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Fortune Of Life

von Rayden
GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P16 / MaleSlash
Brad Delson Chester Bennington Mike Shinoda
10.05.2014
03.08.2020
33
153.414
6
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Dieses Kapitel
3 Reviews
 
10.05.2014 4.539
 
Auch hier geht es endlich wieder weiter!
Danke für eure
'weltmeisterliche' ;) Unterstützung bei Fortune Of Life! :3 Jeder einzelne darf sich gedrückt fühlen. Viel Spaß!

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6. Kapitel


Besorgt kam Charlene wieder vom Obergeschoss herunter gelaufen und gesellte sich zurück in die Küche zu Rebecca. Ihr gemeinsames Frühstück war, nachdem Streit und Chesters Unbeherrschtheit, sehr angespannt abgelaufen. Sie hatte sich unwohl gefühlt, glaubte ihre Wangen würden vor Scham glühen und sie hatte den Augenkontakt zu ihren Gastgebern weitgehend vermieden.

Dan hatte die ganze Sache viel lockerer aufgefasst, als es seine Frau getan hatte. Ein wenig in der Zwickmühle, zwischen den beiden Freundinnen gefangen, hatte er verzweifelt versucht die Stimmung wieder zu heben. Doch dies war ihm ziemlich misslungen. Rebecca hatte eine straffe Miene aufgesetzt und ließ ihr gedemütigtes Gemüt nicht aufheitern. Sie zeigte ihrem Ehemann die kalte Schulter und die tonlosen, jedoch nett gemeinten Worte zu ihr, waren aufgesetzt gewesen.

Charlene konnte sie gut verstehen. Sie würde sich nicht anderes fühlen. Sie hatte mit ihrem Sohn reden wollen, doch als sie in das Zimmer von Brad ging, stand dessen Tür offen und keiner der beiden Jungs war da gewesen. Schluckend stellte sie sich zu Rebecca und nahm unaufgefordert das Geschirrtuch zur Hand, um ihr beim Abtrocknen zu helfen. „Sie sind nicht da.“, erklärte sie dann leise und schluckte erneut schwer.

Brads Freundin würde schon bald für die kommenden Wochen den Staat verlassen und sie wusste, dass er nun bei ihr sein würde, da er es schließlich noch erlaubt bekommen hatte. Ihre sorgenvollen Gedanken galten demnach ihrem eigenem Sohn. Chester war auch sonst nirgends im Haus aufzufinden gewesen und nervös stand sie nun neben Rebecca.

Sie kannte ihren Sohn und wusste daher, dass dieser in seiner Wut manchmal unüberlegte Dinge tun konnte. Er war hin und wieder in Rage einfach abgehauen, doch da waren sie noch in Arizona gewesen. Charlene waren seine Anlaufpunkte bekannt gewesen. Meist war er zu Sean gegangen oder doch einfach nur unter den großen Baum im Park, unter dem sie ihre Picknicke als eine glückliche Familie abgehalten hatten. Trotz allem war es eine ungewohnte Tugend ihres Sohnes, da er normalerweise darauf achtete, dass seine Mutter zumindest wusste, dass er weg ging.

Ihr wurde beinahe schon schlecht, nun nicht zu wissen wo ihr Sohn war. Sie waren gerade einmal einen Tag hier in Agoura Hills und Chester kannte sich noch nicht aus. Sie sagte sich ein, dass er alt genug wäre und auf sich aufpassen konnte. Das Viertel in dem sie in Phoenix gelebt hatten, war verglichen mit der ruhigen Vorstadt sicherlich gefährlicher gewesen, dennoch fühlte sie die drückende Besorgnis einer Mutter.

Rebecca sah zu Charlene und presste ihre Lippen zusammen. Sie schüttelte ihre Hände etwas ab und wischte sie flüchtig an ihrer Hose trocken. Sie nahm ihre Freundin an den Oberarmen und streichelte dort beruhigend auf und ab. „Vielleicht ist er einfach nur mit Brad mit.“, schlug sie vor.

Sie lächelte unecht und massierte kurz über ihre Stirn. Sie zuckte überlegend mit den Schultern und atmete dann tief durch. „Er ist sonst nicht so…“, nuschelte sie und spürte, wie ihre Hände leicht zu zittern begannen.

