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Three Rooms

von Die Meg
Kurzbeschreibung
GeschichteLiebesgeschichte / P18 / Gen
Draco Malfoy Hermine Granger
12.05.2014
28.05.2014
24
142.856
105
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12.05.2014 5.382
 
Kapitel 19

Ginny betrachtete ihre Finger. Denn das war wesentlich einfacher, als Hermine ins Gesicht zu sehen. In Hermines hübsches Gesicht, was vor Tränen nun ganz gerötet war. Aber Ginny wusste, dass sie nach solch einer Nacht bestimmt nicht so aussehen würde, wie Hermine. Ginny wäre nach einer schlaflosen Nacht voller Tränen bestimmt nicht mit so einem Teint aufgewacht, wie Hermine. Auch Ginnys Haare lägen bestimmt nicht so gottgeben schön, wie Hermines Haare es taten.

Und Ginny liebte Hermine. Über alles. Aber… sie wusste, warum andere Mädchen eifersüchtig auf Hermine waren. Ginny wusste es gut. Und sie war selber gerade hin und her gerissen. Wenn auch nur für eine sehr kurze Minuten, denn Hermine schnupfte wieder herzzerreißend in ihr Taschentuch.

„Ok… und du bist dir sicher?“, vergewisserte sich Ginny jetzt, denn sie konnte es sich nicht vorstellen. Hermine hatte Ginnys Stoffelefanten auf dem Schoß, als würde es ihr besonders großen Trost bringen. Nein, Hermine war zu niedlich, als dass man eifersüchtig sein konnte.
Und sie nickte tieftraurig, während eine weitere Träne auf ihre cremige Wange fiel. Ginny hätte bestimmt schon Hautausschlag vom vielen Weinen bekommen, überlegte sie dumpf.

Ginny verdaute allerdings gerade noch die Tatsache, dass Harry Hermine wirklich gestanden hatte, dass er in sie verliebt war. Und sie verdaute die Tatsache, dass ihr Bruder anscheinend mit Pansy Parkinson zum Frühlingsball ging, obwohl er Hermine erst gestern seine Liebe gestanden hatte!

Und sie ignorierte das ganze Draco Malfoy Fiasko vorerst, denn wahrscheinlich würde ihr der Kopf platzen, wenn sie sich jetzt auch noch darauf einlassen müsste.

„Du hast ihn gehört, wie er es bestätigt hat?“, vergewisserte sich Ginny noch einmal. Hermine ruckte mit dem Kopf, dass ihre schönen Locken wippten.

„Ja…- nein. Ich… - Pansy hat gesagt, wie froh Molly doch war, dass sie mit Ron zum Ball gehen würde“, wiederholte Hermine den mit Abstand seltsamsten Satz überhaupt.

„Na gut. Und wie hoch stehen die Chancen, dass das einfach nicht stimmt?“, erwiderte Ginny vorsichtig, und Hermine schniefte wieder in ihr Taschentuch.

„Ich weiß es nicht. Aber… wenn Molly es schon weiß?“, begann sie wieder jammernd, aber Ginny schüttelte ungläubig den Kopf.

„Es muss eine gute Erklärung geben. Und überhaupt…“, wagte sie jetzt einzuwerfen, „ich dachte, du interessierst dich nicht für Ron?“, endete sie behutsam. Hermine wischte sich die Tränen von der Wange.

„Ich… ich weiß es nicht, Ginny. Wenn er mit Pansy zum Ball geht, dann kann er ja wohl nicht ernst meinen, dass-“ Ginny schüttelte heftig den Kopf.

„-er geht nicht mit Pansy zum Ball!“, widersprach Ginny verzweifelt. „Hermine, das ist völlig absurd!“ Obwohl… diese Sache mit Malfoy war… nicht weniger absurd…, befand Ginny für sich.

„Und was soll ich tun?“, schniefte Hermine, ohne Ginny anzusehen.

„Na, du wirst auf keinen Fall dein Abzeichen aufgeben!“, entrüstet sich Ginny über Hermines nächsten verrückten Plan.

„Ich will nicht mit ihm in diesen Räumen wohnen, Ginny!“, rief Hermine aufgebracht, und es flossen wieder eine Millionen neue Tränen aus ihren dunklen Augen.

„Hermine“, begann Ginny etwas hilflos, und konnte nicht glauben, dass sie diese Worte sagte, „wie wäre es, wenn du… mit ihm darüber reden würdest?“

„Was?“, krächzte Hermine freudlos. „Ginny, er hat mich… so gedemütigt, er… hat mit mir gespielt und mich benutzt und… er will mich nicht mehr und… ich bin so unglaublich dumm!“, flüsterte Hermine unter so herzerweichenden Tränen, dass Ginnys Mund erst mal eine Minute kopfschüttelnd offen stand. Oh Merlin. Was war das für eine Geschichte?

„Hermine, ich…“ Aber Ginny war vollkommen ratlos, denn anscheinend – anscheinend – mochte Hermine Granger Draco Malfoy? Oder auch umgekehrt, nachdem, was sie gestern gesehen hatte? Sie wusste es nicht, und eigentlich wollte sie so etwas auch nicht wissen, aber anscheinend suchten sich Gryffindors in Slytherin Ihresgleichen?!

