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Fortune Of Life

von Rayden
GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P16 / MaleSlash
Brad Delson Chester Bennington Mike Shinoda
10.05.2014
03.08.2020
33
153.414
6
Alle Kapitel
125 Reviews
Dieses Kapitel
2 Reviews
 
10.05.2014 5.908
 
Aww,  danke für die lieben Reviews  und die neu dazu gekommenen Favs. :*
Heute sogar besonders lang und eines meiner liebsten Kapitel. :) Viel Spaß.


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12. Kapitel



Dave räusperte sich, als er bei den Hahns am Straßenrand parkte und die Handbremse zog. Es dämmerte schon, alles lag in einem nächtlich blauen-orangen Schein und die erleuchteten Zimmer, schimmerten warm und einladend. Im Haus huschten Gestalten vorbei und Dave grinste. Wahrscheinlich waren es Kim und Marion, Joes Eltern. Langsam stieg er aus, es war noch angenehm warm, und lief zur Tür.

Marion begrüßte ihn, mit einem strahlenden Lächeln und roten Pausbäckchen. Ihr Gesicht wirkte rundlich, aber mit ihrem kinnlangen, lockeren Haarschnitt und den koreanischen Gesichtszügen, wirkte es stimmig und freundlich. Sie hielt ein Tablett mit kleinen Häppchen bereit und drückte es ihm, zur Begrüßung, praktisch unter die Nase.

Der Bassist schnappte sich eines davon herab und stopfte es sogleich in den Mund. Schmatzend schielte er durch den Flur und erkannte den Zugang zur Terrasse, durch den offenen Eingang ins Wohnzimmer.
Im Garten erleuchteten bunte Girlanden und Kerzen auf den Tischen. Es war schön dekoriert, doch Marion riss ihn wieder aus den Gedanken. „Mike ist schon hier. Die Jungs sind oben. Essen gibt es in einer Stunde, wenn alle da sind.“

Dave nickte und lief die Treppen hinauf. Die Tür zu Joes Zimmer stand einen Spalt offen und er wollte hinein platzen und sie erschrecken, als er jedoch nochmal innehielt und lauschte. Er spitzte hinein und sah Joe mit Mike auf dem Bett knien und wie sie aus dem Fenster schielten, das darüber war.

„Wann er wohl kommt?“, fragte Mike kläglich und stützte gelangweilt seinen Kopf auf seiner Hand ab. „Ich vermisse ihn.“

„Du solltest erst mit Anna sprechen und mit ihr Schluss machen.“, meinte Joe und wandte sich ab. Er rutschte von seinem Bett und nahm etwas von seinem Schreibtisch. Er hob ein durchsichtiges Tütchen auf und musterte es schief grinsend. „Tolles Zeug. Komm bringen wir es runter, Dave wird wahrscheinlich von meiner Mutter aufgehalten.“

Erschrocken blickte sich der Bassist um und schlich auf Zehenspitzen wieder zur Treppe zurück. Gerade als seine beiden Bandkollegen aus dem Zimmer traten, tat er so als würde er erst hinaufkommen. „Ich weiß gar nicht, wann Anna kommt.“, hörte er noch Mike murmeln.

Dave grinste breit. „Hey. Anna? Ich glaube sie kommt später zusammen mit Lilly…wow, zeig mal.“, polterte er mit leicht nervöser Stimme hervor und schnappte sich das Gras aus Joes Händen. „Dein Dealer ist super, Mike.“

„Uhum.“, knurrte Mike und schnappte sich das Zeug wieder und stopfte es in seine Hosentasche. „Ich mein, es reicht, wenn unsere Eltern Vermutungen haben, aber sehen brauchen sie uns nicht damit… kommt schon gehen wir in den Keller runter.“

-

Zusammen mit den Delsons lief Charlene mit einem glücklichen Lächeln zu dem Haus der Hahns, untergehakt bei ihren Söhnen. Die Luft war lau und frisch. Ein Schauer fiel ihr über den Rücken, aber es war dennoch angenehm.

Charlene genoss die Zeit. Sie hatte keine Angst. Sie war auch nicht auf der Hut. Ihr Mann war weit entfernt und nur noch eine unangenehme Erinnerung. Zusammen mit Chester und Brian konnte sie heute einen schönen Abend genießen und durfte Spaß haben. Herzhaft lachen. Charlene war frei und das war eine atemberaubende Empfindung, denn sie wusste nicht, wann sie sich das letzte Mal so locker und wirklich fröhlich gefühlt hatte.

Sie lachte auf und küsste Chester gegen die Stirn und auch Brian schenkte sie einen liebvollen Kuss. „Ich bin so froh euch beide zu haben.“, hauchte sie und Chester lächelte sanft.

Der jüngste Bennington kämpfte mit trübseligeren Gedanken und stand dem Abend auch ziemlich nervös gegenüber. Chester wusste überhaupt nicht mehr, was er nun wegen Mike tun sollte. Sie wussten von einander, dass zwischen ihnen auf jeden Fall mehr als nur einfache Freundschaft lag und dennoch war nichts geschehen, als sie die  Nacht gemeinsam verbracht hatten. Es war noch nicht einmal zu einem Gesprächsthema geworden. Ferner fühlte sich Chester sehr verunsichert, da Mike am Morgen so hastig verschwunden war. Chester wusste einfach nicht, wo sie gerade standen - was sie waren.

