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Fortune Of Life

von Rayden
GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P16 Slash
Brad Delson Chester Bennington Mike Shinoda
10.05.2014
03.08.2020
33
153.414
6
Alle Kapitel
125 Reviews
Dieses Kapitel
2 Reviews
 
14.04.2020 4.157
 
Danke an Nicole49 und Sala! Besonders für Sala.

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32. Kapitel



Dave war ebenfalls auf dem Weihnachtsfest. Zusammen mit Freunden aus seiner neuen Band lauschte er dem Set von Xero. Mit Neid sah er auf das kleine Podest hinauf und wünschte sich dort zu stehen. Er gönnte ihnen diesen Erfolg nicht. Zumindest nicht ohne ihn dabei zu haben. Es war keine große Errungenschaft in ihrer Karriere, doch sie spielten vor Publikum und das war ein großer Schritt in die richtige Richtung. Mit Tasty Snax war er weit von solchen kleinen Auftritten entfernt. Dave war sich nicht einmal sicher, ob er mit ihnen überhaupt soweit kam.

Der Bassist gab es ungern zu, doch Chesters Gesang klang hervorragend. Er spürte, wie ihn die Stimme mitriss und er seinen Kopf im Takt bewegte. Daves alte Band war in Topform. Ihr Auftritt gut einstudiert, dafür hatten sie mit Sicherheit viel geübt, da Chester und Kyle neu dabei waren. Xero definierte sich neu in den letzten Monaten, doch es schadete ihnen nicht. Sie spielten ihre Songs fehlerfrei.

Dave entließ ein langgezogenes Seufzen. Er gab seine Gedanken vor niemanden zu, es war schon schwer genug sie sich einzugestehen. Er fand keine Sympathie für den neuen Sänger aus Arizona. Der Bassist folgte dessen Bewegungen auf der kleinen Bühne mit Adleraugen. Dave kniff sie leicht zusammen, je länger er dem Sänger zusah, desto auffälliger wirkte Chesters Art. Der Junge schien wie in Trance zu sein, stolperte immer mehr herum.

Mit einem gehässigen Grinsen stellte Dave nach einer Weile fest, dass Chester versagte. Er traf keine Töne, die Stimme brach ihm weg und versang sich. Die Songs waren nicht neu. Dave kannte sie in- und auswendig und erkannte jeden noch so kleinen Fehler.

Er stieß Mark mit einem Schnauben in die Seite. Seinem Freund schien es ebenfalls aufzufallen, dass die Show schieflief. Die beiden tauschten einen Blick und lachten auf. Dave schüttelte den Kopf, nickte dann zur Bühne. „Was sagst du?“

„Das ist der neue Sänger? Was für ein Trottel, man“, prustete Mark außer sich vor Belustigung.

Dave stimmt in das Gelächter mit ein und tippte sich gegen die Schläfe. Langsam wandte er sich wieder zu dem Schauspiel, das ihnen geboten wurde. Ein lautes Kratzen und Poltern ließ ein erschrockenes Raunen und Zucken durch das Publikum ziehen. Jeder hätte es kommen sehen können, doch plötzlich lag Chester bewusstlos vor ihnen und der Schock nahm Einhalt.

Panik machte sich in Dave breit. Er schnappte nach Luft und sah sich hektisch um. Er fühlte sich dazu gedrängt etwas tun zu müssen, doch wusste nicht was. Erstarrt sah er dabei zu, wie Mike über die Kabel stolperte. Er kniete sich neben Chester auf den Boden. Getuschel und Rufe breiteten sich im Publikum aus. Eine allgemeine Unruhe herrschte. Dave kratzte dies noch mehr auf.

Zwei Sanitäter mit einem dicken Rucksack drängten sich durch die Leute, um sich um den Jungen kümmern zu können. Dave kam langsam zurück zur Besinnung. Er abfällig schnaubte. „Scheiß Junkie, er hat sich bestimmt irgendeine Scheiße eingeforen“, knurrte er. Dave verdrehte die Augen. Der Schock verklang und wurde von Abscheu abgelöst. Er klopfte Mark Foire auf die Schulter. Gemeinsam wandten sie sich ab und verließen das Trauerspiel.

