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Three Rooms

von Die Meg
GeschichteLiebesgeschichte / P18 / Gen
Draco Malfoy Hermine Granger
12.05.2014
28.05.2014
24
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12.05.2014 3.074
 
Kapitel 2

Die Zeit schien zu gefrieren. Hier, in den Räumen der Schulsprecher.
Ron hatte eine Erinnerung glasklar im Gedächtnis.

Und es war die Art von Erinnerung, die einen sich selber hassen ließ. Es war der erste Tag gewesen. Sie waren gerade wieder in Hogwarts angekommen. Und es war gut gewesen. Alle hatten sie gefeiert, sie begrüßt, und es hatte gar nicht besser sein können. Er hatte gewusst, es würde ein gutes letztes Jahr werden. Die Schule stand wieder, und alle wollten vergessen. Einfach nur nach Hogwarts gehen. Einfach einen Abschluss machen. Einfach ablenken von den Machtkämpfen und der Ungerechtigkeit.

Und dieses Gefühl hatte nur zwanzig Minuten gedauert. In den zwanzig Minuten hatte Ron gewusst, er hätte vielleicht doch noch eine Chance, Hermine zu beweisen, dass er der richtige für sie sein könnte.
Vielleicht hatte er sich vorher dumm angestellt. Vielleicht hatte es sich vorher nicht ergeben, weil sie… na ja… einen Krieg hatten gewinnen müssen. Vielleicht war es nicht günstig gelaufen, aber jetzt war er entschlossen, seine Kraft aufzuwenden.

Und dann waren die zwanzig Minuten vorbei gewesen, und Snape hatte die Schulsprecher ausgerufen.

Und er hatte gemerkt, wie ein Stein in seinem Magen tiefer sank. Er hatte gesehen, wie Hermine sich gefreut hat, wie sie überstürzt nach vorne gelaufen war. Er hatte gesehen, dass Harry stolz auf Hermine gewesen war, solange bis sie vorne angekommen war. Bis sich der andere Schulsprecher neben sie gestellt hatte.

Und Ron hatte es da gespürt. Einen Stich. Den Stich der Eifersucht. Den Stich der Verantwortung, dass er Harry würde halten müssen, wenn dieser versuchte, aufzustehen, und Malfoy vom Podium zu fluchen.
Dieser Stich ließ es nicht zu, dass er sich den Dingen widmete, denen er sich eigentlich widmen wollte, in diesem letzten Jahr, was er entspannt hatte genießen wollen.

Sie hatten Malfoy eine Weile nicht gesehen, aber… er hatte von ihm gehört. Er hatte gewusst, dass seine Eltern beide gestorben waren. Er wusste, dass Malfoy somit ein beachtliches Vermögen sein eigen nennen konnte. Ron wusste, Snape hatte Malfoy bestimmt mit Absicht Schulsprecher werden lassen, und Ron sah, wie die Mädchen sich die Köpfe verrenkten.

Und er wusste, die Schulsprecher wohnten zusammen. Und all seine Energie an diesem Tag konzentrierte sich darauf, Harry aufzuhalten. Harry nicht gewähren zu lassen.
Denn er hatte Hermine versprochen, dass dieses Jahr ganz normal verlaufen würde. Dass sie es zur Heilung nutzen wollten, was auch immer das bedeuten sollte.

Und er war kein großer Denker, nein. Er war ja nicht Schulsprecher geworden, aber er wusste eines mit Sicherheit. Er wusste, Draco Malfoy war gefährlich.
Er sah in das Gesicht des blonden, reichen Jungen, und wusste, Malfoy konnte ihm gefährlich werden. Nicht körperlich. Nicht geistig. Nein, ganz einfach, weil dieser Schönling mit seiner Hermine in drei Räumen leben und schlafen würde.

Und das alleine reichte aus. Es reichte aus, sein Jahr absolut beschissen aussehen zu lassen.

