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Fortune Of Life

von Rayden
GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P16 / MaleSlash
Brad Delson Chester Bennington Mike Shinoda
10.05.2014
03.08.2020
33
153.414
6
Alle Kapitel
125 Reviews
Dieses Kapitel
6 Reviews
 
10.05.2014 4.805
 
♡ für eure Reviews! Wahnsinn, lov‘ ya so much!
Sorry, dass ich erst heute weiter poste, war nur gestern von Rock im Park noch recht fertig. Linkin Park kicked asses! ;)

Viel Spaß euch Lieben!



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4. Kapitel


Sie hatten den kompletten Nachmittag in ihrem Zimmer verbracht. Olivia hatte ihre Lieblingsmusik leise im Hintergrund laufen lassen, während er ihr berichtete was in Agoura Hills los war und sie ihm alles von Santa Cruz erzählte. Lachend zog sie ihn etwas mit den Surfern auf, die sie am Strand mit zwei ihrer Freundinnen von dort beobachtet hatte. Ihre Großmutter bestand darauf, dass sie Bradford bei ihrem nächsten Besuch wieder einmal mit sich nahm. Viele Fotos hatte sich gemacht, die sie bereits dort entwickeln ließ und jene ihm zeigte.

Brad hatte ihr interessiert zugehört und eifersüchtiger getan, als er tatsächlich war, als sie vom Strand erzählt hatte. Er seufzte und trauerte etwas darüber, dass er diesen Sommer nicht mit ihr gehen hatte können. In den letzten Ferien hatte er die Möglichkeit dazu gehabt und hatte Santa Cruz selbst sehen können. Er hatte diesen Ort sehr gemocht und Livs Großmutter war liebenswert gewesen. Jedes einzelne Foto, das sie gemacht hatte, sah er sich an und überlegte, wo dieser Ort war. Schöne Erinnerungen kamen dabei wieder in ihm auf und er vermisste die Zeit, die er dort mit ihr erleben hatte dürfen.

Er hatte sie schwärmend angelächelt und ein beinahe herzzerreißendes ‚Ich habe dich unheimlich vermisst.‘ verlauten lassen. Sie hatte verliebt geseufzt und sich zu ihm gebeugt, um ihn zärtlich zu küssen. Durch die lange Trennung baute sich schnell prickelnde Spannung zwischen ihnen auf und sie hatten miteinander geschlafen.

„Komm Liv, ich führe dich noch aus.“, säuselte Brad nun leise an ihr Ohr. Eine Haarsträhne kitzelte an seiner Wange und genießend schloss er die Augen, als er sein Gesicht in ihre Halsbeuge drückte. Er küsste dort ihre zarte Haut und seine Hand streichelte ihr an der Seite hinauf.

„Lass uns noch einen schönen Abend machen. Morgen bist du schon wieder weg.“, seufzte er und blickte nun zu ihr auf. Er sah ihr in ihre wunderschönen, grünen Augen, die nun dunkler schimmerten, als normal. Er suchte nach den goldenen Tupfern und grinste als er sie fand. Zärtlich küsste er ihre Wange und streichelte mit seinen Fingerspitzen anschließend darüber. „Ich lade dich ein zu Szechuan und danach ins Kino, huh?“

Sie lächelte überlegend und nickte nach ein paar Sekunden. Sie beugte sich zu ihm und küsste ihn. „Klingt wirklich toll… aber Grissini würde ich heute eigentlich bevorzugen.“

„Dann ist es italienisch.“, nickte Brad und grinste breit. Er ließ schließlich von Olivia ab, damit sie beide sich wieder zurecht machen und ihrer Abendplanung nachgehen konnten.

Brad und Olivia gingen fein Essen. Während er sich eine original dünn belegte Pizza bestellte, wurde für Liv Pasta zubereitet. Die Atmosphäre war ruhig und warm. Leise klimperte Musik und die Flamme der roten Kerze inmitten des Tisches flackerte, es verleite dem Restaurant ein romantisches Flair.

Brad hielt die Hand seiner Freundin, streichelte diese, spielte mit ihren Fingern oder verwob diese einfach nur mit seinen. Er atmete tief durch und wollte keine Gedanken an den kommenden Tag und ihre erneute Abreise aufkommen lassen, dennoch zwangen sich diese immer häufiger auf, je näher der Abend ein Ende fand.