„Das hast du ja schon immer gesagt“, meinte Foire. Er schüttelte den Kopf. Enttäuscht, dass er mit eigenen Augen sehen musste, dass es stimmte.

-

Mark sprang zu ihnen. Die Jungs schienen verloren. Aufgekratzt sahen sie sich um, keiner wusste was zu tun war. „Schatz?“ Er packte Joe an den Schultern. „Alles wird gut“, versprach er ihm. Dann sah er zu Kyle. Der Bassist war noch am meisten gefasst. „Hol die Instrumente von der Bühne. Brad? Seh nach Mike.“

Der Gitarrist sah langsam zu ihrem Ex-Sänger. Schwerfällig kapierte er die Aufforderung von ihm, doch nickte dann einverstanden. Er stolperte von dem Potest hinab und ließ seinen Blick herumschweifen. Brad begann herumzuirren, um seinen Freund zu finden. Plötzlich wurde er auf die Seite gezogen. Er sah in Donnas Augen. Mikes Großmutter stand neben ihr. Sie zitterte aufgewühlt. „Wir Mike finden“, wiederholte die alte Dame.

Brad schnappte nach Luft. Sein Gehirn schien nicht arbeiten zu können. Alles war in Watte gepackt. „Ich bin auf der Suche nach ihm“, nickte er und sah sich wieder um.

Er sah, wie Elisa sich zu ihm hindurch kämpfte. Eskil bellte neben ihr. Sein Herz stolperte erleichtert. Brad warf sich ihr um den Hals. Donna und Ayumu vergessen. Er murmelte etwas, darüber Mike finden zu müssen. Elisa deutete an den Rand, wo ein Krankenwagen bereitgestanden war. „Er steht dort noch“, meinte sie. „Jemand muss ihn fahren.“

Brad nickte. Er wandte sich zu Donna um. Die Frau wirkte gefasst, beinahe kühl. Enttäuscht sah er dabei zu, wie sie den Kopf zu schütteln begann. „Ich denke, Mike braucht eine Person, auf die er nicht sauer ist. Ich würde dich jedoch bitten, meinen Sohn zu fragen, ob wir... nachkommen können, Bradford.“

Brad bebte innerlich vor purer Fassungslosigkeit. Elisa streichelte ihm beruhigend über den Rücken. „Schon gut, komme mit. Ich fahre euch“, schlug sie vor. Sie nickte zu Mikes Mutter. „Wir geben Ihnen Bescheid.“
Elisa schnappte nach Brads Hand. Sie verwob ihre Finger miteinander. Sie riss ihn mit sich. Eskil war ständig an ihrer Seite. Der Hund bellte auf und lief schnurstracks voraus als würde er wissen wohin sie wollten. Er sprang ungeduldig auf und sah zurück zu Elisa und Brad, die hinter ihm hereilten und sie fanden Mike am Seitenrand.

Der Emcee stand versteinert da, starrte ins Leere und bemerkte nicht einmal, dass seine Freunde bei ihm waren. Elisa streichelte ihm über den Oberarm. Sie versuchte sanft zu ihm durchzudringen. „Mikey, hey?“, hauchte sie. Brad zupfte an ihm. „Komm wir fahren dich dem Krankenwagen nach.“

Mikes Gedanken schwirrten. Sein Körper fühlte sich ausgekühlt an und er begann zu zittern. Er rieb sich über den Arm. Langsam legte er seinen Blick auf Brad, dann auf Elisa. „Was ist passiert?“, flüsterte er kaum hörbar.

