Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

Fortune Of Life

von Rayden
GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P16 Slash
Brad Delson Chester Bennington Mike Shinoda
10.05.2014
03.08.2020
33
153.414
6
Alle Kapitel
125 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
01.01.2019 4.465
 
Oh, wow hey! ♡
Irgendetwas hat mich geritten hier weiterzuposten. Die Story ist ja auch seit langer Zeit zu Ende geschrieben. Ich hoffe ihr findet wieder gefallen an ihr oder sie findet neue Fans.

Ich würde mich sehr freuen. :)

Ein frohes Neues, 2019!

x-x-x-x-x-x-x-x-x-x-x-x-x-x-x-x-x-x

Previously on FOL:
Charlene und Chester flüchten aus Phoenix nach Agoura Hills, wo sie von Rebecca aufgenommen werden.

Chester lernt die Jungs von Xero kennen.

Mike bring Chester nach dem schlimmen Horrortrip nach Hause. Dort weiht Chester seine Mutter in die Ereignisse seines Tages ein, unter anderem auch, dass er Mike ziemlich mag.

Daraufhin bleibt Mike über Nacht und teilt sich ein Bett mit Chester im Gästezimmer. Jedoch sind beide noch viel zu überfordert mit ihren Gefühlen zueinander, sodass zwischen ihnen nichts weiter geschah.

In einem Einzelgespräch fordert Charlene völligen Zuspruch von Mike, bevor sich dieser auf ihren Sohn weitereinließ.

Am nächsten Morgen taucht Brian, Chesters Bruder, auf. Nach einer Begrüßungs- und Kennenlernrunde legte er drei große Umschläge auf den Tisch vor Chester. Alle Aufnahmen an verschiedene Universitäten, die von Chesters Vater zurückgehalten worden waren.

Mike küsste Chester, nachdem er dazu von Anna beim Flaschendrehen aufgefordert worden war.  Da es ziemlich eindeutig war, dass die beiden Gefühle für einander hegten, suchte Mike ein Gespräch mit Anna.

Daraufhin meldete sich Mike einige Tage nicht bei Chester und Letzterer nahm es anschließend selbst in die Hand und stellte den Jüngeren zur Rede.  Mike entschuldigte sich und sie entschieden sich für eine Beziehung.

Da es nun eine ernst zunehmende Sache zwischen Mike und ihm war, entschied sich Chester dafür, dem Emcee von seiner Vergangenheit zu erzählen.

Chester wurde als kleiner Junge von seinem Vater auf einen Motorradtrip mitgenommen. In einer fremden Stadt vergnügten sie sich auf der Kirmes. Als Chesters Vater gehen wollte, rannte Chester aus Protest weg und wurde von einem Mitglied des hiesigen Motorradclubs auf eine Jägerhütte entführt und dort misshandelt.

Ryan und Sean sind zu Besuch.

Mike machte Chester eine Überraschung, nachdem er endlich kein Hausarrest mehr hatte.

Sie sahen sich ein Accoustic Konzert von den Stone Temple Pilots mit Q&A auf dem Dach des Hyatt Regency Hotels an (btw ein STP Accoustic Konzert fand dort wirklich mal statt - 1996).

Chester fühlte sich nicht gut. Mike vermutete sein Freund hat einen Sonnenstich.

Sie sagten zum ersten Mal 'Ich liebe dich' zueinander.

Mike macht Chester eine Überraschung und geht mit ihm zu einem Stone Temple Pilots Konzert.

Mike und Chester sagen das erste Mal "Ich liebe dich." zueinander.

Mike will seine Eltern von seinem gleichgeschlechtlichen Freund überzeugen und wird stattdessen jedoch von seinem Vater von zu Hause rausgeworfen.

Rebecca zeigt ihre Anteilnahme in dem sie auch ihn zeitweise bei sich aufnimmt. Charlene drückt ebenfalls ihre vollkommene Unterstützung aus.

Mike quatscht mit Brad über die Vorkommnisse und fühlt sich erst dadurch ein wenig besser.

Chester bekommt Lakers Tickets von Rob, die er Mike schenkt und es baut sich erregende Spannung zwischen ihnen auf.

Phoenix kommt bei der Garage vorbei um seinen Ausstieg bei Xero offizell zu machen.

