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Fortune Of Life

von Rayden
GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P16 / MaleSlash
Brad Delson Chester Bennington Mike Shinoda
10.05.2014
03.08.2020
33
153.414
6
Alle Kapitel
125 Reviews
Dieses Kapitel
6 Reviews
 
10.05.2014 4.992
 
Neues Update! Vielen lieben Dank für euer reges Feedback zum ersten Kapitel von 'Forunte Of Life'. Ich bin positiv überrascht, über das große Interesse. Danke! :)

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2. Kapitel


Die Sonne hatte ihn schon einige Male geweckt, doch Chester hatte sich noch nicht dazu verleiten lassen, tatsächlich seine Augen zu öffnen. Nun drang allerdings ein offenbar ungeduldiges Hupen an seine Ohren und er schreckte auf. Er zuckte und sah sich etwas verwirrt um, als ein schwarzer SUV auf der Interstate, den ihm vorgehenden Wagen überholte. „Fuck…“, nuschelte er und gähnte dann. „Mom? Wo sind wir?“

„Gute Frage.“, lachte sie und legte eine Hand kurz auf seinen Oberschenkel. Chester sah verwirrt zu ihr und wog ab, wie ernst er diese Antwort nehmen konnte. Er hatte sich auf sie verlassen und daran geglaubt, dass sie wusste, wohin sie fahren musste. Er sah etwas misstrauisch zu ihr.
Sie lächelte versöhnlich. „Ches… die komplette Fahrt ist praktisch über die Interstate 10, vor circa einer dreiviertel Stunde waren wir in Palm Springs. Noch gut eine Stunde, ja? Falls ich mich tatsächlich nicht mehr auskennen sollte, haben wir eine Karte im Handschuhfach.“, zwinkerte sie.

Er nickte erleichtert und grinste nun darüber an seiner Mutter gezweifelt zu haben. Sie hatte noch nicht einmal ein bisschen müder geklungen, als zu dem Zeitpunkt an dem ihre Fahrt gestartet hatte. Chester seufzte und kramte eine Zigarette aus seiner Hosentasche hervor.

Seine Mutter verdrehte spielend die Augen und als er den Glimmstängel zwischen seine schmalen Lippen steckte, um nach einem Feuerzeug zu suchen, schnappte sie sich diesen. „Mom!“, klagte ihr Junge augenblicklich, nachdem er seinen gesuchten Gegenstand in der Hand hielt.

„Zünde an. Ich brauche die nun einfach…“, meinte sie und beugte sich etwas zu ihm. Die Zigarette zwischen ihren Lippen hatte auf und ab getänzelt, als sie gesprochen hatte. Er seufzte und hielt ihr das Feuer hin. Sie zog und paffte den ersten Zug. „Danke, Chazy. Wenn du hungrig oder durstig bist… ich hatte vorhin kurz gehalten, hinter deinem Sitz ist etwas.“

Chester nickte noch etwas ausgelaugt und knüllte die nun leere Zigarettenschachtel zusammen. Er suchte nach einer Neuen in seinen Sachen auf der Rückbank. Als er eine Schachtel fand, nahm er sich auch gleich eine Flasche Wasser mit nach vorn. Er nahm einen kleinen Schluck und zündete sich schließlich ebenfalls eine Zigarette an. Genüsslich inhalierte einen langen Zug. „Auch Bier?“

„Chaz!“, rügte seine Mutter ihn grinsend und schüttelte den Kopf. Sie wusste jedoch, dass sie dies als Spaß verstehen konnte. Chester war in dieser Hinsicht anständig und ließ sich nicht mehr oder weniger verleiten, wie jeder neugierige Jugendliche. „Bier macht einen Bauch. Du musst etwas mehr auf dich achten, wenn du mir eine Freundin vorstellen möchtest.“

Ihr Sohn schnaubte amüsiert. „Mom, man kann meine Rippen erkennen…“

„Oh verdammt, wo ist das Bier!“, keuchte sie gespielt empört und hörte ihn leise lachen. Sie fühlte sich stolz, dass sie ihn belustigen konnte. Sie liebte sein Lachen und fand jeden noch so kurzen Moment in dem ihre Ohren diesen Klang einfangen durften besonders. Gerade weil es in den letzten Jahren so selten geworden war.

„Ich liebe dich, mein Schatz.“, hörte sie sich selbst sagen, ohne es wirklich geplant zu haben. Ihr Sohn wirkte entspannter und ließ sich auf ihre Späße ein. Seine Aura strahlte seine einzigartige Persönlichkeit aus, nicht mehr Angst und Unsicherheit. Es bestätigte sie, dass sie richtig handelte und sie war glücklich auf Brian endlich gehört zu haben.

