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Fortune Of Life

von Rayden
GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P16 Slash
Brad Delson Chester Bennington Mike Shinoda
10.05.2014
03.08.2020
33
153.414
6
Alle Kapitel
125 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
01.08.2019 4.117
 
Aww neue Favs und Sternchen! Sehr lieb. Danke an meine treue Reviewerin. ♡

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30. Kapitel



Brad lief neben Elisa über den Gehweg. Seine Hände waren tief in seine Hosentaschen versteckt und sehnsüchtig sah er immer wieder auf Elisas schwingende Hand neben ihm. Gerne hätte er sie einfach in seine Hand genommen und ihre Finger miteinander verschlungen. Noch immer hatte Brad es nicht geschafft mit Olivia ein richtiges Gespräch zu führen.

Eskil lag nicht an der Leine. Er war brav und lief nur ein Stück vor dem Pärchen. Er wechselte von Asphalt auf Gras hin und her, immer mal wieder schnüffelte er an einem Strauch oder einer Hecke und hob das Bein. Eskils Zunge hing ihm aus dem Mund. Der Hund hechelte und bellte mal aus Freude, als er ihnen durch die Beine wuselte, obwohl er ziemlich groß war.

„Eskil…“, lachte Elisa, als ihr Hund sie zum Stolpern brachte und sie gegen Brad fiel. Er fing sich grinsend und ein Schauer lief ihm den Rücken hinab. Er roch ihr Shampoo und unbemerkt steckte er seine Nase etwas in ihre Lockenpracht.

„Hab dich…“, nuschelte er, als sie eine angenehme Stille über sie hinweg zog. Elisa drehte sich in seinen Armen und starrte ihm in die Augen. Tief versanken sie gegenseitig in ihren Blicken, ehe sie sich küssten.

„Ich will mit dir zusammen sein“, hauchte sie und lehnte ihre Stirn gegen die des Gitarristen. „Du machst mich glücklich.“

„Wir sind es doch bereits“, murmelte Brad und lächelte sanft. Er schloss seine Arme ein wenig mehr um sie.

„Aber Olivia ist noch immer präsent“, meinte sie trüb und löste sich dann. Eskil sah bereits nach ihnen, da Brad und Elisa ihm nicht mehr folgten. Er bellte auffordernd und beide senkten den Kopf, als wären sie beschämt darüber kurz abgelenkt gewesen zu sein. Brad schnappte ihre Hand und dachte sich dabei einfach nichts. Es sollte so sein und er musste sich nicht mehr rechtfertigen. Er war eigentlich schon lang frei von Olivia.

„Bradford!“, erklang sein Name plötzlich. Aus purem Schock ließ er wieder von Elisas Hand ab, als hätte er heiße Kohle in der Hand. Elisa keuchte und blickte ihn strafend an. Brad hatte sie mit seinem Verhalten verletzt. Leise seufzte er und hauchte ihr eine leise Entschuldigung entgegen, als ein Mann auf das junge Pärchen zu kam.

Brad erkannte seinen Nachbarn. Der ältere Mann war ein wenig außer Atem und packte ihn an der Schulter, um sich an Brad zu stützen. Er schnappte nach Luft. Dem Gitarristen war die Situation ziemlich unangenehm, leise räusperte er sich. „Hallo Mr Dunham, wie geht es Ihnen?“, fragte er freundlich als Begrüßung.

„Hervorragend, Bradford… danke“, nickte Derek Dunham. Der Ältere war viel beschäftigt und kümmerte sich neben seiner Arbeit auch viel um die Gemeinschaft in ihrem Viertel. Er war immer sehr ambitioniert die Nachbarschaft zusammenzubringen.

Brad lächelte freundlich, Elisa stand neben ihn und war sich unsicher, ob sie näher zu ihm treten durfte oder nicht. Eskil war schon wieder einige Meter weitergelaufen, er bellte nach ihnen und als sie nicht zu ihm kamen, kam er neugierig zurückgetrottet. „Oh, Mr. Dunham, das ist meine Freundin Elisa, wir gehen gerade mit ihrem Hund Gassi“, erklärte Brad. Er nahm stolz ihre Hand in seine und hoffte, diese ehrliche Geste entschuldigte sein vorheriges Verhalten. Elisa schien beruhigt und grinste breit.