Ihre Freundin schluckte und sah sie mitfühlend an. Sie dirigierte sie auf einen Stuhl und schenkte ihr dann ein Glas Wasser ein, ehe sie sich zu ihr setzte. „Es tut mir auch leid, wegen vorhin… Chester muss sich doch erst eingewöhnen, es geht halt doch nicht einfach an ihm vorbei.“

Sie nickte verstehend und nippte an ihrem Getränk. „Ich habe so schreckliche Angst, ihm doch nichts Gutes zu tun. Ich wollte ihn doch nur von seinem Vater wegbringen, Becca…“

„Du wirst sehen, wenn er sich an alles gewöhnt hat, wird es die richtige Entscheidung gewesen sein.“, sprach sie ihr gut zu und stand dann auf. „Ich rufe einfach mal bei Olivias Eltern an und frage nach, okay?“, fragte sie, doch wartete keine Antwort ab. Sie lief zu ihrem Haustelefon und wählte die Nummer der Spectors.


„Olivia…“, seufzte ihre Mutter. Ein wenig abgewetzt kam sie in das Wohnzimmer gelaufen und sah zu ihrer Tochter, die in den Armen ihres Freundes lag und sich schon viel zu lange von ihm verabschiedete. Bittend sie sie die beiden an. „Tut mir leid, Bradford… schön, dass du nochmal vorbeigekommen bist, aber wir müssen nun wirklich langsam losfahren. Wir fahren noch eine Stunde zum LAX.“

„Ist gut, Mrs Spector.“, nickte Brad getrübt und verspürte große Lust dazu, ihr einfach zu widersprechen. Er wollte Olivia nicht aus seinen Armen geben und hätte sie am liebsten einfach bei sich zu Hause aufgenommen. Kurz hatte er diese Idee tatsächlich in Erwägung gezogen. Brad fragte sich, wie sie sich wohl mit Chester verstehen würde und doch wusste er, dass dies keine Option war. Ihre Eltern würden sie nicht bei ihm lassen. Nicht zuletzt war es auch zu kurzfristig. Der Flug war gebucht und ihre Koffer gepackt.

Er biss sich verbittert auf die Unterlippe. Schon bald würde sie mit ihrer Familie fünf Stunden in einem Flugzeug verbringen, dass sie für die nächsten acht Wochen über 2.800 Meilen trennte. „Ich liebe dich.“, seufzte er und drückte Olivia nochmals eng gegen sich.

„Ich dich auch, Schatz.“, bestätigte sie. Als das Telefon begann zu klingeln und ihr Moment jäh unterbrochen wurde. Olivia streichelte ihm lächelnd über die Wange, ehe sie von ihm abließ, um das Gespräch anzunehmen. „Spector?“

‚Hallo Olivia – oh schön, dass ich euch noch erwischen konnte.‘

Olivia lachte leise auf und war dennoch etwas überrascht Brads Mutter am Telefon zu haben. „Ja, da haben Sie uns noch gerade so erwischt. Wir sind schon beim Aufbrechen. Zum Leidwesen von uns… nun sie wissen ja.“, erzählte sie und schenkte Brad einen Kuss durch die Luft. „Wollen Sie mit Brad reden? Er wird bald zu Hause sein, Mrs Delson.“

‚Ja gut. Ich wollte jedoch nur wissen, ob nicht eventuell Chester bei euch ist.‘, fragte Rebecca und sah wie ihre Freundin langsam zu ihr gelaufen kam. Sie rutschte etwas auf der Couch und Charlene ließ sich neben sie nieder. Sie sah ihr mit großen, erwartungsvollen Augen zu.

Olivia furchte verwirrt die Stirn und schüttelte den Kopf. „Chester? Uh, nein… nein, Mrs Delson, er ist nicht hier.“

Nun horchte Brad auf. Er brauchte nicht lange, um zu verstehen und nickte zu seiner Freundin. „Mike.“, meinte er zu ihr. „Mike war vorbeigekommen… wahrscheinlich hängt er mit ihm ab.“

‚Oh… ja, schade ok-‘

„Mrs Delson! Uhm… Brad meinte gerade etwas davon, dass er eventuell mit Mike zusammen ist.“, meinte sie schnell und würgte dabei die Mutter ihres Freundes ab. Sie lächelte verunsichert und biss sich auf die Lippe.

‚Ach… ja gut, okay, danke Olivia, dann störe ich nicht weiter. Ich wünsche dir und deinen Eltern einen guten Flug.‘

„Dankeschön, auf Wiederhören.“, meinte sie noch freundlich und legte dann auf. Sie kam auf Brad zu und nahm ihn an der Hand. Er wollte etwas zu ihr sagen, doch sie schüttelte den Kopf und legte ihren Zeigefinger auf seine sanften Lippen, ehe sie diesen mit ihrem Mund ersetzte. Die letzten verbleibenden Minuten wollte sie nicht damit verbringen sich zu wundern, warum Brads Mutter bei ihr wegen Chester anrief.

-

Mike hatte Chester den Rücken eingecremt. Ihm war dabei ganz flau im Magen geworden. Seine Finger hatten zu kribbeln begonnen, als er dessen Haut berührte und schwer schluckend hatte er sich beeilt fertig zu werden. Verlegen lächelte er schmal und versuchte sich von dem Gefühl abzulenken. Er erkannte dessen Bedeutung, doch wollte das noch nicht wahrhaben. „Deine Tattoos… uhm, also die sind cool“, murmelte er und nahm die Sonnencreme, um diese wieder wegzupacken.

„Warte! Ich mach deinen Rücken noch.“, hielt ihn der Ältere allerdings auf und mit großen Augen erstarrte er kurz. Sein Puls steigerte sich ins Unermessliche und während er noch nach einem guten Grund suchte, dies abzuwenden, nahm ihm der andere die Creme schon ab und beträufelte sich seine Finger.

Er verzog den Mund kläglich. „Wir sehen richtig schwul aus…“, nuschelte er in der Hoffnung diese Aussage würde bewirken, dass es Chester doch unterlassen würde. Doch der Ältere lachte nur auf und erlegen drehte Mike ihm seinen Rücken zu.

„Vielleicht, aber besser als fiesen Sonnenbrand.“, antwortete Chester. Mit sanften und leicht kühlen Fingern begann er Mike, sogar ein wenig massierend, einzuschmieren.

Der Jüngere konnte sich nicht helfen und ließ genießend seinen Kopf nach vorn fallen. Er schloss die Augen und fühlte, wie das flaue Gefühl zu einem unbändigen Kribbeln wurde, das warm durch seinen Körper fuhr. Beinahe wäre ihm ein wohliges Brummen entflohen, doch wenigstens dies hatte er noch unterbinden können. „Wieso… hast du die Tattoos?“, fragte er. Einerseits, interessierte ihn dies brennenden, auf der anderen Seite, wollte er sich jedoch nur ablenken.

„Meine Mom war einverstanden und da habe ich sie eben machen lassen. Sean… mein bester Kumpel aus Phoenix, arbeitet in einem Tattoostudio.“, erzählte Chester. Er sah konzentriert seinen Händen zu und versank etwas in seinem Tun. Es gefiel ihm, den Jüngeren so zu berühren und es fühlte sich sogar ein wenig berauschend an.

Mike nickte und allmählich dauerte es ihm zu lange. Seine irritierenden Gefühle brachten ihn aus der Bahn und er wollte diesen einfach nur noch entfliehen. Er entzog sich den liebkosenden Händen des Älteren und stand flüchtend auf. Er sah, wie erschrocken Chester zu ihm blickte und er setzte schnell ein Lächeln auf. „Komm gehen wir schwimmen.“, nickte er in Richtung Meer und stampfte sogleich durch den Sand.

Mit großen Augen blickte Chester ihm nach. Sein Verhalten war zu ruppig und plötzlich gewesen, sodass ihm schnell bewusst wurde, dass etwas zwischen ihnen anders als gewöhnlich gelaufen war. Dennoch konnte er es nicht genau ausmachen oder betiteln. Es war einfach etwas gewesen. Eine Art… Spannung, die Chester allerdings als gut empfunden hatte.

Er sah auf seine Hände, die noch immer glänzten und mit Ekel verzogenem Gesicht, wischte er die restliche, nicht verriebene Sonnenmilch auf dem Strandtuch ab. Er hievte sich auf und wollte sich beeilen den Jüngeren aufzuholen, doch dabei rutschte er in dem warmen Sand aus und fiel nach vorne weg. Er fing sich noch mit seinen Händen auf und stöhnte entnervt, da die vielen kleinen Körnchen aufgrund seiner noch immer leicht cremigen Hände besser kleben blieben. „Fuck…“, knurrte er und klatschte sich die Hände sauber. „Ew… ich denke ich bevorzuge Pools mit Gras außen rum.“

Chester hörte nur ein freches Lachen und als er aufsah, schüttelte Mike nur den Kopf und drehte sich wieder ab. Er winkte ihm über seine Schulter zu sich und er folgte. Sein Blick fiel auf dessen Rücken und er befand sein breites Kreuz für schön.

Mike war sehr attraktiv, was er ohne rot zu werden feststellte. Es schenkte ihm sogar ein kleines Lächeln, als er sich diesen Gedanken zugestand. Mike war das ausgewogene Mittelmaß – in Chesters Augen, perfekt. Er war nicht so dünn - fast schon abgemagert, wie er auszusehen vermag - eher ein wenig pummelig, doch dies formte sich sanft in leicht ansetzende Muskeln und Chester vermutete, dass Mike vor nicht allzu langer Zeit zu trainieren angefangen hatte. Ohne es selbst wirklich zu bemerken und ganz unwillkürlich, leckte er sich über die Lippen und grinste fast schon ein wenig verstrahlt, bei seiner kleinen Observierung.

Chester trat nun in den dunklen Sand und er grinste etwas. Es war komisch für ihn. Natürlich kannte er ‚Strand‘. Sean und Ryan hatten ihn schon oft einfach gepackt und aus der Stadt geschafft. Meist zu den Zeitpunkten, als es bei ihm zu Hause am aller Schlimmsten war. Sie hatten eine gut einstündige Fahrt auf sich genommen und waren die 47 Meilen aus Phoenix zum Canyon Lake gefahren. Um in wegzuschaffen und ihm ein paar Stunden Freude zu bereiten, damit er loslassen und auf andere Gedanken kommen konnte.

Chester hatte diese Tage geliebt. Es waren immer die Schönsten geworden. In der näheren Umgebung Phoenix gab es vier Seen, entstanden aus der Stauung des Salt Rivers, ist der Canyon Lake zwar der Kleinste, aber unbestritten malerisch und atemberaubend.  Prachtvoll erstrecken sich die hohen Red Rocks um ihn herum und zeichnen ein unvergleichbares Bild. Er windet sich über 10 Meilen durch eine Schlucht und durch die Wölbungen kann man sich zwischen den sehr, von Actiongetriebenen und USA-Reisenden, belebten Strandabschnitten und den ruhigen Plätzen entscheiden.

Doch nun stand er nicht dort, umring von den Red Rocks, die beim Sonnenuntergang zu glühen schienen und nicht vor dem ruhigen, tiefblauen Wasser, das süß war und ein ersichtliches, zweites Ufer hatte.
Er stand in dem kühlen Sand, der von den sanft heranrauschenden Wellen des Pazifiks nass geworden war. Als er aufsah gab es kein Ende. Chester fühlte sich erschreckend frei. Es war ein befremdliches Gefühl, auch wenn er es genoss, so schenkte es ihm Unbehagen und plötzlich dachte er an all die Gefahren, die auf ihn lauern konnten.

Mike schien sein Zögern nicht zu bemerken und tapste bereits durch das Wasser und stand schon bald bis zu seinen Knien darin. Wellen schlugen ihm bis zu seinen Hüften, ehe er sich umdrehte und nach dem Neuen sah. „Na los, was ist?“

Chester verschränkte die Arme und wirkte dadurch trotzig. Er rümpfte die Nase und zierte sich schließlich kindlich. „Weißt du, welche zigtausend Viecher in so einem Ozean leben? Also… ich mein, besonders blöd sind die Gefährlichen… ich rede von Haien, Mike – also besonders von Haien – Weißen Haien!“

Perplex musterte Mike ihn und wusste just nicht genau, ob er es belustigend oder bitter finden sollte. Ein amüsiertes Grinsen huschte kurz darauf über seinen Lippen und seine anfängliche Verwirrung, wich einem Herzstolpern, als er Chester einfach nur niedlich fand. „Unsinn, bevor dich einer anknabbert bekommst du eher noch eine Kokosnuss auf den Kopf.“

Chester japste etwas. „Dann eben Barrakudas.“

„Chester.“, brummte Mike und verdrehte belustigt die Augen, als er seine Arme vor der Brust verschränkte.

Er grummelte nur und pustete unzufrieden Luft aus seiner Nase. „Quallen.“

„Chest-“

„Seeschlangen!“, unterbrach er Mike sogleich und hob nun die Augenbrauen, als er dachte nun endlich einen ausschlaggebenden Grund gefunden zu haben, der ihn davon abhielt in das Wasser zu gehen.

„… Chaz.“, seufzte Mike und sah ihn mit großen flehenden Augen an, als er seinen Kopf etwas zur Seite geneigt hatte und nun wieder langsam aus dem Wasser stapfte.

Dem Angesprochen fiel der Mund etwas auf, als er ihn total überrannt anstarrte. „Chaz?“

Mike sah ihn verwirrt an, ehe ihm nun selbst auffiel, dass er ihm bereits bei einem Kosenamen genannt hatte. Er grinste verschüchtert und zuckte abwertend mit einer Schulter. „Dir passiert nichts, ehrlich.“

Er pustete Luft aus und brummte unwohl, als er um Mike auf den vor ihnen liegenden Pazifik blickte. „… Strömungen?“, flüsterte er leise, konnte sich jedoch selbst ein kleines Grinsen nicht verkneifen.

„Nein.“, hauchte Mike. „Wir bleiben nahe am Strand.“ Vorsichtig, beinahe liebevoll zaghaft zog er ihn an seinen Händen mit sich in das angenehm kühle Wasser. Mike lief rückwärts und hatte sein Augenmerk dabei wachsam auf Chester gerichtet. Ein Lächeln zierte seine Lippen und er fiel unbemerkt in einen Sog, in dem nur der andere zählte und wichtig war. Im fiel gar nicht ein, ihn absurd zu finden, ihn auszulachen, da er sich wie ein kleines, ängstliches Mädchen anstellte, sowie er es ganz sicher bei jedem anderen getan hätte.

Er merkte es nicht. Das sanfte Verhalten, dass er gegenüber dem neuen Jungen aufzeigte fühlte sich normal an. Es konnte ihn nicht beirren, wenn es gut war. Chesters Art nahm ihn vollkommen ein. Er mochte, wie er sich gab und ließ sich davon verzaubern. Er begann verträumt mit Chesters Fingern zu spielen und der Ältere lächelte warm. Mikes Magen kribbelte augenblicklich und schief grinste er zurück.

„Frisbee!“, schrie Chester plötzlich mit großen Augen und japsend auf. Von irgendwo her drang noch ein erschrockenes ‚Vorsicht!‘, als er innerhalb von Sekunden entschied, während die rote Scheibe auf sie zu flog. Es war nur aus einem Reflex heraus und so löste er schnell seine Hände aus Mikes und stieß ihn kräftig auf die Seite.

„Wa-… he-hey!“, empörte sich Mike überrannt und konnte die rasch entstandene Situation gar nicht begreifen, als er schon sein Gleichgewicht verlor. Hektisch fing er an nach Halt zu suchen. Er bekam noch gerade so wieder die Hände seiner neuen Bekanntschaft zu greifen, doch er zog den Jungen nur mit sich.

Spritzend fielen sie zusammen in das Meereswasser. Sie standen noch in recht seichtem Wasser, dennoch reichte es, um sie beide komplett zu tauchen. Spuckend und hustet rappelten sie sich wieder auf und hörten noch das Platschen der Frisbee neben ihnen.

Chester schniefte und schmatzte, als er sein Gesicht angeekelt verzog. Er wischte sich über sein Gesicht und rieb seine leicht brennenden Augen. „Eh bah… Fischpisse im Maul!“, motzte er und streckte zuwider seine Zunge heraus.

Mike blinzelte ein paar Mal und schüttelte sich selbst etwas, als er zu dem Älteren schielte und den Kopf sanft schüttelte. Er schmeckte selbst das algig-salzige Wasser. „Stell dich nicht so an, du hast mich geschubst!“, rügte er ihn und stieß ihn sanft. Er fischte die Scheibe aus dem Wasser und sah sich um. Zwei Mädels wateten schon mit entschuldigenden Blicken auf sie zu.

„Fresse. Ich habe dich nur vor einer fiesen Beule bewahrt.“, nuschelte er ein klein wenig beleidigt zurück, als er seine Arme vor der Brust verschränkte. Leicht beugte er sich zu ihm. Er biss sich sanft auf die Lippe, als er die Tropfen auf Mikes gebräunter Haut sah, die durch die Sonnencreme regenbogenfarben schimmerten. Es zauberte ein Lächeln auf seine Lippen. „Doch nicht so ungefährlich, huh?“

„Chester!“, stieß Mike schon beinahe genervt hervor und drehte sich zu ihm. Sein Anblick nahm ihm allerdings die Wut und er musterte ihn. Feuchte Strähnen klebten an der Stirn und Tropfen fielen von den Spitzen hinab auf seinen Brustkorb, vereinten sich dort mit weiteren. Er schluckte schwer, fand den blassen Anblick von ihm verzaubernd und er musste sich tatsächlich zurücknehmen, ihm nicht zärtlich über seinen Oberkörper zu streicheln. „Uhm, lass es.“

Chester grinste nur frech und überlegen und nickte schließlich hinter Mike. Die beiden Mädels waren nun bei ihnen und blickten schuldbewusst drein. „Football wäre eher dein Ding. Du kannst weit werfen.“, meinte er zu ihnen und sprach dabei an Mike vorbei, als hätte dieser sich auf einmal in Luft aufgelöst.

Augenblicklich bildete sich eine sanfte Röte auf den Wangen, der etwas kleineren. Offensichtlich war sie es gewesen, die das Frisbee geschmissen hatte. Ihre Freundin lächelte gekünstelt und wollte ihr Bedauern dabei überspielen. „Sorry…“, hauchte sie dennoch mit kleinlauter Stimme.

Chester grinste breit und schenkte ihnen einen umgarnenden Blick, als er flirtend eine Augenbraue zucken ließ und seinen Mund unbekümmert verzog. „Nur ein Frisbee.“, meinte er abgeklärt und streckte schließlich eine Hand zu ihnen. „Chester.“

Verwirrt sah Mike stillschweigend dabei zu, wie Chester mit ihnen in ein Gespräch kam. Ein bedrückendes Gefühl machte sich schnell in ihm breit und seine Finger krallten sich etwas mehr in das harte Material der Frisbee. Er sah dem Älteren zähneknirschend zu und wollte sich schon fast zwischen ihn und die Mädels stellen.

Wachsam bemerkte er, wie sich die Schwarzhaarige auffällig anbändelnd eine Strähne hinter das Ohr strich, die ihr aus ihrem gebundenen Pferdeschwanz gerutscht sein musste. Ihre Augen fixierten den Tätowierten interessiert und ihre vollen Lippen, die sanft róse schimmerten, verzogen sich in ein halbes Lächeln dabei.

„… wollt ihr mit zu uns kommen? Wir haben Bier dabei.“, meinte sie und sah nun plötzlich zu Mike. Ihm erschien es so, als würde sie ihn nun zum ersten Mal bemerken. Sie hatte ihm noch nicht einmal das Frisbee abgenommen und im Gegensatz zu Chester, bekam er einen eher kühlen Blick geschenkt.

„Klingt super, Talinda!“, rief Chester sofort einverstanden hervor und nickte begeistert. Das Mädchen sah strahlend zu ihm zurück, nachdem sie den Blickkontakt zu Mike unterbrochen hatte. Er war allerdings erleichtert, zwischen ihnen hatte sich eine komische Spannung aufgebaut, die er nicht so recht erklären konnte.

Dennoch japste er leise und war ein wenig überrannt. Zum einen hatte er nicht einmal mitbekommen gehabt, dass sie sich vorgestellt hatten und zum anderen fragte Chester ihn nicht einmal und nahm einfach an, er würde damit einverstanden sein. Doch das war er nicht. Absolut nicht. Er krampfte mehr zusammen, wollte Chester allein für sich haben. Wie am Tag zuvor, wollte er ihn nicht teilen müssen. Er konnte sich nicht vorstellen, dass es lustig werden könnte. Doch Chester schien hellauf begeistert und stieß ihn nur zwinkernd gegen den Arm und folgte dann Talinda und dem anderen Mädchen aus dem Wasser.

Enttäuscht ließ er seine Schultern hängen und lief dann tief aufseufzend ihnen ebenfalls nach.



Mike kam sich unheimlich dämlich vor. Keiner schien ihn so wirklich zu beachten zu wollen. Zugegeben, er bemühte sich auch nicht sehr darum miteingebunden zu werden. Er sehnte wehleidig seinen Vorstellungen nach, wie er den Tag mit Chester für sich alleine verbracht hätte.
Er fühlte sich fehl am Platz, während er dabei verbittert zusah, wie sich der Älteren nun offenbar köstlich amüsierte. Vor etwas mehr als zwei Stunden, waren sie wieder aus dem Wasser gegangen. Während Chester den beiden Mädels bereits zielstrebig gefolgt war, hatte er noch zügig ihre Sachen zusammengeklaubt und war ihnen schnell hinterher.

Chester und er folgten ihnen ein Stück weiter. Sie lagen bei den Felsen, die guten Sichtschutz von der Straße spendeten. Sie waren auch nicht alleine. An ihrem Platz, an dem sie selbst eine Feuerstelle gemacht hatten, feierte eine kleine Gruppe von weiteren fünf Leuten zu aufgedrehter Musik, die sie bis zu ihrem alten Platz nicht einmal vernommen hatten.

Leon. James. Adam. Lola und Sofie.

Talinda hatte augenblicklich einen Arm um Chesters Hüfte geschlungen. Mike hatte dies schlucken lassen. Es wirkte viel zu besitzergreifend für seinen Geschmack und er erwischte sich bei dem neidischen Gedanken, als er sich wünschte, es wäre sein Arm. Sie hatte ihn begeistert vorgestellt und nur so hatte auch er die Namen mitbekommen.

Stacy, war das Mädchen, das mit Talinda im Wasser war. Sie war ihm noch am sympathischsten. Die Blonde hatte ein freundliches Lächeln und nachdem sie ihm ein Bier reichte, war sie noch so höflich gewesen, mit ihm ein paar Worte zu wechseln.  Sie hatte ihm schließlich endlich das Frisbee abgenommen und war auch immer wieder zu ihm gekommen, doch Mike war eher wortkarg geblieben.

Seufzend saß Mike an der Seite und hatte nicht einmal das Bedürfnis dazu, sich wirklich zu integrieren. Die kleine Party war reizlos für ihn, nachdem sich der Ältere von ihm abgewandt hatte. Chester schien sich kaum mehr um ihn zu kümmern, hatte ihm nur ein paar Blicke geschenkt. Diese wirkten jedoch eher, als würde er sich nur versichern wollen, dass seine Mitfahrgelegenheit noch da war.

Es gab ihm einen Stich in seiner Herzgegend und gelangweilt drehte er seine zweite Bierdose in seinen Händen. Er hatte es sich lieber als Aufgabe angenommen, ihn zu beobachten. Aufzupassen und dabei war er ziemlich vom Trinken abgelenkt geworden. Es war ein unbehagliches Gefühl Chester zu zusehen und dennoch verlor er sich in diesem wunderschönen, hellen Lachen, seiner Ausgelassenheit und seiner unbekümmerten Aura, als der Neue trank und tanzte.

Mike fand Chester konnte sich gut bewegen. Es sah ansprechend aus und begeistert nahm er nun wieder einen kleinen Schluck von seinem bereits schal gewordenen Bier. Er leerte die Dose und zusammendrückend rappelte er sich auf. Er schmiss seinen Müll in eine große Plastiktüte und verschwand nichts sagend, um sich kurz zu erleichtern, in den Schutz der Felsen.

Mike ließ sich Zeit und ging nicht sofort zurück. Die Hitze des Tages kühlte bereits ab und eine, vom Meer kommende, frische Brise umschmeichelte sein Gesicht. Er atmete tief durch, genoss die Ruhe, als er durch den noch warmen Sand schlenderte und sich schließlich setzte. Er ließ Sand durch seine Hände rieseln, sah auf das Meer hinaus und hörte die Musik nur noch ganz schwach zu ihm dringen. Er hatte zuvor gar nicht bemerkt, wie sehr er diesen Abstand gerade brauchte. Es fühlte sich gut und erleichternd an. Mike entspannte hier mal wieder etwas.

Er seufzte tief und rieb sich über die Stirn. Er war nicht blöd. Mike war sich bewusst, dass es prickelnde Spannung zwischen ihm und dem neuen Jungen in ihrer Nachbarschaft gab. Der Halbjapaner wusste nur nicht so recht, wie er damit umgehen sollte. Er hatte eine Freundin, die er liebte, die ihn anturnte und nun einen Jungen so anziehend zu finden, war leicht überfordernd.

Mike hatte regelrecht Angst davor, doch er wusste es war nicht nur eine Phase. Er kannte Chester kaum und dieser konnte ihn innerhalb von Sekunden völlig einnehmen. Mike könnte ihn stundenlang einfach nur zu sehen und sich nicht langweilen. Es spürte überwältigendes Kribbeln, wenn sie sich berührten, dass er nicht verleugnen könnte.

Mike wusste, er konnte die wachsenden Gefühle für Chester nicht mehr aufhalten. Obwohl der Ältere vielleicht nicht einmal verstand, was er in Mike auslöste. Doch der Jüngere war bereits völlig eingenommen von ihm, konnte nur hoffen, dass es Chester nicht anders erging.

Er schnaubte amüsierte. Fühlte sich fast ein wenig hilflos und doch war es einfach nur berauschend daran zu glauben, Chester könnte ebenfalls etwas für ihn empfinden.

-

„Mom, lass mich bitte bei Mark daheim raus.“, bat der DJ und lächelte sie breit an. Er war mit ihr in die Stadt gefahren und hatte zu seinem großen Erfreuen tatsächlich etwas Neues für sein DJ-Pult herausschlagen können. Er hatte sich eine neue Groovebox herausgesucht. Marion Hahn wäre beinahe aus allen Wolken gefallen, als sie den Preis sah und verwünschte sich dafür, überhaupt erst zugestimmt zu haben.

Doch ihr Sohn ließ sich auch nicht dazu überreden, sich etwas anderes auszusuchen. Joe bildete sich ein, dies unbedingt haben zu müssen. Seufzend  verdrehte sie die Augen. „Nun gut, Joseph.“, brummte sie erlegen und hob warnend einen Zeigefinger. „Aber dafür gibt es nichts zu Weihnachten.“

Nun blickte sie ihren Sohn verwundert an. „Willst du deinen DJ-Kram nicht gleich ausprobieren?“, fragte sie. Normalerweise konnte Joe kaum stillsitzen, wenn er so etwas nicht augenblicklich auspacken und anschließen konnte.

Joes Fingern zuckten und ein wenig unwohl rutschte er auf seinem Beifahrersitz hin und her. Sie hatte Recht. Er verzog sein Gesicht missmutig und seufzte. „Ja, eigentlich schon. Aber Mark und ich müssen noch ein paar Besorgungen für die Party machen.“

Schmal lächelnd blickte Marion kurz zu ihrem Sohn und schüttelte wissend den Kopf. „Haltet es bitte in Maßen.“, warnte sie mit fester und mütterlicher Stimme. Joe schnappte leise und erschrocken nach Luft und wurde kurz darauf rot. Ihm wurde bewusst, wie naiv er war, zu denken seine Mutter würde nichts davon mitbekommen, wenn sie ihm Keller tranken, während die Erwachsenen oben selbst feierten. „… Mark ist doch auch erst Achtzehn.“

Joe lächelte sanft und atmete tief durch. Die Feststellung seiner Mutter war eher eine Aufforderung an ihn und er seufzte ergeben, als er etwas an dem Saum seines Shirts zupfte. „Ashley – Marks Schwester kauft.“

Sie nickte einsichtig und betätigte schließlich den Blinker in Marks Straße. Joe lächelte sanft und freute sich schon seinen Freund wiederzusehen. „Solange die Kleinen nichts abbekommen und ihr es nicht übertreibt.“, schüttelte sie den Kopf, nicht wirklich ganz zufrieden, als sie bei den Wakefields hielt.

„Danke, Mom. Hab dich lieb.“, murmelte er noch und wurde von ihr aufgehalten. Mit auffordernd hinaufgezogenen Augenbrauen tippte sie gegen ihre Wange und Joe gab ihr daraufhin noch einen Kuss.

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tbc.


u may ♡ Masterpiece
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