Eine äußerst freundlich wirkende Frau mit asiatischen Gesichtszügen öffnete ihnen die Tür. Sie war relativ klein und wirkte daher speckig, jedoch war sie nicht wirklich dick. Ihre Wangen waren gerötet und ihre Augen blitzten in aufgeregter Freude. „Rebecca, Dan! Schön euch zusehen. Hallo Bradford.“, begrüßte sie zuerst die Delsons mit der ihre Familie befreundet war. Daraufhin jagte Joes Mutter sie schon fast in den Hausflur und bot jedem ein Häppchen an, dann strahlte sie zu der zugezogenen Familie.

Charlene löste sich sanft von ihren Jungs und hielt ihre Hand zu Marion und schüttelte schließlich die der Hausherrin. „Charlene Bennington und meine beiden Söhne Brian und Chester.“, stellte sie sich vor und lächelte strahlend und sehr stolz zu ihren Söhnen. „Brian kam heute zu Besuch, ich hoffe das macht keine Umstände.“

„Oh nein, absolut nicht… ich bin Marion Hahn… je mehr umso lustiger wird der Abend. Kim, mein Mann, hat tonnenweise Bulgogi gemacht! Ein klassisches Gericht aus Korea.“, nickte sie voller Begeisterung, ehe sie fast schon aufgeregt kicherte und ihnen nun erneut Häppchen anbot.

„Kims Bulgogi ist wirklich umwerfend. Das solltet ihr euch wirklich nicht entgehen lassen.“, schwärmte Dan und sah mit funkelnden Augen zu Marion, die angetan kicherte. „Ich werde gleich mal nach Kim sehen…“, zwinkerte er und Joes Mutter nickte nur und deutete in Richtung Terrasse hinaus.

„Falls es jemanden nicht sonderlich schmecken sollte, haben wir natürlich auch für amerikanische Küche gesorgt.“, meinte Marion beschwichtigend, da sie die leicht zweifelnden Blicke erkannt hatte. Sie grinste zu Brad. „Die Jungs sind mit den Mädels schon im Keller… würdest du sie mit Chester holen. In etwa zehn Minuten gibt es essen.“

„Natürlich, Mrs Hahn.“, grinste Brad und zog dann Chester am Arm mit sich. Der Ältere grinste kurzangebunden und atmete tief durch. Marion zeigte auf eine Tür, durch die sie dann eine Treppe hinab nahmen. Chester folgte Brad  angespannt. Die Treppe war aus Holz und knarrte leise unter ihren schweren Schritten. Dennoch konnte der Neue bereits schon oben, die Musik und auch gemischte Gespräche vernehmen.

Chester Herz stolperte und polterte dann schwer weiter. Ihm war ganz heiß geworden, als ihm wieder eingefallen war, dass Anna ebenfalls bei der Party anwesend war. Er hatte sie ganz vergessen gehabt. Erst als Marion ‚die Mädels‘ erwähnt hatte, war es ihm auf einen Schlag wieder eingefallen und angespannt und nervös stieg er nun die Treppen hinab. Es war unangenehm und er hatte keine Lust, kaum etwas mit Mike machen zu dürfen. Chester hatte eigentlich darauf gehofft sich endlich mit ihm auszusprechen, um Klarheit zu bekommen. Nun war er ergriffen von Eifersucht, besonders als er sah, wie Mike einen Arm um Annas Nacken gelegt hatte und sie sich kuschelnd an ihn gelehnt hatte. Ihre Hand lag sanft auf seinem Oberschenkel. Chester hatte nur ein abfälliges Schnauben dafür übrig. Es war schwer dorthin zu sehen und so ließ er seinen Blick schwirren.

Sie saßen alle in Sitzsäcken - Mike mit Anna; Dave mit Lilly und Joe mit Mark. Die Säcke waren im Kreis, um einen kleinen Couchtisch herum, aufgestellt und drei weitere waren noch frei. Chester biss sich heftig auf die Unterlippe. Es störte ihn sich nun einen alleine nehmen zu müssen und auch,  dass er sich dazu zwingen musste nicht zu Mike aufzublicken. Er wollte diese Heuchelei nicht sehen. Am liebsten wäre er einfach wieder umgekehrt.

„Hey Leute… wir sollen in ein paar Minuten hoch zum Essen kommen.“, grüßte nun sein Gastbruder und begann die Runde durchzumachen. Mit den Jungs schlug er ein und den Mädchen schenkte er eine freundliche, leichte Umarmung. Erst als er sich in einen roten Sitzsack fallen ließ, bemerkte er Chester Abwesenheit und tat dies allerdings als ungewisses Zögern ab. „Bist du nun plötzlich schüchtern geworden, Chester? Komm schon.“, meinte er auflachend und nickte in die Runde.

Chester zuckte sanft und atmete tief aus, als er blinzelte und aus seinen starren Gedanken geholt worden war. Er hatte eine Sekunde Blickkontakt mit Mike gehabt, der nicht weniger zusammengezuckt war, als Brad auf gesprochen hatte. Der junge Emcee wusste anscheinend ganz genau, was in Chester Kopf los war. Chester nahm sich zusammen und begann seinen Kopf, als Antwort sanft zu schütteln. Dann begann er ebenso wie Brad durch die Runde zu laufen und  grüßte alle mit einem erzwungenen Grinsen, wobei er sich ziemlich sicher schien, dass sein momentanes Auftreten wohl kaum überzeugend war.