Chester sah zu ihr und nickte leicht. Er legte seine Hand auf ihre und drückte sie etwas. „Ich dich auch, Mom.“, murmelte er leise und zog stark an seiner Kippe. „Warum quatscht du ständig von einer Freundin?“

Seine Mutter japste nach Luft und hielt ihre Hand vor den Mund. Ihre Augen funkelten belustigt, als sie zu ihm schielte. „Baby, ich will dich nicht diskriminieren. Wenn dir ein Junge gefällt, darfst du ihn mir auch vorstellen.“, grinste sie und hob ihre Augenbrauen, während ihre Augen zwischen ihm und der Straße hin und her huschten.

„Hm.“, brummte er. Mit einem schmalen Grinsen zuckte er mit einer Schulter. „Könnte möglich sein das ich verweichlicht bin, weil du mich immer Baby nennst.“

Sie schnaubte etwas und schüttelte den Kopf. „Unsinn, Baby.“

„Sean war schon echt hot!“, grinste er und meinte es einerseits sogar ziemlich ernst. Er hatte nichts gegen Homosexuelle und würde auch selbst hin und wieder einen Jungen für attraktiv betiteln. „Soweit ich weiß, stehe ich auf Mädchen…“, verdrehte er gespielt die Augen. „Bisher jedenfalls.“

Sie lächelte sanft. „Sam war wundervoll.“, schwärmte sie und dachte an das nette Mädchen zurück. Sie hatte Samantha sehr gemocht, da sie ihren Sohn nicht gleich verurteilt hatte. Samantha hatte über die Geschichten hinweg gesehen und Chester richtig kennen gelernt. Sie hatte ihn aufleben lassen und ihm geholfen. „Ich möchte nur, dass du wieder jemanden findest dem du vertrauen kannst, Chaz. Du brauchst auch jemand anderen als mich.“

„Daheim hatte ich auch Freunde.“, kommentierte er und fühlte sich ein wenig angegriffen. Er war schließlich kein Außenseiter gewesen oder etwas in solcher Art. Er war nicht der beliebte Sportheld gewesen.  Es war nicht gerade die Ausnahme gewesen, dass hinter seinem Rücken getuschelt und auf ihn gezeigt worden war, doch eine Clique die zu ihm hielt hatte er besessen. Seufzend schmiss er den Zigarettenstummel aus dem Fenster.

„Ja, aber hast du dich mit ihnen auch so unterhalten können, wie mit Sam?“, zeigte sie ihm auf und auch wenn sie dies als Frage gestellt hatte, so war dies eigentlich ein Fakt an dem es nichts zu rütteln gab. Chester presste seine Lippen aufeinander und schüttelte kleinlaut den Kopf.

„Ich weiß, du wirst dein Ding machen.“, lächelte Charlene und streichelte ihm über die Schulter. „Lass mich dir helfen. Ich bin deine Mutter, ich will nur das Beste für dich. Ich habe nur Angst, dass es nicht die richtige Entscheidung war nach Agoura zu gehen.“

„Ich… Mom, ich bin auch für dich da.“, seufzte Chester und lächelte leicht. Er beugte sich zu ihr und küsste ihre Wange sanft. „Nur deinetwegen bin ich niemals abgehauen. Wir sind für einander da und genau deswegen ist es egal wohin wir gehen. Außerdem ist es überall besser, als bei Dad.“

„Ja.“, hauchte sie und unterdrückte ein paar Tränen. Ihr Herz klopfte schwer. „Du bist mein ganzer Stolz, Ches. Es tut mir so vieles, so unendlich leid und trotz allem bist du so großartig geworden.“

„Deine Eigenschaften.“, grinste er und spürte wie er sich etwas geschmeichelt fühlte. Er sah aus dem Fenster und seufzte. „Wie… wie lange noch?“

„Ein bisschen… aber wir sind schon so gut wie da.“, meinte sie und war erleichtert über den Themawechsel. Es war schön gewesen darüber zu reden, doch auch viel zu sehr aufwühlend.

„Ich muss aber nicht so tun, als wäre ich Lakers Fan?“, schnappte Chester gespielt empört nach Luft und lachte dann etwas. Er rutschte tiefer in seinen Sitz.

„Nicht doch.“, meinte sie und begann zu lachen.

-

„Bradford? Bradford!“, rief seine Mutter aus und kam stampfend in sein Zimmer gestürmt. Sie schnappte nach Luft und entriss ihm verärgert seine Decke. „Bradford Philipp Delson! Ich hatte schon vor einer Stunde gerufen, dass du dich fertig machen sollst."

