First Meeting

von Milu-
KurzgeschichteRomanze, Suspense / P12
10.05.2014
10.05.2014
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Hallo liebe Leser,
schön dass ihr den Weg hierher gefunden habt. Achtung, schon ab hier folgen wichtige Spoiler zu den aktuellen, japanischen Kapiteln!! Zu Beginn eine kleine Erklärung zu meiner kommenden OneShot-Sammlung. Sie wird bekannt sein unter dem Namen Numbers Series und dreht sich um Amuro und Sera. In diesen OneShots hat Bourbon den Auftrag, Sera von Beginn an zu beschatten. Schließlich baut er eine Verbindung zu ihr auf, doch was zunächst bloß ein Auftrag ist, wird mehr und mehr zu einer echten Beziehung. Alles scheint zu Ende zu gehen, als Masumi seine und Okiyas wahre Identität herausfindet. Wird sie, wenn die Organisation untergeht, an seiner oder an der Seite des FBI stehen?

Teil der 'Numbers Series': 1/5 (bisher)
Uploads: vermutl. wöchentlich; Teil 2 am 18.5. erschienen.
Pairings: Amuro Tooru x Masumi Sera (hier noch angedeutet)
Disclaimer: Nichts gehört mir, nur die Idee. Zudem verdiene ich kein Geld hiermit und will keinem damit schaden!


Musiktipp:
Alyssa Reid – The Game

https://www.youtube.com/watch?v=AFd651cR2cs





First Meeting

Numbers Series No I
Ein Auftrag wie jeder andere…



Vor zwei Wochen hatte er den Anruf von Gin erhalten.
Eine Mission in Amerika. Nichts Spektakuläres, er sollte lediglich eine junge Frau beschatten, die japanischer Abstammung war.
Zunächst hatte er der Tatsache, dass der Auftrag keine zwei Tage nach Akais Tod kam, keine weitere Beachtung geschenkt.
Aber sobald er zum ersten Mal das Bild Masumi Seras in den Unterlagen entdeckt hatte, waren einige Dinge klarer geworden. Diese unglaubliche Ähnlichkeit… Die Organisation wollte sich seines Todes vergewissern. Mit Hilfe seiner Schwester – ihre wahre Identität herauszufinden, war ein Kinderspiel für seine Kollegen gewesen – würden sie Kirs wahre Loyalität überprüfen können.

Als er sich in Amerika eingefunden und Sera ausfindig gemacht hatte, begann er mit seiner Observation. Zunächst war es nichts Besonderes, er folgte ihr zur Schule und in die Einkaufszentren, wenn sie sich mit ihren Freunden traf oder in die Bibliothek. Die übliche Prozedur eben. Dabei ließ sich schnell feststellen, dass sie nicht nur das Selbstbewusstsein ihres Bruders, sondern auch seine scharfsinnige Kombinationsgabe im Blut hatte. Ihre Freunde verließen sich auf ihre Intelligenz und wann immer eine schwerwiegendere Entscheidung getroffen werden sollte, war ihr Standpunkt ausschlaggebend. Was Bourbon jedoch am Meisten an Sera faszinierte, war ihre Fähigkeit im Kampfsport. Einen Nachmittag lang hatte er unbemerkt ihrem Training beigewohnt. Die Unterlagen hatten ihn zwar bereits darauf hingewiesen, aber dass sie tatsächlich so gut und vor alledem talentiert war, hatte ihn mehr als verblüfft. Masumi Sera war durchaus nicht zu unterschätzen!

Eine Woche später war die Nachricht über den Tod ihres Bruders zu ihr vorgedrungen. Was genau in dem kleinen Haus, das sie mit ihren anderen Familienangehörigen bewohnte, vorgefallen war, hatte Bourbon aufgrund mangelnder Abhörgeräte nicht herausfinden können, aber wenn er eins und eins zusammenzählte, war es zu einem großen Streit gekommen.
Keine zwei Stunden später hatte die kleine Akai, nun bekannt unter dem Namen Sera, das Haus wütend verlassen und einen Koffer dabei gehabt. Er hatte ihr nicht erst bis zum Flughafen folgen müssen um zu wissen, dass sie nach Japan zurückkehren wollte. Der nächste Flug nach Tokio ging am darauffolgenden Morgen und während Masumi penetrant im Terminal wartete, hatte er die Möglichkeit ergriffen, um seine eigene ungeplante Abreise vorzubereiten.