Dabei bricht ein heftiger Streit zwischen Chester und ihm aus. Sie schlagen sich.

Joe spricht mit Mike über dessen Erstes Mal mit Chester.

Mike versucht noch einmal mit seinen Eltern zu reden. Ohne Erfolg.




27. Kapitel


Chester rieb sich über seine klebenden Augen, bevor er sie öffnete. Mike lag ihm gegenüber, eine Hand von ihm lag über das Bett gestreckt auf seiner Hüfte. Es ließ ihn grinsen. Vorsichtig nahm er Mikes Hand und setzte einen sanften Kuss auf diese. Dann beugte sich nach vorn, um ihm einen weiteren gegen die Stirn zu hauchen.

Um Mike nicht zu wecken, schlich sich der Sänger aus Brads Zimmer. Er schnappte ein paar Klamotten und einen Rucksack. Brad schnarchte ebenfalls im Bett. Als Chester die Tür leise schloss, spitzte er nochmals kurz in den abgedunkelten Raum zurück. Er überzeugte sich, dass seine Freunde friedlich weiterschliefen, bevor er sich die Treppen hinunter schlich.

Es war früher Morgen, es dämmerte. Alles lag im bläulichen Schein. Brads Eltern hatten längst das Haus verlassen, da sie früh zu arbeiten anfingen. Chester roch eine Note von Kaffee in der Luft hängen. Sofort sehnte er sich nach dem Koffein. Bevor er die Küche betrat, warf er sich in seine Kleidung.

Der Sänger schlich durch das Haus. Er hörte Geräusche und innerlich fluchend, schloss er die Augen. Dann lief er in die Küche. „Hey…“, hauchte er mit vom Schlaf rauer Stimme. Lässig lehnte er sich gegen den Türrahmen.

Charlene räumte ihre Kaffeetasse eben in die Spülmaschine ein und vor Schreck zuckend drehte sie sich zu ihrem Sohn. Ein liebevolles Lächeln breitete sich auf ihren Lippen aus. Sie strich über ihre Kleidung und zögerte nicht, um eine neue Tasse aus dem Hängeschrank zu nehmen. Sie goss den letzten Kaffee ein und lief auf Chester zu. „Morgen, Baby“, grüßte sie ihn und gab ihm einen Kuss gegen die Stirn, als er ihr dankend den Kaffee abnahm. „Was machst du denn schon auf? Schlafen Brad und Mike noch?“

Knapp nickte er und roch an dem dampfenden Getränk. Es kam ihm so vor, als würde es ihn ein wenig mehr wecken. Genießend brummend nahm er einen kleinen Schluck. „Ja, ich… ich habe mich rausgeschlichen“, murmelte er. Er neigte den Kopf und presste betrübt seine Lippen zusammen. Chester hatte gehofft, sie wäre ebenfalls schon außer Haus.

Sie beobachtete ihren Sohn. Sofort bekam sie mit, wie angespannt er wirkte. „Stimmt etwas nicht?“, fragte sie besorgt und zog ihn dann in eine halbe Umarmung. Charlene lehnte ihren Kopf gegen seinen und schloss die Augen. Sie genoss diese Nähe, die sie zu ihrem Sohn hatte.

Chester starrte in das Schwarz des Kaffees und ließ sich von ihr halten. „Nein… alles gut“, nuschelte er, als er sich auf die Innenseite seiner Wange biss. Er atmete tief durch. „Könntest du mir… ein paar Dollar leihen? Ich muss… wegen, der Uni etwas erledigen. Das Semester startet bald.“

Etwas überrascht zog sie ihre Augenbrauen zusammen, doch nickte dann verstehend. Sie ließ von ihm ab und nahm ihre Tasche, die am Esstisch stand und holte dort ihr Portmonee raus. Sie zog fünfzig Dollar hervor und gab ihm das Geld. „Mehr habe ich gerade nicht bei mir, ich hoffe das reicht.“

Chester nickte und steckte es sofort in seine Hosentasche. Schmal lächelnd beugte er sich zu ihr und küsste ihre Wange. „Danke Mom…“, meinte er und musterte sie dann nochmals. „Du siehst… gut aus.“

Sie streichelte ihm über den Kopf und lächelte sanft. „Ja…“, hauchte sie und sah auf sich hinab. Ihre Wangen erröteten sich geschmeichelt. „Dank Rebecca, habe ich heute ein Vorstellungsgespräch und vielleicht verkaufe ich bald Häuser an reiche Leute, dann muss ich nicht mehr putzen.“

„Wow… das klingt gut, Mom. Viel Glück.“, meinte er und umarmte sie nochmals.

