden. Er hoffte inständig, das hier wäre verflucht noch mal unangenehm für sie. Draco sah sie an. Sie mied noch immer seinen Blick, als Potter entnervt vor den Wasserspeier trat.

„Albus Dumbledore“, sagte er laut, und der Wasserspeier wich knirschend zur Seite, ehe die Wendeltreppe in Sicht kam. Draco hatte große Lust, Potter zu schubsen, sah aber davon ab.
Potter bedeutete Granger vorzugehen, und fast hätte Draco die Augen verdreht. Fast.

Sie kamen oben an, und Draco fielen mehrere Szenarien ein, wie sich Potter ganz zufällig den Kopf einschlagen könnte, auf dem Weg nach oben. Aber er beherrschte sich erstaunlich gut.

Sie betraten allesamt Snapes rundes Büro. Der Schulleiter saß wie immer gereizt an seinem Schreibtisch und ging durch einige Unterlagen vor sich.

„Wie wunderbar“, entfuhr es ihm. „Wie ich sehe haben sich keine Wunden dazugesellt. Hallo, Miss Granger“, bemerkte er knapp. Draco sagte immer noch nichts. „Mr Malfoy, ist Ihr Abzeichen zwischenzeitlich mal wieder aufgetaucht?“, bemerkte Snape mit einem Seitenblick, und Draco fluchte innerlich. Fuck. Scheiß Abzeichen. „Das wären zehn Punkte Abzug für Slytherin, wie immer“, schloss Snape mit einem freudlosen Lächeln.
„Nehmen Sie Platz“, fügte Snape hinzu und deutete auf eine ungleiche Stuhlreihe vor dem großen Schreibtisch. Er schob die Unterlagen beiseite.

„Nachkriegszeremonien! Was denkt sich das Ministerium? Dass noch kein Jahr vergangen ist, und wir alles bereits mit Alkohol und lustiger Musik feiern müssen?“, knurrte er den Briefen zu, die vor ihm lagen, und Draco runzelte die Stirn. „Mr Potter, ich habe eine spezielle Einladung für Sie. Allerdings fällt sie mitten in die Prüfungszeit, und ich würde Sie bitten nicht zu der Einweihung des Opferdenkmals als Kriegsmaskottchen im Ministerium zu erscheinen“, ergänzte Snape mit Nachdruck. Draco unterdrückte ein Grinsen.

Potter wirkte etwas perplex, aber er ruckte mit dem Kopf. „Wenn… wenn es in die Prüfungen fällt, dann… wohl… nicht“, stimmte er peinlich berührt überein, und Draco atmete entnervt aus. Snape hob einen weiteren Brief in die Höhe. Draco hielt die Luft an.

„Wo wir gerade bei außerschulischen Dingen sind, Mr Malfoy, ich habe noch einen Brief für Sie bekommen. Allerdings kann ich diese Entscheidung nicht fällen, also…?“ Er hielt ihm den Brief entgegen. Er kam aus Frankreich, wie Draco am Siegel erkannte. Bevor Granger und Potter mehr Interesse zeigen konnten, hatte er ihn hastig in seinen Umhang gesteckt. Warum bekam Snape seine Briefe?! Er würde sich später darum kümmern. Er nahm an, Snape hatte ihn geöffnet und wusste, was darin stand. Und Draco passte es gar nicht. Aber er sagte nichts Entsprechendes. Bestimmt nicht vor Potter!

„Kommen wir zu den unwichtigen Dingen des Lebens“, begann Snape wieder. „Kommen wir zur Strafe. Miss Granger, kann ich Ihnen ein paar Fragen stellen?“ Und Draco spürte, wie sie unruhig auf dem Stuhl neben ihm wurde.

„Ja“, sagte sie mit nicht besonders fester Stimme. Er sah sie an. Er hatte sich in den letzten beiden Tagen nicht wirklich erlaubt, sie richtig anzusehen. Sie biss sich kurz auf ihre Lippe. Ihre Lippe, die er in seinen Mund gesaugt hatte.

„Hat Mr Malfoy Sie jemals bedroht?“, wollte Snape wissen, und es war wie ein dreister Angriff aus dem Hinterhalt. Granger schien kurz überrumpelt.

„Mich… bedroht?“, wiederholte sie verwirrt, und Snape nickte, ohne sie aus den Augen zu lassen. „Ich… nein, er hat mich nie bedroht, Sir“, log sie ruhiger und senkte kurz den Blick auf ihre Hände.

„Professor-“, unterbrach Potter eine Spur zorniger.

„Mr Potter, ich spreche mit Miss Granger“, entgegnete Snape lediglich. „Hat Mr Malfoy Sie jemals in irgendeine Art von Bedrängnis gebracht?“, fuhr Snape fort, und Draco verdrehte gereizt die Augen. Merlin, jetzt wäre Grangers wunderbare Chance. Er wartete, Potter wartete, Snape wartete.

Dracos Puls hatte sich geringfügig beschleunigt.

