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Three Rooms

von Die Meg
GeschichteLiebesgeschichte / P18 / Gen
Draco Malfoy Hermine Granger
12.05.2014
28.05.2014
24
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12.05.2014 4.266
 
Kapitel 20

„Ich… weiß nicht…“

„Bitte!“, sagte sie und schenkte ihm ein Lächeln.

„Ich glaube, es ist alles zu kompliziert“, erwiderte er, und sie fühlte, wie sie das Lächeln auf den Zügen nicht mehr halten konnte.

„Blaise, ich bitte dich inständig. Ich würde gerne mit dir auf den Frühlingsball gehen. Ich meine, alle Sachen, die im Weg standen, sind aus der Welt!“, beteuerte sie nickend.

„Hermine, ich denke einfach, dass wir zu lange gewartet haben.“ Sie sah Blaise an.

„Du… du willst also nicht mehr mit mir gehen?“, schloss sie kleinlaut. „Ich verstehe, wenn du darüber nachdenken musst, aber entscheiden, ob es ein Fehler ist, können wir doch eigentlich erst, wenn es vorbei ist, oder nicht?“ Sie legte all ihr Flehen in ihren Blick.

Und Blaise sah sich um und atmete schließlich aus.

„Hermine, ich-“

„-bitte! Bitte, Blaise! Es tut mir leid, dass ich nicht sofort verstanden habe, wie nett und aufmerksam es von dir war, dass du-“

„-was ist mit Weasley? Und mit Harry?“, fügte er hinzu.

„Alles in Ordnung. Harry ist nicht mehr sauer, und Ron… Ron geht mit-“

„-Pansy? Ja, ich habe davon gehört, aber keine Bestätigung ihrerseits. Und hat er dir nicht erst am Montag gesagt, dass er dich liebt?“

„Er… er hat es nicht so gemeint, er…“

„Hermine-

„-Blaise, wenn du mir doch noch diese eine Chance geben würdest!“, flehte sie weiter.

„Was ist mit Malfoy?“

„Mit… Malfoy? Gar nichts! Es ist absolut gar nichts mit Malfoy!“, beteuerte sie, und er seufzte resignierend.

„Ich… tut mir leid. Wirklich, aber ich…“ Er schüttelte bedauernd den Kopf. Und sie begriff. Er würde seine Meinung nicht mehr ändern, und sie stand hier wie der letzte Idiot.

„Oh, schon gut, denke ich. Ich… - macht nichts. Also dann…“ Und mit dem letzten Hauch eines Lächelns wandte sie sich ab, während ihr Stolz vor ihr auf dem Boden zermahlen wurde. Sie hatte noch nie so sehr gefleht, dass etwas passieren würde.

Und er wollte nicht mehr. Der Junge, der sie als erstes im Auge gehabt hatte, wollte sie nun auch nicht mehr. Sie hätte sofort ja zu Blaise sagen sollen. Sie würde nicht weinen. Es war Donnerstag, aber sie würde nicht weinen. Auf gar keinen Fall.

Nur zu blöd, dass sie das hier in der Mittagspause gemacht hatte. Jetzt hatte sie Alte Runen, und alles war, wie es vor ein paar Wochen war. Sie sprach allerdings noch nicht wieder mit Ron, aber Snape ließ Ron auch jede freie Minute im Pokalzimmer Medallien unter der Aufsicht von Mrs Norris polieren.

Und blöderweise war das Klassenzimmer im ersten Stock noch nicht offen. Und ausgerechnet jetzt traf sie auf Pansy. Und Malfoy. Sie und Malfoy waren dazu übergegangen, nur noch zu streiten.

Ja. Super.

„Morgen Granger“, begrüßte Malfoy sie mit einem fiesen Ausdruck.

„Es ist Mittag“, sagte sie nur und ignorierte Pansy.

„Schon ein Date für Morgen?“, wollte er glatt wissen, und sie schenkte ihm einen ätzenden Blick.

„Ja!“, entschied sie sich kurzerhand zu lügen.

„Oh, das ist schade, dann habe ich wohl vergessen dir zu sagen, dass der Schulleiter nicht will, dass die Schulsprecher mit einem Date erscheinen?“ Sie sah ihn an.