Dave hatte den Neuen ganz genau im Auge. Er hatte noch immer große Zweifel an ihm. Die Geschichte mit seinem Drogenrausch gefiel ihm einfach nicht. Selbst wenn er gerade, wie ein kleiner, unbeholfener Junge wirkte. So verletzlich. Gerade eben würde Dave ihn wohl kaum als Junkie sehen. Trotz allem war der Bassist vorsichtig, er wollte sich nicht von diesem Schein trügen lassen, immerhin hatte er den Jungen total vollgedröhnt mit eigenen Augen gesehen.

Der Rothaarige atmete tief durch, als Chester zu ihm und Lilly kam, um sie richtig zu begrüßen. Er lächelte etwas fälschlich zu dem Älteren auf. Seine leichte Skepsis konnte Dave einfach nicht verstecken. Lilly drückte sich jedenfalls von ihm, nachdem sie ihrem Freund einen Kuss gegen die Wange geschenkt hatte. Sie grinste breit zu dem Neuen und musterte ihn interessiert. „Lilly, Daves Freundin… du siehst richtig niedlich aus.“, kicherte sie und zog ihn daraufhin in eine überschwängliche Umarmung.

Chester wirkte etwas überrumpelt und rümpfte kurz seine Nase, als würde ihm diese sehr offene Art von Lilly nicht sehr zu sagen. Dave spannte sich ebenfalls an. Er hatte seiner Freundin nichts über sein bisheriges Wissen über Chester erzählt. Er versuchte einfach ruhig zu bleiben. Hier waren all seine Freunde, es würde nichts passieren. Dave lachte etwas und schüttelte den Kopf. „Hey, Lil… so etwas will ein Kerl echt nicht hören müssen, das ist bitter.“

„… ist okay.“, hauchte Chester und schluckte dann, als Lilly ihn wieder aus der Umarmung frei ließ. Mike und Anna waren die Nächsten und auch Letzten der Runde. Leicht verzweifelt leckte er sich über die Lippe, bevor er sich auf diese biss und tapfer weiter ging. Er wollte sich endlich setzen dürfen und Mikes Anblick ausweichen.

„Hey Mike… h-hey Anna.“, murmelte er und versuchte dabei den Blick des Emcees zu meiden. So komisch Chester sich auch dabei fühlte, so bevorzugte er es seine Aufmerksamkeit besonders Anna zu widmen. Ihm war bewusst, dass sie seine Konkurrenz war und er konnte sie nicht nur deswegen nicht wirklich leiden. Sie hatte bereits bei ihrer ersten Begegnung einen schlechten Eindruck hinterlassen. Anna hatte ihm kaum eine Chance gelassen und war von vornherein schon ziemlich kühl und abweisend zu ihm gewesen. Doch sie erschien ihm das kleinere Übel zu sein. Immerhin wusste sie nichts von dem was sich zwischen ihm und ihrem Freund anbandelte. Umso schwerfälliger gelang ihm ein ehrliches Grinsen.

Mike atmete tief durch und konnte sich gut vorstellen, was in Chester nun wohl vorgehen musste. Ihm war auch völlig bewusst, dass Chester nicht er selbst war. Seine Stimme war zu dünn und bespickt mit Unsicherheit, besonders stark, als der Ältere bei ihm und Anna stand. Mike biss sich auf die Lippe und fühlte sich schuldig. Er wusste, dass er den Neuen in gewisser Weise verletzt hatte. Doch es war bisher noch keine Zeit gewesen irgendetwas mit Anna zu klären und auch Chester und er hatten noch nichts miteinander geklärt.

Chester gelang es gut sein gekränktes Wesen zu überspielen, dennoch erkannte Mike sein Schauspiel. Betrübt ließ er den Blick von seinem Schwarm gleiten. Etwas in seiner Brust krampfte sich, bei dem Anblick des Älteren. Immerhin war Mike sich bewusst, dass er an Chesters Gemüt Schuld trug. Ein leises Seufzen verließ seine Lippen und unbewusst drückte er Anna haltsuchend an sich. Sie verstand seine Intension nicht und grinste daher nur zufrieden.

Mike entschied sich, dafür vorerst einmal Anna als seine Priorität zu setzen. Der Halbjapaner hatte Chester wirklich stark vermisst und hatte es herbeigesehnt, bis dieser zur Party auftauchte. Doch er konnte mit Anna nichts klären, insofern er nicht wusste, ob Chester es ganz sicher mit ihm versuchen wollte.

Neben dem Sitzsack von Mike und Anna stand der Bierkasten. Durchatmend schnappte der Emcee sich nun zwei neue Flaschen und reichte diese weiter an Brad und Chester. Als er dabei den Älteren ansah, schenkte Mike ihm ein zuversichtliches Lächeln und ein kleines Zwinkern. Sofort blitzten Chesters wunderschön braune Augen auf und auch ein sanftes Lächeln zupfte an den róse schimmernden Lippen, die Mike einfach nur für perfekt geschwungen hielt.

Kurz hielt Mike seinen Atem an und verlor sich in dem Anblick von dem Älteren. Er war so wunderschön. Unbewusst hob er seine Flasche zu einem Trost in die Luft. „Auf Chester, der uns ein guter, neuer Freund sein wird.“, sprach er und hörte ein zustimmendes Raunen und anschließend das Klacken der Glasflaschen, als angestoßen wurde.

„Danke.“, grinste Chester sanft und schenkte dabei Mike einen vielsagenden Blick.

Joe räusperte sich und sah kurz warnend zu Mike. Es war etwas auffällig zwischen den beiden geworden und er wusste, dass Mike es noch geheim halten wollte. Nicht nur wegen Anna. Der DJ wartete bis er die gesamte Aufmerksamkeit seiner Freunde bekommen hatte und deutete dann hinter sich. „Lilly hat uns ganz viele Glibbershots* mitgebracht!“, verkündete er begeistert.