Brad brummte seufzend und blickte auf seinen Wecker. Sie hatte Recht und auch wenn er es nicht wollte, fühlte er sich schlecht darüber. „Sorry, ich bin nochmal… eingeschlafen…“

„Nun aber auf jetzt! Beeil dich, Charlene und Chester sind sicherlich bald hier.“, meinte sie mit warnendem Blick. Brad nickte und schleppte sich aus seinem Bett, als seine Mutter sein Zimmer wieder hastig verließ. Er seufzte und schloss kurz, sich selbst bemitleidend, die Augen, ehe er zum Badezimmer schlürfte und sich duschte.

Eine halbe Stunde später kam er die Treppen herunter gelaufen. Seine Mutter huschte durch die Küche und sein Vater saß am Küchentisch mit einer Zeitung in der Hand. Er gab offenbar nur vor zu lesen, denn sein Blick galt oft seiner Frau, die sich viel zu verrückt machte.
„Guten Morgen, Brad.“, grüßte er schließlich seinen Sohn und deutete auf einen Stuhl. „Steh deiner Mutter nicht im Weg, Sohn.“, meinte er und nachdem Brad ihm Folge leistete beugte er sich nochmals zu ihm. „Sonst flippt sie noch – man könnte annehmen, der Präsident kommt zu uns.“

Brad blickte über den reichlich gedeckten Frühstückstisch und das gute Geschirr. Beeindruckt hob er seine Augenbrauen und nickte amüsiert seinem Vater zu. „So schön gedeckt bekomme ich es nicht mal zum Geburtstag.“, grinste er und der Ältere unterdrückte ein Auflachen, während er ihm zustimmend auf die Schulter klopfte.

„Seid nicht albern.“, brummte Rebecca und sah ihre beiden Männer warnend an, ehe sie explizit auf ihren Sohn zeigte. „Sei nett zu Chester und zeig ihm Agoura ein wenig, lass ihn deine Freunde kennen lernen.“

„Ja Mom!“, seufzte er langgezogen und sah sie bittend an. Er wusste schließlich, dass ihr der Besuch wichtig war und er wusste auch wie er sich entsprechend zu verhalten hatte. Sein Magen knurrte und er blickte sehnsüchtig auf ihren Frühstückstisch, doch er würde noch auf ihre Gäste warten müssen. „Wie ist Chester so?“, fragte er.

„Du, Schatz… ich kenn ihn doch auch nicht. Er soll aber ein netter Junge sein.“, meinte Rebecca, als sie sich nun an die Küchenzeile lehnte und ihre Arme verschränkte. Sie hörte dem Gluckern der Kaffeemaschine zu und überlegte angestrengt, ob sie noch etwas vergessen hatte zu erledigen.

„Und warum kommen sie her?“, erkundigte sich Brad weiter. Er wollte endlich mehr über die beiden wissen. Er hatte sonst einfach kein gutes Gefühl. Alles erschien ihm so wage, selbst seine Mutter kannte ihre Freundin nicht mehr wirklich und doch war sie so hilfsbereit. Es erschien ihm beinahe überstürzt.

„Charlene und Chester haben schon viel durchmachen müssen. Sie litten unter Chesters Vater.“, erklärte sie mit strenger Stimme. Sie verspannte sich dabei. Es zeigte Brad, dass noch viel mehr dahinter stecken musste. Rebecca sah aus ihrem Küchenfenster und begann zu lächeln. „Da sind sie ja schon.“, meinte sie erfreut und lief zügig los. „Kommt mit.“

Brad seufzte und sah zu seinem Vater. Dieser presste ebenfalls nicht ganz so begeistert, seine Lippen zusammen und nickte in Richtung Haustür. Sie standen gemeinsam auf und liefen Rebecca nach, die bereits kreischend einer Frau in die Arme fiel.

Charlene grinste breit und war nicht einmal dazu gekommen sich kurz zu strecken, als sie bereits von ihrer Freundin überschwänglich begrüßt wurde. Lachend umarmte sie Rebecca eng und war froh endlich angekommen zu sein. Chester stieg nur langsam aus dem Wagen und blickte etwas kritisch zu seiner Mutter. Er seufzte und drehte sich zum Haus, als er bereits den Rest der Familie Delson auf sie zu laufen sah.

Er musterte den Jüngeren, der sicherlich Bradford sein musste. Er war groß gewachsen und ziemlich schlank. Er hatte kurzes, sehr lockiges Haar. Einen bitteren Gesichtsausdruck hatte er aufgesetzt und Chester wandte seinen Blick ab, da er sich plötzlich unwohl fühlte. Brad schien nicht gerade begeistert zu sein.