„Nein, Sir“, sagte sie fest.

Nein, hatte sie gesagt. Dumpf klangen die Worte in Dracos Kopf. Sie sah ihn nicht an.
Sie hatte gelogen. Für Potter? Für ihn? Ha ha, ja sicher. Als ob sie für ihn solche Längen gehen würde. Es ging doch nur um ihren scheiß Potter!

„Sir“, begann Draco, denn in einem Anflug von Wahnsinn hatte er plötzlich die Lust verspürt, die Wahrheit zu sagen. Und jetzt traf ihn Grangers Blick. So mächtig, dass er sie ansehen musste. Und stille Aufrichtigkeit und der Hauch von Angst lagen auf ihrem hübschen Gesicht.

„Ja, Mr Malfoy?“, erwiderte Snape gereizt. Draco wandte den Blick von ihr ab, denn was brachte es alles? Sie log. Egal, für wen sie es tat. Und es geschah ihr nur Recht! Sie war selber schuld, wenn sie ihre beste Chance verstreichen ließ, ihn von der Schule zu werfen.

„Nichts, Sir“, sagte Draco schließlich. Snape atmete aus.

„Hören Sie, das Spiel, was wegen Ihnen beiden versäumt worden ist, findet morgen Abend statt. Um acht Uhr. Ich erwarte, dass Sie beide dort auftauchen, dass Sie sich nicht miteinander anlegen, und dass Sie bis zu den Prüfungen keine physischen Auseinandersetzungen mehr haben. Haben Sie verstanden?“, wandte sich Snape an ihn und Potter. Und sein Blick war eisig. „Und das gleiche gilt für Mr Weasley, haben Sie gehört, Draco?“

Oh, er bekam sogar seinen Vornamen aus dem Mund seines Patenonkels zu hören. „Ob Sie verstanden haben?“

„Ja, Sir“, sagte Draco gepresst.

„Das reicht mir nicht, Draco“, fuhr er strenger fort.

„Ich… werde mich nicht mit Mr Weasley anlegen“, erwiderte Draco betont freundlich. Snape atmete erneut aus. Ob er schon wusste, dass Draco log? Er nahm es an.

„Miss Granger, irgendwelche Auffälligkeiten unter den Vertrauensschülern, den Schülern – irgendwas?“, wollte er Snape knapp wissen, und Draco wusste, es war vorbei! Snape hatte keine Strafen verhängt!

„Nein, Sir“, sagte sie leise.

Und Draco erhob sich in der Sekunde als Potter es tat.

„Ach, meine Herren…“, hielt Snape sie zurück. Er hatte zwei Blätter Pergament in der Hand. „Ihre Strafe“, ergänzte er lächelnd. Und Draco Laune sank wieder ein Stück. Er und Potter nahmen die Blätter entgegen, während Granger sich erhob und bei Potter mitlas.

Dracos Augen weiteten sich.

„Sir…?“, begann er, eine Spur verblüfft.

„Ja, Mr Malfoy?“ Snape schien sogar ein wenig vergnügt zu sein. „Haben Sie eine Frage? Ich erläutere es gerne. Das ist eine Partnerarbeit. Speziell für Sie und Mr Potter. Es legt den Tag in der Woche fest, die Zeit, und sollten Sie es nicht in Partnerarbeit machen, werde ich es erfahren. Die Benotung dieser Arbeit erfahren Sie vor Ihren Prüfungen. Sollte Sie nicht meinen Vorstellungen entsprechen, betrachten Sie sich als nicht zugelassen“, schloss Snape mit einem triumphalen Lächeln.

Dracos Mund öffnete sich.

„Sir, ich leite die Quidditch-Einsteiger!“, entfuhr es ihm.

„Ich habe mir die Freiheit gestattet, Mr Potter ebenfalls einzusetzen, Mr Malfoy.“ Oh, er würde Snapes Freude am liebsten aus dessen Gesicht fluchen! Das war doch unfassbar!

„Das ist jeder Sonntag, Professor!“, entfuhr es Potter schockiert.

„Ist das so?“, erkundigte sich Snape scheinheilig. „Nun… wenn es da steht, Mr Potter…“

Und das Blatt sank in Dracos Hand. Verdammt.

„Ich wünsche Ihnen viel Spaß, und ein schönes Wochenende. Ich sehe Sie morgen auf dem Quidditchfeld“, schloss er und widmete sich wieder seinen Unterlagen.

Draco verließ als erster das Büro. Er hörte Potter hinter sich, als Snapes Tür geschlossen war.

„Du lügst ihn an?“, fuhr er Granger augenblicklich an. „Was sollte das? Malfoy bedroht dich ständig!“

„Harry!“, hörte er sie gepresst sagen.

„Warum beschützt du ihn?“

„Ich beschütze ihn nicht!“, erwiderte sie wieder einmal. „Außerdem schlage ich vor, ich macht eure Partnerarbeit in den Räumen der Schulsprecher“, schloss sie, so laut, dass auch Draco es hören konnte. Er hielt vor dem Wasserspeier inne. Potter und er waren fast gleich groß. Draco war vielleicht nur ein oder zwei Zentimeter größer. Potter atmete gereizt aus.