Olivia bemerkte sein Unwohlsein und drückte liebevoll seine Hand. „Die nächste Zeit geht auch vorbei, Braddy.“, hauchte sie leise und wollte aufmunternd klingen, dennoch war es ihr nicht so überzeugend gelungen, wie sie es vorgehabt hatte. Auch für sie war die Gewissheit nicht mehr lange mit ihm zu haben betrübend.

„Es sind 8 Wochen.“, seufzte er tief und sah sie wehleidig und traurig an.

„Ich weiß, Brad. Es geht vorbei. Ich werde dich vermissen und wir werden telefonieren - jeden Tag.“, nickte sie und lächelte gezwungen. Seufzend fuhr sie sich durch ihre langen, glatten Haare. „Lass uns nicht darüber nachdenken. Es-… der Abend soll schön werden. Wir blasen kein Trübsal jetzt.“, bestimmt sie.

Brad lächelte gezwungen, doch stimmte ihr zu. Er hob ihre Hand und hauchte einen federleichten Kuss auf deren Rücken. Sie lächelte entzückt und sah ihn schwärmend an. Ihr Moment wurde jedoch von der Bedienung des Restaurants gestört, als diese an ihren Tisch trat und zwei dampfende Teller servierte. Leise seufzend trennten sie sich und wünschten sich gegenseitig einen ‚Guten Appetit‘.

Wie Brad seiner Freundin versprochen hatte, führte er sie nachdem Essen ins Kino aus. Sie waren gemütlich und Händchen haltend die Canwood Street entlang gelaufen. Die Sonne ging langsam unter und färbte den Himmel romantisch orange und rot, als sie vor dem Agoura Hills Stadium 8 stehen blieben. Sie sahen sich die ausgehängten Plakate an. Sie zeigten Spielfilme, die momentan liefen und welche die in Kürze herauskamen.

Er schlang seine Arme von hinten um Olivia und legte sein Kinn auf ihre Schulter. „Welchen möchtest du sehen?“, fragte er leise.

Olivia grinste und legte ihre Hände über die ihres Freundes. „Es läuft ‚Interview mit einem Vampir‘.“, meinte sie leise. Sie atmete tief ein und musterte das Plakat. „… mit Brad Pitt… oh Braddy bitte, du weißt er ist einer meiner Lieblingsschauspieler!“, bat sie.

Brad grinste und konnte ihren grünen Augen, die umwerfend funkelten, kaum diesen Wunsch abschlagen. „Es ist dein Abend heute.“, meinte er. Er küsste sie sanft, bevor sie zum Eingang liefen. „Ich kümmere mich um die Karten… du kannst uns gerne schon das Popcorn holen.“

Sie nickte und machte sich zu der Theke für die Snacks auf. Brad wartete einen Moment und bestellte dann zwei Karten für den ausgesuchten Film. Er zahlte und nahm die Karten an sich. Er war nicht sehr erpicht auf diesen Film, doch wenn er Olivia damit glücklich machen konnte, setzte er sich gerne in diesen Streifen. Er wollte einen perfekten Abend mit ihr verbringen.

Er lief nun ebenfalls zu der Snackbar und hörte bereits ihr bezauberndes Lachen. Brad genoss diesen Klang und sah ein anderes Mädchen neben ihr stehen, als er um die Ecke lief. Er erkannte sie. Sie war eine gute Freundin von Olivia. Sie freute sich gerade sehr darüber Olivia mal wieder zu sehen. Er lächelte und war froh darüber, dass seine Freundin diesen einen Tag nur mit ihm verbringen hatte wollen.

Das Mädchen erkundigte sich über Olivias Zeit bei ihrer Großmutter und nickte begeistert zu ihren knappen Erzählungen. Sie hatte schulterlange, braune Locken und wirkte mit ihrer festen Zahnspange jünger, als sie war. Sie besaß Sommersprossen und feine Gesichtszüge und war wirklich hübsch. „Hey Melissa.“, grüßte er sie und schnappte sich bereits etwas aus der Popcorntüte. „Wie geht’s dir?“

Sie lachte. „Gut, Brad… wie läuft es mit der Band?“

Er zuckte lässig mit den Schultern, als er sich an sein Versprechen erinnerte. „Komm doch zur nächsten Probe vorbei, dann kannst du dir selbst ein Bild machen.“

Sie spitzte ihre Lippen etwas und sah ihn nachdenklich an. „Das schlage ich nicht aus.“, kicherte sie nickend. Sie blickte auf die Uhr. Sie schreckte etwas zusammen und deutete hinter sich zu einem der Kinosäle. „Der Film beginnt gleich. Viel Spaß euch beiden!“

Olivia umarmte Melissa noch schnell und sah dann Brad an. „Ich hoffe es ist kein Date.“, meinte sie, als sie sich bei ihm einhakte und sie sich selbst zu ihrem Saal aufmachten.