„Oh uh, einen Glibbershot kann ich dir auch geben, Baby.“, raunte Mark plötzlich hervor.

Sofort herrschte Stille im Keller. Jeder schien in gewisser Weise erstarrt vor Schock und Joe drehte zeitlupenartig und mit großen Augen seinen Kopf zu seinem festen Freund. Überrumpelt fiel ihm der Mund ein Stück auf und noch bevor Joe etwas verlauten hatte lassen, prusteten seine Freunde schon lauthals los. Es brachte ihn selbst zu einem leisen Kichern, ehe er gespielt die Nase rümpfte und schwerfällig versuchte eine ernste Miene aufrechtzuhalten.

„Fuck Mark, eww…“, keuchte er und verfiel nun aber selbst dem lauten Gelächter und zog den Älteren schließlich an sich und begann ihn leidenschaftlich zu küssen. „Ist es pervers, dass ich nun angeturnt bin?“,  hauchte Joe nach dem er sich wieder gelöst hatte. Mark zwinkerte nur zufrieden, als sich alle wieder zu beruhigen schienen. Anschließend leerten sie ihre Bierflaschen und entschieden sich dann dafür, nach oben zu sehen.

Sie liefen durch das Wohnzimmer, um auf die Terrasse zu gelangen. Der Hintergarten war sehr schön von Marion und Kim dekoriert worden und es herrschte ein sehr freundliches und angenehmes Ambiente. In der Luft hing ein leckerer Duft von gegrilltem Fleisch und verschiedenen Saucen und Salaten. Einzig Mikes Hand, die Annas feste umschlungen hielt, gefiel Chester gar nicht. Er war hinter ihnen gelaufen und hatte es sich mit ansehen müssen. Seine eigene Hand hatte sich verkrampft und er spürte den dringlichen Wunsch, selbst eine Hand halten zu dürfen. Es klang banal, aber Chester schätzte jegliche kleine Art von Zärtlichkeit.

Die Erwachsenen unterhielten sich angeregt und nippten an ihren Weinen. Als Charlene ihren Sohn erkannte rief sie Chester sofort zu sich. Ein Stuhl zwischen ihr und Brian war für ihn frei geblieben und brummend setzte er sich. Sofort wurde er jedem vorgestellt, dem er noch nicht begegnet war, doch er kümmerte sich kaum darum. Mike und Anna saßen ihm genau gegenüber und er fragte sich bitter, warum er das verdient hatte.

Brian stieß ihn sanft an und Chester sah zu seinem großen Bruder. „Ist doch Mom’s und deine Party, lächle mal ein bisschen, Chazy.“

„Hm, ja richtig…“, nuschelte er und zeigte Brian ein sanftes Grinsen, doch seine Aufmerksamkeit wurde schnell von Joes Mutter eingefordert, als sie sanft mit einem Messer gegen ihr Weinglas schlug. Auch alle anderen Partygäste widmeten sich ihr daraufhin. Erneut und nun ganz offiziell begrüßte sie Charlene und Chester in der Nachbarschaft und hoffte auf eine gute Freundschaft mit ihnen. Nach diesem netten Trost, durfte mit dem essen begonnen werden und Chester blies überfordert seine Wangen auf.

Es gab reichlich von allem, koreanisch sowie heimische Spezialitäten. Chester bemühte sich von allem ein wenig zu probieren und bemerkte auch Marions und Kims neugierige Blicke, wenn er sich etwas von den koreanischen Gerichten auf den Teller lud. Es schmeckte auch wirklich nicht schlecht, doch sein Appetit war nicht sehr groß.

„Oh Mike… Baby!“, hörte er plötzlich Anna kichern und er sah auf. Mike versuchte seine Freundin gerade zu füttern und säuselte ihr offenbar ins Ohr. Sie strahlte und sah wirklich glücklich mit ihm aus. Beinahe hatte er ein schlechtes Gewissen bekommen, ihr dies wohlmöglich wegzunehmen. Irgendwann, vielleicht doch sogar nie.

Chester schnaubte und spürte sein Herz krampfen. Es war unangenehm und trüb blickte er starr auf seinen Teller. Er wünschte sich so sehr an Annas Stelle zu sein und in seinem Frust, nahm er ohne zu zögern das Weinglas seiner Mutter und trank dieses mit zwei großen Schlucken leer. Hier oben hatte er nur kalte Cola bekommen, auf deren Oberfläche eine Zitronenscheibe schwamm und diese würde wohl kaum zu einer gewissen Benommenheit führen, die Chester gerade eben erflehte.

Charlene japste leise und etwas überrascht, doch verstand seinen Beweggrund, als sie Chesters Blick gefolgt war. Ein mitfühlendes Lächeln nahm auf ihren Lippen platz und sanft legte sie ihm eine Hand auf den Rücken. „Mach dir nichts daraus, schnapp ihn dir einfach, Baby.“, ermutigte sie ihren Sohn und drückte ihm dann einen liebevollen Kuss gegen die Stirn. „Er passt viel besser zu dir.“, grinste sie frech und aufmunternd.

Chester verdrehte leicht die Augen und seufzte. „Schon gut, Mom.“, brummte er und sah dann zu ihr auf. „Wir haben noch nicht einmal wirklich miteinander gesprochen. Das war zu erwarten, dass… Anna… da ist…“

„Er muss sie dir allerdings nicht so sehr vorführen. Zeig es ihr einfach, Baby.“, meinte sie und streichelte ihm kurz durch sein Haar.