Merlin, was für eine Lügnerin sie war! Sie war erstaunlich gut. Wirklich. Ob sie daran dachte, wenn sie ihn sah? Er nahm es an. Sie dachte daran, wie er sie berührt hatte! Er wusste es. Er wusste es verflucht sicher, denn wieder zierte eine leichte Röte ihre Wangen.
Verflucht.

Potter sah ihn mit beinahe mörderischer Entschlossenheit an.

„Sei pünktlich“, sagte Draco schließlich mit schnarrender Stimme, und mit einem letzten Blick auf Granger, hatte er sich abgewandt. Er hörte Potter wieder zornig werden, hörte wie Granger wieder schlichtete, wie sie und Potter sich wieder stritten, und es gefiel ihm gut. Verdammt gut! Und anscheinend war es offiziell.
Anscheinend hatten er und Granger ein schmutziges Geheimnis.

Und seine Hand schloss sich instinktiv um seinen linken Unterarm. Das Mal pochte schmerzhaft. Für einen Moment bereute er, es Snape nicht gesagt zu haben. Denn dann würde er bereits jetzt seine Sachen packen und könnte gehen.
Aber er wusste, was ihn aufhielt. Ja, er wusste es.
Seine verdammte Erektion hielt ihn auf.
Wäre er wirklich so verrückt, und würde tatsächlich so weit gehen, sie zu vögeln – Merlin! – dann würde er sein Abzeichen freiwillig Snape übergeben und seine Sachen packen.

Kopfschüttelnd ging er nach unten. Und Pansy und Gregory warteten bereits vor der Großen Halle auf ihn.

„Also? Hast du Nachsitzen oder so etwas? Oder können wir den heutigen Abend in der Planung lassen?“, wollte sie gespannt wissen, und er ruckte mit dem Kopf.

„Heute Abend ist Black-Poker“, schloss er mit einem zufriedenen Lächeln. Und er würde sich betrinken!

~*~

„Vielleicht verfolgt er dich, Harry“, vermutete Ron, als sie in den Drei Besen am Fenster Platz genommen hatten.

„Klar, weil alle Leute Harry verfolgen“, bemerkte Ginny spöttisch, während sie ein Schluck Butterbier trank. Hermine hatte schweißnasse Handflächen, denn tatsächlich schien Blaise Zabini mit seinen Freunden überall aufzutauchen, wo sie sich befanden.

Und sie war schon dankbar, dass er mit anderen Slytherins unterwegs war. Slytherins, dessen Namen sie nicht alle kannte. Es war ein schlimmer Tag gewesen. Und der Streit, den sie mit Harry führte war auch noch nicht beendet. Ginny durchbohrte sie mit ihren Blicken, aber Hermine saß neben Ron und schüttelte immer nur knapp und mahnend den Kopf, wenn Ginny sie zu lange anstarrte.

„Wir hatten noch nie Probleme mit Zabini, oder?“, wollte Harry fragend von Ron wissen, und dieser ruckte mit dem Kopf.

„Slytherins“, sagte er nur, als würde dies alles erklären. Hermine hatte wieder Magenschmerzen. „Sag mal, musst du jetzt jeden Sonntag mit Malfoy die Fliegerstunden vorbereiten?“, erkundigte sich Ron mitleidig, und Harry nickte grimmig.

„Ich hab schon überlegt, ob ich es einfach schmeiße“, sagte er laut.

„Das kannst du nicht!“, sagte Hermine sofort, und sprach das erste Mal seit zwei Stunden wieder direkt mit Harry. Er sah sie auch tatsächlich an.

„Nein? Wie hoch sind die Chancen, dass Malfoy das durchzieht, ohne auf mich loszugehen?“ Und Hermine atmete aus.

„Weißt du, er ist nicht der einzige“, erwiderte sie bedächtig.

„Und schon wieder tust du es“, informierte Harry sie bitter. Sie verdrehte die Augen. „Nein, ich meine es ernst! Ich weiß nicht, warum es so ist, aber du verteidigst ihn!“

„Tue ich nicht! Garantiert nicht, Harry!“, widersprach sie. „Aber wenn du ihm keinen Anlass gibst dich-“

„Ja? Wann habe ich ihm vorgestern einen Anlass gegeben? Kannst du mir das sagen? Er braucht keinen verdammten Anlass, um ein Arschloch zu sein, Hermine!“, fuhr Harry sie an. „Und warum hast du Snape angelogen?“

„Harry-“

„-nein, sag es mir!“, verlangte Harry erbarmungslos von ihr zu wissen. Und sie atmete kopfschüttelnd aus. Sie würde diesen Streit nicht weiterführen. Sie hatte ohnehin ein so schlechtes Gewissen gegenüber Harry, dass sie es kaum schaffte, überhaupt ehrlich mit ihm zu streiten, denn… sie hatte ihn angelogen! Du das war die einzige Wahrheit hier.