Sie begriff es selber nicht. Alles, was sie wollte, war, dass Harry und sie nächstes Jahr heiraten würden, dass Ron endlich Hermine bekam und dass Draco Malfoy dorthin kam, wo der Pfeffer wuchs. Mit Pansy zusammen!

„Ich muss mein Abzeichen aufgeben!“, flüsterte Hermine tonlos, die geröteten Augen weit aufgerissen, und Ginny schüttelte nur wieder den Kopf.

„Das ist er überhaupt nicht wert! Niemand ist es wert, dass du deine verdiente Stellung aufgibst!“ Ginny hatte noch immer nicht gefragt, wie es eigentlich zu all diesen Dingen gekommen war, und wann zur Hölle das angefangen hatte, aber… wenn sie ehrlich war, wollte sie das auch nur bedingt wissen.

„Ich weiß nicht, was ich machen soll. Und mit Ron und Harry kann ich erst recht nicht reden, denn… denn…“

Denn auch Harry und Ron wollten Hermine anscheinend nur an die Wäsche, überlegte Ginny bitter, obwohl Ron ja jetzt Pansy hatte?! Oder auch nicht?! Und Harry? Harry sollte es nur wagen! Aber Ginny glaubte Hermine, wenn diese sagte, dass mit Harry nichts war.

„Hermine, die Jungs werden mich bestimmt bald löchern mit Fragen, weshalb du heute nicht im Unterricht warst“, gab Ginny zu bedenken. „Was soll ich ihnen sagen? Oder noch besser, warum sprichst du nicht endlich mit ihnen?“, schlug Ginny eindeutig vor. Hermine schüttelte ängstlich den Kopf.

„Nein, ich… ich könnte nie…“

„Ok… also, dann was?“

„Du kannst… sag ihnen, ich leide unter Schlaflosigkeit, Madame Pomfrey hat sich um mich gekümmert“, schloss Hermine zitternd. Ginny seufzte auf.

„Fein, aber dann musst du mir etwas versprechen“, befahl sie streng.

„Was?“, wollte Hermine kleinlaut wissen.

„Du redest. Entweder mit Malfoy oder mit Ron.“

„Ich kann nicht-!“

„-von mir aus nicht heute“, warf Ginny ein. „Aber morgen“, fügte sie ernst hinzu. Aber Hermine sagte nichts dazu. „Du, und diese Sache mit Malfoy…“, begann Ginny unschlüssig, und Hermine schniefte wieder.

„Ja?“, erwiderte sie fragend, und Ginny zwang sich, Hermine anzusehen.

„Von wem ging das alles aus? Von dir oder… oder von ihm?“ Und so sehr sie es nicht wissen wollte, so sehr nagte diese Frage doch an ihr. Und tatsächlich schien Hermine darüber nachzudenken, aber Ginny nahm an, sie lag mit ihrer Vermutung bereits richtig.

„Ich… - von ihm. Glaube ich“, flüsterte sie tonlos. Ja, das hatte Ginny auch angenommen. „Er wollte… mit mir auf den Ball gehen. Also glaube ich-“

„-was?!“, unterbrach Ginny sie sofort und starrte sie an.

„Oh, das… war nichts Ernstes, es war nur-“

„-Draco Malfoy hat dich gefragt, ob du mit ihm auf den Frühlingsball gehst?“, wiederholte Ginny vollkommen aus allen Wolken gefallen. Das war ernst! Das war… todernst!

„Ich… ja…?“, erwiderte Hermine vorsichtig, und Ginny ließ sie nicht aus den Augen.

„Und… was hast du gesagt?“, wollte Ginny gedehnt von ihr wissen, aber auf Hermines Gesicht war ein seltsamer Ausdruck getreten. Sie sagte nichts, und Ginnys Augen weiteten sich. „Oh mein Gott, du hast ja gesagt!“, entfuhr es Ginny ungläubig. „Merlin, Hermine! Was denkst du, hätten Harry und Ron dazu gesagt?!“

„Ich… keine Ahnung, es ist soweit ja nicht gekommen!“, schnappte Hermine tatsächlich.

„Ok, warte mal, wie weit genau ist es gekommen?“, fragte Ginny jetzt und hatte sogar die Stimme gesenkt, obwohl der Schlafsaal leer war. Und eine unbekannt neue Röte trat in Hermines Gesicht.

„Es ist nichts passiert!“

„Du hast nicht mit ihm geschlafen?“, fragte Ginny lautlos.

„Oh Gott, nein! Nein, nein, nein!“, widersprach Hermine heftig.

„Aber du wolltest?“, hakte sie sofort nach, und Hermines Mund öffnete und schloss ich wieder.

„Natürlich nicht“, erwiderte Hermine unter hochroten Wangen. Sie log!

„Oh mein Gott!“, flüsterte Ginny kopfschüttelnd.

„Ginny, bitte, ich…“

„Draco Malfoy, Hermine! Draco Malfoy! Im Märchen wäre er der böse Zauberer am Wegesrand, dem die holde Jungfrau keine zwei Zentimeter weit trauen dürfte!“ Und Hermines Kopf wurde noch roter.

„Ginny, das… ist nicht alles…“, flüsterte Hermine verzweifelt. Ginny spürte, wie sie schwitzige Hände bekam. Was sollte das bedeuten, das war noch nicht alles?! Sie seufzte auf und hob resignierend die Arme.