Chester genoss ihre Zärtlichkeit, aber atmete dennoch tief durch und wandte sich von ihr ab. „Ja, aber dann bemuttere mich nicht so stark, Mom.“

„Bin ich dir etwa peinlich, Baby?“, grinste Charlene und bleckte ihm die Zunge. Chester seufzte und grinste jedoch breit, als er sanft begann den Kopf zu schüttelten.

-

Joe hatte sich als erster vom Tisch entschuldigt. Sein dreckiges Geschirr und das Besteck hatte er mit sich in die Küche genommen. Prüfend hatte er schließlich noch einmal durch das Küchenfenster hinausgesehen, doch Chester schien völlig eingenommen von Mike, während er in einem Gespräch mit seiner Mutter verstrickt war.

Der DJ hatte ihn, während des Essens immer wieder beobachtet und selbst ohne das Wissen, welches er von Mike bekommen hatte, konnte man gut erkennen, dass Chester irgendetwas gewaltig an Mike und Anna störte. Leichte Eifersucht war ihm feurig ins Gesicht geschrieben gestanden und Joe hatte es auf einer Seite wirklich niedlich befunden.

Der Koreaner glaubte, dass die ganze Sache zwischen Mike und Chester wirklich ernst zu nehmen war. Die bereits jetzt schon sehr stark wirkenden Gefühle, die eine gewisse Spannung zwischen den beiden bildete, schienen nicht einfach nur eine Phase aufgrund überschüssiger und jugendlicher Hormone zu sein. Joe glaubte sie waren tatsächlich echt. Auf beiden Seiten.

Der DJ lief in sein Zimmer und holte Sir Archibald Chang. Eigentlich war es sein Plan gewesen, Chester mit Sir Chang einen Schrecken einzujagen, als eine Art Mutprobe. Doch nun versuchte er eine andere Strategie, die Mike und den Neuen näher bringen sollte. Er musste nur Anna etwas zurückhalten und hoffen sein Plan würde so aufgehen, wie er sich diesen vorstellte.

Joe lief wieder zurück auf die Terrasse, doch seine Freunde waren da ebenfalls schon von den Erwachsenen entlassen worden. Er grinste und folgte ihnen wieder in den Keller zurück. Nun konnte die richtige Party für sie beginnen. Joe hielt Anna ein wenig zurück und sah versucht unauffällig immer wieder in die Richtung von Mike, der hinter Chester lief.

„Ich bin vollgefressen.“, jammerte Chester sanft und hielt sich seinen Bauch etwas.

Mike grinste und vermisste Anna noch nicht einmal. „Geht das überhaupt. Du hast gestern Abend so verdammt viel in dich hinein gestopft.“, meinte er sanft und streichelte kaum merklich über Chesters Bauch.

Chester keuchte atemlos und spürte ein unbändiges Kribbeln. Seufzend gab er jedoch nichts darauf und wollte sich wieder setzen, als er etwas auf dem Sack sah. Zuerst erkannte er es nicht. „Fuck! Oh Gott.“, quietschte er auf und zuckte weg und fiel dabei in Mikes Arme. Sein Blick war starr auf die Spinne gerichtete. Als er seine Arme um Mikes Hals schlang und sich stark an ihn drückte. „Mach die weg! Mach die weg!“

Mike lachte sanft und hielt Chester mit einem Arm. Er hatte ihn zärtlich um dessen Taille geschlungen. Er zog ihn etwas weg und genoss dessen Nähe. „Hast du Angst vor Vogelspinnen?“

„Nein.“, wiederlegte er und Mike hob nur seine Augenbrauen. „Wirklich nicht, ich find die nur extrem ekelhaft. Ew, schau dir die doch mal an, Mike!“

„Stimmt.“, lächelte Mike und hätte dem Älteren fast einen zärtlichen Kuss gegen die Schläfe gedrückt, doch dabei war ihm Anna wieder eingefallen. Er drückte sich nunmehr wieder vorsichtig von Chester und sah dann zu Joe. Bei dem Anna auch mit verschränkten Armen stand und ihn etwas argwöhnisch musterte.

Joe kam auf ihn zu und lachte leicht. „Das ist Sir Archibald Chang und er ist voll süß!“, erklärte der DJ und packte Mike sanft am Arm. Er lehnte sich etwas gegen dessen Ohr. „Und Plan Nummer eins ging auf.“, flüsterte er zu ihm und ließ Mike dann stehen, um sich wieder um seine Spinne zu kümmern. Sanft nahm er sie auf die Hände und kam grinsend etwas auf Chester zu, der sich nur erneut unbewusst in Mikes starke Arme flüchtete.

Mark lachte und hatte in der Zwischenzeit für jeden einen Becher mit Whiskey und Cola gemischt. Er reichte jedem einen und sie setzten sich wieder. Joe kam ebenfalls schnell wieder zurück. Sie quatschten und lachten viel, während sie tranken und irgendwann schlug jemand vor ‚Wer hat noch nicht‘ zu spielen.

