A Ghosts Story

GeschichteÜbernatürlich / P12
Lacroix
11.05.2014
11.05.2014
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Titel: A Ghosts Story
Autor: Lady Charena (November 2009)
Fandom: Forever Knight
Episode: 3x14 Dead of the Night
Prompt: #062. Appear (100 Situations)
Charaktere: Lucien LaCroix, [Nicholas de Brabant], [Divia], [Fleur de Brabant]
Pairing: --
Rating: pg, gen
Beta: T'Len
Archiv: ja

Summe: LaCroix besucht das Kessler-Haus, um "seinem" Geist zu begegnen.

Disclaimer: Die Rechte der in dieser Fan-Story verwendeten geschützten Namen und Figuren liegen bei den jeweiligen Inhabern. Eine Kennzeichnung unterbleibt nicht in der Absicht, damit Geld zu verdienen oder diese Inhaberrechte zu verletzen.


The Master speaks: "A ghost is a hallucination of some famous regret. No more. Ghosts are mistakes that we've made. They come not from beyond the pale, but rise up from our gravest doubts about ourselves. Each ill considered thing that we have done is a ghost that haunts us... If we let it."




Er wartete auf der anderen Straßenseite; dort, wohin der Schein der Straßenbeleuchtung nicht mehr fiel. Wenn ihn jemand bemerkt hätte, dann hätte er nicht mehr gesehen, als einen Mann, der mit gelangweiltem Gesichtsausdruck auf etwas - oder vielleicht auch jemand - zu warten schien. Zu jeder anderen Zeit als mitten in der Nacht ein nicht ungewöhnliches Bild. Doch niemand beachtete ihn.

Die Aufmerksamkeit der Polizisten war auf das Grundstück und das Haus selbst gerichtet. Nicholas, der unter normalen Umständen längst seine Anwesenheit hätte spüren müssen, war mit dieser Frau - seine Partnerin, an der Vachons Geruch wie die Duftmarke eines Katers hing - beschäftigt. Sie amüsierte ihn, diese menschliche Frau mit ihrer naiven, uneingestandenen Verliebtheit in Vachon und ihre andauernde Blindheit gegenüber der Tatsache, dass Nicholas ebenfalls ein Vampir war.

LaCroix wartete noch immer, als die Lichter im Haus erloschen und der letzte Wagen weggefahren war. Die Polizisten, die in ihrem Streifenwagen, ein Stück entfernt, das Grundstück bewachten, sahen ihn nicht, als er seinen Warteposten aufgab. Glasscherben knirschten unter seinen Schuhen, als er an dem Fenster vorbeiging, durch das Nicholas gesprungen war, als ihn seine Geister verfolgten. Er berührte die Tür und das Siegel fiel ab; sie öffnete sich geräuschlos.

"Hervor, hervor, wo immer du bist", sagte der Vampir spöttisch, als er eintrat und sich umsah. Seine Stimme hallte matt von den kahlen Wänden zurück. "Oder wer immer du bist."

Die Luft war mit Staub und Moder erfüllt; und dem Geruch der Menschen, die noch vor kurzem hier gewesen waren. Fast davon überlagert, schwach aber unverkennbar, lag Nicholas’ vertrauter Geruch. Er folgte ihm in den Raum, in dem Nicholas angeschossen, aber nicht verletzt wurde. Auf dem dunklen Holzboden hoben sich die wenigen Blutstropfen kaum ab - nicht für menschliche Augen - doch für die Sinne des Vampirs leuchteten sie wie Signallampen auf.

LaCroix verschränkte die Arme vor der Brust. Er begann bereits, sich zu langweilen. Außerdem war es in dieser Bruchbude kalt - kälter als draußen. Offensichtlich verbrachte er zu viel Zeit mit Nicholas und seinen sentimentalen menschlichen Anwandlungen, warum sonst war er überhaupt hierher gekommen?

Er wandte sich ab - und stand einem kleinen Mädchen in weißer Kleidung gegenüber.

Ein Lächeln verzerrte seine schmalen, blutleeren Lippen für einen Augenblick. "Divia. Wie... einfallslos." Er trat unbeeindruckt auf sie zu. "Nun? Keine Anklagen, keine weisen Worte der Warnung von der anderen Seite, meine Liebe?"

"Vater." Divia flackerte wie ein Fernsehbild, das über eine defekte Antenne empfangen wurde, dann war sie einfach nicht mehr da.

"Ja, so in etwa hatte ich mir das vorgestellt", sagte LaCroix verächtlich. "Geister... Ah, Nicholas. So bald zurück. Ich nahm an, euer... amüsantes... kleines Mörderspiel wäre vorbei."

Nicholas trat aus den Schatten, doch das war nicht der Nicholas, den er vor einigen Stunden gesehen hatte, umgeben von den Menschen, die er seiner eigenen Art vorzuziehen schien. Das war sein Nicholas... Nicholas de Brabant: jung, stolz, arrogant - in der Kleidung der Kreuzritter, das Schwert an der Seite. Ein dünner Blutfaden zog sich über seine Wange und seine Augen glitzerten gesättigt und hungrig zugleich.

LaCroix lächelte für einen Moment. Ah, welch' längst vergangene, welch' wunderbare Zeit. Selbst die Unsterblichkeit hatte einen Nachteil - sie wurde irgendwann entsetzlich langweilig. Janette und Nicholas waren höchst erfolgreiche Versuche gewesen, den endlosen, sich stets wiederholenden Zyklus des Lebens unter den Menschen zu durchbrechen. Und selbst er war bereit, zuzugeben, dass die Ewigkeit eine Verschwendung war, wenn man sie alleine verbrachte.

Janette war wie ein exquisites Schmuckstück, wie ein unschätzbares Kunstwerk; ihre kalte Leidenschaft ein köstlicher Bonus zu ihrer Schönheit.

Doch Nicholas, sein Nicholas... Vielleicht war es die ungezügelte Gier nach Leben in dem jungen Mann gewesen, die ihn zu Nicholas geführt hatte; vielleicht fand er in ihm ein Spiegelbild seiner selbst - in den alten Zeiten menschlicher Sterblichkeit - die ihn Nicholas an seine Seite hatte holen lassen. Er hatte ihm die Unsterblichkeit geschenkt; die Gier nach Leben mit dem Hunger nach Blut ersetzt. Und dann, als er bereits glaubte, selbst Nicholas würde nicht in der Lage sein, der Langeweile der vorbeieilenden Jahrhunderte zu trotzen, geschah diese wunderbare Wandlung. Nicholas begann sich nach seiner Menschlichkeit, der Sterblichkeit zurück zu sehnen. Es war eine Beleidigung gewesen, eine Kränkung - und ja, eine Enttäuschung - doch es war ein süßer Schmerz, um so viel köstlicher als Janettes bedingungslose Hingabe und resignierte Loyalität. Es war so viel besser, Widerstand zu überwinden und sehr viel befriedigender, Nicholas' Willen, seinen Stolz zu brechen; als all dies geschenkt zu bekommen.

Das zynische Lächeln lag wieder um seine Lippen, als er zu Nicholas trat und die Hand nach ihm ausstreckte; seine Fingerspitzen wischten das Blut von der kalten Haut des jüngeren Mann, dann führte er sie zum Mund.

Doch alles, was er schmeckte, war Staub.

Er hob den Blick, aber die Erscheinung war verschwunden. Alles, was blieb, waren Schatten, Schweigen und die erste Ahnung von Licht am Horizont, die ihn mahnte, ins "Raven" zurück zu kehren, bevor der Tag anbrach.

LaCroix ließ noch einmal den Blick durch den leeren Raum schweifen. Es war ermüdend - doch noch nicht völlig ohne Reiz - immer Recht zu behalten. Es gab keine Geister, nur Erinnerungen.

Er verließ das Haus, ohne sich noch einmal umzusehen und erhob sich in die Luft. Hätte er den Kopf zurückgewandt, hätte er die zarte, weiße Hand gesehen, die sich hob, um ihm nach zu winken. Dann verschwand Fleur de Brabant wie ein Mondstrahl, der von einer Wolke verdeckt wurde.

Ende
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