„Hört schon auf zu streiten, ok?“, merkte Ginny bitter an, die heute von Harry mehr oder weniger ignoriert wurde, hatte Hermine festgestellt. Hermines Blick senkte sich auf das Butterbier vor sich, und sie dachte an Malfoys Pläne heute Abend. Sie hatte so ein schlechtes Gewissen! Und sie hatte Angst, dass er es heute all seinen blöden Freunden erzählen würde! Dass die Nachricht zu Harry durchdrang und er sie verstoßen würde, oder… nein. Eigentlich glaubte sie nicht, dass Harry sie überhaupt noch verteidigen würde, wüsste er, dass sie Malfoy all diese Dinge erlaubt hatte.

Sie spürte, wie ihr wieder heiß wurde. Das schlechte Gewissen würde sie nach auffressen. Genauso wie die Schuld.

Sie saßen schweigend um den Tisch. Jeder schien anderen Gedanken nachzuhängen, während Ginny Harry immer wieder verstohlene Blicke zuwarf, und anscheinend hoffte, dass er endlich mit ihr sprechen würde. Hermine war deswegen auch schon sauer auf Harry. Er konnte Ginny nicht ignorieren!

„Selbe Strategie wie am Mittwoch?“, machte Ginny einen erneuten Versuch, Harry ins Gespräch zu vertiefen, und Harry überlegte knapp.

„Ja. Gegen Slytherin ist die zweier-dreier Angriffskombination die beste“, schloss er, und Ron nickte.

„Goyle ist der schlechteste Treiber der Welt. Es würde auch ein einer-vierer Angriff ausreichen“, scherzte er, obwohl Hermine nicht wusste, um was es ging. Aber sie war froh genug, dass es nicht mehr um Harrys Wut auf sie ging. Madame Rosmerta kam an ihren Tisch und stellte vier frische Butterbier vor ihnen ab.

„Wir haben nicht bestellt“, sagte Harry eilig, aber Rosmerta schüttelte lächelnd den Kopf.

„Der junge Mann am mittleren Tisch zahlt“, erklärte sie und verschwand mit schwingenden Hüften wieder. Ron sah ihr natürlich nach, aber Harrys Blick richtete sich auf den mittleren Tisch. Auch Hermines Blick folgte Harrys, und ihr Herz machte einen Satz.

„Wieso zahlt Zabini unsere Getränke?“, fragte Harry offen in die Runde, während Zabini die Hand zum Gruße gehoben hatte.

„Keine Ahnung“, entgegnete Ron, während er sich nun auch den Hals verrenkte, um Zabini zu entdecken. „Vielleicht sind sie vergiftet?“, vermutete er leiser. Ginny atmete entnervt aus.

„Natürlich, Ron. Die ganze Welt ist hinter dir her!“

„Oh, halt doch den Mund, Ginny!“, erwiderte Ron beleidigt.

„Wollen wir noch George besuchen?“, entfuhr es Hermine jetzt, die sehr dringend hier verschwinden wollte. Ginny warf ihr einen ungläubigen Blick zu. Wahrscheinlich konnte es Ginny gar nicht erwarten, dass Zabini persönlich zum Tisch kam, um Harry um ihre Hand zu bitten, oder so ähnlich hatte es Ginny auf dem Hinweg formuliert, während sich Ron und Harry einige Schritte vor ihnen überlegt haben, wie sie Malfoy am besten im Schlaf umbringen konnten.

„Ich habe noch anderthalb Butterbier“, bemerkte Ron grinsend. Sie atmete aus. Sie hoffte nur, Blaise würde nicht wirklich gleich zu ihnen kommen.

„Also, auf unseren Sieg morgen!“, eröffnete Ginny den Toast und hob ihr neues Butterbier in die Höhe. Und Harry und Ron stießen laut mit ihr an. Hermine tat es ihnen gleich, verdrehte jedoch die Augen.

„Es bringt Unglück einen Sieg schon vorher zu feiern“, gab sie zu bedenken.

„Was soll passieren?“, wollte Ron lachend wissen. „Ich glaube nicht, dass Malfoy es bis morgen schaffen wird, herauszufinden, wie man einen Schnatz findet, bevor Harry ihn nicht schon gefangen hat!“

„Wohl wahr!“, bestätigte Harry, und Hermine war schon froh genug, dass keine blutigen Morddrohungen mehr gesprochen wurden.

„Hermine, mit wem gehst du eigentlich auf den Ball?“, fragte Ginny jetzt scheinheilig.

Und Hermine hätte sie erwürgen können!

„Ich… keine Ahnung. Mal sehen. Ich weiß noch nicht. Vielleicht… gehe ich allein“, sagte sie ausweichend, denn Harrys Blick hatte schon wieder die angespannte Note angenommen, die sie zu hassen gelernt hatte. „Ich meine, als Schulsprecherin muss ich sowieso die ganze Zeit aufpassen.“

„Klingt wahnsinnig lustig und spannend“, bemerkte Ginny mit erhobener Augenbraue.