„Das werden wir nicht zulassen!“, war alles, was Harry noch sagte, ehe Hermine wieder kam, und er gute Miene zum bösen Spiel vortäuschte. Und wie hatten sie gestritten! Sie hatten Tage und Wochen mit ihr diskutiert. Harry hatte auf sie eingeredet, sie aufgefordert, das Amt niederzulegen, aber natürlich hatte sie abgelehnt. Sie hatte dieses Amt gewollt und wollte es behalten, egal, wer der andere Schulsprecher war.

Harry war noch am selben Abend zu Snape marschiert und hatte ihm erklärt, dass es unmöglich im Sinne der Schulordnung sein konnte, dass ein ehemaliger Todesser und eine Muggel zusammen auf drei Zimmern wohnen konnten. Aber Snape hatte es nicht hören wollen, hatte Harry von Malfoys Veränderung erzählt, von der neuen Verantwortung des Amtes, das dieser jetzt innehatte. Er hatte Harry beruhigen wollen, aber Harry war nur wütender geworden, bis Snape ihm gedroht hatte, Strafen zu verhängen.

So war es ausgegangen. Hermine hatte eine Woche nicht mit Harry gesprochen. Und Ron hatte dem Frieden getraut. Vorerst. Denn Malfoy hatte sich nicht auffällig verhalten. Hermine bekam etliche Drohbriefe von eifersüchtigen Mädchen, aber Hermine hatte jeden verbrannt, ohne ihn zu lesen. Sie kannte sich seit dem vierten Jahr mit Drohbriefen aus. Aber Malfoy hatte keinen Mucks gewagt.

Und Ron wusste, Hermine störten Beleidigungen nicht. Hermine war es egal, was andere von ihr hielten. Und all das war in Ordnung.

Sogar das störte ihn nicht an Malfoy. Malfoy war ein Arschloch, ein Bastard. Ein mieses Schwein. Aber er nahm an, auch Malfoy würde Augen im Kopf haben. Und Ron hatte gewusst, auch wenn Malfoy damals, an diesem Tag noch nicht gesehen hatte, mit wem er in drei Räume zog, so würde es irgendwann soweit sein.

Und Ron hatte beobachtet. Still beobachtet, denn er war kein Künstler der großen, überzeugenden Worte. Das war Hermine vielleicht. Das war Harry. Aber er… er war nur dabei für den Spaß.

Und hatte er ihr versucht zu erklären, dass Malfoy gefährlich war, so hatte sie es immer als lächerlich abgetan. Und heute war es wieder einmal so weit, dass Ron es nicht mehr aushalten konnte. Und er hatte keine anderen Worte. Er hatte es nicht anders erklären können.

Denn Malfoys Strategie hatte sich von Monat zu Monat geändert, und könnte Ron auch nicht mehr den Tag oder den Monat nennen, wo alles anders geworden war, so hatte er es dennoch gemerkt. Malfoy beleidigte nicht mehr Harry. Oder ihn. Oder Rons gesamte Familie, nein. Er war direkt dazu übergegangen, explizit Stellen zu prüfen. Ihn und Harry auf ganz bestimmte Schwachstellen zu testen. Und Ron wusste, was Malfoy spielte.

Er wusste es so sicher, dass er hätte kotzen können.
Seit neuestem war es Malfoys Sport, vulgäre Beleidigungen zu äußern. Hermine wurde als Objekt dargestellt. Und Malfoy hatte ins Schwarze getroffen. Und je öfter Malfoy davon anfing, umso sicherer war Ron, es war an der Zeit. Malfoy benutzte seine Augen.
Er sah sie an. Und wie er sie ansah! Ron wusste es. Harry bemerkte es nicht, denn er sah Hermine nicht mit diesen Augen an. Und Ron hatte noch nicht gewagt, Harry seine Theorie darzulegen. Aber Ron sah es. Es entging ihm nicht. Nicht ein einziges Mal war es ihm entgangen.