„Eigentlich ist es eines.“, gab er zu und lachte, als sie verwirrt nach Luft schnappte. „Hey, für Rob… du weißt, er steht doch auf sie.“

„Hm.“, machte sie, als sie nach ihren Plätzen Ausschau hielten. „Sie würden wirklich ein schönes Paar abgeben.“

„Ich wünsche es ihm.“, murmelte Brad. „Man merkt es ihm nicht an, aber es geht ihm gegen den Strich, der einzige Single zu sein… gut, jetzt haben wir ja noch Chester.“

-

„Kommen deine Eltern nicht bald nach Hause?“, fragte Chester etwas nervös und biss sich auf die Unterlippe. Er saß auf der Küchentheke und ließ seine Beine baumeln. Immer wieder klopften seine Versen gegen die Schubladen. Er zupfte an einem Etikett einer Rotweinflasche und nippte an dieser schließlich.

Mike grinste sanft. Er schielte über seine Schulter zu seiner neuen Bekanntschaft und fand dessen Nervosität amüsant. Sie waren nur noch zu zweit. Joe und Mark hatten sich für ein kleines Grillfest bei Joes Eltern verabschiedet, nachdem sie wieder etwas zurechnungsfähiger und ihre Augen nicht mehr ganz so rot waren. Sie hingegen hatten einen lustigen Nachmittag im Pool verbringen dürfen. Mike verlor immer mehr Sympathien an den Älteren und kümmerte sich nun um ihr Abendessen.

Er schob eine Tiefkühlpizza in den vorgeheizten Ofen und blickte dabei gleich auf dessen Uhr. Er zuckte unbekümmert mit den Schultern. „Halb sieben.“, murmelte er. „Kann gut sein, dass sie noch bis neun im Büro sind.“, erklärte er und kam nun zu ihm. Er hob sich neben ihn auf die Küchentheke und nahm ihm die Flasche ab. Er trank aus dieser einen langen Schluck.

„Fällt das nicht auf, wenn die fehlt?“, fragte Chester leise und deutete auf den Wein.

Mike zog demonstrativ noch einmal an, ehe er absetzte und zu ihm sah. Er musterte den anderen Jungen und fühlte bereits seine sich vom Alkohol erwärmenden Wangen. Ein sanfter Schleier legte sich um seinen Verstand. Bier war okay, doch Wein stieg ihm schneller zu Kopf. Chesters Lippen waren errötet und Mike fragte sich kurz, ob daran der Wein Schuld trug oder doch weil er sie mit seinen Zähnen immer wieder malträtierte. Sein Blick fiel tiefer über den noch nackten, schmächtigen Oberkörper. Sie hatten sich noch nicht umgezogen. Sanft hob und senkte sich sein Brustkorb. Seine Haut war bleich und dennoch fand Mike sie makellos. Chester hatte seine Hände in seinen Schoß gelegt. Zwischen seinen Fingern den Korken der Flasche, an dem er nun zupfte.

„Nicht wirklich, keine Angst, Mommy Bennington wird davon schon nichts erfahren.“, meinte er lange Zeit später, als ihm wieder in den Sinn kam, dass er etwas gefragt worden war. Er sah wieder auf. Chester Lippen waren einen Spalt geöffnet und er musterte ihn etwas verblüfft. Mike lächelte sanft.

Chester war nicht mehr high oder betrunken genug, sodass ihm Mikes umgarnender Blick entgangen wäre. Er wusste nicht wie er darüber denken sollte, doch scheinbar wusste er wie er fühlen sollte, obwohl ihn das nur noch mehr verwirrte. Es war schön gewesen. Zu schön. Obwohl Mike ihn nur angesehen hatte und offensichtlich selbst nicht einmal wirklich bemerkte, wie er dies tat. Nämlich intensiv. So sehr, dass Chester seinen Blick beinahe spüren konnte. Er war unruhig geworden, seine Haut kribblig und sein Puls schnellte hinauf.

Es schmiss ihn komplett aus der Bahn. Chester war innerlich bitter zusammen geschreckt, als Mike plötzlich antwortete und er musste kurz überlegen, was er denn überhaupt gefragt hatte. Er sah den Jüngeren an, spielte weiter mit dem Korken, um seine zittrigen Hände Beruhigung zu geben.