Charlene nickte. Er verabschiedete sich daraufhin. Chester sah ihr nach und trank die Tasse leer, ehe er sie wegräumte und sich ein dickes Telefonbuch aus dem Sideboard im Flur schnappte. Der Sänger blätterte es nervös durch, spähte nebenbei immer wieder die Treppe hinauf. Chester hoffte, Mike würde sein Fehlen nicht aufwecken. Sobald er fand, was er suchte, schrieb er sich es auf einen Block. Er riss das Blatt ab, stopfte es in seine hintere Hosentasche und verließ ebenfalls das Haus.

Chester suchte die nächste Bushaltestelle auf. Dort versuchte aus dem Fahrplan schlau zu werden. Nervös kaute er auf seiner Lippe. Er verglich den Plan mit der Adresse, fahndete nach der Straße und als er sie fand, nach der nächste Haltstelle und die Linie, die ihn dorthin bringen würde.

-

Chester stolperte aus dem Gebäude. Seine Gedanken rasten und er schaffte es keinen zu erfassen. Sein Herz schlug ihm bis zu Hals und ein dicker Klumpen ließ ihn schwer Atmen. Alles drehte sich, um ihn herum und doch schien es ihm so, als ob die Zeit stehen geblieben wäre. Die ganze Zeit über hatte er sich zusammengerissen und gefasst gewirkt, doch nun schossen ihm heiße Tränen in die Augen, als er in die warme Vormittagssonne hinaus kam.

Zitternd schnappte er nach Luft. Chester lehnte sich dann an die raue Hauswand, als der Schwindel ihn fast zu Boden riss. Mit klammen Fingern fischte er nach seiner Zigarettenschachtel und zündete sich dann eine der Kippen an. Er hoffte, sie würde ihn beruhigen, doch es half kaum und verzweifelt rutschte er in die Hocke und versteckte sein Gesicht leise schluchzend hinter den Händen.

„Chester?“

Bitterlich zusammenschreckend sah er auf und starrte ihn ein paar besorgte, braune Augen. Der Sänger schnappte erschrocken nach Luft und rappelte sich zügig auf. „Lass mich in Ruhe“, schnauzte er und lief weg.

Chester kam nicht weit, da er am Arm zurückgehalten wurde und wütend riss er sich los. „Was willst du Talinda?“

Überrumpelt zog sich ihre Hand weg und sah ihn verwundert an. „Was ist los? Du sahst nicht gut aus.“

Chester zog kräftig an der Kippe. Er blinzelte ein paar Mal und schüttelte die Augen verdrehend mit dem Kopf. „Ich wüsste nicht, was dich das angeht. Wir kennen uns eigentlich gar nicht.“

Sie zuckte mit den Schultern. Verunsichert klammerte sie sich an ihre Tasche. „Wir hatten doch einen schönen Tag.“

„Schön nenne ich etwas anderes.“, keifte er und drehte sich erneut ab. Talinda ließ nicht locker und lief ihm hinter her. Ihre Stöckelschuhe klackten laut und dröhnten in Chesters Ohren.

„Chester sei nicht so. Und dafür entschuldigen werde ich mich auch nicht, damals hatte es dir ziemlich gefallen“, versuchte sie, sich zu rechtfertigen, und suchte seinen Blick. Er zog erneut an der Kippe und schnipste sie dann weg. Der Junge blieb stehen und blies einen Schwall Rauch aus.

„Weißt du…“, meinte er, schien kurz zu zögern. Er seufzte und zog einen Zettel hervor, um diesen ihr zugeben. „Besorg mir das – bitte… ich bekomme es sonst nicht.“

„Wieso glaubst du, dass ich-“

„Bitte Talinda.“, hauchte er und klang mehr als nur verzweifelt. Seine Anliegen war eine einziges Flehen. Sie überflog kurz das was auf dem Zettel aufgeschrieben stand. Sie schluckte und sah zögernd auf. „Uhm, Chester, das sind-“

„Ich weiß...“, flüsterte er und spürte erneut Tränen, die sein Gesicht benetzten.