„Ok. Was kann noch viel Schlimmeres passiert sein, als dass du mit Draco Malfoy auf unseren Frühlingsball gehen willst?“ Ginny konnte sich nicht vorstellen, dass –

„Ich habe ihm gesagt, dass ich ihn liebe, und er hat mir gesagt, dass er jetzt kein Interesse mehr an mir hat“, sagte Hermine sehr schnell und sah ihr direkt in die Augen. Und Ginny hatte das Gefühl, das Bett wurde ihr sehr unsanft unter dem Körper weggerissen.

Erschöpft lehnte sie den Kopf gegen das dicke Kissen und schüttelte ungläubig den Kopf. Sie hatte das Gefühl, neben ihr saß ein völlig wildfremder Mensch. Sie starrte ins Leere.

„Ginny, bist du-?“

„-jetzt nicht, Hermine. Gib mir einen Moment, um…“ Aber Ginny beendete den Satz nicht, denn sie hatte keine Ahnung, was sie innerhalb eines Moments erreichen konnte! Vielleicht erst mal, dass sie nicht anfing zu schreien.

~*~

Es war ihm unangenehm, aber sie hatten den Schlafsaal erreicht, ohne dass sie jemand bemerkt hatte. Ron zog Harrys Tarnumhang von sich und Pansy, und eilig fuhren sie auseinander, während Pansy ihre Haare richtete. Sie hatte ihre Uniform nicht mehr an. Er wusste nicht, wann sie nach dem Unterricht Zeit gehabt hatte, sich schon umzuziehen, aber das Kleid, was sie jetzt trug, war noch kürzer als ihr Schulrock. Er hatte größte Mühe, nicht zu genau auf ihre bloßen Oberschenkel zu starren.

So sollte man nicht rumlaufen dürfen! Ihr Kleid war bestimmt teuer gewesen, denn der Stoff fühlte sich angenehm kühl an. Er hatte es gerade gespürt, als er sie vor sich die Treppe zum Jungenschlafsaal hochbugsiert hatte. Es war dunkelblau und schimmerte im Licht. Es passte zu ihren hohen blauen Schuhen. Die Absätze waren endlos hoch, aber sie war immer noch einen Kopf kleiner als er.

„In meinem gesamten Schrank ist bestimmt nichts, was so teuer ist wie eins von deinen Outfits, Parkinson“, warnte er sie, als er kopfschüttelnd seine Schranktüren öffnete.

„Wahrscheinlich“, erwiderte sie hochnäsig wie immer und lugte neben ihm in seinen unordentlichen Schrank. Sofort zerrte sie eine schwarze Hose hervor. „Passt die?“, wollte sie wissen, und er nickte. „Ich denke, schwarz steht dir“, fügte sie mit einem kurzen Blick auf ihn hinzu und legte die Hose auf sein Bett.

Sie sah ihn nicht lange an. Eigentlich beachtete sie ihn heute überhaupt nicht. Er nahm an, sie war sehr ungern hier. Aber es war verständlich. Sie war eine Slytherin. Eine reiche, arrogante Slytherin. „Grün… du hast nichts Grünes. Mit deinen Haaren ist alles eigentlich so gut wie hoffnungslos“, murmelte sie.

„Hey“, unterbrach er sie jetzt und setzte sich auf sein Bett. Widerwillig sah sie ihn an. Allerdings nur kurz. „Danke, dass du das machst“, fügte er hinzu. Sie hatte inne gehalten.

„Bedank dich nicht, Weasley“, murmelte sie seinen Sachen entgegen und stöberte weiter.

„Noch niemand hat sich um mein Äußeres irgendwelche Gedanken gemacht, und ich-“

„-bedank dich einfach nicht bei mir, ok?“, fuhr sie ihn plötzlich zorniger an. Er hob verwirrt die Hände.

„Ok!“, sagte er beschwichtigend, und sie warf einen dunkelgrünen Pullover auf sein Bett, den er seit zwei Jahren nicht mehr angehabt hatte.

„Das… sollte eigentlich ok aussehen“, sagte sie kleinlaut. „Ansonsten… hast du wirklich nur hässliche Sachen in deinem Schrank, Weasley.  Kaufst du deine Sachen blind, oder so was? Lässt du die Verkäufer auslosen, was sie dir einpacken, oder…?“

Sie erwiderte seinen Blick kurz, und er erhob sich. Sie wich sofort zurück, strich über ihr Kleid und warf die dunklen Haare über die Schulter.

„Was ist los mit dir?“, erkundigte er sich stirnrunzelnd, aber es ihm entging nicht, dass sie ständig Abstand zwischen sich und ihn brachte. Wahrscheinlich hatte ihr arrogantes Äußeres wieder mit ihrem Kopf aufgeschlossen und beide hatten sich entschieden ihn wieder widerlich zu finden.

„Gar nichts, ok?“, erwiderte sie defensiv und verschränkte die Arme vor der Brust, während sie nervös ihr Gewicht verlagerte. „Könntest du mich nicht so ansehen?“, ergänzte sie gereizt, und er hob abwehrend die Hände.

„Ok, du… bist einfach nur-“

„-was, Weasley?“, schnappte sie, und er erntete einen zornigen Blick aus ihren grünen Augen.

„Hab ich dir irgendwas getan?“, wollte er jetzt wissen, und sie atmete entnervt auf.

„Ich bitte dich!“, sagte sie nur, und er fuhr sich ratlos durch die Haare.