Elisa seufzte. Sie hakte sich bei ihrem Freund unter und zog ihn mit sich. „Lass es uns herausfinden, Mike.“ Sie wechselte einen Blick mit Brad und nickte. „Kommt ich fahre euch.“

-

Mike hetzte über den Parkplatz. Seine beiden Freunde kamen ihm kaum hinterher. Vorhin wirkte er apathisch und teilnahmslos. Auf der Autofahrt sagte er kein Wort, doch nun stürzte er hektisch Richtung Haupteingang und Rezeption des Krankenhauses.

Außer Atem lehnte er sich auf den Tresen. „Bennington“, warf er der Dame entgegen, schnappte nach Luft. „Er muss vorhin eingeliefert worden sein.“

Die Rezeptionistin sah in ihrem Computer nach, als Brad und Elisa ihren Freund endlich eingeholt hatten. Sie wurden auf das Wartezimmer verwiesen. „Nein“, rief Mike aus. Er schlug auf die Theke. „Ich will zu ihm. Wo... wo ist Charlene?“

„Shh, komm schon Mike“, bat Brad seinen Freund. Vorsichtig zogen die beiden ihn von der Rezeption weg zum Wartezimmer. „Wir warten und sehen ob Charlene da ist.“

Mike setzte sich widerwillig auf einen der harten Plastikstühle. Gegenüber blubberte ein Wasserspender und Mike stand wieder auf. Elisa lief zu diesem und holte ihm ein Wasser. „Beruhige dich“, bat sie, als sie ihm den Becher hinhielt. Sie setzte sich neben ihn auf den freien Stuhl.

„Beruhigen?“, schnappte Mike wütend. Er riss ihr das Getränk aus den Händen, sodass es überschnappte. Kurz hielt er inne und schluckte. In ihm zitterte alles. „Tut mir leid, Elisa. Du kannst nichts für all das.“

Brad holte tief Luft. Er stand vor seiner Freundin und seinem Freund. Die Nerven lagen bei ihnen allen blank. „Wir sind alle aufgewühlt, Mike“, erinnerte er seinen Freund.

Der Gitarrist sah erleichtert auf, als er Charlene in den Warteraum kommen sah. Er lächelte und winkte ihr. Chesters Mutter kam sofort zu ihnen. Ihr Gesicht war bleich und geprägt von Sorgenfalten. Sie schluckte schwer und klammerte sich an einem Becher Kaffee fest. „Schön das ihr hier seid.“

„Du hast mich einfach zurückgelassen!“, knurrte Mike. Er stolperte von seinem Stuhl auf und baute sich vor Charlene auf. Sein Kopf glühte plötzlich hochrot. Sein Blick war stechend.

„Hey!“, keuchte Brad und drückte sich zwischen die beiden. „Mike, du bist durch den Wind. Beruhige dich, wir sind nun alle hier.“

„Aber sie hat mich einfach stehen gelassen!“, schnaubte er und deutete um Brads Körper herum auf Chester Mutter. In seinen Augen glitzerten nun Tränen.

„Es tut mir leid, Mike. Ich war selbst nicht ganz bei Sinne. Ich wollte nur bei ihm sein“, meinte Charlene. Sie schob Brad sanft zur Seite und zog den Freund ihres Sohnens in ihre Arme. Mike schniefte und hielt sich wie ein Ertrinkender an ihr fest. „Sie machen Tests. Wir müssen warten.“

-

„Ich hole mir neuen Kaffee“, meinte Charlene leise. Mit knacksenden Knie stand sie auf und verließ den Raum. Es war so ruhig, dass alles zu laut erschien.

Mike gab keinen Laut von sich. Er saß auf einem unbequemen Besucherstuhl, den er sich neben Chesters Krankenbett gezogen hatte. Er lehnte auf der Matratze, sein Kopf auf Chester Bauch aufgelegt. Er sah zu ihm auf und seine Hand streichelte über die des Sängers.

Brad und Elisa waren zurückgefahren, um nach den anderen zu sehen. Sie ließen Mike bei Charlene zurück und es hatte noch eine Weile gedauert, ehe Chester auf ein normales Zimmer verlegt wurde und sie zu ihm durften. Doch er schlief. Mit Geräten an seinen Körper angeschlossen und einer Kanüle in seinem Handrücken.