„So einfach ist das nicht… das sind nicht einfach nur-“

Chester stöhnte genervt und schniefend riss er ihr den Zettel wieder aus der Hand. „Dann möchte ich nichts mit dir zu tun haben“, knirschte er mit den Zähnen. Talinda seufzte und hielt ihn erneut zurück. Sie zog ihn plötzlich in eine Umarmung. Zuerst verspannte er sich, doch schloss seine Arme dann doch haltsuchend um ihren zierlichen Körper.

„Treff mich heute um Zwölf. Hier.“, flüsterte sie ihm ins Ohr. Sie löste sich dann sofort. Talinda schenkte ihm einen weiteren mitfühlenden Blick und stolzierte dann von ihm. Der Sänger sah ihr nach und wischte sich sein Gesicht trocken. Er schniefte, bevor er auf die Uhr schaute.

Da es nicht mehr lange war, bis sich Talinda wieder mit ihm traf, entschied sich der Sänger, zu warten. Es war nicht mehr wichtig. Sein Ausflug hat länger gedauert als vermutet. Mike und Brad schliefen nicht mehr und hatten sein Fehlen bemerkt.

-

Mike rollte sich über die Couch. Langsam wachte er auf. Verwirrung breitete sich in ihm aus und sein Blick fokussierte sich zur Decke hinauf. Er überlegte was an dem Morgen so anders war, bis er realisierte, dass er quer über das Sofa gestreckt lag. Er sah sich um, doch fand seinen Freund nicht neben sich vor.

Der Halbjapaner brummte, als er das Kissen des Sängers an sich zog. Er umarmte es und sog dessen betörenden Geruch ein. Genießend schloss er nochmals die Augen. Ohne mit dem Älteren aufzuwachen war komisch. Er vermisste ihn, da er sich zu schnell an Chesters warmen Körper neben sich gewöhnt hatte. Mike lachte leise über sich, aber genoss das heftige Kribbeln im Bauch, als er an seinen Freund dachte. Er war Hals über Kopf verknallt. Mike fand es unvorstellbar, ohne Chester zu leben. Er hatte den Menschen getroffen, mit dem er durch dick und dünn gehen wollte. Er hatte den Richtigen gefunden.

Langsam rappelte er sich auf. Er entschied sich, dem anderen nicht nachzusehnen, stattdessen wollte Mike ihn suchen und in seine Arme ziehen. Sein Blick fiel das erste Mal auf die Uhrzeit. Stöhnend stellte er fest, dass es kurz vor Zwölf war. Mike schüttelte den Kopf und wischte sich über das Gesicht. Dann griff er nach seinem Kissen, um es gezielt durch den Raum zuwerfen. Schließlich traf es Brad am Kopf.
„Aufstehen, Delson“, rief er aus, doch gähnte daraufhin selbst. „Wir haben bald Probe. Ist schon nach halb Zwölf.“, seufzte er und fragte sich, wie es Chester ausgehalten hatte ihn solange nicht zu wecken. Der Ältere liebte es, ihn mit neckischen Küssen aus dem Schlaf zu reißen.

Brad atmete tief ein, langsam setzte er sich auf. Mit kleinen Augen sah er zu dem Emcee. „Ich weiß. Ich wälze mich schon eine Weile – keinen Bock aufzustehen.“, murmelte er, während er seinen Blick durch sein Zimmer schweifen ließ. Verwirrt lupfte er eine Augenbraue. „Chester schon auf?“

Mike hüpfte von der Schlafcouch, schnappte nach seiner alten Jeans und schlüpfte zügig hinein. Dabei sprang er auf und ab, als er sie hochzog. Sein T-Shirt, in dem er geschlafen hatte, strich er nur glatt, daraufhin rubbelte er sich kurz über die Haare. Er zuckte mit den Schultern, schnappte nach Brads Jeans und warf sie ihm ins Gesicht. „Ja offenbar. Er war auch früher im Bett. Komm schon, mach dich fertig“, meinte er von der Zimmertür aus. „Ich hoffe, er hat Kaffee für uns. Literweise.“

Mike lief durch den Flur. Er bemerkte, wie seltsam still es in dem Haus war. Chester war nicht bei ihm und der Sänger war ein aufgedrehter Wirbelwind, der entweder um ihn herumtänzelte oder an ihm klebte. Nahezu empfand er die Leere. „Ches?“, rief er, als er die Treppen hinunterlief. Es gefiel ihm nicht, er bevorzugte es von dem Älteren belagert zu werden.

