Lullaby

GeschichteÜbernatürlich / P12
Detective Nick Knight Lacroix
10.05.2014
10.05.2014
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Titel: Lullaby
Autor: Lady Charena (Juni 2009)
Fandom: Forever Knight
Episode: 3.20 Francesca
Prompt: # 001. Tired (100 Situations)
Charaktere: LaCroix, Nicholas
Pairing: --
Rating: pg, gen, oneshot
Beta: T'Len
Archiv: ja

Summe:  Nicholas sucht Zuflucht im Raven. („Missing Scene“)

Disclaimer: Die Rechte der in dieser Fan-Story verwendeten geschützten Namen und Figuren liegen bei den jeweiligen Inhabern. Eine Kennzeichnung unterbleibt nicht in der Absicht, damit Geld zu verdienen oder diese Inhaberrechte zu verletzen.


Kurz vor Sonnenaufgang fand er sich vor dem “Raven” wieder. Er parkte den Caddy, betrat den Club, hörte seine Schritte widerhallen; der Raum leer und die Spuren der vergangenen Nacht von unsichtbaren Händen bereits entfernt. LaCroix hatte sein Versprechen gegenüber Janette gehalten und nahm die “verlorenen Seelen” auf, die von Zeit zu Zeit den Weg ins “Raven” fanden. Nicholas könnte sie spüren - schlafend, träumend, sicher und geborgen, geschützt vor dem gleißenden Licht des Tages.

Und natürlich war LaCroix hier - er hatte Janettes alte Gemächer übernommen und sich dort eingerichtet. Doch LaCroix schlief nicht wie die anderen; er war - wie so häufig - in der kleinen Nische abseits des Gastraumes zu finden, in der er sich sein Studio eingerichtet hatte. Der Nightcrawler gab sich noch nicht dem Morgen geschlagen.

Und tatsächlich, als er eintrat, lehnte LaCroix in seinem Stuhl zurück; eine Hand an den Kontrollen des Mischpults, die langen Finger müßig an Knöpfen spielend - die Finger der anderen Hand um ein Glas geschlossen. “Nicholas”, begrüßte er ihn, ohne aufzusehen. “Was führt dich zu dieser späten… oder frühen… Stunde zu mir?”

Jetzt und hier, vor LaCroix’ Augen, seinem Urteil, spürte Nicholas Unsicherheit. Francesca; Francescas/Frank LaPietros Tod - zum zweiten Mal von seiner Hand - und die Möglichkeit, dass das Böse nicht mit dem starb, der es beging, sondern dass es in einem neuen Körper weiterleben konnte… das alles war zu viel für ihn und er fühlte sich emotional wie geistig völlig erschöpft. Und… erfüllt von kalter Furcht.

Francescas Hass war beinahe greifbar gewesen, selbst kommuniziert durch Franks Augen und seinen Mund. Sie hätte ihn mit bloßen Händen erdrosselt; ihn in kleine Stücke zerfetzt, wäre sie dazu noch in der Lage gewesen. Doch Franks Körper war und blieb der eines Menschen, so unerbittlich Francescas Geist auch sein mochte. Sie hatte keine Chance. Doch ihre letzten Worte, von den Lippen eines sterbenden Mannes, ein nächstes Wiedersehen ankündigend, ließen ihn wie in Eis erstarrt zurück. Er hatte kaum bemerkt, dass Tracy mit ihm sprach; das Natalie mit ihm sprach; das sein Captain mit ihm sprach - offenbar gab er jedem von ihnen eine zufriedenstellende Antwort, denn das nächste, an das er sich erinnerte, war die Anweisung, nach Hause zu fahren und sich auszuruhen. Und Tracys Versicherung, sie würde sich um den Papierkram kümmern.

Doch anstatt in sein Loft war er ins “Raven” gefahren. Was würde er außer Spott und Verachtung von LaCroix schon ernten? Er war sich nicht einmal sicher, dass LaCroix nicht doch noch - selbst nach zweihundertfünfzig Jahren - verärgert war, dass Nicholas’ eine seine “Töchter” getötet hatte. LaCroix hatte ein ausgezeichnetes Gedächtnis für alte Schulden.

“Nicholas?”

Er hob den Blick zu LaCroix’, der nun vor ihm stand, Mischpult und Glas vergessen, und die Spitzen seiner Finger gruben sich in Nicholas’ Schultern, so fest war sein Griff. “Ich dachte… ich wollte… Francesca…”

“Natürlich”, erwiderte LaCroix, als hätte er einen vollständigen, klaren Satz anstatt sinnlosem Gestammel hervorgebracht. “Du bist willkommen, den Tag hier zu verbringen. Du kennst den Weg.” Er ließ Nicholas’ Schultern los und umfasste mit den Fingern der rechten Hand Nicholas’ Kinn, so dass sein Zeigefinger über den Lippen des jüngeren Mannes zu liegen kam und ihn schweigen hieß. “Du wirst dich ausruhen. Schlafen, mon chèr Nicholas. Schlafen und vergessen.“ Die Fläche seines Daumens strich in einer flüchtigen Liebkosung über Nicholas‘ Lippen, dann ließ er die Hand sinken. „Du bist hier sicher, mein Kind.“

Nicholas starrte ihn ungläubig an, doch er war zu erschöpft um erstaunt zu sein; um Fragen zu stellen; um misstrauisch zu sein. LaCroix’ hypnotische Stimme, seine Berührungen, und die Verbindung zwischen ihnen die in dieser Entfernung fast mit Händen greifbar schien, lullten ihn ein und ohne weitere Gegenwehr wandte er sich ab, fand blind den Weg in die hinteren Räume und sank auf das Bett. Ohne sich um irgendetwas anderes zu kümmern, rollte er sich auf die Seite, schloss die Augen und fiel umgehend in einen tiefen, traumlosen Schlaf.

LaCroix kehrte an sein Mischpult zurück und lauschte der Aufzeichnung der Anrufe der vergangenen Nacht, versunken in den verschlungenen Pfaden seiner eigenen Gedanken.

Es war später am Tag - die Sonne stand draußen bereits fast im Zenit - als er nach Nicholas’ sah. Er verharrte in den Schatten im Durchgang der Tür und dachte, dass er bereit war, tausend Francescas zu opfern, um diesen einen, einzigen, Nicholas zu behalten. Sich selbst für seine Sentimentalität tadelnd, holte er aus dem Schrank eine Decke, die Janette zurückgelassen hatte und die noch immer nach ihrem Parfum roch, und breitete sie über den sichtlich unruhig schlafenden Nicholas. Er berührte ihn an der Schulter und ein Schauer lief durch den jüngeren Mann. Nach einigen Momenten wurden zu LaCroix’ Zufriedenheit seine Bewegungen langsamer und ein paar der Falten verschwanden aus seinem Gesicht, als er in tieferen Schlaf sank.

LaCroix strich gedankenverloren die Decke glatt, dann zog er sich in eines der anderen freien Zimmer zurück, um selbst einige Stunden zu ruhen, bevor Miklos den Club für eine neue Nacht öffnete.

Ende
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