Mike schielte auf Chesters Finger, mit denen er spielte und seufzte. Sein Freund war blass und das gleichmäßige Piepen machte ihn verrückt. Der Geruch von Desinfektionsmittel kratzte in seinem Rachen. „Wach auf“, bat er leise.

Sie warteten auf die Ergebnisse der Tests und das Chester endlich aufwachte. Es schien unendlich lang zu dauern. „Ches“, hauchte Mike wieder bittend. „Wach auf, Baby“, flüsterte er. Mike blinzelte überfordert, seine Kehle war wie zugeschnürt.

Es tat sich nichts. Er war angespannt, lauschte auf jeden Ton, doch es schien so, als würde er vergeblich waren. Auf Charlene, die nicht mehr zurückkam, einen Arzt, der Licht ins Dunkle brachte oder seine Freunde, deren Rückhalt nun alles für ihn bedeutete. Niemand war da. Nur Chester, doch dieser schlief.

Es sah aussichtslos aus. Die Zeit schien stehen geblieben zu sein. Mike nahm Chesters Hand und drückte sie sanft. Er suchte irgendetwas, woran er sich klammern konnte. Mike blinzelte stark, da Tränen aufkamen, die zugeschnürte Kehle schmerzte und machte ihm Probleme beim Schlucken, während sein Magen vor Sorgen rumorte und sein Herz unbarmherzig gegen seine Rippen schlug. Sein Nervenkostüm war dünn und Mike befürchtete jede Sekunde zusammenzubrechen. Seine Hand krampfte sich mehr um Chesters. Ein Schluchzen erstickte in seinem Hals, als er sein Gesicht in die dünne, weiße Bettdecke drückte.


Mike wollte zu ihm ins Bett krabbeln und seinen Freund in die Arme nehmen. Er war sich sicher, dass Chester die Nähe zu ihm helfen würde. Die Angst davor ihm unwissentlich Schmerzen zu bereiten, hielt ihn von seinem Vorhaben ab. Mike wusste auch, dass es nicht erlaubt war und befürchtete daher, die Ärzte könnten ihn aus dem Zimmer verbannen. Stattdessen drückte er Chester Hand fester und streichelte ihm über seine Haut.

Wieder ertönte ein unterdrücktes Schniefen von Mike. Der Anblick schmerzte tief in seinem Herz. Für einen Moment wurde es dem Jüngeren zu viel. Er wandte den Blick ab. Er konnte nicht mehr ertragen, dass Chesters Augen geschlossen blieben. Er wollte das ruhende Gesicht seines Freundes nicht mehr sehen müssen. Chester wirkte friedlich, doch Mike wusste, dass nichts friedlich war.

Seine Ohren horchten auf, als er neue Geräusche vernahm. Sie kamen von außen. Keienr trat in Chesters Zimmer ein, sodass Mike schwerfällig aufstand, um nachzusehen. Er knickte weg, da seine Beine wie Watte waren und die Knie ihn nicht gleich trugen. Die Sorgen um Chester mergelten ihn aus, saugten die Kraft aus seinen Muskeln.

Mike leckte sich über die spröden Lippen, schluckte um den trockenen Rachen zu befeuchten. Die sterile Luft um ihn lag schwer in seinen Lungen. Der Emcee holte tief Luft. Es schien nicht zu reichen und fühlte sich an, als würde er von innen heraus ersticken.

Schwächlich und mit zitternden Händen drückte er die kühle Klinke hinab. Er zog die schwere, extrabreite Tür auf. Sein Blick fiel auf Charlene. Ihre Anwesenheit beruhigte ihn ein wenig. Chester Mutter sah mit einem unechten Lächeln zu ihm. Ihre Augen waren stumpf. Schmerz und Unruhe konnte man aus ihnen lesen. Sie presste die Lippen zusammen.
„Mit wem hast du geredet?“, fragte Mike mit kratziger Stimme. Leise, als hätte er tagelang nichts gesprochen.

