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Fortune Of Life

von Rayden
GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P16 / MaleSlash
Brad Delson Chester Bennington Mike Shinoda
10.05.2014
03.08.2020
33
153.414
6
Alle Kapitel
125 Reviews
Dieses Kapitel
3 Reviews
 
01.02.2019 4.109
 
Vielen unsagbar lieben Dank, BlackEternity!
Ich bin so verblüfft, dass du nach all den Jahren noch dabei bist und mitfieberst!

Danke an alle, die mal reingelesen haben.

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28. Kapitel



Ein paar weitere Wochen vergingen wie im Flug. Charlene hatte ihren neuen Job angetreten. Er gefiel ihr gut. Sie verkaufte zwei Häuser. Ermutigt von dem Erfolg durchstöberte sie die Zeitungen nach Anzeigen für freie Apartments. Mike machte es nervös, da er nicht wusste, wo er leben sollte, sobald Chester und Charlene ausgezogen waren. Rebecca hatte noch einmal versucht mit seinen Eltern zu reden, doch auch sie hatte nichts ausrichten können. Donna und Muto blieben stur.

Ein weiterer Grund, der ihn schlaflose Nächte bereitete, war Dave. Ihr Bassist war erneut auf ihn zugekommen. Ganz wertungsfrei hatte er versucht, mit ihm zu reden und ihm zu erklären, dass er Chester erneut dabei gesehen hatte, wie dieser sich mit dem Mädchen heimlich traf. Mike wusste nicht, was er davon halten konnte. Dave war nicht gut auf den Sänger zu sprechen, trotzdem war Mike seit Jahren mit ihm eng befreundet. Der Emcee war gutmütig zu glauben, dass diese lange Freundschaft Dave etwas bedeutete. Mike wägte dessen Aussagen daher ab und hakte sie nicht gleich als Unsinn ab. Für den Moment sprach er es nicht bei seinem Freund an. Er war überzeugt, dass Chester von allein darüber erzählen würde.

-

Sanft klopfte es an der Holztür, bevor sie aufging. Charlene kam in den Raum und klatschte in die Hände. „Aus den Federn, Jungs. Das Faulenzen hat wieder sein Ende!“, rief sie aus und grinste sadistisch, als die drei sich stöhnend herumwälzten. Sie lief zur Schlafcouch und beugte sich hinab. Sie setzte einen liebevollen Kuss gegen Chesters Stirn. „Verschlaft nicht, bis später.“, verabschiedete sie sich.

Mike sah ihr nach und zog dann seinen Freund an sich. „Müssen wir wirklich?“, nuschelte er.

Chester lächelte sanft und nickte. Er löste sich von Mike, der ihn widerwillig gehen ließ. „Ich bin eigentlich schon ewig wach. Ich… Gott, ich bin so nervös, Mikey.“, begann er aufgeregt zu plappern und hüpfte durch das Zimmer und wühlte sich durch seine wenigen Sachen, die er zum Anziehen hatte. „Ich hab so null Plan was ich anziehen soll, ich will… Eindruck machen… Wie es wohl wird. Gott, Mikey. Warum kannst du nicht dieses Semester schon mit, Baby.“

Brad knurrte genervt und warf seine Hände über den Kopf. „Chester, halt die Klappe!“

Mike lachte leise, als er sich langsam aufsetzte. Er streckte sich gähnend und rollte sich aus dem Bett. Er fing seinen Freund ein, als er ihn von hinten umarmte. „Beruhige dich. Du schaffst das.“, hauchte er ihm ins Ohr und begann mit ihm hin und her zu schaukeln. Er setzte sanfte Küsse an Chesters Wange und seufzend lehnte dieser seinen Kopf auf Mikes Schulter zurück. Genießend schloss er die Augen und legte seine Hände über Mikes, die an seinem Bauch lagen. „… aber ich werde durchdrehen ohne dich.“

Mike zuckte, als sie plötzlich von einem Kissen getroffen wurden und das Pärchen drehte sich grinsend zu ihrem Zimmergenossen um. „Haltet doch endlich die Klappe. Ich hab noch fünfzehn Minuten!“

Der Emcee ließ von Chester ab und nahm ihn bei der Hand, er nickte aus dem Zimmer und zog ihn dann hinter sich her. „Frühstücken wir erst, wir haben genügend Zeit.“

Chester lachte sanft auf und holte sich einen dicken Kuss von seinem Freund, bevor er sogar voraus ging und der Kaffeenote in der Luft folgte.

-

Chester hatte sich widerwillig von seinem Freund getrennt und sich noch eine Menge Küsse abgeholt. Er vermisste ihn bereits, als dieser ihn noch in den Armen gehalten hatte. Doch nun lief Chester wieder nach Hause. Ein erfolgreicher erster Unitag hinter sich. Die Fahrt zur University of California zog sich etwas, doch Chester würde in seinen Büchern stöbern können. Es war noch erholsam gewesen. Ihnen wurde das Gelände und die Räumlichkeiten erst einmal vorgestellt und der Sänger war mit großen, begeisterte Augen herumgelaufen.

Es war lange nicht Standford. Aber er konnte sich glücklich schätzen, dass ihm diese ebenfalls großartige Gelegenheit geblieben war, nachdem sein Vater die Zusagen solange unterschlagen hatte. Durch die lange Heimfahrt, waren die anderen Jungs schon in der Garage versammelt. Sie quatschten über ihren ersten Tag, ihres letzten Jahres in der High School.

„Kiddies ich liebe es!“, grüßte Chester seine Freunde neckend, als er die Auffahrt hinauf gejoggt kam und ohne Umweg auf den freien Platz neben Mike fiel. Er drückte sich an ihn und küsste dessen Wange. Mike brummte er nur und legte einen Arm um seinen Freund. Chester war überrascht, über die fehlende Euphorie und blickte durch die Runde. Alle saßen ihm mit grimmigen und gelangweilten Gesichtern gegenüber und Chester verdrehte die Augen. „Ihr solltet feiern.“

„Feiern? Die Schule hat wieder angefangen, da gibt es nichts zu feiern.“,  knurrte Brad und ließ seinen Kopf gegen die Couchlehne fallen, sich schon jetzt ausgelaugt fühlend. Er hob seine schweren Beine auf den Tisch und rutschte deprimiert tiefer in die Couch.

Joe schnaufte ebenfalls. „… Mark kommt erst wieder am Wochenende zurück. Ich vermisse ihn.“, murmelte er leise und umarmte sich selbst. Er wirkte ziemlich im Liebeskummer versunken und drehte sich auf die Seite, um sich ein wenig mehr in sich einzukugeln.

Der Sänger schüttelte den Kopf. „Ihr seid nun in der Zwölften, euer letztes Jahr, dann habt ihr es auch geschafft. Das ist der Grund zu feiern. Ihr müsst darauf anstoßen.“

Rob knurrte. Er saß auf dem Sessel und zog seine Füße zu sich hinauf. Er umarmte diese und legte sein Kinn auf die Knie. „Toll. Damit ihr mich alle verlasst. Ich bin grad mal in der Zehnten.“

Kyle saß auf der Armelehne des Sessels neben Rob und legte ihm aufbauend eine Hand auf die Schulter. Sanft schüttelte er ihn. „Kriegst du hin.“

Chester sah mitfühlend zu ihrem Drummer und nickte bestätigend auf Kyles Worte „Sorry, Robbie – aber du machst das.“, meinte er und ein tiefes Seufzend ging durch die Runde. „Okay, dann lasst uns wenigstens proben.“

-

Gemeinsam probten sie zwei Stunden lang, ehe sie zusammen aufräumten und sich voneinander verabschiedeten. Rebecca hatte für sie gekocht. Brad, Mike und Chester setzten sie zu ihren Eltern an den Tisch, um mit ihnen zusammen Abend zu essen.

Mike und Brad saßen mit leeren Tellern am Tisch, während Chester begeistert erzählte und gar nicht wirklich zum Essen kam. Der Emcee lächelte und sah seinem Freund gerne zu. Charlene lachte leise mit dem Kopf schüttelnd und tauschte ab und an einen Blick mit Mike. „Schatz, das klingt wunderbar. Aber ich glaube, Mike würde gern etwas Zeit mit dir verbringen.“, machte sie ihren Sohn aufmerksam.

Chester schnappte nach Luft und sah zu dem Halbjapaner und dann auf seinen vollen Teller. „Willst du Mathe lernen?“, fragte er begeistert. „Das wird super, ich weiß schon ganz genau, wie wir das machen.“

Mike verzog panisch das Gesicht und stöhnte auf. „Chester – nein, eigentlich nicht.“, keuchte er und fuhr sich über das Gesicht.

„Oh, warum nicht?“, fragte Chester überrascht und hörte plötzlich alle bis auf ihn und Mike am Tisch auflachen. „Hey…“, beschwerte sich der Sänger.

„Baby, du bist noch viel zu aufgeregt wegen deines Semestersanfangs, ich vermute Mike will einfach nur sagen, dass es mit Mathe noch keine große Eile hat.“, meinte Charlene mit einem sanften Lächeln auf den Lippen. Sie neigte ihren Kopf etwas und fühlte sich unheimlich stolz.

„Je früher, desto besser…“, murmelte er und Mike streichelte ihm beruhigend über den Oberarm.

„Ab morgen reicht auch noch, Babe.“, hauchte er und küsste Chesters Wange. Der Sänger aß langsam und sah verwirrt durch die Runde, ehe er mit den Schultern zuckte.

„Okay, na gut. Ich kann es.“, meinte er und Mike schnappte nach Luft. Bevor er ihm gespielt empört knuffte.

Brad stand Kopf schüttelnd auf und unterdrückte ein Lachen. Er nahm seinen Teller und das dreckige Besteck mit und räumte es in die Spülmaschine ein. Er lief zurück. „Ich muss los. Ich gehe zusammen mit Elisa und Eskil spazieren.“

Rebecca nickte und als ihr Sohn an ihr vorbeilaufen wollte hielt sie ihn nochmals am Arm zurück. Sie stand mit ihm auf und folgte ihm in den Flur. Sie verschränkte ihre Arme, als sie ihrem Sohn dabei zusah, wie er sich die Schuhe anzog. „Hast du heute Olivia in der Schule angetroffen? Habt ihr miteinander gesprochen?“

Brad stellte sich wieder auf und sah flüchtig zu Rebecca. Dann ließ er den Blick nachdenklich fallen. Die Erwähnung seiner Exfreundin ließ seinen Magen krampfen. „Ich habe sie gesehen, Mom… und… sie ging mir aus dem Weg.“

„Oh Bradford…“, hauchte sie und verzog das Gesicht mitfühlend. Sie kam auf ihn zu und umarmte ihn flüchtig. Brad überraschte das. Er wusste, dass sie ihn unheimlich liebte, aber sie war  nie die Art von Mutter gewesen, die ihre Gefühle zeigte. Offenbar färbte Charlene auf sie ab.

Brad lächelte schmal und freundlos als er nickte. „Ich weiß nicht gar nichts… ich hab ihr nur zu kommen lassen, dass es aus ist. Sie hatte daraufhin nicht einmal wirklich reagiert. Sie hat… es einfach hingenommen.“

Rebecca atmete durch. „Sie wird es wohl ebenfalls schon erahnt haben.“

Brad blickte seine Mutter düster an und unterdrückte sich einen sarkastischen Kommentar. Er nickte daraufhin. „Ich will jedenfalls noch einen Grund für ihr… ihr… dämliches Verhalten haben. Ich muss jetzt aber los, bye Mom.“, verabschiedete er sich. Er lief zügig aus dem Haus und war froh dem Gespräch über Olivia zu entkommen. Seine Ex-Freundin hatte ihn in der Schule gemieden und war immer mit ihrer kleinen Gruppe an Freundinnen unterwegs gewesen. Nur für einen kurzen Moment hatte er sich zufällig auf dem Weg zur Toilette an ihrem Spint abfangen können.

Brad stach es ihm Herzen, als ihm ihr Blick wieder in Gedanken kam. Er hatte gewirkt, als wären noch Gefühle bei ihr und er bildete sich ein, dass eine gewisse Sehnsucht in diesen versteckt gewesen war. Dennoch hatte sie kein Wort darüber verloren, was zwischen ihnen geschehen war. Warum sie jeglichen Kontakt aus dem Nichts abgebrochen hatte.

Brad hatte es dann aufgegeben und gemurmelt, dass er keinen Sinn mehr in ihrer Beziehung sah. In diesem Moment zuckte sie wie geschlagen zusammen und ein Schimmer tiefer Trauer wusch über ihr Gesicht hinweg. Der Gitarrist hatte das zögern lassen, aber dennoch passierte daraufhin nichts. Bedauernd war er mit dem Kopf schüttelnd gegangen.

Vermutlich steckte doch ein klein wenig mehr dahinter. Aber es war bereits zu spät. Brad hatte Elisa kennengelernt und begann sie immer mehr zu mögen. Olivia hatte es nicht für nötig gehalten etwas zu sagen und das bestätigte ihm, dass sie ihn nicht mehr wollte, nicht mehr um ihre Beziehung kämpfen wollte. Ein weiterer Grund war, dass er nichts tun konnte, wenn sie nichts ansprach, was geschehen war.

-

Chester schleppte den Halbjapaner in Brads Zimmer hinauf, das sie alle zusammen teilten und stieß  ihn dann auf die Schlafcouch. Mike keuchte und fiel zurück. Er rappelte sich verwundert grinsend auf die Ellenbogen auf und sah auf, als Chester über ihn kam und sich in seinem Schoß niederließ.

Der Ältere streichelte sanft über die Wangen von Mike und küsste ihn dann flüchtig. „Für jede richtig gerechnete Aufgabe, ziehe ich mir ein Kleidungsstück aus.“

Mike verdrehte die Augen und hob seine Hände an Chester schmale Hüften, als er sich zurücklegte und den Sänger mit sich zog. „Ich mache heute noch nichts dafür. Das Schuljahr hat erst angefangen.“

Chester kuschelte sich brummend an seinen Freund. „Genaugenommen hättest du schon in den Ferien büffeln sollen. Du hast doch so schon wieder alles vergessen, vom letzten Jahr.“

„Ches… lass mich doch nun einfach Zeit mit meinem Freund genießen.“, hauchte er ihm verführerisch ins Ohr. „Du kannst auch so für mich strippen.“

Chester lupfte eine Augenbraue mit einem lasziven Grinsen, setzte er sich in Mikes Schoß auf und rieb sich absichtlich stark an dessen Körpermitte. Im Aufrichtigen zog er gleich sein Shirt vom Oberkörper. Mit nackter Brust neigte er seinen Kopf. „So etwa… gefällt dir das?“

Mike schluckte und auch wenn es ihm gefiel, sorgte er sich. Zärtlich ließ er seine Fingerspitzen über den Oberkörper fallen. „Hast du… noch mehr abgenommen?“, hauchte er und sah überrascht auf.

Chesters Lächeln fiel aus seinem Gesicht und er sah an sich hinab. „Keine Ahnung…“, murmelte er und das Thema damit abhaken.

„Das sieht fast nicht mehr gesund aus, Babe.“, murmelte Mike skeptisch und streichelte ihm dann über die Wange. Erst jetzt fiel ihm auf, wie Chesters Gesicht ebenfalls eingefallener und bleicher wirkte.

„Ich fühle mich gut. Mike, bitte.“, meinte Chester und nahm wieder sein T-Shirt zurück, um es sich überzuziehen. Seufzend stand er auf und setzte sich an Brads Schreibtisch. Er zog seine Tasche heran und begann dann ein paar Bücher aus dieser zu hieven.

„Ignoriere mich jetzt nicht, Bennington. Ich mache mir nur Sorgen um dich.“, brummte Mike und fiel stöhnend zurück in die Laken, als er seine Hände über den Kopf warf.

„Es ist aber alles gut!“, murrte Chester, las sich das Verzeichnis eines seiner Lehrbücher durch.

„Sicher? Weißt du… Dave hat dich erneut mit Talinda erwischt. Lüg mich nicht an.“, platzte es aus dem Jüngeren. Er wollte dieses Geheimnis nicht länger wahren und mit funkelndem Blick sah zu wie sich Chester empört umdrehte. „Was läuft da?“

„Mike.“, hauchte Chester und stand langsam auf. „Da… ist nichts. Sie- uhm… sie rennt mir nur etwas hinter her.“

Der Emcee schnaubte. „Deswegen unterhältst du dich ständig mit ihr.“

„Mike ich liebe dich. Nur dich.“, betonte der Sänger und biss sich auf die Lippe. Genervt starrte er zu seinem Freund. Die stummen Vorwürfe gefielen ihm nicht. Mike brauchte ihn doch nicht in Frage zu stellen. Er liebte den Halbjapaner und war davon überzeugt, dass dieser es wusste. Er zeigte es ständig und Chester dachte es wäre eindeutig.