Denn das war das ganze Dilemma, in dem Ron sich befand. Er war in sie verliebt. Ron war in Hermine verliebt seit… einer Weile. Er hatte es ihr nicht gesagt, hatte vorgezogen, zu warten, es auf sich zukommen zu lassen. Und er hatte nicht damit gerechnet, seinen Platz zu räumen. Und jetzt wohnte sie mit diesem Ekel zusammen. Mit diesem Waisenkind von Todesser, der ihre Gedanken verseuchte.

Ron sah Malfoys Vorzüge, die einem eben ins Auge stachen. Mädchen sprangen auf ihn an. Auf seine Arroganz. Sein Aussehen. Seine seltsame Art, die ihn zu einem schlechten Freund machte. Malfoy hielt sich keine Freunde. Er hielt sich Sklaven. Und das wusste er selber wohl auch. Aber zurzeit schien Malfoy Hermines Anwesenheit gerne auszunutzen.

Sie merkte es vielleicht nicht. Wenn sie erzählte, wie sehr sie sich wieder mit ihm gestritten hatte, hörte Ron nur, dass sich Malfoy wieder einmal ein extra Bisschen viel Zeit genommen hatte, um in ihrer Nähe zu sein. Sei es auch nur, um mit ihr zu streiten.
Es war seltsam zwischen den Schulsprechern. Sie hatte keine Angst vor ihm, und er schien es zu genießen, dass es so war.

Denn Hermine sah gut aus. Sie sah nicht nur gut aus, sie war perfekt. Ron hatte so oft von ihr geträumt, dass er alles an ihr kannte. Jede Lachfalte, jeden goldenen Fleck in ihrer Iris. Er kannte ihren Körper, so oft hatte sie ihn umarmt, so oft hatte er sie versehentlich schon berührt. Ihre Haut war weich und wunderschön. Ihre Haare dufteten nach Sommer und Vanille. Und wenn Malfoy das feststellen sollte, wenn der Tag kam, an dem Malfoy es ausnutzte, hier mit ihr zu wohnen, dann wäre Ron da, hatte er sich geschworen.

Und heute war wieder einer dieser Tage, an denen es zu offensichtlich war. Aber… Ron war machtlos. Er würde Hermine niemals über seine Schulter werfen und raustragen können. Er würde ihr niemals verbieten, hier mit Malfoy zu wohnen. Aber es wurde eng. Es wurde gefährlich, und Ron hatte sich nicht mehr unter Kontrolle. Dabei musste er Harry aufhalten.
Harry durfte auf gar keinen Fall von der Schule fliegen.

Und Hermine war blind. Sie sah es nicht. Sie sah gar nichts.
Und Ron wusste, er hasste Draco Malfoy. Er hasste Draco Malfoy seit dem Tag, an dem er überlegen vorne gestanden hatte, neben Hermine, und die Schulsprecherehrung entgegen genommen hatte. Er hasste Malfoy, den verdammten Bastard, der ihm das Leben schwer machte, ohne dass Ron etwas dagegen unternehmen konnte.
Und das Problem war, Ron hatte Angst. Er hatte keine Angst vor Malfoy, aber er hatte Angst, dass, würde er Hermine über die Schulter werfen und raustragen, dass sie sich wehren würde, dass sie ihn ansehen würde, mit diesem verständnislosen Blick, auf eine Art und Weise, die ihm klarmachte, dass sie nicht einmal im Entferntesten begriff, weshalb er sie hier wegschaffen wollte.

Und er hatte Angst, dass sie es dann sehen würde. Dass ihr vielleicht klar werden würde wie er, Ron, für sie fühlte. Und dass sie nichts erwidern würde. Kein Gefühl. Denn das wäre wesentlich schlimmer als jeder Punkteabzug, den er dafür bekommen würde, Malfoy zu erwürgen.