„Ok… willst du noch, dass ich dich hier rausbringe, oder… springst du einfach aus dem Fenster?“, erwiderte er bitter. „Ich habe gehört, böse Hexen fliegen auch ohne Besen“, ergänzte er kühl.

„Wie witzig“, sagte sie und sah aus, als wäre dies ihre persönliche Hölle.

„Weißt du, du hättest einfach nein sagen können!“, fuhr er sie an. „Ich habe dich nicht gezwungen oder so was!“ Sie schüttelte wieder über ihn den Kopf, als hätte er etwas besonders Dummes gesagt.

„Las uns einfach nicht mehr reden und bring mich hier raus!“, erwiderte sie, und er griff sich zornig Harrys Tarnumhang vom Bett.

„Fein. Mir egal!“, entgegnete er gepresst, aber bevor er ihnen den Umhang überwerfen konnte, hatte sie ihn hart vor die Brust gestoßen. „Hey, was zum-!“

„Wieso beachtest du mich nicht, Weasley?“, verlangte sie plötzlich zornig zu wissen, und er starrte sie an. Jetzt war sie völlig durchgeknallt.

„Was?“, wagte er zu fragen, und wieder erdolchte sie ihn mit Blicken.

„Ja, ich weiß, du bist vollkommen unbeeindruckt, und… und du siehst nur Granger, egal wie wenig sie sich für dich interessiert, und du… du…“ Pansy biss sich auf die Lippe und schloss für einen Moment die Augen, ehe sie ein Lächeln aufsetzte und noch einmal durch ihre glänzende Haare strich.

„Jaah?“ Er war sich nicht sicher, worauf Pansy eigentlich hinaus wollte.

„Gott, du würdest mich niemals zu diesem blöden Ball bitten, oder? Selbst wenn es keine Granger auf dieser ganzen Welt geben würde, oder?“

Seine Augenbrauen hoben sich, während Pansy Parkinson anscheinend sauer auf ihn war.
„Warum sollte ich mit dir auf den Ball gehen?“, fragte er jetzt gewählt vorsichtig.

„Richtig“, erwiderte sie heiser. „Nein, es gibt keinen Grund!“ Sie schien wütend auf sich selbst zu sein. Sie konnte nicht meinen…? Nein…! Er musterte sie ungläubig.

„Hey, du hast gesagt, ich hätte nicht mal den Hauch einer Chance bei dir, selbst wenn du bewusstlos wärst“, wiederholte er ihre Worte, und sie nickte.

„Ja. Das stimmt auch. Du verstehst überhaupt nichts, Weasley!“

„O-k?“, entgegnete er unschlüssig. Pansys Wangen waren mittlerweile eine Spur gerötet. „Ich verstehe ziemlich viel, Pansy. Du… willst mit Malfoy auf den Ball“, sagte er, während er näher kam. Sie sah ihm stur ins Gesicht.

„Ja, Weasley“, bestätigte sie nickend, während sie den Kopf mittlerweile höher in den Nacken legen musste, um ihn anzusehen.

„Und… du willst nicht mit mir auf den Ball“, sagte er jetzt behutsam, und sie lachte sogar auf.

„Was? Nein, natürlich nicht! Was denkst du eigentlich?“

„Also…“, unterbrach er sie jetzt ruhig. „Wieso willst du dann, dass ich dich frage?“ Und es war faszinierend, wie Pansys Wangen unter dem Makeup tatsächlich noch röter wurden.

„Du bist wirklich unglaublich dämlich, Weasley! Ich würde eher-“

Und er war sich nicht ganz sicher, woher dieser Impuls kam, aber er senkte den Kopf, ehe sie zu Ende sprechen konnte. Sanft verschlossen seine Lippen die ihren, und sie verstummte augenblicklich, während sie stocksteif unter ihm wurde. Er hatte die Augen geschlossen, und er löste sich von Pansy keine Sekunde später.

Die Stille erschlug ihn fast, und ihre Lippen hatten sich perplex geöffnet, während ihn ihre grünen Augen fast panisch anstarrten.

Es verging eine weitere Sekunde.

Und er lebte noch!

„Das… war ein furchtbarer Kuss“, hauchte sie schließlich, während er sah, dass ihr Atem unregelmäßig ging. Er brauchte noch eine Sekunde, bevor er verstanden hatte.
Was? Oh Merlin… - wahrscheinlich würde sie ihm gleich noch eine kleben, nahm er dumpf an. „Daran solltest du… arbeiten, wenn du… mit Granger auf den Ball willst“, flüsterte sie, ohne ihn aus den Augen zu lassen.

Und sein Mund öffnete sich, ehe er glaubte, verstanden zu haben.

„Ist das so?“, erwidert er heiser, und Pansy nickte langsam. „Mit wem soll ich daran arbeiten?“, fügte er langsam hinzu, aber sein Blick fiel beinahe hypnotisch auf Pansys weiche Lippen. „Ich glaube nicht, dass-“

„-na ja, ich könnte… wenn sich niemand sonst…“

Und er hatte den Abstand geschlossen, als Pansy die Arme um seinen Nacken schlang. Ihre Lippen krachten aufeinander, und irgendwas in seinem Innern funktionierte überhaupt nicht mehr richtig, denn er hatte ein unglaublich leichtes Gefühl im Magen. Pansy öffnete seufzend die Lippen unter seinem Mund, und als seine Zunge auf ihre traf, spürte er, wie seine Erektion gegen seine Hose drückte.