„Ich bin immer noch dagegen, dass wir gehen“, sagte Harry jetzt.

„Ja, ich weiß. Aber ich habe ein Kleid, und ich werde gehen.“ Ginny sah Harry herausfordernd an.

„Schon gut. Schon gut, Weasley“, erwiderte Harry scherzhaft und schenkte Ginny tatsächlich ein schiefes Grinsen. Hermine war sehr erleichtert, während Ron etwas verkniffen zu seiner Schwester und seinem besten Freund hinüber blickte.

Und als sie nach zwanzig Minuten endlich gingen erhoben sich auch die Slytherins von ihrem Tisch. Sie erreichten leider nicht schnell genug die Tür.

„Hey!“, begrüßte Blaise ihre Gruppe. Hermine senkte sofort den Blick und betrachtete mit großem Interesse ihre Schuhe.

„Hi“, erwiderte Harry und das Misstrauen war seiner Stimme deutlich anzuhören. „Danke für… die Getränke, Zabini“, rang er sich schließlich ab.

„Kein Problem. Wohin soll’s jetzt gehen?“, erkundigte sich Blaise vollkommen selbstsicher, ohne Angst, ohne Hass, und Harry und Ron tauschten kurz einen verwirrten Blick.

„Wir gehen zu Weasley Zauberhafte Zauberscherze“, sagte Ginny sofort.

„Hm. Können wir euch begleiten?“, wollte Blaise freundlich, höflich und zuvorkommend wissen, und Hermine konnte nur noch daran denken, wie Malfoy seine Finger in ihren Slip geschoben hatte! Oh Merlin! Ihr Herz schlug sehr schnell.

„Ähm, klar?“, erwiderte Harry etwas überrumpelt, und die Gruppe verließ gesammelt die Drei Besen.

„Tut mir leid, dass das Spiel vorgestern ausgefallen ist“, fuhr Blaise fort, als er zu Harry und Ron aufgeschlossen hatte. Was veranstaltete er da? Hermine verengte die Augen und sah den Jungen zu. Blaise sah gut aus. Ordentlich. Er trug seine Uniform, wenn auch nicht die Robe, während sie und die anderen Jeans anhatten.

„Jaah“, sagte Harry, unschlüssig, ob er mit Blaise reden sollte oder nicht.

„Aber dafür können wir morgen eine richtige Feier draus machen, wenn ihr den Schnatz lang genug verschollen lasst“, bemerkte Blaise lächelnd.

„Nicht wirklich, Harry muss am Sonntag-“ Aber Harrys Blick ließ Ron verstummen. Und Blaise ging auch nicht weiter darauf ein, obwohl Hermine sah, dass er wohl gerne fragen würde.

„Wieso hast du uns Getränke bestellt?“, wollte Harry schließlich wissen, und Hermine war sehr dankbar für Harrys Misstrauen. Manchmal zumindest. Vielleicht würde Blaise die Lust verlieren. Sie und Ginny gingen mit gespitzten Ohren hinter den Jungen her, während hinter ihnen die Slytherins über die Frühlings-Party sprachen.

„Wieso?“, wiederholte Blaise schließlich und vergrub die Hände in den Taschen seiner Hose. Er überragte Harry und war so groß wie Ron, fiel ihr auf. Und er bewegte sich… elegant. Ungezwungen, vollkommen selbstsicher. Ginny warf ihr ab und an einen aufmunternden Blick zu, aber Hermine ignorierte sie und lauschte dem Gespräch der Jungen.
„Ich wollte mich dafür entschuldigen, dass manche Slytherins… einfach kein Benehmen haben“, schloss Blaise nachdenklich.

„Du entschuldigst dich für Malfoy?“, entfuhr es Harry jetzt überrascht, und Blaise ruckte neben ihm mit dem Kopf, ohne ihn  anzusehen.

„Weißt du, Harry“, und dass Blaise ihn Harry nannte, überraschte Harry wohl selber, „wir sind nicht alle undankbar. Wir sind nicht alle Todesser. Und es tut mir leid, dass der nötige Respekt manchmal ausbleibt“, erklärte Blaise achselzuckend. Hermine atmete kopfschüttelnd aus. Blaise spielte ein cleveres Spiel mit Harry. Ginny grinste ihr entgegen.

„Ich denke…“, begann Harry nachdenklich, als sie den Scherzartikelladen erreicht hatten und der große magische Harlekinkopf über dem Eingang den Hut zog, „dass du für Malfoys Verhalt nichts kannst. Aber… ihr seid doch Freunde, oder nicht?“, wollte er ernster wissen.