„Oh mein Gott, Charlie… sieh dich an. Du siehst so jung wie damals aus, wunderschön.“, lachte Rebecca und streichelte ihrer Freundin an den Oberarmen entlang. Sie musterte sie mit einem Strahlen und schüttelte den Kopf. „Es ist so toll, dass du hier bist.“

Chester sah den beiden Freundinnen zu und schluckte, während er den Wagen umrundete und langsam näher an seine Mutter und die Delsons trat. Er glaubte fehl am Platz zu sein. Rebeccas Sohn strahlte nichts sehr einladendes aus und die Gegend war ziemlich spießig. Es passte nicht zu seinem bisherigen Leben, dass er kannte. Er kannte hiervon gar nichts. Seine Mutter hingegen, hatte schon einmal hier gelebt und hatte Rebecca und vielleicht sogar noch andere Bekannte in der Umgebung.

„Becca.“, seufzte Charlene ein wenig theatralisch und grinste ihre Freundin ebenso überdimensional an. „Ich bin froh, dass du uns deine Hilfe anbietest. Danke.“, lächelte sie und streckte sich nach Chester. Sie zog ihn in eine halbe Umarmung. „Das ist mein Sohn, Chester.“, stellte sie ihn vor und streichelte ihm über seine Schultern, als wäre er noch ein kleiner Junge.

Etwas perplex so plötzlich wieder in das Geschehen gezogen zu werden, räusperte er sich und grinste schief. Er streckte höflich seine Hand heraus und schüttelte die Hand von Rebecca. „Hallo.“, murmelte er und bekam von ihr ein Lächeln geschenkt, das ihn ein bisschen entspannen ließ.

„Bradford? Dan?“, rief Rebecca nach ihrem Sohn und nach ihrem Ehemann. Sie sah über ihre Schulter und lächelte, als ihre beiden Männer an ihre Seite traten. Dan nahm sie an den Hüften und begrüßte Charlene und Chester sofort. „Hi, Charlene… Chester, ich bin Dan.“, meinte er grüßend und sah kurz zu dem Wagen mit dem sie hergekommen waren. „Ich kümmere mich gleich um eure Sachen.“

Rebecca nickte und dankte ihrem Mann, ehe sie Brad heranzog. Der Jugendliche seufzte und grinste gezwungen zu ihren Gästen. „Das ist Bradford. Mein ganzer Stolz.“, meinte seine Mutter und hielt ihn an seinen Schultern, als er ihre Gäste ebenfalls mit einem Händeschütteln begrüßte und ihr einen vorwurfsvollen Blick schenkte.

„Bitte nennt mich Brad, das reicht vollkommen.“, seufzte er und Rebecca drückte etwas seine Schultern. Er nickte beinahe kaum merklich und deutete dann flüchtig zum Haus. „Ich zeig dir… alles, Chester.“

Der ältere Junge biss sich auf die Lippe und nickte dann. „Uhm, ich… nehme gleich noch was mit.“, meinte er leise und deutete wage auf das Auto.

Brad seufzte und musterte den anderen etwas. Er hatte ein ausgeblichenes Stone Temple Pilots T-Shirt an, das noch dazu etwas zu groß war und enge schwarze Jeans. Seine linke hintere Tasche hatte einen weißen Rahmen, von dem Geldbeutel der dort steckte und mit einem silbernen Kettchen an der Hose befestigt war.
Brads Mutter schimpfte ihn oft, er sollte mehr essen, weil er so dünn war, doch Chester schien sogar richtiggehend dürr. Er hatte Tattoos. Sie schimmerten beinahe grell im Sonnenlicht, da sich die Farbe so sehr von der bleichen Haut absetzte. Seine Haare waren offenbar ungemacht, sie kringelten sich zu Locken. Brad wusste nicht genau was er von ihm halten sollte. Er sah gewissermaßen abgewetzt aus; rockig. Er hob sich von allen ab und wenn Brad an sich hinab sah, würde er Chester als cooler betiteln.

Chester hatte bemerkt, dass Brad nur mit ihm sprach und nett war, weil er einfach musste. Wegen seiner Mutter und dem Fakt, dass er in nächster Zeit bei ihnen wohnen würde. Er seufzte und schüttelte für sich den Kopf. Brad sollte machen was er wollte, er würde schon zu Recht kommen. Chester nahm seine Kiste an sich, sowie seine Gitarre. Er mochte den Gedanken nicht, dass dies von Dan hereingetragen wurde. Leicht grinsend kam er wieder zurück.

Brad hob erstaunt seine Augenbrauen und sah auf die Gitarre, die Chester nun in seiner Hand hielt. Er grinste breit und freute sich über diese Gemeinsamkeit. „Du spielst?“, meinte er und nickte auf das Instrument.

Chester zögerte. „Ich halte sie zum Spaß.“, verdrehte er die Augen, jedoch grinste er daraufhin.