Sobald er das Hotel verlassen hatte, um mit seinem Gepäck und dem Ticket in seiner blauen Jackentasche zum Flughafen zurückzukehren, machte er endlich den nötigen Anruf bei seinem Kollegen. Es kam wie es kommen musste, eine lange Diskussion wurde begonnen, bis Gin seinen Gründen und Plänen letztendlich mit einem Murren zugestimmt hatte. Mehrmals betonte er noch, dass ihm die Anwesenheit der kleinen Akai in Japan ganz und gar nicht gefiel. Sollte sie sich auf irgendeine Weise in die Angelegenheiten der Organisation einmischen, würde man sich um sie kümmern. Schnell. Lautlos. Einem Schatten gleich. Auf die altbekannte Art und Weise eben.

Leider hatte das Gespräch länger als erwartet gedauert und als Bourbon schließlich zurück am Flughafen war und sich um die Abgabe des Mietwagens und des Gepäcks gekümmert hatte, war Masumi einfach nicht mehr aufzufinden. Immer wieder suchte er nach der jungen Frau mit den unverwechselbaren grünen Augen und den langen, braunen Haaren. Trotzdem war sie nicht zu entdecken.
Schließlich wurde sein Flug aufgerufen und mit gemischten Gefühlen trat er zum Schalter vor. „Entschuldigen Sie“, fragte er im fehlerlosen Englisch, als sein Ticket überprüft wurde, „Können Sie mir sagen, ob meine Freundin bereits an Bord ist? Ich habe sie aus den Augen verloren und kann sie nicht auf ihrem Telefon erreichen. Ihr Name ist Masumi Sera.“

Lächelnd blickte die freundliche Mitarbeiterin der Fluggesellschaft auf und bestätigte ihm die Anwesenheit seiner Zielperson. Erleichtert stieß er die Luft aus, allerdings aus anderen Gründen, als die Frau vor ihm vermutete. Dankend nahm er sein Ticket zurück und mit einem Zwinkern wünschte sie ihm und seiner Freundin viel Spaß. Das täuschend echte Lächeln auf seinen Lippen verschwand, sobald er die Kontrolle passiert hatte. Wie umständlich das alles war. Hätte er gewusst, dass sie so starrköpfig und unerwartet reagieren würde, hätte er gleich in Japan bleiben können.
Aber vielleicht war es besser so. Wenn Akai tatsächlich noch am Leben sein sollte, würde er es sich nicht nehmen lassen, seine aus Amerika angereiste Schwester über seinen tatsächlichen Zustand zu informieren… richtig?

Seufzend betrat er das Flugzeug, wurde von den Stewardessen begrüßt und blickte sich schließlich suchend um, als er durch die Reihen ging. Wenn er schnell genug war, würde er vielleicht noch den Platz… Abrupt hielt er inne. Das war sie, kein Zweifel. Die lederne Jacke, die sie zusammen mit ihrem schwarzen Rucksack im Handgepäckfach verstaute, gehörte unmissverständlich zu ihr. Und endlich wurde Bourbon klar, warum er Masumi nicht erkannt hatte. Scheinbar hatte sie sich noch im Flughafen die Haare schneiden lassen. Die sonst langen, gelockten Haare reichten ihr nun bloß noch knapp bis zu den Schultern und obwohl der Anblick ungewohnt war, konnte er nicht abstreiten, dass ihr die neue Frisur durchaus gut stand.

Masumi setzte sich auf ihren Fensterplatz und ein weiterer Passagier betrat das Flugzeug. Ein Geschäftsmann mittleren Alters. Kurz blieb er stehen, sah sich nach seinem Sitzplatz um und setzte seinen Weg fort, als er den freien neben Sera sah. Lächelnd lief Bourbon ihm entgegen und fing ihn ab, als sie sich beide außerhalb von Masumis Sichtfeld befanden. „Entschuldigen Sie“, sprach er ihn mit gesenkter Stimme an und die steigende Lautstärke der teils aufgeregten Gäste spielte ihm in die Karten. „Ich denke Sie haben den Platz direkt neben meiner Freundin. Leider ist bei der Ticketausgabe etwas schief gelaufen und wir haben unterschiedliche Sitzplätze bekommen. Würde es Ihnen etwas ausmachen, wenn wir die Plätze tauschen?“
Der zuvor noch skeptische Blick des Mannes verlor an Härte und Verständnis spiegelte sich in seinen Augen wieder. Ein Kinderspiel für Bourbon. Zuvorkommend deutete er auf seinen Platz weiter vorn und schließlich stimmte der Mann zu. Keine Minute später setzte Bourbon sich auf den freien Platz neben Masumi.

Nachdenklich starrte sie aus dem Fester auf die unspektakuläre Landebahn, stützte dabei ihr Kinn auf ihre Hand und schien ihn gar nicht wahrzunehmen. Schweigend machte Bourbon es sich bequem und nutzte den Augenblick, um über sein weiteres Vorgehen nachzudenken. Es war ihr erstes Aufeinandertreffen, das erste Gespräch und er musste sich über seine weiteren Pläne im Klaren sein. Langsam setzte sich das Flugzeug in Bewegung und mit gespieltem Interesse beobachtete er die Sicherheitseinweisung. War es ratsam, eine Freundschaft mit ihr zu entwickeln? Oder sollte er es dabei belassen, sie zu beobachten? Aus der Ferne, ohne wirklich zu wissen, was in ihrem Kopf vor sich ging… Wenn er jedoch eine Bindung zu ihr aufbaute, wäre die Chance letztendlich größer, dass er Veränderungen in ihrem Verhalten und ihrem Umfeld schneller bemerken würde. Mit einem sanften Ruck hob das Flugzeug ab und stieg in den wolkenverhangenen Himmel auf.

„Darf ich fragen, was Sie beschäftigt?“
Zunächst reagierte sie nicht auf ihn, starrte stattdessen weiterhin aus dem Fenster. Erst, als er die wachsende Unruhe in sich zu spüren begann, drehte sie ihren Kopf so, dass ihre funkelnden Augen zu ihm schielen konnten. In einer stummen Frage runzelte sie ihre Stirn und verwehrte ihm eine richtige Antwort.
Unfähig weiter auf seine eigene Frage einzugehen, hielt er inne. Sein Ziel auf einem Bild oder aus ausreichender Entfernung zu sehen war kein Vergleich dazu, sie aus der Nähe betrachten zu können. Obwohl die Traurigkeit in ihren Augen immer noch präsent war, hatte sich eine gewissen Schärfe und Klarheit dazu gemischt. Das schmutzige Grün ihrer Iris hielt ihn in ihrem Blick gefangen und für wenige Sekunden war er wie gebannt. Eine einzelne, braune Strähne fiel ihr ins Gesicht, Sera strich sie sich zurück hinter das Ohr und der fesselnde Moment war vorüber. Während er um Fassung rang, zwang er sich endlich zu einer Antwort. Eine, die den feindseligen Blick vorerst vertreiben würde.

„Sie haben so nachdenklich aus dem Fenster gesehen und Ihr trauriger Blick im Fensterglas hat mich nicht losgelassen“, erklärte er ihr auf Japanisch und der Wechsel aus dem Englischen zog augenblicklich eine Reaktion mit sich. Überrascht weitete sie ihre Augen und setzte sich aufrechter hin. Seine Worte ignorierend, frage sie ihn stattdessen: „Sie kommen aus Japan? Sieht man Ihnen gar nicht an.“ Froh darüber, dass sie so schnell auf ihn eingegangen war, nickte er mit einem Schmunzeln auf den Lippen und blickte kurz nach vorne, als die Stewardessen etwas zu trinken verteilten. „Ja, ich habe für zwei Wochen einen Freund besucht. Haben Sie auch Urlaub gemacht?“

Die Überraschung wich aus ihrem Gesicht und obwohl sie ihn weiterhin offen musterte, spürte er ihre wiederkehrende Verschlossenheit. So einfach schien sie sich wohl doch nicht auf Fremde einzulassen. Bourbon verkniff sich ein Grinsen – nichts anderes hatte er von Akais kleiner Schwester erwartet. „Nein.“ Sie riss sich von seinem Anblick los und begann wieder aus dem Fenster zu starren. Inzwischen durchquerten sie die dunklen Wolken und der Regen prasselte unerbittlich an das Fenster. Bourbon musste sich etwas einfallen lassen, um sie aus der Reserve zu locken. Aber wenn er zu sehr nachbohrte, würde sie skeptisch werden und sich ihm komplett verschließen…
„Warum haben Sie vorhin den Sitzplatz getauscht, um neben mir sitzen zu können?“
Was?!

Verwundert starrte er Sera an, die ein emotionsloses Seufzen ausstieß und sich ihm erneut zuwandte. Daher rührte also ihre plötzlich zurückweisende Art, die so gar nicht zu dem passen wollte, was er durch die Berichte und tagelangen Observationen herausgefunden hatte. Die Aufregung darüber, durchschaut worden zu sein, zauberte ein Lächeln auf seine Lippen. Sie machte ihrem ehemaligen Nachnamen alle Ehre!
Um seine Tarnung nicht auffliegen zu lassen, hob er die Hände und konnte sich dazu durchringen, rot zu werden. Das schüchterne Lächeln unterstrich seine Maskierung und sich durch ihren kalten Blick nicht einschüchtern lassend, antwortete er: „Ich gestehe. Vorhin, als wir das Flugzeug bestiegen haben, sind Sie mir bereits aufgefallen und nun ja… ich wollte die Gelegenheit nicht verstreichen lassen.“ Absichtlich ließ er seine Worte ungenau, so dachte sie mit gerunzelter Stirn einen kurzen Augenblick darüber nach, ehe es nun an ihr war, rot zu werden. „W- Wie bitte?“

Er lachte, um ihr den Eindruck zu geben, dass er seine Nervosität überspielen wollte. Langsam erschlafften ihre angespannten Schultern und das Misstrauen ihm gegenüber schwand. Darauf hatte er gewartet. „Ich…“, er stockte absichtlich, schien nach den richtigen Worten zu suchen, während sein Blick sie zu mieden schien, „Wollen Sie nachher vielleicht mit mir einen Kaffee trinken? Ganz unvoreingenommen, nur ein kleiner Plausch. Wenn ich Ihnen auf den Geist gehe, werde ich hinterher ohne ein Wort verschwinden. Was meinen Sie, geben Sie mir eine Chance?“

Während er sie zu überzeugen versuchte, hatte er die schüchterne Art abgelegt und zeigte ihr nun ein verschmitztes Grinsen, das seinem wahren Charakter schon viel näher kam. Sie sollte weder den Eindruck gewinnen, dass er zu unsicher sei, noch davon ausgehen, dass er zu selbstbewusst war. Eine gute Mischung war gefragt, die sie lockte und sogar ein bisschen herausforderte. Das verschmitzte Lächeln, welches sie ihm nun schenkte, war eindeutig genug. Trotzdem wartete er auf ihre Antwort, ehe er sie, schneller als sie es merken konnte, vollkommen in Beschlag nehmen würde.
„Du hast zwölf Stunden, um mich zu überzeugen.“
Irgendetwas an ihm reizte sie, das war deutlich zu erkennen. Die leichte Unsicherheit in ihren Augen bestätigte Bourbon, dass sie dennoch nicht genau wusste, was es war. Dass auch sie ihn auf eine für ihn bisher ungewohnte Art faszinierte, ignorierte er vorerst. Es ging einzig und allein um den Job. Außerdem war sie Akais Schwester. Ein Feind, den es vermutlich früher oder später zu eliminieren galt, wenn er Gins Worte vom Telefongespräch und Seras unnachlässigen Charakter richtig deutete.

Erneut fühlte er sich von ihrem Blick gefesselt, dieses Mal war die Feindseligkeit einem kleinen Funken Vertrauen gewichen. Das Grün in ihren Augen blitzte schelmisch auf, während sie ihr Kinn herausfordernd emporreckte. Beruhigt und eine Spur belustigt reichte er ihr seine Hand, um sich endlich vorzustellen. „Amuro Tooru, angenehm.“
„Masumi Sera. Die Freude ist ganz meinerseits.“
Ein einfacher Auftrag wie jeder andere… richtig?



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Der Anfang ist gemacht. Die erste Begegnung ist vorüber. Wie hat sie euch gefallen? Hinterlasst mir doch bitte eure Meinung in einem kleinen Review.

Preview: Second Thoughts
Numbers Series No II
Die Freundschaft zwischen Amuro und Masumi nimmt tiefere Züge an, als Bourbons Auftrag auf einmal einen bitteren Beigeschmack bekommt. Ist es immer noch ein Auftrag wie jeder andere oder entwickelt er ernsthafte Gefühle für Akais kleine Schwester...?
Veröffentlichung 18.5.2014
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