Verflucht! Das war…- oh Merlin!

Er hatte keine Ahnung, was es war, aber… es fühlte sich viel zu gut an! Viel zu gut! Sie krallte sich in seinen Nacken, und als sie in seinen Mund stöhnte, jagte es Schauer über seinen Rücken. Das… konnte nicht sein, denn… denn… er wollte Hermine! Nicht Pansy!

Er löste sich beinahe abrupt von ihr, denn sonst befürchtete er, dass er es gar nicht schaffen würde, und seine Brust hob und senkte sich schwer.
„Ich… ich…“ Er schüttelte den Kopf. „Ich liebe Hermine!“, sagte er fest. Er sah wie sie schluckte und vor ihm zurückwich, ohne ihn anzusehen.

Sie nickte bitter, und sein Mund öffnete sich verblüfft, als er Tränen in ihren Augen erkannte.
„Ja, weil du ein Arschloch bist, Ronald Weasley“, rief sie heiser und war aus dem Schlafsaal gestürmt. Er brauchte noch eine Sekunde, ehe seine Beine ihm wieder gehorchten und er ihr nachsetzte.

„Pansy! Warte, Pansy!“, rief er und nahm zwei Stufen auf einmal, aber sie war schneller, war schon durch den Gemeinschaftsraum an Harry vorbei und drängte sich durch eine Schar Erstklässler nach draußen.

Scheiße!

Und Harry sah ihn vollkommen ungläubig an. Erst seit gestern hatten sie fast wieder mit einander gesprochen, als er Malfoy von Harry weggezogen hatte, aber… wirklich gesprochen hatten sie auch danach nicht wirklich.

„Ron“, begann Harry langsam, und Ron blickte ergeben zur Seite, „was macht Pansy Parkinson in unserem Schlafsaal?“, fragte er mehr als vorsichtig, und Ron hob den Blick zu Harrys Gesicht. „Mit… dir?“

Und Ron merkte selber wie mehr und mehr Zeit verging, in der er krampfhaft nach einer Erkrläung suchte. Einer guten. Einer besseren als: Pansy und ich treffen uns seit einer Woche heimlich, und meine Mutter denkt, wir gehen zusammen zum Ball, und eigentlich hilft sie mir, Hermine zu bekommen, aber jetzt habe ich es versaut, weil ich sie geküsst habe.

Denn diese Erklärung war einfach… nein.

„Mein lieber Hippogreif! War das Pansy Parkinson? Die Pansy Parkinson? Habt ihr das Kleid gesehen!“, entfuhr es Seamus, als er sich neben Harry und Ron stellte. „Was machst du hier mit Pansy?“, fügte er gespannt hinzu, und wieder befand sich Ron in der unmöglichen Situation so gut zu lügen, dass es glaubhaft wirkte.

„Sie… wollte mir…“ Er hob resignierend die Hände, und die Jungen hingen an seinen Lippen.

„Alter, du hast sie geküsst!“, rief Seasmus grinsend aus, und Ron spürte die Hitze in den Wangen augenblicklich.

„Was? Nein! Nein, ich… wir haben bloß…“ Er sah Harry an, aber dieser schien selber zu gespannt auf Rons Worte zu sein.

„Verdammt!“, entfuhr es Seamus anerkennend. „Hast du dir mal ihre Beine angesehen?“

„Nein. Es ist nicht so wie du denkst!“, fuhr Ron sofort dazwischen, und er sah Seamus flehend an. „Bitte, erzähl das keinem, ok?“ Seamus nickte mit einem Zwinkern.

„Kein Problem, Weasley, du Hund!“ Ron erntete noch einen Schlag auf die Schulter, ehe Seamus voller Anerkennung den Gemeinschaftsraum verließ.

„Ok, nach gestern hatte ich eigentlich gedacht, dass-“

„-oh Harry, es ist nicht so… wie es aussieht!“, widersprach Ron, und zum ersten Mal seit… einer Ewigkeit sprach er wieder mit Harry, seinem besten Freund.

„Also… habt ihr euch geküsst? In unserem Schlafsaal?“, flüsterte Harry fast, und Ron fühlte sich unwohl bei diesem Geständnis.

„Na ja… nur… ganz kurz, ich…“

„Pansy Parkinson?“, vergewisserte sich Harry ungläubig, und Ron verdrehte die Augen.

„Was? Ist das so abwegig?“ Und Ron begriff erst jetzt die Worte, die er da sagte, und schnitt Harry das Wort ab, indem er nickte. „Ja, ok. Vielleicht… ist es abwegig, aber…, ach Harry! Meine Mum denkt, ich gehe mit Pansy Parkinson auf den verdammten Ball!“, brach es jetzt aus ihm hervor.

„Was?“, entfuhr es Harry, und Ron beobachtete fasziniert, wie sich Harrys Mundwinkel zu einem breiten Grinsen hoben. „Woher weiß Molly das?“

„Gestern…-“

„-als du nicht beim Quidditch warst, was ich dir einmal durchgehen lasse, ja?“, unterbrach Harry mahnend, und Ron senkte schuldbewusst den Blick.

„Pansy und ich-“

„-Pansy und du…“, wiederholte Harry ungläubig.

„Oh, komm schon! Wir… haben geschwänzt und waren in Hogsmeade, weil… Pansy mir dabei hilft, besser auszusehen, damit ich Chancen bei Hermine habe?“ Und Harry hörte mit offenem Mund zu. „Na ja, und wir waren da in diesem Laden und… haben uns gestritten, und meine Mum kommt rein, und ich wusste nicht, was ich sagen sollte, und Pansy… tja, Pansy sagte, wir hätten die Erlaubnis von Snape-“

„-die Erlaubnis von Snape, Klamotten für den Ball zu kaufen? Ja, das klingt definitiv nach unserem Tyrannen Snape“, bestätigte Harry lakonisch und nickte, während Ron grinsen musste.

„Ja, und meine Mutter hat es uns abgekauft und war begeistert, dass ich doch noch eine Begleitung für den Ball gefunden habe.“

„Das hat Pansy ihr gesagt?“, vergewisserte sich Harry, und Ron nickte verzweifelt.

„Und jetzt… hab ich keine Klamotten, kein Date für den Ball, Hermine spricht nicht mehr mit mir, und… Pansy jetzt wohl auch nicht mehr.“

„Was… genau hast du zu Pansy oben gesagt?“, wollte Harry jetzt wissen. Ron blickte wieder schuldbewusst auf den Boden.

„Na ja…“

„Du hast sie geküsst und dann?“

„Dann… hab ich aufgehört und… gesagt, dass… ich Hermine liebe?“, schloss Ron kleinlaut, und Harry schloss die Augen.

„Oh Ron!“, entfuhr es ihm kopfschüttelnd.

„Was denn? Ich meine, es stimmt doch!“

„Mag sein, aber… anscheinend… mag dich Pansy, wenn sie sogar Molly Weasley erzählt, dass ihr zusammen auf den Ball geht? Ist dir das mal in den Sinn gekommen?“

„Aber wir reden hier von Pansy, Harry! Pansy Parkinson! Die ätzende Slytherin-Vertrauensschüler-Schlange, die nur oberflächlich und arrogant ist, und vollkommen besessen von Draco Malfoy, und-“

„Ja, so sah sie auch gerade aus, als sie sauer hier rausgestürmt ist, nachdem du ihr gesagt hast, du liebst Hermine. Total bessesen von Malfoy…“, bemerkte Harry mit eindeutig erhobener Augenbraue. Kurz dachte Ron darüber nach, schüttelte aber wieder den Kopf.

„Nein. Das war gerade bloß… das war gar nichts, Harry!“

„Dann magst du Pansy gar nicht?“

„Nein, ich… natürlich nicht! Ich… ich… sie ist völlig…“

Er wartete darauf, dass Harry etwas sagte. „Ich mochte immer nur Hermine, Harry“, sagte Ron jetzt leiser. Und Harry seufzte auf.

„Ja, aber… was ist, wenn das etwas ist, was du… hinter dich bringen musst?“, antwortete Harry leise.

„Was?“

„Drüber wegkommen, verstehst du? Müssen wir das nicht alle irgendwann?“ Harry vergrub die Hände in den Taschen seiner Hosen.

„Was soll das heißen?“

„Vielleicht… ist das ein verlorener Posten, Ron“, murmelte Harry beschämt. „Ich… es tut mir leid. Ich war so ein Arsch“, schloss Harry kopfschüttelnd. Rons Mund öffnete sich erstaunt.

„Was? Nein, Harry! Mir tut’s leid, ich habe…“

Und für einen sehr kurzen Moment war Ron wieder leicht ums Herz. Harry und er sahen sich an, tauschten ein Lächeln und umarmten sich kurz, wie es unter Männern angemessen war, ehe sie sich hastig trennten und angestrengt ihren Füßen zunickten.

„Was wird das denn hier?“, hörte Ron Ginnys ungläubige Stimme.

Und er sah, wie Harry keine Sekunde länger zögerte.

„Ginny, es tut mir so leid“, sagte Harry und zog Ginny in seinen Arm, ehe Ron etwas dazu sagen konnte. Jetzt erst erkannte er Hermine hinter Ginny, und sein Herz zog sich zusammen bei ihrem Anblick, denn sie hatte geweint! Er ignorierte, dass Harry Ginny küsste, und konzentrierte sich lieber auf Hermine. Es war das kleinere von zwei Übeln.

Er fuhr sich unsicher durch die Haare, und es war ihm mehr als unangenehm vor Hermine zu stehen.

„Alles in Ordnung?“, fragte er vorsichtig, und wusste absolut nicht, was er zu ihr sagen sollte. Hermine nickte unwirsch. „Du hast geweint“, stellte er leiser fest, während Harry immer noch seine kleine Schwester im Arm hielt. Merlin, noch mal!

„Du gehst mit Pansy zum Ball?“, erkundigte sich Hermine, anstatt zu antworten. Rons Mund klappte auf.

„Ich… was? Woher weißt du-?“

„-ich habe euch gestern gesehen, als ihr wiederkamt“, sagte Hermine jetzt ernst, und Ron sah genau, wie wütend sie war. Er kratzte sich verlegen am Kragen seines Hemds, denn dieses Gespräch wurde immer unangenehmer.

„Hermine, es ist nicht so-“

„-nein? Dann… hast du mir gestern nicht vor allen versammelten Leuten deine Liebe gestanden, mich vor Snape in Schutz genommen, während du die ganze Zeit mit Pansy zum Frühlingsball gehen wolltest?“ Die Schüler in nächster Nähe lauschten mittlerweile der Unterhaltung, und Ron deutete Hermine an, nach oben zu gehen, aber Hermine schüttelte zornig den Kopf.

„Hermine, ich… das mit Pansy, ich wusste nicht… das ist einfach passiert! Und… es tut mir leid, dass ich vor allen Leuten gesagt habe, dass ich dich… dass ich… du weißt schon! Es tut mir wirklich leid! Es war… in der Hitze des Gefechts! Und ich meine es gar nicht so, wie-“

„-du meinst es nicht so?“, entfuhr es ihr zornig. Uh-oh… scheiße…. Was hatte er jetzt angerichtet. Ginny löste sich von Harry und starrte ihn jetzt auch wieder an. „Was genau soll das heißen? Du sagst es, aber es stimmt nicht?“

„Ich… ich glaube, ich… bin…“ Er spürte, wie er anfing zu schwitzen, während ihr Blick ihn praktisch wie ein Flammenwerfer röstete. „Ich muss drüber wegkommen, richtig?“, versuchte er es auf eine andere Tour, und ihr Mund öffnete sich schockiert.

„Was?“

„Harry?“, wandte sich Ron hastig an Harry, doch dieser räusperte sich nur und erntete denselben Todesblick von Hermine wie er.

„Drüber wegkommen?“, wiederholte Hermine verletzt. „Das heißt, du liebst mich nicht? Du nimmst es zurück?“ Und Ron schüttelte hastig den Kopf.

„Nein, nein! Ich liebe dich, Hermine! Nur… ich kann nicht… ich kann es nicht auf diese Weise, verstehst du? Schon wegen… schon wegen…“

„Wegen Pansy?“, entfuhr es Hermine giftig, und Ron schüttelte verständnislos den Kopf.

„Nein, Hermine. Nicht wegen Pansy, Merlin noch mal! Wegen Malfoy!“ Gott, es war doch so offensichtlich! Oder sah sie es nicht? Was war überhaupt los mit Hermine und Malfoy? Und ihr Blick nahm eine sehr wunde Note an. „Weswegen war er denn gestern hier, wenn er nicht wahnsinnig vor Eifersucht war?“, entfuhr es ihm, ehe er nachdenken konnte.

„Was?“, flüsterte Hermine entgeistert, und Ron wandte sich wieder an Harry. „Na, er hat Harry doch fast erwürgt, weil… weil… - warum eigentlich?“ Er hatte ganz vergessen zu fragen. Aber Malfoy zu fragen, warum er irgendetwas tat, machte ohnehin nicht viel Sinn!

„Es ist Malfoy“, bemerkte Harry achselzuckend. „Irgendeinen Todessergrund wird es schon geben“, bemerkte Harry achselzuckend.

„Ron, du bist… du bist…!“ Hermine schienen die Worte ausgegangen zu sein. Merlin, sei Dank. „Du bist ein Arschloch!“ Sein Mund öffnete sich. Was? Er war ein Arschloch? Zwei Frauen nannten ihn heute Arschloch?!

„Hermine, bitte, es tut mir leid, ich und Pansy-“ Aber das war zu viel. Hermines Hand schnellte vor, und ehe er sich versah, hatte sie ihm eine Ohrfeige verpasst. Er hielt sich die Wange, perplex starrte er ihr nach, als auch sie durch das Portraitloch verschwunden war.

„Was… zur Hölle…?“ Er wandte sich entrüstet an Harry und Ginny. Harrys Arm lag um Ginnys Taille.

„Hm…, ihr seid jetzt also über Hermine hinweg?“, vermutete Ginny trocken, und auf Harrys Gesicht trat ein schuldbewusster Blick.

„Das war… gar nichts…“, murmelte Harry entschuldigend. Ginny öffnete protestierend den Mund, aber Harry zeigte jetzt auf ihn. „Er hat gerade Pansy Parkinson in unserem Schlafsaal geküsst!“ Und Ginnys Augen wurden groß. Ron atmete resignierend aus.

„Danke. Danke, Harry. Das war…nötig, nehme ich an?“, bemerkte Ron, aber Harrys Mundwinkel hoben sich. Auch Ron konnte nicht verhindern, zu lächeln.

„Also, ihr seid jetzt wieder Freunde? Und Hermine ist sauer“, schloss Ginny seufzend.

„Ja, und Rons Freundin Pansy auch“, fügte Harry hinzu und duckte sich grinsend gerade noch unter Rons Schlag hindurch.

~*~

Sie lief schnell. Schneller als sie vorgehabt hatte.

Und ihre Tränen waren versiegt. Anscheinend lösten sich alle Probleme wie von selbst! Alle regten sie also wochenlang auf, nur um dann zu entscheiden, dass es all das doch nicht wert war? Alle machten sie wahnsinnig, baten sie um Dates, zettelten Kriege an – und dann? Dann war alles vorbei und sie sollte damit einfach umgehen?

Oh nein!

Sie hasste Jungen! Allesamt!

Sie hatte das mit dem Passwort nicht ganz durchdacht, denn nun musste sie auch eine Woche lang die Tür mit den Worten Lucius Malfoy öffnen. Genervt tippte sie auf den Knauf, sagte den Namen voller Verachtung und stürmte durch das leere Wohnzimmer seine Stufen hoch.

Dieser dämliche scheiß Slytherin Bastard! Alle konnte alles wieder selber in die Hand nehmen? Alle nahmen zurück, was passiert war? Schön! Schön, verdammt, dann würde sie es auch selber in die Hand nehmen! Sie war Hermine Granger, sie war Schulsprecherin, und Draco Malfoy war nichts weiter, als ein dummes Frettchen!

Sie hämmerte gegen seine Tür.

„Malfoy!“, schrie sie praktisch, und es verging eine kleine Endlosigkeit, in der sie am liebsten den Zauber selber angewandt hätte, um seine blöde Tür zu öffnen. Er öffnete schließlich und sie betrat sein Zimmer, ohne zu zögern.

„Du bist ein dämlicher Scheißkerl!“, rief sie zornig, und bemerkte am Rande, dass er aufgeräumt hatte.

Nein.

Er hatte gepackt?!

„Wäre das alles?“, bemerkte er mit gerunzelter Stirn, und sie sah sich verwirrt um.

„Was… was tust du hier?“, entfuhr es ihr, und sie vergaß für einen Moment, weswegen sie hierhergekommen war.

„Ich packe“, erklärte er das Offensichtliche.

„Das sehe ich selber. Wofür packst du?“, wollte sie wütend wissen.

„Ab nächste Woche bin ich kein Schulsprecher mehr.“

„Du…“ Was?! Sie starrte ihn an. Nein.

Nein, das würde er nicht tun!

„Oh nein, Malfoy! Nein!“, widersprach sie heftig. „Nein!“ Sie schritt zielstrebig zu seinem Schreibtisch und entleerte eine der Kisten wahllos auf der Oberfläche.

„Granger, was zur-“

„Vergiss es!“, schrie sie. „Ich werde die Stelle aufgeben! Ich werde keine Schulsprecherin mehr sein! Und du kannst hier in diesen scheiß Räumen verrotten!“, rief sie wütend. Er starrte sie an, als wäre sie verrückt geworden. „Oh, und noch was!“, fuhr sie fort, kam wieder auf ihn zu, und es war ihr egal, dass sie nicht geschlafen hatte, dass sie die ganze Nacht geweint hatte und wahrscheinlich beschissen aussehen musste!

„Du kannst kein Interesse mehr an mir haben, weil ich kein Interesse mehr an dir habe, ok? Hast du das verstanden? Ich habe kein Interesse mehr!“, schrie sie praktisch. „Es ist so was von vorbei! Und ich liebe dich nicht! Glaub das ja nicht, du scheiß Todesser! Ich gehe mit Blaise auf den verdammten Ball! Und wenn er nicht mehr will, dann gehe ich mit Neville oder mit Seamus und Dean zusammen!“, fuhr sie außer sich fort. „Mit jedem, nur nicht mit dir!“

Sie sah ihn schweratmend an. Seine Augen verengten sich fragend.

„Du solltest… schlafen“, schlug er jetzt langsam vor, und sie hätte ihn schlagen können!

„Erzähl mir nicht, was ich tun oder lassen soll, du Arschloch!“

„Stress mit Weasley?“, vermutete er unbeeindruckt, aber sie trat zornig gegen eine weitere seiner Kisten.

„Nein, weil Ron jetzt mit Pansy auf den Ball geht! Mit Pansy!“, schrie sie kopfschüttelnd.

„Was?“ Er sah sie an, als hätte sie nicht mehr alle Hippogreife am Himmel.

„Ja, deine kleine Sklavin hat sich weiter entwickelt. Und ist das nicht super? Pansy will dich nicht mehr, Ron will mich nicht mehr, Harry ist glücklich mit Ginny, und mir ging es noch nie so verdammt perfekt, wie es mir ohne dich und deine scheiß Visage geht!“

„Granger-“

„-und wenn du es wagst, dein Abzeichen abzugeben, werde ich der ganzen Schule erzählen, dass du drum gebettelt hast, mit mir auf den Frühlingsball zu gehen, Draco Malfoy!“ Sein Mund öffnete sich und klappte wieder zu als sie drohend den Finger gegen seine Brust stach.

„Ich bitte dich, du hast nichts in der Hand! Dann erzähle ich, dass du mir hier auf dieser Couch deine Liebe gestanden hast! Oder dass ich dich in der Badezimmertür befriedigt habe. Such dir was aus, Miststück!“

„Fick dich, Malfoy!“

„Oh bitte, fick dich selber, Granger!“

Sie sahen sich an. „Nein, warte“, korrigierte er sich gedehnt, „das sollte ich ja ursprünglich tun, oder?“ Und ihre Hand flog schallend in sein Gesicht, dass das Echo von seinen leeren Wänden widerhallte. Sein Kopf flog unter der Wucht des Schlages tatsächlich zur Seite. Und sie erschrak über sich selbst.

Und langsam, verdammt langsam, hob er den Blick wieder zu ihrem Gesicht, und Zorn trat in seine dunkelgrauen Augen.

„Ich schlage dir vor, du fängst an zu rennen, Granger“, knurrte er leise. Ihr Mund öffnete sich, aber der Zauberstab lag bereits in seiner Hand. Auf dem Absatz machte sie kehrt, denn… Hochgefühle über ihren Sieg hin oder her –  Malfoy sah verflucht wütend aus!

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