Aber jetzt fühlte es sich verdammt gut an, die Kehle von diesem Wichser so fest zuzudrücken, dass wenigstens der Hauch von Angst in seine scheiß grauen Augen trat. Ron hasste Draco Malfoy! Und es war ein ohnmächtiger Hass, denn auch wenn Malfoy es vielleicht noch nicht wusste, auch wenn Hermine es vielleicht noch nicht wusste – Ron wusste es ganz sicher. Malfoy würde seine Augen aufmachen. Er würde es irgendwann begreifen. Er würde begreifen, was für ein absolut unglaubliches Mädchen hier wohnte. Wie fantastisch sie aussah, wie intelligent und freundlich sie war – und mitfühlend.

Sie war das Gegenteil von diesem Arschloch. Und Ron wusste, weshalb Hermine noch nie gepetzt hatte, weshalb sie Malfoys Arsch verschonte, denn er hörte es aus ihren Worten, hörte es aus den Worten, die sie nicht sprach.

Sie versuchte, Malfoy zu ändern. Versuchte, seit einem halben Jahr zu ihm durchzudringen. Und Ron war fast überzeugt, dass sie es sogar schaffen würde. Den kalten, bösen, reichen Todesser zu bezwingen. Und dann hätte sie ihn verzaubert, ohne dass es dieser Bastard überhaupt bemerken würde. Das war seine größte Furcht.

Und deshalb hasste Ron Draco Malfoy. Die Arbeit, die Hermine auf Malfoy anwandte, hatte sie früher auf ihn angewandt. Früher, vor dem Krieg. Früher, als er sie noch nervig gefunden hatte. Früher, als sie ihn beeindrucken wollte. Früher, als er derjenige mit der Chance war. Seine Hand drückte unweigerlich fester zu.

Denn dieser scheiß Bastard stand jetzt da, wo er gestanden hatte. Und er hoffte für Draco Malfoy, dass dieser dumm genug war, niemals zu begreifen, was ihm da in seine malverseuchten Hände gefallen war. Und dass sie sich solche Mühe gab, war krank. Sie erwartete nicht einmal Gefühle von Malfoy, nein, sie erwartete Respekt. Sie war wie Harry, ohne dass es ihr auffiel. Sie wollte die Menschen ändern, böse in gut verwandeln, und sie sah nicht, welche Konsequenzen es mit sich brachte, den Teufel Malfoy zu ändern, ihn zu bekehren, in einem Muggelliebhaber verwandeln zu wollen, der sein Zimmer aufräumte, der sie höflich begrüßte.

Und es kotzte Ron an. Alles hier kotzte ihn an.

Es kotzte ihn an, dass er bei Hermine nicht mehr an erster Stelle stand, egal wie oft sie das Gegenteil behauptete. Es gab kein Gespräch, in dem sie oder Harry nicht von Malfoy anfingen. Und Harry tat es aus anderen Gründen und merkte nicht einmal, aus welchen Gründen Hermine von ihm sprach. Ron hatte nichts mit Malfoy zu tun, und doch gehörte Malfoy zu seinem Alltag. Und Ron hasste es. Mehr als alles andere.

Und was er am meisten hasste – er konnte es nicht mehr ändern. Alles, was er noch tun konnte, war, es hinauszuzögern. Oh, wie würde sie ihn auslachen, würde er es auch nur wagen, seine Theorie laut zu äußern. Und es tat weh. Es tat weh, dass er wusste, er hatte recht. Sie war nicht mehr seine Hermine.

Aber sie würde ganz bestimmt nicht Malfoys werden! Er drückte noch einmal zu, bis Malfoy erstickt husten musste und endlich reagierte.