Chester schüttelte den Kopf. „Uhm, yeah ok…“, meinte er schnell und schluckte. Er schnappte nach der Flasche. Er berührte dabei ungewollt Mikes Finger und ein leises, erschrockenes Keuchen entfloh seinen dünnen Lippen. Beinahe überfordert trank er einen hastigen und langen Schluck Wein. „Wann kommt Brad?“

„Ich vermute gar nicht mehr.“, antwortete Mike und blickte zum Ofen. Er sah der Pizza zu, wie sie allmählich braun und knusprig wurde. „Ich bringe dich zurück… später.“, nickte er und hüpfte schließlich von der Anrichte. Mike nickte zum Wohnzimmer. „Auf welche Filme stehst du?“

„Klassiker oder Horror – am besten beides!“, kicherte Chester. Er versuchte einfach das Geschehene zu übergehen und sich darüber keine Gedanken mehr zu machen. Er rutschte ebenfalls herunter, um Mike zu folgen.  Kurz taumelte er und suchte nach seinem Gleichgewicht, als ihm der Alkohol in den Kopf schoss.
Er betrat nach ihm das große Wohnzimmer, das modern eingerichtet war. Das Haus der Shinodas war groß, doch auch an der Einrichtung sah man, dass die Familie Geld besaß.

Mike sah sich nachdem anderen um und packte ihn dann am Oberarm. Er schob ihm vor ihr großes Regal mit Videos und breitete seine Arme davor aus. „Such dir was aus.“, grinste er über seine Schulter und zwinkerte zu seinem neuen Freund. „Mein Dad ist Filmfanatiker, er braucht einfach jeden.“

„Wow. Das sind echt viele, Mike.“, keuchte Chester verblüfft, als sie vor dem Regal standen, dass eine komplette Wand einnahmen. Es war allerdings nicht nur mit Filmen bestückt, auch sehr viele Bücher standen dort.  Er ließ begeistert seinen Blick über die Rücken der Hüllen huschen und suchte nach einem, der ihm zusagte.

Er erblickte einen Film und hob schon seine Hand danach, als er einen weiteren fand. Er lachte leicht und rieb sich schließlich uneins am Nacken. „Dein Dad hat echt super Filme. Wann schaut er die, wenn er so viel arbeitet?“

„Meist an den Wochenenden.“, meinte Mike und atmete lächelnd tief ein und aus. „Er machte mit Jason, also meinem kleiner Bruder, und mir immer Videonachmittage – jetzt aber nur noch selten.“, erzählte Mike und blickte ebenfalls über die vielen Filme. Es begann die Küchenuhr zu klingeln und Mike machte sich zu ihrem Abendessen auf. „Such dir einen aus und werf ihn ein!“

„Hmm.“, brummte Chester und überlegte noch einige lange Sekunden, für welchen er sich entscheiden sollte. Er mochte sehr viele von diesen. Schließlich entdeckte er ‚Der Weiße Hai‘ und freudig griff er direkt nach diesen. Dieser Film war sein Liebster. Ungeduldig breitete er alles vor und setzte sich dann mit der Fernbedingung bereits in den Händen auf die Couch und wartete sehnsüchtig auf Mike. „Mike! Mike, Mike, Mike.“, rief er lachend nach ihm.

„Ja, schon gut. Bin schon da.“, lachte dieser und kam mit zwei Tellern zurück, auf denen jeweils eine halbe, dampfende Pizza lag. Er stellte einen der Teller vor Chester und ließ sich dann mit seinem eigenen neben diesen nieder. „Und welcher ist es geworden?“

„Der Weiße Hai – ich liebe diesen!“, verkündete er leicht hibbelig auf seinem Platz und drückte energisch Play. Mike grinste nur amüsiert und schüttelte etwas den Kopf über ihn. Er selbst kannte den Film ebenfalls und hatte ihn auch ein oder sogar zweimal gesehen, doch das letzte Mal war schon eine ganze Zeit her, weswegen er nichts einzuwenden hatte, diesen zu schauen.

Sie sahen gemeinsam den Film an und Mike lachte oft laut auf, als Chester immer wieder erzählte was in der nächsten Szene passieren würde. Es stellte sich heraus, dass er den Film, eine ganze Zeit lang, in jeder freien Minuten angesehen hatte und er demnach sogar die Dialoge weitgehend fehlerfrei auswendig konnte.