„Nein, nicht… wirklich. Draco ist egoistisch und undankbar. Er benutzt Mädchen und hat das Amt als Schulsprecher so wenig verdient wie ein knallrümpfiger Kröter“, erwiderte er mit einem Lächeln. Und Ron lachte tatsächlich auf. „Ich hatte gedacht, als Slytherin müsste ich zu unserem Schulsprecher halten, aber… ich habe mich geirrt. Nicht, was Hermine angeht. Sie leistet einen hervorragenden Job, bedenkt man, dass sie ihn mit Draco Malfoy führen muss!“, fügte Blaise mit einem Blick über die Schulter hinzu.

Und Harry nickte tatsächlich.

„Ja, du hast völlig Recht!“

„Malfoy ist ein Arschloch“, bestätigte auch Ron, und Ginny versteckte das Lächeln hinter der Hand. Merlin, wahrscheinlich hatte Blaise vor, Harry seine Hosen vom Körper zu schleimen, noch ehe sie den Laden betreten würden.

„Wollen wir?“, erkundigte sich Blaise mit einem Nicken zur Tür, und er ließ Harry und Ron den Vortritt. „Nach dir“, sagte er an sie gewandt und schenkte ihr ein Lächeln. Merlin, er war attraktiv. Und viel zu höflich! Sie konnte sich überhaupt nicht vorstellen, dass er und Malfoy jemals befreundet waren. Es erschien ihr wie eine sehr unwahrscheinliche Verbindung, aber… das musste sie gerade denken!

Sie nickte nur und betrat den riesigen Laden. George hatte noch weitere Verkäufer eingestellt. Sie wurden von einigen mit einem Winken begrüßt.

„Hey Harry! Ron, Hermine, Ginny!“, rief Angelina aus, die, bekleidet mit der orangenen Uniform des Ladens, gerade aus dem Lagerraum gekommen war. Sie und George waren seit einem Monat verlobt. Und Hermine hatte ihr anfängliches Misstrauen diesbezüglich verloren.
Denn Angelina Johnson war Freds Freundin gewesen. Hermine hatte nicht geglaubt, dass es klappen würde, wenn sie mit George zusammen käme, aber… anscheinend… hatte sie sich geirrt.

Und sie war ehrlich gesagt ganz froh, dass sie sich geirrt hatte, denn es tat George gut, jemanden zu haben. Und er war fast glücklich. Sie winkte Angelina zu.

„Unglaublich!“, entfuhr es Blaise neben ihr beeindruckt. Seine Augen wanderten durch den zweistöckigen Laden, und fasziniert beobachtete er die bunten vollgestellten Regale.

„Oh ja. Das Ministerium ist unser bester Käufer!“, ertönte Georges Stimme hinter ihr, und erschrocken wandte sie sich um. Er strahlte sie alle an und zog Hermine als erste in seine Arme. Sie drückte ihn fest an sich, und danach kam Ginny an die Reihe.

Harry und Ron schüttelte er lediglich die Hände.

„Was gibt’s Neues im Schloss?“, wollte George wissen, als er einem fliegenden Miniaturdrachen auswich, der wohl aus seiner Verpackung entkommen war. Einer der auszubildenden Verkäufer hastete bereits außer Atem hinter dem kleinen feuerspuckenden Modell hinterher.

„Oh, nicht viel“, erwiderte Ron lapidar. „Es gibt eine Frühlings-Party“, fuhr er unwirsch fort.

„Ja, ich erinnre mich. Es gab jedes Jahr so eine Party. Mit wem geht mein feiner Bruder?“, erkundigte sich George lächelnd. Es kam ihr vor, als zwinkerte er ihr zu. Wieder rumorte es in ihrem Magen unangenehm laut.

„Mit keinem“, entgegnete Ron entnervt. „Frag lieber Ginny!“, fügte er hinzu, denn anscheinend hoffte er wohl, dass George dagegen war, dass Ginny überhaupt ging.

„Sie wird mit Harry gehen, hoffe ich mal!“, entgegnete George, während die Slytherins sich im Laden verteilten. Ginny verdrehte die Augen.

„Ja, George. Siehst du, Ron? Die Welt geht nicht unter wegen einer Party!“, informierte sie ihren Bruder nachsichtig. Ron jedoch verschränkte lediglich die Arme vor der Brust.

„Harry, Hermine, ihr könnt euch umsonst was aussuchen. Egal, was!“, eröffnete George mit einem Blick auf die endlose Schlange an der Kasse. „Ich muss zurück an die Arbeit!“ Er warf Angelina noch einen Luftkuss zu, den diese grinsend in ihrer Hand auffing.

„Wieso dürfen wir nie etwas umsonst aussuchen?“, bemerkte Ron grimmig, aber Hermine hatte schon ein Auge die selbstnachfüllenden Federn geworfen. Das wäre praktisch. Dann bräuchte sie nicht extra noch Tinte für die Prüfungen zu besorgen. Natürlich nur, wenn die Federn als Gag nicht auslaufen würden, oder etwas ähnliches.

Blaise stand nur ein Regal entfernt. Es war ihr unangenehm, aber sie stellte sich einfach vor die Federn und suchte sich eine dunkelblaue aus.

„Blau ist deine Lieblingsfarbe?“, vermutete er plötzlich hinter ihr und sie zuckte zusammen.

„Ähm, ja…“, erwiderte sie und schenkte ihm ein sehr schmales Lächeln.

„Meine auch“, sagte er und betrachtete die vielen Scherzartikel vor sich. „Aber du wirst so eine Feder bestimmt nicht verwenden dürfen, zu den Prüfungen“, fuhr er fort, und Hermine erinnerte sich. Richtig, alle Produkte von Weasleys Zauberhaft Zauberscherze waren im Unterricht verboten. Anscheinend hatte Blaise ihre Gedanken erraten.

„Oh… richtig“, entfuhr es ihr überrascht. Sie legte die hübsche Feder wieder zurück. Dann würde sie etwas anderes finden. Unentschlossen begann sie die Regalreihen abzuwandern. Blaise folgte ihr. Sie spürte ihn hinter sich.

„Ich… ich nehme an, Ginny Weasley hat bereits mit dir gesprochen“, vermutete er still hinter ihr.

„Was?“ Sie war stehen geblieben. Er trat neben sie. Und sie schaffte es nicht, vollkommen überrascht zu klingen. Und er lächelte jetzt. Er sah wirklich gut aus. Seine olivfarbene Haut ließ seine Zähne noch weißer erscheinen. Jetzt, wo es wärmer wurde und die Sonne schien, waren seine italienischen Wurzeln erkennbar. Seine dunklen Haare lagen locker nach hinten gegeelt, und auf den ersten Blick konnte sie keinen Makel erkennen. Seine Nase war gerade und lang, und um seine vollen Lippen erkannte sie einen pechschwarzen Dreitagebart.

Nein, hässlich war Zabini nicht. Überhaupt nicht.

„Ok, ich werde einfach fragen“, sagte er jetzt, während er wahllos in eines der Regale griff und eine Flasche Peruanischen Verschwinde-Puder abwesend zwischen seinen Fingern drehte. „Hättest du – eventuell – Interesse daran, mit mir auszugehen?“ Ihr Mund öffnete sich langsam, und sie spürte wieder eine Hitze in ihren Wangen. Sie fuhr sich verlegen durch die Locken, biss sich auf die Unterlippe und sah überall hin, nur nicht in sein Gesicht.

„Ich…“, begann sie unschlüssig, und er stellte die Flasche wieder zurück.

„Zwanglos, Hermine. Einfach nur…“ Er zuckte die Achseln und schenkte ihr ein schiefes Lächeln. Er schien ein wenig unsicher zu sein. Und sein Vorname aus ihrem Mund klang nicht vollkommen seltsam. „Wie wäre es, wenn… wir morgen zusammen zum Spiel gehen würden? Zwar hatte ich gedacht, heute mit dir in deinen Räumen zu sein, aber… Draco hat ja seinen Poker-Abend“, erklärte er ausweichend. Malfoy hatte…? Oh, ja richtig. Poker…. Ihre Gedanken rasten. Sie konnte doch unmöglich mit Blaise Zabini zu einem Quidditchspiel gehen! Schon alleine, weile Slytherin gegen Gryffindor spielte!

„Ich… weiß nicht. Slytherin spielt gegen Gryffindor“, begann sie zögerlich ihre Gedanken zu formulieren, aber er zuckte wieder die Achseln.

„Na und? Ich interessiere mich nicht wirklich für Quidditch, aber… es ist eine gute Gelegenheit, um sich abzulenken, draußen zu sein. Wir könnten Popcorn essen und so tun, als wäre es spannend“, schlug er eilig vor. Sie presste die Lippen zusammen, nicht sicher, wie sie ihm einen Korb geben sollte, denn sie konnte wohl kaum mit Blaise zusammen zu einem Spiel gehen, nach allem, was mit Malfoy passiert war!

„Sie würde sehr, sehr gerne mit dir gehen, Blaise! Aber jetzt müssen wir wirklich weiter! Noch Makeup für den Ball kaufen und so was!“, unterbrach Ginny das Gespräch, und Hermine spürte einen erneuten Schwall Hitze in ihren Wangen.

„Würde sie?“, wollte Blaise mit verengten Augen wissen, und Hermine öffnete perplex den Mund. Ginny war unmöglich!

„Oh ja! Hermine liebt Popcorn!“ Was?! Tat sie nicht!

„Hermine?“, erkundigte sich Blaise unsicher, und er tat Hermine jetzt schon leid, dass er durch solche Längen gegangen war. Schön. Dann ging sie mit ihm zum Spiel, und dort würde sie ihm immer noch sagen können, dass es nichts werden könnte mit ihnen.

„Ähm, ok. Wir… gehen zum Spiel“, sagte sie steif und kam sich lächerlich vor. Sie hatte einen Krieg überlebt, gekämpft und war Schulsprecherin ihrer Schule, aber um ein Date hatte sie noch nie jemand gebeten!

„Großartig. Ich hole dich Morgen um halb acht ab“, erwiderte er und zwinkerte ihr zu.

„Siehst du? War das so schlimm?“, zischte Ginny, als sie alleine zwischen den Regalen standen. Hermine fuhr zu ihr herum.

„Wie kannst du einfach lauschen?“, knurrte Hermine, und Ginny wirkte erschrocken. „Ich kann nicht mit Blaise Zabini ausgehen, Ginny! Das geht nicht!“

„Warum nicht?“, wollte Ginny recht verständnislos wissen, und verschränkte die Arme vor der Brust.

„Weil… weil ich… das geht einfach nicht! Und Harry und Ron wissen nichts davon, und Harry ist sowieso geradezu wütend auf mich! Wie konntest du für mich zusagen? Weißt du, wie schwer und gemein es sein wird, ihm morgen zu sagen, dass es nichts wird?“, wollte sie wütend wissen, und Ginnys Mund öffnete sich ungläubig.

„Das willst du ihm morgen sagen? Hermine, wenn die ihn so abstoßend findest, hättest du einfach nein sagen können!“, beschwerte sich Ginny jetzt.

„Ach wirklich? Nachdem du alles schon geregelt hattest? Nachdem du ihm Hoffnungen gemacht hast?“

„Entschuldige, ich wusste nicht, dass Blaise Zabini so ein widerliches Monster ist, Hermine!“

„Darum geht es nicht. Es war nicht deine Angelegenheit!“, schloss Hermine wütend, während sie sich grimmig die Flasche mit dem Peruanischen-Verschwinde-Pulver griff und zur Kasse ging. Super, jetzt hatte sie sich mit Ginny gestritten. Und weswegen? Weswegen?! Weil sie nicht an einem Abend irgendwas Seltsames mit Malfoy machen konnte, und ein paar Tage später mit seinem Freund ausging. Oder auch nicht Freund. Egal, was er war!

Sie schämte sich so sehr.

Wirklich. Und Blaise war so nett. Vielleicht war sogar die Möglichkeit nicht abwegig, dass Harry ihn mögen konnte! Malfoy würde er niemals mögen! Nicht einmal Hermine mochte Malfoy. Schon gar nicht, wenn sie daran dachte, dass er heute wohl wieder die Regeln brechen wollte! Sie… könnte die Sache mit Malfoy… abhaken. Ja, sicher. Wahrscheinlich nicht wirklich. Aber, wenn sie es könnte, dann… könnte sie vielleicht wirklich mit Blaise ausgehen. Sie schien bei Slytherins ja nicht wirklich wählerisch zu sein, also, warum sollte ein Date mit Blaise so ein großes Problem sein? Malfoy würde es nicht einmal interessieren! Er wollte Harry nur fertig machen und benutzte sie dafür.

Weshalb er das schaffte, wollte sie jetzt nicht ergründen, aber Malfoys Motive waren im Gegensatz zu Blaises Motiven einfach nur widerlich, unehrlich und hinterhältig.

„Erklärst du mir jetzt, was los ist, oder muss ich Ron holen?“

Ginny stand neben ihr, und Hermine war vor Schreck zusammen gezuckt. Sie war sich nicht sicher, was Ginny mit Ron erreichen wollte, aber Ginny schien recht entschlossen zu sein. Und der Molly-Weasley- Ausdruck zeichnete Ginnys Gesicht. Nicht der mütterliche, freundliche, besorgte Ausdruck, den Hermine von Molly kannte. Nein, der andere. Den sie für ihre Kinder aufsparte, wenn einer etwas wirklich Dummes gemacht hatte.

Ginnys unnachgiebiger Blick durchleuchtete sie, und Hermine spürte erneut die Röte in den Wangen. Das war doch nicht wahr!

„Ginny, es geht dich einfach nichts an“, wiederholte Hermine, mit fester Stimme, aber Ginny schien es ihr nicht abzukaufen.

„Sag mir seinen Namen“, forderte sie unbeeindruckt.

„Welchen… welchen Namen?“, rang sich Hermine flüsternd ab, denn sie hörte Harry und Ron hinter sich reden.

„Den Namen von dem Jungen, wegen dem du Blaise Zabini einen Korb geben möchtest. Ich bin nicht blöd, Hermine. Ich bin jünger als du, aber ich bin nicht blöd“, erklärte sie bitter.

„Da ist niemand!“, zischte Hermine ärgerlich.

„Nein?“

„Nein!“

„Dann kannst du Blaise ja eine Chance geben“, bemerkte Ginny mit dem Zucken ihrer Mundwinkel. „Wenn es niemanden sonst gibt.“

„Es gibt niemanden!“

„Gut“, erwiderte Ginny lächelnd.

„Ja, gut.“

„Gut“, wiederholte Ginny, und Hermine verdrehte die Augen. Was auch immer Ginny glaubte, zu wissen, sie irrte sich! Sie irrte sich gewaltig!
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tbc...

A/N: sorry, war gestern irgendwie... beschäftigt. das thetaerstück unseres uni-theaters geht auf die bühne und wir sind alle vollkommen eingespannt... :>
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