Es war lustig, aber Dave fand die Aussagen noch etwas bedeutungslos. Ihm fiel das fragwürdige Gespräch zwischen Joe und Mike wieder ein, dass er zufällig belauscht hatte. Er wusste nicht über wen die beiden gesprochen hatten, doch mit dem recht auffälligen Verhalten von Mike und Chester, konnte er sich selbst etwas zusammenreimen.
Er grinste und hob seinen Becher kurz an. „Ich hatte noch nie… uh, homosexuelle Neigungen.“, verkündete er dann und war ziemlich stolz auf sich selbst. Da sie Joe und Mark im Freundeskreis hatten, brachte er sich mit dieser Aussage nicht ganz so sehr in Patrouille.

Joe seufzte etwas, als er seinen Becher anhob und daraus nippte. Sein Kopf war schon etwas von dem Alkohol benebelt, doch er erkannte noch Daves Hintergrund. Ferner beobachtete dieser Mike auch ziemlich scharf. Der Emcee zögerte merklich und schielte zu Chester, der bereits ohne nachzudenken einen Schluck getrunken hatte. Mike brummte und nahm schließlich auch einen.

„Oh mein Gott, Mike!“, japste Anna erschrocken und schlug ihn sanft gegen den Oberarm. Verwirrt schüttelte sie den Kopf. „Wer, huh? Bin ich nicht gut genug?“, fragte sie mit großen Augen und fühlte sich offenbar ziemlich angegriffen.

Er lachte unecht auf und tat es mit einer schnellen Handbewegung ab. „Niemand, Babe. Uhm, noch vor dir, aber nie was… uhm, wirklich ernst… also der wusste, das gar nicht mal.“, log er und grinste schwach. Sie schien nicht sonderlich überzeugt und so zog er sie einfach an sich und küsste sie feste.

Joe schüttelte den Kopf und sah zu Chester, der seinen Becher mit einem Schluck leer trank und dann mit leicht wackligen Beinen aufstand um sich wieder einen Becher zu mischen. „Und ich hab noch nie…  mit Gefühlen anderer gespielt.“, brummte der Neue dabei und Joe zog zischend die Luft durch seine Zähne ein. Dies war ziemlich unpassend gewesen, doch Chester schien seine Hemmungen bereits zu verlieren.

Anna hatte den Kommentar mitbekommen und sah warnend zu Mike. Auch sie bekam mit, dass irgendetwas zwischen Mike und Chester war.  Kleine Gesten und Blicke, die ihr nicht sonderlich gefielen.
Sie schnaubte nur. „Spielen wir Falschendrehen.“, schlug sie vor und wollte einfach nur ablenken. Sie stand auf und holte eine Falsche. Wütend stieß sie dabei Chester warnend an. „Mach dich nicht unbeliebt.“, knurrte sie ihm gefährlich ins Ohr und ging dann wieder zurück.

Chester sah ihr kurz nach und verdrehte die Augen. Er schüttete Cola in seinen Whiskey, doch sein Becher war schon relativ voll und die Cola wirkte nur als Farbtupfer. Er trank einen Schluck und verzog das Gesicht, doch es schmeckte. Langsam kam er wieder zurück, als die Falsche gedreht wurde. Sie blieb zwischen seinem und Brads Sitzplatz stehen und Anna grinste gemein zu ihm. „Chester.“, meinte sie und sah dann zu Mike. „Traust du dich meinen Freund zu küssen?“

„Oh.“, keuchte er, als er sich wieder hingesetzt hatte. Sein Herz stolperte und schien daraufhin gefährlich lange auszusetzen. Doch dann begann es wild zu rasen. Er sah zu Mike und spürte den Drang dazu, dem Jüngeren seine Lippen aufzudrücken. „Aber… die F-Flasche zeigt… nicht eindeutig a-auf mich…“

Anna neigte ihren Kopf sanft und schenkte ihm ein äußerst freundliches, aber auch hinterhältiges Lächeln. „Aber sie blieb stehen, als du gerade da vorbei gelaufen bist. Ist schon in Ordnung.“

Chester nippte an seinem Becher und hoffte durch den Alkohol ein wenig Beruhigung zu finden, ehe er sein Getränk mit zittrigen Fingern beiseite stellte. Vor lauter Nervosität hätte er es sogar fast umgekippt. Er holte tief Luft und stand dann langsam auf. Er glaubte gleich wieder zusammenzubrechen. Seine Beine fühlten sich so wacklig an.

Mike folgte Annas Aufforderung und stellte sich vor Chester. Er jedoch schien die ganze Sache lockerer zu sehen. Mit einem sanften Lächeln biss er sich auf die Lippen und sah den Älteren verschmitzt an. Vorsichtig kam er Chester näher. Seine Augen funkelten dunkel und aufgeregt. Fast zeichnete sich schon eine feurige Leidenschaft in ihnen ab.

Chester zitterte stark. Er hatte es auch kaum mehr unter Kontrolle. Er hatte Angst vor dem Kuss, was die anderen in diesem sehen würden und vor allem vor Anna. Doch er konnte seine Nervosität nicht einmal mehr verstecken und bitterlich zuckte er, als Mike eine Hand gegen seine Wange legte. Diese Geste war schon viel zu eindeutig. „M-Mike…“, hauchte er und schielte verängstig durch die Runde. Sich so vor allen zu outen, hatte er nicht vorgehabt. Andererseits war Mikes Hand wundervoll warm und ein wohliges Kribbeln durchzog seinen Körper.

„Ist schon okay, Chaz.“, murmelte Mike. Der Emcee selbst, wusste nicht, woher er plötzlich diesen Mut gefunden hatte, doch nutze diesen Moment aus. Er schloss die Augen und lehnte sich langsam zu Chester, bevor er ihre Lippen miteinander vereinte. Er konnte Chester schnellen und heißen Atem an seinen Lippen fühlen und wurde vor Vorfreude noch unruhiger. Es war wie eine elektrisierende Explosion in seinem Körper; ein Kribbeln das in sein Unterleib schoss und das ihn genussvoll aufbrummen ließen, während Chester noch geschockt keuchte.