„Irgendein Mädchen“, zuckte sie mit den Schultern. Charlene sah den Flur entlang, doch sie war schon verschwunden. „Sie war nett.“ Sie hob ihre befüllten Hände. Zwei Kaffeebecher und Gebäcktüten. Charlene versuchte sich an einem Lächeln für Mike, doch es war kalt und ernst.

Mike ließ sie eintreten und nahm ihr seinen Anteil ab. „Danke. Er ist noch nicht wach“, krächzte er hervor. Die Stimme erklang dünn und beschämt sah Mike zu Boden. Charlene holte tief Luft. „Schon gut, ich habe nichts anderes erwartet.“

Charlene trat zu ihrem Sohn an das Bett. Sie belegte ihn mit einem liebevollen Blick. Den Kaffeebecher stellte sie auf den Beistelltisch ab, ehe sie die Decke über seinen dürren Körper zurecht zu zupfte. Sie atmete tief durch, ehe sie sich wieder auf ihren Stuhl setzte. Die Mutter streichelte ihrem Sohn über die kühle Stirn. Mike kam näher und ließ sich auf den zweiten Stuhl im Zimmer nieder. Charlenes Blick brachte sein Herz zum Zerbersten.

Mike sah überrascht zu ihr auf, als sie ein Lied zu summen begann, das er nicht erkannte. Es klang schön und lockerte die Atmosphäre. Er nahm einen Schluck von seinem Kaffee. Er schmeckte ekelhaft. Zu mild und zu wässrig. Das Essen ließ er liegen. Er glaubte nicht einen Bissen runterzubekommen.

Chesters Gesicht war aschfahl, eingefallen und unter seinen Augen zeichneten sich dunkle Ränder ab. Es war unheimlich ihn so daliegen zu sehen. In Mike zog sich alles zusammen, doch er konnte nicht von ihm wegblicken.

„Nicht doch, Mike“, hauchte Charlene unerwartet. Mikes Blick sprang verwirrt zu ihr. Sie schüttelte den Kopf und blinzelte. „Sonst kann ich mich auch nicht mehr zusammenreißen“, erklärte sie und erst mit dieser Aussage bemerkte er die kleine Träne, die sich über seine Wange stahl. Hastig wischte er sie weg. Mike räusperte sich und rutschte unwohl auf dem Stuhl umher. „Sorry.“

Er biss sich auf die Unterlippe. Sein Blick wanderte zurück zu seinem Freund. „Ich fühle mich so schuldig, Charlene“, gab er leise zu. Sein Atem war flach. Er blinzelte häufiger, da die Emotionen aufquollen und er Tränen zurückhielt. Trotzdem verfing sich ein salziger Tropfen in den Wimpern und verklebte diese. Seine Hände krampften sich um den Becher vor Wut auf sich. Das Plastik knackste. Er schrak zurück, ehe er den Plastikbecher zerdrückte. Mike sah nicht zu Charlene auf. Vor Angst vor dem sanften Braun, welches Chesters Augen von ihr erbten. Und falls sie mit Vorwurf bespickt waren.

„Sag doch nicht so etwas unsinniges“, kam es leise von ihr.

Mike schüttelte vehement den Kopf. „Doch-“, nickte er. Seine Stimme krächzte. Der Junge räusperte sich, ehe ein Schluchzen aus einer Kehle entfloh. „Ihm ging es... seit Wochen nicht gut. Ich hätte ihn zu einem Arzt schicken sollen, Charlie.“

Die Mutter schüttelte den Kopf. Sie sah den Jungen mitfühlend an. Sie beugte sich vorsichtig über Chester hinweg, um ihm ihre Hand zu reichen. Mike zögerte, bevor er sie ergriff. „Du hättest nicht wissen können, was passiert. Chazy ist stur, er wäre wohlmöglich gar nicht zu einem Termin gegangen.“ Charlene lächelte ihn aufbauend an und zwinkerte. „Mach dich nicht unnötig fertig. Lass uns auf die Tests warten.“

„Oder darauf, dass er endlich aufwacht“, murmelte Mike. Sie lächelte ihn weiterhin gütig an. Er fühlte sich nicht beschwichtig und nahm seine Hand wieder zu sich zurück. Sie verfielen erneut der unangenehmen Stille voller Sorge.