Mike lachte, als der Abspann des Films über den Bildschirm rollte. „Du bist großartig.“, amüsierte er sich und schüttelte den Kopf. Chester grinste breit und Mike stand langsam auf. Er nahm das Video aus dem Rekorder und stellte es säuberlich an dessen Platz zurück. Durchatmend drehte er sich wieder zu seinem neuen Freund. „Okay. Uhm, ich werde dich jetzt wohl zu den Delsons bringen.“

Chester verzog den Mund zögerlich. Es hätte ein Lächeln werden sollen, doch es war ihm ziemlich misslungen. Er rieb seine Hände an seiner schwarzen Jeans und atmete durch. „Ich denke… ich komme schon allein zurück.“, meinte er kleinlaut. Er wusste es nicht genau, ob er es wirklich zurückschaffen würde, ohne sich zu verlaufen. Eigentlich wollte er auch Mike gerne dabei haben, einfach weil ihr gemeinsamer Tag sehr schön gewesen war. Er mochte Mike unheimlich, konnte mit ihm lachen und locker sein. Dennoch würde es so unheimlich unmännlich wirken, als wäre er ein Mädchen das Begleitung benötigte.

Ein wenig erleichtert sah er nun Mike den Kopf schütteln. Chester würde nichts daran ändern können, wenn dieser darauf bestand. Das brachte den Vorteil mit, dass er sich nicht ganz so dämlich oder eben schwach fühlen musste. „Nein wirklich, ich bring dich zurück.“

„Nun ja, ok.“, murmelte Chester und zuckte scheinbar unbekümmert mit den Schultern, selbst wenn er sich innerlich darüber freute, ein paar Minuten mehr mit dem Jüngeren verbringen zu dürfen. Sie machten sich fertig und liefen schließlich in der Dämmerung Mikes Straße hinab.

Sie liefen eine Weile schweigend nebeneinander. Chester bedrückte die Stille zwischen ihnen. Sie hatten sich den ganzen Tag gut unterhalten können, es gab keine peinlichen Schweigeminuten zwischen ihnen. Doch nun schien es so, als wäre ihnen der Gesprächsstoff ausgegangen. Der Ältere atmete tief durch. Die Luft frischte langsam ab. Es roch nach gemähtem Gras und Regen. Chester sah in den dämmernden Himmel und konnte jedoch keine Wolken entdecken, erst als sie ein Stück weitergelaufen waren, sah er einen Rasensprenger. „Wie ist es denn so hier zu leben?“, fragte er schließlich, glücklich ein interessantes Thema gefunden zu haben.

Mike sah etwas überrumpelt zu ihm. Chester schien ihn aus seinen Gedanken gerissen zu haben. Er zuckte kurz mit den Schultern und zog dann eine Hand aus seiner Hosentasche. Er rieb sich überlegend am Nacken und blickte gen Himmel. „Ganz okay, denke ich. Ich weiß nicht, ich habe keinen Vergleich. Hab schon immer hier gewohnt.“

Chester lächelte verstehend. „Es ist spießig – du bist spießig.“, lachte er leise.

„Hey – Chester!“, japste Mike und schüttelte unverständlich den Kopf. Er schubste ihn spielerisch und sah zu wie Chester laut auflachte, während er etwas zur Seite taumelte.

„Sorry. Aber das hier… alles so gepflegt und ruhig. Hier leben Familien mit Geld und geregelten Leben.“, meinte er erklärend und breite seine Arme aus, zeigte sie auf die Umgebung.

Mike musterte Chester. Der andere sah sich um, man sah ihm an, dass er noch nicht gänzlich begriff, dass dies nun sein neues Viertel war. Das spießige Leben nun auch seinem entsprach. „Wie war es in … uhm…“

„Phoenix?“, half Chester aus und sah grinsend zu seinem neuen Freund. Er atmete tief durch und spürte ein leichtes Stechen in seiner Brustgegend. Er ließ seinen Blick zu Boden fallen, als er sich an seine alte Heimat erinnerte. Plötzlich ergriff ihn starkes Heimweh, nicht um seines Vaters Willen, doch er dachte an seine Freunde und die Band. Im verschlug es die Sprache und er schluckte schwer.