Und schon hatte Hermine den Zauberstab auf sie beide gerichtet.
Aber Ron hatte bereits aufgegeben. Sie wäre ohnehin wütend genug. Sie war immer wütend genug für sie beide. Seufzend hatte er von Malfoy abgelassen, ehe der Zauber ihn traf.
Und Malfoy tauschte einen Blick mit ihm. Und Ron hätte ihm am liebsten die Faust ins Auge verpasst, denn Malfoys Augen waren verengt, musterten ihn, prüften ihn bis ins Innerste. Und er musste es sehen. Ron wusste, es war nicht zu übersehen. Nicht für ihn, nicht für Harry, nicht mal für den Idioten Malfoy, der nur sich selber sah.

Nur für Hermine war es anscheinend zu übersehen. Und Malfoys Mund öffnete sich im stummen Verständnis, und für den Bruchteil einer Sekunde zuckten seine Mundwinkel in stiller Erkenntnis, und Ron wäre am liebsten erneut auf ihn losgegangen. Sollte Malfoy ruhig sehen, wie Ron für Hermine fühlte. Solange Malfoy wusste, dass Ron ein Auge auf ihn haben würde!

~*~

„Protego!“, rief sie, ehe Malfoy sich wehren konnte. Ron und er wurden von der Magie auseinander gezwungen. Harry sah sie zornig an.

„Hermine, du-“

„Harry, siehst du nicht, dass er dich provoziert? Siehst du nicht, dass es nur ein Spiel ist, verdammt?“, schrie sie wütend, und Malfoy räusperte sich, rieb sich über seinen Hals und warf Ron einen abschätzenden Blick zu.

„Du entschuldigst dich bei ihr! Sofort!“, entgegnete Ron, und Hermine hasste alle Jungen auf diesem Planeten.

„Sonst was?“, erkundigte sich Malfoy grinsend, und Hermine wusste, was folgte.

„Leg es nicht drauf an, du scheiß Bastard!“, knurrte Harry jetzt, und Malfoy atmete zufrieden aus.

„Sonst schlägst du mich? Den Schulsprecher? Das möchte ich sehen. Wirklich gerne sehen, Potter“, entgegnete er angespannt. „Ach… übrigens… Ladys, fünfzig Punkte Abzug für Gryffindor“, erklärte er freudlos, und Ron keuchte vor Entrüstung auf.

„Es reicht!“, erwiderte sie ungehalten, und Harry atmete zornig aus. Sie konnte den Punkteabzug nicht rückgängig machen. Das war auch das kleinste Problem. „Wenn wir uns hier nicht treffen können, dann könnt ihr nicht mehr kommen!“, erklärte sie schlicht, und Rons Augen weiteten sich.

„Du solltest hier nicht sein!“, knurrte Harry, ohne sie anzusehen, aber sie wusste, er sprach mit ihr. Und sie wusste, er hasste, dass sie sich nicht mehr einen Gemeinschaftsraum teilten.

„Wir sehen uns morgen“, erklärte sie leiser als zuvor.

„Du schickst uns weg?“ Harry sah sie wieder an.

„Ich denke, du und Ron habt deutlich gemacht, dass ihr auf dem gleichen Niveau seid wie Malfoy, und darauf habe ich heute keine Lust mehr. Gute Nacht, Harry“, erwiderte sie, ohne ihn aus den Augen zu lassen.

„Fein. Schön, Hermine. Wie du willst. Du denkst, du brauchst meine Hilfe nicht? Nächstes Mal bringe ich den Wichser um. Und deine Erlaubnis brauche ich dafür nicht. Ich bringe ihn um. Und ich meine es ernst.“ Der letzte Satz galt Malfoy. Und Hermine spürte die Tränen. Sie hasste es, sich wegen Malfoy streiten zu müssen. Sie hasste ihn, dass er nicht mal genügend Feingefühl besaß, diesem Streit aus dem Weg zu gehen.

Sie sagte nichts mehr.