„Besser als ich wirst du kaum sein.“, schnaubte Brad amüsiert und hob seine Augenbrauen. Er drehte sich schließlich ab. Seine Hände gelangweilt in seine Hostentaschen gesteckt, gab er die Richtung vor. Er führte den neuen Jungen über ihren Vorgarten zum Haus. Im Flur blieb er stehen.
„Küche, Wohnzimmer, Büro und Gästezimmer sind hier unten. Zieh deine Schuhe aus und komm mit.“, erklärte er knapp und wartete einen Moment auf Chester. Er lotste ihn die Treppen hinauf und steuerte sofort sein Zimmer an. Der Gitarrist hielt es nicht für nötig Chester jeden Raum explizit zu zeigen und hatte auch keine Lust darauf. „Oben sind unsere Schlafzimmer und das Badzimmer. Mom meint, du pennst bei mir. Die Couch ist deins.“, meinte er relativ wortkarg. Mit einer wagen Gestikulation zum ausgezogenen Schlafsofa ließ er sich auf sein Bett plumpsen.

Mit schwirrenden Augen sah sich Chester neugierig in dem neuen Zimmer um. Er verglich es sofort mit seinem eigenem in Phoenix und musste schnell feststellen, dass Brad verwöhnter war, doch er seines bevorzugen würde. Er lächelte und befand die marineblauen Wände für nicht sehr schön. Langsam ließ er seine Sachen auf seinen neuen Schlafplatz fallen, als sein Blick auf eine Gitarre fiel. „Eine Pau Reed Smith, cool.“, murmelte er und wanderte etwas umher.

Chester ging zu einem offenen Regal, das aus dunklem Holz gemacht wurde und edler aussah, als es vermutlich wirklich war. Im obersten Fach standen ein paar Actionfiguren. Chester lächelte und erkannte, dass diese altes Spielzeug waren, von denen man sich einfach nicht trennen konnte. Thor. Hulk. Iron Man. „Avengers, huh? Wo ist Captian America?“

„Ich bin Marvel-Fan.“, nickte Brad und sah dem Älteren etwas skeptisch bei seinem Rundgang zu. „Hier, auf meinem Nachtkästchen.“

Chester drehte sich verblüfft zu ihm und grinste frech. Sein Blick folgte Brads Finger und er erkannte die Figur, die im Fach fehlte. „Wirklich? Wie alt bist du?“

Brad verzog den Mund. „Halt den Mund. Mach mir nicht weis, dass du keine Actionfiguren hast.“
     
Der Andere lächelte und mit einem kurzen Schulterzucken drehte er sich wieder zum Regal. „Vielleicht.“, murmelte er und wanderte mit seinem Augenmerk ein Fach tiefer. „Luke Skywalker hatte ich… Star Wars gefällt mir.“, erzählte er und las die Rücken von Brads Büchern. Es waren hauptsächlich Comics zu besagten Superhelden und unbeeindruckt wanderte er weiter zu den CDs.

Chester lächelte etwas. Hierbei trafen ihre Geschmäcker wieder etwas mehr zusammen. Metallica. Black Sabbath. Foreigner. „Gott!“, keuchte er und zog breit grinsend eine CD-Hülle hervor. Mit erhobenen Augenbrauen zeigte er sie zu Brad. „Madonna?“

„Ey – Beths!“, schrie er etwas entsetzt auf und deutete zu ihm mit einem fuchtelnden Zeigefinger.

„Beth? Deine Freundin?“, fragte Chester und stellte die CD wieder zurück. Seine Fingerspitzen fuhren über die restlichen Hüllen und er atmete tief durch.

„Elisabeth, meine Schwester. Sie ist auf dem College.“, klärte Brad auf und lehnte sich lässig auf seine Ellenbogen zurück. „Olivia heißt meine Freundin, sie ist über die Ferien nicht da.“, eröffnete er dem noch fremden Jungen.

Chester nickte und drehte sich schließlich wieder zu dem Jüngeren zurück. Er steckte seine Hände tief in seine Hosentaschen und wippte etwas auf seinem Fußballen. Noch immer blickte er sich interessiert um.

„Erzähl doch mal was von dir, Chester?“, meinte Brad und sah ihn eindringlich an. Chester hatte ihm beinahe überhaupt nichts von sich erzählt, obwohl dieser nun bereits genug von ihm wusste. Dennoch begann sich Brad wohl in dessen Nähe zu fühlen. Der fremde Junge war doch ganz sympathisch.

Chester musterte ihn etwas. Lange schwieg er und zuckte dann mit den Schultern. Langsam schlenderte er zur Schlafcouch und setzte sich neben sein Hab und Gut. Etwas verträumt griff er nach seiner Gitarre und strich sanft mit seinen Fingerkuppen über deren Saiten. „Ich bin uninteressant.“

Wartend hatte Brad ihm zugesehen und setzte sich dabei wieder auf. Er grinste etwas. „Hm, du siehst nicht danach aus.“, meinte er versucht ihn zu lockern. „Fang doch damit an, warum ihr Phoenix verlassen habt?“

Ziemlich zögerlich blickte Chester auf. Seine Augen funkelten dunkel und Brad erkannte in ihnen eine Debatte, ob er seine Geschichte erzählen sollte. Brad seufzte. „Ich weiß, dass du keinen super Dad hattest.“

„Dann weißt du genug.“, brummte der Ältere abwehrend und legte sein Instrument zurück. Er atmete tief durch und zog seine Beine zu sich in einen Schneidersitz. Ihm war durchaus bewusst, dass er Brad etwas über sich eröffnen musste. Einerseits um das Thema geschickt von seinem Vater wegzulenken und auch um ihn zufrieden zu stellen. Ferner wollte er ihn auch nur kennen lernen, schließlich teilte er sein Zimmer mit ihm. „Okay. Uhm…“, begann er und fuhr sich überlegend durch die Haare. „Stone Temple Pilots und Led Zeppelin sind super Bands. Ich liebe mein Skateboard, meine Gitarre und zu singen und zu essen.“

„Musikalisch, hm?“, lächelte Brad.

Chester hob den Kopf, wirkte etwas stolz. „Ich kann auch etwas Klavier.“

Sein Gegenüber nickte auffordernd zu ihm und schien etwas amüsiert. „Dann wird dir unsere Garage gefallen.“

Chester musterte den anderen. „Und da ist was?“

„Die Instrumente meiner Jungs. Xero heißt unsere Band. Wir proben dort.“, meinte er mit einer ziemlich aufgeregten Stimme, die Chester ein wenig verwirrte. Brad bemerkte seinen Blick und grinste breit. „Egal. Komm, Mom hat für uns alle Frühstück gemacht. Wenn du es schon magst zu essen.“, zwinkerte er und zierte sich nicht ihn ungläubig zu mustern. Er war so schmächtig.

-

Der Frühstückstisch war reichlich gedeckt und das Geschirr hatte keine ausgeschlagenen Stellen, sowie das Besteck keine Rostpunkte besaß. Bewundernd hatte er den Tisch gemustert, als Brad und er zu den Erwachsenen gestoßen waren. Er kannte so etwas nicht. Es gab viel Auswahl darunter auch Obst, dass sie selbst nur sehr selten zu Hause gehabt hatten, einfach weil es zu teuer war. In Arizona war er zufrieden mit seinen Cheerios gewesen. Hier hatte er die Wahl und er wusste gar nicht genau, was er sich denn nehmen sollte.

Das gemeinsame Frühstücken mit der Delson Familie, war für Chester schließlich eine relativ harte Zerreisprobe geworden. Rebecca schien geradezu wild darauf zu sein, den Sprössling ihrer Freundin näher kennen zu lernen und schenkte ihm keine Verschnaufpause. Nicht einmal die ziemlich eindeutigen und bittenden Blicke zu seiner Mutter schienen zu helfen. Charlene verzog nur entschuldigend den Mund und bat ihn, mit nur einem Blick, brav die Fragen zu beantworten.

„Wie bist du denn in der Schule, Chester?“, fragte sie und sah ihn, erfreut auf eine Antwort, durchringend an.

Chester seufzte innerlich und fühlte sich bereits ziemlich ausgelaugt. Er nickte nur etwas. „B’s im Durchschnitt…“, murmelte er gelangweilt. Er zupfte sich ein paar Weintrauben von dem Stück Rebe, das er sich auf seinen Teller gelegt hatte, und floppte sie sich in den Mund.

Nur unbeabsichtigt sah er zu seiner Mutter, deren Brust gerade anschwoll und leise stöhnte er. „In Englisch, Chemie und Mathematik hat er sogar glatte A’s.“, meinte sie unheimlich stolz und grinste ihn an.

Rebecca Delson lächelte und sah nur flüchtig zu ihrem Sohn. Brad verdrehte die Augen und wusste, sie rügte ihn für seine Faulheit. Er war nicht schlecht, doch würde er nur ein bisschen mehr für die Schule tun, könnten es noch bessere Zensuren sein. Sie fuchtelte ihren Zeigefinger etwas hin und her und Brad sah seinen Vater belustig grinsen. „Brad schöpft sein Potenzial nicht aus…“, seufzte sie theatralisch und richtete ihre Worte dann direkt zu ihrem Sohn. „Im kommenden Schuljahr ändert sich das gefälligst, dann geht es darum auf ein College zu kommen. Weißt du schon, was du machen möchtest, Chester?“

Chester spürte wie er sanft errötete. Zögerlich hob er seine Hand und rieb sich im Nacken, ehe er unwissend die Schultern zuckte.  „Ich habe mir da keine Gedanken gemacht, ich dachte, ich werde mit meiner Band berühmt…“, hauchte er schließlich etwas kleinlaut. Er kam sich albern vor, an seinen Traum geglaubt zu haben, selbst wenn er diesen noch immer nicht aufgegeben hatte.

„Oh.“, grinste Brads Mutter. „… nun, so etwas ist doch eher Hobby.“, murmelte sie weiter. Rebecca wusste sie fing sich mit dieser Aussage keine Sympathien ein. Dazu reichte nur ein kurzer Blick zu Charlenes Sohn und auch Brad war sicherlich nicht darüber erfreut. Er träumte ebenfalls mit Xero irgendwann durchzustarten, ein leidliches Thema am Essenstisch. „Vielleicht kann Chester Mike in Mathe helfen?“, schlug sie daher vor und lenkte das Thema um.

Brad schnaubte etwas. „Mike lässt sich nicht helfen, Mom. Außerdem kennen sie sich noch nicht einmal.“, murrte er noch immer etwas genervt von ihrem Statement, das er nicht so einfach überhören konnte.

„Nun, du triffst dich doch jetzt mit den Jungs.“, hob sie auffordernd die Augenbrauen und lächelte. Brad seufzte und stand auf, er nickte Chester zu. Dieser stand langsam auf und folgte dem Jüngeren.

Sie verließen Charlene und Brads Eltern und der Jüngere seufzte tief und erleichtert, ehe er zu Chester grinste. „Band? Du wirst immer sympathischer.“

„Ich war der Sänger.“, meinte er mit fester Stimme, als sie sich ihre Schuhe anzogen. Brad musterte ihn. Er klang, als wäre er von sich ziemlich überzeugt. „Wer singt bei euch? Ich sag‘ dir ich bin besser.“

„Ziemlich überzeugt, hm… Mark, aber nur in den Ferien. Er geht zum College.“, erzählte Brad und sah kurz überlegend zu ihm.

Chester zuckte unbekümmert mit den Schultern. „Laut deiner Mom, sehr vernünftig.“, grinste er frech und kassierte einen leichten Schlag gegen den Oberarm, ehe er von Brad mit gezogen wurde.

-

Anna warf lachend ihren Kopf zurück und spürte sofort einen Schlag gegen ihre Wade. Grinsend sah sie zu Mike hinab, der auf dem Rücken im weichen Gras lag. Ihr war bewusst was falsch gelaufen war, doch sie fühlte sich kein bisschen schuldig. „Na, schönen Blick unter meinen Rock?“, fragte sie und nahm die Bierflasche zurück in ihre Hände, die sie zwischen ihre Beine geklemmt hatte und versuchte Mike abzufüllen in dem sie etwas in die Hocke ging.

Ihr Freund wischte sich verschüttetes Bier aus dem Gesicht, als sie sich auf seine Brust setzte. Sie stellte die Flasche beiseite in das saftig grüne Gras und lächelte schwärmend zu ihm. „Dein rot-schwarzer Slip, sehr sexy.“, grinste er verrucht und schmatzte.

Anna hob amüsiert ihre Augenbrauen und lehnte sich näher zu ihm. „Ach ja?“, hauchte sie an seinem Ohr. Mike zitterte etwas, als er ihren heißen Atem an seiner Wange spürte. „Gut geraten, aber was ist wenn ich dir sage, dass ich gar kein Höschen anhabe… ups.“

Ein tiefes Brummen ratterte durch seine Lungen und sie sah dabei zu, wie sich seine Augen lustvoll verdunkelten. Sie hob eine Braue und forderte ihn still schweigend auf. Mike verstand und nickte. Nur kurz sah sie sich nach dem anderen Pärchen um, mit denen sie abhingen. Doch Joe und Mark schienen vor sich hin zu dösen. „Ok, schleichen wir uns?“, fragte sie, während sie beide schon aufstanden.

„Mein Zimmer…“, nickte er und schnappte sich ihre Hand, um sie mit sich zu ziehen.

„Hey, Mike!“

„Oh, fuck you Brad!“, stöhnte Mike und verdrehte genervt die Augen. Auch Anna seufzte enttäuscht, als sie Brad sah, wie er um das Haus von Mikes Eltern in den Hintergarten geschlendert kam.

„Du hattest schon immer schlechtes Timing.“, meinte sie und ließ sich von Mike an ihren Hüften heranziehen. Sie bemerkte nun den fremden Jungen, der Brad nach gedackelt kam.