Mike nickte und presste seine Lippen zusammen. „Das glaube ich dir. Vielleicht brauchen wir trotzdem Abstand“, meinte er und stand auf. Er schnappte nach einer großen Reisetasche und Chester japste panisch. „Ich möchte nicht, dass wir Geheimnisse voreinander haben, Chester. Sag doch einfach, dass du süchtig bist, dann könnte ich dir vielleicht helfen. Ich komme bei Joe unter…“

Chester schnappte nach Luft und spürte Tränen in seinen Augen. Panisch und mit wild schlagendem Herzen hielt er seinen Freund zurück. Tränen tropften dabei über seine Wange. „N-Nicht, Baby.“, stotterte er und schmiegte sich an den Jüngeren. Mike verspannte sich und erwiderte die Umarmung nicht. „Ich bin… kein Junkie. Ehrlich nicht, Mike. Ich liebe dich. Ich liebe dich. Du darfst nicht gehen.“

Mike blinzelte ebenfalls heftig und versuchte die Tränen zurückzuhalten. „Wieso lügst du nur?“, hauchte er mit dünner Stimme und drückte sich von dem Sänger. Er suchte seinen Blick und schluckte schwer. „Sobald du zum Reden bereit bist, können wir nochmal über uns sprechen.“

„Du… machst Schluss?“, schluchzte Chester und klammerte sich an Mikes Shirt.

„J-Ja…?“, hauchte, nunmehr selbst weinend und nicht wirklich überzeugend. Er konnte sich nicht zurückhalten und musste den Älteren in eine Umarmung ziehen. Er vermisste ihn just in diesem Moment. „Ich… möchte, d-dass wir ehrlich zu einander sind. Chester, bitte… w-was soll ich denn sonst denken. Sieh dich doch an, w-wie… abgemagert du bist… deine unreine H-Haut… die Treffen m-mit Talinda. Sie gab dir am Strand… schon Drogen.“

„I-Ich verspre-reche dir-…es ist ni-nicht so. Baby, i-ich brauche d-dich. Bitte geh nicht. Bleib bei mir, ich brauche dich so sehr.“, Chester fiel durch seine schwachgewordenen Beine in sich zusammen und kniete nun mehr heulend. Er krampfte seine Hände in den weichen Stoff und drückte sein verweintes Gesicht gegen Mikes Bauch. Tief schluchzte er.

„Chester b-bitte…“, flüsterte Mike mit hauchdünner Stimme. Er blickte mit verschwommenem Blick auf den Älteren runter. „Ich will dich nicht ver-verlassen… sag mir doch w-was ist… d-dann könnte ich dir… vielleicht helfen.“

Chester fasste sich wieder. Er schluckte die Tränen. „Keiner kann das.“, hauchte er so leise, dass es Mike nicht einmal verstand. Der Sänger wischte sie über das Gesicht und stand wieder langsam auf. Er fühlte sich sogleich müde und ausgelaugt und bitter blickte er zu seinem Exfreund. Vorsichtig trat er näher und küsste ihn auf die Wange. „Ich kann nicht.“

„Chester das ist Bullshit!“, raunte Mike. Nun war er plötzlich der Verletzte. Er fühlte sich überrannt über die Tatsache, wie schnell Chester resigniert wirkte und nicht weiterkämpfte, geschweige denn nicht mit der Wahrheit auspackte. Außerdem fragte er sich, was Chester mit dieser unklaren Aussagen meinte. Nahm er nun Drogen? Hatte er eine Affäre mit Talinda? Seine Hände krampften sich um die Tasche in, sodass seine Knöchel weiß hervortraten.

Mike schniefte herzzerreißend. „Uhm-…“, stockte er und schnappte nach Luft. Es schmerzte unheimlich. „… i-ich bin… für dich da, so-so…-bald du bereit bist. Solang-… bin ich dann bei Joe…“

Chester hielt seinen Kopf gesenkt und nickte kaum merklich. Mike schluckte und unterdrückte den Schmerz. Er schenkte dem Sänger einen Kuss gegen auf den Kopf. „I-Ich liebe dich… vergess‘ das nicht…“

„Ich bin kein Junkie.“

-

Mit blutunterlaufenen Augen stand Mike blass und zitternd vor der Haustür der Hahns. Er klingelte und als der letzte Ton aus dem Hausinneren verklungen war, wartete er nicht lange, bevor er erneut und energischer seinen Finger auf den kleinen, runden Knopf drückte, bis seine Fingerkuppe weiß unterlief.

Schluchzend wischte er sich getrocknete und neue Tränen mit Shirtärmel ab und schluckte schwer. Mike schniefte unterdrückt, spürte sein Herz wild schlagen. Seine Knie waren weich und als ihm keiner geöffnet hatte begann er gegen die schwere Eingangstür zu klopfen. Es tat höllisch weh und Mike war überrascht, wie diese Trennung von Chester sich auswirkte. Es war brachial, seine Muskeln träge und jede Bewegung und Berührung war purer Schmerz, der ihn fast zu Boden riss.

Endlich öffnete Joe ihm die Tür. Mike hatte sich nicht zusammenreißen können und es wäre ihm unangenehm gewesen, wenn ihn Joes Eltern so gesehen hätten. Der Koreaner setzte zum Sprechen an und schluckte die Worte  sofort wieder, als er das Wrack erkannte, das verzweifelt vor ihm stand.

Joe japste und beobachtete seinen Freund, für einen Moment war er regungslos, überrascht und überfordert mit dieser unerwarteten Situation. Vorsichtig nahm er den Älteren am Arm, zog ihn hinein und in das Wohnzimmer, wo er den Emcee auf die Couch beorderte. Joe setzte sich direkt vor ihn auf den Couchtisch und legte seine Hände auf dessen Knie. „Meine Eltern sind aus…“, erklärte er knapp und neigte dann den Kopf zur Seite.

Mike schluchzte, wischte sich mit seinen Händen über das Gesicht. Er wollte sich damit von dem anderen abschirmen. Es war ihm plötzlich peinlich sich schwach vor Joe zu zeigen. Der Halbjapaner versuchte sich zusammenzureißen, um die Situation dann wieder zu entschärfen.

Joe merkte, wie sich Mike Haltung veränderte. Er konnte dabei zu sehen, wie sich der Emcee vor ihm verschloss. „Was ist passiert zwischen Chester und dir?“, fragte er daher gerade heraus. Ein Zucken ging durch den Körper von seinem Freund und entsetzt starrte Mike ihn mit großen Augen an. Joe schnaubte halb amüsiert darüber und zeigte ihm ein schmales Lächeln. „… nichts oder niemand anderes könnte dich so sehr aus den Fugen reißen.“, erklärte er seine Vermutung.

„Kann ich ein wenig hier bleiben…“, flüstere der Emcee. In sein bleiches, kränklich wirkendes Gesicht, zeichnete sich langsam wieder Farbe ab, als er seinen Kopf beschämt in den Schoß senkte. „Ich hab behauptet… dass i-ich bei dir unterkomme… für ‘ne Weile…“, murmelte er kaum verständlich und hob seinen Blick flüchtig, um den Ausdruck von Joes Gesicht erkennen zu können.

Joe sog tief Luft ein und setzte sich aufrechter hin. Flüchtig nahm er die Tasche neben Mike wahr. Dann rieb er sich über die Stirn. „Ist nun Kaffee oder doch eher ein Bier angebrachter?“, seufzte der DJ und stand daraufhin auf, da er sicher war, keine Antwort von dem Älteren zu benötigen. Er zog Mike mit sich und gemeinsam liefen sie zu seinem Zimmer hinauf.

Der DJ öffnete seinen Schrank und zog ein paar Kisten beiseite, sodass der Alkoholvorrat von der letzten Party zum Vorschein kam. Unter anderem stand dort eine übriggebliebene Wodkaflasche, da die Schule erst wieder angefangen hatte, entschied sich Joe für schlichtes Bier. Er öffnete sie und warf treffend die Deckel in seinen Papierkorb, bevor er eine Flasche Mike überreichte und seine dann klappernd dagegen stieß. Joe nahm einen langen Schluck. „Erzähl nun…“, forderte der Jüngere auf und ließ sich auf sein Bett fallen.

Mike stand verloren wirkend herum. Sein Blick wich ihm aus und heftete sich an das Terrarium von Sir Archibald Chang. Langsam kam er auf die große Spinne hinter dem Glas zu. Sie bewegte sich kein Stück, doch Mike fühlte sich von all ihren runden, schwarzen Knopfaugen fixiert. Als würde sie ihren Angriff planen. Ein Schmunzeln wusch über ihn hinweg, es war für einen Bruchteil einer Sekunde auf seinen Lippen gelegen. Er tippte gegen das Glas und hinter ließ Fingertupfen, bevor sich Joe hinter ihm räusperte.

„Verschrecke Sir Chang nicht. Komm, rede mit mir.“, meinte er und packte seinen Freund bei der Hand. Er zog ihn auf sein Bett, auf dem sie sich dann beide niederließen. Mike verweilte schweigend und starrte auf sein bisher unangetastetes Bier. Joe wollte ihn erneut auffordernd, als Mike die Flasche zu seinen Lippen führte, jedoch nicht absetzte bis es leer war.

Joe japste entsetzt und bekam die leere Flasche dann in die Hände gedrückt. Mike stand auf und ging an den Schrank des DJs, um sich dort selbst zu bedienen. Er entschied sich dort für die halbe Flasche Wodka und schraubte sie augenblicklich auf. Er trank pur, aus der Flasche und warf den Deckel Richtung Mülleimer. Im Gegensatz zu dem Koreaner traf er diesen nicht. Joe sah dem zu. Er stand auf um sich den Deckel zu holen. Joa fand, dass die Flasche nicht ebenfalls komplett geleert werden sollte. „Mike wir haben morgen wieder Schule.“

„Fuck Schule.“, stöhnte er, die ersten Worte nach einer ganzen Weile.

Joe ließ seine Arme an den Seiten hinabfallen und verdrehte genervt die Augen. Irgendetwas stimmt mit Mike nicht und das konnte keinen anderen Grund haben, als das es mit Chester zutun hatte. Aber er sollte reden und nicht versuchen jegliches Klischee aufzuarbeiten.

„Ist schon gut Shinoda.“, knurrte er und riss ihm dann den Alkohol von den Lippen. Dabei verschütteten sie etwas und es lief Mike am Kinn hinab,ehe die Tropfen in sein Shirt versickerten. „Ich möchte wissen was passiert ist.“

Mike knurrte und ließ sich dann zurückfallen. Er spürte die ersten Auswirkungen. Sein Kopf vernebelte sich, seine Zunge lug schwer und pelzig in seinem Mund. „Entweder Chazy fickt Talinda oder… mein Baby kauft Drogen bei ihr.“, fasste er knapp zusammen und schmatzte. Mike rief sich seine eigene Aussage erneut in den Kopf und fühlte wieder dessen betäubenden Schmerz, der nicht einmal von dem Alkohol übertüncht werden konnte. „I-Ich weiß nicht… was besser wäre… a-aber er will nich‘ reden.“

Joe atmete überrascht tief ein und stellte die Flasche auf seinem Nachttisch ab, um sich neben seinen Kumpel zu setzten. Er ging dessen Aussage noch einmal durch und konnte sich allerdings kaum einen Reim darauf machen. „Warum glaubst du das, Mike?“, fragte er. „Er liebt dich. Das-… mein Gott, Mike, das wird jedem innerhalb weniger Sekunden unmissverständlich klar. Dieser Junge ist dir völlig verfallen. Chester-… ich… ich lege meine Hand für ihn ins Feuer, ich glaube nicht, dass er dich betrügen würde, geschweige denn könnte.“

Mike schnaubte ironisch und warf seine Hände über das Gesicht. Er schüttelte sich und blinzelte einen neuen Schwall Tränen weg. „Und wenn dem so wäre? Dann ist er eben doch ein Junkie, wie Phoenix es von Anfang an behauptet hatte.“

„Das müsste man doch merken…“, wehrte Joe die zweite Theorie ab und hörte den anderen wieder schnaufen.

„Er sieht mies aus. Chaz ist noch dünner geworden… er bekommt immer wieder blaue Flecken, die er sich nicht erklären kann und seine Haut ist in letzter Zeit unreiner geworden.“, erzählte er und spürte sein schmerzvoll, pochendes Herz. Er vermisste ihn. Seine Arme waren leer  und seine Lippen unberührt ohne den Sänger.

„Ja, aber wann-… ich mein, du – keiner von uns hat schon mitbekommen, dass er drauf wäre. Wann hätte er auch die Zeit dazu? Ihr seid doch so gut wie immer zusammen gewesen.“, versuchte Joe weiter zu schlussfolgern.

„Ich will ihm helfen… a-aber er redet nicht u-und ich glaub,… ich glaub, ich hab Schluss gemacht.“, hauchte Mike und war mehr als überfordert mit dieser Tatsache. Seine Atmung flachte ab und seine Augen tränten erneut. „I-Ich meinte nur… d-das er kommen könnte, wenn er bereit ist… und wenn das nicht geschieht, Joe?“


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