„Du lügst!“

„Warum sollte ich?“, war sein schlichter Konter. Na fein. Dann musste sie auf die Schnelle auch keinen Jungen bestechen, der mit ihr gehen würde. Und sie lehnte sich an die andere Wand.

„Wir sehen uns später, Draco“, verabschiedete sich Pansy leise von ihm und ignorierte Hermine genauso herrlich, wie es umgekehrt war. Immerhin etwas.

„Du hast kein Date“, sagte er nach einer Weile und betrachtete seine Fingernägel.

„Fick dich, Malfoy“, sagte sie und störte sich nicht daran, dass Susan Bones entrüstet die Augenbrauen hob.

„Aber wer würde dich auch noch wollen, nach deinen Eskapaden?“, fuhr er lächelnd fort.

„Meine Eskapaden? Ich glaube, du verwechselst mich mit dir, Arschloch“, sagte sie kalt.

„Ich glaube, ich sehe keinen Unterschied, Granger.“

„Oh, da ist ein Unterschied, du männliche Hure“, knurrte sie.

„Schade, dass ich dir keine Punkte abziehen kann, Granger. Wirklich schade. Aber ich bin sicher, Snape hört gerne, welche Ausdrucksweise du vor den Schülern benutzt.“

„Oh, leg es bloß nicht darauf an, du blondes, widerliches Frettchen, du-“

„-Hermine, hey!“, unterbrach Ginny sie laut und betont munter. Hermine hob widerwillig den Blick zu Ginnys Gesicht. „Kann ich dich kurz sprechen?“ Ihr Lächeln verriet ihr, dass wohl nichts Gutes passiert war.

„Was?“, zischte Hermine jetzt besorgt.

„Oh, nichts Besonderes, aber… du hast das Kleid auf dein Bett gelegt, sagst du, damit ich es höher abstecken kann, richtig?“ Und Ginnys Lächeln irritierte Hermine mehr als sonst.

„Ich – ja?“, erwiderte sie gepresst. „Ich habe dir doch die Sprüche gesagt, wie du in mein Zimmer-“

„-es ist nicht mehr da!“, zischte Ginny jetzt, als Professor Vector um die Ecke bog.

„Was?!“, flüsterte Hermine, und Ginnys Ausdruck wich Panik.

„Bist du sicher, dass es auf dem Bett gelegen hat?“

„Ja, natürlich! Ich habe es heute Morgen extra mit einem Zettel dorthin gelegt und dir die exakte Saumlänge…“ Sie unterbrach sich, als Professor Vector die Schüler ins Innere scheuchte und Draco Malfoy ein besonders ausgewählt widerliches Lächeln auf den Lippen trug. „Entschuldige mich, wir reden in zwei Stunden darüber“, brachte Hermine zähneknirschend über die Lippen und folgte Malfoy in die letzte Reihe.

„Ist hier noch frei?“, erkundigte sie sich scheinheilig, und er schüttelte ohne Bedauern den Kopf.

„Nein.“

„Perfekt“, erwiderte sie freudlos, ließ ihre Tasche fallen und setzte sich neben ihn. „Ich will dich nicht beschuldigen, aber was hast du mit meinem Kleid für morgen angestellt?“

„Bitte?“, erwiderte er seelenruhig, während er sein Pergament und seine Feder auspackte.

„Mein Kleid, Malfoy. Das Kleid auf meinem Bett!“

„Auf deinem Bett? In deinem Zimmer? Das mit tausend paranoiden Flüchen belegt ist? Wie zur Hölle sollte ich jemals eine solche Hürde überwinden können?“ Aber die Art und Weise, wie er es sagte, machte Hermine Angst.

„Malfoy!“

„Granger?“

„Wo ist mein Kleid?“

„Keine Ahnung“, erwiderte er, und Professor Vector teilte die Übersetzungen aus.

„Was hast du mit meinem Kleid gemacht?“ Panik schwang in ihrer Stimme mit.

„Gar nichts, Granger“, sagte er, während er sich über die Übersetzung beugte und begann. Sie starrte ihn immer noch an.

„Sag es mir, oder ich verfluche dich auf der Stelle!“ Und er hob lächelnd den Blick.

„Ich weiß wirklich nicht, wovon du redest, du kleines Miststück“, erwiderte er lächelnd. „Aber tun wir einfach so, denn ich habe keine Lust mehr auf deine nervige Stimme. Nehmen wir an, ich habe deine lächerlichen sieben Flüche überwunden und habe dein widerliches Schlammblut-Zimmer betreten und das geschmackloseste Stück Stoff auf deinem Bett gefunden – nehmen wir das einfach mal an…“, fuhr er freundlich fort, während die Farbe aus ihrem Gesicht verschwand, „dann hatte ich wohl jedes Recht dazu, bedenkt man, dass du auch in mein Zimmer eingebrochen bist-“

„-um die Pläne für die Vertrauensschüler zu holen!“, entrüstete sie sich heiser.

„Wie dem auch sei“, fuhr er unbeeindruckt fort, „nehmen wir an, ich hätte dein Kleid ändern lassen, damit es passender für dich ist, dann wirst du es morgen rechtzeitig erhalten“, schloss er, und ihr schwante Übles.

„Was hast du getan?“, hauchte sie tonlos.

„Habe ich dir das nicht gerade erklärt?“

„Was heißt ändern lassen, Malfoy?“, knurrte sie.

„Keine Ahnung, was du meinst“, erwiderte er glatt.

„Ich bringe dich um! Ich sage es Snape!“

„Beweise, Granger…. Beweise…“, entgegnete er vielsagend, ohne sie anzusehen.

„Ich hasse dich!“, spuckte sie ihm entgegen.

„Wirklich?“, antwortete er lächelnd. „Ich dachte, du liebst mich, Granger?“

Ihr Mund öffnete sich schockiert. Was hatte dieser Mistkerl getan?

„Der Text soll in Stille übersetzt werden!“, durchschnitt Professor Vectors Stimme den Raum. Hermine senkte den Blick auf das Papier, ohne ein Wort zu verstehen.
Und sie hatte Angst. Angst um ihr wunderschönes einziges mitternachtblaues Kleid, was dem Anlass gerecht wurde und was ihre Mum ein Vermögen gekostet hatte!

~*~

Ginny war nicht mehr zu beruhigen.

„Wie kann er das wagen?“, schrie sie, als sie Hermines Zimmer zum dritten Mal komplett auf den Kopf gestellt hatten.

„Ich weiß“, murmelte Hermine niedergeschlagen.

„Er ist ein hinterhältiges Arschloch!“

„Ich weiß“, bestätigte Hermine kleinlaut.

„Es sei denn…“ Ginny hatte plötzlich inne gehalten. „Weißt du, es könnte gut möglich sein, dass… er das Kleid mit Absicht versteckt hat, weil er dir morgen das großartigste Kleid der Welt besorgen wird!“, erklärte Ginny verschwörerisch.

„Sicher, weil das hier ein traumhaftes Märchen ist, oder weshalb?“

„Weshalb sollte er sich sonst die Mühe machen, in dein Zimmer einzubrechen, um nur dein Kleid zu holen?“

„Weil er ein Arschloch ist und mich morgen blamieren möchte, was ihm gut gelingen könnte, weil ich kein passendes Ersatzkleid habe und mir deine Kleider oben rum nicht passen?“, vermutete Hermine bitter, aber Ginny wedelte mit der Hand.

„Nein, Hermine. Lass dich mal darauf ein…“, begann Ginny wieder. „Malfoy fragt dich, ob du ein Date hast? Er stiehlt dein Kleid, um es ändern zu lassen…? Er erzählt dir so etwas wie, dass die Schulsprecher keine Dates haben dürfen?“ Und für eine winzige Sekunde, war Hermine fast gewillt, Ginny zu glauben.

Aber… es war absurd, oder nicht?

„Ginny, wir streiten die ganze Woche“, gab sie zu bedenken. Ginny verzog den Mund.

„Was wenn es Malfoys verquere Art ist, sich zu entschuldigen?“ Hermine runzelte die Stirn. „Ich meine, ich mag ihn nicht, aber anscheinend habt ihr… irgendwas Seltsames? Anziehendes an euch?“, fuhr Ginny fort, aber Hermine ruckte nur mit dem Kopf. Nein, sie waren wirklich sehr gemein zueinander gewesen. Aber vielleicht war es für Draco so etwas wie… Vorspiel?

Nein!

„Ich sage dir, morgen Abend wirst du mehr als überrascht sein, wenn… na ja… wenn alles doch gut ausgeht!“, munterte sie Ginny jetzt auf.

„Gut ausgehen? Ginny, Ron und ich sprechen kein Wort mehr miteinander!“

„Ja, ja. Das klären wir morgen Abend gemütlich bei einem Glas Feuerwhiskey“, beschwichtigte Ginny sie nickend.

„Ja… ich glaube nicht“, erwiderte Hermine traurig.

„Und in vier Tagen ist dein Geburtstag!“, fügte Ginny strahlend hinzu. Auch das noch…. Hermine atmete kopfschüttelnd aus.

„Komm schon, jetzt sei nicht mehr traurig. Malfoy ist nicht so ein Wichser, und lässt dein Kleid einen Tag vor dem Ball verschwinden!“, beteuerte Ginny kopfschüttelnd.

War er nicht? Und Hermine war tatsächlich soweit, dass sie es fast schon hoffte.

~*~

Ron wischte sich fluchend den Schweiß von der Stirn, während er der verdammten Katzen einen zornigen Blick zuwarf.

„Ja, ja, ich putze schneller, du zottelige Flohtüte“, knurrte er in Richtung Mrs Norris, die ihn aus ihren müden Schlitzaugen abschätzend zu mustern schien. Es wäre nicht das erste Mal, dass Filch hier rein kommen würde, um ihn zu maßregeln.

„Du sprichst mit der Katze?“

Er erkannte ihre kühle Stimme und ließ den Lappen sinken. Er rappelte sich vom Boden hoch und wandte sich um.

„Hey!“, sagte er überrascht. Pansy trug ihre Uniform und hatte die Haare in einem hohen Zopf zurückgebunden. Lange silberne Perlenohrringe reichten ihr fast bis auf die Schulter.

„Ich wollte dir nur sagen, dass du aufhören sollst, das Gerücht zu verbreiten, dass ich tatsächlich mit dir auf den Ball morgen gehe“, erklärte sie so distanziert wie nur möglich.

„Ich erzähle es gar nicht!“, rechtfertigte er sich, aber sie seufzte auf.

„Es hat sich wie ein Lauffeuer verbreitet, und ich möchte nicht, dass die Leute denken, ich würde so tief sinken.“

„Tief sinken?“, wiederholte er.

„Ja, ich gehe nämlich mit einem Slytherin. Kein gewöhnlicher Gryffindor. Mein Date ist loyal und-“

„-du gehst mit Goyle“, erwiderte Ron nickend, und ihr Mund öffnete sich entrüstet.

„Ich gehe nicht mit-“

„-ich hab die Mädchen in der Großen Halle heute darüber sprechen hören“, unterbrach er sie gleichmütig. Kurz wirkte sie überrumpelt, fing sich aber schnell.

„Schön, ich gehe mit Goyle. Aber Goyle ist reicher als du, kultivierter als du, und er ist nicht hoffnungslos in Granger verliebt!“

Ron nickte nur. „Ok.“

„Ok? Dann weißt du Bescheid.“

„Ja, weiß ich“, erwiderte er.

„Dann haben wir uns nichts mehr zu sagen!“

„Es scheint so“, antwortete er langsam.

„Gut.“

Sie rührte sich nicht. „Also?“, fügte sie fragend hinzu.

„Also was?“, entfuhr es ihm entgeistert. Pansy war doch wohl unmöglich!

„Also gehst du mit Granger, Merlin noch mal! Du bist so unglaublich schwer von Begriff!“

„Hey, ich habe dieses Gespräch nicht begonnen, Parkinson!“ Und hatte sie nicht gerade geklärt, dass sie sich nichts mehr zu sagen hatten? Gott, sie war furchtbar!

„Nein, ich habe es begonnen. Ich spreche mit dir, wenn ich es für nötig erachte und nicht umgekehrt“, klärte sie ihn hochnäsig auf, und er verdrehte die Augen.

„Oh bitte!“

„Also?“, wiederholte sie gereizt, und er lachte auf.

„Du denkst doch wohl nicht, dass ich dir irgendwas über mich erzähle, wenn du so mit mir sprichst!“

„Dann lass es bleiben, Weasley“, entgegnete sie achselzuckend.

„Viel Spaß mit Goyle“, setzte er betont freundlich hinzu, konnte seinen Ärger aber nicht ganz verbergen.

„Werde ich haben! Denn wenn ich ihn küsse, wird er mich nicht mit Granger vollheulen!“, gab sie zornig zurück.

„Als ob du Goyle küssen würdest!“, rief er ihr ungläubig nach, als sie sich abgewandt hatte.

„Warum nicht, ich habe doch auch einen mittellosen, schmutzigen Weasley geküsst, oder nicht?“, rief sie über ihre Schulter zurück. Und damit war sie verschwunden, und Ron warf den schmierigen Lappen wütend auf den Boden.

Gott, sie war so…! Sie war… einfach so nervtötend! Er wusste nicht mal mehr, warum er überhaupt in Erwägung gezogen hatte, mit ihr zusammenzuarbeiten, ganz zu schweigen von dem verdammten Kuss!

Mrs Norris maunzte hinter ihm.

„Ja, ja, du Biest!“, zischte er schlecht gelaunt. Und mit Hermine sprach er immer noch nicht. Mist. Alles lief besonders schlecht. Und man konnte ihn nicht mit Goyle vergleichen! Zornig polierte er die Medaille, bis der Lappen heiß wurde.

~*~

Sie konnte nicht wirklich schlafen. Sie wälzte sich hin und her und träumte immer wieder von den guten Seiten des Draco Malfoys, die es augenscheinlich eigentlich nicht gab. Ginny hatte ihr Flöhe ins Ohr gesetzt, die sie jetzt nicht mehr wegbekam.

Was, wenn Draco morgen wirklich vorhatte, sich zu vertragen? Was, wenn er sogar mit ihr zum Ball wollte? Ganz öffentlich? Was, wenn… - oh Merlin…! Sie war furchtbar!
Sie hasste sich dafür, dass sie vergessen zu haben, schien, dass Draco Malfoy ihr so viele schlaflose, tränenschwere Nächte beschert hatte! Nur weil Ginny die Vermutung hatte, dass er etwas Besonderes für sie plante.

Sie wälzte sich auf die andere Seite ihres Bettes.

Sie hielt die Luft an, denn sie hörte etwas! Etwas klopfte an ihr Fenster! Sie saß kerzengerade im Bett, denn ihr Zimmer war zu weit oben, als dass etwas Normales an ihr Fenster klopfen konnte!

Und sie erkannte eine winzige Eule.

„Pig!“, rief sie leise aus, und kletterte aus dem Bett, um ihr Fenster zu öffnen. Rons kleine Eule streckte ihr das Bein entgegen, und Hermine löste eine winzige Notiz von seinem Fuß. Schon plusterte sich der kleine Vogel auf und wäre fast noch gegen die Scheibe gelaufen, bei seinem weniger anmutigen Versuch aus dem Fenster zu flattern. Aber er schaffte es beim zweiten Anlauf mit ziemlich großem Schuhuhen für eine so kleine Eule!

Sie öffnete die Notiz eilig.

Treff mich am Baum.
Ron

Sie las die Zeilen noch mal. Was? Meinte er… jetzt? Das konnte doch nicht sein ernst sein! Hieß das, er war um zwei Uhr nachts unten auf dem Schlossgelände? Sie war hin und her gerissen, denn das letzte Mal, als sie mit ihm gesprochen hatte, hatte sie ihn nicht nur Arschloch genannt, sondern ihn auch noch geschlagen! Und eigentlich hatte sie sich schon längst entschuldigen wollen!

Sie griff sich ihren Morgenmantel und zog eilig ihre Robe über.

Sie hatte ihre Tür mit neuen Flüchen versiegelt, war leise aus ihren Räumen geschlüpft und lief nun auf leisen Sohlen durchs Schloss, aber natürlich war niemand mehr wach. Nur vor Mrs Norris musste sie sich in Acht nehmen! Aber sie erreichte das Erdgeschoss, ohne jemanden zu treffen. Mit ihrem leuchtenden Zauberstab hatte sie nur einige Zauberer in Gemälden geweckt, aber soweit kein Zauberer, der in Snapes Büro hing, und bei ihm Alarm schlagen konnte, wie sie wusste.

Sie verließ das Schloss fünf Minuten später und eilte den Kiesweg zum See hinab. Nur für eine Sekunde dachte sie daran, dass es sich um einen Trick handeln könnte, aber sie erkannte Rons furchtbare Handschrift aus eintausend Handschriften, vermutete sie.

Und sie erkannte eine Gestalt am See sitzen. Sie zog die Robe enger um ihren Körper und hielt den Zauberstab höher, um mehr sehen zu können.

„Ich dachte schon, du kommst gar nicht mehr!“, rief er ihr zu, und erleichtert schloss sie den Abstand. Die Grillen zirpten laut und es roch nach Sommer und Jasminblüten. Es war unglaublich warm nachts, und sie lächelte als sie sich neben ihn auf die Steinbank setzte.

„Ich hatte einen langen Weg. Außerdem ist deine Eule nicht besonders zuverlässig.“

„Ja, ich weiß, aber Pig hat sich extra in einen Schnabelkampf mit einer anderen Eule verwickelt, nur um den Job auszuführen“, bemerkte er kopfschüttelnd. Und dann schwiegen sie. Sie sah auf ihre Pantoffeln hinab. Sie hatte ganz vergessen feste Schuhe anzuziehen, ging ihr auf.

„Hermine, ich-“

„-schon gut. Mir tut es auch leid“, sagte sie schnell.

„Wieso denkst du, dass ich mich entschuldigen wollte?“ Sie hob überrascht den Blick zu seinem Gesicht, sah aber, dass er einen Scherz machte. „Ich hab dich vermisst“, ergänzte er freundlicher, und sie verdrehte die Augen.

„Jaah, ich dich auch“, bestätigte sie, und er stützte die Ellbogen auf seinen Knien ab.

„Und? Mit wem gehst du morgen? Mit Blaise? Mit Malfoy?“, vermutete er, aber sie sah, dass ihm die Aussicht, dass sie mit Malfoy gehen könnte, nicht gefiel. Wie leicht es war, mit ihm zu sprechen, stellte sie verwundert fest.

„Nein“, sagte sie kopfschüttelnd. „Schulsprecher dürfen keine Partner mitbringen“, sagte sie, was Malfoy gesagt hatte, auch wenn sie davon noch nicht überzeugt war. „Und du? Pansy oder Millicent, oder…-“

„-nein, bloß nicht!“, sagte er eilig. „Hör mal, wir sind Freunde, oder? Egal, was ist?“ Und sie legte ihre Hand auf seine.

„Egal, was ist“, flüsterte sie. Und schon war es vorbei. All der Streit, all die schlimmen Momente der letzten Wochen und Monate.

„Es tut mir so leid, dass ich so blöd war“, sagte er jetzt kopfschüttelnd.

„Schon ok, ich war… auch nicht gerade nett“, entschied sie sich zu sagen.

„Ach, das war schon richtig so“, widersprach er ernst.

„Wenn du mit Pansy gehen willst, dann… habe ich überhaupt kein Problem damit“, sagte sie ehrlich. Aber er schüttelte lächelnd den Kopf.

„Keine Sorge. Das wird nicht passieren“, erwidert er, aber sie hörte einen Hauch von Bitterkeit in seiner Stimme. „Ich hoffe, du erwartest jetzt nicht, dass ich dasselbe über Malfoy sage?“, entfuhr es ihm eilig.

„Nein! Auf gar keinen Fall!“

„Ihr… seid also nicht…?“, wagte er tatsächlich zu fragen, und sie schüttelte den Kopf.

„Nein! Gott, nein, Ronald!“

Er seufzte. Sie saßen jeder für sich und lauschten in die Nacht.

„Erinnerst du dich noch an das Niemals-Spiel?“, sagte er plötzlich, und sie musste grinsen.

„Ja, du und Harry wart eklig, und habt niemals abgelaufenen Quark gegessen, ich weiß!“

„Der war nicht abgelaufen!“, rechtfertigte er sich mit einem schiefen Grinsen und wurde plötzlich ernst. „Ok, hör zu, ich… ich habe niemals Pansy geküsst“, entfuhr es ihm schnell, und ihr Mund öffnete sich überrascht. Oh Merlin. Ron wollte ehrlich werden. Und… was?! Sie starrte ihn ungläubig an. Er hatte Pansy geküsst? Und das hatte sie sich gefallen lassen? Aber anscheinend schon, so mädchenhaft wie sie sich verhalten hatte, als Hermine die beiden beobachtet hatte! Oh je…. Dann nickte sie langsam.

„Ok“, sagte sie, und schloss die Augen. „Na gut. Ich… habe… niemals… Malfoy geküsst“, sagte sie sehr schnell, und sie hörte ihn aufstöhnen und sich vor Ekel schütteln.

Sie öffnete die Augen und sah ihn an. Es verging eine kurze Sekunde.

Und beide brachen in Gelächter aus, so dass die schlafenden Vögel in den Bäumen erschrocken mit den Flügeln flatterten.

„Slytherins sind blöd“, stellte Ron nach einer Weile außer Atem fest. Und Hermine nickte schließlich.

„Ja, du hast Recht“, erwiderte sie.

„Was würden deine Eltern sagen, wenn sie das von Malfoy wüssten?“, fragte er plötzlich.

„Wahrscheinlich gar nichts, weil sie keine Ahnung von Reinblütern haben und nicht wissen, wer die Malfoys sind. Was deine Mutter über Pansy denkt, weiß ich ja schon“, fügte sie stirnrunzelnd hinzu.

„Ach ja, meine Mum… die hat doch keine Ahnung!“, sagte er grinsend.

„Pansy ist… ziemlich hübsch“, sagte Hermine schließlich.

„Pansy ist arrogantes Miststück. Eigentlich sollten sie und Malfoy seit Jahren ein Paar sein“, bemerkte er bitter. „Weißt du“, sagte er plötzlich und war wieder ernst, „ich wusste schon seit dem ersten Tag, als du Schulsprecherin geworden bist, dass sich Malfoy noch für dich interessieren wird.“

„Was?“, entfuhr es ihr überrascht, aber Ron ruckte mit dem Kopf.

„Natürlich. Ich meine, sieh dich an, Hermine. Sieh dich einfach nur an“, wiederholte er leiser.

„Ron“, sagte sie, flehend, denn es war ihr unangenehm, dass er so sprach.

„Hey, keine Panik! Ich hab’s begriffen. Das mit uns ist… das ist schon lange vorbei. Der Zug ist quasi abgefahren“, erklärte er, beinahe traurig.

„Ron, es tut mir so leid“, flüsterte sie.

„Nein, Unsinn. Entschuldige dich nicht dafür, Hermine! Es ist ok. Ich war… an dich gewöhnt, an deine Nähe, an alles an dir. Und… irgendwie habe ich übersehen, dass wir wohl doch nicht füreinander bestimmt gewesen sind“, fuhr er fort. „Und wenn Malfoy-“

„-bitte, hör auf, über Malfoy zu reden, als… als….“ Und jetzt erst spürte sie den Kloß in der Kehle, den sie seit Anfang der Woche mit streiten und beleidigen so gut verdrängt hatte.

„Als was?“, wollte Ron plötzlich wissen.

„Ron, zwischen Malfoy und mir ist überhaupt nichts, verstehst du? Wir… haben uns geküsst und nichts weiter! Er ist ein Arschloch, er beleidigt mich, und… manchmal – nein, die meiste Zeit – habe ich Angst vor ihm“, beichtete sie leise. „Und… selbst wenn“, begann sie, aber schüttelte den Kopf. „Nein, weißt du, ich habe einen Fehler gemacht. Einen unglaublichen Fehler.“

„Du… magst ihn“, sagte Ron still.

„Nein“, erwiderte sie lächelnd, „ich mag, wie es sich anfühlt, wenn er… kein Arschloch ist, aber du weißt selber, dass das… so gut wie gar nicht vorkommt. Oder…nein. Eigentlich ist es noch nie vorgekommen, dass er kein Arschloch war, denn selbst wenn wir uns geküsst haben, hat er eigentlich jedes Mal seine Malfoy-Show abgezogen und-“

„-was meinst du damit jedes Mal?“

Und kurz hatte Hermine vergessen, mit wem sie eigentlich sprach. Sie biss sich auf die Lippe und spürte, wie ihr schlechtes Gewissen heiß zu brodeln anfing. „Wie viel Mal habt ihr euch geküsst?“, entfuhr es Ron jetzt zornig.

„Ron!“, sagte sie, aber er atmete wütend aus und sah sie nicht an. „Ich hätte es nicht sagen sollen, oder?“

„Hermine, Malfoy ist ein Player. Er spielt mit Mädchen! Er…“

„Ich weiß!“, sagte sie heftig.

„Dann, warum?“, fuhr er sie an. „Warum… - ich meine…?“

„Er tut mir leid“, sagte sie nun und war fast überrascht über sich selbst. Ron sah sie nicht minder ungläubig an.

„Er tut dir leid? Dann tätschel seine Schulter und lass dich nicht von ihm verarschen, Merlin noch mal!“ Er wandte den Blick ab, und sie blickte stumm auf den Boden.

„Er… hat gute Seiten“, sagte sie leiser.

„Ja? Wo? Da, wo die Sonne niemals scheint?“, vermutete er bitter, und sie stöhnte auf.

„Ron!“

„Was, Hermine? Gott, ich… weiß, ich muss dich unterstützen und dich immer lieben, aber das? Das ist zu hart, ich kann es nicht.“

„Du musst nichts unterstützen. Ich… habe ihm schon gesagt, dass es vorbei ist, dass ich kein Interesse an ihm habe, und… dass ich vorhabe mein Abzeichen aufzugeben“, schloss sie jetzt ernst.

„Was?“ Rons Stimme war schwach geworden. „Nein!“, sagte er kopfschüttelnd.

„Ich bin zu nett, Ron“, sagte sie lediglich. „Wirklich, ich ertrage nicht, dass er…“



Es tat weh. Es brannte in ihrem Innern, es alleine schon zu denken.


Sie ertrug nicht, dass er sie nicht liebte.

Da. Das war es. Aber sie sagte es nicht laut. Sie würde es niemals laut sagen! Es sei denn natürlich, Ginny hatte Recht, und Malfoy war nur so widerlich zu ihr, weil er morgen etwas geplant hatte, was alles ausgleichen würde, was er Schlimmes getan hatte!

„Du solltest dein Abzeichen nicht aufgeben“, erwiderte Ron kopfschüttelnd.

„Ich mache es ja auch nicht heute Nacht. Oder morgen“, entgegnete sie lächelnd. „Lass uns einfach nicht mehr über Malfoy reden. Ich hab meine Erfahrungen gemacht, ich bereue jedes bisschen davon und das war’s. Die Sache ist vom Tisch“, ergänzte sie lächelnd.

„Ich glaube, es ist nicht vom Tisch“, murmelte Ron bitter, aber Hermine erlaubte sich gar nicht, so zu denken. Nicht mal im Ansatz.

„Und du? Chancen bei Pansy Parkinson? Was für hübsche Reinblut-Kinder ihr haben würdet!“, entfuhr es Hermine, und tatsächlich schaffte sie es, Ron abzulenken.

„Ha ha! Oh ja…“, lachte er. „Nein, sie ist zu reich, für meinen Geschmack. Und zu hübsch. Sie hätte lieber eine Beziehung mit ihrem Spiegel als mit mir!“, ergänzte er, und Hermine hatte die Luft angehalten. Was? Beziehung? Ron sprach in Bezug auf Pansy von einer Beziehung? Sie glaubte nicht mal, dass Ron es selber gemerkt hatte, denn er zuckte die Achseln. „Wenn sie vergisst, wer sie ist – dann mag ich sie“, sagte er lächelnd.

Und ja. Wenn Malfoy nicht Malfoy war, mochte Hermine ihn auch.

„Gut, dass wir reden“, sagte sie fast wehmütig und lehnte sich an Rons Schulter.

„Sei es auch über deprimierende Themen.“

„Wenn wir mit vierzig nicht verheiratet sind, heiraten wir“, versprach sie ihm, aber er verzog den Mund.

„Mum sagt, es bringt Unglück, solche Abmachungen zu treffen!“, sagte er mit echter Überzeugung.

„Oh, werd erwachsen, Ron!“, lachte sie laut, und Ron verzog beleidigt den Mund.

„Wirklich, sie sagt, es bringt Unglück!“, beteuerte er, aber Hermine musste noch lauter lachen.

Und sie fühlte sich zum ersten Mal wieder etwas leichter.

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