Grinsend zuckte Brad mit den Schultern und sah sich ein wenig um. „Ficken könnt ihr später.“, meinte er unbekümmert und sah kurz um das Pärchen, nur um seine anderen Freunde in einen ziemlich fragwürdigen Zustand zu sehen. Er atmete tief durch und versuchte sich nicht fremd zu schämen. Chester war fast im gleichen Alter, er würde sicherlich verstehen. „Bier, Pot, Sex und es ist noch nicht mal Zwölf?“

Mike presste seine Lippen zusammen und zuckte dann die Schultern. „Eltern arbeiten, Schulferien, jung… na und?“, stellte er eine Gegenfrage und musterte dann den Neuen. Mike wusste wer er sein musste, doch konnte sich nicht mehr an den Namen erinnern. Er nickte auf ihn. „Der Typ?“

Anna atmete tief durch und sah auf die Uhr. Sie entzog sich Mike und schnappte sich dann ihre Tasche. „Sorry, Babe… aber wenn nicht, nun-“, murmelte sie und machte große Augen. „… dann muss ich schon gehen.“, meinte sie und hauchte ihm einen Kuss auf, ehe sie zügig aus dem Garten verschwand. Mike sah ihr lange hinterher und schien sich in diesem Moment gar nicht mehr um die Bekanntschaft mit dem neuen Jungen zu kümmern.

Chester sah ihr ebenfalls kurz nach und fand sie etwas arrogant. Seufzend schnappte er sich einfach eine noch geschlossene Bierflasche, die nicht unweit in einem Planschbecken gekühlt lag. Er schraubte den Deckel ab und zog kräftig an. Ehe er lässig in seine Hosentasche griff und eine Zigarettenschachtel hervor zog. Er fischte sich einen vorgedrehten Joint zwischen den normalen Kippen und ein Feuerzeug hervor.

Er bemerkte, dass Brad und Mike ihm etwas perplex zu sahen und grinste charmant, als er den Spliff zwischen seine dünnen Lippen steckte und ihn unbekümmert entflammte. Er zog und schloss genießend die Augen, dann sah er zu den beiden Freunden. „Was? Ihr seid nicht die Einzigen, die ab und zu einen durchziehen.“, zuckte er mit den Schultern und wandte sich dann zu Mike. „Chester Bennington – aber hey, sagt nichts meiner Mom. Sie ist der Meinung, den bravsten Sohn der Welt zu haben.“

Mike lachte auf. „Muttersöhnchen, huh?“

Chester sah ihn ernst an. Er empfand es nicht als eine Beleidigung, da er es nicht schlimm fand. Jedoch fand er Mike in diesem Moment nicht gerade nett. Er lächelte überlegen und stieß ihn gegen die Brust, während er Brad seinen Joint anbot. „Meine Mom und ich sind ein Team. Du kennst uns und unsere Geschichte nicht. Also halt die Fresse, Mike.“

Brad zog an dem dargebotenen Joint und nickte, als er Mike etwas gegen die Brust schlug. „Chester ist cool, Mike. Fuck, gutes Zeug – hier probiere mal.“

Der Emcee musterte Chester noch ein wenig. Nur nebenher nahm er die Marihuana-Zigarette an, als Brads Handy zu klingeln begann. Der Gitarrist sah strahlend auf den Namen und hob schnell ab. „Baby, hey!“, hörten sie ihn begeistert sagen, als er sich abwandte.

Chester grinste breit und hielt Mikes Musterung stand. Ferner ließ er sich es ebenfalls nicht nehmen. Brads Freund hatte sich noch nicht mit Lorbeeren bereichert und dennoch sagte ihm irgendwas, dass Mike eigentlich völlig okay war. Vielleicht rührte seine abwehrende Haltung einfach nur daher, weil er mit Anna gestört worden war. Neckisch nahm er ihm seinen Joint wieder aus den Fingern und steckte sich ihn selbst in den Mund. „Was ist mit den beiden?“, fragte er schließlich.

Mike drehte sich zu Joe und Mark, die auf einer ihrer Liegen kuschelnd beieinander lagen. „Zu viel Alk und Pot. Lass sie pennen.“

„Jungs!“, platzte nun Brad wieder zurück und strahlte über beide Ohren. Er wirkte ziemlich begeistert und war etwas hektisch. „Chester… bleib bei Mike. Ich muss los. Olivia ist für heute zurück. Bye.“

Sie fühlten sich beide überrannt und konnten gar nicht so schnell reagieren und etwas in Worte fassen, als Brad schon um die Ecke verschwand. Mike blickte nur langsam wieder zu Chester und seufzte etwas.

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tbc.
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