Es hallte keine Antwort zurück. Mike sah sich in den einzelnen Räumen um. Hinter jedem Eck hatte er den Älteren, wie ein kleines Fangirl kichernd erwartet. Bereit, ihn anzuspringen. Der Emcee stellte brummend fest, dass er ihn im gesamten Haus nicht vorfand. Mike lief in die Küche. Da die Kaffeemaschine leer war, nahm er sich das Pulver aus den Schränken und setzte eine neue Kanne an. Dabei entschied er sich, als letzte Chance seinen Freund zu finden, in die Garage zu gucken.

„Chest-... uhm?“, murmelte er überrascht. Mike war überzeugt gewesen, den Sänger in ihrem Proberaum zu finden. Als er jedoch in die Garage hinaustrat, war diese dunkel. Er drückte den Schalter, damit das Tor hinauffuhr, und spähte über die Auffahrt. Der Halbjapaner ließ es wieder hinab und versuchte sein Glück im Hintergarten, aber Chester war nicht da. Nervös eilte er in Brads Zimmer zurück und stieß die Tür auf. „Ist er bei dir?“

Bard zuckte erschrocken. „Wer?“, fragte er plump, als er sich zu ihm drehte.

„Chester“, keuchte Mike atemlos. Er hatte gehofft, sie hätten sich durch einen dummen Zufall verpasst. Der Sänger wäre zurück ins Zimmer gegangen, als er überall nach ihm suchte.

„Uhm, nein?“, murmelte der Gitarrist verwirrt.

„E-Er… i-ist nicht da.“, hauchte Mike flüsternd. Er war verwirrt, starrte seinen Kumpel mit vor Horror gezeichneten Augen an. „Wo kann er sein? I-Ich mein…“
Der Emcee brach ab, schnappte nach Luft und seine Hände fingen zu zittern an. Sein Blick lag hilfesuchend auf dem Gitarristen. „Er kennt sich hier doch nicht aus… wo kann er hin sein?“

Brad hob die Augenbrauen tief in die Stirn und schüttelte den Kopf. Er kam auf seinen aufgelösten Freund zu und legte ihm eine Hand auf die Schulter. „Beruhige dich, Mike“, meinte er bittend. „Ihm wird es schon gut gehen. Er ist alt genug auf sich aufzupassen. Vielleicht ist er nur zu einem der Jungs und kommt dann zur Probe.“

Unzufrieden mit Brads Antwort stieß Mike ihn zurück. Erzürnt stampfte er aus dem Zimmer, dicht gefolgt von dem Gitarristen. „Das ist überhaupt nicht seine Art!“, schimpfte der Emcee klang nicht mehr besorgt, sondern wütend.

Brad seufzte, packte Mike am Handgelenk, als sie im Erdgeschoss waren und zog ihn zur Garage. „Komm warten wir auf ihn. Wir rennen nun nicht ziellos durch die Gegend. Ihm wird schon niemand ohne unser Bemerken aus dem Bett entführt haben.“

„Das ist überhaupt nicht lustig, Bradford.“, schnauzte Mike, ließ sich beleidigt auf der Couch nieder. Brad hatte Recht. Er führte sich zu sehr auf.

„Es war auch nicht als Scherz gemeint. Es ist Fakt, Michael. Er ist kein Kind“, entgegnete der Gitarrist ihm. Sobald Mike seine beiden Bandkollegen in der Einfahrt entdeckte war seine Aufmerksamkeit dahin. Er stürzte sich auf und lief hastig zu ihnen.

Unruhig suchte er die Gegend ab und schüttelte panisch den Kopf. „Ist Chester nicht bei euch?“, fragte er drängend, als er die beiden mit scharfem Blick musterte.