Derek begrüßte schließlich auch Elisa, wandte sich danach jedoch wieder direkt an Brad. „Ich habe nur eine kurze Bitte, Bradford. Ich höre dich mit deiner Band oft proben. Meine Töchter sind auch immer ganz fasziniert von euch und bald findet unser Weihnachtsfest statt. Ich dachte mir, ob ihr vielleicht dort im Vorprogramm spielt bevor wir zu… nun ja festlicheren Klängen übergehen. Ich hoffe damit ein paar junge Leute zu locken.“

Überrascht sah Brad seinen Nachbarn an, doch als die Information durch ihn durchgesickert war, begann er begeistert zu nicken. Ein richtiger Gig. Das würde jedem seiner Jungs gefallen. Da brauchte er mit ihnen nicht einmal sprechen. „Ja klar, dass würden wir sehr gerne.“, bestätigte Brad mit einem überwältigenden Lächeln.

Derek schmunzelte breit, nickte erleichtert. „Das ist wunderbar, Bradford“, freute er sich. Seine Augen schimmerten und Brad sah seinem Nachbarn an, wie er sich alles gedanklich vorstellte und ausmalte. „… Rock X-Mas. Oder so in der Art, das wird super. Ich muss weiter, wir sehen uns, Bradford.“

Gemeinsam mit Elisa sah er seinem Nachbarn noch kurz hinterher. Er lachte leise, als Elisa begeistert den Kopf schüttelte. Sie drückte ihm einen dicken Kuss gegen die Wange. Brad genoss den Druck ihrer weichen Lippen und konnte nicht wiederstehen. Er griff sie unter dem Kinn und zog sie in einen richtigen Kuss. „Ich schäme mich nicht für dich“, hauchte er.

„Danke-“, begann sie doch just in diesem Moment war es Eskil zu viel. Es dauerte ihm zu lange und mit heraushängender Zunge sprang er die beiden an. Seine Vorderpfoten auf je einer Hüftie von dem Pärchen. Brad lachte und tätschelte seinen Kopf. Er nickte und sie machten sich endlich auf.

Es war nicht mehr weit zu ihm nach Hause. Sie hätten bald Probe und Brad war ganz euphorisch seinen Jungs von Mr. Dunhams Angebot zu erzählen. Sie liefen um den nächsten Block und waren dann schon in der richtigen Straße. Eskil lief wieder vor ihnen und hetzte dann auf Brads Zuhause zu, als er diese bereits erblicken konnte.

Chester und Mike hatten bereits die Aufgaben übernommen, alles für ihre Probe herzurichten und hatten das Garagentor aufgezogen. Elisas Hund rannte bellend auf sie zu und Chesters Augen begannen zu funkeln. Er kniete sich augenblicklich hin und wurde beinahe von Eskil umgerannt. Der Hund sprang ihm regelrecht in die Arme und lauthals lachend fiel der Sänger auf seinen Hintern, als Eskil ihn im Gesicht abzuschlecken begann. „ESKIIIl…“, kicherte er quietschend. Er drückte seine Augen zusammen und schloss eine Arme um das weiche Fell.

Mike schüttelte den Kopf und kniete sich zu dem ungleichen Pärchen. Sanft streichelte er über den Rücken des Hundes und stand dann wieder auf, um Brad und Elisa zu begrüßen. Chester kicherte noch immer begeistert. Mike verdrehte gespeilt die Augen. Brad schmunzelte. „Pass auf, dass Eskil dir nicht den Platz an seiner Seite streitig macht.“

„Oh ich glaube da habe ich auch noch ein Wörtchen mitzureden“, lachte Elisa und schenkte Mike eine kurze Umarmung zur Begrüßung. Mittlerweile war sie mit Brads Freunden bekannt. Sie hatte den zusammengewürfelten Haufen liebgewonnen und vor allem war sie von Mike und Chester hingerissen. Sie fand das Pärchen einfach bezaubernd. „Hey Chester…“, grüßte sie den Sänger, der sich mit Eskil kuschelnd auf die Couch verzogen hatte.

„Hi“, murmelte der Sänger und versteckte sein Gesicht etwas in dem warmen Fell. Chester liebte Tiere. Sie schenkten ihm innere Ruhe und Geborgenheit. Mike sah zu ihm und Chester schmunzelte, spitzte etwas mehr über das Tier. „Ich liebe dich mehr“, zwinkerte er zu dem Halbjapaner.