Mikes Augen fielen genießend zu und er ließ seinen Daumen ein paar Mal sanft über die weiche Haut an Chesters Wange streicheln. Dann nahm er sie wieder zurück und legte seine Hände an Chesters Taille. Der Emcee neigte seinen Kopf sanft zur Seite, um den Kuss noch mehr zu intensiveren, als er den Älteren besitzergreifend an den Hüften näher gegen sich zog.

Chester brummte leise in ihren Kuss, als seine Augen nun ebenfalls genießend zufielen und er spürte, wie seine Anspannung von ihm abfiel. Mike hielt ihn und schenkte ihm Sicherheit und er begann sich völlig in den Kuss fallen zu lassen. Er schlang seine Arme um den Nacken des Halbjapaners und vertiefte ihren Kuss.

Joe war völlig verblüfft. Seine Hand fiel auf Mark Oberschenkel und krallte sich dort leicht hinein. Es war so wunderschön. Der komplett Raum schien erneut der Sprache beraubt, als sie von dieser puren Leidenschaft geplättet wurden. Keiner konnte nur einen Mucks verlauten lassen. Sie starrten einfach nur vollends überrascht, aber auch fasziniert auf den einnehmenden Kuss von Mike und Chester.

Der Neue schien beinahe in den Händen von Mike zu zerschmelzen und vergrub seine Finger in dessen schwarzen Haare. Chester wimmerte sanft in den Kuss und mit großen Augen sah Joe dabei zu, wie Mike zärtlich um Einlass bat. Sanft streichelte er Chester mit der Zunge über die Unterlippe und stupste ihn mit seiner Nase.

Chester grinste angetan und öffnete bereitwillig seinen Mund, kam ihm sogar noch mit seiner Zunge entgegen, während er sich ganz eindeutig mit seinem Unterleib näher an Mike drückte. Joe grinste begeistert und schaffte es endlich wieder wegzusehen. Verliebt sah er zu Mark, der seinen bittenden Blick richtig interpretierte und ihn schließlich ebenfalls zu küssen begann.

Anna ließ sich nun komplett verzweifelt in den Sitzsack fallen. Sie verschränkte ihre Arme und sah von ihrem Freund weg. Sie blinzelte stark und versuchte ihre Tränen zurückzuhalten. Zumindest solange sie noch hier war. Sie wusste nicht, warum es so sehr schmerzte. Dieser hitzige Kuss war nur eine Bestätigung ihrer leisen Vermutungen, die sich während des kompletten Abends ergeben hatten.

Sie schluchzte leise und versteckte ihr Gesicht kurz hinter ihren zitternden Händen. Sie hielt es nicht mehr länger aus und rappelte sich hastig auf. „Verlogener Bastard.“, knurrte sie ihren nun Exfreund an und flüchtete dann aus dem Keller.

Ihre Beschimpfung sickerte zu Mike hindurch und brachte ihn hart zurück auf den Boden. Vorsichtig löste er sich aus dem Kuss und ihrer Umarmung, doch er ließ von Chester noch nicht völlig ab. Etwas traurig lächelte er zu ihm und setzte einen kleinen, sanften Kuss gegen Chesters Nasenspitze. „Sorry.“, hauchte er und blickte zur Treppe.

Chester blinzelte und fühlte sich leicht. Er war atemlos und legte seine Hände sanft gegen Mikes Brust. Er genoss den starken Griff des Jüngeren an seiner Hüfte und wusste, dass er keinen einzigen Zweifel mehr haben brauchte. Er grinste überwältigt und nickte schließlich. „Ist… schon o-okay.“, meinte er und biss sich auf die Unterlippe, auf der er noch immer Mikes weiche Lippen spürte.

Der Emcee nickte und ließ nun komplett von dem Älteren ab. Schnell lief er Anna nach. Chester blieb noch immer überrannt stehen. Alles in ihm schien zu lodern. Sein Herz hatte sich beruhigt, klopfte nunmehr kräftig und voller Leidenschaft für den Jungen, der seiner Freundin hinterher rannte. Er schnappte nach Luft und sah sich dann erst um.

Lilly atmete tief ein und lupfte ihre fein gezupften Augenbrauen. Sie schluckte und stand langsam auf. „Na darauf brauche ich erst einmal einen Shot.“, japste sie überfordert. Sie war sich noch nicht sicher, was sie davon halten sollte. Chester wirkte glücklich, aber Anna war eine ihrer besten Freundinnen und sie fühlte starkes Mitleid für sie. Gerne wäre Lilly ihr nach, doch sie wollte Mike erst einmal ein wenig Zeit mit ihr lassen. Lilly hoffte nur, dass Anna ihn dabei nicht zerfleischen würde.

Brad lachte leise in sich hinein und drückte sich stärker in den Sitzsack. Für ihn war die Leidenschaft in dem Kuss nicht sonderlich überraschend gewesen. Leicht überheblich und stolz über seine eigene Beobachtungsgabe, blickte er sich in der Runde um. Doch zu seinem Bedauern schienen die Jungs ebenfalls nicht übermäßig erschrocken zu sein. Er seufzte und grinste zu Chester. „War ja doch irgendwo offensichtlich gewesen.“, seufzte er.