Mike verzog seine Augenbrauen verwirrt und wartete auf Chesters Antwort. Er sah zu ihm und merkte, dass etwas nicht stimmte. Er biss sich auf die Lippe und hob seine Hand. Zögerlich legte er sie langsam auf Chesters Rücken. „Hey, a-alles okay?“

„Es war so schön, wie es auch schrecklich war.“, hauchte er schließlich leise und mit einem unechten Lächeln, entzog er sich Mikes Berührung. Er zwang sich dazu, wieder alles zu überspielen. Er atmete noch einmal durch und nickte einmal für sich. „Es war einfach mein zu Hause, Mike. Mein Dad ist ein Arsch, deswegen vermisse ich dennoch meine Freunde… ich konnte mich nicht einmal verabschieden.“

Mike musterte den Älteren und fühlte sich nun zum ersten Mal unwohl, da er absolut nicht wusste, was er darauf antworten sollte. Er zuckte unbeholfen mit den Schultern. „Okay. Ich… hör zu, ich weiß ehrlich nicht, was ich dazu sagen soll – es ist scheiße, ja und es tut mir leid für dich. Aber du bist nun hier und du bist ein toller Typ. Ich mag dich, du bist nicht allein… Brad hast du auch an deiner Seite. Du wirst dich schnell eingewöhnen.“

Chester sah etwas überrascht auf. Er begann zu lächeln. „Danke. Ich möchte nur nicht, dass sie enttäuscht sind… von mir.“

„Ich glaube daran, dass du sie wiedersehen wirst und dann kannst du es erklären.“, meinte Mike nickend. Er biss sich kurz auf die Lippe und wog seine nächsten Worte ab. „Ich weiß nicht was vorgefallen ist, aber offensichtlich hattest du es nicht gut bei deinem Dad… wenn es wahre Freunde sind, dann werden sie es bestimmt verstehen.“, ergänzte er und hoffte ihn wieder aufmuntern zu können. Er wollte Chester nur lächeln sehen und Hoffnung geben. Sie kamen zu dem Haus der Delsons und er deute zur Haustür.

Chester folgte dem kleinen Weg durch den Vorgarten und zur Tür. Davor stehen bleibend drehte er sich zu Mike, der ihm noch nachgegangen war. Er lächelte sanft. „Ich bin mir nicht sicher, ob ich sie wiedersehe.“, meinte er und seufzte leise. „Es war schön heute.“

Mike nickte und etwas unruhig trat er von einem Fuß auf den anderen. Er sah nicht auf, da er sich einfach nicht traute. Irgendetwas war komisch. Es war wie eine Spannung zwischen ihnen. Zumindest bildetet sich Mike diese ein. Er atmete tief durch und lächelte schief. „Yeah… uh okay, wir sehen uns, Chester.“, murmelte er mit dünner Stimme und hob seine Hand. Er zögerte, als er merkte, dass er, aus einem Reflex heraus, vorhatte den Älteren zu umarmen. Er räusperte sich und konnte sich noch rechtzeitig aufhalten, schlussendlich klopfte er ihm nur zweimal auf die Schultern. Etwas zu hastig drehte er sich ab und lief zurück nach Hause.

Etwas überrumpelt sah ihm Chester nach. Er ging sogar nochmals ein paar Schritte von der Haustür weg, nur um den Jüngeren noch ein bisschen sehen zu können. Mike stolperte und Chester lachte leicht auf. Amüsiert über seine neue Bekanntschaft schüttelte er den Kopf. Aus der Macht der Gewohnheit, langte in seine Hosentasche. Er fand dort nur seine Zigarettenschachtel vor und seufzend fiel ihm wieder auf, dass er keinen Hausschlüssel besaß. Es war nicht sein zuhause, sondern nur ihre Unterkunft. Gezwungen drückte er die Klingel und wartete.

Rebecca Delson öffnete ihm mit einem großen Lächeln. „Ah, Chester. Schönen Tag gehabt? Wo ist denn Brad?“, fragte sie ihn und etwas ungläubig sah er zu ihr. Konnte sie denn nichts anderes als Fragen stellen? Merkte sie nicht, dass sie ihn damit nervte?

Chester knurrte etwas und drückte sich an ihr vorbei. Sie machte ihn krank. Rebecca konnte noch so nett sein, doch er fühlte sich in diesem Moment so, als würde sie ihn mit ihrer etwas überschwänglichen Art ersticken. Er wollte einfach für sich sein, keinen einzigen sehen und schon gar nicht erst reden. Er flüchtete in Brads Zimmer hinauf und setzte sich auf das Schlafsofa.

Nur kurz fühlte er sich hier besser. Nun war er zwar alleine, doch er glaubte eingesperrt zu sein. All das war nicht seins, er traute sich nicht irgendetwas anzusehen, geschweige denn zu berühren. Einfach weil er hier alleine war. Brad war nicht hier und es war seine Privatsphäre. Chester glaubte ein Störenfried zu sein.

Er seufzte tief. Sie hatten hier nichts.

Ein sanftes Klopfen war zu vernehmen und Chester schloss die Augen. Es war vorauszusehen gewesen, dass er durch seine Art nur noch mehr Aufmerksamkeit erlangte. Er schwieg und schielte zur Tür, die sich einen Spalt öffnete. Seine Mutter stand nun im Türrahmen und lächelte liebevoll zu ihm. „Mom.“, brummte er etwas erleichtert, dass sie es wenigstens war. Er nickte und Charlene betrat das Zimmer.

„Alles okay, Baby? Becca meinte-“, begann sie augenblicklich und legte nun mit einem besorgten Blick ihren Kopf schief.

Chester zuckte mit den Schultern und unterbrach sie. „Heimweh, denke ich.“

„Oh Baby.“, meinte sie langezogen und kam auf ihn zu. Sie ließ sich neben ihn nieder und zog ihn an sich. Sanft streichelte sie mit ihrer Hand über Chesters Rücken. „Wir werden es hier besser haben, Chaz.“

Er schüttelte den Kopf und lehnte sich gegen sie. „Nicht wegen Dad… er ist mir egal.“

Sie nickte und war auch erleichtert dies zu hören, dennoch war ihr daraufhin gleich bewusst, um was es wirklich ging. „Deine Freunde, hm?“

Chester nickte. „Ich habe mich nicht mal verabschiedet, Mom… w-was werden sie bloß denken?“

„Shh, hey Chester, Baby… wir mussten schnell weg und es musste spontan geschehen. Es tut mir sehr leid, Chester.“, erklärte sie, doch ihr Sohn drückte sich verärgert weg und funkelte sie wütend an.

„Du hättest dich scheiden lassen können, Mom! Oder ihn verdammt nochmal anzeigen!“, entrüstete er sich knurrend. Sofort tat es ihm leid und er räusperte sich. Chester schloss die Augen. Er atmete tief durch, rieb sich leicht überfordert über die Stirn. „… sorry.“

„Ich weiß.“, nickte sie verständlich. Sie wusste, dass es Chester eigentlich bewusst war, dass diese Art seinen Vater zu verlassen, die Effektivste war. Schließlich hatte auch sie sich schon dutzende Male über ihre Möglichkeiten Gedanken gemacht, doch dabei traten ein paar Probleme auf.

Sie konnte ihren Mann schlecht anzeigen, da sie befürchtete Chester würde ihr vom Jugendamt weggenommen werden. Schließlich war auch sie ihrer Pflicht nicht sorglich nachgekommen, wenn er die Hand gegen ihren Jungen erhoben hatte. Selbst wenn dieser es bei ihr auch hin und wieder tat, sie konnte es doch nicht besser wissen. Zudem wer hätte ihr schon geglaubt, wenn ihr Mann selbst ehemaliger Polizist gewesen war.

Auch die Scheidung hatte sie in Betracht gezogen gehabt. Doch Chesters Vater hätte nie im Leben die Papiere dafür unterschrieben und auch sie selbst hätte Schwierigkeiten damit gehabt. Es standen die schönen Erinnerungen an ihre perfekte Ehe im Weg. Sie erinnerte sich gerne, als er noch normal war. Ein fürsorglicher, liebevoller Ehemann und Vater. Der Mensch in den sie sich so unsagbar verliebt hatte.

Die stille Hoffnung war noch immer nicht begraben. Sie wollte seine Frau bleiben, nur nicht mehr ihr Leben mit ihm teilen. Für den Moment jedenfalls. Tief in ihr wünschte sie sich, irgendwann einmal zu ihrem Mann zurückkehren zu können. Wenn Chester nicht mehr bei ihr lebte und ihr Mann sich möglicherweise geändert haben wird. Sie würde gerne wieder eine intakte Ehe mit ihm führen können.

Charlene atmete durch und streckte sich nach ihrem Sohn. „Rufen wir sie an, hm? Du darfst ihnen aber nicht sagen wo wir sind. Wir fahren auch nicht zurück, also keine Treffen ausmachen. Du rufst sie an und sagst einfach nur ‚Tschüss‘.“, schlug sie vor und lächelte. „Komm.“, forderte sie ihn auf und zog ihn sanft an seinem Arm auf. Sie drückte ihm einen Kuss gegen die Stirn und beorderte ihn nach unten in das Wohnzimmer, wo das Haustelefon der Delsons stand.