Mike schmunzelte nur, als der Rest der Band zu ihnen stieß. Die Garage füllte sich und der Emcee quetschte sich zu seinem Freund und Eskil. Letzterer war davon weniger begeistert und knurrte leise. Chester streichelte ihn beruhigend, doch Eskil sprang schließlich wieder von ihm herab und schnüffelte etwas herum. „Du hast ihn vertrieben.“

„Vielleicht riecht er Milkshake. Ich bin auch einfach ein großer Katze-Fan“, meinte er und zog seinen Freund einfach an sich, er drückte ihm einen Kuss gegen die Stirn. „Kuschel mit mir.“

Elisa ging ins Haus, um eine Schale Wasser für ihren Hund zu holen und Brad stellte sich vor der Band auf, um das Angebot seines Nachbarn zu verkünden. Alle waren völlig begeistert und ganz aufgeregt. Kyle und Rob wollten sofort an den Instrumenten üben, während Chester dafür war neue Songs zu schreiben. Mike schloss sich ihm an und mit Notizblöcken saßen sie nebeneinander und begann zu texten.

-

Charlene zog ihre Tasche über ihre Schulter und breitete ihre Arme aus. Frischer Dezemberwind blies ihre Haare auf und färbte ihre Wangen und ihre Nasenspitze rot. Sie drehte sich zu ihrem Sohn, der neben seinem Freund stand. „Das wird unser neues zu Hause“, verkündete sie.

Ihr Sohn atmete tief durch und nickte anerkennend. „Mom“, murmelte er. Er fühlte sich unwohl neben Mike und trat ein Stück von ihm weg. Er schluckte und sah zu dem emporragenden Haus. Chester wusste, es war deutlich zu groß. „Ein ganzes Haus?“, fragte er dann mit dünner Stimme.

„Aber natürlich, Chester“, meinte sie mit leicht überrascht. Ihr Blick wurde stechend. „Ich möchte immerhin nur das Beste für euch beide“, ergänzte sie und atmete leise schnaubend durch. „Kommt besichtigen wir es…“

Chester senkte seinen Blick. Er wusste, dass er seiner Mutter zu nahegetreten war. Aber er wusste, dass das Haus fürher oder später zu groß sein würde. Leise seufzte er. Ihre kleine Diskussion war ihm vor Mike unangenehm und er folgte Charlene. Mike sah seinem Freund hinterher. Die Stimmung war schon den ganzen Tag über sehr angespannt. Seufzend blickte er sich um. Am Rand des Gartens stand das ‚For Sale‘ Schild.

„Mike!“ Der Gerufene zuckte und sah, dass sein Freund an der Haustür auf ihn wartete. Er atmete tief durch und beeilte sich die kurze Distanz zu überwinden. Es war eine offene Besichtigung, zu der jeder kommen durfte. Eine Maklerin huschte wie aufgeschreckt durch die Zimmer. Mike nahm Chesters Hand und folgte Charlene.

Charlene lächelte verkrampft und hielt die Träger ihrer Handtasche fest, als suchte sie Halt. Sie wandte sich zu ihren Jungs um. „Ich habe das Haus über die Arbeit gefunden. Es ist noch im selben Viertel. Ihr könnt euch problemlos mit euren Freunden treffen und jeder hat sein eigenes Zimmer.“

„Eigene Zimmer?“, warf ihr Sohn beinahe empört. Unzufrieden kräuselte er die Stirn und sah mit großen Augen zu Mike. Charlene lachte nur leise auf.

„Es ist mir egal was ihr macht, aber ich möchte, dass ihre beide einen Rückzugsbereich habt. Jeder braucht ab und an mal Ruhe“, zwinkerte sie mit einem sehr versöhnlichen Lächeln.

„Es ist wunderschön hier“, meinte der Emcee schließlich und spürte wie angespannt sein Freund war. Chester schluckte schwer und nickte kurz angebunden. Irgendetwas störte Chester und er würde ihn später danach fragen. „Ich fühle mich komisch. Ich würde dir auf der Tasche liegen, Charlene“, brachte er leise mit ein. „Ich kann Miete zahlen…“

„Nicht doch, Michael. Du gehörst zu unserer Familie. Ich möchte nicht, dass du dir darüber Sorgen machst. Schaut euch ein wenig um, na los…“, meinte sie und wandte sich ab, um die Maklerin aufzusuchen und mit dieser zu sprechen.

Mike atmete schwer aus und lehnte sich an eine Wand, er zog seinen Freund an sich und schloss seine Arme um dessen Hüfte. Er küsste die Nasenspitze von Chester und grinste etwas. „Deine Mom ist stur… das hast du von ihr.“, meinte er und Chester senkte den Blick.

„Sie ist einfach sehr großzügig“, murmelte er und lehnte sich gegen Mikes Schulter.

Der Jüngere hielt ihn fest und streichelte ihm über den Rücken. „Ich muss bald zu meinen Eltern.“, murmelte er und presste seine Lippen fest zusammen, seufzte dann. „Jason sagte mir, dass… er kam vorbei und meinte unsere Großeltern erwarten mich“, erklärte er leise. Chester hatte den Besuch von Mikes Bruder nicht mitbekommen und bisher hatte er dem Älteren nichts darüber erzählen können. „… mit Meiko.“

Chester verkrampfte sich. Plötzlich drückte er sich mit aller Gewalt von seinem Freund weg. Mike hatte ihm schon erklärt welchen Grund der Besuch seiner Großeltern hatte. Doch er war schon die ganze Zeit so gereizt und es war ein mehr als ungünstiger Moment. „Ach dein Date?“, murrte er. Chester schüttelte den Kopf und eilte zur Haustür. Er riss die Tür auf und lief in die frische Nachmittagsluft hinaus. Er kramte nach seinen Zigaretten und zündete sich eine davon an.

Mike folgte ihm und kaute nervös auf seiner Lippe. Seine Hände steckten tief in seinen Hosentaschen. „Ich muss sie nur kennenlernen. Das heißt überhaupt nichts, Chester.“

Chester drehte sich von ihm ab und schüttelte den Kopf. Er zog kräftig an seiner Kippe und blinzelte etwas. Er hatte wieder einmal einen ziemlich schlechten Tag. Er fühlte sich nicht gut, war schlapp und müde. Der Sänger brauchte seinen Freund und wollte sich nicht den ganzen Tag vorstellen müssen, wie ein japanisches Mädchen ihn umgarnte. „Warum machst du bei dem Scheiß eigentlich mit, Michael?“, motzte er.

Der Emcee zuckte etwas und schloss seine Augen. „Chester-“

„Nein, verdammt“, keifte er und drehte sich mit wütendem Blick zu seinem Freund zurück. „Vor deinen Eltern und Jason verteidigst du mich doch auch. Warum beugst du dich deinen Großeltern so sehr?“

„Sie sind meine Großeltern, Chest-“

„Hör auf“, schnappte Chester wütend und schnipste seine Kippe weg. „Verpiss dich doch zu deinem verfickten Date“, schnauzte er und lief schließlich einfach weg. Mike kam mit der pikanten Situation kaum klar. Er verstand nicht, warum Chester so wütend reagierte. Er hatte ihm alles schon vorher erklärt. Chester wusste, dass er nichts zu befürchten hatte. Mike wollte nur Chester an seiner Seite wissen und für ein Mädchen interessierte er sich schon lang nicht mehr.

Mike seufzte. Er ging ins Haus zurück und suchte Charlene. Knapp erklärte er ihr, dass Chester und er schon gehen mussten. Danach rannte er dem Älteren hinterher. Mike packte ihn am Arm. „Babe… warte… bitte.“, keuchte er außer Atem.

„Was?“, knurrte der Sänger wütend und riss sich von dem Jüngeren los. Er brachte ein paar Schritte zwischen sie.

„Komm doch einfach mit mir“, meinte Mike und sah ihn bittend an. Er schüttelte den Kopf. „Sei nicht wütend. Gehen wir einfach gemeinsam hin. Wir-… zeigen wir ihnen, dass sie uns nicht auseinander bringen. Babe, bitte. Ich liebe dich. Ich möchte mich nicht wegen so etwas Dummes streiten.“

Chesters stechender Blick wurden wieder sanfter. Er senkte den Blick und atmete ein paarmal tief durch, um sich wieder etwas zu beruhigen. „Du hast recht… es tut mir leid“, murmelte er, doch ging dann dennoch allein weiter. Mike folgte wieder. „Ich möchte nicht mit.“

„Chester, warum-?“, schnappte Mike überrascht nach Luft. Er verstand den anderen nicht. Fast war er genervt von dessen Stimmungsschwankungen.

„Ich sehe doch nicht dabei zu, wie sich diese Tusse an dich ranmacht, während Hasstriaden von deiner Familie auf mich hinab regnen. Nein, danke. Mike, ich weiß, ich muss mir keine Sorgen machen“, erklärte er mit einem scharfen Unterton. Dennoch lächelte er zu seinem Freund. „Ich brauche dich…“, flüsterte er schließlich.

Mikes Gesichtsausdruck wurde weich und er griff nach Chesters Hand. Er hielt ihn auf und zog ihn an sich. „Ich bin immer für dich da, Babe. Ich liebe dich“, versicherte er dem Sänger und schenkte ihm dann einen kurzen, doch sehr innigen Kuss.

-

Mike klingelte nicht und trat mit seinem Schlüssel einfach in sein altes zu Hause ein. Er atmete tief durch und roch schon das blumige Parfüm seiner Großmutter, das sich unverkennbar mit dem Aftershave seines Großvaters vermischte. Er hörte Brocken von einem Gespräch, das nicht auf amerikanisch geführt wurde.

Sein Vater und sein Großvater standen in Mutos Büro. Die Tür stand offen und Mike trat näher und lauschte. Er fluchte leise, da es ziemlich schwer war etwas zu verstehen. Jason und er waren zweisprachig aufgewachsen, doch je älter sie geworden waren, desto weniger japanisch wurde gesprochen.

Er lauschte angestrengt und bekam doch einiges mit. Sie redeten über ein Mädchen, das ihn von der Sünde mit Chester abringen sollte. Mike reichten diese Informationen. Wütend schnaubte er und wandte sich ab, um in die Küche zu laufen. Donna stand dort mit seiner Großmutter und er schluckte schwer, als er das zierliche Mädchen bei ihnen entdeckte.

„Musuko! Oh, musuko!“, rief  Mikes Großmutter überaus glücklich. Sie warf ihre Arme in die Luft. Ihre Augen strahlten liebevoll und mit ausgestreckten Armen kam sie mit einem breiten Lächeln auf den Lippen zu ihm. Mike schmunzelte als sie ihn in die Arme zog und sie sich danach noch voreinander verbeugten.

„Hoi, baa-san“, grüßte er und sah dann zu seiner Mutter. Donna sah ihren Sohn lieblich an und dennoch konnte er ihr nicht mehr wie ein kühles Nicken schenken. Sie hatte ihn in den letzten Wochen immer wieder stark enttäuscht.

Meiko trat verschüchtert näher. Ihre Arme hielt sie vor ihren Körper und den Kopf gesenkt. Mike musterte sie mit einem Blick von oben bis unten. Sie war hübsch und dennoch definitiv nicht attraktiv für ihn.

„Sumi-masen!“, hauchte sie mit einer dünnen, sehr weiblichen Stimme und Mike verzog den Mund und unterdrückte sich gerade noch ein Augenverdrehen. „Kenji -san desu ka? Hajimemashite. Watashi wa Meiko Kato desu.“

Mike rümpfte die Nase und sah zu seiner Mutter und seiner Großmutter. Beide lächelten breit und hatten bereits einen Blick aufgesetzt, der sie beide bereits im weißen Kleid und Anzug vor dem Altar sah. Der Emcee knurrte und war bereits angewidert davon, selbst wenn das Mädchen nett schien. „Chikushoo!“, rutschte es aus ihm und seine Großmutter japste empört, als sie ihm gegen den Oberarm schlug. „Spricht sie kein Englisch?“, motzte er und deutete etwas verachtend auf sie.

Meiko senkte den Kopf, unterwarf sich ihm. „Gomen Nasai. Nihingo ga hanasu koto ga heta denki-masu.“

„Baa-san… warum bringt ihr sie mit?“, fragte er und sah zu seiner Großmutter.

Seine Oma presste ihren Mund zusammen. Die kleinen Falten um ihre Lippen herum kamen dabei noch mehr zur Geltung. „Sie ist gutes Mädchen, Michael“, nickte sie und Mike atmete tief durch. „Frau – kawaii.“, ergänzte sie und deutete auf das Mädchen, deren Wangen erröteten. Sie zierte sich, als sie ihre Schultern etwas hinaufgezogen hatte und ein Kichern zurückhielt.

Mike war bereits genervt von ihrer Attitüde.  „Baa-san. Ich habe bereits jemanden gefunden, der auch heiratstauglich ist.“, erklärte er.