Es war vorbei. Ron schenkte ihr noch einen letzten Blick. Sie wusste nicht, ob er sich damit entschuldigte, ob es Mitgefühl war, oder ob er stumm den gleichen Schwur leistete, wie Harry, nämlich Malfoy umzubringen. Wahrscheinlich kam alles zusammen. Aber Ron versuchte wenigstens nicht fünfmal am Tag, Malfoy nahezu grundlos einen Fluch auf den Hals zu jagen. Natürlich gab es genügend Gründe, aber genauso viele Gründe gab es auch, Harry von der Schule zu verweisen, wenn er mit den Aggressionen nicht klarkam. Sie wünschte sich, es wäre leichter.

Einfach leichter.

Die Tür fiel laut ins Schloss. Sie sah, dass Goyle immer noch ratlos in Malfoys Tür lehnte. Immerhin hatte er sich zurückgehalten. Aber… wer noch alle seine Sinne beisammen hatte, reizte Harry auch nicht. Er war furchtbar in den letzten Monaten. Wirklich furchtbar.
Harry war einer der Kandidaten, denen man nicht im Dunkeln in der Nokturngasse begegnen wollte. Zumindest nicht, wenn er so unberechenbar zornig war, wie jetzt.

Ihr Blick hob sich zu Malfoys zufriedenem Gesicht.

„Du hast die Welpen gut im Griff“, sagte er schließlich, allerdings war sein Grinsen verschwunden.

„Ist es nicht anstrengend, Malfoy? So ein absolutes Arschloch zu sein? Macht es dir wirklich so viel Spaß?“, fuhr sie ihn zornig an, aber sie wusste hinter seiner Fassade war er wütend. Sie lebte mittlerweile lange genug mit ihm zusammen, um genau sagen zu können, wann das Fass kurz vor dem Überlaufen stand. Sein Blick war kalt aus seinen grauen Augen. Sehr, sehr kalt. Und fast machte er ihr Angst, aber das würde sie vor Harry und Ron erst Recht nicht zugeben.

Sie wusste, Harry wartete wohl nur auf so ein Geständnis von ihr. Er würde ohnehin noch seinen Weg finden, Malfoy zu verfluchen. Sie würde nicht mal zu ihm gehen müssen, um zu sagen, Malfoy mache ihr Angst. Merlin…, sie wollte sich gar nicht vorstellen, wie dieser Tag dann ausgehen würde. Sie wusste auch nicht, wie hoch die Chancen stehen würden, dass Malfoy als Sieger aus einem solchen Streit hervorgehen konnte.

Er verzog spöttisch die Mundwinkel.

„Ja, es macht mir Spaß. Ich nehme an, Potter vögelt dich tatsächlich, ansonsten ist es mir unbegreiflich, wie jemand ein Schlammblut verteidigen könnte.“ Sie schluckte schwer. Ehe ihre Lippe beben konnte, wandte sie sich von ihm ab. Manchmal trafen seine Worte. Seine giftigen Worte trafen manchmal ein Ziel in ihrem Innern, von dem sie nicht wusste, dass es dort war.

„Du bist widerlich. Du bist ein widerlicher Scheißkerl!“ Sie war in ihrem Zimmer verschwunden und hatte die Tür zugeschlagen, ehe sie seine nächsten Worte verstehen konnte. Sie wollte ihn nicht hören! Sie wollte nicht! Ihr Rücken lehnte an ihrer Tür, und sie zwang sich zur Ruhe.

„Draco, sag mal, kann ich nicht auf Pansy warten? Ich hab keine Ahnung von Weißwäsche“, hörte sie Goyles beschämte Stimme durch die Tür, aber sie blieb nicht, um eine Antwort zu hören. Sie lief zu ihrem Bett, setzte sich und vergrub den Kopf in den Händen. Sie würde sich von ihm fernhalten, es würde zu keinem weiteren Streit kommen. Harry musste es nur noch zwei Monate aushalten. Sie musste es nur noch zwei Monate aushalten.
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tbc...
A/N: gibt heute noch einen zweiten teil :> mir war danach!
@rose07: oh ja... er wird noch emotional, da hast du recht :> vielen lieben dank für deinen kommi! hab mich riesig gefreut!
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