Joe grinste und stand auf, zog den Neuen in eine Umarmung. „Er hat sich völlig in dich vernarrt, Chester.“, bestätigte er ihm mit gutem Gewissen. „Er hat Rat bei mir gesucht. Ich freue mich für euch.“

„Oh…“, keuchte Chester und wusste allerdings nicht viel mit dieser Information anzufangen.

Mark grinste breit und nickte zu Lilly. „Jetzt ist er wieder süß. Zu Schwulen darf man das sagen, zumindest ohne große Bedenken.“

Dave prustete los und schüttelte den Kopf. Lilly zeigte ein kleines Grinsen und trank von ihrem Becher. „Ja, niedlicher Bursche.“, meinte er sie und atmete tief durch. „Mike hätte ich nie so eingeschätzt.“

Joe schenkte ihr ein Lächeln und zuckte sanft die Schultern. „Das hätte wohl keiner, aber wo die Liebe eben hinfällt.“

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Schnell war Mike seiner Freundin hinterher gerannt, hatte bei den Stufen auch gleich zwei auf einmal genommen. Am liebsten wäre er bei Chester geblieben. Gerne wollte er ihn einfach nur in seinen Armen halten und diese neu gewonnene Erfahrung genießen. Der Kuss war atemberaubend schön gewesen. Sein Bauch war in ein heftiges Kribbeln explodiert. Alles um ihn herum war nebensächlich gewesen. Wichtig war nur der schöne Junge in seinen Armen gewesen, dessen Körper sich perfekt gegen seinen eigenen geschmiegt hatte.

„Anna…“, rief er sie, als sie gerade dabei war aus der Tür zu verschwinden. Sie hielt inne und schloss die Augen. Lehnte ihre Stirn gegen die Tür. Langsam kam er auf sie zu und nahm sie zärtlich an der Schulter. Mike drehte sie zu sich herum und sah sie flehend an.

Anna holte tief Luft. Tränen schimmerten in ihren Augen und sie sah zu ihrem Freund. Sie liebte ihn so sehr. Es schmerzte in sein Gesicht zu sehen, nachdem was geschehen war. Sie hielt sich tapfer zusammen. „Gehen wir n-nach… draußen…“, flüsterte sie leise und entzog sich ihm schnell.

Sie kramte in ihrer Tasche herum und zog sich dann eine Zigarettenschachtel hervor. Sie lief die Stufen hinab und setzte sich dann in das weiche Gras im Vorgarten. Mike folgte ihr und sie bot ihm eine Zigarette an, doch er lehnte ab. „Du rauchst?“, fragte er stattdessen und kam sich dämlich vor dies nicht gewusst zu haben.

Anna schüttelte den Kopf. „Die… meiner Schwester. Ich weiß nicht, ich bilde mir gerade ein… eine zu brauchen. Kannst du mir nicht übel nehmen, was?“, giftete sie leicht und blickte ihn wütend an. „Was ist denn bloß zwischen uns passiert?“

Betrübt senkte Mike den Kopf und zuckte mit den Schultern. „Ich weiß es nicht, Anna.“ Etwas unwohl zupfte er an ein paar Grashalmen und rümpfte angewidert die Nase bei dem Rauch, der in seine Richtung zog.  „Tut mir leid… es ist für mich auch nicht so leicht.“

„Sah aber nicht schwer aus… der K-Kuss…“, stockte sie und biss sich stark auf die Unterlippe. Sie schnaubte abfällig bei der noch viel zu präsenten Erinnerung und zog stark an ihrer Kippe. Sie hatten den Wunsch zurückzugehen und dem zugezogenen Jungen die Augen auszukratzen. Er war noch nicht einmal lange in Agoura Hills und hatte Mike schon völlig um den Verstand gebracht.

„Es ist einfach so über mich gekommen. Ich habe ihn vorher nicht angefasst. Wir waren… wir sind nur Freunde, Anna. Bisher jedenfalls, ich hatte nur… einen Verdacht und ganz ehrlich… erst h-heute stand ich es mir so richtig ein, mich in ihn verguckt zu haben.“, erzählte er leise, aber es klang ehrlich und noch immer ziemlich gefühlvoll.

Anna spürte, dass Mike sie nicht verletzen hatte wollen, dass er sie wirklich mal geliebt haben musste. Sie seufzte und schniefte dann. „Ich bin selbst Schuld… d-die scheiß I-Idee mit dem… Flaschendrehen…“, meinte sie verzweifelt und schniefte erneut bitterlich. Sie wischte sich mit dem Handrücken über ihre Augen. „Man hat es doch gemerkt… heute schon den ganzen Abend über. Ich wollte einfach nur Gewissheit. Denn du hättest nichts gesagt, nicht heute und vermutlich auch nicht morgen und das schmerzt gerade so stark.… verdammt, Michael, ich liebe dich.“, keuchte sie und sah ihn flehentlich an. „… bitte, das mit… ihm… ist doch nicht echt.“

Mike sah sie verwirrt an. Er war sich über seine Gefühle bewusst und glaubte nicht an eine kurze Phase. Er schüttelte den Kopf. „Ich mag Chester – wirklich sehr.“

Anna knurrte und verdrehte die Augen. Sie rappelte sich auf und schnipste ihre nur halbaufgerauchte Kippe einfach im Garten weg. Wütend sah sie auf Mike hinab. „Der Sache gebe ich nur ein paar Wochen, du wirst mich viel zu sehr vermissen, Baby.“

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tbc

* Glibbershots: Wackelpudding mit Vodka
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