Joe sah überrumpelt zu Rob und schüttelte dann den Kopf. „Nein, wieso sollte er?“, fragte er verwundert zurück. Ohne eine Antwort abzuwarten, lief er mit dem Drummer an Mike vorbei in die Garage. Beide ließen sich auf der Couch nieder.

Mike keuchte, drehte sich aufgebracht um und schmiss die Arme über den Kopf. Genervt stampfte zu seinen Freunden. „Na, weil er weg ist!“

„Wer ist weg?“, fragte jemand hinter ihm. Erschrocken zusammenzuckend drehte Mike sich auf seinen Fersen um und bekam Dave vors Gesicht. Der Emcee japste, brummend verzog er die Augenbrauen. Es war ein komisches Timing. Blitzartig baute sich ein Verdacht in ihm auf, er kam einen Schritt auf ihn zu und hielt ihm den Zeigefinger hin. „Hast du etwas damit zu tun, huh? Wo ist Chester, verdammt? Du warst schon die ganze Zeit ein Arsch!“

Dave atmete tief ein und mit einem schmutzigen Grinsen verschränkte er die Arme. Er sah durch die kleine Runde, grinste dann wieder provokativ zu dem Emcee. „Ich hab einen Scheiß damit zu tun, aber hier die sollten dich interessieren, Michael.“, meinte er und griff in seine Hosentasche. Er zog ein Foto hervor. Durch das Herumtragen war es an den Ecken geknickt. Es war ein Polaroid, allerdings war die Machart das einzige Altmodische. Das Bild wirkte neu.

„Was ist das?“, hauchte Mike, als er sie mit zittrigen Fingern entgegennahm und er darauf Chester entdeckte. „Talinda?“

Dave trat näher. Er pikste seinen Zeigefinger gegen Mikes Brust. „Ich hab es euch allen gesagt, was für ein Mistkerl er ist“, schnaubte er grimmig. Er sah Mike am ganzen Körper zittern.

„Woher ist das?“, keuchte der Halbjapaner. Er schmiss es verachtend auf den Couchtisch. Er vertraute seinem Freund. Der Emcee hielt das Foto nicht für echt. Es zeigte nicht einmal etwas Verfängliches. Man erkannte einzig, dass Chester mit Talinda sprach. Brad, Joe sowie Rob schnappten nach dem Bild und bildeten sich ihre eigene Meinung.

Dave grinste, zuckte lapidar mit einer Schulter. „Ich helfe Mark mit seinem Projekt für den Sommer und wie es der Zufall manchmal so will, brauchten wir dazu eine Polariotkamera. Und da stand plötzlich Chester mit Talinda rum.“

„Foire von Tasty Snax?“, brummte Mike, langsam genervt von seinem ehemaligen Freund.

Dave nickte bestätigend. „Hör zu, Mike, wir waren in einer Band und sind doch eigentlich noch immer Freunde. Ich will einfach nur, dass du vorsichtig mit ihm bist. Stelle ihm dazu Fragen oder nicht. Ich bin ohnehin raus“, erklärte er sich ruhig. Dave wirkte dabei ehrlich und als würde er es tatsächlich aus reiner Fürsorge um Mike tun. Die Zweifel ließen nicht von dem Emcee ab. Daves Grinsen war zu überheblich und siegessicher gewesen, als er zu ihnen gekommen war.

Der ehemalige Bassist drehte sich weg, um die Garage wieder zu verlassen. Er ließ das Beweisfoto auf dem Tisch liegen, ließ die Jungs mit ihren Theorien darüber zurück. Mike sah ihm kurz mit zusammengekniffenen Augen nach und wandte sich dann ab. Er setzte sich zu Brad, nahm ihm das Bild wieder zur Hand und seufzte.

Chester unterhielt sich. Mike versuchte sich das einzureden, dennoch warf es mehr Fragen auf. Immerhin war er heute einfach verschwunden. Traf er sich mit ihr? Wenn ja, wie lange schon? Wie hatte er es geschafft, wenn sie kaum Zeit voneinander getrennt verbrachten?