-

Nach einer Weile klopfte es an der Tür. Charlene und Mike atmeten tief durch, als sie mit großen Augen aufblickten. Beide wünschten sich den Arzt herbei, der ihnen all die schwirrenden Fragen beantworten würde. Es war jedoch Brad, der die Tür einen spaltweit öffnete. Charlene winkte den Gitarristen in das Zimmer. Er war nicht alleine hergekommen und der Rest folgte ihm.

„Hey“, hauchte Mike, als er schwerfällig aufstand. Er kam auf seinen langjährigen Freund zu und fiel ihm in die Arme. Brad schluckte schwer, denn Mike sah abgeschlagen aus. Die Umarmung war intensiv. Mike suchte Halt.
Joe trat zu ihnen, streichelte ihm kurz über den Rücken, bevor er näher an das Bett trat.

„Wir haben Kyle nach Hause gebracht… und Mark kümmert sich um unser Equipment. Er kommt… später her“, informierte Brad knapp. Er hoffte, dass diese belanglose Informationen Mike für einen Moment ablenkte. „Elisa ist wegen Eskil nach Hause.“

Rob lief wie auf Eierschalen zu dem Krankenbett. Er stellte sich neben Joe und stützte sich auf das kühle Bettende, an dem Chester Daten befestigt waren. Er las flüchtig darüber hinweg.

Chester Bennington.

Rob biss sich heftig auf die Lippe. Er blickte zu seinem Freund auf. Er erkannte Chester, doch es fühlte sich surreal an. Er wollte all das nicht wahrhaben. „Ist das gut, dass er ein normales Zimmer hat?“, fragte Rob. Er hoffte daraus aus der beklemmenden Situation Hoffnung zu schöpfen.

Charlene nickte. „Fürs erste sicherlich.“ Sie lächelte Rob an. Der Drummer war noch fast ein Kind. Er sah fertig aus.

Charlene stand auf. Sie stellte sich hinter Joe und Rob, legte ihnen je eine Hand auf die Schulter und drückte sanft. „Schön, dass ihr vorbeigekommen seid“, hauchte sie und sah dann zu Mike, der sich mittlerweile wieder von Brad gelöst hatte. „Ich hole Kaffeenachschub“, murmelte sie. Charlene wollte kaum von Chesters Seite weichen, doch gab seinen Freunden ein wenig Zeit unter sich.

Mike sah ihr nach, als sie das Zimmer verließ und atmete tief durch. Knapp zuckte er mit den Schultern. „Ich hoffe, Rob“, murmelte er und nahm seinen Platz neben Chesters Bett wieder ein. „Wir wissen aber noch nichts Genaues.“

„Chester ist stark. Er ist ein Kämpfer“, nickte Joe.  Brad zog zwei weitere Stühle heran, die zu dem zweiten Bett gehörten, welches unbelegt war. Der DJ setzte sich auf den einen, während er den anderen nahm. Mike stand für Rob auf und machte seinen Platz frei.

„Oh, nicht Mike. I-Ich kann stehen“, nickte Rob wild. Er fühlte sich schlecht, wenn der Emcee für ihn stand.

„Es ist okay, ich setze mich an den Rand von Chaz Bett“, lächelte er sanft. Es fühlte sich um einiges besser an. Er war seinem Freund ein Stück näher. Er lächelte liebevoll zu ihm. „Was war denn noch so los auf dem Markt?“

Joe schnaubte und sah finster drein. „Die Leute haben sich schnell beruhigt. Gleich nachdem der Krankenwagen aus Sichtweite war. Die Stimmung ging sofort zurück, als wäre nichts passiert“, knurrte Joe. Er klang ehrlich bestürzt. Er atmete tief durch und spielte nervös mit seinen Fingern.

Mike holte tief Luft. „Aber vielleicht ist das auch besser“, meinte er diplomatisch.

Brad rieb sich unwohl über den Oberarm. Sein Magen krampfte. Er sah sich verunsichert um, ehe er bei Mikes Blick hängen blieb. „Deine Mom hielt mich auch auf“, meinte er leise. Er hatte daran bis eben gar nicht mehr gedacht.

Überrascht sah Mike zu ihm auf. Dessen dunklen Augen waren in Schock aufgerissen. Er schüttelte den Kopf. Interesse begann sich in seinem Gesichtsausdruck widerzuspiegeln.

„Deine Oma wollte zu dir. Ich soll dich daher von Donna fragen, ob es okay wäre, wenn sie kämen“, erzählte er. Brad presste die Lippen zusammen, zuckte mit den Schultern. Nervös rutschte Brad auf seinem Stuhl umher. „Deine Mom war aber sehr kühl. Ich glaube, sie hat es nur für deine Granny getan.“

Mikes Blick wurde weich. Brad erkannte ein kleines Lächeln. „Baa-san“, murmelte sein Freund. Das Herz des Emcees erwärmte sich. Seine Mutter blieb abweisend, doch zu hören, dass seine Großmutter herkommen wollte, tat ihm in der Seele gut.

„Sie mag Chester?“, fragte Brad nachdenklich.

„Ja, ich denke schon. Gran akzeptiert Ches zumindest, denke ich“, murmelte Mike. Er atmete tief durch. „Wenigsten sie steht ein wenig zu uns.“

„Das ist schön zu hören“, nickte Brad. Joe und Rob lächelte zu ihnen. Sie hatten dem Gespräch gelauscht.

Ein erneutes Klopfen unterbrach die Jungs. Sie wandten sich gleichzeitig zur Tür. Mike japste in purem Schock, als Talinda die Tür öffnete. Sofort hüpfte er von dem Bettrand. Mit zusammengekniffenen Augen, kam er einige bedrohliche Schritte auf sie zu. „Raus hier“, keifte er. „Was willst du hier?“, hakte er nach. Er baute sich vor ihr auf, als wäre er Chesters Bodyguard und versperrte ihr den Blick in das Zimmer.

„Mike...“, seufzte sich gedehnt. Sie senkte den Kopf. Ihre Hände zitterten, als sie tief nach Luft schnappte. „Ich habe gesehen was passiert ist. Ich wollte nach Chaz sehen“, meinte sie leise.

„Das geht dich überhaupt nichts an, Talinda! Geh jetzt!“, knurrte Mike mit tiefer Stimme. Er verschränkte die Arme vor der Brust und wich nicht von der Stelle ab. Er fühlte sich nicht dazu bereit mit ihr zu diskutieren und zu streiten. Mike wollte, sie nicht hier haben und Talinda sollte das akzeptieren. „Er ist mein Freund. Er liebt mich und ich möchte dich nicht in seiner Nähe haben.“

Sie nickte verstehend, doch gab noch nicht auf. „Mike, bitte, ich bin auch eine Freundin von-“

Der Emcee schnaubte wütend und stockte dann. „Hast du mit Chesters Mom gesprochen?“, fragte er.

Talinda nickte sanft. Sie blinzelte ein paarmal, da ihre Augen wässrig waren. Mike verstummte. Das Mädchen schien sehr aufgelöst. „Und warum bist du jetzt erst aufgetaucht?“, grummelte er.

„Ich war bei meinem Dad und habe mit ihm gesprochen“, erklärte sie leise. Sie zupfte an ihrem Pullover. Mike kniff die Augen zusammen. Er verstand nicht. „Er ist Arzt hier. Eigentlich ist er nun sogar Chaz Arzt.“

Mikes Haltung verlor an Kraft. Er ließ seine Schultern hängen. „Wieso? Ich verstehe das alles nicht“, klagte er leise.

„Darf ich bitte zu ihm, Michael?“, meinte sie mit Nachdruck. Sie machte einen Schritt auf Mike zu. Er schüttelte den Kopf und hob die Hand, um sie zurückzuhalten.

Sie seufzte und sah ihn genervt und flehend an. „Ich begleite ihn seit Anfang an durch diese verfluchte Krankheit, Michael. Das sollte mir genug Recht geben ihn zu sehen.“

Die Worte trafen ihn unvorbereitet. Ein kalter Schauer fiel ihm über den Rücken. „Warte was?“, meinte er. Mike blinzelte, sein Mund fiel geschockt auf. Er fühlte sich plötzlich hilflos, als er zu seinen Freunden zurückblickte. Sie alle wirkten überrascht.  „Was meinst du, Talinda?“, fragte Brad und stand von seinem Stuhl auf.

„Ich hatte nie etwas mit ihm, Mike“, seufzte sie. Talinda verdrehte die Augen. „Er sprach doch wirklich nur von dir.“ Sie grinste, dann schob sie sich ohne weiteres an Mike vorbei. Ihr Blick fiel auf Chester. Ihr blieb die Luft im Hals stecken. Sie hatte es nicht erwartet, es jemals zu sehen. Talinda kam auf Chester zu. Die Jungs sahen ihr kritisch zu, als sie ihm über die Stirn streichelte.

„Talinda bitte nicht“, murmelte Rob und nahm sie am Handgelenk. Sie seufzte und nickte. Das Mädchen verschränkt stattdessen die Arme, blieb bei Chester stehen. „Ich gab ihm auch keine Drogen oder so etwas“, murmelte sie, als sie ihren Freund beobachtete wie er schlief.

Mike kam wieder näher. „Was willst du?“, seufzte er. All das wurde ihm zu viel. Er wollte wieder alleine mit Chester sein.

Sie sah gen Boden, schloss die Augen und nahm ihren Mut zusammen. Sie war nicht überrascht, dass Chesters Freunde ahnungslos waren. Kurz war sie sich nicht mehr sicher, ob sie etwas sagen sollte. Ihr Dad würde ohnehin bald in dieses Zimmer kommen.

„Talinda…“, forderte Mike sie auf und trat wieder einen Schritt näher auf das Mädchen vom Strand zu.

„Seine Mom weiß es schon. Sie hat gemeint ich sollte es euch sagen“, plapperte sie schnell. Sie hob beschwichtigend die Arme. „Ich habe ihn vor ein paar Wochen wieder getroffen. Er war völlig fertig und ich begann ihm zu helfen... mit meinen Kontakten“, begann sie zu erklären.

„Welche Kontakte und was sollst du uns sagen?“, drängte Mike ungeduldig.

„Du weißt von mein kleinen Partys“, rollte sie mit den Augen. „Die Trips. Ich habe ihm Medikamente durch diese Beziehungen besorgt.“

„Du meinst einen Dealer, hast du ihm doch Drogen gegeben?“, knurrte Brad. Er sah zu Chester. „Hat er eine Überdosis?“

„Nein Medikamente, Bradford, wie ich sagte.“ Sie schüttelte den Kopf. „Er hat sie nicht verschrieben bekommen, weil sie eigentlich nichts mehr weiterhalfen. Ich tat ihm den Gefallen, um... keine Ahnung, Hoffnung? Er wollte mehr Zeit mit Mike.“

Mike zitterte am ganzen Körper. Sein Puls schlug ihm bis in seinen Hals. Gänsehaut ließ ihn erschaudern. Er verstand nicht was sie sagte, doch das was sie implizierte, wollte er nicht wahrhaben. Ihm kamen die Tränen vor Überforderung. „Was? Medikamente? Gegen was u-und... warum klingt es so als würde-... Talinda?“

„Mike…“

Er knurrte. „Sag schon!“

„Chester war HIV positiv… er ist an Aids erkrankt, Mike…“, hauchte sie.


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so sorry guys
tbc
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