Ayumu sah ihn mit kritischem Blick an. „Kenji! Dein oka-saan sprachen mit mir. Ich nicht begeistert.“, meinte sie und betonte ihre Aussage besonders theatralisch und damit auch ihre Fehler. Masao, sein Großvater, hingegen konnte einwandfrei sprechen. Insofern er nicht zu stolz dazu war.

Mike verdrehte nur die Augen und sah dann zum Esszimmertisch, der reichlich gedeckt worden war. Es standen viele japanische Köstlichkeiten darauf und der Emcee rieb sich über die Wange. Er legte seine Hände zusammen und sah seine Großmutter flehentlich an. „Dozo, baa-san… darf ich dir Chester vorstellen?“

Ayumu kniff ihre kleinen Augen zusammen und spitzte ihre Lippen. Sie war dazu hingerissen ihre Arme durch die Luft zu werfen und ihre Wut freie Luft zu machen.  Donna schüttelte ebenfalls den Kopf. „Michael!“, rief sie warnend aus und Meiko stand nur völlig hilflos in mitten der Küche und verstand nicht um was es ging.

Dennoch Ayumu hob eine Hand und brachte ihre Schwiegertochter zum Schweigen. Sie sah ihren Enkel tief in die Augen und sie sah ihm an, dass er für diesen Jungen starke Gefühle hegte. „Ich ihn sehen möchten“, nickte sie einverstanden. Es interessierte sie, was für ein Mensch ihren Jungen auf solch falsche Wege brachte.

Mike lächelte etwas und trat näher. Er drückte seiner Großmutter einen kleinen Kuss auf die Wange und verbeugte sich dann höflich vor Meiko, die durch ihre fehlenden Sprachkenntnisse in dem Gespräch nicht mitkam. Sie sah hilflos aus. „Meiko“, murmelte er.

„Kenji…“

Donna schüttelte nur den Kopf und wischte sich über das Gesicht. Nicht nur, dass ihre Schwiegereltern aus Japan zu Besuch waren, sondern auch das ihr Ältester nicht einmal vor ihnen genügend Respekt hatte, sich nicht mit Chester zu zeigen, machte ihr Sorgen. Sie wollte diesen Jungen endlich los- und ihren Sohn zurückhaben, den sie erzogen hatte. Dennoch verließ Mike die Küche wieder, um seinen sogenannten Freund zu holen und ihn stolz vor seinen Großeltern vorzustellen.

-

Chester war schwer zu überzeugen gewesen, aber irgendwann hatte sich der Sänger schließlich seiner Bitte gebeugt und sich frisch gemacht. Er hatte sich etwas Feines angezogen, bevor er mit zu den Shinodas ging. Mike strahlte und war ziemlich zuversichtlich, dass es nicht schlimm werden würde. Immerhin hatte seine Großmutter selbst um die Bekanntschaft mit seinem Freund gebeten.

Mike grinste begeistert. Er glaubte daran, dass Chester Ayumu überzeugen konnte und wenn sie ihnen ihren Segen gab, konnte ihnen kaum mehr etwas geschehen. Vielleicht würde dann sogar sein Vater Chester irgendwann akzeptieren.

Der Emcee verschlang ihre Finger miteinander und Mike erhaschte sich noch einen kleinen sanften Kuss, ehe er die Haustür aufsperrte. Mit sanften Worten beruhigte er Chester und zog seinen Freund dann euphorisch in die Küche. Ayumu, Donna und Meiko standen dort noch und sahen dann gemeinsam auf, als die beiden Jungs durch die Tür kamen und den Raum betraten.

Ayumu schluckte schwer als sie japsend einen Schritt näher an das Pärchen trat. Sie hatte sofort die veränderte Atmosphäre gespürt. Mike und dieser Junge strahlten ein ganz festes Band aus. Sie war überrascht wie glücklich ihr geliebtes Enkelkind wirkte, nur weil dieser junge Mann neben ihm und Händchen halten in der Küche stand.

Sie war sehr überrascht, wie viel Freude und Liebe Mike ausstrahlte und in diesem Moment wusste sie, dass sie ihn verloren hatten. Ob sie ihnen ihren Segen für diese Beziehung geben würde oder nicht. Sie würden Mike nicht überzeugen können. Selbst Meiko bemerkte dies. Sie hatte überrascht aufgejapst und peinlich berührt ihre Hand vor den Mund gehalten, als ihre Wangen unerbittlich rot anliefen. Sie war genauso sehr überrascht.

Chester kaute nervös auf seinen spröden Lippen und blinzelte etwas. Donna starrte ihn bitter böse an, doch die ältere Frau, die er noch nicht kannte, allerdings vermutete, dass dies Ayumu Shinoda sein musste, sah ihn weniger hasserfüllt an, wenn auch nicht symphatisch. Just in diesem Moment verfluchte er sich dafür, dass er noch kaum etwas über die japanische Kultur kannte, aus der sein Freund entsprang und dennoch glaubte er zu wissen, dass man sich in Japan zur Begrüßung verbeugte.

Schluckend ließ er von Mikes Hand ab und sah für einen flüchtigen Moment hilfesuchend zu ihm. Mike lächelte nur aufbauend und Chester trat einen Schritt weiter in den Raum. Legte seine Hände aneinander und verbeugte sich ein Stück. Nicht zu weit.

Ayumu schien überrascht von ihm, doch innerhalb von ein paar Sekunden lächelte sie und tat es ihm gleich. „Ayumu… du Kenjis Freund?“

Chester nickte. „Ja, Mrs – äh… ja… Mrs.“, murmelte er und errötete ein wenig. Mike lächelte nur und schenkte ihm einen liebevollen Blick. Er kam ihm nach und legte ihm aufbauend eine Hand auf den Rücken.

„Baa-san. Das ist Chester. Mein fester Freund. Er ist mein yasashii otoko.“, nickte Mike vollkommen überzeugt und schenkte Chester sogar noch einen Kuss, um seine Aussage noch weiter zu unterstreichen.

„Kenji! Yama!“, ertönte eine dunkle, weise Stimme hinter ihnen und der Emcee zuckte, als er sich zu seinem Großvater umdrehte, der gerade mit seinem Vater die Küche betrat. Wütend und angeekelt sahen die alten Augen Chester an. Es verletzte Mike und er atmete tief durch, sah etwas hilfesuchend zu seiner Großmutter, die sogar gleich einschritt. Sie erklärte ihrem Mann, dass sie den jungen Mann kennenlernen wollte.

Chester suchte nach Mikes Hand und hielt diese in einem starken Griff. Mike wusste, dass er sich unglaublich unwohl fühlen musste. Seine komplette Familie war in einem Raum versammelt und jeder einzelne war gegen diese Bindung, die sie miteinander teilten. Auch Meiko, die jedoch mehr überrascht wirkte als angewidert.

Chester drängte sich näher an Mikes Seite, als Muto, Masao und Ayumu auf Japanisch miteinander diskutierten. Mike lächelte sanft, da seine Großmutter Chester zu verteidigen schien. Zumindest, wollte sie nicht, dass ihr Ehemann und ihr Sohn den Jungen aus dem Haus schmissen. „Keine Angst, Babe“, hauchte er und schenkte ihm einen kleinen Kuss gegen die Wange.

„Ich kann das nicht, Mikey“, flüsterte Chester und sah bittend zu ihm. Seine Augen waren voller Furcht vor dem Hass, der in diesem Haus gegen ihn gehegt wurde. Es schmerzte Mike unheimlich und dennoch konnte ihr ihn gut verstehen. Chesters Augen tränten und es stach in seiner Bauchgegend. Er zog seinen Freund sofort in die Arme und der Sänger vergrub augenblicklich sein Gesicht an seiner Halsbeuge.

Chester blieb jedoch stark und Mike war stolz auf ihn. „Du schaffst das. Wir machen das gemeinsam, Babe. Wir zeigen ihnen, was wir für einander empfinden. Ich möchte es ihnen zeigen, egal ob sie uns akzeptieren werden oder nicht. Sie müssen wissen, dass ich nur dich möchte.“, erklärte er und flüsterte diese aufbauenden Worte in Chesters Ohr. Es kitztelte etwas und es ließ den Älteren schmunzeln. Es gab ihm Kraft, selbst wenn er sich völlig ausgelaugt fühlte.

„Ich liebe dich“, hauchte er zu Mike.

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*Ich kann kein Japanisch, ich habe mir die paar Sätze nach besten Wissen aus dem Internet gesucht:

musuko = Sohn
baa-san = Großmutter
Kenji -san desu ka? Hajimemashite. Watashi wa Meiko Kato desu = Bist du Kenji? Schön dich kennenzulernen, ich bin Meike Kato.
Gomen Nasai. Nihingo ga hanasu koto ga heta denki-masu = Tut mir leid. Wie ist dein Tag?

tbc
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