„Dafür gibt es sicher eine Erklärung, Mike. Rede einfach mit Cheste.“, schlug Rob vor. Er verschluckte sich fast an seinen eigenen Worten, als er den Sänger im Augenwinkel auf einmal erkannte.

Mike zuckte und stand augenblicklich auf. Er fiel dem Älteren um den Hals und drückte sich eng an ihn. „Wo warst du?“

Chester legte zögerlich die Arme um seinen Freund. Sanft biss er sich auf die Lippen. „Etwas wegen dem Unistart… sorry, ich-… ich hab wohl vergessen etwas zu erwähnen.“, murmelte er und drückte sein Gesicht versteckend gegen Mikes Halsbeuge. „Ich hab dich vermisst, Baby.“

Mike zog ihn von sich, setzte einen sanften Kuss gegen die schmalen, weichen Lippen Chesters. „Du hast mir einen Schrecken eingejagt“, murmelte er und zog ihn dann mit sich auf die Couch. Der Emcee zog an der Hand auf seinen Schoß. Er wollte für die nächste Zeit nicht von dem Älteren ablassen.

Chester verspannte sich, sobald er seinen Rucksack neben dem Tisch fallen gelassen hatte und das Bild entdeckte. Erschrocken huschte sein Blick durch die Runde und landete wieder zurück auf dem Foto. Langsam beugte er sich nach vorn, fischte überrascht danach. Mit großen Augen starrte er darauf und fragte sich, wie es sein passieren konnte, fotografiert zu werden. „Woher-… ich…“

Mike drückte ihn an sich, sodass Chester mit dem Rücken gegen seinen Oberkörper lehnte. „Das hat Dave gebracht. Kannst du es mir erklären?“, fragte er leise. Der Emcee hatte keine Lust zu reden, doch es war zu spät, Chester hielt das Polaroid in der Hand. Es war sinnlos nicht darüber zu sprechen.

Chester warf das Foto von sich in Richtung Tisch, es flog nicht weit genug und segelte dann zu Boden. Er rutschte von Mikes Schoß auf die Couch und drehte sich dabei, somit er sich an den Jüngeren fest ankuscheln konnte. „Sie laberte mich an, als ich zurücklaufen wollte. Sie hat mich einfach nur wieder erkannt, ich hab ihr gesagt, dass sie verschwinden soll.“, murmelte er. „Wollen wir nun proben?“

Joe nickte knapp. „Sobald Kyle aufgetaucht ist.“

-

Die Band bedankte sich bei Kyle, dass er für Dave einsprang. Kyle lächelte, zuckte unbekümmert mit den Schultern und winkte es ab. Er genoss Bass in einer richtigen Band zu spielen, seit seine Band sich aufgelöst hatte. Er schnappte sich Rob, da die beiden ein wenig zum Skatepark wollten und Joe verabschiedete sich von ihrem Pärchen und dem Gitarristen ebenfalls.

Zu dritt räumten sie auf, als Charlene wieder nach Hause kam. Sie half den Jungs und stellte sich dann an den Herd, um für sie alle zu Abend zu kochen. Chester setzte sich mit Mike an den Esstisch und sahen ihr zu, während Brad sich in sein Zimmer verkroch. „Wie war dein Vorstellungsgespräch?“, fragte Chester aufmerksam.

„Sehr gut, ich hab den Job, Chazy“, lächelte die Mutter. Sie schenkte sich den letzten Schluck Wein, den sie zum Kochen benötigt hatte, in ein Glas. „Sobald ich das erste Gehalt bekommen habe, suchen wir uns ein eigenes Zuhause“, grinste sie. Sie war erleichtert über diese positive Wandlung. Charlene war unheimlich dankbar, für Rebeccas Großzügigkeit, doch sie wollte die Delsons nicht mehr länger belasten. Sie selbst sehnte sich nach mehr Privatsphäre und Selbständigkeit.

„Wow! Mom! Glückwunsch!“, schrie Chester euphorisiert hervor und sprang von seinem Platz auf. Er rannte um den Tisch zu ihr. Glücklich fiel er ihr um den Hals.