Chester musterte das Telefon und überlegte nervös, als ihn seine Mutter alleine ließ. Langsam setzte er sich auf die Couch und blickte auf den kleinen Tisch. Er bräuchte nur abzuheben und zu wählen und dennoch zögerte er. Er schielte zu einer Uhr, die an der Wand hing. Es war gerade Neun. Sicherlich warteten sie schon seit einer guten Stunde auf ihn. Vor vierundzwanzig Stunden hatte er noch mit ihnen gelacht und sich für den heutigen Tag verabredet.

Sie hatten sich beinahe täglich getroffen. Meist bei Sean. Er hatte seine eigene kleine Bude. Etwas heruntergekommen, doch dies störte niemanden. Sie hatten dort auch ihr gesamtes Equipment für ihre Band stehen und wenn ihnen danach war probten sie. Er seufzte und rang sich schließlich dazu auf, anzurufen.

‚Dowdell?‘, meldete er sich mit seiner üblichen leicht abwehrenden Stimme, wenn er an das Telefon gehen musste. Chester schenkte es ein zierliches Lächeln. Er zog seine Beine mit zu sich auf die Couch und begann mit der Telefonschnur zu spielen.

„Hey Waterface.“, grinste er und zog ihn mit seinem Nicknamen auf, den er vor einigen Jahren aufgrund eines Streiches erlangt hatte.

Es brummte einerseits genervt, aber auch erfreut durch die Leitung. ‚Fuck you, Chaz! Fuck, wo bleibst du? Schieb deinen verdammten Arsch her.‘

Chester biss sich auf die Lippe und blickte sich nach seiner Mutter um. Doch Charlene war weit und breit nicht zu sehen. Er räusperte sich. „Nicht auf die Vorwahl geachtet?“

‚Was? Warum sollte ich?‘, schnaubte er und Chester schloss die Augen.

„Sean ich… fuck, Sean, meine Mom hat mich heute Nacht geweckt. Wir sind weg. Abgehauen von meinem Dad. Mitten in der Nacht.“, erklärte er und rieb sich mit seiner freien Hand über das Gesicht. Chester fühlte sich verzweifelt. Er wollte seine Freunde nicht enttäuschen und im Stich lassen. Er wollte sie nicht verlieren. „Es tut mir leid. I-Ich bin … i-ich bin nicht mehr da, verdammt… ich wusste nichts davon.“

Für Chesters Geschmack blieb es viel zu lange leise am anderen Ende. Er hatte beinahe befürchtet Sean würde auflegen, doch dann hörte er ihn tief durchatmend. ‚Woah ja ok, cool… fuck, wo bist du denn jetzt?‘, murmelte er und Chester hörte, dass sein bester Freund aus Phoenix daran zu schlucken hatte.

„Darf ich nicht verraten.“, hauchte er leise. „Ich… sollte nur… mich verabschieden. Sorry, man… ehrlich. Ich vermisse euch…“

‚Ja, gut… werd mir nicht zu sentimental, Chaz. Wir werden uns schon wiedersehen, versprochen, Dude.‘, meinte Sean mit leicht wackeliger Stimme. Chester grinste leicht. Sein Freund erfasste die kompletten Auswirkungen noch nicht gänzlich und versuchte daher zuversichtlich zu sein. ‚Alles cool da, wohin es dich und deine Mom verschlagen hat?‘

Chester knabberte etwas an seinem Daumen und nickte. „Hmm.“, brummte er. Wieder sah er sich um und lachte dann hämisch auf. „Fuck, Sean. Du müsstest die Gegend sehen… weißt schon, das scheiß perfekte Vorstadtleben. Aber Mike ist verdammt cool drauf!“

‚Mike?‘, hinterfragte Sean grinsend. ‚Ersetzt du uns schon?‘

„Fuck you.“, brummte er. „Natürlich nicht, man. Aber er und sein Kumpel, Brad… also, sie sind wirklich okay.“, erklärte er und atmete dann tief durch, als er bemerkte, dass seine Mutter zurückkam. „Ich muss auflegen, Sean. Sorry, ok? Wir… ich hoffe, dass ich… das wir uns wiedersehen – irgendwann.“

Sean lachte sanft. Es schmerzte Chester. ‚Sei darauf gefasst, Chaz. Bis dahin, ruf mal wieder durch.‘

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tbc.
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