Charlene lachte, während sie ihren Sohn zurückdrückte. Dann rührte sie alle Töpfe nochmals durch. Sie nippte an ihrem Glas. Gemeinsam mit Chester lief sie zurück zum Esstisch zu Mike, der scheu lächelte. „Das klingt wundervoll, Charlene.“

Die Mutter lächelte zu ihren beiden Jungs und drückte Chester einen Kuss gegen die Schläfe. „Ja.“, hauchte sie selbstsicher nickend. „Es geht wieder bergauf.“

Mike biss sich leicht auf die Lippe und spielte nervös mit seinen Fingern. Er freute sich unheimlich für Mrs. Bennington, trotzdem konnte er nicht sagen, was passieren würde, wenn Charlene mit Chester wegzog.

„Keine Angst, Michael. Falls sich das zu dem Zeitpunkt noch nicht wieder mit deinen Eltern geklärt hat, ziehst du mit zu uns“, meinte sie und ließ von ihrem Sohn ab. Sie stellte ihr Glas Wein ab und ließ sich auf den Stuhl neben dem Freund ihres Sohnes nieder. Sie bat Chester nach den Töpfen zu sehen und streichelte dem Halbjapaner dann sanft über den Rücken. „Ich habe dir versprochen, dich zu unterstützen und das meinte ich ernst.“

Mike atmete tief durch und spürte Tränen in seinen Augen. „I-Ich… das ist g-großzügig, das kann ich nicht… an-annehmen…“, stotterte er und blickte beschämt auf den Tisch vor sich Chester rührte die blubbernde Soße und beobachtete die Szene besorgt.

Mike nahm einen zittrigen Atemzug. Eine Träne tropfte von seiner Nasenspitze und Charlene zog ihn in eine Umarmung, streichelte ihm beruhigend über den Rücken. Chester blinzelte. Eine Gänsehaut überkam ihn. Er konnte kaum dabei zu sehen, wie sein Freund leise gegen die Schultern seiner Mutter weinte. Es schmerzte und ohnehin war Chesters Tag aufreibend gewesen. Er wollte seine große Liebe nicht verlieren.

Chester hielt es nicht mehr aus und ließ wieder von den Töpfen ab. Er kam zu seiner Familie und sie nahmen ihn in ihre Umarmung. Charlene küsste die beiden Jungs gegen die Stirn. „Wir halten zusammen, wir sind nun eine Familie“, erklärte sie.

Mike versuchte sich zu fassen und schluckte ein paar weiter Tränen. Dennoch schniefte er und rang um ein Lächeln. „Es ist nur… s-so überwältigend… wie geschätzt ich von dir werde, Charlene.“, hauchte er erstickt von Tränen. Chester lehnte seinen Kopf gegen Mikes.

„Ich liebe dich-… euch beide“, betonte sie. Sie ließ von den Jungs ab und streichelte ihnen flüchtig über die Köpfe, bevor sie ihr Glas wieder nahm und sich um das Abendessen kümmerte.

„Sie meint es ernst, Babe“, murmelte Chester und zog sich dabei enger an den Halbjapaner.

„I-Ich weiß…“, hauchte Mike nickend. Er kuschelte sich an Chesters schmächtigen Körper. Überwältigt schloss er die Augen und spürte, wie er erschauderte. Es war überwältigend. Seine eigene Familie verstieß ihn, doch die Benningtons nahmen ihn mit viel Liebe auf. „I-Ich fühle mich… a-aber-“

„Shh, ruhig, ist okay“, unterbrach ihn Chester. Der Sänger vergrub sein Gesicht in Mikes dichtem Haar und sog dessen Shampoogeruch tief ein. „Mom würde darüber eh keine Debatte zu lassen. Es ist entschieden. Du bleibst bei uns. Freu dich, wir sind die ganze Zeit zusammen. Keine Minute muss uns trennen, wenn wir das nicht wollen“, säuselte Chester grinsend bei dem Gedanken.

„Ich liebe dich, Babe“, murmelte Mike und klammerte sie fest an den Älteren. „Wir dürfen keine… keine Geheimnisse voreinander haben, Babe…“

Chester schluckte erschrocken, während er sich ein wenig verspannte und sah auf Mike. Der Emcee bemerkte seine unwillkürliche Reaktion und es verpasst ihm einen schmerzhaften Stich, aber erhielt sich zurück nachzuhaken.

„… ich liebe dich auch, Mike.“
Review schreiben
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast